unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2026.art11d
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"Ich will mich dafür stark machen, dass Pflegekinder zu ihrem Recht kommen können, dass sie gehört werden und ihnen geholfen wird."
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Melissa Manzel
Amina, Luna und Sarah nehmen am Projekt „OMBUD-WAS??!?“ des Kompetenzzentrums Pflegekinder e.V. teil. Im Interview erzählen sie, wie sie zu dem Projekt gekommen sind, worum es dabei geht und was sie zum Mitmachen motiviert.
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72 unsere jugend, 78. Jg., S. 72 - 77 (2026) DOI 10.2378/ uj2026.art11d © Ernst Reinhardt Verlag „Ich will mich dafür stark machen, dass Pflegekinder zu ihrem Recht kommen können, dass sie gehört werden und ihnen geholfen wird.“ Interview mit Careleaver: innen aus dem Projekt OMBUD-WAS? ? ! ? Amina, Luna und Sarah nehmen am Projekt „OMBUD-WAS? ? ! ? “ des Kompetenzzentrums Pflegekinder e. V. teil. Im Interview erzählen sie, wie sie zu dem Projekt gekommen sind, worum es dabei geht und was sie zum Mitmachen motiviert. von Amina Luna Sarah Jg. 2008 Jg. 2002 Jg. 2001 Melissa Manzel Jg. 1992, Soziale Arbeit M. A., wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Münster M: Herzlichen Dank, dass ihr euch bereit erklärt habt, ein Interview zu eurem aktuellen Projekt zu geben! Könnt ihr euch zum Einstieg kurz vorstellen und erzählen, wie ihr zu dem Projekt „OMBUD-WAS? ? ! ? “ gekommen seid? L: Okay, gerne. Ich bin Luna und 22 Jahre alt. Zu dem Projekt bin ich gekommen, weil ich mich selber für Pflegekinder starkmache. Bei dem Träger, von dem Sarah und ich herkommen, habe ich angefangen, mich sehr stark für Pflegekinder einzusetzen, weil ich gemerkt habe, dass es zwar Angebote für jüngere Pflegekinder, aber für Jugendliche und junge Erwachsene einfach kaum noch was bei dem Träger gab. Und dann habe ich ganz viele Ideen gehabt und irgendwann wurde ich von Katrin Behrens vom Kompetenzzentrum Pflegekinder angefragt für ein Projekt, wo es um den Auszug aus Pflegefamilien ging. Da habe ich zwar mitgemacht, aber das Thema hat mich auch sehr eingeschüchtert, weil es eigentlich für mich noch zu weit weg war. Jedenfalls kam daher dann die Anfrage für das aktuelle Projekt. Und dann habe ich mich dafür entschieden mitzumachen und so bin ich dazugekommen. S: Mein Name ist Sarah und ich bin 23 Jahre alt und ich bin so ähnlich zu dem Projekt gekommen. Tatsächlich gab es hier in Bremen eine Veranstaltung, eine Fishbowl-Diskussion, bei der ich für Luna eingesprungen bin, weil sie an dem Tag nicht konnte. Und durch diese Veranstaltung habe ich dann auch Katrin Behrens kennengelernt. Sie hat mich dann direkt zu dem aktuellen Projekt eingeladen. Und nicht mal einen Tag später war ich quasi dabei. A: Ich heiße Amina und bin 16 Jahre alt. Für mich ist OMBUD-WAS? ? ! ? jetzt schon das zweite Projekt, an dem ich teilnehme. Ich habe mit 13 oder 14 Jahren, glaube ich, angefangen bei 73 uj 2 | 2026 Stimmen aus dem Projekt OMBUD-WAS? ? ! ? des Kompetenzzentrums Pflegekinder e.V. meinem ersten Projekt. Da war ich eigentlich viel zu jung. Laut Ausschreibung sollte man eigentlich 16 oder so sein. Aber Katrin meinte, ich könne trotzdem vorbeikommen und mitmachen. Und dann hat es mir einfach sehr gut gefallen. Jetzt wurde ich für ein weiteres Projekt angefragt und freue mich, hier zu sein. M: Amina, jetzt hast du ja gerade schon gesagt, „OMBUD-WAS? ? ! ? “ heißt das Projekt. Das ist ein interessanter Name. Habt ihr euch den selbst ausgedacht oder gab es den schon? Was verbirgt sich hinter diesem Titel? A: Also den gab es schon. Die denken sich beim Kompetenzzentrum Pflegekinder immer sehr schöne Namen für die ganzen Projekte aus. Und diesmal war es dann der. Zum Projektbeginn hatten wir jeweils Workshops alleine. Also wir als Pflegekinder- und