eJournals unsere jugend77/7

unsere jugend
4
0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2025.art34d
4_077_2025_7/4_077_2025_7.pdf71
2025
777

Aktuelle Tendenzen in betreuten Wohnformen nach §34 SGB VIII

71
2025
Claudia Equit
Elisabeth Thomas
Julia Kemp
Graham Lewis
Das betreute Wohnen ist im ständigen Wandel. Inklusion, verbesserte Partizipation, die Coronakrise, der Fachkräftemangel und vieles mehr wirken sich auf das betreute Wohnen aus und werden es zukünftig wesentlich verändern. Der Beitrag skizziert aktuelle Trends. Julia Kemp, Careleaverin, und Graham Lewis, Einrichtungsleiter, ergänzen mit ihren Erfahrungen die jeweiligen Forschungsstände.
4_077_2025_7_0004
299 unsere jugend, 77. Jg., S. 299 - 308 (2025) DOI 10.2378/ uj2025.art34d © Ernst Reinhardt Verlag Aktuelle Tendenzen in betreuten Wohnformen nach § 34 SGB VIII Das betreute Wohnen ist im ständigen Wandel. Inklusion, verbesserte Partizipation, die Coronakrise, der Fachkräftemangel und vieles mehr wirken sich auf das betreute Wohnen aus und werden es zukünftig wesentlich verändern. Der Beitrag skizziert aktuelle Trends. Julia Kemp, Careleaverin, und Graham Lewis, Einrichtungsleiter, ergänzen mit ihren Erfahrungen die jeweiligen Forschungsstände. von Claudia Equit Jg. 1973; Dr., Professorin für Sozialpädagogik, Kinder- und Jugendhilfeforschung an der Universität Münster Elisabeth Thomas Jg. 1993; M. Ed., wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Sozialpädagogik/ Kinder- und Jugendhilfeforschung an der Universität Münster Julia Kemp Jg. 2002; Abitur, Careleaverin und Studentin der Psychologie Graham Lewis Jg. 1960; Dipl.-Sozialarbeiter, Geschäftsführer und Einrichtungsleiter der DRK Elsa-Brandström- Jugendhilfe Minden 1. Einführung Der vorliegende Beitrag zeichnet verschiedene aktuelle Entwicklungen sowie Tendenzen nach, die derzeit im Bereich der betreuten Wohnformen nach § 34 SGB VIII in Wissenschaft und Praxis diskutiert werden bzw. relevant sind. Im Beitrag wird die veränderte Bezeichnung des § 34 SGB VIII im neuen Referentenentwurf des SGB VIII übernommen (BMFSFJ 2024 a). Damit wird die Kritik von jungen Personen ernst genommen, die Erfahrung im Bereich des betreuten Wohnens gemacht haben und die Bezeichnung Heimerziehung ablehnen, weil sie als stigmatisierend und ausgrenzend erlebt wird (BMFSFJ 2024 a, 53; Schröer 2024, 133). Dem schließt sich die fachliche Kritik an, dass der Begriff Heimerziehung nicht die Vielfalt an„sozialpädagogischen Arrangements und Verfahren“ (ebd.) abbildet, die im Rahmen des Paragraphen realisiert werden. Im Beitrag wird ein transdisziplinärer Ansatz verfolgt (Scholz/ Steiner 2015). Im Kontext der Kinder- und Jugendhilfeforschung können transdisziplinäre Ansätze Widersprüche unterschiedlicher Wissensbestände aufzeigen und über ihre partizipative Ausrichtung wichtige Akteur: innen für eine systematische Erkenntnisgewinnung einbinden. Um aktuelle Tendenzen und Entwicklungen in betreuten Wohnformen zu rekonstruieren, wurde das Wissen verschiedener Akteur: innen inkludiert, um möglichst umfassend Tendenzen und Entwicklungen im betreuten Wohnen darzulegen. Der Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Julia Kemp, Careleaverin und Studentin, Graham Lewis, langjähriger Einrichtungsleiter mehrerer Einrichtungen betreuter Wohnformen, sowie den Forscherinnen Claudia Equit und Elisabeth Thomas entstanden. Im Folgenden werden 300 uj 7+8 | 2025 Aktuelle Tendenzen in betreuten Wohnformen zunächst aktuelle Statistiken zum betreuten Wohnen vorgestellt, um im Anschluss bedeutsame Reformen und Veränderungen des betreuten Wohnens in der rechtebasierten Kinder- und Jugendhilfe darzulegen. Themen, Trends und Herausforderungen werden darauffolgend diskutiert. Der Beitrag endet mit einem Fazit. 2. Die Anzahl junger Menschen in betreuten Wohnformen Werden die Zahlen aus den Jahren 2021 und 2022 verglichen, kann festgestellt werden, dass die Anzahl der jungen Menschen, die bundesweit in betreuten Wohnformen untergebracht sind, von insgesamt 122.659 Kindern und Jugendlichen im Jahr 2021 (Statistisches Bundesamt 2022; Tabel/ Fendrich 2024, 155) um 1,35 % auf 121.005 im Jahr 2022 (Statistisches Bundesamt 2023) gesunken ist. Damit kann weiterhin von einem rückläufigen Trend gesprochen werden, der an die Zeit vor der Pandemie anschließt (Tabel/ Fendrich 2024, 154). Tabel und Fendrich (2024) führen diese rückläufigen Zahlen auf die weniger werdenden Fallzahlen von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten (UMG) zurück, durch welche in den Jahren 2014 bis 2016 ein starker Anstieg der Fallzahlen sowohl in betreuten Wohnformen nach § 34 SGB VIII als auch in den Hilfen für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII verzeichnet wurde (ebd.). Werden die Zahlen für begonnene Hilfe in betreuten Wohnformen nach § 34 SGB VIII zwischen 2021 und 2022 verglichen, wird jedoch deutlich, dass sich die Fallzahlen neu begonnener Hilfe nach § 34 SGB VIII von UMG in betreuten Wohnformen mehr als verdoppelt haben (von 3.200 auf ca. 6.500 Fälle), während die Fallzahlen neu begonnener Hilfe in betreuten Wohnformen nach § 34 SGB VIII ohne UMG zurückgegangen sind (AKJ 2024, 6f ). Die finanziellen Ausgaben im Bereich der betreuten Wohnformen machten im Jahr 2021 54 % aller finanziellen Mittel der gesamten Hilfen zur Erziehung aus (Tabel/ Fendrich 2024, 155). 