eJournals unsere jugend78/1

unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2026.art07d
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2026
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Rezension: Krenz, A. (2024): Berufsbild Erzieher*in - Grundgedanken zum Selbstverständnis eines sehr anspruchsvollen Berufs

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2026
Ferdinand Klein
Durch eigene Praxiserfahrungen in den vergangenen drei Jahren, besonders während seiner zahlreichen Inhouse-Seminare und Teamentwicklungsbegleitungen, kommt der international bekannte Kindheitspädagoge, Wissenschaftsdozent und Sozialbildungsreferent Dr. et Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz unter anderem zu folgenden Ergebnissen, die er gleich im Vorwort herausstellt und die auch für Studium und Praxis der Sozialpädagogik höchst bedeutsam sind, um unprofessionelle Verhaltensmerkmale zu thematisieren und für Abhilfe zu sorgen: Die junge Generation, die heute stark und intensiv mit dem Medium „Smartphone“ und dem Phänomen der „Influencer“ aufwächst, ist besonders „technologieaffin, selbstbezogen, fordernd und erwartungsorientiert“, dass Außenstehende ihre Vorstellungen und Wünsche widerspruchslos erfüllen. Andererseits zeichnet sie sich aber auch im Vergleich zu früheren Generationen durch ein verstärktes Umweltbewusstsein sowie eine gesundheitsbewusste Einstellung aus. Diese Wandlungen gehen an den Kindern, Eltern, sozialpädagogischen Fachkräften, Erzieher:innen und vor allem an der jüngeren Erzieher:innengeneration und den Praktikant:innen nicht spurlos vorbei.
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42 uj 1 | 2026 Rezension Rezensent: Prof. em. Dr. Dr. et Prof. h. c. Ferdinand Klein Jg. 1934; arbeitete als Erzieher und Heilpädagoge an den Universitäten Würzburg, Mainz, Halle-Wittenberg, der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und seit 1997 als Emeritus an der Comenius Universität Bratislava und der Eötvös-Loránd-Universität Budapest Durch eigene Praxiserfahrungen in den vergangenen drei Jahren, besonders während seiner zahlreichen Inhouse-Seminare und Teamentwicklungsbegleitungen, kommt der international bekannte Kindheitspädagoge, Wissenschaftsdozent und Sozialbildungsreferent Dr. et Prof. h.c. Dr. h. c. Armin Krenz unter anderem zu folgenden Ergebnissen, die er gleich im Vorwort herausstellt und die auch für Studium und Praxis der Sozialpädagogik höchst bedeutsam sind, um unprofessionelle Verhaltensmerkmale zu thematisieren und für Abhilfe zu sorgen: Die junge Generation, die heute stark und intensiv mit dem Medium „Smartphone“ und dem Phänomen der „Influencer“ aufwächst, ist besonders „technologieaffin, selbstbezogen, fordernd und erwartungsorientiert“, dass Außenstehende ihre Vorstellungen und Wünsche widerspruchslos erfüllen. Andererseits zeichnet sie sich aber auch im Vergleich zu früheren Generationen durch ein verstärktes Umweltbewusstsein sowie eine gesundheitsbewusste Einstellung aus. Diese Wandlungen gehen an den Kindern, Eltern, sozialpädagogischen Fachkräften, Erzieher: innen und vor allem an der jüngeren Erzieher: innengeneration und den Praktikant: innen nicht spurlos vorbei. Einige Praxisbeispiele sind hervorzuheben: Besonders die jüngere Erzieher: innengeneration sowie viele Quereinsteiger: innen und Praktikant: innen zeigen ein deutliches Desinteresse an Fachliteratur. Sie sind häufig grundsätzlich nicht dazu bereit, berufliche Angelegenheiten in Ausnahmesituationen in ihren privaten Bereich aufzunehmen, halten sich bei notwendigen Problemlösungen zurück und bringen sich bei konstruktiven Lösungsvorschlägen kaum ein, bleiben bei ihren subjektiven Alltagstheorien und „wehren notwendige Sichtweisen entweder kategorisch ab“ oder entziehen sich einem fruchtbaren Gespräch. Sie erleben selbst kleine Anforderungen schnell als Überforderung, lassen sich bei Krankheitssymptomen sofort krankschreiben und blenden dabei die Tatsache aus, dass den Kolleg: innen dadurch eine zusätzliche Arbeit aufgebürdet wird. Außerdem nutzen sie während ihrer Dienstzeit ihr Smartphone, auch wenn dies ausdrücklich im Dienstvertrag untersagt ist. Sie verstehen sich während der Spiel- und Lernzeiten der Kinder als „Zuschauer*in und halten sich als interagierende Mitspieler*in“ heraus. Auf „Störverhalten“ der Kinder reagieren sie mit disziplinierenden Appellen, anstatt sich selbst die Frage zu stellen, welche Bedingungen, aktuellen Situationen oder auch eigenen Verhaltensmerkmale dazu beigetragen haben, dass das Verhalten der Kinder eine Form des „Problemlösungsversuches“ darstellt. Sie haben kaum ein Bewusstsein für die Tatsache, dass ‚Bildung durch Bindung‘ (Krenz/ Klein) untrennbar miteinander verknüpft sind - entsprechend werden den Kindern nur punktuell tragfähige Beziehungsangebote gemacht.Wenn die vielfältigen Praxiserfahrungen des Autors in Beziehung zu einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung über die Folgen der fehlenden Fachkräfte, den zunehmenden Gruppen- und sogar Kitaschließungen, der hohen Krankheitsrate und Überlastung von Kita-Beschäftigten und der deutlichen Zunahme Krenz, A. (2024): Berufsbild Erzieher*in Grundgedanken zum Selbstverständnis eines sehr anspruchsvollen Berufs Burckhardthaus, Freiburg. 