eJournals unsere jugend77/9

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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Rezension: Macsenaere, M., Esser, K., Knab, E., Hiller, S., Kieslinger, D. (Hrsg.) (2024): Handbuch der Hilfen zur Erziehung. 2. Aufl.

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Dieter Kreft
Genau zehn Jahre nach der 1. Auflage 2014 ist die 2. Auflage dieses Handbuchs erschienen. Ein Herausgeber ist hinzugekommen (D. Kieslinger), der Titel ist von 626 Seiten 2014 auf nun 794 Seiten angewachsen, er passt jetzt gerade noch in einen Paperback-Einband. Erweitert und aktualisiert wurden auch die Herausgeber- und Verlagsangaben. Für eine sorgfältige Aktualisierung spricht außerdem das Ergebnis dieser einfachen Durchsicht: Die Literaturangaben am Ende der ca. 100 Beiträge enthalten fast alle Angaben ab 2015 (also nach Erscheinen der 1. Auflage), nur zehn sind offenbar ohne Aktualisierung geblieben.
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394 uj 9 | 2025 Rezensionen genüber Israel aus deutscher Sicht. Dass die jungen Menschen angesichts des Leids der Bevölkerung im Gazastreifen sowie im Libanon zutiefst schockiert sind, ist verständlich und nachvollziehbar. Es ändert aber nichts an der besonderen Verpflichtung Deutschlands gegenüber Israel: „Die besondere Verpflichtung Deutschlands gegenüber Israel betont mit 32 % etwa ein Drittel der Jugendlichen. Genauso viele sehen dies anders und stimmen dem explizit nicht zu“ (15). Die Ablehnung erhöht sich sogar auf 42 % bei Jugendlichen, die selbst oder deren Eltern aus dem arabischen Raum oder der Türkei zugewandert sind (56). Im Bildungsbereich zeichnen sich klare Spaltungen zwischen Gewinner: innen und Verlierer: innen ab. Zudem wird klar herausgearbeitet, dass und wie Schule die (Bildungs-)Biografie junger Menschen beschädigt (191f ). Auch wenn die Entwicklungen der letzten Jahre quantitative Fortschritte zeigen und z. B. die schädlichen Wirkungen des Sitzenbleibens klar angesprochen werden, ist keine pädagogische Besserung erkennbar. Bei der insgesamt sehr anregenden Studie gibt es jedoch auch ein Ärgernis: Der gesellschaftliche Bedeutungsverlust des Hauptschulabschlusses kommt eher en passant und unreflektiert zum Ausdruck, indem die Items „Hauptschulabschluss“ und „ohne Abschluss“ bei der Auswertung der Daten zu einer einheitlichen Kategorie zusammengefasst werden. Warum dies geschieht, bleibt unerörtert - unverständlicherweise. Hier wäre bei der nächsten Erhebungswelle Gelegenheit zur Nachbesserung. Anhand der dargestellten Beispiele wird deutlich, dass die Rede von „pragmatischem Optimismus“ mindestens diskutiert werden muss. Bedauerlicherweise fehlen bestimmte Themen - nicht nur in dieser Erhebungswelle. Obgleich Kriminalitätsraten besonders im Alter von 15 bis 25 ansteigen, also in der Jugendphase, erfährt man über dieses Thema nichts. Und nicht anders verhält es sich mit dem Themenbereich „Drogen“, wo es doch nicht nur angesichts der eben erfolgten (partiellen) Entkriminalisierung interessant gewesen wäre zu erfahren, wie die jungen Menschen zu diesem Thema stehen. Insgesamt könnten viel deutlicher gesellschaftliche Konfliktfelder benannt werden, die Jugendliche beschäftigen. Dies wäre kein Alarmismus, sondern ein empirisch fundierter Hinweis darauf, wo sich in unterschiedlichen jugendspezifischen Politikfeldern Handlungsbedarf abzeichnet. Leider verschwindet dieses Potenzial hinter allzu flotten und gängigen Formulierungen, die - wie der Untertitel der Studie zeigt - eher vernebeln, als Klarheit zu schaffen. Prof. Dr. Roland Merten Friedrich-Schiller-Universität Jena Institut für Erziehungswissenschaft Am Planetarium 4 07737 Jena DOI 10.2378/ uj2025.art45d Rezensent: Prof. h. c. Dieter Kreft Jg. 1936; Verwaltungs- und Erziehungswissenschaftler, Honorarprofessor der Leuphana Universität Lüneburg Macsenaere, M., Esser, K., Knab, E., Hiller, S., Kieslinger, D. (Hrsg.) (2024): Handbuch der Hilfen zur Erziehung. 