eJournals unsere jugend77/9

unsere jugend
4
0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2025.art43d
4_077_2025_9/4_077_2025_9.pdf91
2025
779

Wenn Eltern fehlen: Unterstützung für Kinder und Angehörige von Inhaftierten außerhalb des Strafvollzugs

91
2025
Hannah Fröhlich
Caterina Helmeke
Julie Ganschow
Sophie Nolle
Die Berliner Hilfelandschaft bietet vielseitige Ansätze, um Familien von Inhaftierten in ihrer schwierigen Lebenssituation zu unterstützen. Dabei wird deutlich, wie innovative Projekte Lücken im staatlichen Hilfesystem schließen können. Im Folgenden werden die Programme aufGefangen (ein niedrigschwelliges Beratungsangebot), EhrenHaft (ein ehrenamtliches Begleitprojekt), und HeldenHaft (ein kunstpädagogisches Präventionsprojekt für Kinder) vorgestellt. Sie veranschaulichen, wie individuelle und kreative Ansätze dazu beitragen, betroffene Familien zu stabilisieren, Isolation abzubauen und betroffenen Kindern neue Perspektiven zu bieten.
4_077_2025_9_0006
378 unsere jugend, 77. Jg., S. 378 - 384 (2025) DOI 10.2378/ uj2025.art43d © Ernst Reinhardt Verlag von Hannah Fröhlich Sozialpädagogin M. A., Referentin der Koordinierungsstelle für Kinder von Inhaftierten Berlin, Freie Hilfe Berlin e. V. Caterina Helmeke Systemische Beraterin, Psychologin und Kindheitswissenschaftlerin Julie Ganschow Sozialarbeiterin B. A., Erzieherin, Ehrenamtskoordinatorin EhrenHaft, Freie Hilfe Berlin e. V. Sophie Nolle Sozialarbeiterin B. A., Traumafachberaterin, Leitung HeldenHaft, Freie Hilfe Berlin e. V. Wenn Eltern fehlen: Unterstützung für Kinder und Angehörige von Inhaftierten außerhalb des Strafvollzugs Die Berliner Hilfelandschaft bietet vielseitige Ansätze, um Familien von Inhaftierten in ihrer schwierigen Lebenssituation zu unterstützen. Dabei wird deutlich, wie innovative Projekte Lücken im staatlichen Hilfesystem schließen können. Im Folgenden werden die Programme aufGefangen (ein niedrigschwelliges Beratungsangebot), EhrenHaft (ein ehrenamtliches Begleitprojekt), und HeldenHaft (ein kunstpädagogisches Präventionsprojekt für Kinder) vorgestellt. Sie veranschaulichen, wie individuelle und kreative Ansätze dazu beitragen, betroffene Familien zu stabilisieren, Isolation abzubauen und betroffenen Kindern neue Perspektiven zu bieten. Was haben ‚Haft‘ und ‚Familie‘ miteinander zu tun? Viele Menschen denken nicht daran, dass auch ein Elternteil inhaftiert sein kann - und dass dies für die betroffenen Familien, insbesondere für die Kinder, gravierende Folgen hat. Schätzungen zufolge sind in Deutschland jährlich rund 100.000 Kinder von der Inhaftierung eines Elternteils betroffen, doch Unterstützungsangebote sind häufig lückenhaft und unzureichend finanziert. Das Thema Haft wird 379 uj 9 | 2025 Unterstützung für Kinder und Angehörige von Inhaftierten oft entweder nicht angesprochen oder gar verheimlicht. Dabei bedeutet die Inhaftierung eines Elternteils nicht nur den ungewollten Verlust einer Bezugsperson, sondern führt häufig auch zu existenziellen Problemen wie dem Verlust der Wohnung und finanziellen Schwierigkeiten. Betroffene Familien erleben gleichzeitig psychische Belastungen: Schuldgefühle, Scham und Stigmatisierung prägen ihren Alltag. Insbesondere Kinder sind betroffen, da sie den Verlust des Elternteils bewältigen und mit der Ausgrenzung im sozialen Umfeld klarkommen müssen. Traumatisierende Erlebnisse wie eine Verhaftung durch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) oder das Verschweigen der Situation verstärken ihre Belastungen und erschweren es, Hilfe zu suchen. Die Herausforderungen sind vielfältig: Der zurückgebliebene Elternteil ist plötzlich alleinerziehend. Der Alltag muss umstrukturiert werden, Zeit und Energie werden aufgebraucht. Untersuchungen zeigen, dass die Inhaftierung eines Elternteils ein höheres Risiko für Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten sowie psychische Belastungen bei Kindern darstellt. Daher ist es unabdingbar, betroffenen Familien in dieser schwierigen Situation Unterstützung und Hilfe anzubieten. Wie also