eJournals unsere jugend72/4

unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2020.art28d
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2020
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Wenn gemeinsames Leben zum Therapeutikum wird

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2020
Judith Heinze
Michael Heinze
Viele Berufsjahre in der pädagogischen und sozialen Arbeit haben uns realistischer werden lassen. Das Engagement für Kinder- und Jugendliche und die Begeisterung für die Arbeit mit ihnen sind geblieben. Die Idee, Wohnen, Arbeit und Leben zu teilen existierte immer. Nach Prüfung verschiedener Optionen stand die Entscheidung fest, Erziehungsstelle zu werden.
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173 unsere jugend, 72. Jg., S. 173 - 177 (2020) DOI 10.2378/ uj2020.art28d © Ernst Reinhardt Verlag München Basel Wenn gemeinsames Leben zum Therapeutikum wird Praxisbericht einer Erziehungsstelle Viele Berufsjahre in der pädagogischen und sozialen Arbeit haben uns realistischer werden lassen. Das Engagement für Kinder- und Jugendliche und die Begeisterung für die Arbeit mit ihnen sind geblieben. Die Idee, Wohnen, Arbeit und Leben zu teilen existierte immer. Nach Prüfung verschiedener Optionen stand die Entscheidung fest, Erziehungsstelle zu werden. Eigenes Familienleben als Grundlage Bereits zu Beginn unseres Berufslebens interessierten wir uns für das Konzept des gemeinsamen Lebens mit Klienten. Wir waren etwas ernüchtert, als man uns auf einer Veranstaltung zum Thema Pflegekinder freundlich, aber bestimmt eine Absage erteilte. Rückblickend waren die seinerzeit bemerkten Argumente, selbst erst einmal Kinder zu bekommen, Erfahrung im Beruf zu sammeln, persönlich reifer zu werden, natürlich völlig richtig. So rückte die Idee, Kinder aufzunehmen, in den Hintergrund. Die Veränderung des Lebens durch drei eigene Kinder und die damit verbundene Verantwortung hatten wir tatsächlich nicht in der Theorie erlernt. Vermutlich alle Eltern kennen die Glücksgefühle, wenn Kinder wieder eine Entwicklungsstufe genommen haben, und erinnern sich an viele niedliche Anekdoten. Nun folgt natürlich das erwartete ,aber‘ oder besser das ,sowohl als auch‘. Denn auch Krankheiten, Streitigkeiten, Schlafmangel oder störendes Verhalten und die Pubertät gehören dazu. Wir haben so manche Überraschung erlebt. Daher glaubten wir, dass unsere Familie eine gute Basis für den Start einer familienanalogen Arbeit sein könnte. Wir wurden recht zügig von der Realität eingeholt. 20 Jahre Vorbereitung Meine Frau Judith hat als Erzieherin oft mit kleineren Kindern gearbeitet und sie hat schnell einen guten Blick für deren Bedarfe. Dabei gelingt es ihr bis heute, sich zu behaupten und dabei geduldig und liebevoll zu bleiben. Das Erziehen und Fördern unserer eigenen Kinder war bisher der aufwendigste ,Job‘ ihres Lebens. Während ich einer geregelten Arbeit nachging, hatte sie in den ersvon Judith Heinze Jg. 1976; staatlich anerkannte Erzieherin, Vollzeittätigkeit als Erziehungsstelle Michael Heinze Jg. 1973; Diplom-Sozialarbeiter, Vollzeittätigkeit als Erziehungsstelle 174 uj 4 | 2020 Praxisbericht einer Erziehungsstelle ten Jahren 24 Stunden an jedem Tag im Jahr Dienst, bis sie wieder als Erzieherin in Teilzeit gearbeitet hat. Ich hatte im Job manche Abwechslung und Herausforderung. Wenn man oder in unserem Fall Frau viel daheim gefordert wird, ist das eine besondere Form der Dauerbelastung und oft wenig abwechslungsreich. Im Laufe unserer Arbeit als Erziehungsstelle habe ich darüber einige Male geklagt. Meine Frau konnte dann recht gelassen antworten: „Das kenne ich.