3. Rechtebasierte Kinder- und Jugendhilfe Die rechtebasierte Kinder- und Jugendhilfe ist ein fachpolitischer Ansatz, der junge Menschen als Träger von Grundrechten und somit sozialen Rechten in den Fokus rückt. Damit einher gehen Fragestellungen zur Implementation transnationaler Gesetzgebungen, etwa die UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK) und die UN-Konvention für die Rechte der Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) (Schröer 2024). Dabei werden noch nicht verwirklichte Rechte und Rechtsansprüche junger Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe und in Professionen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, adressiert und fachpolitische Konsequenzen sichtbar gemacht und diskutiert. Für betreute Wohnformen lassen sich zentrale Reformen des SGB VIII der letzten zehn bis 15 Jahre als eine zunehmende Fokussierung auf die UN-KRK sehen. Mit der Zentrierung auf Kinderrechte werden Verletzungen dieser im Alltag des betreuten Wohnens sichtbar (Equit et al. 2024; Thomas 2024; Urban-Stahl 2024). Die Verbesserung des Kinderschutzes und die Stärkung von Partizipation stehen im Mittelpunkt gesetzlicher Novellierungen für betreute Wohnformen, etwa durch die Koppelung von Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren sowie Schutzkonzepten an die Betriebserlaubnis von Einrichtungen (§ 45 SGB VIII) in den Neuerungen von 2012 und 2021. Das Partizipationsverständnis des SGB VIII entspricht dem der UN-KRK, insbesondere in Anlehnung an Art. 12, der das Recht von Kindern und Jugendlichen betont, entsprechend ihrem Alter und ihrer Reife in ihren Anliegen gehört zu werden. Darüber hinaus wird der Ausbau externer Beschwerdestellen rechtlich forciert, um den Schutz für junge Menschen in stationären Angeboten sowie ihren Angehörigen zu stärken (§§ 9 a; 37 Abs. 1 SGB VIII). Die Ausweitung der Sicherung der Partizipationsrechte von jungen Menschen in Pflegefamilien (§ 37 b SGB VIII) ist erfolgt, ebenso wie ein verstärkter Schutz für junge Menschen in Auslandsmaßnahmen gesetzlich geregelt wird 301 uj 7+8 | 2025 Aktuelle Tendenzen in betreuten Wohnformen (§ 38 SGB VIII). Die Inanspruchnahme von Hilfen für junge Volljährige wurde gestärkt (§§ 41; 41 a SGB VIII; Overbeck 2021). Perspektivklärung bei stationärer Unterbringung ist obligatorisch für die Hilfeplanung (§ 36 Abs. 5 SGB VIII). Für junge Volljährige und Careleaver: innen wurde zudem eine Abschaffung des Kostenbeitrags beschlossen und wurden Rückkehroptionen, Übergangsmanagement und Nachbetreuung gesetzlich festgelegt (§ 41 a SGB VIII, zusammenfassend BMFSFJ 2024 b). Inklusion wird in der UN-BRK aus einer Menschenrechtsperspektive als umfängliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und als „Einbeziehung in die Gesellschaft“ gefasst (Art. 3 UN-BRK) und weiter ausgeführt. Auch der Abbau von Teilhabebarrieren in den Ungleichheitsdimensionen wie Gender, Age, Race etc. ist ein notwendiger Schritt (Kieslinger/ Hollweg 2023). Der Prozess des gesetzlichen Umbaus des SGB VIII in eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe erfolgt derzeit. Eine inklusive Ausrichtung des SGB VIII in der Programmatik, in Begriffen, in Leistungen und anderen Aufgaben (im Jahr 2021) sowie die Einführung von Verfahrenslots: innen (§10 b SGB VIII, im Jahr 2024) ist bereits erfolgt (BMFSFJ 2024 b, 300ff ). Ab 2026 erfolgt eine Zusammenführung der Rechtsbereiche und Leistungen für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung (ebd.). Ab dem Jahr 2028 sind betreute Wohnformen mit den Zielen der Förderung der Entwicklung, Erziehung zur Teilhabe und Hilfen für junge Volljährige inklusiv ausgerichtet (BMFSFJ 2024 a). 