unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2025.art55d
4_077_2025_11+12/4_077_2025_11+12.pdf111
2025
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Studiendesign und Erkenntnisse des Modellversuchs JAEL - Jugendhilfe aus Erfahrung lernen
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2025
Marc Schmid
Nils Jenkel
Jörg M. Fegert
Klaus Schmeck
Die JAEL-Studie ist eine der ganz wenigen Längsschnittstudien, die Verläufe in der stationären Jugendhilfe analysiert und die Care Leaver:innen im jungen Erwachsenenalter, wenn diese bereits mit zentralen Entwicklungsaufgaben konfrontiert wurden, nochmals untersucht und dabei auch die traumatischen Erlebnisse und die psychische Gesundheit standardisiert erfasst. Durch dieses Studiendesign lassen sich sowohl Risiko- und Schutzfaktoren für den Verlauf und die Teilhabe im Erwachsenenalter identifizieren und aus retrospektiven Aussagen der Betroffenen wichtige Hinweise für die Ausgestaltung der Heimerziehung und der Übergänge gewinnen – diese Erkenntnisse wurden in einem E-Learning für die Fachkräfte aufgearbeitet.
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459 unsere jugend, 77. Jg., S. 459 - 469 (2025) DOI 10.2378/ uj2025.art55d © Ernst Reinhardt Verlag Studiendesign und Erkenntnisse des Modellversuchs JAEL - Jugendhilfe aus Erfahrung lernen Erkenntnisse zu psychischen, biografischen Belastungen und gesellschaftlicher Teilhabe Die JAEL-Studie ist eine der ganz wenigen Längsschnittstudien, die Verläufe in der stationären Jugendhilfe analysiert und die Care Leaver: innen im jungen Erwachsenenalter, wenn diese bereits mit zentralen Entwicklungsaufgaben konfrontiert wurden, nochmals untersucht und dabei auch die traumatischen Erlebnisse und die psychische Gesundheit standardisiert erfasst. Durch dieses Studiendesign lassen sich sowohl Risiko- und Schutzfaktoren für den Verlauf und die Teilhabe im Erwachsenenalter identifizieren und aus retrospektiven Aussagen der Betroffenen wichtige Hinweise für die Ausgestaltung der Heimerziehung und der Übergänge gewinnen - diese Erkenntnisse wurden in einem E-Learning für die Fachkräfte aufgearbeitet. von PD Dr. Marc Schmid Jg. 1971; Psychotherapeut und Supervisor, Leitender Psychologe in der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik der UPK Basel, Universität Basel Nils Jenkel Jg. 1978, lic. phil. Psychologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter u. Projektleiter (www.equals.ch, www.jael-elearning.ch) in der Forschungsabteilung der Klinik für Kinder und Jugendliche der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPKKJ) Basel (Schweiz) Prof. Dr. Jörg M. Fegert (Jg. 1956) ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm und Präsident (2023 - 2027) der europäischen Fachgesellschaft European Society for Child and Adolescent Psychiatry (ESCAP). Zudem ist er Leiter des Kompetenzzentrums Kinderschutz in der Medizin in Baden-Württemberg, des Kompetenzbereichs Prävention Psychische Gesundheit im Kompetenznetzwerk Präventivmedizin Baden- Württemberg und des Kompetenzzentrums Public Child Mental Health am Standort Ulm. Prof. Dr. Klaus Schmeck Jg.1956; Prof. Dr. Dipl.-Psych. Emeritus für Kinder und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universität Basel und ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche und das JAEL-Team Cyril Boonmann, Dina Bürgin, David Bürgin, Süheyla Seker, Delfine D’Huart, Martin Schröder et al. 460 uj 11+12 | 2025 Überblick und zentrale Studienergebnisse JAEL Einleitung Das Thema des „Leaving Care“, also Personen mit einer Geschichte von familiären Belastungen, die mindestens eine außerfamiliäre Platzierung notwendig machen, entweder in Pflegefamilien oder stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, gewinnt in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum sowie international zunehmend an Bedeutung und es werden auch vergleichende internationale Studien realisiert (Strahl et al. 2021; Cameron et al. 2018; Courtney et al. 2019). Die Studien im deutschsprachigen Raum (Jarczok et al. 2021; Keller et al. 2021) zeigen ein sehr heterogenes Bild von Erwachsenen mit einer von einer außerfamiliären Platzierung geprägten Biografie. Neben einer Gruppe von sehr gut Integrierten