eJournals unsere jugend75/11+12

unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2023.art67d
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2023
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Innovative Inklusionsstrukturen

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2023
Steffen Keller
Iris Biberich-Wiengarn
Die Anforderungen an unser Bildungssystem steigen unentwegt. Die zunehmende Zahl von Kindern und Jugendlichen mit eingeschränkten Sprachkenntnissen, Lernschwierigkeiten und besonderen Verhaltensweisen stellt LehrerInnen vor neue, komplexe Herausforderungen. Als ein Träger des KASI-Projekts der Stadt Essen erproben die Malteser im Ruhrgebiet nun eine innovative Lösung.
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494 unsere jugend, 75. Jg., S. 494 - 499 (2023) DOI 10.2378/ uj2023.art67d © Ernst Reinhardt Verlag Innovative Inklusionsstrukturen Malteser berichten über das Projekt „Klassenassistenzen für schulische Inklusion“ (KASI) der Stadt Essen Die Anforderungen an unser Bildungssystem steigen unentwegt. Die zunehmende Zahl von Kindern und Jugendlichenmiteingeschränkten Sprachkenntnissen, Lernschwierigkeiten und besonderen Verhaltensweisen stellt LehrerInnen vor neue, komplexe Herausforderungen. Als ein Träger des KASI-Projekts der Stadt Essen erproben die Malteser im Ruhrgebiet nun eine innovative Lösung. von Steffen Keller M. Sc. Political Communications, University of Glasgow, Referent beim Malteser Hilfsdienst e.V. in der Diözese Essen Die besonderen Unterstützungs- und Förderbedarfe von Schulkindern haben in den vergangenen zehn Jahren in besonderem Maße an Umfang und Vielschichtigkeit hinzugewonnen. Zum einen vergrößert sich der Anteil der SchülerInnen mit Zuwanderungsgeschichte weiterhin signifikant (vgl. IT.NRW 2020; 2022). Zum anderen ist seit der Ratifizierung des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen und dem Inkrafttreten des Ersten Gesetzes zur Umsetzung der VN-Behindertenrechtskonvention in den Schulen in Nordrhein-Westfalen der gemeinsame Unterricht von SchülerInnen mit und ohne Behinderungen an der Regelschule vorgesehen (vgl. Schulministerium NRW 2013). Um den daraus resultierenden Anforderungen zu entsprechen, sind Schulen und LehrerInnen auf zusätzliche Ressourcen und innovative Strukturen angewiesen (vgl. Schams 2022). In diesem Beitrag wird das präventive und infrastrukturelle Vorhaben der „Klassenassistenzen für schulische Inklusion“ (KASI) an Essener Grundschulen beschrieben. Im ersten Teil wird zunächst die Grundidee des KASI-Modells erläutert. Außerdem wird auf die Geschichte und institutionellen Grundlagen des Projekts eingegangen. Im zweiten Teil werden dann die Ergebnisse einer ersten Evaluationsstudie vorgestellt. Abschließend wird ein Blick auf die aktuelle Folgestudie geworfen. Iris Biberich-Wiengarn Sozialarbeiterin und Bildungsberaterin, Elternberatung zur schulischen Inklusion im Bildungsbüro im Fachbereich Schule der Stadt Essen 495 uj 11+12 | 2023 Innovative Inklusionsstrukturen Klassenassistenzen für schulische Inklusion In der Stadt Essen hat der drastische Anstieg von SchülerInnen mit besonderen Unterstützungsbedarfen in den letzten Jahren zu einer immer weiter wachsenden Nachfrage nach SchulbegleiterInnen und Inklusionsassistenzen geführt. Waren im Jahr 2017 noch 39 IntegrationshelferInnen des Malteser Schulbegleitdienstes im Ruhrgebiet aktiv, waren es im Jahr 2022 bereits 132. Um den stetig wachsenden Inklusionsanforderungen gerecht zu werden, hat die