4. Themen und Trends: Partizipation, Inklusion und soziale Teilhabe Belastungen junger Menschen aufgrund ihrer biografischen Erfahrungen, besonderen Bedarfen und/ oder herausfordernden Verhaltensweisen können die Belastungen der Fachkräfte erhöhen und die Partizipation junger Menschen im Alltag unterlaufen (Equit et al. 2024; Equit/ Thomas 2025; Pluto 2021). Studien zu Partizipation in Anlehnung an das Verständnis von Art. 12 UN-KRK verweisen auf positive Effekte, wenn junge Menschen die Erfahrung machen, dass sie im Alltag der Wohngruppe mitentscheiden können und wichtige Anliegen in Bezug auf ihre Hilfe mit Fachkräften besprechen können (Equit et al. 2024; Magalh-es/ Calheiros 2020; Pluto 2021). Eine vertrauensvolle und gute Beziehung zu Fachkräften ermöglicht und fördert Beteiligung und Beschwerde in betreuten Wohnformen (Equit 2024; Magalh-es et al. 2021). Allerdings berichten junge Menschen auch, dass sie von der Mitsprache in Angelegenheiten des täglichen Lebens in der Wohngruppe, bei der Gestaltung der Kontakte zur Familie, in Bezug auf den Hilfeprozess sowie bei Verlängerungen der Hilfen ausgeschlossen sind (Equit et al. 2024; Pluto 2021). Neben fehlendem Wissen der Fachkräfte über Kinderrechte und partizipative Methoden sind Organisationskulturen in den Wohngruppen ausschlaggebend für die Umsetzung von Partizipation (Equit et al. 2024). Julia Kemp weist darauf hin, dass Erzieher: innen in stationären Wohngruppen eine gesonderte Ausbildung benötigen. Es werde nicht genügend Supervision angeboten. Auch sollten Erzieher: innen in Bezug auf psychologische Themen besser ausgebildet werden, da die meisten jungen Menschen in betreuten Wohnformen laut ihrer Erfahrungen an psychischen Erkrankungen leiden. Ebenso wünscht sie sich regelmäßige externe Kontrollen, damit gesehen wird, was in der Wohngruppe passiert und wie Erzieher: innen arbeiten. Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, die im betreuten Wohnen der Kinder- und Jugendhilfe leben, weisen ein höheres Risiko für soziale und psychische Probleme und geringere schulische Leistungen auf (Chmelka et al. 2011; Trout et al. 2009). Bei dieser Zielgruppe ist die Wahrscheinlichkeit des Wechsels von Einrichtungen deutlich größer als bei Gleichaltrigen ohne Behinderungen, insbesondere, 302 uj 7+8 | 2025 Aktuelle Tendenzen in betreuten Wohnformen wenn sie in einem jüngeren Alter untergebracht sind (Crettenden et al. 2014). Diskutiert werden auch Stigmatisierungseffekte im betreuten Wohnen für junge Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und deren Fortschreibung in Fallakten bis hin zur Kriminalisierung (McCausland/ Dowse 2022). Die Passung der Angebote der Einrichtung zu den Bedürfnissen der jungen Menschen wird als ein zentrales Kriterium für die als gelingend empfundene Hilfe dargestellt, ebenso wie eine stabile personale Betreuung durch Fachkräfte (Crettenden et al. 2014). Eltern und junge Menschen sehen sich trotz Fremdunterbringung nach wie vor als Teil der Familie und sind aktiv in das Familienleben einbezogen (Crettenden et al. 2014; Seifert 2022). Inklusive betreute Wohnformen stehen vor der bedeutsamen Herausforderung, wie eine selbstbestimmte Teilhabe barrierefrei, wohnortnah und nicht-diskriminierend erfolgen kann (BMFSFJ 2024 b). Insbesondere für junge Menschen mit Behinderungen sind partizipative und die Selbstbestimmung unterstützende Einrichtungskulturen und Formate zentral (Rohrmann/ Theile 2021). Graham Lewis betont, dass Einrichtungen derzeit aufgrund des Fachkräftemangels und mangelnder Ressourcen keine Möglichkeit sehen, sich auf inklusives betreutes Wohnen vorzubereiten. Es fehlt die Barrierefreiheit in den Gebäuden und zusätzliche Ausbildungen der Fachkräfte. Leistungen zur Eingliederungshilfe unter § 35 a SGB VIII werden seit Jahren bereitgestellt, aber für eine inklusive Ausrichtung braucht es neue, barrierefreie Gebäude, die im Kontrast zu mangelnden Wohnungen und Gebäuden, hohen Auflagen für den Neubau sowie dem Fachkräftemangel und Standardabsenkungen für freie Träger stehen. Ähnliche Herausforderungen zeichnen sich für die soziale Teilhabe von geflüchteten jungen Menschen im betreuten Wohnen ab. Empirische Studien belegen, dass Bildungsbenachteiligung, Bewältigung von Flucht und neuer Lebenssituation im betreuten Wohnen und in der Schule sowie Rassismuserfahrungen im Alltag die soziale Teilhabe und Bildungsteilhabe geflüchteter junger Menschen erheblich beeinträchtigen (BMFSFJ 2024 b; Schlachzig 2022; Thomas et al. 2018). Insbesondere im Zusammenspiel mehrerer Ungleichheitsdimensionen wie Migration, Armut, Behinderung oder Gender sind Barrieren für die soziale Teilhabe besonders umfassend (Hosseini et al. 2024). Die Einrichtungskultur in der Wohngruppe ist auch hier zentral für das Wohlbefinden. Partizipative Einrichtungskulturen sind ein wichtiger Aspekt für das Einleben in die Wohngemeinschaft (Scherr/ Breit 2021; Thomas et al. 2018). Inwieweit durch den Kontakt zu Erwachsenen und/ oder Peers mit ähnlichem ethnischem Hintergrund die gesellschaftliche Inklusion sowie Passung zum betreuten