gibt es auch Subgruppen mit erheblichem Interventionsbedarf und ernsthaften Problemen in vielen Lebensbereichen. Die JAEL-Studie untersucht im Rahmen einer Längsschnittstudie hoch belastete „Care Leaver: innen“. Ziel ist es, Risiko- und Gelingensfaktoren zu identifizieren und eine webbasierte Weiterbildung zu entwickeln, welche die Fachkräfte und Pflegeeltern im Umgang mit Risikofaktoren unterstützt und für Gelingensfaktoren und das, was sie schon gut machen, sensibilisiert. Die jungen Erwachsenen konnten in einer besonders bedeutsamen Lebensphase der Spätadoleszenz untersucht werden. In dieser Lebensphase stehen besonders wichtige Entwicklungsaufgaben wie die Ablösung vom Elternhaus, die Auseinandersetzung mit Werthaltungen, die Berufsfindung und die Gründung von festen Beziehungen an, die bewältigt werden müssen, um langfristig und nachhaltig eine ausreichende gesellschaftliche Teilhabe zu erreichen (Fegert & Freyberger 2017; Fegert et al. 2017). Auch die Entwicklung gewisser Gehirnstrukturen endet erst nach dem 25. Lebensjahr (Thyen & Konrad 2018). In den letzten Jahren hat sich die Adoleszenz in allen westlichen Ländern deutlich verlängert. Viele dieser Entwicklungsaufgaben werden wegen anderen Familienbildern, der Tendenz von höheren Bildungsabschlüssen, dem sehr teuren Wohnraum und der wesentlich späteren Familiengründung tendenziell erst in höherem Alter abgeschlossen. Der durchschnittliche Schweizer verlässt erst mit Mitte 20 sein Elternhaus. Es ist ein Paradoxon, dass man von den ehemals fremdplatzierten jungen Menschen mit wenig bis keiner familiärer Unterstützung eine frühere, schnellere Verselbstständigung erwartet als von den Privilegierten mit dem besten Verhältnis zu den Eltern und ganz anderen persönlichen und ökonomischen Ausgangsbedingungen (Schmid et al. 2022). Ebenso wie die anderen Studien hat die JAEL- Studie die Probleme und Herausforderungen in verschiedenen Lebensbereichen gut beschreiben können. Ein wichtiger Unterschied sowie eine besondere Stärke der JAEL-Studie liegt darin, dass viele Studien immer sehr begrenzt einzelne Problembereiche analysiert haben, wohingegen die JAEL-Studie sich bemüht hat, auch die Zusammenhänge der Schwierigkeiten aufzuzeigen und diese in einer ausreichend großen Stichprobe mit standardisierten psychometrischen Verfahren und klinischen Interviews zu untersuchen und einen Fokus auf psychische als auch psychotraumatologische Belastungen zu legen, dabei aber auch die Ressourcen zu beachten und systematisch zu erfassen. Ausgangslage: Von MAZ. zu JAEL Die Erkenntnisse aus einer Längsschnittstudie an ehemals in sozialpädagogischen Institutionen fremdplatzierten Jugendlichen (damals im Durchschnitt 16 Jahre alt), von denen wir zehn Jahre später einen Teil (mit im Schnitt 26 Jahren) erneut untersuchen konnten, werden derart aufbereitet, dass man wichtige Risiko- und Schutz-, aber auch Gelingensfaktoren und Stolpersteine für die Hilfeverläufe identifizieren kann. Die JAEL-Studie wurde vom schweizerischen Bundesamt für Justiz gefördert und von der zuständigen Ethikkommission (Ethikkommission Nordwestschweiz; EKNZ) geprüft und genehmigt (Ref.-Nr.: 2017-00718). 461 uj 11+12 | 2025 Überblick und zentrale Studienergebnisse JAEL Die Basis für die JAEL-Untersuchung war der 2013 abgeschlossene Modellversuch MAZ. („Abklärung und Zielerreichung in stationären Maßnahmen MAZ.“), in welchem 592 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus 64 Institutionen aller drei Sprachregionen der Schweiz untersucht wurden (vgl. Schlussbericht MAZ., Schlussbericht JAEL verfügbar unter https: / / www.bj.admin.ch/ bj/ de/ home/ sicherheit/ smv/ modellversuche/ evaluationsberichte.html). Aufbauend auf den Ergebnissen aus MAZ. war es in der JAEL-Studie möglich, sowohl prospektive als auch retrospektive Fragestellungen zu beantworten (vgl. Abbildung 1). Einerseits können im prospektiven Studiendesign Risiko- und Schutzfaktoren identifiziert werden. Andererseits konnten die Teilnehmenden zu den Gelingensfaktoren und Stolpersteinen während des Aufenthaltes in der stationären Jugendhilfe oder bei der Transition in die Kinder- und Jugendhilfe und aus der Kinder- und Jugendhilfe befragt werden. In den Methoden spiegelt sich der interdisziplinäre Zugang wider. Es wurden sozialwissenschaftliche (qualitative, quantitative) klinisch psychologische/ psychiatrische und naturwissenschaftliche Forschungsmethoden kombiniert. Rekrutierung der Stichprobe Das Fundament für die Längsschnittstudie wurde bereits im Rahmen des Modellversuchs MAZ. auf mehreren Ebenen gelegt. Es wurden die ethischen und datenschutzrechtlichen Voraussetzungen für eine Nachverfolgung der MAZ.