erreicht man Familien von Inhaftierten und vor allem die Kinder? Projekte, die sich dieser vulnerablen Zielgruppe widmen, sind in Berlin seit mehreren Jahren etabliert. Hierbei geht es darum, den Familien emotionalen Rückhalt zu geben und sie vor Stigmatisierung und Ausgrenzung zu schützen. Hemmschwellen müssen abgebaut und die Familien über mögliche Hilfsangebote informiert werden. Eine wichtige Rolle spielt die Vermittlung von Wissen über das Strafrechtssystem und den Ablauf von Inhaftierungen, um Ängste und Unsicherheiten der Kinder zu mindern. Eine Familienberatung kann dazu beitragen, die Inhaftierung zu enttabuisieren und betroffene Familien dabei zu unterstützen, mit dieser herausfordernden Lebenslage umzugehen. Die Situation der Kinder muss in den Fokus gerückt und in der Öffentlichkeit thematisiert werden, um ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. Ein offener Umgang mit der Situation und gezielte Angebote können helfen, Folgen der Inhaftierung zu mindern und langfristige Schäden zu vermeiden. Niemand sollte für Taten bestraft werden, die er bzw. sie nicht begangen hat - insbesondere nicht unschuldige Kinder. Es ist unsere Pflicht als Gesellschaft, diesen Kindern eine Perspektive und Unterstützung zu geben, um ihnen ein normales Leben zu ermöglichen. Im Folgenden werden anhand der Berliner Hilfelandschaft Beispiele von Hilfsangeboten aufgezeigt, die außerhalb des Justizvollzugs existieren und dazu beitragen, betroffene Familien zu unterstützen. KvI Berlin - Koordinierungsstelle für Kinder von Inhaftierten Berlin Die Koordinierungsstelle für Kinder von Inhaftierten (KvI) in Berlin hat im Dezember 2022 die Arbeit aufgenommen. Sie wird durch die Auridis Stiftung finanziert und ist ein Kooperationsprojekt der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, sowie der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz. Mithilfe der gemeinsam gesetzten Schwerpunkte wollen wir die Versorgungslage der Kin- Ausbau Angebotslandschaft Sensibilisierung & Qualifizierung Vernetzung Öffentlichkeitsarbeit Servicestelle Abb. 1: Aufgabenfelder KvI 380 uj 9 | 2025 Unterstützung für Kinder und Angehörige von Inhaftierten der von Inhaftierten auf struktureller Ebene verbessern, unter anderem Fachpersonal fortbilden und die Öffentlichkeit sensibilisieren. Die Landeskoordinierungsstelle Netzwerk KvI Berlin bietet als Servicestelle die Erstberatung für betroffene Familien. Dabei werden die Ratsuchenden auch an spezialisierte Angebote weitervermittelt. „aufGefangen“- Niedrigschwelliges Beratungsangebot für betroffene Familien Das Projekt „aufGefangen“ bietet betroffenen Familien gezielte Unterstützung und wird finanziert durch die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz Berlin. Das Team, bestehend aus Sozialarbeiter: innen, Pädagog: innen und Psycholog: innen, setzt dabei auf vielfältige Ansätze aus Sozialarbeit, systemischer Beratung, Traumapädagogik und Erlebnispädagogik. Ziel ist es, den Betroffenen mit flexiblen und niedrigschwelligen Angeboten zur Seite zu stehen und sie in ihrer Lebenssituation nachhaltig zu stärken. Nähe und Gemeinschaft: Wie „aufGefangen“ Familien stärkt Nähe zum Lebensumfeld und individuelle Beratungssettings Ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit ist die Nähe zu den Familien und ihrem Lebensumfeld. Das ermöglicht es uns, die Lebensrealitäten unserer Klient: innen besser zu verstehen. Anders als in formalen Beratungskontexten können wir die Beratungssettings flexibel gestalten, um eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Familien wohlfühlen und Vertrauen aufgebaut werden kann. Wir treffen uns mit Angehörigen auf Spielplätzen, in Cafés oder führen Hausbesuche durch. Diese ‚freiere‘ Beziehungsgestaltung wirkt hemmungslösend und hilft, Berührungsängste abzubauen. Oft sind gerade diese ungezwungenen Begegnungen der Schlüssel, um eine belastbare und vertrauensvolle Arbeitsbeziehung aufzubauen. Beratung und Empowerment In unseren Beratungen achten wir sehr auf Wertschätzung und die Anerkennung bereits erzielter