Wohnen erhöht wird, wird kontrovers diskutiert (O‘Higgins et al. 2018; Scherr/ Breit 2021). Im Zusammenhang mit dem Abbau von Teilhabebarrieren wird die interkulturelle Öffnung der Organisation genannt, etwa durch Schulung von Fachkräften und Förderung interkultureller Kompetenzen, Einstellung von Fachkräften mit Migrationsgeschichte und die Analyse der Organisation im Hinblick auf Barrieren für junge Menschen mit Migrationsgeschichte (Hansbauer/ Alt 2016). Graham Lewis bestätigt, dass sich junge Menschen mit Fluchterfahrung sehr an Fachkräften mit ähnlichem kulturellem Hintergrund orientieren. Gerade auch in der Vermittlung von Missverständnissen aufgrund von Sprachbarrieren und Konflikten sei die Klärung über diese Fachkräfte von unschätzbarem Wert. Neben den bereits aufgeführten Trends und Entwicklungen finden sich im nationalen sowie internationalen Fachdiskurs weitere Aspekte, die aufgrund der Rahmenbedingungen sowie der Fokussierung des Beitrags nicht in ihrer Ausführlichkeit dargelegt werden. Dazu gehören die Themen Bildungsbenachteiligung, Gender, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Insbesondere im neuen Kinder- und Jugendbericht werden diese Themen angesprochen (BMFSFJ 2024 b). 303 uj 7+8 | 2025 Aktuelle Tendenzen in betreuten Wohnformen 5. Aktuelle Herausforderungen in betreuten Wohnformen 5.1 Der Fachkräftemangel Das betreute Wohnen birgt spezielle Anforderungen an die Fachkräfte, etwa Sonnsowie Feiertagsarbeit, Vereinbarkeitsprobleme mit Familie, Schichtdienste (Nüsken 2020, 51) und Belastungen durch herausfordernde Alltagssituationen oder Verhaltensweisen seitens der jungen Menschen (Kieslinger/ Teicher 2023, 729). Dazu kommen Druck durch Zeit- oder Terminstress, bürokratischer Aufwand, der bereits bestehende Mangel an Fachkräften oder gar das Erleben tätlicher Angriffe seitens junger Menschen (Nüsken 2024, 291ff ) sowie die Bezahlung und mangelnde gesellschaftliche Anerkennung (BMFSFJ 2024 b, 327). Der Mangel an Fachkräften ermöglicht es Berufstätigen, sich gezielt Arbeits- und Berufsfelder auszusuchen, die ihren (Lebens-)Vorstellungen entsprechen, etwa weniger wöchentliche Arbeitszeit (BMFSFJ 2024 b, 327). Eine unmittelbare Folge des Fachkräftemangels für betreute Wohnformen ist, dass beispielsweise weniger Inobhutnahmen durchgeführt werden können, da durch den Personalmangel weniger Plätze in betreuten Wohnformen zur Verfügung stehen (ebd.). Föderale Regelungen zur erforderlichen Qualifikation (Kieslinger/ Teicher 2023, 729) wurden etwa im Land Nordrhein-Westfalen dahingehend abgemildert, dass unter bestimmten Voraussetzungen auch andere Professionen oder Zusatzkräfte angestellt werden dürfen (ebd.). Damit einher geht die Debatte, inwieweit diese Abmilderung eine „Standard- oder Qualitätsabsenkung“ (ebd.) bedeutet und welche Folgen dies haben könnte. Da Fachkräfte vermehrt fluktuieren und viele psychische Erkrankungen wie Burn-out erleiden, werden digitale Technologien als ein Mittel zur Unterstützung von Fachkräften diskutiert (Kieslinger/ Teicher 2023, 734; Pottharst et al. 2024). Graham Lewis betont als Einrichtungsleiter im Gespräch, wie sehr aus seiner Sicht vor allem Inobhutnahmen, intensivpädagogische Wohngruppen sowie Eltern-Kind-Einrichtungen vom Fachkräftemangel betroffen sind. Es handelt sich um Arbeitsfelder mit vielen Herausforderungen, sodass Fachkräfte diesbezüglich besonders gut qualifiziert sein müssen. Auch gut aufgestellte Träger der stationären Erziehungshilfe, die Mitarbeitenden gute Benefits bieten können, leiden unter dem Fachkräftemangel, da Mitarbeitende sich den Arbeitsplatz aussuchen können, wie oben erwähnt. Das bedeutet, dass beispielsweise Arbeitsfelder, in denen es feste Arbeitszeiten ohne Nacht-, Schicht- oder Wochenenddienste gibt (wie in der Schulsozialarbeit), attraktiver für viele Fachkräfte sind und werden. Graham Lewis hebt hervor, dass viele Einrichtungen ohne die Absenkung der Qualifikationsniveaus und ohne diese Ergänzungskräfte nicht mehr funktionierten. Aufgrund der enormen Anfragen können sich Einrichtungen aussuchen, welche jungen Menschen sie bei sich aufnehmen. Mitarbeitende von öffentlichen Trägern stehen zudem wegen der sehr hohen Falldichte, hoher Arbeitsbelastung und einer hohen Verantwortungszuschreibung unter einem besonders großen Druck. 