168 Seiten, ISBN 978-3-96304-615-5, € 22,- (auch als eBook erhältlich) uj 1 | 2026 43 Rezension an Kündigungen gesetzt werden, bekommt die Aussage der Kita-Expertin der Bertelsmann- Stiftung, Anette Stein, einen noch größeren Bedeutungswert. Sie kommt zu folgendem Schluss: „An gute frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung ist vielerorts gar nicht mehr zu denken.“ Diese skizzierte Ausgangssituation zeigt, dass es für eine nachhaltige entwicklungsförderliche pädagogische Arbeit in Kindertageseinrichtungen um die Berücksichtigung grundlegender Erkenntnisse aus Entwicklungspsychologie, Bildungs- und Erziehungswissenschaft, Neurobiologie und Entwicklungspädagogik gehen muss. Ebenso ist das (Be-)Achten des gesetzlich verankerten Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrags, der bedeutsamen Artikel der UN-Charta (Rechte des Kindes), der länderspezifischen Bildungsrichtlinien und gesellschaftlichen/ sozialpolitischen sowie der ethisch begründeten Begriffe „Partizipation“ und „Inklusion“ dringend geboten. Die Veröffentlichung rückt nun genau diese notwendigen Eckwerte eines überaus bedeutsamen Berufsbildes wieder in den Mittelpunkt und spricht unverzichtbare Notwendigkeiten für eine entwicklungsförderliche Elementarpädagogik an. Die einzelnen Kapitel ➤ Der Beruf der Erzieher*in - herausfordernd, spannend, abwechslungsreich und voller Überraschungen ➤ Das Berufsbild „Erzieher*in“ - herausfordernd, verantwortungsvoll, bedeutsam! ➤ Empfehlungen für eine nachhaltige Bildung, Erziehung und Betreuung, die sich aus dem Berufsbild ergeben ➤ Professionalität ist ein bedeutsamer Aspekt und zugleich eine permanente Herausforderung an Erzieher*innen ➤ Starke Kinder brauchen starke Erzieher*innen, die ihnen Sicherheit und Entwicklungsmöglichkeiten bieten ➤ Grundsatzgedanken zur Bedeutung der Persönlichkeit von Erzieher*innen für entwicklungsförderliche Selbstbildungsprozesse bei Kindern ➤ Die Persönlichkeit der Erzieher*in: Dreh- und Angelpunkt jeder „guten“ Pädagogik ➤ Selbstbildung als Herausforderung und Notwendigkeit - Wer bin ich, was kann ich tun, was bewirke ich? Die Kapitel verstehen sich als hilfreiche Impulse für ein alltagsorientiertes und ganzheitliches Spielen-und-Lernen, die allein oder im Team reflektiert werden können; stets geht es dem Autor um das Recht des Kindes auf ein entwicklungsförderliches Beziehungsangebot. Fazit In der Gesamtschau zeigt sich: Das übersichtlich und mit anregenden Abbildungen gestaltete Studien- und Arbeitsbuch mit seinen berufsspezifischen Grundlagen für eine professionelle Frühpädagogik in aufeinander aufbauenden und verzahnten Schwerpunkten schließt eine seit langer Zeit bestehende Lücke im pädagogischen Literaturangebot. Es ist für künftige Erzieher: innen, Fachschüler: innen in Ausbildungsstätten, bereits tätige Kindheitspädagog: innen und für Träger: innen von Kindertageseinrichtungen höchst bedeutsam. Hervorzuheben sind besonders für die Weiter- und Fortbildung die ausgewählten Literaturhinweise zum Berufsbild pädagogischer Fachkräfte (S. 153 - 160), die Literaturempfehlungen zur Selbstexploration und Persönlichkeitsentwicklung (S. 161 - 164) und die reichhaltige und inhaltsreiche grundlegende Literatur des Autors (S. 165 - 167). Die präzisen wissenschaftlichen und klaren praxisorientierten Aussagen zum beruflichen Selbstverständnis ermöglichen den Leser: innen, eine professionell-reflexive Haltung zu entwickeln. Sie bieten darüber hinaus Potenzial für weitere 44 uj 1 | 2026 Rezension Forschung im Feld der Frühpädagogik und Sozialpädagogik, besonders bei Entwicklungserschwernissen der (auf-)gegebenen Kinder. In allen Ausführungen sind neben der Wissenschaftsorientierung stets die lebenserfüllte Praxis des Autors und sein feinfühlendes inneres Engagement zu spüren. Das Werk ist als Fachlektüre für Praktiker: innen, Studierende, Lehrende an Hochschulen und Träger: innen von Kindertageseinrichtungen dringend zu empfehlen. Prof. em. Dr. Dr. et Prof. h. c. Ferdinand Klein E-Mail: ferdi.klein2@gmail.com DOI 10.2378/ uj2026.art07d a www.reinhardtverlag.de Wandern in der Natur und im Gebirge erfreut sich heute in der Freizeitgestaltung großer Beliebtheit. Betrachtet man die Potenziale des Unterwegsseins im Sinne von persönlicher Wei terentwicklung, entsteht ein wirkungsvolles erlebnispädagogisches Handlungsfeld, das ge rade für heranwachsende junge Menschen ein wichtiger Impulsgeber für die Lebensgestaltung sein kann. Das Buch möchte anregen, für jede Zielgruppe ein individuelles Setting zu entwickeln. Es rich tet sich an Erlebnispädagogen und pädagogin nen sowie an alle pädagogischen Fachkräfte, die mit Gruppen von Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen wandern. Unterwegssein - Erleben - Lernen (erleben & lernen; 24) 2025. 142 Seiten. 20 Abb. 4 Tab. (9783497033225) kt