Fortschritte. Ziel ist es, den Familien nicht nur Hilfe zu bieten, sondern sie auch in ihrer Selbstwirksamkeit und Autonomie zu stärken. Viele unserer Klient: innen, insbesondere die von der Haft ihres Partners betroffenen Kindesmütter, stehen häufig unter enormem Druck. In den Beratungsgesprächen wird ihnen Raum gegeben, eigene Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren, dass die Inanspruchnahme von Hilfe kein Versagen darstellt. Ein Beispiel hierfür ist eine Mutter, die zu Beginn unserer Zusammenarbeit kaum Deutsch sprach, schüchtern und zurückhaltend war und sich in Netzwerk Kinder von Inhaftierten Berlin Abb. 2: Werbeplakat KvI Sind Sie von der Inhaftierung eines Elternteils betroffen? Rufen Sie uns gerne an! 030/ 2146 76 65 381 uj 9 | 2025 Unterstützung für Kinder und Angehörige von Inhaftierten einer gefühlt aussichtslosen Lage befand. Im Verlauf der Beratung hat sie nicht nur eine Ausbildung begonnen, sondern auch Pläne für ihre berufliche Zukunft entwickelt. Diese Fortschritte sind Zeugnis für den erfolgreichen Einsatz von Empowerment-Ansätzen in der Familienarbeit und für die Kraft, die in vielen Betroffenen steckt. Die Anbindung von Angehörigen Inhaftierter nimmt über die Jahre kontinuierlich zu, was zeigt, dass der Bedarf groß und eine proaktive Kontaktaufnahme wichtig ist, um den Angehörigen die Unterstützungsmöglichkeiten deutlich zu machen. Ängste, Scham und Stigmatisierung Die psychischen Belastungen von Familienangehörigen in Haftkontexten sind hoch. Ängste und Scham spielen eine zentrale Rolle, insbesondere bei Müttern, die fürchten, wegen der Taten ihres Partners stigmatisiert zu werden. Die Angst vor Ablehnung im Freundeskreis, in der Schule oder im sozialen Umfeld ist für Kinder allgegenwärtig. Sie erleben Kontrollen bei Besuchen in der Haftanstalt häufig als demütigend und einschüchternd. Durch unser Projekt werden solche Erlebnisse thematisiert und die Inhaftierung damit enttabuisiert. Wir unterstützen Familienangehörige dabei, offen über ihre Ängste zu sprechen und eine unterstützende Gemeinschaft zu finden. Freizeitangebote Ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit besteht aus Angeboten, welche die Familien für kurze Zeit aus dem belastenden Alltag herausholen. Durch Freizeitaktivitäten wie Museumsbesuche, Klettern, Besuche auf dem Kinderbauernhof, im Puppentheater, in der Spielzeugwerkstatt, im Jump House, im Planetarium, beim Bouldern und vieles mehr schaffen wir für die Kinder und ihre Mütter Gelegenheiten, pädagogisch begleitet Freizeit miteinander zu verbringen. Besondere Erlebnisse für die betroffenen Familien sind kurze Reisen, die wir für Angehörige von Inhaftierten organisieren und begleiten. Hierbei werden gemeinsame Erinne- Abb. 3: Beratung für von Haft betroffene Angehörige Beratung für von Haft betroffene Angehörige 250 200 150 100 50 0 n Erreichte Angehörige n davon Kinder n davon Mütter der Kinder n davon sonstige Angehörige 2021 2022 2023 382 uj 9 | 2025 Unterstützung für Kinder und Angehörige von Inhaftierten rungen geschaffen und Erholung vom Alltag ermöglicht, was für den Zusammenhalt und die emotionale Stärkung der Familien essenziell ist. Durch solche gemeinsamen Aktivitäten lernen die Familienangehörigen sich kennen und erhalten die Möglichkeit zur gegenseitigen Unterstützung. Für die Kinder ist dies besonders wichtig, da sie oftmals das Gefühl haben, mit ihrer Situation allein zu sein. Diese Begegnungen ermöglichen ihnen, andere Kinder mit ähnlichen Erfahrungen kennenzulernen, was zu einer Entlastung auf emotionaler Ebene führt. Zusammenarbeit mit Behörden und anderen Hilfesystemen Die Unterstützung von Familienangehörigen erfordert auch eine enge Zusammenarbeit mit weiteren sozialen Einrichtungen und Behörden. Es gibt viele Hilfebedarfe, die über die Grenzen unseres Projekts hinausgehen und an andere Unterstützungssysteme weitergeleitet werden müssen. Themen wie Wohnsituation, finanzielle Sicherung und Bildung erfordern oft eine enge Abstimmung mit dem Jobcenter, Jugendamt und anderen Institutionen. Unser