Essener Stadtverwaltung 2017 die Erprobung einer „Poollösung für Klassenassistenzen“ beschlossen (vgl. Stadt Essen 2022). Die Möglichkeit, eine individuelle Eingliederungshilfe in Anspruch zu nehmen, ist hiervon jedoch unberührt geblieben. Dies bedeutet konkret, dass Schulklassen unabhängig von den individuellen Unterstützungsbedarfen einzelner SchülerInnen vom ersten Schultag an mit einer sogenannten Klassenassistenz ausgestattet werden. Die Assistenzkraft unterstützt alle Kinder und ermöglicht es den KlassenlehrerInnen, ihre zeitlichen Ressourcen für die pädagogische Unterrichtsgestaltung zu nutzen, die allen Kindern zugutekommt. Eine Malteser Mitarbeiterin, die Zwecks dieses Beitrags interviewt wurde, erklärt: „Kinder, denen es zum Beispiel schwerfällt, sich an die Regeln und Absprachen innerhalb des Klassenzimmers zu halten, können von den KASIs durch Erinnerungen oder das Einüben entsprechender Verhaltensweisen unmittelbar unterstützt werden. Dem Kind kann so die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt werden, ohne dass die Klassenlehrerin den Unterricht unterbrechen muss.“ Von besonderer Bedeutung ist hierbei, dass die Assistenz am Ende eines Schuljahres gemeinsam mit den SchülerInnen in die nächsthöhere Klasse wechselt. So kann die Klassenassistenz im Verlauf der Schulzeit eine langfristige vertrauensvolle und erfolgreiche Beziehung mit den Kindern, LehrerInnen und Eltern etablieren. „Während des Klassenunterrichts sind die KASIs immer anwesend und können so zu einer konstanten Bezugsperson für die Kinder und Lehrer werden. […] Durch die Anwesenheit in der Schule können die KASIs sich regelmäßig und intensiv mit den Lehrern austauschen und so klare und transparente Absprachen miteinander treffen, die eine reibungslose Zusammenarbeit ermöglichen“, erklärt die Malteser Mitarbeiterin. Projektstart Im Sommer 2018 startete KASI als Pilotprojekt an sechs Essener Grundschulen in Kooperation mit dem Träger Inclusio gGmbH mit einer vorerst begrenzten Projektlaufzeit von vier Jahren als hochwachsendes Modell. Im ersten Projektjahr erhielten zunächst die jeweils 1. Klassen eine Klassenassistenz. Im zweiten Projektjahr wechselten die Assistenzen dann mit den SchülerInnen in die 2. Klasse, während die neuen 1. Klassen ihre jeweils eigenen Assistenzkräfte erhielten. Im dritten Jahr wechselten die Assistenzen der 2. Klassen dann in die 3. Klasse, die der 1. Klassen in die 2. Klasse und so weiter. So verfügten zum Ende der ursprünglichen Projektlaufzeit alle Schulklassen der Modellschulen über eine Klassenassistenz. Um das Tätigkeitsprofil der Assistenzkräfte von denen anderer Rollen im Schulkontext abzugrenzen, wurde ein Praxisleitfaden als Orientierungshilfe erstellt (vgl. Stadt Essen 2021 a, 21 - 24). Danach ist die Hauptaufgabe der Klassenassistenzen, Kinder mit besonderen Unterstützungsbedarfen zu begleiten, zu fördern, zu ermutigen und zu motivieren, sowohl im Unterricht als auch im Offenen Ganztag. 496 uj 11+12 | 2023 Innovative Inklusionsstrukturen „Vor allem während der Hausaufgabenzeit, Freiarbeit und anderen schulischen Angeboten und Vorhaben können die KASIs Kindern, für die eigenverantwortliches Arbeiten und ungewohnte Situationen eine besondere Herausforderung darstellen, zusätzliche Hilfe leisten“, berichtet die Malteser Mitarbeiterin. Als fester Bestandteil des Klassengefüges begleiten die Klassenassistenzen auch Klassenfahrten oder nehmen an Schulveranstaltungen teil. Darüber hinaus übernehmen sie eine Vermittlungsfunktion zwischen