eJournals unsere jugend76/1

unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2024.art06d
4_076_2024_1/4_076_2024_1.pdf11
2024
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Freud und Leid in Einrichtungen der stationären luxemburgischen Kinder- und Jugendhilfe

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2024
Elisabeth Clees
In Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe kommt es immer wieder zu unterschiedlichen Formen von Gewalt. Die vorliegende Studie hat diesbezüglich Faktoren identifiziert, die aus Sicht betroffener Jugendlicher deren Wohlbefinden innerhalb stationärer luxemburgischer Einrichtungen gesteigert oder vermindert haben.
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36 unsere jugend, 76. Jg., S. 36 - 44 (2024) DOI 10.2378/ uj2024.art06d © Ernst Reinhardt Verlag von Elisabeth Clees Jg. 1960; promovierte Psychologin, Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche. Elisabeth Clees kann auf 13 Jahre Arbeitserfahrung in einer geschlossenen Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie auf 5 Jahre Arbeit im Gefängnis, wo sie mit minderjährigen Jugendlichen arbeitete, zurückblicken. Sie arbeitet zurzeit in eigener Praxis und ist als Lehrbeauftragte an der Universität Luxemburg tätig. Freud und Leid in Einrichtungen der stationären luxemburgischen Kinder- und Jugendhilfe Eine qualitative Studie mit betroffenen Jugendlichen In Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe kommt es immer wieder zu unterschiedlichen Formen von Gewalt. Die vorliegende Studie hat diesbezüglich Faktoren identifiziert, die aus Sicht betroffener Jugendlicher deren Wohlbefinden innerhalb stationärer luxemburgischer Einrichtungen gesteigert oder vermindert haben. In der stationären Kinder- und Jugendhilfe befindet sich eine hohe Anzahl von Kindern, die vor ihrer ersten Fremdunterbringung stark belastenden und traumatisierenden Situationen ausgesetzt waren (vgl. Dumais et al. 2014; Lionetti et al. 2015; Schmid et al. 2011). Diese Kinder waren in ihrem familiären Umfeld wiederholt Opfer oder Zeuge verbaler, körperlicher und sexueller Gewalt und/ oder haben unter der Substanzabhängigkeit respektive der psychischen Erkrankung ihrer Eltern gelitten. Je nach persönlichen und sozialen Ressourcen gelingt es den jungen Menschen, solche Situationen mehr oder weniger gut zu verarbeiten und adäquat abzuspeichern. Oft fehlen diesen Kindern jedoch die nötigen Ressourcen, um das Erlebte erfolgreich zu verarbeiten. Sie entwickeln dysfunktionale Verhaltensmuster, die sich mit fortschreitendem Alter in Störungsbildern wie erhöhter Ängstlichkeit, Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefiziten, verminderter Impulskontrolle und aggressivem Verhalten zeigen können (vgl. Fazel/ Langstrom 2008; Ford et al. 2007; Hensel et al. 2017; Schmid 2007). Innerhalb der Einrichtungen fällt es den zum Teil unsicher bis desorganisiert gebundenen Kindern oft schwer, sich den Strukturen und pädagogischen Konzepten anzupassen, vertrauensvolle Beziehungen zu ihren BetreuerInnen aufzubauen und sich in die Wohngruppen zu integrieren. Die häufig traumatisierten Kinder sind bei der Bewältigung der zahlreichen Herausforderungen einer stationären Unterbringung oftmals überfordert und riskieren mit zunehmendem Alter, weitere dysfunktionale Verhaltensmuster 37 uj 1 | 2024 Blicke auf die stationäre Jugendhilfe in Luxemburg wie Selbstverletzungen, Suchtverhalten, regelmäßige Schulabwesenheit und eine gesteigerte Gewaltbereitschaft zu entwickeln (vgl. Brisch 2017; Hensel et al. 2017; Schore 2003). Aufgrund ihres schwierigen Verhaltens kommt es bei diesen Kindern häufig zu Verlegungen in andere Strukturen, wobei sich jeder unerwünschte Wechsel ungünstig auf das weitere Verhalten der Kinder auswirken kann. Gemäß den Befunden internationaler Studien weisen 60 - 70 % der Kinder, die in Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe leben, mindestens ein psychisches Störungsbild auf (vgl. Ford et al. 2007; Schmid 2007). Im Jugendstrafvollzug steigt die Zahl psychisch belasteter Jugendlicher auf 80 % (vgl. Fazel/ Langstrom 2008; Grisso 2004). Methodisches Vorgehen und Vorstellung der StudienteilnehmerInnen In den letzten Jahrzehnten haben sich die wissenschaftlichen Beiträge über die stationäre Kinder- und Jugendhilfe gehäuft. Dennoch bleibt die Fremdbetreuung von Kindern und Jugendlichen ein in der Forschung eher vernachlässigter Bereich, in dem ein Bedarf an zusätzlichen Befunden besteht. An der Universität Luxemburg wurde diesbezüglich eine qualitative Studie durchgeführt, die sich mit dem Wohlbefinden stationär untergebrachter Kinder in luxemburgischen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe befasst hat (vgl. Clees 2023). Ziel dieser Studie war es, Faktoren zu identifizieren, die aus Sicht betroffener Jugendlicher deren Wohlbefinden während der Dauer ihres Aufenthaltes in den Einrichtungen gesteigert oder vermindert haben. Der Fokus lag dabei auf dem institutionellen Kontext. Mithilfe eines semi-strukturierten Interviews wurden Faktoren ermittelt, die in einem direkten Zusammenhang mit der institutionellen Unterbringung stehen. Hierzu gehören die strukturellen und konzeptuellen Bedingungen der Einrichtungen, der Einfluss der MitbewohnerInnen und der Einfluss der (pädagogischen) Fachkräfte auf das Wohlbefinden der Kinder. Die Bedeutung der Familie und weiterer externer Faktoren wurden in dieser Studie nicht näher in Betracht gezogen. Die Auswertung der Interviews erfolgte anhand der qualitativen Inhaltsanalyse, wobei sich an ForscherInnen wie Kuckartz (2018), Mayring (2015) und Schreier (2012) orientiert wurde. In einem Zeitrahmen von 12 Monaten wurden 30 Jugendliche und junge Erwachsene anhand eines semi-strukturierten Interviews zu ihren Erfahrungen in den Einrichtungen der luxemburgischen stationären Kinder- und Jugendhilfe befragt. Als Einschlusskriterium galten das Alter (15 bis 27 Jahre) und ein durch das Jugendgericht angeordneter mindestens viermonatiger Aufenthalt in einer stationären Einrichtung in Luxemburg. Diagnostizierte schwerwiegende psychiatrische Erkrankungen gehörten zum Ausschlusskriterium. Die Rekrutierung der Jugendlichen fand durch persönliches Ansprechen, durch Werben für die Teilnahme in unterschiedlichen Einrichtungen und durch den Schneeballeffekt statt. Aufgrund des beruflichen Hintergrunds der Studienleiterin konnten 19 Jugendliche, die der Studienleiterin bereits vor Beginn der Studie bekannt waren, durch direktes Ansprechen für die Teilnahme an der Studie gewonnen werden. Das bereits vor dem Interview bestehende Vertrauensverhältnis der Studienleiterin zu den Jugendlichen erwies sich dabei als Vorteil, da es für die Jugendlichen einfacher war, frei über ihre Erfahrungen in den stationären Einrichtungen zu berichten. Der Nachteil dieses Bekanntschaftsgrades bestand darin, dass die Studienleiterin während des gesamten Forschungsprozesses ihre Erwartungshaltung zurückstecken und auf ihr Vorwissen achten musste. Von den 30 TeilnehmerInnen waren 16 weiblichen und 14 männlichen Geschlechts. 