Ziel ist es, durch Sensibilisierung der Fachkräfte in diesen Einrichtungen Vorurteile abzubauen und das Verständnis für die besondere Situation von Familienangehörigen inhaftierter Väter zu stärken. Fazit Die Unterstützung der Familienangehörigen von Inhaftierten ist anspruchsvoll, herausfordernd und erfüllend zugleich. Unsere Arbeit schafft für diese Familien einen Raum des Vertrauens, der es ihnen ermöglicht, ihre Erlebnisse zu teilen und ihre eigene Stärke wiederzuentdecken. Durch eine offene und wertschätzende Zusammenarbeit mit anderen sozialen Einrichtungen und die kontinuierliche Sensibilisierung der Öffentlichkeit tragen wir zur Verbesserung der Lebenssituation dieser Familien bei und schaffen neue Möglichkeiten für eine stärkende Zukunft. EhrenHaft - Ehrenamtliche Begleitung für Familien in Haftsituationen Das Projekt „EhrenHaft“ wurde im Januar 2023 mithilfe der Koordinierungsstelle für Kinder von Inhaftierten ins Leben gerufen und richtet sich an Familien, in denen ein Elternteil inhaftiert ist. Die Unterstützung durch Ehrenamtliche soll den betroffenen Familien ein Stück Normalität zurückgeben und sie gleichzeitig in den Herausforderungen des Alltags stärken. Die Initiative entstand aus den Erfahrungen des Familienprojekts „aufGefangen“, die zeigten, wie viele Belastungen auf die Familien zukommen, wenn ein Elternteil plötzlich fehlt. Dieses Familienpatenschaftsprojekt wird finanziert durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Alltagsbelastungen und Herausforderungen Die Inhaftierung eines Elternteils bringt oft eine Vielzahl an Veränderungen mit sich, welche die gesamte Familie betreffen. Routinen und Rituale müssen neu organisiert werden, wobei meist die Mutter zusätzliche Aufgaben übernimmt, um den Alltag zu bewältigen. Gleichzeitig haben Kinder die unterschiedlichsten Bedürfnisse: sie benötigen Unterstützung bei den Hausaufgaben, wollen an Freizeitaktivitäten teilnehmen oder suchen einfach nach Aufmerksamkeit und Zuwendung. Hinzu kommen finanzielle Schwierigkeiten, Arzttermine, Haushaltsaufgaben und Fragen der Kinder rund um das Thema Haft. Ehrenamtliche Unterstützung für Familien Die Ehrenamtlichen bieten Unterstützung in verschiedenen Bereichen des Alltags, z. B. durch das Abholen von Kindern, die Begleitung zu Terminen, Unterstützung bei den Hausaufgaben 383 uj 9 | 2025 Unterstützung für Kinder und Angehörige von Inhaftierten oder gemeinsame Spielzeiten. Ziel ist es, den Familien etwas Entlastung und Zeit für sich selbst zu ermöglichen. Gleichzeitig sind die Ehrenamtlichen feste Ansprechpartner: innen für die betroffenen Kinder. Die Unterstützungsform und der zeitliche Einsatz werden abhängig von den Bedarfen der Familie und den Möglichkeiten der Ehrenamtlichen individuell abgestimmt. Es kann eine große Herausforderung für die Familien sein, Hilfe von außen anzunehmen, da das Thema Haft mit Scham behaftet ist. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Ehrenamtlichen gezielt auf ihre Einsätze vorbereitet werden und eine hohe Sensibilität für die Situation der Familien entwickeln. Professionelle Begleitung und Austauschmöglichkeiten Um eine qualifizierte und nachhaltige Unterstützung sicherzustellen, wird das Projekt „EhrenHaft“ von einer Ehrenamtskoordinatorin geleitet. Diese organisiert einen verpflichtenden Vorbereitungskurs, in dem durch Expert: innen wichtige Themen rund um Haft und Familiendynamiken vermittelt werden. Auch während des Einsatzes stehen die Ehrenamtlichen und die Familien in engem Austausch mit der Koordinatorin, die offene Gesprächsrunden, Supervision und Themenabende anbietet. Gemeinsame Ausflüge und Aktivitäten bieten den Familien die Möglichkeit, zusammen mit anderen Betroffenen Zeit zu verbringen und Erfahrungen zu teilen. Diese Treffen geben den Kindern und Eltern die Chance, ein Gefühl von Gemeinschaft und Verständnis zu erleben, was sich positiv auf das Selbstwertgefühl und die Motivation auswirken kann. Fazit „EhrenHaft“ hilft betroffenen Familien, ihre Herausforderungen zu bewältigen, und