“ Rückblickend sind es die Erfahrungen von fast 20 Jahren, die jeder von uns in der Familie und im Beruf sammeln konnte, die uns ein Stück weit auf ein Leben mit aufgenommenen Kindern vorbereitet haben. Als Ehepaar und Kollegen Letztlich haben auch diese Erfahrungen dazu beigetragen, dass klar war, es geht nur zusammen. Gehört und gelesen hatten wir, dass es ein gängiges Modell sei, wenn der Mann einer ,normalen‘ Tätigkeit nachgehe und die Frau daheim als Fachkraft der Erziehungsstelle arbeitet. Wir entschieden uns dennoch, gemeinsam tätig zu werden und Stellenanteile zu teilen. Nicht ohne Risiko, schließlich kannten wir uns als Kollegen nur sehr bedingt. Beim gemeinsamen ehrenamtlichen Engagement in der Jugendarbeit und im kirchlichen Bereich durften wir zumindest schon etwas proben. Dass Kinder haben nicht nur immer schön ist und die eigene Paarbeziehung belasten kann, war uns bewusst. Wir wussten, wie angespannt es werden konnte, wenn ich nach der Arbeit erschöpft heimkam und meine Frau müde war, weil drei agile und willensstarke Kinder die Bude gerockt haben. Und wie wir alle wissen, ist der Tag dann noch lange nicht um. Ein weiteres Argument für die gemeinsame Arbeit war, dass jeder von uns noch mit einem kleinen Stundenanteil außerhalb tätig sein wollte und so den Bezug zu Kollegen aufrechterhalten und Erfahrungen machen konnte. Zumindest vorerst. Eigene Einrichtung oder in Trägerschaft Nachdem feststand, Erziehungsstelle zu werden, stellten sich eine Menge Fragen. Grundsätzlich mussten wir uns entscheiden, ob wir in einem Angestelltenverhältnis oder als Honorarkräfte für einen externen Träger arbeiten möchten oder eigene Einrichtung werden. Die Vor- und Nachteile der jeweiligen Modelle zu thematisieren soll hier entfallen. Eine solche Entscheidung ist nicht zu verallgemeinern und Kolleginnen und Kollegen, die auch als Erziehungsstelle arbeiten, haben alle ihre Gründe für den gewählten Rahmen ihrer Tätigkeit. Zugegeben, der Aufwand, ohne einen Träger zu arbeiten, erschien uns hoch. Neben dem Erstellen eines Leistungsangebotes gehörten Entgeltkalkulation, bauliche Maßnahmen und das Erfüllen verschiedener Formalitäten zu den Aufgaben. Dies hatten wir bisher noch nicht gelernt. Letztlich überwog der Wunsch, unsere Kompetenzen und eigenen pädagogischen Überzeugungen in einem Konzept festzuhalten und in der Arbeit zu leben und umzusetzen. Natürlich war es teilweise anstrengend und mühsam, sich in die verschiedenen Themen einzuarbeiten. Während An- und Umbau unseres Hauses übten wir uns in Kalkulation, der Formulierung von Leistungen, dem Verhandeln von Entgelten und dem Sammeln von Dokumenten. Zwischendurch erfolgten Gespräche mit dem Landesjugendamt und dem Landkreis. Als wir schließlich die Betriebsgenehmigung in der Hand hielten, waren wir erleichtert. Bis heute freuen wir uns darüber, eigenständig zu sein. Die daraus resultierende Entscheidungsfreiheit wiegt für uns den Aufwand der Selbstorganisation auf. Zwei einfache 34er bitte Niemand von uns hatte bisher in einer Erziehungsstelle gearbeitet. Mit Rücksicht darauf und aus Verantwortung gegenüber unseren Kindern, wollten wir vorsichtig starten. Die sogenannten „Kaliber“ aufzunehmen, trauten wir 175 uj 4 | 2020 Praxisbericht einer Erziehungsstelle uns noch nicht zu. Als wir bereit zur Aufnahme waren, kommunizierten wir genau das. Die Jugendämter, wir boten unsere Leistungen in der Umgebung an, äußerten Verständnis. Die große Zahl von Anfragen zur Unterbringung hat uns überrascht. Zwar wussten wir, dass Plätze in familienanalogen Wohnformen gesucht werden, dass der Bedarf aber so deutlich die Angebote übersteigt, hat uns verunsichert. Schließlich war es an uns, zu