- Teilnehmenden geschaffen sowie deren Kontaktdaten inklusive je einer Ansprechperson (z. B. Eltern oder Großeltern) erfasst. Beim Start der Nachuntersuchung zeigte sich allerdings rasch, dass die Kontaktadressen nicht mehr aktuell waren und diese Familien auch transgene- Abb. 1: Aufbau der MAZ.-JAEL-Studie mit prospektiven und retrospektiven Fragestellungen (Marc Schmid) 462 uj 11+12 | 2025 Überblick und zentrale Studienergebnisse JAEL rational sehr mobil sind. Der Rekrutierungsaufwand für die Längsschnittstudie war immens. Im Schnitt wurden 17.3 Arbeitsschritte pro JAEL- Teilnehmer und Teilnehmerin aufgewendet, um diese zu finden, für die Teilnahme zu motivieren und die Erhebungen durchzuführen. Insgesamt wurden 3087 Briefe und Pakete verschickt sowie 3327 Telefonate geführt und unzählige Kurznachrichten und E-Mails versendet. Von den ursprünglich 592 MAZ.-Teilnehmenden gaben 511 ihr Einverständnis für eine Nachuntersuchung (Katamnese). Von diesen konnten 374 (75 %) wiedergefunden und 231 (62 %) für eine Teilnahme gewonnen werden. Von den nicht Erreichten liegen teilweise auch sehr relevante Informationen vor: 8 junge Menschen (1.6 %) waren bereits verstorben (im Vergleich liegt die Mortalität in der Allgemeinbevölkerung in diesem Alter unter 0.1 %), manche waren ins Ausland verzogen oder ausgewiesen worden. Über 200 junge Erwachsene füllten die gesamte Onlinetestbatterie letztlich aus. Mit 180 konnten standardisierte klinische und semistrukturierte qualitative Interviews durchgeführt werden. In Anbetracht der hohen psychosozialen und psychiatrischen Belastung der Stichprobe, der Mobilität in dieser Alterskohorte und den brüchigen sozialen Netzwerken ist dies eine sehr gute Rekrutierungsrate. Zudem konnten in den MAZ.-Daten keine relevanten Unterschiede zwischen den späteren JAEL-Teilnehmenden und denjenigen MAZ.-Teilnehmenden, die nicht mehr gefunden oder nicht teilnehmen wollten, identifiziert werden, was sehr für die Repräsentativität der Stichprobe spricht. Biografische Belastungen der Care Leaver: innen Die Ergebnisse der MAZ.- und JAEL-Studie zeigen einmal mehr, wie viele biologische und psychosoziale Risikofaktoren die ehemals fremdplatzierten junge Menschen akkumulieren. Fast alle JAEL-Teilnehmenden berichten von erheblichen Belastungen in ihren Herkunftssystemen, z. B. Broken-Home, häusliche Gewalt, psychisch und somatisch kranke Eltern und sozial isolierte armutsgefährdete Familien. Die Misshandlungs- und Vernachlässigungsgeschichte wurde mit verschiedenen standardisierten Verfahren erfasst und zeigt durchgehend, dass diese Erfahrungen eher die Regel als die Ausnahme sind (Schmid et al. 2022; Leiting et al. Gurri et al. 2025). Über 70 % der Jugendlichen berichten im Childhood Trauma Questionnaire (CTQ) von emotionaler oder körperlicher Vernachlässigung, 60 % von emotionaler Misshandlung und die Hälfte von körperlichen Misshandlungserfahrungen. Auch sexueller Missbrauch war mit 28 % sehr weit verbreitet, insbesondere bei den Care Leaver: innen. Insgesamt ist die Häufigkeit dieser Erfahrungen auf dem Niveau von psychiatrischen Patient: innen in stationärer Behandlung oder Gefängnisinsassen und deutlich über der Allgemeinbevölkerung. Psychische Gesundheit der Care Leaver: innen Ein Fokus der MAZ.- / JAEL-Studie lag auf der standardisierten Erfassung von psychischen Belastungen und psychischen Erkrankungen mit dem Standard von epidemiologischen Studien im medizinisch-psychiatrischen Bereich. Insgesamt leiden 45 % an relevanten gesundheitlichen Einschränkungen. Zumeist sind es aber eher psychische Leiden. In ihrer Jugend (MAZ.-Studie) erfüllten 74,2 % die Diagnosekriterien für eine psychische Erkrankung (Dölitschz et al. 2014). 