leistet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung von deren Gemeinschafts- und Selbstwertgefühl. Durch die engagierte Arbeit der (derzeit acht) Ehrenamtlichen erfahren die Familien Unterstützung in schwierigen Zeiten und können Momente der Normalität und Freude erleben. „HeldenHaft“: Kunstpädagogisches Präventionsprojekt für Kinder von inhaftierten Eltern Das kunstpädagogische Projekt „HeldenHaft“ wurde im Mai 2024 durch die Koordinierungsstelle für Kinder von Inhaftierten ins Leben gerufen und wird von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie finanziert. Es bietet von Haft betroffenen Kindern im Alter von vier bis zwölf Jahren einmal wöchentlich einen sicheren Raum, in dem sie durch kreative Prozesse ihre Gefühle ausdrücken, Gemeinschaft erleben und Resilienz entwickeln können. Kunst als Brücke zur emotionalen Verarbeitung Kunst bietet Kindern eine Möglichkeit, ihre inneren Konflikte auszudrücken, ohne auf Worte angewiesen zu sein. Besonders für Kinder, die in belasteten Verhältnissen aufwachsen, ist kreatives Arbeiten eine geschützte Form, um ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Durchgeführt wird das Projekt von einer Sozialarbeiterin bzw. Traumapädagogin sowie einer erfahrenen Künstlerin. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht eine ganzheitliche Unterstützung: der traumapädagogische Ansatz sorgt dafür, dass die Kinder individuell in ihren Bedürfnissen gesehen und gefördert werden, während die künstlerische Arbeit ihnen eine Sprache jenseits von Worten anbietet. Tonfeldarbeit: Ein zentraler Bestandteil Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Tonfeldarbeit, eine künstlerisch therapeutische Methode, bei der Kinder mit Ton arbeiten, um 384 uj 9 | 2025 Unterstützung für Kinder und Angehörige von Inhaftierten innere Spannungen zu lösen. Diese haptische Arbeit ermöglicht es den Kindern, ihre Emotionen auf greifbare Weise zu bearbeiten, ohne sie in Worte fassen zu müssen. Die Erfahrungen zeigen, dass sich gerade Kinder, die unter besonderem emotionalen Stress stehen, durch die haptische Arbeit gestärkt und entlastet fühlen. Kooperation und Netzwerkarbeit: Ganzheitliche Unterstützung Die enge Kooperation mit dem Familienprojekt „aufGefangen“ ermöglicht eine umfassende Unterstützung der Familien. Durch regelmäßige Beratungen und Begleitangebote werden die Bezugspersonen der Kinder gestärkt. Die Netzwerkarbeit soll dazu beitragen, dass Familien auch außerhalb des Projekts Unterstützung erhalten, um die Herausforderungen der Inhaftierung besser zu bewältigen. Erste Ergebnisse und Ausblick Erste Rückmeldungen zeigen, dass das Projekt gut angenommen wird: Kinder fassen Vertrauen, öffnen sich und fühlen sich nicht mehr allein. Auch die Familien profitieren von der engen Begleitung und der Möglichkeit, ihre Kinder besser zu unterstützen. Das Projekt soll langfristig ausgebaut werden, um mehr betroffene Kinder und Familien zu erreichen. Ziel ist es, durch die Förderung der Resilienz der Kinder präventiv zu wirken und die gesellschaftliche Anerkennung der besonderen Lebenssituation von Kindern inhaftierter Eltern zu stärken. Hannah Fröhlich, Caterina Helmeke, Julie Ganschow, Sophie Nolle Freie Hilfe Berlin e.V. Brunnenstr. 28 10119 Berlin a www.reinhardtverlag.de (Pflege-)Eltern und Angehörige von Kindern mit Fetalen Alkoholspektrumstörungen sehen sich auf dem gemeinsamen Weg fast täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Immer wieder sind sie in ihrer Geduld und Flexibilität ge fordert und erleben den Alltag als anstrengend und kraftraubend. Was hilft? Dieser Ratgeber ist eine Fundgrube an kompaktem, gut verständlichem Fachwissen, hilfreichen Alltagstipps und vielfältigen Anre gungen. Dabei reicht die Themenpalette vom ersten Verdacht auf FASD bis hin zur Frage nach möglichen Zukunftsperspektiven von betroffenen Jugendlichen. Erfahrungsberichte von Pflegeeltern und Fachkräften runden das Buch ab. Gemeinsam gestärkt durch den Alltag 2., aktual. Aufl. 2025. 115 Seiten. 15 Abb. 3 Tab. Innenteil farbig. (978-3-497-03306-5) kt