eJournals unsere jugend72/3

unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2020.art20d
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2020
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Hood Training - fresh, authentisch und auf Augenhöhe

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2020
Daniel Magel
In Deutschland gibt es unterschiedliche präventive Projekte zur Vermittlung von Sozialkompetenzen und zur Verringerung dissozialens Verhaltens. Hood Training ist dabei als niedrigschwelliges offenes sowie explizit partizipatives Angebot auf Augenhöhe der Jugendlichen konzipiert.
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122 unsere jugend, 72. Jg., S. 122 - 127 (2020) DOI 10.2378/ uj2020.art20d © Ernst Reinhardt Verlag München Basel Hood Training - fresh, authentisch und auf Augenhöhe In Deutschland gibt es unterschiedliche präventive Projekte zur Vermittlung von Sozialkompetenzen und zur Verringerung dissozialens Verhaltens. Hood Training ist dabei als niedrigschwelliges offenes sowie explizit partizipatives Angebot auf Augenhöhe der Jugendlichen konzipiert. von Daniel Magel Jg. 1982; Inklusionspädagoge, seit 2001 Gründer des Hood Work- und seit 2010 des Hood Trainings Hood Training Vom Projekt jugendlicher Selbstorganisation aus dem Stadtteil Tenever hat sich Hood Training, eine Mischung aus verschiedenen Kampfsportarten, funktioneller Gymnastik, Fitness, Entspannungstraining, aber auch Beziehungs- und Elternarbeit, Erlebnispädagogik, Hip-Hop und sozialem Training zu einem wirksamen Konzept zum Erreichen Jugendlicher in vielen Stadtteilen entwickelt. Mehrmals die Woche trainieren wir 2020, pädagogisch begleitet, in Bremen Tenever, Huchting, Gröpelingen, Grohn, Lüssum und Kattenturm an inzwischen fünf Hood-Training-Sportparks. Hinzu kommen Schul-AGs, Workshops in verschiedenen Bereichen, Feriencamps, die Arbeit in Einrichtungen der Jugendhilfe und regelmäßige öffentliche Veranstaltungen. Darüber hinaus sind wir in Niedersachsen, Berlin und München aktiv. Unser Ziel bleibt es, Jugendlichen einen Ort zu bieten, an dem sie Rückhalt finden, ihre Fähigkeiten entwickeln und durch Sport in der Gemeinschaft eine sinnvolle Beschäftigung ausüben können. Wir zeigen ihnen, dass sie sich konstruktiv einbringen, persönlich weiterentwickeln und ihre Fähigkeiten auf andere Lebensbereiche übertragen können, anstatt auf der Straße rumzuhängen und kriminell zu werden. Das sind und bleiben die Ziele des Hood Trainings und wir freuen uns, dass unserer Arbeit, sowohl von den Jugendlichen als auch von den Akteuren dieser Stadt, so viel Wertschätzung entgegengebracht wird. Pädagogischer Ansatz Hood Training leistet offene Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten mit einem sozialpolitischen, pädagogischen und soziokulturellen Auftrag (in Anlehnung an den Auftrag des SGB VIII [KJHG - Kinder und Jugendhilfegesetz]) und einem Schwerpunkt im Bereich Gesundheitsprävention. 