Careleaver-Gruppe und die Ombudsleute als Gruppe. Der dritte Workshop war dann eine gemeinsame Veranstaltung. Im ersten Workshop, den wir Careleaver: innen gemacht haben, haben wir größtenteils Fragen an die Ombudsstellen gesammelt. Daraus sind ‚erste Fragen und erste Antworten‘ 1 entstanden. Das sind Videos, wo wir Fragen gestellt haben, die die Ombudspersonen dann beantwortet haben. S: Im Projekt machen wir eigentlich viele kleine Projekte mit verschiedenen Ombudsstellen zusammen, also wirklich quer aus Deutschland. Ziel ist, würde ich sagen, die Ombudschaft bekannter zu machen. Damit Careleaver: innen und Pflegekinder wissen, wo sie hingehen können, wenn sie zum Beispiel Probleme beim Amt haben. Damit sie gehört werden und sich unterstützt fühlen. L: Genau! Wir sind neun Careleaver: innen aus ganz Deutschland. Und aus jedem Bundesland wurde zusätzlich eine Ombudsstelle ausgesucht oder eingeladen. Und die haben wir tatsächlich auch schon im Laufe des Projektes fast alle besucht. Wir haben kleine Interviews mit denen geführt und haben uns ein bisschen connected und kennengelernt. Und in dem großen Treffen mit allen haben wir schon so kleine Sachen erarbeitet. Zum Beispiel haben wir nämlich Aufkleber 2 gemacht. M: Wie seid ihr darauf gekommen, die Aufkleber zu entwickeln? L: Es gab eine Übung, wo gesagt wurde: „Stellt euch vor, es gäbe die Ombudschaft nicht. Was wäre dann eure Superkraft, wenn ihr Hilfe bräuchtet? Oder was ist das, was ihr als Superkraft gerne hättet? “. Aus dieser Frage entstand eine kreative Situation, wo wir uns alle unsere Superkraft ausmalen konnten. Und dann kamen wir tatsächlich wirklich just for fun eigentlich dazu, daraus Aufkleber zu machen. Die haben wir dann mit einem Illustrator verwirklicht und jetzt tatsächlich produziert. Genau, und dann haben wir noch so andere kleine Projekte. Wir sind gerade dabei, ein Spiel zu entwickeln und wir haben Interviews geführt, die als Podcast hochgeladen werden. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist auch unsere 1 Die Videos sind hier zu finden: https: / / jugendhilfe-nachgefragt.de/ ombud-was/ 2 Alle Aufkleber sind hier zu finden: https: / / kompetenzzentrum-pflegekinder.de/ projekte/ ombud-was/ Abbildung: Kompetenzzentrum Pflegekinder e.V. 74 uj 2 | 2026 Stimmen aus dem Projekt OMBUD-WAS? ? ! ? des Kompetenzzentrums Pflegekinder e.V. Abschlussveranstaltung am 12. 01. 2026, die heißt „Konflikte in der Pflegekinderhilfe. Zusatzkraft durch Ombudschaft“. Dafür erarbeiten wir gerade auch ganz, ganz viel. M: Was erwartet denn die Teilnehmenden eurer Abschlussveranstaltung? A: Ganz viele verschiedene Sachen. Wir planen Diskussionsrunden, eine kleine Ausstellung, Lesungen von eigenen Texten, Fragen und Antworten - wobei manches vielleicht auch unbeantwortet bleibt. Es geht bei allem um Kinderrechte, Beteiligung, Feedback, Beschwerde und Ombudschaft. M: Ihr habt vorhin gesagt, dass am Projekt neun Careleaver: innen beteiligt sind. Sind alle Careleaver: innen aus Pflegefamilien? L: Die meisten sind, glaube ich, aus Pflegefamilien. Aber selbst da gibt es ja noch andere Stufen. Also es gibt ja nicht nur die Vollzeitpflegefamilien, sondern auch die Verwandtenpflege und so weiter und so fort. Aber ich glaube, wir haben keine Person dabei, die nur in einer Wohngruppe gelebt hat. S: Ich kann mich, glaube ich, an eine Person erinnern, die beides erlebt hat, Pflegefamilie und Heimeinrichtung. Wir teilen auf jeden Fall alle die Grunderfahrung Jugendhilfe, über die wir uns austauschen können. A: Ich zum Beispiel lebe auch noch in der Pflegefamilie. Aber ich glaube, der Rest mittlerweile nicht mehr, oder? S: Ich bin auch noch in der Jugendhilfe. Aber jetzt in der ambulanten Jugendhilfe. Und ich meine, es ist noch jemand aus der ambulanten Jugendpflege dabei. L: Das ist eigentlich ganz cool, dass wir so verschiedene Erfahrungen dabei