eJournals unsere jugend74/2

unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Editorial

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Monika Feist-Ortmanns
Michael Macsenaere
Liebe Leserinnen und Leser, das Thema Kinderschutz lässt niemanden kalt und das ist auch gut so. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass auch die wissenschaftlichen und fachlichen Debatten zu diesem Thema häufig emotional geführt werden. Hinderlich wird diese Emotionalität dann, wenn sie einen sachlichen Diskurs und eine gelingende Zusammenarbeit verhindert, was ins­besondere, befeuert durch ein gewisses „Lagerdenken“, schnell bei einem Austausch zwischen den VertreterInnen unterschiedlicher Professionen und Hilfesysteme geschieht.
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49 Editorial unsere jugend, 74. Jg., S. 49 (2022) DOI 10.2378/ uj2022.art09d © Ernst Reinhardt Verlag Liebe Leserinnen und Leser, das Thema Kinderschutz lässt niemanden kalt und das ist auch gut so. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass auch die wissenschaftlichen und fachlichen Debatten zu diesem Thema häufig emotional geführt werden. Hinderlich wird diese Emotionalität dann, wenn sie einen sachlichen Diskurs und eine gelingende Zusammenarbeit verhindert, was insbesondere, befeuert durch ein gewisses „Lagerdenken“, schnell bei einem Austausch zwischen den VertreterInnen unterschiedlicher Professionen und Hilfesysteme geschieht. Dies ist umso misslicher, da nahezu alle Analysen von gescheiterten Kinderschutzverläufen zeigen, wie wichtig eine bruchfreie Zusammenarbeit über Systemgrenzen hinweg und eine multiprofessionelle Situationseinschätzung sind. Dass die intersystemische Zusammenarbeit von den professionellen Akteuren im Kinderschutz sehr unterschiedlich bewertet wird, wurde auch in der Studie zu hochproblematischen Kinderschutzverläufen im Auftrag des Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ) deutlich: Während die Zusammenarbeit seitens der VertreterInnen der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe weit überwiegend als gelingend eingestuft wurde, bewerteten insbesondere die Akteure aus dem Gesundheitswesen die Zusammenarbeit mehrheitlich negativ und auch das Zusammenwirken von Jugendhilfe und Familiengerichtsbarkeit wies vielfach einen deutlichen Verbesserungsbedarf auf (vgl. Feist-Ortmanns/ Macsenaere 2020). Grund genug für unsere Zeitschrift, hier einen Blick auf Entwicklungs- und Professionalisierungschancen im Sinne eines wirksamen intersystemischen und multiprofessionellen Kinderschutzes zu werfen. Ein besonderer Dank gilt den AutorInnen aus der Wissenschaft, Prof.’in Dr.’in Anja Teubert, Prof. Dr. Ludwig Salgo und Prof. Dr. Christof Radewagen sowie der Praxis, Lisa Schneider und Veit Gutmann, die uns in diesem Heft an ihrer Expertise teilhaben lassen. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre! Monika Feist-Ortmanns und Michael Macsenaere Monika Feist-Ortmanns, Michael Macsenaere