16 waren zum Zeitpunkt der Befragung minderjährig und 14 volljährig. Was die Einrichtungen betrifft, so befanden sich 21 der TeilnehmerInnen in klassischen, wohnhausähnlichen Einrichtun- 38 uj 1 | 2024 Blicke auf die stationäre Jugendhilfe in Luxemburg gen der stationären Kinder- und Jugendhilfe (in Luxemburg werden diese Einrichtungen „Foyers“ genannt), 21 der TeilnehmerInnen hatten einen längeren Aufenthalt in einer Kinder- oder Jugendpsychiatrie, 24 befanden sich in einer Struktur des „Centre socio-éducatif de l’Etat“ (CSEE) und 4 TeilnehmerInnen hatten einen Aufenthalt im Gefängnis. Das CSEE besteht aus zum Teil halbgeschlossenen Strukturen, die als Alternative zum Gefängnis dienen. In diese Einrichtungen werden minderjährige Jugendliche mit dissozialen und wiederholt delinquenten Verhaltensweisen vom Jugendgericht platziert. Da es zum Zeitpunkt der Datenerhebung kein Jugendgefängnis in Luxemburg gab, wurden stark kriminelle Minderjährige und solche, die häufig abgängig waren, in der „section disciplinaire“ des Erwachsenengefängnisses untergebracht. Die Mehrheit der StudienteilnehmerInnen gab an, Aufenthalte in mehreren unterschiedlichen Einrichtungen gehabt zu haben. Nahezu alle TeilnehmerInnen haben vor ihrer ersten Fremdunterbringung wiederholt Gewalt und Vernachlässigung in ihrem familiären Umfeld erlebt. Die Jugendlichen sprachen von verbaler, körperlicher und sexueller Gewalt, die sie selbst erfahren oder an Familienmitgliedern beobachtet haben. Des Weiteren erzählten sie über Alkohol- und Drogenkonsum der Eltern sowie über psychische Erkrankungen derselben. Jugendliche mit einem Migrationshintergrund erklärten die Entstehung ihrer Verhaltensauffälligkeiten durch migrationsbedingte Trennungen von wichtigen Bezugspersonen. Die Mehrheit der StudienteilnehmerInnen gab an, mit Beginn der Adoleszenz dysfunktionale Verhaltensmuster wie Alkohol- und Cannabiskonsum, Regelmissachtungen, Diebstähle und unerlaubte Abwesenheiten von zu Hause und von der Schule entwickelt zu haben. Die Verhaltensauffälligkeiten haben sich nach Aussagen der Jugendlichen während ihrer stationären Unterbringung verringert oder verstärkt. Ein Drittel der StudienteilnehmerInnen erwähnte, dass sie im Alter von 12 bis 13 Jahren ihre ersten Erfahrungen mit Drogen gemacht haben. Der Wunsch, einer Gruppe anzugehören, war dabei ausschlaggebend für den frühen Drogeneinstieg. Die Analyse der psychosozialen Hintergründe hat gezeigt, dass es sich bei den StudienteilnehmerInnen in der Mehrheit um hochbelastete Jugendliche mit zum Teil schwerwiegenden Verhaltensauffälligkeiten handelte. Da die Einrichtungen mit dem schwierigen Verhalten der Kinder oft überfordert waren, kam es häufig zu Verlegungen in andere Strukturen, 2 TeilnehmerInnen berichteten von 11 Wechseln zwischen den Einrichtungen. Für die StudienteilnehmerInnen waren diese Wechsel meistens mit Gefühlen der Angst, Unsicherheit und Wut verbunden. Dies insbesondere, wenn die Kinder nicht auf den Wechsel vorbereitet und unerwartet in eine andere Einrichtung verlegt wurden. In solchen Fällen galt die Wut der mangelnden Transparenz der Fachkräfte. Diejenigen, die infolge der Verlegung von ihren Geschwistern getrennt wurden, berichteten ihrerseits, dass ihr Verhalten sich durch die Trennung von ihren jüngeren Geschwistern verschlechtert hat. Durch den Wechsel wuchs die Sorge um ihre Geschwister und die Wut gegen die Verantwortlichen. Darstellung der zentralen Ergebnisse Im Folgenden werden