entscheiden, welche Kinder wir kennenlernen wollten und letztlich aufnahmen und anderen Kindern damit diese Möglichkeit nicht bieten konnten. Wer an dieser Stelle zwischen den Zeilen einen Aufruf zur Einrichtung weiterer Erziehungsstellen liest, darf sich gerne motiviert fühlen. Unsere Entscheidung, ein Geschwisterpaar (3 und 8 Jahre alt) aufzunehmen, die zwar ein trauriges Schicksal erlitten hatten, bei dem es aber eine kooperative und bemühte Familie im Hintergrund geben sollte und deren Sozialisation soweit positiv erschien, fiel schnell. Besonders überzeugt hat uns, dass die Herkunftsfamilie bisher noch kein Jugendhilfefall gewesen sei, regelmäßige Beurlaubungen zu unserer Entlastung stattfinden könnten und die Kinder keine besonderen Auffälligkeiten zeigen würden. Und in der Tat gestalteten sich die ersten Wochen nach der Aufnahme zwar aufwendig, schließlich war die Lebenssituation plötzlich für alle völlig neu, aber bis auf kleinere Merkwürdigkeiten wenig problematisch. Und jetzt packen wir aus Vermutlich mussten Sie, liebe erfahrene Kolleginnen und Kollegen, bisher schon einmal schmunzeln. Tun Sie es bitte gerne weiter, wir können es inzwischen auch wieder. Natürlich haben wir vorher schon über Anpassungsleistung gelesen, gehört oder sie auch in Ansätzen erlebt. Drei Monate davon hatten unsere aufgenommenen Kinder schon in der Bereitschaftspflege verbracht, einige Wochen bei uns kamen hinzu. Dann sammelten wir nahezu täglich ,neue‘ Verhaltensweisen und in psychiatrischen Testungen auch Diagnosen. Panikattacken nachts, Nahrungsverweigerung, sexualisiertes Verhalten. Die Liste ließe sich fortschreiben. Wir hatten schon etwas über Regression gelernt. Dass ein Kind jedoch situativ das Laufen verlernt, über den Boden kriecht und die Sprache verliert, hatten wir noch nicht erlebt. Ebenso wenig, dass ein Kind mangels eines Ichs immer der absolute Mittelpunkt sein muss und stets nach sofortiger Bedürfnisbefriedigung schreit. Wir standen rund um die Uhr unter Beobachtung, denn Erwachsene waren im Vorleben der Kinder gefährlich. Es gibt bis heute wenige Momente, in denen wir etwas Abstand nehmen können und die Dauerverfügbarkeit führt zwischendurch zur totalen Erschöpfung. Auf deutsch gesagt wussten wir kaum mehr, wo die Glocken hingen, und unsere eigenen Kinder waren nahezu außen vor. Die hohe Bedürftigkeit der aufgenommenen Kinder ließ wenig bis keine Möglichkeiten, Rücksicht auf sich und die eigene Familie zu nehmen. Systemsprenger und Systemzersetzer Auch wir haben uns von Nora Fingscheidts Film „Systemsprenger“ beeindrucken lassen. Die Not des Mädchens, ihre Energie, ihr Potenzial, die Sehnsucht nach Geborgenheit und Heimat. Dazu die schwierigen rechtlichen und formalen Rahmenbedingungen, die Jugendhilfe oft mit sich bringt und die zu zusätzlicher Unsicherheit führen. Dinge, die bekannt sind, ebenso wie der Wunsch vom Kind, zur Mutter, bzw. den Eltern zurückzukehren, egal was ihm von ihnen angetan wurde. Diese Themen nun aber geballt in unserer Familie zu haben und zu bearbeiten, war und ist eine andauernde Herausforderung. Es hat etwas gedauert, bis wir nicht nur die extrovertierten und System sprengenden Verhaltensweisen, sondern auch die vielen versteckten, unterschwelligen und System zersetzenden Handlungen bemerkten. Laut und aggressiv fällt schnell auf und verlangt nach Reaktion. Die 176 uj 4 | 2020 Praxisbericht einer Erziehungsstelle Auswirkungen der psychischen Störungen sind nicht immer und sofort sichtbar. Sie vergiften oft langsam und unterschwellig die Stimmung im Haushalt und saugen Kraftreserven. Ein Gefühl von Hilflosigkeit und Überforderung entstand in uns. Unsere Arbeit wurde auf