eJournals unsere jugend77/11+12

unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2025.art56d
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2025
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Ehemals außerfamiliär untergebrachte junge Erwachsene erzählen ihre Geschichte - was können wir Fachkräfte daraus lernen?

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2025
Nils Jenkel
Martin Schröder
Der vorliegende Beitrag stellt die Perspektive von 180 ehemals außerfamiliär untergebrachten jungen Erwachsenen ins Zentrum und gibt ihnen eine Stimme. Auf Grundlage von Interviews aus der JAEL-Studie („Jugendhilfeverläufe – aus Erfahrung lernen“) werden zentrale Lebenserfahrungen dieser jungen Menschen rekonstruiert – von der Herkunftsfamilie über die Zeit in stationären Einrichtungen bis hin zum Prozess der Verselbstständigung. Der Beitrag beleuchtet sowohl subjektive Deutungen als auch strukturelle Rahmenbedingungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe (KJH), die das Aufwachsen, den Alltag in der stationären Hilfe und den Übergang ins Erwachsenenleben prägen. Dabei zeigen sich sowohl potenzielle Schutzfaktoren als auch Risiken, welche auf zentrale Herausforderungen der stationären KJH und bis hin zum Handeln der einzelnen Fachkräfte hinweisen.
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470 unsere jugend, 77. Jg., S. 470 - 483 (2025) DOI 10.2378/ uj2025.art56d © Ernst Reinhardt Verlag Ehemals außerfamiliär untergebrachte junge Erwachsene erzählen ihre Geschichte - was können wir Fachkräfte daraus lernen? Ausgewählte qualitative Ergebnisse aus der JAEL-Studie Der vorliegende Beitrag stellt die Perspektive von 180 ehemals außerfamiliär untergebrachten jungen Erwachsenen ins Zentrum und gibt ihnen eine Stimme. Auf Grundlage von Interviews aus der JAEL-Studie („Jugendhilfeverläufe - aus Erfahrung lernen“) werden zentrale Lebenserfahrungen dieser jungen Menschen rekonstruiert - von der Herkunftsfamilie über die Zeit in stationären Einrichtungen bis hin zum Prozess der Verselbstständigung. Der Beitrag beleuchtet sowohl subjektive Deutungen als auch strukturelle Rahmenbedingungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe (KJH), die das Aufwachsen, den Alltag in der stationären Hilfe und den Übergang ins Erwachsenenleben prägen. Dabei zeigen sich sowohl potenzielle Schutzfaktoren als auch Risiken, welche auf zentrale Herausforderungen der stationären KJH und bis hin zum Handeln der einzelnen Fachkräfte hinweisen. 1. Ausgangslage und Einleitung Der qualitative Teil der JAEL-Studie (vgl. Beitrag von Schmid et al. 2026 in diesem Heft) hatte das Ziel, die Perspektiven junger Erwachsener mit Erfahrungen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe (KJH) auf diese Zeit sowie auf die Übergangsphase aus der KJH heraus sichtbar PD Dr. Marc Schmid Jg. 1971; Psychotherapeut und Supervisor, Leitender Psychologe in der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik der UPK Basel, Universität Basel Dr. Martin Schröder Jg. 1983, Dr. phil., Sozialpädagoge, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Postdoc in der Forschungsabteilung der Klinik für Kinder und Jugendliche der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPKKJ) Basel (Schweiz) von Nils Jenkel Jg. 1978, lic. phil. Psychologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter u. Projektleiter (www.equals.ch, www.jael-elearning.ch) in der Forschungsabteilung der Klinik für Kinder und Jugendliche der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPKKJ) Basel (Schweiz) 471 uj 11+12 | 2025 Ausgewählte qualitative Ergebnisse aus der JAEL-Studie zu machen. Dabei sollten konkrete Bedürfnisse der Betroffenen herausgearbeitet und Hypothesen entwickelt werden, wie diese adressiert und die KJH verbessert werden könnte - mit der zentralen Frage, was die Fachöffentlichkeit aus den Erfahrungen der jungen Menschen lernen kann. Ein wesentlicher Aspekt der qualitativen Interviews bestand darin, Best-Practice-Beispiele für das E-Learning zu identifizieren (vgl. Beitrag von Jenkel et al. 2026 in diesem Heft). Zudem sollten die Perspektiven junger Menschen auf gelungene Hilfen erfasst und konkrete Hinweise für Verbesserungen abgeleitet werden. Ziel war es, psychosoziale Fachkräfte für die Bedürfnisse von fremdplatzierten Kindern zu sensibilisieren, damit diese bei der Gestaltung und Konzeptentwicklung in der stationären KJH sowie den Transitionsprozessen bewusster berücksichtigt und gezielter adressiert werden können. Dabei beschreiben emotionale Aussagen der betroffenen jungen Menschen zentrale Aspekte und Schlüsselprozesse oft eindrücklicher und nachvollziehbarer als theoretische Abhandlungen oder Seminare. Die Mehrzahl der bekannten deutschsprachigen (Ehlke 2021; Jarczok et al. 2021; Keller et al. 2021; Köngeter et al. 2012; Schulz & Decker 2017; Sierwald et al. 2016; Sting et al. 2025) und internationalen Care Leaver: innen Studien (Cameron et al. 2018; Courtney et al. 2019) bedient sich einer Kombination aus qualitativen und quantitativen Methoden. Sie zeigen durchgängig, dass