37 % zeigten in ihrem Jugendalter auch selbstverletzendes Verhalten und Suizidgedanken (Lüdtke et al. 2018). Zum Zeitpunkt der JAEL-Studie litten 62,6 % unter einer psychischen Erkrankung, wobei 50,5 % zu beiden Messzeitpunkten unter psychischen Erkrankungen leiden und 26,2 % nur im Jugendalter unter einer psychischen Störung litten und waren inzwischen genesen, 14,6 % litten nie unter einer psychischen Erkrankung und 8 % entwickelten erst in der Adoleszenz eine psychische Erkrankung. 463 uj 11+12 | 2025 Überblick und zentrale Studienergebnisse JAEL Es wurden fast alle Formen von psychischen Erkrankungen von ADHS bis Zwang diagnostiziert. Die fünf häufigsten Erkrankungen bei den Care Leaver: innen waren: 1. 37 % Substanzbezogene Störungen, insbesondere Cannabis- und Alkoholmissbrauch 2. 35 % Persönlichkeitsstörungen 3. 20 % ADHS 4. 19 % Affektive Störungen 5. 17 % Angststörungen Die hohe Zahl an substanzbezogenen Störungen (vgl. Kind et al. 2024) ist besorgniserregend, aber wenn man länger darüber nachdenkt, in Anbetracht auch der biologischen Risikofaktoren und des Modelllernens im Elternhaus und der Peergruppe gar nicht so überraschend, was aber zeigt, wie wichtig es ist, die Suchtgefahren in den sozialpädagogischen Institutionen zu adressieren und nicht wegzuschauen. Wichtigste Ergebnisse der Katamneseuntersuchung Um die Verläufe auf einer übergeordneten Ebene beurteilen zu können, wurde die Lebenssituation jeder JAEL-Teilnehmerin und jedes JAEL-Teilnehmers in den vier übergeordneten Bereichen der sozialen Teilhabe „Gesundheit“, „Delikte“, „sozioökonomische Lage“ und „Beziehungen“ aufgrund von „harten Fakten“ erfasst. Um eine Gesamteinschätzung der Verläufe vorzunehmen, wurde im Team ein einfaches Ampelsystem entwickelt, in dem die Verläufe gemeinsam in positive (grüne), neutrale (orange) und negative Verläufe (rot) vom ganzen Team eingeteilt wurden. Ein solches System hat den Nachteil, dass es eine recht grobe Vereinfachung ist und einige Aspekte und Informationen vielleicht stark reduziert und die Gewichtung von einzelnen Aspekten dominiert ist. Es hat aber den großen Vorteil, dass auch der Verlauf, Veränderung und „weiche Faktoren“, wie die Einschätzung der Veränderungsmotivation, einfließen und harte Fakten in diesem Kontext betrachtet werden können. Verheiratet zu sein gilt weithin als Anzeichen für einen guten Verlauf und stabile Beziehungen, wenn man in seiner Ehe aber wiederholt Gewalt erfährt und unterdrückt wird, ist diese Situation anders zu interpretieren. Die Schwächen der subjektiven Beeinflussung durch Beurteilungseffekte kann man durch ein Mehraugenprinzip wirksam reduzieren. Ein grüner Verlauf bedeutet, dass jemand eine stabile berufliche Situation erarbeitet hat, in der Regel eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, in sozialen Bezügen lebt, prosoziale Freizeitaktivitäten hat und mit seiner momentanen Lebenssituation zufrieden ist. Ein orangener oder neutraler Verlauf bedeutet, dass die ehemaligen fremdplatzieren jungen Menschen eine gewisse Stabilität und Perspektive haben, aber in einem oder zwei Lebensbereichen noch oder wieder Probleme haben und nicht ganz zufrieden sind. Ein roter oder negativer Verlauf bedeutet, dass ein junger Mensch weder eine berufliche Perspektive noch ein stabiles soziales Umfeld hat. In der Regel sind diese jungen Menschen auch gesundheitlich eingeschränkt und leiden unter chronifizierten psychischen Störungen und/ oder Suchterkrankungen und sind mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Die Teilnehmenden werden über ein solches Expert: innenurteil mit einem Ampelsystem guten, neutralen oder schlechten Verläufen zugeordnet. Nach dieser Einschätzung kommen 2/ 5 (40,5 %) der untersuchten jungen Erwachsenen gut zurecht und haben in keinem der erfassten Funktionsbereiche große Probleme bzw. haben diese Probleme relativ gut kompensiert. Weitere 2/ 5 (38,5 %) der JAEL-Teilnehmenden hatten einen neutralen Verlauf mit Stärken und Schwächen, während 1/ 5 (21,2 %) der Stichprobe massive Probleme in quasi allen Lebensbereichen aufwies und keine stabile Lebenssituation aufbauen konnte. 464 uj 11+12 | 2025 Überblick und zentrale Studienergebnisse JAEL Mit ihrer sozioökonomischen Lage sind die Teilnehmenden selbst am unzufriedensten und 55 % weisen in dieser Kategorie Probleme auf. Rund ein Drittel (32 %) ist nicht in Arbeit oder Ausbildung integriert. 