123 uj 3 | 2020 Hood Training Hood Training grenzt sich von schulischen oder verbandlichen Formen der Jugendarbeit dadurch ab, dass die Hood-Training-Angebote kostenfrei, ohne Mitgliedschaft oder besondere Zugangsvoraussetzungen in der Freizeit von Kindern und Jugendlichen genutzt werden können. Hood Training will damit Bestandteil der sozialen Infrastruktur von Städten und Gemeinden sein. Es lässt sich feststellen, dass sich durch das Trainingsangebot die soziale Interaktion zwischen den TeilnehmerInnen und die besondere Beziehung zum/ zur TrainerIn das Verhalten der Jugendlichen ändern lässt und sich die Aggressionen der Jugendlichen so stark modifizieren können, dass sie im Alltag so gut wie gar nicht mehr auftauchen und die Jugendlichen sich sinnvolle Ziele für die Zukunft stellen. Das Sportangebot an sich spielt eine große Rolle zur Erreichung dieser Entwicklung, jedoch hängen viele weitere Faktoren, die an das Trainingsangebot geknüpft sind, am Gesamtprozess. Dazu zählen regelmäßiger Austausch mit anderen Verantwortlichen wie Eltern, Lehrern, etc. sowie ein breites sozialpädagogisches Begleitangebot. Außerdem spielt das Training eine wichtige strukturelle und soziale Rolle im Leben der Jugendlichen, das ihnen eine besondere Plattform bereitet sich auszuleben und das Gelernte auf die Zeit außerhalb des Trainings zu übertragen. Hood Training gGmbH begleitet und fördert insbesondere bildungs- und sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg in die erwachsene Selbstständigkeit und Mündigkeit und integriert sie in gesellschaftliche Prozesse. Der niederschwellige Zugang zu den Hood Training Angeboten und die spezifischen Arbeitsprinzipien begünstigen den Erwerb von Bildungsinhalten, die für alltägliche Handlungs- und Sozialkompetenzen wichtig sind. Hood Training leistet einen Beitrag zur Integration und Vermeidung von Ausgrenzung. Arbeitsprinzipien Offenheit Hood Training ist ein kulturell, weltanschaulich und politisch ungebundenes Projekt. Kinder und Jugendliche müssen keinerlei Voraussetzungen erfüllen, um die Angebote wahrnehmen zu können. Hood Training setzt die Rahmenbedingungen, um die persönlichen Themen und Anliegen der Kinder und Jugendlichen erfolgreich aufzuarbeiten. Der Fokus des Programms liegt nicht auf der Ergebnisorientierung, sondern auf der Prozesshaftigkeit und gewährleistet bei den Kindern und Jugendlichen somit die Implementierung von Lern- und Bildungsinhalten. Sie finden ohne Leistungsdruck, interessensgeleitet und in aktiver Aneignung statt. Freiwilligkeit Kinder und Jugendliche nutzen die Angebote des Hood Trainings freiwillig und können selbst darüber entscheiden, welche Angebote sie wo und wann wahrnehmen. Partizipation Hood Training erlaubt Kindern und Jugendlichen nicht nur eine aktive Mitgestaltung bei der Wahl der Themen der Angebote und deren Formen, sondern regt sie dazu an, sich einzubringen. Aufgrund der wechselnden Gruppenstrukturen, der Freiwilligkeit des „Kommens und Gehens“ werden Ziele und Inhalte der Angebote mit den Beteiligten immer wieder neu verhandelt und so die demokratischen Erfahrungen junger Menschen gestärkt. Dabei wird die Meinung jedes Einzelnen ernst genommen und in den Aushandlungsprozess einbezogen, Ausgrenzungen wird damit entgegengewirkt. Lebenswelt- und Sozialraumorientierung Hood Training greift die unmittelbaren Erfahrungen bildungs- und sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher mit sich und ihrem 124 uj 3 | 2020 Hood Training Umfeld auf. Dazu gehören Ressourcen wie Einrichtungen und Räume, die für Kinder und Jugendliche von Bedeutung sind oder sein können sowie familiäre Hintergründe, die in die Arbeit mit einbezogen werden. Möglichkeiten, Wertungen und Sinnzuschreibungen der Kinder und Jugendlichen sind