nun die zentralen Ergebnisse der Studie dargestellt. Die Ergebnisse werden dabei in Bezug zu drei Themenbereichen dargelegt: 1) dem institutionellen Kontext, 2) den MitbewohnerInnen und 3) den (pädagogischen) Fachkräften. Bezüglich des institutionellen Kontextes betonten die Jugendlichen die positive Wirkung freundlicher und wohlwollender Räumlichkeiten, die sie in einigen Einrichtungen erlebt haben. Der positive Effekt verstärkte sich, wenn die Jugendlichen bei der Gestaltung ihres Zim- 39 uj 1 | 2024 Blicke auf die stationäre Jugendhilfe in Luxemburg mers eine persönliche Note einbringen konnten. Die an diesem Punkt erwähnte positive Wirkung von Partizipation und Selbstwirksamkeit auf das Wohlbefinden der Kinder (vgl. Deci/ Ryan 2000; Wedemeyer/ Wiesemann 2017) sieht sich in der gesamten Ergebnislage bestätigt. In anderen Einrichtungen wurden die Ausstattung und die Größe der Zimmer dagegen stark kritisiert. Die Jugendlichen sprachen von kleinen Zimmern, in denen sich altes und kaputtes Mobiliar befand, auf dem Inschriften von früheren BewohnerInnen standen. In den Zimmern waren unangenehme Gerüche und die Fenster ließen sich kaum öffnen. Da die Zimmertüren in der Nacht abgeschlossen waren, urinierten die Bewohner in Plastikflaschen oder in das Waschbecken, wenn es zu lange dauerte, bis die BetreuerInnen die Tür öffneten. In einigen Einrichtungen wurde auf hygienische Mängel wie Schimmel an den Wänden der Zimmer und in den sanitären Anlagen hingewiesen. Die äußere Gestaltung der Einrichtung hatte ihrerseits einen Einfluss auf das Wohlergehen der Kinder. Die Jugendlichen hatten in wohnhausähnlichen Strukturen weniger Angst vor Stigmatisierungen als in großen Strukturen, auf denen zudem auf der Außenwand ein Hinweisschild auf die Nutzung des Gebäudes stand. Was die Größe der Wohngruppen betraf, sprachen sich fast sämtliche TeilnehmerInnen für kleinere Gruppen (bis zu 10 Personen) aus. Sie erklärten ihre Wahl mit dem Argument, dass die Beziehungen untereinander und zu den Fachkräften in kleinen Wohngruppen gefestigter waren. Zudem sprachen die Jugendlichen von einem harmonischeren Zusammenleben und von weniger Gewalt. Die von den Einrichtungen angebotenen Freizeitaktivitäten wurden besonders hervorgehoben und mit einem gesteigerten Wohlbefinden verbunden. Die StudienteilnehmerInnen betonten, dass sie während der Aktivitäten ihre momentane schwierige Lebenssituation kurzzeitig vergaßen, die Aktivitäten ihnen ermöglichten, Stress abzubauen, und dass die Beziehungen zu den MitbewohnerInnen und zu den BetreuerInnen enger wurden. Die positive Wirkung der Aktivitäten war unabhängig davon, ob es sich um einfache Aktivitäten, wie gemeinsam mit den BetreuerInnen einen Film anzuschauen, oder um größere Aktivitäten, wie im Wald zu übernachten, handelte. Nachvollziehbare und angemessene Regeln sowie die einrichtungsinterne Alltagsstruktur wurden von den Jugendlichen akzeptiert und sogar dort gefordert, wo es zu wenige oder zu lockere Regeln gab. Einige der TeilnehmerInnen erwähnten, dass feste Regeln ihnen geholfen haben, ihren Drogenkonsum zu reduzieren und ihre dysfunktionalen Verhaltensweisen abzulegen. Gleichzeitig beklagten sich zahlreiche Jugendliche über nicht nachvollziehbare Regeln wie den bereits erwähnten nächtlichen Einschluss im Zimmer, das Verbot, mit der Köchin zu reden oder die regelmäßig angeordneten längeren Zimmeraufenthalte. Die Anwendung und Umsetzung von Sicherheits- und Zwangsmaßnahmen, die vor allem in Kinder- und Jugendpsychiatrien und in