den Fach- und VertretungslehrerInnen sowie den Eltern und ErzieherInnen. Damit die Klassenassistenzen ihren Auftrag bestmöglich erfüllen können, führen die Trägerorganisationen obligatorische Schulungen vor dem Einsatz in den Schulen sowie im Laufe der Projektlaufzeit durch. Durch eine Reihe themenbezogener Schulungseinheiten werden die MitarbeiterInnen auf die vielfältigen Unterstützungs- und Förderbedarfe der Schulkinder vorbereitet. Die Malteser Mitarbeiterin erzählt, dass: „die Malteser […] eine umfangreiche Einführungsschulung [bieten]. Dazu gehört sowohl eine Einführung in das Projekt und die pädagogischen Grundlagen als auch Informationen zu den häufigsten Arten von Unterstützungs- und Förderbedarfen sowie entsprechenden Handlungskonzepten und -strategien. Darüber hinaus legen die Malteser besonderen Wert darauf, alle Mitarbeiter in der Prävention sexualisierter Gewalt und Erster Hilfe zu schulen“. Seit Beginn des Projekts wurden die Klassenassistenzen von SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern gleichermaßen als ein wertvolles und hilfreiches Unterstützungsangebot angenommen (vgl. Stadt Essen 2021 c, 10). Denn von der zusätzlichen Unterstützung der Klassenassistenzen profitierten nicht nur die Kinder mit besonderen Förderbedarfen, sondern die Schulklassen als Ganzes. „Der größte Vorteil des Projekts ist sicherlich, dass die KASIs sich zu jeder Zeit um die Bedürfnisse einzelner Kinder kümmern können, während der Lehrer den Unterricht fortsetzen kann“, berichtet die Malteser Mitarbeiterin. So konnten die Projektschulen insgesamt als inklusive Lernorte gestärkt werden. Weiterführung und Ausweitung Aufgrund des Erfolgs des KASI-Modells beschloss der Rat der Stadt Essen im September 2021, das Projekt zu verstetigen und auszuweiten (vgl. Stadt Essen 2021 b). Seit Beginn des Schuljahrs 2022/ 23 sind neben den sechs bestehenden Projektschulen zehn weitere Grundschulen Teil von KASI geworden. Durch ein öffentliches Vergabeverfahren konnten der Malteser Hilfsdienst e.V. im Ruhrgebiet und die Inclusio gGmbH als Projektträger gewonnen werden. Dabei stellen die Malteser 29 Klassenassistenzen an zehn Schulen, während das Personal an den sechs weiteren Modellschulen durch Inclusio gGmbH bereitgestellt wird. Um die zur Verfügung stehenden Ressourcen dort einzusetzen, wo sie am meisten benötigt werden, erfolgte die Auswahl der zehn zusätzlichen Projektschulen auf Grundlage einer datenbasierten Systematik. Die entsprechende Datengrundlage beinhaltete den Schulsozialindex 2021 (vgl. Schräpler/ Jeworutzki 2021), Zahlen der SchulanfängerInnen ohne Gesundheitsstörungen in schulrelevanten Entwicklungsbereichen und die durchschnittliche Anzahl der SchülerInnen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf an den einzelnen Schulstandorten (Stadt Essen 2021 c, 12). Institutionelle Grundlagen Das Modell „Klassenassistenzen für schulische Inklusion“ ist vom Fachbereich Schule gemeinsam mit dem Amt für Soziales und Wohnen, 497 uj 11+12 | 2023 Innovative Inklusionsstrukturen dem Jugendamt sowie dem Gesundheitsamt der Stadt Essen und interessierten Schulen konzipiert worden. Es besteht als Angebot, welches gesetzlichen Sozialleistungen ergänzend und präventiv gegenübersteht. Die Erbringung erfolgt im Wege einer öffentlich-rechtlich finanzierten Leistung. Rechtliche Grundlage ist dabei die Vorgabe des Schulgesetzes NRW, gemeinsames Lernen zu ermöglichen (§ 20 Abs. 3 SchulG). Der individuelle Rechtsanspruch auf Integrationsassistenz gemäß § 112 SGB