Grundlage und Ausgangspunkt der Arbeit von Hood Training. Geschlechtergerechtigkeit Mädchen und Jungen wachsen in unterschiedlichen Lebenslagen auf. Durch geschlechterreflektierende Arbeit versucht Hood Training, Benachteiligung abzubauen und Gleichberechtigung zu fördern. Dazu werden geschlechtshomogene als auch heterogene Angebote eingesetzt. Hood Training will ➤ bildungs- und sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten fördern, ➤ dazu beitragen, Benachteiligung zu vermeiden und abzubauen, Mädchen und Jungen gleichberechtigt zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement anregen, ➤ Eltern und andere Erziehungsberechtigte beraten und unterstützen, ➤ Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen (z. B. vor Drogenkonsum und einem Abgleiten in die Kriminalität), ➤ dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen. Tätigkeitsfelder Hierbei geht es zum einen um konkrete Tätigkeitsfelder (offene Jugendarbeit - Einzelbetreuung) und zum anderen um übergreifende, vernetzende Bereiche sowie Bildungsangebote und Camps. Offene Jugendarbeit Der Schwerpunkt der Organisation liegt in der offenen Arbeit an Calisthenics-Anlagen: Die Calisthenics bzw. Kalisthenie sind eine Form des körperlichen Trainings, das eine Reihe von einfachen, oft rhythmischen Bewegungen beinhaltet und für die nur das eigene Körpergewicht genutzt wird. Trainiert wird meistens an folgenden Geräten: Reck, Barren, Sprossenwand, Turnringe, olympische Langhantel und weitere. Wie im Bremer Stadtteil Tenever gliedert sich die offene Jugendarbeit entlang der regelmäßigen offenen Trainingseinheiten. Kostenlos nehmen Kinder und Jugendliche am sportlichen Angebot teil, das von unseren TrainerInnen als Grundlage für die pädagogische Betreuung genutzt wird. In der Regel finden wöchentlich drei offene Trainingseinheiten am Calisthenics-Park statt. Pädagogisch ausgebildete TrainerInnen leiten das Angebot. Die genauen Inhalte des Trainings wechseln regelmäßig, orientieren sich aber am gleichbleibenden Schema. Das Ziel ist die Stärkung physischer Gesundheitsressourcen (insbesondere die Faktoren gesundheitsbezogene Fitness, Ausdauer, Kraft, Dehnfähigkeit, Koordinationsfähigkeit, Entspannungsfähigkeit) durch regelmäßiges Training mit unterschiedlichen Trainingszielen (Fitness, Ausdauer, Kraft, Dehnfähigkeit+ Beweglichkeit, Koordination, Entspannung und Meditation). Die Trainingsziele werden an die Teilnehmenden sinnvoll angepasst und inhaltlich vermittelt. Schulbegleitung Viele Kinder, besonders in Ballungsräumen, lernen bereits vor ihrer Einschulung, Gewalt als primäre Konfliktlösungsstrategie anzuwenden. Weil die Schule meist das prägende soziale Umfeld für das Kind ist, können schulische Gewaltpräventionsmaßnahmen eine langfristige, positive Auswirkung auf die Entwicklung des Kindes haben. Ringen und Kämpfen im Unterricht stellen eine erfolgreiche Möglichkeit dar, Kinder körperlich zu fordern und das vorhandene Gewaltpoten- 125 uj 3 | 2020 Hood Training zial in kontrollierte Bahnen zu lenken. Dabei werden während der Schul-AG Techniken und vorbereitende Übungen vermittelt, sowie pädagogische Hinweise gegeben, damit Kinder in einem geschützten Raum ringen und fair kämpfen können. Durch die Vermittlung von Regeln, Disziplin und Selbstbeherrschung wird die Einstellung zur Gewalt verändert und Aggressionen