unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Editorial
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Michael Macsenaere
Monika Feist-Ortmanns
Liebe Leserinnen und Leser, Kinder- und Jugendhilfe bewegt sich stets im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Anforderungen, strukturellen Bedingungen und individuellen Bedarfen junger Menschen. Die Beiträge dieser Ausgabe widmen sich daher sowohl spezifischen Lebenslagen als auch übergeordneten Fragen zur Wirksamkeit und Qualität sozialpädagogischer Unterstützung.
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349 Editorial unsere jugend, 77. Jg., S. 349 (2025) DOI 10.2378/ uj2025.art39d © Ernst Reinhardt Verlag Liebe Leserinnen und Leser, Kinder- und Jugendhilfe bewegt sich stets im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Anforderungen, strukturellen Bedingungen und individuellen Bedarfen junger Menschen. Die Beiträge dieser Ausgabe widmen sich daher sowohl spezifischen Lebenslagen als auch übergeordneten Fragen zur Wirksamkeit und Qualität sozialpädagogischer Unterstützung. Im Zentrum steht zunächst ein bindungsbasiertes Erklärungsmodell zur Analyse abweichenden Verhaltens Jugendlicher. Auf Grundlage einer sozioanalytischen Perspektive wird dargestellt, wie bindungstheoretische Ansätze das Verständnis jugendlicher Auffälligkeiten vertiefen und zugleich neue Möglichkeiten für präventive und interventive Maßnahmen bieten können. Zudem thematisiert das Heft die Folgen struktureller Engpässe in der Kinder- und Jugendhilfe. Wenn geeignete Plätze für junge Menschen fehlen, entstehen zwangsläufig Notlösungen. Solche Notlösungen lösen allerdings nicht nur kurzfristige Probleme, sondern können bestehende Schwierigkeiten reproduzieren und verfestigen. Eine kritische Analyse dieser Problematik weist auf systemische Herausforderungen hin, die dringend reflektiert und bearbeitet werden müssen. Im Kontext stationärer Hilfen stehen Fragen der Partizipation junger Menschen im Fokus. Eine aktuelle DFG-Studie beleuchtet, wie Machtverhältnisse innerhalb von Organisationen tatsächliche Beteiligungsmöglichkeiten beeinflussen und gestalten. Deutlich wird, dass formale Beteiligungskonzepte allein nicht ausreichen - vielmehr müssen auch die dahinterliegenden Organisationskulturen und Strukturen betrachtet werden. Ein bislang noch wenig beachtetes Thema behandelt der Beitrag zur Unterstützung von Kindern und Angehörigen inhaftierter Eltern. Die Lebenssituation dieser jungen Menschen bleibt oft unsichtbar, ihre Bedarfe unbeachtet. Der Artikel zeigt, wie wichtig es ist, Unterstützungsangebote außerhalb des Strafvollzugs zu schaffen und soziale Isolation wirksam zu reduzieren. Schließlich wirft die Ausgabe einen Blick auf kriminalpräventive Ansätze, die auf frühe und gezielte Hilfen setzen. Vorgestellt wird das Programm „Kurve kriegen“, das eindrucksvoll demonstriert, wie wirkungsvoll frühzeitige, passgenaue Unterstützung für junge Menschen sein kann. Abgerundet wird das Heft durch Rezensionen aktueller Publikationen, die wichtige Impulse für Praxis und Forschung bieten. Mit dieser vielfältigen Zusammenstellung hoffen wir, Anregungen zur fachlichen Reflexion zu bieten und dazu beizutragen, sozialpädagogische Praxis weiterzuentwickeln. Wir wünschen Ihnen eine anregende und gewinnbringende Lektüre! Mit besten Grüßen Michael Macsenaere und Monika Feist-Ortmanns Monika Feist-Ortmanns, Michael Macsenaere