es eine große Heterogenität in der Unterstützung bei Transitionsprozessen gibt, und dass leider trotz zunehmender Sensibilisierung der Fachöffentlichkeit immer noch viele betroffene junge Menschen von einer unzureichenden Vorbereitung auf ein selbstständiges Leben und einem inadäquaten professionellen Support berichten. Dies wird auch in Metaanalysen und vergleichenden Übersichtsartikeln so beschrieben (Marion et al. 2017; Strahl et al. 2021; Taylor et al. 2024; Van Breda et al. 2020). Ein besonderer Anspruch der JAEL-Studie bestand darin, den gesamten Verlauf der stationären KJH und die Transitionsphase unter Resilienzaspekten abzubilden und die ‚qualitativen sozialpädagogischen‘ mit ‚quantitativen psychologischen‘ Methoden zu kombinieren. Der qualitative Teil wurde zudem genutzt, um aufzuzeigen, welche Erfahrungen zu positiven Entwicklungsverläufen bei jungen Menschen beitrugen - selbst dann, wenn viele Risikofaktoren vorlagen. 2. Methode Alle 231 Personen, die zumindest teilweise an der Onlinebefragung von JAEL teilgenommen hatten, wurden zu einem Interviewtermin in Basel (Deutschschweiz), Lausanne (Romandie) oder Bellinzona/ Lugano (Tessin) eingeladen. Die Interviews waren - da sie auch eine hier nicht dargestellte klinische Diagnostik beinhalteten - zeitintensiv und erforderten gelegentlich weite Anreisen. Neben den Fahrtkosten erhielten die Teilnehmenden Gutscheine, welche in Supermärkten vielseitig einlösbar waren. Diese finanzielle Anerkennung und Flexibilität und Hartnäckigkeit des Untersuchungsteams war entscheidend, um Teilnahmehürden niedrig zu halten und Selektionsverzerrungen zu minimieren. Gerade in dieser Hard-to-reach- Zielgruppe (Giertz et al. 2020) muss davon ausgegangen werden, dass insbesondere stärker belastete oder besonders gut beruflich integrierte Personen, die für die Teilnahme Urlaub nehmen mussten, sonst nicht hätten einbezogen werden können. Letztlich konnten 180 der jungen Menschen für die persönlichen Interviews gewonnen werden. Der Interviewleitfaden (Helfferich 2014; Witzel 2000) umfasste drei zentrale Themenbereiche: (1) Eintritt in die stationäre KJH, (2) Zeit während der stationären Unterbringung sowie (3) Übergang aus der KJH („Leaving Care“). 472 uj 11+12 | 2025 Ausgewählte qualitative Ergebnisse aus der JAEL-Studie Folgende Kennzahlen unterstreichen, dass die Teilnehmenden potenziell sehr viel zu berichten wussten und als wahrhaftige Expert: innen der KJH angesehen werden können: Im Schnitt waren zwischen der ersten und letzten Station in der stationären KJH 7 Jahre (im Median 5 Jahre) vergangen und die Interviewten hatten in dieser Zeit durchschnittlich fast vier unterschiedliche Einrichtungen und/ oder Pflegefamilien durchlaufen. Zwischen der letzten Unterbringung und dem Zeitpunkt der JAEL- Interviews lagen durchschnittlich 7.5 Jahre (Median = 8 Jahre). Außer zwei Teilnehmenden stimmten alle einer Audioaufzeichnung zu, sodass insgesamt 367 Stunden Tonmaterial für die Analyse zur Verfügung standen. Alle Interviews, die zwischen 37 Minuten und über 6 Stunden und im Schnitt etwas über 2 Stunden lang waren, wurden in der jeweiligen Originalsprache mit der Software f4 transkribiert. Die Auswertung in MAXQDA erfolgte anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2015, 2019). Mit 80 Interviews aus der Deutschschweiz, 17 aus der Romandie und 13 aus dem Tessin konnte eine zufriedenstellende inhaltliche Sättigung erreicht werden. Dabei wurde auf eine ausgewogene Verteilung der Verläufe und Geschlechter geachtet. Die folgenden Zitate und Ergebnisse spiegeln eine bewusste Auswahl wider, die keine vollständige Abbildung aller Erfahrungen in der stationären KJH beansprucht. Vielmehr wurden exemplarische Aussagen gewählt, die besonders eindrücklich verdeutlichen, welchen Herausforderungen und Bewältigungsleistungen viele junge Menschen begegneten - vor, während und nach ihrer Zeit in der Hilfe. Ziel dieser Auswahl ist es, für die teils belastenden Lebensrealitäten zu sensibilisieren, ohne dabei zu vereinfachen oder zu verallgemeinern. Sie soll zur Reflexion anregen und Impulse für die Weiterentwicklung der Praxis geben. Ergänzend werden die Ergebnisse durch Aussagen zur Situation vor Eintritt in der stationären KJH eingeleitet, welche im Rahmen des ersten Themenbereichs besonders häufig angesprochen wurden (siehe Abbildung 1). Familiäre Belastungen und Bewältigungserfahrungen vor Eintritt in die stationäre KJH ➝ siehe Kapitel 3 Einflussfaktoren auf das Erleben in der stationären KJH ➝ siehe Kapitel 5 Indikationsstellung und Aufnahme in die stationäre KJH ➝ siehe Kapitel 4 Das Erleben des Übergangs (Leaving Care) ➝ siehe Kapitel 6 Abb. 1: Themenübersicht der Ergebnisse aus den qualitativen Interviews von JAEL 473 uj 11+12 | 2025 Ausgewählte qualitative Ergebnisse aus der JAEL-Studie 3. Familiäre Belastungen und Bewältigungserfahrungen vor Eintritt in die stationäre KJH Zur Situation vor der Zeit in der stationären KJH beschrieb ein Großteil der JAEL-Teilnehmenden schwierige familiäre Lebensverhältnisse, die maßgeblich zum Eintritt in die