2. Aufl. Lambertus-Verlag, Freiburg i. Br. 794 Seiten, ISBN 978-3-7841-3553 3, € 55,- Genau zehn Jahre nach der 1. Auflage 2014 ist die 2. Auflage dieses Handbuchs erschienen. Ein Herausgeber ist hinzugekommen (D. Kieslinger), 395 uj 9 | 2025 Rezensionen der Titel ist von 626 Seiten 2014 auf nun 794 Seiten angewachsen; er passt jetzt gerade noch in einen Paperback-Einband. Erweitert und aktualisiert wurden auch die Herausgeber- und Verlagsangaben. Für eine sorgfältige Aktualisierung spricht außerdem das Ergebnis dieser einfachen Durchsicht: Die Literaturangaben am Ende der ca. 100 Beiträge enthalten fast alle Angaben ab 2015 (also nach Erscheinen der 1. Auflage), nur zehn sind offenbar ohne Aktualisierung geblieben. Zum Inhalt In seinem Aufbau ist das Handbuch unverändert geblieben. Das Werk ist in acht Teile aufgegliedert, darin wird in ca. 100 Beiträgen alles behandelt, was „rund um die Hilfen zur Erziehung“ Bedeutung hat: ➤ Teil 1: Einführung (mit Texten zur Entwicklung und Geschichte der Erziehungshilfen sowie zu rechtlichen Themen) ➤ Teil 2: Gewährungsgrundlagen und Hilfearten (gewissermaßen das Herzstück des Titels, immerhin 140 Seiten umfassend) ➤ Teil 3: Akteure (das Jugendamt, Freie Träger - Wohlfahrtsverbände, Dach- und Fachverbände, Beiträge zu besonderen Adressat: innen) ➤ Teil 4: Politik und Verwaltung (Bund, Länder, Öffentliche Träger, Jugendhilfeausschuss) ➤ Teil 5: (Sozial-)Pädagogische Ansätze (mit Beiträgen zu Grundlagen wie Inklusion und Ethik, zu Theorien und Konzepten, Resilienz und Ressourcenorientierter Pädagogik) ➤ Teil 6: Interdisziplinäre Kooperation (zu speziellen Themen wie IT-Nutzung, Interkulturelles Lernen, Jugendhilfe und (Straf-)Justiz) ➤ Teil 7: Organisation und Struktur der erzieherischen Hilfen (Finanzierung, Qualität, Organisationsentwicklung) ➤ Teil 8: Lehre und Forschung (mit Beiträgen zu Fachschulen/ Akademien, Ausbildung an Hochschulen und Universitäten, Fachkräften sowie zur Forschung) Ein Vorwort der Herausgeber (13 -18) sowie ihr Ausblick in die Zukunft (786 - 793) rahmen die Fachteile. Zu den Herausgebern Die fünf Herausgeber stützen ihre Kompetenzen auf unterschiedliche berufliche Qualifikationen (zwei Psychologen, ein Diplom-Heilpädagoge, ein diplomierter Sozialpädagoge und Betriebswirt sowie ein Sozialmanager und Theologe) und auf Leitungserfahrungen in fachbezogenen Organisationen, u. a. als wiss. Direktor des IKJ Institut für Kinder- und Jugendhilfe und Hochschullehrer, als Geschäftsführer des BVkE Bundesverband Caritas Kinder- und Jugendhilfe e.V. und Geschäftsführer der Liga der Freien Wohlfahrtspflege (794). Der Anspruch „Dieses Handbuch soll in die einzelnen Leistungsbereiche und Handlungsfelder einführen und Aufschluss geben, wohin sie sich in den vergangenen Jahren entwickelt haben und welche Aufgaben sich ihnen in den kommenden Jahren stellen“ (13) und „Erziehungshilfe wird in diesem Handbuch verstanden als ein vielschichtiges System gesetzlicher, politischer, institutioneller und interaktional kommunikativer Strukturen, innerhalb