können kontrolliert im geregelten und geschützten Raum ausgelebt werden. Bewusster Frustabbau, Erhöhung der körperlichen Fitness und Aufbau des Selbstbewusstseins wirken sich positiv und langfristig auf die gesamte Persönlichkeitsentwicklung des Kindes aus. Auch deshalb ist das körperliche Training in Verbindung mit pädagogischen Übungen eine aussichtsreiche Möglichkeit der Gewaltprävention. In diesem Kontext sozialpädagogischer Maßnahmen gewinnen körper- und bewegungsbezogene Konzepte der Gewaltprävention durch Sport zunehmend an Bedeutung. Solche Konzepte haben das Ziel, Kindern neue Wege zur Konfliktlösung zu eröffnen und Gewalt zu vermindern und zu verhindern. Dabei ist es wichtig, Kinder auf der Beziehungsebene durch Sport zu erreichen. Aggressionen und motorischer Bewegungsdrang können „gesteuert“, vorhandene körperliche Fähigkeiten eingesetzt sowie Schwellenängste abgebaut werden. Das Selbstwertgefühl kann gestärkt werden, Eigenverantwortung sowie Selbstständigkeit wird stimuliert. Den Kindern soll die Möglichkeit geboten werden, ihre Grenzen auszutesten, die gemeinsam aufgestellten Regeln akzeptieren zu lernen und Fairness zu praktizieren. All diese Fähigkeiten brauchen die Kinder und Menschen heutzutage, um an der Gesellschaft zu partizipieren und auf eine angemessene Art und Weise miteinander zu kommunizieren. Einrichtungsbegleitung Das Hood Training ist ebenfalls geeignet, um Jugendliche in Einrichtungen zu begleiten, so wie es bereits in Kooperation mit der JVA Bremen und der intensivpädagogischen Einrichtung in der Rekumer Straße geschieht. Mit dem Auftraggeber und den Jugendlichen wird eine Zielvereinbarung festgehalten. Um pädagogische Ziele effizient zu erreichen, wenden unsere MitarbeiterInnen drei Zwischenstufen (Zwischenziele) an, um die Entwicklung zu fördern. Jede Entwicklungsstufe beinhaltet drei verschiedene Werte: 1 Stufe: Pünktlichkeit, Ordnung, Engagement 2 Stufe: Disziplin, Respekt, Solidarität 3 Stufe: Verantwortung, Selbstständigkeit, Führungsqualität Die Jugendlichen werden zu Beginn der Maßnahme aus der Einrichtung abgeholt und zum Training begleitet. TrainerInnen erstellen gemeinsam mit den Jugendlichen einen Arbeits-, Trainings-, und bei Bedarf auch einen Ernährungsplan. Die Verhaltensregeln und die Konsequenzen werden erklärt und schriftlich an die Teilnehmenden weitergegeben. Aufnahmegespräche, verschriftlichte Zielvereinbarungen und ein Zwischenbericht zu der Hälfte der vereinbarten Zeit sind Bestandteile der Leistung des Hood Trainings und tragen, gemeinsam mit der internen Qualitätskontrolle des Trägers, zur transparenten und ergebnisorientierten Begleitung der Teilnehmenden bei. Einzelbetreuung Unser Programm ist darauf spezialisiert, Jugendliche physisch und mental zu fördern, damit sie die Lebensaufgaben im Alltag besser bewältigen können. Das Einzelprogramm ist vor allem zugeschnitten auf: Jugendliche aus Jugendeinrichtungen, Schuleinrichtungen, ambulanter Betreuung oder Familienhäusern, die Schwierigkeiten haben sich an Regeln und Abmachungen zu halten. Das erklärte Ziel ist die nachhaltige Vermittlung von Werten wie Disziplin, Respekt und Gruppengemeinschaft. Die Jugendarbeit von Hood Training ist sowohl präventiv als auch progressiv. Seit 2010 arbeiten wir mit Jugendlichen aus strukturschwachen Umgebungen, seit 2015 mit jugendlichen 126 uj 3 | 2020 Hood