geschlossenen Strukturen durchgeführt werden, wurden von den StudienteilnehmerInnen als nachhaltig belastend beschrieben. Zwangsmaßnahmen wie die Unterbringung in einem Time-out-Raum, die Gabe einer Zwangsmedikation oder das Fixieren an einem Bett werden meistens gegen den Willen der jungen Menschen durchgeführt. Um die Maßnahme umzusetzen, müssen die Fachkräfte häufig Gewalt anwenden. Eine Jugendliche erinnert sich an die blauen Flecken, die sie als Dreizehnjährige am ganzen Körper hatte, nachdem sie in den Time-out-Raum gezerrt worden war. Solche Situationen belasten nicht nur die betroffenen Kinder, sondern auch die Fachkräfte, die oft eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern haben und die die Maßnahme gegen den Willen der Kinder umsetzen müssen (vgl. Schnoor et al. 2006). Die bei Fehlverhalten erfolgten Konsequenzen und Bestrafungen wurden von den Jugendlichen akzeptiert, wenn die Bestrafungsform nachvollziehbar und angemessen war. Extreme 40 uj 1 | 2024 Blicke auf die stationäre Jugendhilfe in Luxemburg Bestrafungsformen wie ein dreiwöchiges Verbot, soziale Kontakte zu haben oder eine tagelange Isolierung in einem abgeschlossenen Raum wurden dagegen von den StudienteilnehmerInnen als hoch belastend beschrieben. Sämtliche TeilnehmerInnen, die eine solche Bestrafungsform erlebt haben, gaben an, dass sich ihr Verhalten nach ihrer Isolierungszeit verschlechtert hat. Die Jugendlichen beschrieben, wie sie während der Isolierung in einem abgeschlossenen Raum - in einigen Fällen dauerte die Isolierungsmaßnahme bis zu zehn Tage - das Gefühl hatten, verrückt zu werden. Laut Nelson et al. (2014) wirkt sich eine solche Isolierungsmaßnahme nicht nur negativ auf das Identitätsgefühl, sondern auch auf die Hoffnung und Beziehungsfähigkeit der betroffenen Kinder und Jugendlichen aus. Neben den strukturellen Bedingungen und dem pädagogischen Konzept der Einrichtungen bestand eine weitere Herausforderung der Kinder darin, sich in die Wohngruppen zu integrieren. Dadurch, dass die Jugendlichen oft ihr Vertrauen in die Erwachsenen verloren hatten, suchten sie Schutz, Geborgenheit und Wertschätzung bei Gleichaltrigen. Die StudienteilnehmerInnen berichteten von Gefühlen der Zugehörigkeit und der familiären Vertrautheit, die sie innerhalb ihrer Wohngruppe verspürten. Durch den Schutz der Gruppe sank die Angst vor dem Ausgeschlossensein und vor einer Viktimisierung. Die Freundschaften, die sich zwischen den BewohnerInnen der Einrichtung entwickelten, wirkten sich dabei positiv auf das allgemeine Wohlbefinden aus. Dies selbst dann, wenn die Freundschaften dysfunktional waren und sie die Entwicklung der Jugendlichen beeinträchtigt haben. Der Einfluss der MitbewohnerInnen wurde jedoch nicht ausschließlich positiv bewertet. Zahlreiche StudienteilnehmerInnen erzählten von einer negativen Gruppendynamik und einer hierarchischen Machtverteilung. Die Aussagen der Jugendlichen ließen erkennen, dass es in den größeren Wohngruppen eine Rangordnung gab, der sich die Einzelnen unterwerfen mussten. Es gab einen Anführer, der das Sagen hatte und dessen Anordnungen von den anderen ausgeführt werden mussten. Aus Angst, abseits der Gruppe zu stehen und Opfer von Gewalt zu werden, führten die Jugendlichen selbst dann dysfunktionale Handlungen wie Diebstähle und körperliche Gewalt aus, wenn diese nicht ihren persönlichen Moralvorstellungen entsprachen. Die StudienteilnehmerInnen, die in einer ersten Zeit ihrer Unterbringung Opfer solcher Handlungen waren, hatten alle gemein, dass