die Probe gestellt. Die Arbeit an den Beziehungen der eigenen Familie und der Erhalt der Partnerschaft stellen in diesem Kontext eine besondere Herausforderung dar. Eigene Ehe und Familie retten Wir haben es in 21 Jahren Ehe und 17 Jahren gemeinsamer Kindererziehung immer wieder erlebt, dass Beziehung Arbeit bedeutet. Man entfernt sich, nähert sich an, streitet und versöhnt sich, wächst als Persönlichkeit, lernt Kompromissbereitschaft, teilt Wunderbares und Probleme. Die Überschrift dieses Abschnitts klingt dramatisch. Uns wurde aber schnell klar, wenn schon das alltägliche Familienleben genug Anlass zu Konflikt oder gar Trennung bietet, dann kann ein Leben als Jugendhilfeeinrichtung zusätzlicher Zündstoff sein. Unsere Verabredung ist daher, sollte sich die Existenzfrage stellen, dass Ehe und Familie vor Erziehungsstelle kommen. Wir wünschen uns sehr, dass die aufgenommen Kinder bei uns heimisch sind und über die pädagogischen Hilfen hinaus auch das Familienleben annehmen. In den kurzen Phasen, wo dies stattfindet, haben wir das dankbare Gefühl, Routine zu erleben. Dann, wenn es nicht möglich ist, steht Familie neben Erziehungsstelle und die Bedarfe der eigenen Kinder müssen berücksichtigt werden. Nicht nur wir als Eltern und Pädagogen, sondern auch unseren Kindern wird eine besondere Leistung abverlangt. Sie erlebten von jetzt auf gleich, wie es war, nur noch bedingt wahrgenommen zu werden, und sahen, dass ihre Eltern zwei fremden Kindern sehr viel Aufmerksamkeit zuwendeten. So ruderten wir oft herum, um irgendwie allen gerecht zu werden und neben guter Elternschaft auch erfolgreiche Jugendhilfe zu realisieren. Geholfen hat, wie so oft in der Arbeit mit Menschen, Abgrenzung. Besonders meiner Frau ist zu verdanken, dass durch das Verfolgen einer klaren Linie unsere Erziehungsstellenkinder immer wieder trainiert werden, sich auch einmal zurückzunehmen. Inzwischen traue auch ich mich, ab und an deutlich meine Erwartungen zum Ausdruck zu bringen. Ein alter Kollege spricht in diesem Zusammenhang oft von Liebe und Disziplin als Basis erfolgreicher Jugendhilfe. Jenseits der Grenze entsteht dann wieder Raum für die eigenen Kinder. Letztlich kann die Anerkennung ihnen gegenüber gar nicht hoch genug sein. Mit viel Geduld und Kreativität helfen unsere Kinder, den Kindern der Erziehungsstelle immer wieder aus Depression und Isolation. Da 24 Stunden am Tag ohnehin nicht genügen, um alle Bedarfe zu befriedigen, nehmen wir uns inzwischen als Paar auch ab und zu aus der Lebenssituation heraus. Damit die nötige 24/ 7-Betreuung auch in Abwesenheit gewährleistet ist, haben wir zusätzliche Hilfen eingefordert. Abbruch oder Veränderung Dass wir unsere Erziehungsstellenkinder gern haben und auch nach extrem belastenden Phasen immer wieder unser Herz öffnen, um am nächsten Tag ein neues Angebot zu machen, ist selbstverständlich. Dennoch erwogen wir nach knapp einem Jahr, einer nicht enden wollenden Zeit der Belastung durch die psychischen Störungen der Kinder, die Maßnahme zu beenden. Der Betreuungsaufwand war kaum mehr zu leisten. Mithilfe unserer Psychologin haben wir in der Fachberatung darum gerungen, die richtige Entscheidung zu treffen. Zudem haben wir beim Landesjugendamt um Beratung gebeten. Ergebnis war, dass der nötige Aufwand so nicht zu leisten war. Inzwischen waren wir beide Vollzeit in der Erziehungsstelle tätig. An eine Nebenbeschäftigung außerhalb war nicht mehr zu denken. Uns war immer klar, dass Arbeitszeit und Familienleben in dieser Form der Jugendhilfe nicht zu trennen sind. Dass wir uns aber 177 uj 4 | 2020 Praxisbericht einer Erziehungsstelle weiterhin eine Stelle teilen und dafür rund um die