Training Delinquenten in der Justizvollzugsanstalt. Unsere PädagogInnen und SportlerInnen werden durch unser Fortbildungsprogramm geschult und auf die unterschiedlichen Maßnahmen beruflich vorbereitet. Hood Training im Quartier Das Hood Training setzt auf nachhaltige Arbeit im Quartier, beginnend bei der Vernetzung zu anderen Akteuren. Die Kooperation mit lokalen Trägern der Jugendhilfe ist sowohl bei der Durchführung von weiterführenden Projekten als auch im Rahmen des regelmäßigen offenen Trainings möglich. Wir bieten den Kindern und Jugendlichen des Hood Trainings gerne Aktivitäten und Projekte an, die über das Training hinausgehen, wie zum Beispiel Workshops für Graffiti und Hip-Hop oder die Teilnahme an Sportveranstaltungen und Wettkämpfen. Dazu arbeiten wir eng mit wechselnden Netzwerkpartnern zusammen. Wir verstehen das Hood Training als Schnittstelle zwischen Bildung und Freizeit. Dementsprechend arbeiten wir kontinuierlich mit Akteuren aus den Bereichen Kultur, Schule, Freizeit und Sport. Kooperationen und Fortbildung zum/ zur Hood Trainer/ in Im Rahmen des regelmäßigen Trainings streben wir ebenfalls Kooperationen an. Das Hood Training ist in immer mehr Quartieren vertreten und möchte die vorhandenen Kompetenzen der Akteure vor Ort einbinden. Zu diesem Zweck haben wir eine Fortbildung zum/ zur „Hood TrainerIn“ erarbeitet. PädagogInnen aus allen Bereichen können an dieser Fortbildung teilnehmen und sich als Hood TrainerIn zertifizieren lassen. Gerne möchten wir Akteure in Quartieren dafür gewinnen, das Training in Kooperation mit uns durchzuführen und durch die eigenen, zum/ zur Hood TrainerIn fortgebildeten MitarbeiterInnen begleiten zu lassen. Dort, wo Hood Training als Konzept der Jugendhilfe umgesetzt wird, sind die Hood TrainerInnen vor Ort. Das Ziel der Fortbildung zum/ zur Hood TrainerIn ist es, fundierte Kenntnisse im Bereich der intensiven Kinder- und Jugendhilfe mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen zu erlangen. Dabei wird zwischen der präventiven Kinder- und Jugendarbeit (offene Jugendarbeit und Schulbegleitung) und der progressiven Jugendarbeit bspw. der Resozialisierung in der Justizvollzugsanstalt unterschieden. Durch die spezielle Zusatzqualifikation zum/ zur Hood TrainerIn werden PädagogInnen: ➤ im Umgang mit Jugendkultur geschult, ➤ im Themenbereich Armut sensibilisiert, ➤ über Ziele und Inhalte des Hood Trainings informiert, ➤ im Deeskalationstraining fortgebildet, ➤ im Bereich verbale und nonverbale Kommunikation unterrichtet, ➤ über die Ideen, Techniken und Abläufe der Sportart Calisthenics aufgeklärt, ➤ tangierte Bereiche des SGB XIII vermittelt. Nachhaltige Jugendarbeit Der Nachhaltigkeitsgedanke der Quartierarbeit zieht sich durch die gesamte Angebotspalette des Hood Trainings. Neben den Fähigkeiten und Werten, die den teilnehmenden Jugendlichen und Kindern vermittelt werden, sollen die Teilnehmenden des Hood Trainings die Möglichkeit erhalten, sich ehrenamtlich einzubringen und, im Idealfall, zu den Hood TrainerInnen der Zukunft werden. Hierzu bindet das Hood Training fortgeschrittene Jugendliche in organisatorische und unterstützende Aufgaben ein, deren Übernahme ihnen bescheinigt wird. Dies soll bei späteren Bewerbungen helfen. Darüber hinaus bietet das Hood Training eine spezielle Qualifikation bzw. eine Bildungsorientierungsmaßnahme für