sie mit fortschreitendem Alter aus ihrer Not heraus die Seiten wechselten und zu TäterInnen wurden. Um der Gruppe anzugehören, konsumierten die Jugendlichen Drogen und übten delinquente Handlungen aus. 26 StudienteilnehmerInnen berichteten über regelmäßigen Drogenkonsum während ihrer stationären Unterbringung, 8 davon machten innerhalb der Einrichtung ihre ersten Erfahrungen mit Drogen. Als Erklärung für den hohen Drogenkonsum gaben die Jugendlichen an, dass die Drogen ihnen geholfen haben, sich schneller in die Gruppe der MitbewohnerInnen zu integrieren, dass sie durch den Konsum ihre Probleme kurzzeitig vergaßen und dass sie mithilfe des Konsums der Langeweile des Alltags entgegenwirkten. Die Gewalt, die von der Gruppendynamik ausging, bestand nicht nur aus Demütigungen, Erpressungen, Androhungen und dem Ausgeschlossensein, sondern das Ausüben von körperlicher Gewalt gehörte ebenfalls dazu. Dabei waren es meistens die männlichen und jüngeren Kinder, die Opfer solcher Gewalttaten wurden (vgl. Attar-Schwartz 2008; Gibbs/ Sinclair 2000). Einige männliche Studienteilnehmer berichteten über ein gewalttätiges Ritual („Baptême“), das innerhalb einer Einrichtung von den Jugendlichen durchgeführt wurde. Hierbei handelte es sich um ein Ritual, das nach Aussagen der Jugendlichen alle Neuaufnahmen durchlaufen mussten. Während des Rituals wurde den Jugendlichen an einem unbeaufsichtigten Ort ein Kopfkissenüberzug über den Kopf gezogen oder ein Eimer über den Kopf gestülpt, um Vergeltungsreaktionen zu vermeiden. Anschließend durften alle Anwesenden 41 uj 1 | 2024 Blicke auf die stationäre Jugendhilfe in Luxemburg auf den am Boden liegenden Jugendlichen mit Händen und Füßen einschlagen. Ältere Studienteilnehmer fügten hinzu, dass den Neuaufnahmen früher zusätzlich eine Zahnbürste in den After gesteckt wurde. Bezüglich sexueller Gewalt gab es weniger Beiträge, als dies bei anderen Gewaltformen der Fall war. Dennoch berichteten 7 TeilnehmerInnen über sexuelle Übergriffe. In einem Fall kam es zur wiederholten Vergewaltigung durch einen älteren Mitbewohner. Wieso den Gewalttaten kein Ende gesetzt wurde, erklärten die Jugendlichen durch ihre Angst vor Vergeltungsreaktionen und dadurch, dass die Fachkräfte die Gewalt häufig nicht mitbekamen, sie ignorierten oder diese, insbesondere die verbalen Gewaltformen, nicht ernst nahmen. Neben den MitbewohnerInnen spielten die (pädagogischen) Fachkräfte eine bedeutende Rolle, was das Wohlbefinden der Jugendlichen betraf. Die StudienteilnehmerInnen beschrieben, wie sie in stabilen und vertrauensvollen Beziehungen zu bestimmten BetreuerInnen ein Gefühl von familiärer Zugehörigkeit empfanden (vgl. Fernandes/ Oliveira-Monteiro 2016). In diesem Kontext gaben einige StudienteilnehmerInnen an, dass sie aufgrund ihrer engen Beziehung zu einigen BetreuerInnen gewillt waren, an ihrem Verhalten zu arbeiten und dieses zu verbessern. Sie wollten ihre BetreuerInnen nicht enttäuschen und deren Vertrauen nicht missbrauchen. Andere TeilnehmerInnen lobten insbesondere die BetreuerInnen, mit denen sie Spaß hatten und die ihnen gleichzeitig Grenzen setzen konnten. Ein solches Verhalten wurde von den Jugendlichen als Interesse an ihnen und an ihrem Wohlergehen gedeutet. Manchmal waren es die kleinen unscheinbaren Gesten der Fachkräfte, die eine große Wirkung auf das Wohlbefinden der Jugendlichen hatten. Die StudienteilnehmerInnen erzählten von BetreuerInnen, die sich mitten in der Nacht Zeit nahmen, um sich die Sorgen der Jugendlichen anzuhören. Das