44 % sind zumindest teilweise auf soziale Transferleistungen angewiesen, 30 % haben mehr als 10.000 CHF Schulden (vgl. d’Huart 2026, Beitrag in diesem Heft). 32 % der JAEL-Absolventinnen und Absolventen sind mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, zumeist wegen Verkehrs- und Eigentumsdelikten. 6 % haben Gewaltdelikte verübt, 10 % wurden zu einer Haftstrafe verurteilt. Weiterhin zeigte sich, dass die JAEL-Teilnehmenden wenig soziale Unterstützung durch ihre Familien bekommen und 46 % Probleme in ihren Beziehungen beschreiben. 60 % Prozent leben in einer festen Partnerschaft. 22 % haben bereits eigene Kinder, von diesen gab die Hälfte an, dass die Schwangerschaft des ersten Kindes ungeplant gewesen sei und sie das 21. Lebensjahr bei der Geburt noch nicht vollendet hatten. Über 65 % leben mit ihren Kindern zusammen und 72 % haben das Sorgerecht für ihre Kinder. Es leben aber „nur“10 % der Kinder in außerfamiliären Hilfeformen. Über ein Drittel der JAEL-Teilnehmenden fühlt sich im Transitionsprozess nicht ausreichend unterstützt und gibt an, die Aufgaben unterschätzt zu haben. Die zentrale soziale Unterstützung kam bei den JAEL-Absolventen: innen viel seltener von den biologischen Eltern und viel häufiger aus dem Freundeskreis. Prosoziale Peerbeziehungen und stabile Liebesbeziehungen scheinen einen stabilisierenden Einfluss zu haben. Die professionelle Unterstützung im Transitionsprozess wird sehr heterogen beschrieben. Langsame Übergänge mit gewachsenen vertrauensvollen Beziehungen und eine passgenaue Unterstützung durch ambulante Hilfen scheinen aus Perspektive der betroffenen jungen Menschen besonders wertvoll für ihre gesellschaftliche Teilhabe zu sein (vgl. Jenkel et al. 2025 in diesem Heft). Einordnung der Ergebnisse zur sozialen Teilhabe Insgesamt haben 86 % der JAEL-Teilnehmenden in mindestens einem Lebensbereich eine relevante Einschränkung, 55 % in mehr als zwei Bsp. Grüner Verlauf: Stabile Lebensverhältnisse, soziales Netz, abgeschlossene Ausbildung, stabiler Beruf, aktuell zufrieden. Bsp. Roter Verlauf: Chronisch delinquent, zweimal im Gefängnis, keine Berufsausbildung/ berufliche Perspektive, relativ isoliert, langzeit-arbeitslos, drogenabhängig. Bsp. Gelber Verlauf: Hat eine gewisse Stabilität erreicht, aber teilweise noch auf Unterstützung und soziale Hilfssysteme angewiesen. Beziehungen, Arbeitsverhältnisse, Zukunftspläne und geregelter Alltag sind noch Belastungen ausgesetzt. n „Rot“ n „Gelb“ n „Grün“ 38,5 % 40,2 % 21,2 % Abb. 2: Einteilung der Verläufe im Expertenurteil nach dem Ampelmodell 465 uj 11+12 | 2025 Überblick und zentrale Studienergebnisse JAEL Lebensbereichen und bei 6 % sind alle Lebensbereiche schwer belastet. Die Tatsache, dass 10 % eine Haftstrafe verbüßen, über die Hälfte Schwierigkeiten im sozioökonomischen Bereich haben und 60 % die Diagnosekriterien für eine psychische Störung aufweisen, ist im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung extrem hoch - im Vergleich zu Menschen mit ähnlichen Belastungsprofilen und Ausgangslagen aber eher gering. Zum Beispiel ist die Rate an Schulabschlüssen viel höher als in bindungsfernen Schichten, weshalb die Ergebnisse zwingend unter dem Aspekt der Ausgangslage der ehemals fremdplatzierten jungen Menschen betrachtet und interpretiert werden müssen, wenn auch leider nur sechs der JAEL-Absolventen: innen studiert haben. Die Befunde sind eher ein Zeichen dafür, was in der Heimerziehung geleistet wird, dass es aber viele besonders schwer belastete Menschen gibt, die auch nach einer intensiven stationären Jugendhilfemaßnahme noch einen sehr langfristigen, intensiven Unterstützungsbedarf aufweisen. Zu Bedenken ist auch, dass die Initiativen zur besseren Unterstützung von Care Leaver: innen sich in den meisten Kantonen oft erst nach der JAEL-Studie entwickelten und bei den JAEL-Verläufen noch nicht richtig greifen konnten. Welche Risiko- und Schutzfaktoren beeinflussen die Verläufe? Gute Verläufe zeichnen sich durch einen besseren Schulerfolg in der Vorgeschichte, eine höhere Selbstwirksamkeit, mehr soziale Unterstützung durch Eltern und Gleichaltrige sowie eine geringere psychische Belastung bzw. stärkere Reduktion der psychischen