stationäre KJH beigetragen hatten. Genannt wurden u. a. familiäre Belastungs- und Trennungserfahrungen und sozioökonomische Benachteiligungen. Statistiken aus der Allgemeinbevölkerung (Bildungsberichterstattung 2020; Heintz-Martin & Langmeyer 2020; Laubstein et al. 2016) sowie auch die Deutsche Kinder- und Jugendhilfestatistik (Rauschenbach et al. 2009) zeigen, dass solche Faktoren mit ungünstigen Entwicklungsbedingungen und erhöhtem Unterstützungsbedarf verbunden sind. Eine zentrale Rolle nahmen dabei die psychischen Belastungen der Eltern ein, insbesondere Suchterkrankungen. Dies betraf laut Erinnerungen häufig die Mütter, was unter anderem auf die fehlende (emotionale) Präsenz vieler Väter, die eigentlich weit häufiger von Sucht betroffen waren (Schmid et al., 2013), zurückzuführen war: „Der war in einem Gefängnis, also ich sah ihn nicht lange in meinem Leben.“ (w, 24) Die Interviews machten deutlich, wie stark das Familienleben vor allem durch Alkoholabhängigkeit geprägt war: „Sie war voll Alkoholikerin. Voll Alkoholikerin. […] es gibt bestimmte Stufen von Alkoholikern. Oder was Heimkinder zu Hause mit Alkohol in Bezug auf die Eltern erleben. Bei mir war es die oberste Stufe. Also das veränderte wirklich alles.“ (m, 28) / / „Das heißt, ich bin daheim aufgewachsen mit meiner Mutter, sie ist alleinerziehend gewesen, sie hat zu viel gesoffen, also wirklich viel viel. Sie ist eine mega liebe Frau gewesen, eine mega herzliche, liebe Frau, aber der Alk hat sie zerstört. Ähm ich wollte nie weggehen, weil ich immer ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn ich weggegangen bin.“ (m, 27) Ähnliche und häufig sehr frühe Erfahrungen hatten nicht selten langfristige Auswirkungen auf die psychische und soziale Entwicklung der Betroffenen: „Wenn man als Kind einfach immer wieder -. Also mein Vater war ja kein guter Vater. Und wenn man als Kind immer geschlagen wird, und ins Heim kommt, dann hat man einfach psychisch sein Leben lang - egal, welche Therapien man macht. Es bleibt einem einfach, und - ich weiß schon, dass man nach vorn schauen sollte. Aber ab und zu holt dich die Vergangenheit einfach […] wieder ein, und ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, es ist einfach alles schiefgelaufen in meiner Kindheit.“ (w, 24) 4. Indikationsstellung und Aufnahme in die stationäre KJH Für die Phase der Aufnahme und des Ankommens in der KJH nannten die Teilnehmenden insbesondere drei Aspekte, die ihr Erleben maßgeblich beeinflussten - sowohl im positiven als auch im negativen Sinne: (1) das Ausmaß an erlebter oder fehlender Transparenz, Partizipation und Informiertheit, (2) Zeit, um emotional anzukommen, (3) die Integration in die Gruppe. 4.1 Transparenz, Partizipation und Informiertheit Während viele JAEL-Teilnehmende angaben, sich nur vage an den Beginn der außerfamiliären Unterbringungen zu erinnern, wurde in den negativen Schilderungen auffallend häufig ein Gefühl des „Hineingeworfenseins“ oder „Abgegebenwerdens“ beschrieben: „Ich wurde da ein bisschen reingeworfen. […] Ich verstand das am Anfang echt nicht so.“ (m, 26) Insbesondere bei akuten Krisen wurde der Entscheidungsprozess häufig als intransparent und einseitig fremdbestimmt erlebt, was das 474 uj 11+12 | 2025 Ausgewählte qualitative Ergebnisse aus der JAEL-Studie eigene Ohnmachtsgefühlt verstärkt. Teilnehmende beschrieben, dass sie kaum in die Planung einbezogen wurden - besonders dann, wenn nicht klar war, dass es sich um eine dauerhafte Unterbringung handeln würde: „Man kommt in ein Heim hinein. Die Erwachsenen haben halt alles schon besprochen. […] Das weiß ich nicht einmal. Das sind eben Sachen, die ich nie mitbekam. Sie redeten immer hinter meinem Rücken. […]. Man wird einfach informiert. So. Du bleibst noch zwei Jahre länger. Du wirst dann da und da in ein Heim gehen. Und du denkst einfach so: ,Und darf ich auch mal etwas dazu sagen? ‘ und dann heißt es einfach ,Nein! Es ist so entschieden.‘ […] Das finde ich eigentlich sehr schade.“ (w, 28) 4.2 Zeit, um emotional anzukommen Die Interviewten betonten, dass eine behutsame und individuell angepasste Eingewöhnung zentral war oder gewesen wäre, um das emotionale Ankommen in einer Einrichtung zu fördern. Idealerweise, so schilderte es eine Teilnehmende eindrücklich, hätte der Übergang in den Institutionsalltag schrittweise und in einem dem eigenen Tempo entsprechenden Rhythmus erfolgen sollen: „Zeit ist das Wichtigste, weil du willst eigentlich am Anfang willst du gar nichts wissen, du willst einfach nur ins Zimmer, auspacken und deine fucking Ruhe haben […] also es ist wie bei einem Tier, muss man sich wie so ein Fischaquarium vorstellen, wenn du den Fisch kaufst, dann lässt du ihn ja auch in dem Plastiksack mit dem Wasser vom alten Becken und dann lässt du ihn dann mal so im Aquarium im Sack schwimmen und dann wenn du denkst, so er hat sich jetzt an die andere Wassertemperatur gewöhnt, machst du es oben auf und lässt ihn ins andere Wasser einschwimmen aber du tust ihn nicht einfach zack ins andere Wasser reinschmeißen, weil sonst ist er überfordert der Fisch, […] neue Luft, neues Wasser, ah ich kann nicht mehr schwimmen […] also einfach Step by Step, die Person nicht überfordern.