IX beziehungsweise 35 a SGB VIII i. v. mit § 112 Absatz 4 SGB IX wird von KASI als ein der Eingliederungshilfe vorgelagertes Angebot nicht berührt (vgl. Stadt Essen 2021 c, 5). Ziel des Modellprojekts ist es vor allem, innovative Konzepte zu entwickeln und zu erproben, die es SchülerInnen ermöglichen, ihren Schulalltag mit größtmöglicher Selbstständigkeit zu meistern (vgl. Stadt Essen 2021c, 8). Dabei wendet KASI den Blick von individuellen Inklusionsbedarfen hin zu Unterstützungsmöglichkeiten der SchülerInnen als Teil ihres Klassenverbands. So werden inklusive Strukturen aufgebaut und bürokratische Hürden umgangen. Verwaltungsaufwand wird sowohl für betroffene Familien als auch für die Schulen, Ämter und Träger reduziert. Darüber hinaus wird sichergestellt, dass unterstützungsbedürftige Kinder unabhängig von aufwendigen Genehmigungsverfahren von ihrem ersten Schultag an in den Lerngruppen und im Offenen Ganztag systematisch und präventiv gefördert werden können. Integraler Teil in der Projektumsetzung sind die Kooperationsstrukturen zwischen den Schulen, der Stadtverwaltung und Trägern (vgl. Stadt Essen 2021 c, 7). Im Vordergrund stehen dabei zwei Arbeitskreise, welche sich aus VertreterInnen der KASI-Schulen, der beteiligten Fachämter, der Schulaufsicht für die Stadt Essen sowie - anlassbezogen - weiteren Personen zusammensetzen. Die im Verlauf der Jahre erfolgreich etablierten Kooperationsstrukturen ermöglichen einen engen und regelmäßigen Austausch aller Akteure. Durch das erfolgreiche Zusammenspiel zwischen den Fachbereichen innerhalb der Stadtverwaltung und den teilnehmenden Schulen und Trägerorganisationen wird eine bedarfs- und praxisorientierte Zusammenarbeit sichergestellt. Ebenso schaffen die multiprofessionellen Teams aus allgemeinen und sonderpädagogischen Lehrkräften, sozialpädagogischen Fachkräften und den Klassenassistenzen an den Schulen einen fruchtbaren Nährboden für inklusives schulisches Lernen und Leben. Diesbezüglich sind insbesondere Rollenklarheit sowie eindeutige Aufgabenbeschreibungen und Zuständigkeiten ein wichtiges Ziel der gemeinsamen Kooperationsarbeit. Evaluation Ein erster unveröffentlichter Zwischenbericht im Rahmen der Evaluation des KASI-Modellprojektes erfolgte im Schuljahr 2020/ 21, durchgeführt von der Fachhochschule Südwestfalen. Methodologisches Ziel der WissenschaftlerInnen der Fachhochschule Südwestfalen war es, die Erfahrungen und Einschätzungen der Schulleitungen, Lehrkräfte, SonderpädagogInnen, ErzieherInnen, Klassenassistenzen sowie der betroffenen Kinder und Eltern empirisch zu erfassen. Für die Untersuchung wurde ein Mixed-Methods Research Design gewählt. Die Datengewinnung erfolgte dabei durch Telefoninterviews mit den Schulleitungen, Online- Befragungen der pädagogischen MitarbeiterInnen, Paper-Pencil-Befragungen von Kindern und Eltern sowie Analysen von Dokumentationsbüchern der Klassenassistenzen. Anhand der gewonnenen Daten wurde analysiert, inwiefern die Entwicklung und Erprobung innovativer Konzepte SchülerInnen mit (sonderpädagogischem) Unterstützungsbedarf im Schulalltag eine möglichst selbstständige und 498 uj 11+12 | 2023 Innovative Inklusionsstrukturen selbstbestimmte Lebensführung ermöglicht haben. Als Erfolgskriterium galt dabei die Verbesserung des Arbeits- und Sozialverhaltens der SchülerInnen entsprechend ihren Einschränkungen und unter Einbeziehung der schulischen Gemeinschaft. Insgesamt kam die Evaluationsstudie zum Schluss, dass KASI einen positiven Einfluss auf die soziale Struktur der Klassenverbände und das Wohlbefinden der Kinder innerhalb der Klassengemeinschaft habe.