Uhr Dienst leisten müssen, erschien uns keine Perspektive. Wir wehrten uns gegen das Gefühl und manche Erwartung von außen, Pflegefamilie zu sein. Wenn es weitergehen sollte, mussten auch unsere Kinder und das Partnerleben wieder eine Chance bekommen. Auf Empfehlung investierten wir einige Monate, um Leistungsangebot und Kalkulation an die Situation anzupassen. Ziel war es auch, finanzielle Mittel für Personal zur Entlastung zu erhalten. Ich kann nicht sagen, dass Entgeltverhandlungen schön sind. Besonders, wenn man in eigener Sache verhandelt und den Betreuungsaufwand täglich erlebt, kann man gewisse Emotionen nicht verhindern. Dann mit dem zuständigen Jugendamt über Euros zu diskutieren, fiel uns nicht leicht. Es ist völlig klar, dass die Vertreter der öffentlichen Hand sorgsam mit Geld umgehen müssen. Dennoch lohnt es sich, dafür zu streiten, dass die geleistete Arbeit auch eine finanzielle Anerkennung findet. Mit einer gewissen Beharrlichkeit ließ sich in unserer Sache ein Kompromiss finden, der uns bis heute hilft, Entlastung durch ergänzendes Personal sowie schöne Unternehmungen und Phasen der Erholung zu realisieren. Es tut gut, wenn es zwischendurch kurze Zeiten des Abstandes gibt, weil die Kinder extern betreut werden oder wir für einen Tag Abstand nehmen können. Auch zum Ende des dritten Jahres als Erziehungsstelle arbeiten wir weiter daran, uns der Situation anzupassen und die Bedarfe der aufgenommenen Kinder und unserer Familie zu befriedigen. Das ist oft ein Ringen um Kompromisse und wir alle miteinander stecken dafür auch zurück. Dafür konnten wir auch gemeinsam tolle Reisen unternehmen und Erfahrungen sammeln, die uns allen nachhaltig guttun und Zusammenhalt wachsen lassen. Mit fachlicher Beratung und der Bereitschaft, uns zu hinterfragen, finden wir in Krisenzeiten regelmäßig zurück zu einer positiven und bejahenden Haltung. Königsdisziplin der Jugendhilfe und heilende Beziehungen In entspannten Momenten blicken wir auf eine beeindruckende Entwicklung zurück. Eigenlob stinkt nicht. Wir sind dankbar, dass unser Einsatz und das in unserem Umfeld organisierte Helfersystem Erfolge sichtbar werden lassen. Beide aufgenommenen Kinder haben in wenigen Jahren große Entwicklungsrückstände aufgeholt. Sozialisation gelingt zunehmend, Bildung hilft bei dem Weg aus prekären Verhältnissen, Therapie unterstützt die Aufarbeitung von Traumata und soziales Training fördert die eigenständige Gestaltung des Alltags. Von außen bekommen wir viel Zustimmung und Anerkennung. Es wird bemerkt, wie positiv die Kinder sich verändern. Unsere Fachberatung spricht von Erziehungsstelle als Königsdisziplin der Jugendhilfe. Stationäre Heimerziehung, ob institutionell oder familienanalog, ist ein besonderes und oftmals ein besonders herausforderndes Arbeitsfeld und verlangt von den Pädagogen hohe Belastbarkeit und Enthusiasmus. Die Leistung im familiären Kontext ist wegen der Dauerbereitschaft zusätzlich intensiv und belastend, aber auch besonders positiv prägend, weil Familienstruktur erlebt und neu gelernt werden kann. Ein gesundes Familienverständnis lässt sich kaum kommunizieren. Kinder brauchen die Möglichkeit, in der Praxis überprüfen zu können, ob das System, in dem sie nun leben, trägt. In einem der psychiatrischen Gutachten über unsere Kinder steht nach vielen Fachtermini und Behandlungsansätzen: „Entscheidend für die Entwicklung der Kinder sind die heilenden Beziehungen in der Familie.“ Der Einfachheit und Komplexität dieses summierenden Satzes ist nichts hinzuzufügen. Diplom-Sozialarbeiter Michael Heinze Auf dem Int 16 26969 Butjadingen Tel. (0 47 36) 9 49 99 15 E-Mail: projektstelle.heinze@icloud.com