“ (w, 25) 4.3 Integration in die Gruppe Neben den bisher benannten Aspekten betonten viele Interviewte, dass vor allem das Zusammenleben in der Gruppe einen völlig neuen Alltag darstellte. Nicht wenige erzählten, wie es dabei in der Anfangsphase zu negativen Gruppenerfahrungen kommen konnte. Rückblickend hätten sich viele mehr pädagogische Unterstützung und Schutz vor problematischen Konstellationen gewünscht: „Und dann gehst du halt einfach mal ein Jahr lang untendurch, weil irgendwie keiner sieht es wirklich und kann dir auch wirklich helfen. Irgendwie musst du halt selber irgendwie rausfinden. Gut, du hast das Glück, nach einem Jahr kommen dann wieder Neue. Das sind dann halt die neuen Opfer. So wie halt der Kreislauf von den Opfern ist. Das ist halt im Heim so, ist hart, aber es ist wahr. Und dann musst du natürlich auch entscheiden, entweder du bleibst das Opfer, oder du machst mit den ‚Coolen‘ mit und disst halt auch das Opfer dann wieder. Das ist halt dann wiederum auch nicht unbedingt gesund, aber du willst halt dann - du bist einfach froh, dass du - du bist wenigstens froh, dass du nicht mehr dann das Opfer bist.“ (m, 25) Sobald aber die Integration in die Gruppe gelang, wurde der Wechsel aus belastenden Familien- und Peerkonstellationen insgesamt und mehrheitlich als entlastend empfunden. Viele berichteten von einer neuen Normalität, einem Gefühl der Sicherheit, gegenseitigem Verständnis innerhalb der Gruppe sowie dem Erleben, nicht die Einzigen und alleine mit diesen Problemen zu sein: „Am Anfang habe ich gedacht, das kann nicht wahr sein, ist ‚strange‘ gewesen, wie ein schlechter Traum eigentlich, aber ich bin von dort an - ich bin eigentlich endlich mal nicht der Einzige gewesen mit einem anderen Leben sage ich jetzt mal, ja, ich hab sozusagen mal Gleichgesinnte um mich gehabt, ähm, ich hab glaub auch in der Nacht gezählt bei wie vielen zum Beispiel noch die Eltern zusammen sind oder warum alle - der 475 uj 11+12 | 2025 Ausgewählte qualitative Ergebnisse aus der JAEL-Studie meiste Grund, warum ein Kind im Heim ist, weil Alkoholiker Mutter, Alkoholiker Vater oder irgendwie so etwas, einfach keine gute Familie. Es ist einmal mal einer dort gewesen, wo die Eltern noch zusammen gewesen sind, alle anderen geschiedene Eltern, kaputte Familie. Aber eben ich bin mal nicht der Einzige gewesen mit dem Problem.“ (m, 30) 5. Einflussfaktoren auf das Erleben in der stationären KJH In den Erzählungen der JAEL-Teilnehmenden wurde deutlich, wie eine stationäre Einrichtung zu einem „sicheren Ort“ (Kühn, 2008; Lang et al. 2009) werden konnte. Entscheidend war dabei das Zusammenspiel dreier Ebenen: die Beziehung zu den Fachpersonen, die institutionellen Strukturen sowie die Wechselwirkung zwischen beiden. Erfahrungen auf all diesen Ebenen prägten das Erleben der Unterbringung - sowohl im positiven als auch im belastenden Sinne. Aus den vielfältigen Erfahrungen der interviewten Teilnehmenden in der stationären KJH lassen sich zentrale Themen ableiten. Diese werden im Folgenden durch eine grafische Darstellung und ausgewählte Zitate verdeutlicht (siehe Abbildung 2). Im Hintergrund ist die pädagogische Triade des „sicheren Ortes“ zu sehen. Darüber sind die Kategorien sowie einige markante Zitate angeordnet, die diese anschaulich beschreiben. Struktur Kind/ Jugendlicher Pädagog: in Peergroup Umgang mit Machtdiskrepanz Partizipation und Transparenz Beziehungen nach außen Einbezug des Herkunftssystems Team Authentizität Individuelle Anerkennung Engagement Vertrauen Zeitliche Ressourcen Personalfluktuation NEGATIV: „Dort muss man sich behaupten im Heim. Dort kann man nicht einfach der Liebe sein, der es gut meint mit den Leuten und mit den Pädagogen zusammenarbeitet. Wenn du so einer bist, wirst du entweder ausgenommen, geschlagen. Was weiß ich. Und dann musst du dich anpassen, sagen wir so, oder. Und - Ja. Es hat mich schon geprägt.“ (m, 29) POSITIV: „Gab Vertrauen, war lustig, er wurde dann wütend, wenn es berechtigt war, wütend zu sein. […] Aber er war korrekt. Er spielte keine Spielchen oder so. Er war sich selber, er hatte - er war nicht oberflächlich, er spielte nichts vor. Er war, wie er war. Oder. […] Er war einfach real.“ (m, 28) NEGATIV: „Viele sehen halt ziemlich schnell schwarz. Und das finde ich ist so schade. Es geht nicht immer nur von schwarz auf weiß. Es gibt auch Farben. Und so ist es bei den Kindern auch. Es ist nicht nur ein Kind, sondern es sind mehrere Kinder und jedes Kind ist anders.“ (w, 27) POSITIV: „Wahrscheinlich einfach von den Mitarbeitern her, wie diese auf die Kinder eingehen, wahrscheinlich. Das macht eigentlich ein gutes Heim aus, würde ich jetzt sagen. […] Das ist eigentlich egal, wo man ist. Ob man jetzt in einem top modernen Gebäude ist in einem Heim oder draußen auf dem Campingplatz, es ist eigentlich das Team […] und einfach die Leute, die dort sind. Das macht einfach ein gutes Heim aus, ja.