derer eine Vielzahl an Personen mit unterschiedlichsten Interessen agieren“ (15). Bei den Versuchen, rund um die Hilfen zur Erziehung der §§ 27- 41 a SGB VIII alles Wichtige zu behandeln, wirken verschiedene Beiträge (zwangsläufig) wie kurze Lexikonartikel, so z. B. im Abschnitt „Freie Träger - Wohlfahrtsverbände“, in dem für die einzelnen Texte zu den durchaus wichtigen Bundesverbänden gerade einmal 4 - 6 Seiten verbleiben. Auch in Teil 7 sind die einzelnen Beiträge nur (wenn auch durchaus qualifizierte) Einführungen in die hier behandelten speziellen Themen wie bspw. kommunale Finanzierung, Qualität und Orga- 396 uj 9 | 2025 Rezensionen nisationsentwicklung. Da bleibt der Griff zu vertiefender Literatur immer wieder geboten. Fazit Hier wird ein Handbuch zu einem der zentralen Themen der Kinder- und Jugendhilfe aktualisiert, überarbeitet und erweitert, das ein Kernthema der gesamten Sozialen Arbeit umfassend behandelt. Zunächst können Lernende aller Qualifikationsebenen weiterhin davon profitieren, denn sie werden - gemäß den Ansprüchen der Herausgeber - ausführlich sowohl in die Leistungsbereiche und Handlungsfelder als auch in das vielschichtige System der Erziehungshilfe eingeführt. Für Lehrende und bereits berufstätige Kolleg: innen enthält dieses Werk eine orientierende Struktur und im Einzelnen viele Anregungen für verschiedene Handlungsfelder innerhalb der Hilfen zur Erziehung. Das hier vorgelegte erneuerte Handbuch ist zweifellos ein Standardwerk. Prof. h.c. Dieter Kreft Kremie.nuernberg@t-online.de DOI 10.2378/ uj2025.art46d Heynen, S., Jugendamt Stuttgart (Hrsg.) (2024): Stuttgarter Beiträge zur Qualitätsentwicklung und Praxisforschung in der Jugendhilfe. Band 2 Beltz Juventa, Weinheim/ Basel. 268 Seiten, broschiert, ISBN: 978-3-7799-7738-4, € 48,- Rezensent: Prof. Dr. jur. Dr. phil. Reinhard Joachim Wabnitz Assessor jur., Magister rer. publ., Ministerialdirektor a. D., war Professor für Kinder- und Jugendhilferecht und Familienrecht an der Hochschule RheinMain Wiesbaden und zuvor Leiter der Abteilung Kinder und Jugend im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Der zweite Band der Stuttgarter Beiträge zur Qualitätsentwicklung und Praxisforschung bietet einen umfassenden Einblick in die fachliche Vielfalt des Jugendamtes Stuttgart. Herausgegeben wurde der Band von der langjährigen Leiterin des Jugendamtes der Landeshauptstadt Stuttgart Susanne Heynen sowie dem dortigen Jugendamt. Die Beiträge wurden von zahlreichen dort tätigen Mitarbeiter: innen sowie von Autor: innen außerhalb dieser Behörde - aus Praxis und Wissenschaft - geschrieben. Dieser Band beinhaltet Publikationen zu Aufgaben, Entwicklungsprozessen und Forschungsprojekten des Jugendamtes Stuttgart aus den letzten Jahren, stellt die Zusammenarbeit mit den Trägern der freien Jugendhilfe, benachbarten Institutionen und Forschungseinrichtungen, Stuttgarter Kindern und Jugendlichen und ihren Familien dar. Das Werk beinhaltet Beiträge aus fast allen aktuellen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe: ➤ Frühe Hilfen (u. a. über Informationsaneignung von ungewollt Schwangeren, Evaluation der Willkommensbesuche in der Landeshauptstadt Stuttgart) ➤ Kindertagesbetreuung (u. a. Abschlussbericht und Evaluation des Projektes „Kita S-Plus“ der Stadt Stuttgart) ➤ Beratung (u. a. über die Wiedergutmachungskonferenzen im Zusammenhang mit der sog. „Stuttgarter Krawallnacht“ im Jahr 2020, Zukunftsrat - gute Pläne für junge Menschen in schwierigen Lebenssituationen)