„Der Mehrwert des Modellprojektes entsteht insbesondere durch das Zusammenwirken von Klassenassistenzen und Individualassistenzen“ (Henrichwark 2021, 64) vor Ort in der Schule. Feedback der Eltern, Schulen & Träger Für die befragten Eltern besteht der Vorteil des KASI-Projekts vor allem darin, dass die Kinder unmittelbar vom ersten Schultag an in ihren Lern- und Arbeitsprozessen unterstützt werden. Dies erlaube die größtmögliche Förderung der Selbstständigkeit und sozialen Integration der Kinder. Ein weiterer signifikanter positiver Effekt sei die Unabhängigkeit von komplexen bürokratischen Verfahren, die der unmittelbaren und ununterbrochenen Unterstützung förderbedürftiger SchülerInnen im Weg stehen könnten (vgl. Henrichwark 2021, 34). Aus Sicht der Schulen besteht der Erfolg des KASI-Projekts in der„hohen Personalkontinuität“ (Stadt Essen 2021 c, 6) der Klassenassistenzen. Diese ermögliche eine bessere Planbarkeit und die eingespielte, langfristige Zusammenarbeit zwischen den pädagogischen Fachkräften und den Klassenassistenzen. Insbesondere die festen Anstellungsverhältnisse, vorbereitenden Schulungsprogramme und begleitenden Fortbildungen der Klassenassistenzen ermöglichten deren erfolgreiche Integration in die multiprofessionellen Teams an den Projektschulen (vgl. Henrichwark 2021, 47). Für die Träger besteht der Vorteil des KASI- Modells darin, ihren MitarbeiterInnen längerfristige, feste Anstellungsmöglichkeiten zu bieten. Außerdem entfällt der ressourcenbindende bürokratische Aufwand in der individuellen Bedarfsermittlung. So könne mehr Zeit in die Gewinnung und professionelle Begleitung geeigneter MitarbeiterInnen investiert werden (vgl. Henrichwark 2021, 47). Ausblick Parallel zur Ausweitung des Modellprojekts startete im Schuljahr 2022/ 23 eine zweite wissenschaftliche Projektevaluation. Bei der Untersuchung des Instituts für Kinder- und Jugendhilfe handelt es sich um eine Langzeitstudie, welche an den durch die Malteser betreuten KASI-Schulen durchgeführt wird. Über einen Zeitraum von vier Jahren hinweg sollen dabei jedes Jahr die Schulen, MitarbeiterInnen und betroffenen Familien nach dem Wohlbefinden der Kinder und der Umsetzungsqualität des KASI-Projekts befragt werden. Ziel der Studie ist es, empirische Erkenntnisse zur Struktur- und Prozessqualität des Modellprojekts auf Ebene der Schulen und Klassen sowie der Effektivität der Umsetzung auf Ebene der SchülerInnen, der pädagogischen MitarbeiterInnen und Schulen zu gewinnen. Außerdem sollen positive wie negative Einflussfaktoren des KASI-Modells identifiziert werden (vgl. Klein 2023). Dazu werden die Klassenassistenzen, Schul- und Klassenleitungen, LehrerInnen, Individualassistenzen, weitere pädagogische Fachkräfte sowie die SchülerInnen und Eltern eingeladen, ihre Wahrnehmungen und Erfahrungen mit KASI mittels standardisierter Fragebögen zu teilen. Die deskriptive und analytische statistische Auswertung der erhobenen Daten soll daraufhin klären, inwieweit KASI das Lern- und Arbeitsverhalten sowie die soziale Integration und das emotionale Befinden der SchülerInnen verbessert und den professionellen Anforderungen und Erwartungen der beteiligten AkteurInnen entspricht. 