“ (m, 25) NEGATIV: „Es sind Sozialpädagogen wie Unterhosen gekommen und gegangen und - ja eigentlich auch zu der Bezugsperson - man konnte nie wirklich - für mich - also ich konnte nie wirklich eine Bindung aufbauen und wollte es auch nicht. […] Ich wusste einfach nur, der ist jetzt für mich zuständig. Mehr war das für mich nicht.“ (m, 22) POSITIV: „Wenn es ein richtig ,grusiges‘ Food gegeben hat im Heim, also richtig grusiges, dann hat er gesagt, ,wisst ihr was, wir gehen jetzt auswärts etwas essen‘. […] Bei anderen Sozialpädagogen ist es halt gewesen, ah ich esse heute nichts und nachher hast du gesehen, wie sie ins Restaurant gegangen sind. […] Er ist immer direkt gewesen, ehrlich, man hat richtig viel Spaß haben können mit ihm, wenn du ein Problem gehabt hast, dann konntest du zu ihm gehen, er hat es separat mit dir angeschaut, und er hat immer den Kindern geglaubt, wenn er mit ihnen geredet hat. […] (m, 25) Abb. 2: Die pädagogische Triade des sicheren Ortes (Kühn 2008) mit den identifizierten Kategorien sowie Positiv- und Negativbeispielen für das Erleben in der stationären KJH 476 uj 11+12 | 2025 Ausgewählte qualitative Ergebnisse aus der JAEL-Studie 6. Das Erleben des Übergangs (Leaving Care) Die Aussagen zu den Gelingensfaktoren und Stolpersteinen des Leaving-Care-Prozesses im Verlauf lassen sich im Wesentlichen sechs Kategorien zuordnen: (1) Vorbereitung des Übergangs in die Selbstständigkeit, (2) pädagogische Begleitung im Übergang, (3) soziale Unterstützung außerhalb der Familien, (4) Familiäre Unterstützung, (5) Nachbetreuung und (6) Vorbereitung der Familien. Neben den hier dargestellten Themen schilderten die jungen Menschen auch Erfahrungen im Bereich Bildung und finanzieller Unterstützung. Diese Aspekte sind zweifellos bedeutsam, wurden in diesem Beitrag aus Gründen der Straffung sowie deshalb nicht vertieft, weil sie teilweise stärker bildungs- und sozialpolitischen Rahmenbedingungen als dem unmittelbaren Handlungsspielraum der Fachkräfte der stationären KJH zuzurechnen sind. Die folgenden Darstellungen enthalten zahlreiche Negativbeispiele. Das bedeutet nicht, dass es nicht auch positive Erfahrungen gegeben hätte. Vielmehr eignen sich die kritischen Situationen besonders gut, um strukturelle Herausforderungen sichtbar zu machen. Sie liefern zudem wichtige Hinweise darauf, wie zukünftige Unterstützungsangebote weiterhin vorgehalten, optimiert oder gezielt entwickelt werden können. 6.1 Vorbereitung des Übergangs in die Selbstständigkeit Aus den Erzählungen der Interviewten wurde deutlich, dass in den Unterbringungen viel Unterstützung im Erwerb von alltagspraktischen Fertigkeiten stattgefunden zu haben schien. Jedoch betonen die JAEL-Teilnehmenden, dass der Fokus für sie nicht ausreichend auf ihre nach der Unterbringung tatsächlich bestehenden Lebensumstände im Sinne von Kompetenz-, Fähigkeits- und Persönlichkeitsentwicklung ausgerichtet war: „Du bist halt 18, aber dir wird halt nichts beigebracht, wie es denn ist, Welche Institutionen gibt es? Wo - wie macht man eine Steuererklärung? Was ist halt das, und - Krankenkasse: Was ist eine Zusatzversicherung? Und, und, und, oder. Du hast halt so viele Aspekte beim Erwachsenwerden […]. Ich musste es halt selbst für mich herausfinden“ (m, 24) Der Transitionsprozess brachte dabei großes Spannungspotenzial mit sich. Verschiedene Übergänge mussten gleichzeitig und oft allein bewältigt werden: das Erwachsenwerden, die Identitätsentwicklung, der Übergang in die Arbeitswelt, das eigenständige Wohnen und die Alltagsorganisation. Hinzu kam die Ablösung von der Institution, pädagogischen Fachkräften, der gewohnten Tagesstruktur, den anderen Jugendlichen auf der Wohngruppe und den Peers im Sozialraum - ein vertrauter Alltag musste aufgegeben, ein neuer aufgebaut werden: „Ich musste eine eigene Wohnung suchen, ich musste einen Job suchen. Ich hatte mit dem Sozialamt zu kämpfen. Ich hatte niemanden, der mir - der mir - der mir dort geholfen hat.“ (m, 33) Die mit der Transition verknüpften Belastungen führten zu einem erhöhten Risiko für (psychische) Krisen. Besonders herausfordernd waren sich überschneidende Problemlagen wie ungeplante Schwangerschaft, Arbeitslosigkeit, Schulden, Rückfälle in den Drogenkonsum oder die außerfamiliäre Unterbringung eigener Kinder. Daraus entstand häufig ein Gefühl tiefer Ohnmacht: „Dann kam irgendwann mein Chef, ,Das Betreibungsamt will den Lohn pfänden‘ […], dann wurde meine Freundin schwanger […] ich fing wieder an zu kiffen. […] Und dann hörte ich auf, dort zu arbeiten […] Führerschein weg. [...] Die Frau schwanger. Kein Job […] und dann ging alles den Bach runter.