Gefühl, dass jemand da ist, der ihnen zuhört, der sich für ihre Anliegen interessiert und der gemeinsam mit ihnen nach Lösungen sucht, hat das Vertrauen der Jugendlichen in ihre BetreuerInnen verstärkt und es ihnen einfacher gemacht, sich mitzuteilen. In Einrichtungen, in denen die Fachkräfte den Kindern empathisch und wertschätzend entgegentraten und ihnen gleichzeitig durch angemessene Regeln Halt und Sicherheit vermittelten, sprachen die StudienteilnehmerInnen von einem harmonischeren Zusammenleben und von weniger Gewalt zwischen den BewohnerInnen. Der Einfluss der (pädagogischen) Fachkräfte hatte jedoch nicht immer eine positive Wirkung auf das psychische Wohl der Kinder. Die StudienteilnehmerInnen beschrieben, wie sie unter abwertenden und ironischen Bemerkungen ihrer BetreuerInnen gelitten haben. Besonders schwierig empfanden die Jugendlichen Aussagen, in denen die BetreuerInnen ihnen vermittelten, dass sie hoffnungslose Fälle seien. Aussagen von Autoritätspersonen wie „Du wirst genauso ein Junkie werden wie deine Mutter“ oder „Lauf doch gleich weg. Der Aufenthalt hier bringt dir sowieso nichts“ nahmen den Jugendlichen den Glauben und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Ihr Verhalten hat sich in Folge eher verschlechtert als verbessert. Als ähnlich desillusionierend und demotivierend wurden bestimmte Verhaltensweisen der Fachkräfte beschrieben. Das Ignorieren der Fachkräfte von dysfunktionalem Verhalten der Jugendlichen wie Drogen- oder Alkoholkonsum wurde von den StudienteilnehmerInnen als Bequemlichkeit, Desinteresse und Gleichgültigkeit der BetreuerInnen an ihrem Wohl verstanden. Das Gefühl von „wir sind ihnen egal“ wuchs, wenn die BetreuerInnen mit den Jugendlichen Alkohol und Drogen konsumierten. Durch ein solches Verhalten ging der schutzvermittelnde und fürsorgliche Charakter der (pädagogischen) Fachkräfte verloren. Die Umsetzung von Sicherheitsvorkehrungen konnte von den Jugendlichen in der Regel angenommen werden, wenn diese von den Fachkräften mit der nötigen Feinfühligkeit und dem nötigen Respekt durchgeführt wurde. Dies war 42 uj 1 | 2024 Blicke auf die stationäre Jugendhilfe in Luxemburg jedoch nicht immer der Fall. Ein Studienteilnehmer sprach von starken Schamgefühlen, die er während der Ganzkörperuntersuchung verspürte, wenn er von der Fachkraft aufgefordert wurde, sich ganz nackt auszuziehen. Eine andere Jugendliche empfand die Anweisung einer Fachkraft, sich nackt auszuziehen und sich vor ihr zu bücken, nicht nur als schambehaftet, sondern auch als übergriffig. Die Erinnerung an eine Situation, in der ein Jugendlicher von seinem Betreuer aufgefordert wurde, nackt wie ein Hampelmann zu springen, führte bei diesem Jungen noch nach all den Jahren zu einer deutlichen Stressreaktion. Was die Anwendung körperlicher Gewalt betrifft, so konnte den Aussagen der StudienteilnehmerInnen entnommen werden, dass die Jugendlichen häufig Gewalt bei der Umsetzung von Sicherheits- und Zwangsmaßnahmen erlebten. Die Jugendlichen erzählten, dass sie während dieser Maßnahmen von mehreren Fachkräften niedergedrückt, gezerrt, gestoßen und an den Haaren gezogen wurden. Bei Kindern, die in ihrer Vorgeschichte traumatisiert wurden, führen solche unsensiblen Handlungen häufig zu einer Reaktivierung ihrer Traumata. Die Jugendlichen berichteten des Weiteren von Situationen, in denen sie beobachtet haben, wie eine Fachkraft eine Mitbewohnerin an den Haaren die Treppe heruntergezogen und wie eine andere Fachkraft ein am Boden liegendes Kind mit