5.2 Die Coronapandemie Junge Menschen in betreuten Wohnformen erlebten während der Coronapandemie verstärkte Belastungen und schärfere Restriktionen im Vergleich zu Gleichaltrigen, die in Familien aufwuchsen (Montserrat et al. 2021; Thomas/ Equit 2024). Dies betraf unter anderem unterschiedliche Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sowie Besuchsverbote von Familie oder Peers, veränderte Abläufe oder Sorgen um die (eigene) Zukunft sowie die von Angehörigen (Jenkel et al. 2020; Thomas/ Equit 2024). Außerdem erlebten junge Menschen in betreuten Wohnformen vermehrt Langeweile, fehlende körperliche Nähe durch primär digitale Kontakte zu Bezugspersonen sowie Herausforderungen hinsichtlich des schulischen digitalen Lernens inklusive nicht ausreichender digitaler Ausstattung 304 uj 7+8 | 2025 Aktuelle Tendenzen in betreuten Wohnformen (Feyer et al. 2020; Mraß/ Straus 2020). Erste Ergebnisse hinsichtlich der Aussowie Nachwirkungen der Coronapandemie auf die soziale Teilhabe sowie damit verbundene Inklusions- und Exklusionserfahrungen der jungen Menschen in stationären Erziehungshilfen im JuPa- Quali-Projekt 1 verdeutlichen: Junge Menschen in betreuten Wohnformen wie Wohngruppen oder verschiedenen Formen des betreuten Einzelwohnens waren eher von pandemie- und restriktionsbedingten Exklusionserfahrungen betroffen als Gleichaltrige in Pflegefamilien (Thomas 2024). Auch Julia Kemp, die während der Pandemie im betreuten Einzelwohnen in einer eigenen Wohnung lebte und nur wenig direkten Kontakt zu einer Wohngruppe in einer Kleinstadt hatte, bestätigte dies. In dieser Zeit gab es über Monate keinerlei persönlichen Kontakt mehr zu den Fachkräften. Dies bewertet sie eher mit gemischten Gefühlen, da sie so zwar über noch mehr Freiheiten verfügte, aber auch Einsamkeit und den Verlust von Ansprechpersonen erlebte. Inwieweit sich die Pandemie auch auf andere Lebensbereiche der jungen Menschen in betreuten Wohnformen (sowie Pflegefamilien) ausgewirkt hat oder welche Langzeitfolgen 2 bezüglich des Wohlbefindens sowie der (psychischen) Gesundheit ausgemacht werden können, werden weitere Auswertungen zeigen. 5.3 Leaving Care Den Übergang aus der stationären Kinder- und Jugendhilfe in das selbstständige Leben, das sogenannte Leaving Care, wird seit einigen Jahren verstärkt erforscht (Ehlke et al. 2022; Nüsken 2019). Bedeutsame„Schlüsselfaktoren für einen gelingenden Übergang“ sind Kompetenzen im Alltag (z. B. Lebensführung), verfügbarer Wohnraum, stabile Gesundheit, soziale Kontakte sowie Mentor: innen, die junge Menschen auf dem Weg begleiten (Sievers et al. 2015, 166). Die genauen Zusammenhänge im Übergang sowie subjektiven Perspektiven werden derzeit mit der „bisher größten trägerübergreifenden Befragung“ (CLS 2024) in der Längsschnittstudie Care Leaver Statistics (CLS) seit 2021 bis voraussichtlich 2030 erhoben (ebd.). Die Careleaverin Julia Kemp bestätigte noch einmal die Bedeutung einer guten Begleitung in der Phase des Leaving Care. Sie berichtet von guten Erfahrungen mit einer Mentorin, die sie intensiv im Übergang begleitet hat. Durch sie erhielt sie Unterstützung bei der Wohnungssuche, beim Abschluss von Versicherungen und beim Stellen von Anträgen 3 . Sie berichtet, dass ihr Begleitprozess des Übergangs bereits sechs Monate vor Ende der Hilfe begann. Der Übergang ihrer Schwester jedoch verlief weniger erfolgreich. Julia Kemp ist der Ansicht, dass die Qualität der Begleitung trotz Neuregelung im SGB VIII personenabhängig ist. Neben einer solchen Mentor: innenrolle wünscht sie sich für alle Careleaver: innen eine lockere, unverbindliche, aber stets verfügbare Ansprechperson, die bei Fragen des alltäglichen Lebens helfen kann, ohne verbindliche Regelungen, wie es eine Hilfe nach § 41 SGB VIII bedeuten würde. Sie thematisiert außerdem, dass die Politik weiterhin und verstärkt auf die Lebenssituation von Careleaver: innen Rücksicht nehmen sollte und dass eine elternunabhängige Grundsicherung für Careleaver: innen ein entscheidender Schritt zur Sicherung der Existenz im Übergang wäre. 6. Fazit Im Beitrag wurden neben aktuellen Zahlen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie entsprechenden Neuerungen verschiedene Trends und Entwicklungen bezüglich betreuter Wohnformen nach § 34 SGB VIII aus aktuellen (wissenschaftlichen) Diskursen vorgestellt, ehe anschließend Herausforderungen skizziert wurden. Diese wurden im Sinne des transdisziplinären Ansatzes bereits an verschiedenen Stellen mit den Wissensbeständen von Einrichtungsleiter Graham Lewis sowie Careleaverin Julia Kemp in Beziehung gesetzt. 