“ (m, 28) 6.2 Pädagogische Begleitung im Übergang Als förderlich für den Transitionsprozesss erinnerten die JAEL-Teilnehmenden, wenn es in den Institutionen eine gelebte Fehlerkultur und 477 uj 11+12 | 2025 Ausgewählte qualitative Ergebnisse aus der JAEL-Studie insbesondere eine Kultur der Partizipation gab. Je stärker der Dialog mit den pädagogischen Fachkräften war, desto selbstwirksamer und erfolgreicher empfanden sie die Gestaltung ihrer Übergangsphase. Entscheidend war vor allem die individuelle Begleitung und ein zutrauendes, gemeinsames Aushandeln des Übergangs: „Dass wir so Wochenziele gemacht haben […] ja es war halt wie fast ein Tagebuch, du hast dir alles aufgeschrieben, ,Was habe ich heute gemacht? Was ist weniger gut gelaufen? Wie kann ich es besser machen? ‘ Das ist wirklich etwas, wo ich mega positiv finde, und da haben sich die Sozialpädagogen sich auch mega eingesetzt dafür […] eben zu Beispiel mal eine Wochenendplanung, dass man auch mal mit einkaufen konnte, das heißt man konnte selbst entscheiden, was wird in der Woche gegessen […].“ (w, 29) Die jungen Menschen erinnerten also positiv, wenn ihre Bedarfe und Entwicklungsaufgaben ernst genommen und in einem gemeinsamen Prozess berücksichtigt wurden. Hervorgehoben wurden positive Erfahrungen mit einer schrittweisen, dialogisch geplanten Ablösung, die sich am individuellen Entwicklungsstand und nicht an der Volljährigkeit orientierte. Eine fehlende oder zu starre Austrittsplanung hingegen wurde scharf kritisiert. Besonders negativ wirkte sich dabei der systemische Zeitdruck aus, der wenig Raum für individuelle Reifung ließ. 6.3 Soziale Unterstützung außerhalb der Familien Insgesamt ließ sich feststellen, dass die jungen Menschen im Übergang vor allem von der Unterstützung von Vertrauenspersonen, die nicht der Familie oder dem Hilfesystem angehörten, profitieren konnten. Als besonders prägnant konnte oft die Stellung der Lehrmeister: innen identifiziert werden, die neben einer fachlichen Orientierung auch als sozial stabilisierender Faktor zur Lebensweltorientierung insgesamt geschätzt wurden: „Ganz - menschlich wie - unterstützend, im Beruf, und alles […]. Ja, der auch Erfahrung hatte. […] Alle mögen ihn. Das - er hat ein gut - er ist auch streng, aber er hat - er hat - hat ein gutes Herz […]. Ich gehe auch ab und zu mal zum Abendessen oder so.“ (m, 33) 6.4 Familiäre Unterstützung In Kontrast zur außerfamiliären sozialen Unterstützung wurde die fehlende Unterstützung von Familienmitgliedern als erschwerend im Übergangsprozess beschrieben. Hierbei ist relativierend zu berücksichtigen, dass oftmals familiensystemeigene Problemstellungen/ Krisensituationen zur Platzierung geführt hatten und diese (auch mangels gemeinsamer Aufarbeitung) oft über das Hilfeende hinaus fortbestanden. Nichtsdestotrotz lässt sich festhalten, dass die Familie trotz ihres Belastungspotenzials von den Interviewten als wichtiger Bezugspunkt benannt wurde, von dem sie sich Unterstützung erhofften, aber oftmals nicht erhalten konnten. Analog zur elterlichen Unterstützung, fielen auch die Geschwisterbeziehungen als potenzielle Ressourcen wenig auf. Dies kann dadurch erklärt werden, dass geschwisterliche Beziehungen durch die Unterbringung in ihrer Gestaltung beschnitten und damit als unterstützende Bezugspersonen weniger oft in den Fokus rücken konnten. Die Kontinuität von Geschwisterbeziehungen wurde im Kontext der Platzierung dabei oft auch durch Altersunterschiede, räumliche Distanz und Kontaktbeschränkungen sowie eine separierte Unterbringung erschwert, sodass mögliches stabilisierendes Potenzial dieser Beziehungen oft nicht ausgeschöpft werden konnte: „Und schade ist halt, durch das Auseinanderziehen, oder, von diesem - ist es halt so, dass wir die Verbindung, wie wir sie früher hatten, so krass, schon ein Stück weit auch verloren, oder. […] Eben das fand ich ein bisschen schade beim Auseinanderziehen. Das ist halt im Prinzip der einzige Bezug, den du wirklich - den du wirklich gern - hattest, als du aufwuchst, und […] der wurde dann halt auch weggenommen in dem Sinne, oder.“ (m, 24) 478 uj 11+12 | 2025 Ausgewählte qualitative Ergebnisse aus der JAEL-Studie 6.5 Nachbetreuung Eine hilfreich beschriebene sozialpädagogische Nachbetreuung konnte als freiwilliges Angebot gut angenommen werden. Als notwendig erachteten die Interviewten in diesem Zusammenhang jedoch, dass Nachbetreuungsangebote zeitunabhängig von Fristen zugänglich sein sollten, um auch dann Ansprechpartner: innen zu haben, wenn akuter Unterstützungsbedarf aufkommt: „Und bei ihr stimmte einfach die Wellenlänge […] Ich habe jetzt noch […] sporadisch Kontakt zu ihr […]. Und sie begleitete mich dann so ein bisschen durch die Ausbildung. […] Und eben auch danach, im Nachhinein, so zum Teil, als ich einfach wie so - Ja, es gab halt trotzdem diese Momente, wo ich halt in dem Sinne in ein Loch fiel (lächelt) […] Ab und zu […] rief ich sie mal an, und sagte, ,ja, hast du mal Zeit? ‘„ (m, 29) 6.6 Vorbereitung der Familien Unabhängig von Rückführung oder Nicht-Rückführung in das Familiensystem wurde die nicht erfolgte Vorbereitung der Eltern bzw. der Familiensysteme auf den anstehenden Übergangsprozess der Betroffenen bemängelt: „Also eben wenn es jetzt zurück heim wäre, wäre vielleicht eben so ein Ding mit meiner Mami wäre gut gewesen […] ähm einfach die Mami auch etwas darauf vorbereiten, das hätte ich gut gefunden. Weil sie muss sich ja vorstellen - ich bin gegangen als ich 13 war, ein Kind, wo ich gekommen bin, bin ich 17 gewesen […] fast erwachsen, und dann kannst du, also ihr fehlen einfach die drei Jahre, du kannst dich nicht mit einem 17Jährigen gleich unterhalten, wie du dich mit einem 13Jährigen unterhältst und auch so, also das ganze Familienleben hätte einfach anders geregelt werden sollen.