Jugendliche an, die mit dem Zertifikat „Hood TrainerIn Assistenz“ abgeschlossen wird. Die Fortbildung „Hood TrainerIn Assistenz“ richtet sich an Jugendliche und vermittelt ihnen be- 127 uj 3 | 2020 Hood Training rufliche Perspektiven im Bereich der pädagogischen Jugendarbeit. Die Fortbildung zielt darauf ab, das Interesse von Jugendlichen für eine Ausbildung oder einer anderen Bildungsform im pädagogischen Bereich zu wecken. Die Jugendlichen sollen die Arbeit von Hood TrainerInnen verstehen und dabei die Möglichkeiten der Pädagogik, außerhalb der gängigen Arbeitsbereiche (wie bspw. ErzieherIn und/ oder BetreuerIn) kennenlernen. Den Jugendlichen wird die Motivation von PädagogInnen nähergebracht und ein Weg aufgezeigt, die pädagogische Arbeit als berufliche Perspektive zu begreifen. Mit dem Abschluss der berufsorientierenden Maßnahme erlangen die Kinder und Jugendlichen eine Teilqualifizierung mit dem Titel „Hood TrainerIn Assistenz“. Die TeilnehmerInnen sollen im Rahmen der Fortbildung fundierte Kenntnisse in den folgenden Bereichen erlangen: ➤ Aktive Kinder- und Jugendhilfe mit Sport- und Erlebnispädagogik ➤ Basiskenntnisse in der offenen Kinder- und Jugendarbeit ➤ Basiswissen zu Präventionsmaßnahmen in der Kinder- und Jugendarbeit in sozial benachteiligten Stadtteilen ➤ Progressive und Resozialisierungsmaßnahmen mit strafauffälligen Kindern und Jugendlichen ➤ Sportliche Weiterbildung in dem Bereich Calisthenics und eigene Körperbeherrschung Nutzung des öffentlichen Raums Das Hood Training setzt sich dafür ein, Kindern und Jugendlichen mehr Möglichkeiten der Betätigung im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Die Calisthenics-Parks in den Quartieren sind daher offen gestaltet und können auch abseits der Angebote des Hood Trainings genutzt werden. Die Parks bieten, neben einer Aufwertung von ansonsten ungenutzten Freiflächen, Möglichkeiten zur kostenlosen sportlichen und freizeitlichen Nutzung und fördern die sportliche Betätigung im Quartier. Workshops, Camps & Ferienprogramme Das Hood Training bietet verschiedene zeitlich begrenzte Formate an, in deren Rahmen die Ziele und Methoden des Projekts Anwendung finden. Dies können Calisthenics-Tagesworkshops oder auch mehrtägige Feriencamps sein, in denen den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen ein sportliches und pädagogisches Rahmenprogramm geboten wird, das sich an den Zielen des Hood Trainings orientiert. Auch die Einbindung von verschiedenen Aspekten urbaner Jugendkultur (Hip-Hop, Musikproduktion, Foto- und Videoproduktion, Tanz oder Graffiti) ist möglich. Schlusswort Durch Sport und andere Aktivitäten wie Kunst, Musik, Tanz, Theater, Medienarbeit, Erlebnispädagogik und intensive Betreuung sollen den teilnehmenden Jugendlichen neue Möglichkeiten gegeben werden. Eine nachhaltige Gewaltprävention gelingt nur dann, wenn verschiedene Institutionen, die am Fall arbeiten, zusammenarbeiten, sich ständig über die Entwicklung des Falls austauschen und im strukturellen sowie personellen Bereich soziale Netzwerke schaffen. Es muss bewusst sein, dass Gewaltprävention ein kontinuierlicher Prozess ist und alle Beteiligten dauerhaft und nachhaltig gemeinsam an einem Strang ziehen müssen. Daniel Magel Geschäftsführung Hood Training gGmbH Graubündener Straße 33 28325 Bremen Tel.: (01 73) 8 49 88 22 E-Mail: info@hoodtraining.de