305 uj 7+8 | 2025 Aktuelle Tendenzen in betreuten Wohnformen Zum Abschluss des Beitrags werfen die Autor: innen ein Schlaglicht auf die zukünftigen Herausforderungen des betreuten Wohnens vor dem Hintergrund der skizzierten Tendenzen und aktuellen Herausforderungen. Es ist zu erwarten, dass sich der Fachkräftemangel mit der inklusiven Ausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe verschärfen wird. Angesichts der wachsenden Aufgaben öffentlicher Träger im Zuge der Expansion der Kinder- und Jugendhilfe sowie knapper werdender Ressourcen stellt sich die Frage, ob nicht auch eine Auswahl junger Menschen durch freie Träger erfolgen wird. Adressat: innen, die „ressourcenschonend“ untergebracht werden können, erhielten dann den Vorzug. In der rechtebasierten Kinder- und Jugendhilfe wird die Lücke zwischen den rechtlichen Grundlagen und deren Umsetzung in die Praxis als produktiver Motor für Reformen und Qualitätssicherung verstanden. Wann jedoch ein Kipppunkt entsteht, an dem die Lücke zu groß ist, um eine rechtebasierte Kinder- und Jugendhilfe in der Praxis zu gewährleisten, ist eine zentrale zukünftige Frage und Herausforderung. Jugendhilfeorganisationen besitzen erhebliche Spielräume in der Umsetzung transnationaler Rechte wie der UN-KRK, die sie innovativ nutzen oder aber zur Verschleierung von Rechteverstößen und Gewalt missbrauchen können (Equit et al. 2024). Evidenzinformierte Forschung, welche Qualitätsentwicklung und Optimierung für individuelle Fälle und Organisationen erlaubt, wissenschaftlich unabhängige Wirkungsstudien sowie die Vernetzung von Forschung mit Initiativen und Jugendhilfepolitik bieten Ansatzpunkte. Sie können beispielsweise aufzeigen, wie Forschung einen zukünftigen Beitrag leisten kann, um Themen wie Fachkräfteentwicklung oder die Entwicklung von Monitoring in der Umsetzung rechtlicher und jugendhilfepolitischer Vorgaben durch Träger etc. anzugehen. Nationale und internationale Forschungen bilden eine wichtige Schnittmenge, insbesondere in der Umsetzung transnationaler Gesetzgebungen. Anmerkungen 1 JuPa-Quali ist der qualitative Teil des Verbundprojekts „Soziale Teilhabe von Jugendlichen in stationären Jugendhilfe-Einrichtungen und Pflegefamilien in Zeiten von Pandemien ermöglichen (JuPa)“ zwischen der Universität Münster (Claudia Equit) und der TU Dortmund (Uwe Uhlendorff ). Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. 2 Bezüglich der Langzeitfolgen der Pandemie wird das Sample von JuPa-Quali als Längsschnittstudie im Verbundprojekt„Psychosoziale Langzeitfolgen für junge Menschen durch die SARS-Cov-2-Pandemie (JuPaCo)“ zwischen der Leuphana Universität Lüneburg (Claudia Equit) und der Universität Hildesheim (Wolfgang Schröer) fortgeführt und mit den Ergebnissen der JuCo-Studien verbunden. Das Projekt wird durch das MWK Niedersachsen gefördert und ist im COVID-19- Forschungsnetzwerk Niedersachsen (COFONI) angesiedelt. 3 Julia Kemp ist als Careleaverin ehrenamtlich in der Unterstützung anderer/ zukünftiger Careleaver: innen sehr aktiv. So hat sie u. a. gemeinsam mit einer weiteren Careleaverin den Ratgeber „Plötzlich Careleaver. Jugendhilfe verlassen - und nun? “ geschrieben, den sie kostenlos zur Verfügung stellen: https: / / drive. google.com/ file/ d/ 1I_fgQupJA5doPIS1zL2sRWgsPL KPcYRC/ view? pli=1, 25. 9. 2024. claudia.equit@uni-muenster.de elisabeth.thomas@uni-muenster.de kempjulia91@gmail.com graham.lewis@ebh-minden.de 306 uj 7+8 | 2025 Aktuelle Tendenzen in betreuten Wohnformen Literatur Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJ) (2024): Hilfen zur Erziehung 2022: Starker Anstieg der Erziehungsberatung, Stagnation bei den „ASD-Hilfen“. In: https: / / www.akjstat.tu-dortmund.de/ fileadmin/ user_upload/ Kurzanalyse_HzE_2022_AKJStat_Errata. pdf, 24. 9. 2024 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2024 a): Referentenentwurf des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Entwurf eines Gesetzes zur Ausgestaltung der Inklusiven Kinder- und Jugendhilfe (Kinder- und Jugendhilfeinklusionsgesetz - IKJHG). In: https: / / www.bmfsfj. de/ resource/ blob/ 245688/ 6886fbb47899b5f57a23aff 9729403d4/ entwurf-ikjhg-gesetz-data.pdf, 23. 9. 2024 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2024 b): 17. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. In: https: / / www.bmfsfj.de/ resource/ blob/ 2446 26/ b3ed585b0cab1ce86b3c711d1297db7c/ 17-kinderund-jugendbericht-data.pdf, 25. 9. 2024 Care Leaver Statistics (CLS) (2024): Soziale Teilhabe im Lebensverlauf junger Erwachsener. Eine Langzeitstudie. In: https: / / cls-studie.de, 25. 9. 2024 Chmelka, M. B., Trout, A. L., Mason, W. A., Wright, T. (2011): Children with and without disabilities in residential care: risk at program entry, departure and six-month follow-up. Emotional and Behavioural Difficulties 16 (4), 383 - 399 Crettenden, A., Wright, A., Beilby, E. (2014): Supporting families: Outcomes of placement in voluntary out-ofhome care for children and young people with disabilities and their families. Children and Youth Services 39, 57 - 64 Ehlke, C., Sievers, B., Thomas, S. (2022): Werkbuch Leaving Care. Verlässliche Infrastrukturen im Übergang aus der stationären Erziehungshilfe ins Erwachsenenleben. Walhalla, Regensburg Equit, C. (2024): „but the professionals decide everything” - Complaint Procedures in Residential Group Care. In: Equit, C. (Hrsg.): Participation in Residential Childcare. Safeguarding children’s rights through participation and complaint procedures. Budrich, Opladen/ Berlin/ Toronto, 67 - 92, https: / / doi.org/ 10. 