“ (w, 26) So berichteten die JAEL-Teilnehmenden, dass sie oftmals völlig unvorbereitet in ein unverändertes Familiensystem zurückkehrten. Diese Rückkehr brachte dabei ihren Schilderungen folgend das Potenzial mit sich, dass alte, unbearbeitete familiäre Beziehungsschwierigkeiten und damit das Gefährdungspotenzial, welches zur Platzierung geführt hatte, reaktiviert wurden. Eine in diesem Sinne nicht erfolgte Elternbzw. Familienarbeit hatte dabei die Tendenz, die Verantwortung für einen guten Outcome der stationären Hilfe allein auf den platzierten jungen Menschen zu übertragen. Hieraus konnte dann eine weitere Distanzierung zwischen den Familienmitgliedern entstehen anstatt einer emotionalen Verbindung zwischen ihnen zu unterstützten. 7. Diskussion Die Berichte der JAEL-Teilnehmenden und die qualitativen Ergebnisse dieser Studie zeigen eindrücklich, wie stark viele der jungen Menschen bereits vor der Platzierung vielfältigen familiären Belastungen ausgesetzt waren. Sie berichten von instabilen, konflikthaften oder emotional unerreichbaren Herkunftsfamilien. Solche Konstellationen führten nicht nur zur stationären Unterbringung, sondern beeinflussen auch ihren Verlauf und haben nachhaltige Auswirkungen auf die soziale Teilhabe (Schmid et al. 2022). Auch der Beginn der stationären Unterbringung wurde von vielen Betroffenen als abrupt und emotional überfordernd erlebt - häufig ohne ausreichende Erklärung oder Vorbereitung. Dieses diffuse oder überrumpelnde Erleben erschwert es, ein eigenes, sinnstiftendes Narrativ zur Platzierung zu entwickeln. Solche Deutungsmuster wären jedoch zentral für das Kohärenzerleben - ein Kernbegriff im Salutogenese- Modell von Antonovsky (1987), das beschreibt, wie Menschen ihre Umwelt als verstehbar, handhabbar und sinnhaft wahrnehmen können. Fehlt dieses Kohärenzerleben zu Beginn einer Platzierung, so kann sich dies zusätzlich erschwerend auswirken. 479 uj 11+12 | 2025 Ausgewählte qualitative Ergebnisse aus der JAEL-Studie Im späteren Verlauf war für viele der JAEL-Interviewten belastend, dass sie während der Unterbringungen und vor allem auch nach dem Austritt oft nicht auf ein tragfähiges familiäres Netz zurückgreifen konnten. Eine der zentralsten Herausforderungen für Care Leaver: innen, die auch in anderen Arbeiten betont wird (Ehlke & Thomas 2023; Sting & Groinig 2020, 2022; Theile 2020; Thomas & Ehlke 2022). Die jungen Menschen waren meist auf sich allein gestellt oder mussten sich mit einem Familiensystem auseinandersetzen, welches an ihren bisherigen Mustern festhielt. Damit können junge Menschen die Diskrepanzerfahrung machen, dass sie sich weder zur Allgemeinbevölkerung noch zu ihren Familien dazugehörig fühlen, und sich allenfalls selbst stigmatisieren (Calheiros et al. 2021; Carey 2023). Hinzu kommt: Die Übergangsphase aus der stationären KJH bedeutete für viele nicht nur den Schritt in die Selbstständigkeit, sondern auch die Bewältigung multipler Herausforderungen (z. B. Wohnraumsuche, Eintritt in den Arbeitsmarkt oder Umgang mit Schulden, Behörden und administrativen Anforderungen). Auch wenn viele Teilnehmende angaben, grundlegende alltagspraktische Fertigkeiten erworben zu haben, fühlten sie sich - so wie auch andere Care Leaver: innen und nicht nur in der Schweiz (Ahmed et al. 2021; Große et al. 2023; Jarczok et al. 2021; Rodis 2023; Sting et al. 2025; van Santen 2023) - im Umgang mit institutionellen Systemen und bürokratischen Abläufen häufig überfordert. Der Schutzraum der Institution bot zwar Sicherheit, verhinderte aber in einigen Fällen eine realitätsnahe Vorbereitung auf das Leben danach. In den JAEL-Interviews wurden neben den hier dargestellten Übergangsherausforderungen auch Bildungs- und finanzielle Hürden benannt, die die Selbstständigkeit zusätzlich erschwerten. Da diese Aspekte jedoch stärker bildungs- und sozialpolitischen Rahmenbedingungen zuzurechnen sind, standen sie nicht im Zentrum der Ergebnisdarstellung. Die JAEL-Studie steht im Einklang mit den heterogenen Ergebnissen anderer Untersuchungen. Dies betrifft sowohl die hohe Belastung der Care Leaver: innen als auch die teils gelingende, teils deutlich eingeschränkte soziale Teilhabe sowie Fragen der Partizipation und der sozialen und professionellen Unterstützung im Transitionsprozess. Ähnlich wie in der Studie von Keller et al. (2021) berichten viele junge Erwachsene in der JAEL-Studie von erfolgreichen, gut begleiteten Übergängen, ein erheblicher Teil jedoch auch von unzureichend vorbereiteten Transitionsprozessen, in denen sie sich allein, überfordert und zu wenig unterstützt fühlten. Für die JAEL-Teilnehmenden war die Beziehung zu den pädagogischen Fachpersonen sowohl während der Unterbringungen als auch im Transitionsprozess zentral. Ein Wirkfaktor, dem allgemein eine enorme Bedeutung beizumessen ist (Bauer et al. 2023; Gahleitner 