499 uj 11+12 | 2023 Innovative Inklusionsstrukturen Gleichzeitig ist die Zukunft von systemischen Assistenzmodellen auch von der fachlichen Rezeption wissenschaftlicher Ergebnisse abhängig. Wenn systemische Lösungen für Assistenzkräfte zum erfolgreichen Inklusionstool im deutschen Bildungssystem werden sollen, ist eine intensive Vernetzung von Kommunen, WissenschaftlerInnen, Fachkräften und erfahrenen Trägerorganisationen wie den Maltesern dringend angezeigt. Die AutorInnen hoffen, mit diesem Beitrag einen ersten wichtigen Schritt in diese Richtung getan zu haben. Steffen Keller, M. Sc. Malteser Hilfsdienst e.V. Diözesangeschäftsstelle Essen Altendorfer Str. 97 - 101 45143 Essen E-Mail: steffen.keller@malteser.org Iris Biberich-Wiengarn Stadt Essen Bildungsbüro im Fachbereich Schule Hollestr. 3 45127 Essen E-Mail: iris.biberich-wiengarn@schulen.essen.de Literatur Henrichwark, C. (2021): Ergebnisse der Evaluation des Modellprojekts. Abschlussbericht „Erprobung eines Integrationskräfte-Pools an sechs ausgewählten Essener Grundschulen“. Fachhochschule Südwestfalen, Soest IT.NRW (2020): Schüler/ -innen mit Zuwanderungsgeschichte an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen nach Verwaltungsbezirk und Schulform. Pressestelle des Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen. In: https: / / www.it.nrw/ sites/ default/ files/ itnrw_presse/ 330_20.pdf, 19. 7. 2023 IT.NRW (2022): Schüler/ -innen mit Zuwanderungsgeschichte an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen nach Verwaltungsbezirk und Schulform. Pressestelle des Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen. In: https: / / www.it.nrw/ sites/ default/ files/ itnrw_presse/ 326_22.pdf, 19. 7. 2023 Klein, J. (2023): KASI. Klassenassistenzen für schulische Inklusion. Evaluation. IKJ, Essen Schams, A. (2022): Wissensbasiert steuern: Das Modellprojekt„Klassenassistenzen für schulische Inklusion - KASI“ an Grundschulen am Beispiel der Stadt Essen“. Institut für soziale Arbeit e.V. In: https: / / www. transferagentur-nordrhein-westfalen.de/ angebote/ herbstakademie/ austauschraum2/ , 19. 7. 2023 Schräpler, J.-P., Jeworutzki, S. (2021): Konstruktion des Sozialindex für Schulen. Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen. In: https: / / www.schulministerium.nrw/ system/ files/ media/ document/ file/ konstruktion_des_sozialindex_fuer_ schulen.pdf, 19. 7. 2023 Schulministerium NRW (2013): 9. Schulrechtsänderungsgesetz zur Umsetzung der VN-Behindertenrechtskonvention. Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen. In: https: / / www.schulministerium.nrw/ sites/ default/ files/ docu ments/ NeuntesSchulrechtsaenderungsgesetz.pdf, 19. 7. 2023 Stadt Essen (2021 a): Verdingungsunterlagen zur öffentlichen Ausschreibung für die Verstetigung und Ausweitung des Projekts„Klassenassistenzen für schulische Inklusion - KASI in den Schuljahren 2022/ 2023, 2023/ 2024, 2024/ 2025 und 2025/ 2026, für Schülerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf“. Bildungsbüro im Fachbereich Schule der Stadt Essen, Essen Stadt Essen (2021 b): Ausweitung der Klassenassistenzen für schulische Inklusion beschlossen. Presse- und Kommunikationsamt der Stadt Essen. In: https: / / www. essen.de/ meldungen/ pressemeldung_1444451.de. html, 19. 7. 2023 Stadt Essen (2021 c): Ratsvorlage, Anlage 1. Konzept zur Verstetigung und Ausweitung des Projektes „Poollösung für Integrationsassistenzen an Essener Grundschulen, neue Bezeichnung: Klassenassistenzen für schulische Inklusion - KASI“. Rat der Stadt Essen, Essen Stadt Essen (2022): Klassenassistenzen für schulische Inklusion an Essener Grundschulen. Fachbereich Schule der Stadt Essen. In: https: / / www.essen.de/ leben/ bildung/ schule/ kasi.de.html, 19. 7. 2023