3224/ 84742709 Equit, C., Finckh, A., Thomas, E. (2024): Organizational Idiocultures in Residential Group Care - Key Results from the study. In: Equit, C. (Hrsg.): Participation in Residential Childcare. Safeguarding children’s rights through participation and complaint procedures. Budrich, Opladen/ Berlin/ Toronto, 21 - 40, https: / / doi.org/ 10.3224/ 84742709 Equit, C., Thomas, E. (2025, i. E.): Relational work and participation in residential groups - meaningful provision for children and youth with challenging behavior? In: Krajnčan, M. (Hrsg.): Integrative Sozialpädagogik. Verlag Dr. Kovač, Hamburg Feyer, J., Kochskämper, D., Müller, T., Rusack, T., Schilling, C., Schröer, W., Tillmann, A., Weßel, A., Zinsmeister, J. (2020): Digitalisierung in der stationären Kinder- und Jugendhilfe - nicht nur in Zeiten der COVID-19-Pandemie. Universitätsverlag Hildesheim, Hildesheim, https: / / dx.doi.org/ 10.18442/ 145 Hansbauer, P., Alt, F. (2016): Heimerziehung und betreutes Wohnen. In: Brinks, S., Dittmann, E., Müller, H. (Hrsg.): Handbuch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. IGfH-Eigenverlag, Frankfurt am Main, 186 - 193 Hosseini, N. S., Mehring, P., Lätzsch, C. (2024): Be*hindernde. Von Räumen und ihrer (Un-)Überwindbarkeit. In: Werner, F., Piechura, W., Bormann, C., Breckner, I. (Hrsg.): Flucht, Raum, Forschung. Einführung in die RaumSensible Fluchtmigrationsforschung. Springer VS, Wiesbaden, 347 - 366 Jenkel, N., Güneş, S. C., Schmid, M. (2020): Die Corona- Krise aus der Perspektive von jungen Menschen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe (CorSJH). Erste Ergebnisse. In: https: / / www.integras.ch/ images/ aktu elles/ 2020/ 20200902_CorSJH_DE.pdf, 15. 6. 2022 Kieslinger, D., Hollweg, C. (2023): Inklusion als Schlüssel für eine zukunftsfähige Kinder- und Jugendhilfe. In: Macsenaere, M., Esser, K., Knab, E., Hiller, S., Kieslinger, D. (Hrsg.): Handbuch Hilfen zur Erziehung. Lambertus, Freiburg im Breisgau, 416 - 422 Kieslinger, D., Teicher, C. (2023): Fachkräfte. In: Macsenaere, M., Esser, K., Knab, E., Hiller, S., Kieslinger, D. (Hrsg.): Handbuch der Hilfen zur Erziehung. Lambertus, Freiburg im Breisgau, 729 - 736 Magalh-es, E., Calheiros, M. M., Costa, P., Ferreira, S. (2021): Youth’s rights and mental health: The role of supportive relations in care. Journal of Social and Personal Relationships 38 (3), 848 - 864 Magalh-es, E., Calheiros, M. M. (2020): Why place matters in residential care: The mediating role of place attachment in the relation between adolescents’ rights and psychological well-being. Child Indicators Research 13 (5), 1717 - 1737 307 uj 7+8 | 2025 Aktuelle Tendenzen in betreuten Wohnformen McCausland, R., Dowse, L. (2022): From ‘at risk’ to ‘a risk’: The criminalisation of young people with cognitive disability in residential care: Special Issue: Confinement: Spaces and Practices of Care and Control 3 (2), 1 - 17 Montserrat, C., Garcia-Molsosa, M., Llosada-Gistau, J., Sitjes-Figueras, R. (2021): The views of children in residential care on the COVID-19 lockdown: Implications for and their well-being and psychosocial intervention. Child Abuse & Neglect 120, https: / / doi.org/ 10. 1016/ j.chiabu.2021.105182 Mraß, U., Straus, F. (2021): Wie erleben die Jugendlichen der stationären Jugendhilfe die Covid-19-Pandemie? - Ergebnisse zum ersten Lockdown. Jugendhilfe 2, 162 - 169 Nüsken, D. (2019): Übergänge von Care Leavern: Forschungsergebnisse im Überblick. Jugendhilfe 57 (6), 566 - 573 Nüsken, D. (2020): Erziehungshilfen als Beruf. Einblicke in die Belastungen und Entlastungen eines Arbeitsfeldes. Springer VS, Wiesbaden Nüsken, D. (2024): Arbeitsfeld Heimerziehung. Erfahrungen und Perspektiven von pädagogischen Fachkräften. In: Theile, M., Wolf, K. (Hrsg.): Sozialpädagogische Blicke auf Heimerziehung. Theoretische Positionierungen, empirische Einblicke und Perspektiven. Beltz Juventa, Weinheim/ Basel, 290 - 304 O’Higgins, A., Ott, E. M., Shea, M. W. (2018): What is the Impact of Placement Type on Educational and Health Outcomes of Unaccompanied Refugee Minors? A Systematic Review of the Evidence. Clinical Child and Family Psychology Review 21, 354 - 365 Overbeck, M. (2021): Die Hilfen für junge Volljährige nach der SGB VIII-Reform. Konsequenzen der Neuregelung des § 41 SGB VIII für die Jugendamtspraxis. JAmt 9, 426 - 430 Pluto, L. (2021): Institutionelle Beteiligungsgelegenheiten für junge Menschen in der Heimerziehung in Deutschland. Ein quantitativer Blick auf die vergangenen 20 Jahre aus der Sicht von Einrichtungen. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung 16 (2), 161 - 175 Pottharst, B., Neumann, A., Ostrau, C., Seelmeyer, U. (2024): Bewältigung des Fachkräftemangels durch technologische Innovation? Effekte von Technisierung und Digitalisierung. Sozial Extra 48 (3), 162 - 167 Rohrmann, A., Theile, M. (2022): Inklusive Übergangsgestaltung? Übergänge aus der Heimerziehung in unterstützte Formen des Wohnens im Rahmen der Eingliederungshilfe im Erwachsenenalter. Soziale Passagen 14, 373 - 388 Scherr, A., Breit, H. (2021): Gescheiterte Junge Flüchtlinge? Abschlussbericht des Forschungsprojekts zu Problemlagen und zum Unterstützungsbedarf junger männlicher Geflüchteter in Baden-Württemberg. In: https: / / phfr.bsz-bw.de/ frontdoor/ deliver/ index/ docId/ 880/ file/ Forschungsbericht_JungeGefluechtete_2021. pdf, 30. 9. 2024 Schlachzig, L. (2022): Integrationsarbeit unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter. Eine Ethnographie über Aufenthaltsicherungspraktiken. Springer VS, Wiesbaden Scholz, R. W., Steiner, G. (2015): Transdisciplinarity at the crossroads. Sustainability Science 10, 521 - 526 Schröer, W. (2024): Rechtebasierte Kinder- und Jugendhilfe. Fluchtpunkte im Anschluss an das Zukunftsforum „Heimerziehung”. In: Theile, M., Wolf, K. (Hrsg.): Sozialpädagogische Blicke auf Heimerziehung. Theoretische Positionierungen, empirische Einblicke und Perspektiven. Beltz Juventa, Weinheim/ Basel, 132 - 149 Seifert, M. (2022): Familie: Inklusion, Behinderung und Hilfesysteme. In: Schierbaum, A., Ecarius, M. (Hrsg.): Handbuch Familie. Springer VS, Wiesbaden, 403 - 421 Sievers, B., Thomas, S., Zeller, M. (2015): Jugendhilfe - und dann? Zur Gestaltung der Übergänge junger Erwachsener aus stationären Erziehungshilfen. IGfH- Eigenverlag, Frankfurt am Main Statistisches Bundesamt (2022): 210 000 junge Menschen wuchsen 2021 in Heimen oder Pflegefamilien auf. In: https: / / www.destatis.de/ DE/ Presse/ Pressemit teilungen/ 2022/ 10/ PD22_454_225.html, 23. 9. 2024 Statistisches Bundesamt (2023): Über 207 000 junge Menschen wuchsen 2022 in einem Heim oder einer Pflegefamilie auf. In: https: / / www.destatis.de/ DE/ Pres se/ Pressemitteilungen/ 2023/ 12/ PD23_493_225.html, 23. 9. 2024 Tabel, A., Fendrich, S. (2024): Heimerziehung zwischen Expansion und Ausdifferenzierung. Eine Analyse auf der Grundlage der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik. In: Theile, M., Wolf, K. (Hrsg.): Sozialpädagogische Blicke auf Heimerziehung. Theoretische Positionierungen, empirische Einblicke und Perspektiven. Beltz Juventa, Weinheim/ Basel, 152 - 169 Thomas, E. (2024, i. E.): Soziale Teilhabe auf schmalem Grat - Exklusionsprozesse und Copingstrategien von jungen Menschen in stationären Erziehungshilfen während und nach der Corona-Pandemie. Neue Praxis, Spezialausgabe Thomas, E., Equit, C. (2024): „Crisis are looming all around”. Viewpoints of young people in residential group care during the COVID-19 pandemic. Österreichisches Jahrbuch für Soziale Arbeit 6, 98 - 116 308 uj 7+8 | 2025 Aktuelle Tendenzen in betreuten Wohnformen Thomas, S., Sauer, M., Zalewski, I. (2018): Unbegleitete minderjährige Geflüchtete. Transcript, Bielefeld Trout, A. L., Casey, K. J., Chmelka, M. B., DeSalvo, C., Reid, R., Epstein, M. H. (2009): Overlooked: Children with disabilities in residential care. Child Welfare 88, 111 - 136 Urban-Stahl, U. (2024): Grenzverletzungen und Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung. In: Theile, M., Wolf, K. (Hrsg.): Sozialpädagogische Blicke auf Heimerziehung. Theoretische Positionierungen, empirische Einblicke und Perspektiven. Beltz Juventa, Weinheim/ Basel, 232 - 244 a www.reinhardtverlag.de Junge Menschen, die in Einrichtungen der Kinder und Jugendhilfe aufwachsen, erleben häufig einen Wechsel ihrer Bezugspersonen. Um den Folgen dieser Bindungsabbrüche entgegen zu wirken, gibt es die ehrenamtliche Wegbeglei tung. Sie ergänzt das professionelle stationäre Setting, indem sie ein unbezahltes, dauerhaftes und exklusives Beziehungsangebot macht, das auch für Careleaver: innen und im Erwachsenen alter bestehen bleiben soll. Das Konzept der Wegbegleitung wird in diesem Buch mit kritischer Brille in Bezug auf Hinder nisse und Stolpersteine beleuchtet. Es werden wichtige Grundlagen und theoretische Ansätze diskutiert und Impulse zur konzeptionellen Um setzung sowie zur strukturierten und struktu rellen Initiierung der Wegbegleitung dargestellt. Beziehung statt Erziehung 2023. 201 Seiten. 20 Abb. 1 Tab. (9783497031924) kt