Füßen in die Magengegend getreten hat. Einige Jugendliche erwähnten, dass sie gelegentlich eine Ohrfeige erhielten oder anderen Gewaltakten ausgesetzt waren. In solchen Situationen war es weniger die Ohrfeige, die die Jugendlichen störte, sondern viel mehr das Verhalten der Fachkraft, wenn diese versuchte, ihre Handlungen zu verbergen, indem sie z. B. die Videoaufnahme ihrer Handlung löschte. Bezüglich sexueller Übergriffe durch die Fachkräfte gab es keine Angaben. Ob es dennoch zu solchen Übergriffen gekommen ist, bleibt ungewiss. Schlussfolgerung und Diskussion Die Aussagen der Jugendlichen zeigen deutlich, dass Kinder, die in Einrichtungen der stationären luxemburgischen Kinder- und Jugendhilfe leben, zum Teil einem hohen Belastungsgrad ausgesetzt sind. Um der Gewalt entgegenzuwirken und den Belastungsgrad der Kinder zu reduzieren, bedarf es Veränderungen auf den unterschiedlichen Ebenen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien unterstreichen die Notwendigkeit angemessener Strukturen mit gut durchdachten pädagogischen Konzepten, die auf die spezifischen Bedürfnisse dieser vulnerablen Population ausgerichtet sind (vgl. Harder et al. 2017; Permien 2010; Sekol 2013). Bei der Anwendung von Sicherheitsmaßnahmen sollte der Nutzen gegen den potenziellen Schaden abgewogen werden (vgl. Olsen 1998). Ist eine solche Maßnahme unumgänglich, sollte sie von entsprechend ausgebildetem Personal mit der nötigen Feinfühligkeit umgesetzt werden (vgl. Schnoor et al. 2006). Die negative Wirkung extremer Bestrafungsmethoden sollte überdacht und kritisch hinterfragt werden (vgl. Lindenberg/ Lutz 2018; Lunz 2019; Permien 2010; Wardhaugh/ Wilding 1993). Bezüglich der (pädagogischen) Fachkräfte muss vermehrt auf gut ausgebildetes feinfühliges Personal zurückgegriffen werden, das in der Lage ist, stabile und wertschätzende Beziehungen zu den Kindern aufzubauen. Da die Bindungsfähigkeit der Fachkräfte in einer ersten Phase oft von den bindungsgestörten Kindern durch provokantes und aggressives Verhalten ausgetestet wird (vgl. Schmid/ Fegert 2012), bedarf es feinfühliger und wertschätzender Fachkräfte, die eine gute Beziehung untereinander haben und die von ihrer Leitungskraft die nötige Unterstützung erhalten, damit sie den Anforderungen einer stationären Betreuung angemessen entgegentreten können (vgl. Gibbs/ Sinclair 2000; Harder et al. 2017; Schmid/ Kind 2018). Elisabeth Clees E-Mail: lisa.clees@pt.lu 43 uj 1 | 2024 Blicke auf die stationäre Jugendhilfe in Luxemburg Literatur Attar-Schwartz, S. (2008): Emotional, behavioral and social problems among Israeli children in residential care: A multi-level analysis. Children and Youth Services Review 30(2), 229 - 248, https: / / doi.org/ 10.10 16/ j.childyouth.2007.09.009 Brisch, K. H. (2017): Trauma ist nicht gleich Trauma. In: Brisch, K. H. (Hrsg.): Bindungstraumatisierung. Klett-Cotta, Stuttgart, 12 - 22 Clees, E. (2023): Subjektives Wohlbefinden in Einrichtungen der stationären luxemburgischen Kinder- und Jugendhilfe. Eine qualitative Studie mit betroffenen Jugendlichen. University of Luxembourg, Esch/ Alzette Deci, E. L., Ryan, R. M. (2000): The„What“ and„Why“ of Goal Pursuits: Human Needs and the Self-Determination of Behavior. Psychological Inquiry 11 (4), 227 - 268, https: / / doi.org/ 10.1207/ S15327965PLI1104_01 Dumais, M., Cyr, C., Michel, G. 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Professionell arbeiten 2., aktualisierte Auflage 2022. 332 Seiten. 21 Abb. 17 Tab. utb-L (978-3-8252-5820-7) kt