2017; Große & Gahleitner 2021; Schröder, 2020). Entscheidend ist dabei - wie bei jeder helfenden Beziehung - neben der Beziehungsauch eine Kompetenzerwartung. Diese Befunde decken sich mit einer systematischen Review von Prendergast et al. (2024), die hervorhebt, dass erfolgreiche Übergänge nicht allein von der Professionalität der Fachkräfte abhängen, sondern wesentlich auch von den formalen Rahmenbedingungen, unter denen Hilfen realisiert werden können. Innerhalb dieser Rahmenbedingungen ist jedoch die Qualität der Interaktion zentral: Nur wenn Fachpersonen empathisch, konstant, emotional stabilisierend und partizipativ handelnd erlebt werden, können junge und insbesondere auch lebensgeschichtlich belastete Menschen korrigierende Beziehungserfahrungen machen, Selbstvertrauen und ein Selbstwirksamkeitsgefühl entwickeln, Verantwortung übernehmen und ihre Zukunft aktiv mitgestalten (van Mil 2023; Weiß 2004). Gemäß der JAEL-Teilnehmenden waren dabei dialogisch gestaltete Übergangsprozesse mit abgestufter Verantwortungsübernahme besonders förderlich. Kritisch wurde hingegen eine Planung über 480 uj 11+12 | 2025 Ausgewählte qualitative Ergebnisse aus der JAEL-Studie die Köpfe der Betroffenen hinweg erlebt - ebenso wie eine starre Orientierung an der Volljährigkeit, die häufig als abrupter Abbruch statt als begleiteter Übergang wahrgenommen werden kann (Klein et al. 2021). Eine zusätzliche Herausforderung besteht darin, dass sich für viele Care Leaver: innen die als „sicher“ erlebte Struktur der stationären Hilfe im Übergang als brüchig entpuppt, weil die Herausforderung der Verselbstständigung nicht ausreichend gemeinsam antizipiert wurde. Besonders hilfreich sind in dieser Phase stabile Beziehungsrepräsentationen zur Institution (Lionetti et al. 2015) sowie zu einzelnen Fachkräften oder nahestehenden Personen. Ideal ist es, wenn eine vertraute Bezugsperson den Kontakt hält und die jungen Menschen bereits gut kennt, da es recht herausfordernd sein kann, rechtzeitig zu erkennen, wann Probleme beginnen - und es für die jungen Menschen oft schambesetzt ist, diese im Transitionsprozess selbst einzuräumen. Unterstützend wirkt zudem, wenn beim Aufbau neuer Netzwerke geholfen wird und tragende Verbindungen aus den alten Lebenswelten nicht vollständig abbrechen. Zudem ist an dieser Stelle über die hier berichteten Ergebnisse hinaus zu betonen, dass sich instabile Platzierungserfahrungen negativ auf die Transitionsverläufe auswirken. Wiederholte Wechsel, Beziehungsabbrüche oder fehlende Kontinuität erschwerten den Aufbau von Vertrauen und langfristiger Planungssicherheit. Internationale Studien bestätigen, dass instabile Hilfeverläufe signifikant mit erhöhtem Risiko für Krisen nach dem Austritt korrelieren (Cameron et al. 2018; Schmid & Fegert 2019). 8. Schlussfolgerungen Die Ergebnisse verdeutlichen insgesamt, dass der Austritt aus der stationären KJH nicht als punktuelles Ereignis, sondern als langfristiger Prozess zu begreifen und anzulegen ist, der individuelle Entwicklungsverläufe, emotionale Stabilität und strukturelle Rahmenbedingungen gleichermaßen berücksichtigen muss. Die jungen Menschen benötigen neben der institutionellen Vorbereitung auch nachgehende, bedarfsgerechte Unterstützung - sowohl emotional als auch administrativ-funktional. Im Hinblick darauf, dass viele JAEL-Teilnehmende vor, während und auch nach den Unterbringungen mit psychischen Belastungen und Krisen konfrontiert waren, stellt sich zudem die Frage, wie eine therapeutische Begleitung nach dem Leaving Care gestaltet werden kann. Besonders wichtig erscheint dabei eine adoleszenzpsychiatrisch organisierte Versorgung, um zu vermeiden, dass die jungen Menschen auch im psychiatrischen System mit häufigen Zuständigkeitswechseln konfrontiert werden (Seker et al. 2025). Solche Unterstützung müsste nicht nur niederschwellig, sondern auch langfristig verfügbar sein, da biografische Integration und emotionale Stabilisierung - neben weiteren Faktoren - wichtige Resilienzressourcen darstellen, die Belastungen abpuffern können (Leiting et al. 2024). Daraus ergibt sich eine klare politische Forderung: Übergänge aus der stationären KJH müssen flexibel, bedarfsorientiert und individuell gestaltet werden. Die Unterstützung darf nicht mit dem 18. Lebensjahr enden. Notwendig sind verbindliche Nachbetreuungsangebote und gesetzlich verankerte Hilfen bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres - wie es international bereits in vielen Ländern erfolgreich praktiziert wird (Broad 2005; Mendes & Snow 2016) und von den Care-Leaver: innen-Verbänden und der Expertenschaft aus Wissenschaft und Praxis der deutschsprachigen Länder gefordert wird (Ahmed et al. 2020; Ehlke 2021; Möller & Thomas 2023; Thomas et al. 2023; van Santen 2023). Nils Jenkel Dr. Martin Schröder PD Dr. Marc Schmid UPK Basel Klinik für Kinder und Jugendliche Wilhelm Klein-Str. 27 CH-4002 Basel 481 uj 11+12 | 2025 Ausgewählte qualitative Ergebnisse aus der JAEL-Studie Literatur Ahmed, S., Rein, A. & Schaffner, D. 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