Belastung im Verlauf der Jugendhilfemaßnahme aus. Die Intelligenz hat keinen signifikanten Einfluss auf die Verläufe. In den qualitativen Studien zeigte sich, dass eine beziehungsorientiertere Pädagogik, Selbstwirksamkeit, positive Gruppenerfahrung und die Identität stark mit positiveren Verläufen einhergehen (Jenkel et al. 2026, in diesem Heft). Eine Vielzahl sehr früher und sehr belastender Kindheitserfahrungen, Suchtmittelmissbrauch und Substanzabhängigkeit, mehrfache Abbrüche von Kinder- und Jugendhilfemaßnahmen, psychische Belastungen und Erkrankungen, insbesondere Persönlichkeitsstörungen und psychopathische Persönlichkeitszüge sowie persistierende Delinquenz gehen mit einem höheren Risiko für schlechtere Verläufe einher. Diese Risikofaktoren sollten viel stärker beachtet werden, weshalb das Hauptziel der JAEL-Studie darin bestand, eine webbasierte Weiterbildung für Fachkräfte zu entwickeln und zu evaluieren und Anregungen für den Umgang mit diesen Risikofaktoren zu vermitteln. Dieser Aspekt ist sehr wichtig, da es bei einer Sensibilisierung für Risikofaktoren sehr wichtig ist, keine Selbstunwirksamkeit zu induzieren und im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung die Verhaltensprobleme und den Abbruch zu erwarten, sondern möglichst früh konkrete Ideen zu vermitteln, wie man auf die antizipierten ersten schwierigen Interaktionen selbstwirksam reagieren bzw. diesen Symptomen begegnen kann. Ziel, Entwicklung und Evaluation eines E-Learnings Konkrete, empirisch abgestützte Vorschläge für einen besseren Umgang mit den Risikofaktoren oder eine bessere Förderung der betroffenen jungen Menschen werden über eine webbasierte Weiterbildung den Fachkräften und Pflegeeltern zur Verfügung gestellt (siehe Beitrag in diesem Heft https: / / jael-elearning.ch). Dieser Weg wurde gewählt, weil dies die beste Methode ist, eine standardisierte Weiterbildung niederschwellig möglichst vielen Fachkräften zugänglich zu machen und somit die nötige Nachhaltigkeit zu erzielen. Zudem ist ein E-Learning gerade für Fachkräfte in sozialpädagogischen Einrichtungen sehr attraktiv, da wegen Schichtdiensten und hohem Zeitaufwand für die Teilnahme an Weiterbildungen eine freie Einteilung der Lernzeiten hilfreich ist (vgl. Jenkel et al. 2026 b in diesem Heft). 466 uj 11+12 | 2025 Überblick und zentrale Studienergebnisse JAEL Diskussion und fachpolitische Implikationen Ein Großteil der Care Leaver: innen machte bereits in ihrer frühen Kindheit schwere traumatische Erfahrungen. Auch andere internationale Studien zeigten, dass ehemals fremdplatzierte junge Menschen eine sehr belastete Stichprobe mit vielen Misshandlungs- und Vernachlässigungserfahrungen ist (Rebbe et al. 2018; Schmid et al. 2022) und im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein 2 - 4-fach erhöhtes Risiko hat, unter psychischen Erkrankungen und komorbiden Störungen zu leiden (Seker et al. 2022). Trotz diesen durchaus besorgniserregenden Befunden weisen Care Leaver: innen auch in der JAEL-Studie (Leiting et al. 2024) eine mit der Allgemeinbevölkerung vergleichbar hohe Lebensqualität auf (Dumaret et al. 2011). Vor allem die psychischen und traumatischen Belastungen scheinen die Lebensqualität zu beeinträchtigen. Die verheerende Wirkung von chronifizierten psychischen Erkrankungen und insbesondere substanzgebundenen Störungen zeigen, dass es wichtig ist, psychische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, um deren Auswirkungen auf die soziale Teilhabe so gering wie möglich zu halten (Butterworth et al. 2017; Phillips et al. 2024; Seker et al. 2025). Deshalb braucht es ein sehr gut ausdifferenziertes interdisziplinäres Hilfssystem, in dem Care Leaver: innen in eigenen Wohnungen interdisziplinär, d. h. gegebenenfalls auch aufsuchend psychiatrisch/ psychotherapeutisch betreut werden können und einen sehr niederschwelligen Zugang zu Hilfen haben. Leider zeigen sich die in der JAEL-Studie gefundenen, recht besorgniserregenden Probleme bei der Bildung und Arbeitsintegration auch in anderen deutschsprachigen und internationalen Studien (Johansson et al. 2024), was bedeutet, dass die Care Leaver: innen hier viel mehr und gezieltere Unterstützung brauchen und eine Ausbildung nur eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeitsintegration und höhere Bildungsabschlüsse ist. Über ein Drittel der JAEL-Teilnehmerinnen gibt an, sich in der Transitionsphase nicht ausreichend gut begleitet gefühlt zu haben, selbst wenn man in Betracht zieht, dass die großen Initiativen im Bereich des Leaving Care (Knecht Krüger & Gérard 2017) erst nach dem Austritt der JAEL-Jugendlichen richtig „Fahrt aufgenommen haben“ und viele sozialpädagogische Institutionen, die Zuweiser und die Verantwortlichen in den Kantonen nun sensibilisiert sind und sich die Situation verbessert hat -, ist diese Zahl erschreckend hoch und zeigt noch erheblichen Optimierungsbedarf auf. Insbesondere, wenn man in den Interviews hört, wie abrupt viele junge Menschen das Ende ihrer stationären Jugendhilfemaßnahme erlebt haben. Es ist wichtig, den „Übergang“ aus einer außerfamiliären Platzierung in ein selbstständiges Leben als längeren Prozess zu verstehen, auf den gemeinsam partizipativ mit allen am Hilfeprozess beteiligten Personen hingearbeitet wird. Die Ablösungsprozesse sollten wesentlich früher, nachhaltiger und familienähnlicher eingeleitet werden. Es sollte viel Wert auf den Aufbau von informellen sozialen Unterstützungssystemen, prosozialen Freizeitbeschäftigungen und Peergruppen gelegt werden und eine Verbindung zu Vertrauenspersonen, z. B. den Pflegeeltern oder Vertrauenspersonen in den sozialpädagogischen Institutionen, gehalten werden. Die Beziehung zu den leiblichen Eltern sollte vor der Ablösungsphase gut geklärt sein, sodass in der Austrittsphase keine Loyalitätskonflikte aktualisiert werden können. Fazit Sehr viele junge Erwachsene mit einer Vorgeschichte in außerfamiliären Platzierungen gehen ihren Weg und entwickeln eine beeindruckende Resilienz. Dies sind insbesondere jene junge Menschen, die ein kohärentes, 467 uj 11+12 | 2025 Überblick und zentrale Studienergebnisse JAEL ressourcenorientiertes und nicht stigmatisierendes Narrativ über die guten Gründe der Fremdplatzierung erarbeitet haben und die Fremdplatzierungen und die Beziehungen zu den Fachkräften als wertvoll, emotional engagiert und wertschätzend erlebt haben. Diese jungen Menschen haben in der Fremdplatzierung wichtige positive Beziehungserfahrungen gemacht und haben emotionalen Beistand und konkrete Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Probleme erfahren, weshalb sie eine Selbstwirksamkeit und sich selbst akzeptierende Identität, in welcher die Erfahrung der Fremdplatzierung ihren Platz hat, entwickelt haben (Schmid, 2021). Dennoch darf man die Augen nicht vor den Belastungen und Gefahren verschließen. Care Leaver: Innen bleiben aufgrund der Vielzahl ihrer akkumulierten Risikofaktoren eine Hochrisikogruppe für psychische Erkrankungen und Teilhabebeeinträchtigungen, weshalb die Übergänge aus der außerfamiliären Betreuung in die Selbstständigkeit von einem sozialen Netzwerk gut begleitet werden müssen und sie unter Umständen einen sehr viel niederschwelligeren und nachgehenderen Zugang zu professionellen und psychosozialen und adoleszenzpsychiatrischen/ -psychotherapeutischen Hilfen benötigen. Leider scheinen insbesondere die chronischen psychischen Erkrankungen die Verläufe zu beeinflussen und eine bessere gesellschaftliche Teilhabe und höhere Lebensqualität zu verhindern. Die hohe Prävalenz von chronifizierten psychischen Erkrankungen zeigt, dass die psychische Gesundheit und psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung von Care Leaver: innen noch nicht ausreichend ausgebaut ist und stärker beachtet werden muss. Es sollten niederschwellige Versorgungskonzepte in den sozialpädagogischen Institutionen/ Wohngruppen und während der Transitionsphase angeboten werden, in denen die Betroffenen möglichst evidenzbasiert behandelt werden können, da die psychischen Erkrankungen sehr eng mit der Teilhabe und Lebenszufriedenheit im Erwachsenenalter assoziiert sind. Diese müssen während des gesamten Verlaufes ausreichend adressiert werden. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Care Leaving sollten harmonisiert und in allen Ländern/ Kantonen/ Landkreisen in gleicher Art und Weise umgesetzt werden. Es kann nicht sein, dass ein junger Mensch seine Unterstützung verliert, wenn er/ sie wegen eines Jobs/ einer günstigeren Wohnung umzieht. Deshalb braucht es hier eine Vereinheitlichung über die Kantone und Gemeinden bzw. Landkreise hinweg. Eine aktuelle Übersichtsarbeit von Prendergast et al. 2024 hat gut zusammengetragen, welche Formen von Unterstützung zu einer erfolgreichen Integration beitragen. Es ist wichtig, dass die Jugendlichen eine Vertrauensperson haben, die sie als empathisch, kompetent und emotional engagiert wahrnehmen, die ihnen etwas zutraut und sie in ihrer Autonomie stärkt, aber auch verlässlich niederschwellig da ist. Als Gelingensfaktor identifizierten die Autoren, dass die Fachkräfte in der Betreuung von Care Leaver: innen viel Erfahrung haben müssen, um die Probleme und ihre Auswirkungen frühzeitig erkennen zu können (z. B. finanzielle Schwierigkeiten, Konflikte am Arbeitsplatz, schädlicher Drogenkonsum) und über ein breites Netzwerk an professionellen Helfern verfügen, das die Vertrauenspersonen dann schnell aktivieren können (Drogenberatung, Arbeitsstellen, Schuldnerberatung etc.). Auch in den sozialpädagogischen Wohngruppen muss der Austritt viel früher und strukturierter vorbereitet werden. Als ein Ergebnis der JAEL-Studie wurde in die EQUALS-PC-Programme ein Austrittsprofil integriert, welches einerseits die Entwicklung bzw. Erarbeitung eines Narratives zum Hilfeverlauf unterstützen soll und für die Fachkräfte und die Jugendlichen eine schöne Option sein soll, den Verlauf noch einmal zu rekapitulieren und Fortschritte zu feiern, aber auch auf den Austritt vorbereiten soll und die pädagogischen Bedarfe, die man in der Transitionsphase hat, und die Unterstützungsmöglichkeiten herausarbeiten kann (www.EQUALS.ch). 468 uj 11+12 | 2025 Überblick und zentrale Studienergebnisse JAEL Stationäre Jugendhilfemaßnahmen sollten relativ einfach und unbürokratisch bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres verlängert und langsam ausgeschlichen werden. Insbesondere sollte es niederschwellige Rückkehroptionen möglichst in dasselbe Setting geben, falls es im Verselbstständigungsprozess zu Krisen kommt. Die Ablöseprozesse sollten viel ähnlicher wie in den Familien gestaltet werden und sollten möglichst von einer Vertrauensperson koordiniert werden. Viele Menschen mit einer Geschichte in der stationären Jugendhilfe haben kein „zu Hause“, dass sie anrufen können, wenn die Waschmaschine den Geist aufgibt, sie an ihrer Berufswahl zweifeln oder die Beziehung zerbricht - das ist einfach nicht fair! Deswegen sollte man Netzwerke für diese jungen Menschen aufbauen, hierzu können neben den professionellen Helfern auch Peerkonzepte einen wichtigen Beitrag leisten (Rein et al. 2020; Hofer et al. 2021) -, zentral ist, dass jeder junge Mensch eine Anlaufstelle bzw. Nummer in seinem Handy von einem anderen Menschen hat, dem er ausreichend vertraut, um sich rechtzeitig mit seinen Problemen anzuvertrauen. PD Dr. Marc Schmid Nils Jenkel Prof. Dr. Jörg M. Fegert Prof. Dr. Klaus Schmeck UPK Basel Klinik für Kinder und Jugendliche Wilhelm Klein-Str. 27 CH-4002 Basel Literatur Butterworth, S., Singh, S. P., Birchwood, M., Islam, Z., Munro, E. R., Vostanis, P., … Simkiss, D. (2017): Transitioning care-leavers with mental health needs: ‘they set you up to fail! ’. Child and Adolescent Mental Health, 22 (3), 138 - 147. https: / / doi.org/ 10.1111/ camh.12171 Cameron, C., Hollingworth, K., Schoon, I., van Santen, E., Schröer, W., Ristikari, T., … Pekkarinen, E. (2018): Care leavers in early adulthood: How do they fare in Britain, Finland and Germany? Children and Youth Services Review, 87, 163 - 172. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.child youth.2018.02.031 Courtney, M. E., Valentine, E. J. & Skemer, M. (2019): Experimental evaluation of transitional living services for system-involved youth: Implications for policy and practice. Children and Youth Services Review, 96, 396 - 408. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.childyouth.2018. 11.031 Dumaret, A.-C., Donati, P. & Crost, M. (2011): After a long-term placement: Investigating behaviour, educational achievement and transition to independent Educational Achievement, Behaviour, and Transition to Independent Living. 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