haben: Careleaver: innen und Leute, die zwar aus der Pflegefamilie raus, aber noch in der Jugendhilfe sind. Es ist total spannend, die ganzen Möglichkeiten zu sehen. M: Das klingt nach einem richtig guten Austausch! Wenn ihr dann die Ombudsstellen besucht, seid ihr aber wahrscheinlich nicht immer zu neunt, oder? Wie kann ich mir diese Besuche vorstellen? A: Genau. Das richtet sich danach, wer halt wo wohnt. Ich war jetzt zum Beispiel in Bremen spontan mit, weil ich Zeit hatte und in Hamburg dabei, weil ich da wohne. Und die, die eher im Süden leben, die gehen dann eher zu denen, die auch im Süden sind. L: Also ich war zum Beispiel auch in Bremen dabei und dann hatten wir nochmal das Glück, dass wir auch in Berlin eine Ombudsstelle besuchen konnten. Ich habe alle anderen nicht besucht, weil ich das zeitlich gar nicht hinbekommen hab, weil ich ja berufstätig bin. Das, was wir hier machen, ist ja unsere Freizeit. Deshalb muss man halt immer schauen: Was ist wie machbar? M: Das kann ich gut verstehen! Was motiviert euch überhaupt dazu, eure Freizeit für das Projekt zu investieren? S: Ich komme ja aus der Verwandtenpflege und da gab’s halt ganz, ganz, ganz viele Konflikte. Sowas betrifft eigentlich alle in Pflegefamilien. Und ich will mich dafür starkmachen, dass Pflegekinder zu ihrem Recht kommen können, dass sie gehört werden und ihnen geholfen wird. Außerdem arbeite ich auch einfach gern mit anderen zusammen. Mich motiviert, es zu wissen und auch zu fühlen: Ich tue was Gutes, ich kann was Gutes bezwecken. Das finde ich schön. L: Ja genau! Bei mir war es noch so, dass ich gemerkt habe, es gibt für mich als Careleaverin nicht mehr so viele Möglichkeiten, Sachen in der Jugendhilfe zu machen. Ich will mich deshalb stark machen für Projekte wie dieses, 75 uj 2 | 2026 Stimmen aus dem Projekt OMBUD-WAS? ? ! ? des Kompetenzzentrums Pflegekinder e.V. damit die nächsten Careleaver: innen mehr Möglichkeiten haben. Dabei wurde ich von meinem Träger super krass unterstützt, ich bin mit denen im engen Austausch. Die fragen mich zum Beispiel, was ich zurzeit brauche, was mir vorschwebt. Das finde ich total schön, denn normalerweise hast du ja als Careleaverin nicht mehr so viel Kontakt zu dem Träger, der dir geholfen hat. Und wir haben das Glück, dass unser Träger gesagt hat: ‚Nö, ihr seid uns trotzdem wichtig! Wir haben euch mit aufwachsen sehen, wir möchten euch trotzdem noch unterstützen, und euch die Möglichkeit geben, euch da irgendwie auszutauschen untereinander und so.‘ Das berührt mich einfach krass, dass die mir da auch so entgegengekommen sind und mir auch die ganze Zeit immer gesagt haben: ‚Hey, du machst das gut, was du tust und dank dir konnten wir wachsen, dank dir konnten wir jetzt viele Dinge machen, die wir vorher gar nicht gesehen hätten.‘ Und das hat mich dann irgendwie voll motiviert. A: Bei mir war es am Anfang tatsächlich so eine Sache von: ‚Oh, da ist ein Projekt, ich spring da jetzt mal rein, mach da mal mit! ‘. Weitergemacht habe ich halt auch, weil es einfach megaschön war. Für mich fühlt es sich größtenteils in meinem Leben so an, als würde ich ein Doppelleben führen. In meinem normalen Alltag weiß kein Mensch, dass ich ein Pflegekind bin. Es ist auch irgendwie oft nicht Teil meines Lebens, bis es dann irgendwann mal wieder auftaucht, weil ich irgendwo hinmuss, einen Termin hab oder so. Und ich wusste gar nicht, dass es da so eine deutschlandweite Community gibt, mit denen man reden kann, mit denen man sich austauschen kann. Das war lange in meinem Kopf gar nicht vorhanden, diese Möglichkeit, sich mit anderen Gleichgesinnten zu verbinden und mit denen zu reden und Erfahrungen auszutauschen. Als das dann das erste Mal passiert ist und ich da so Leute getroffen hab, die gesagt haben: ‚Ey, wir relaten zu deinem Leben. Du bist nicht alleine.‘, das war so schön, dass ich seitdem mitgemacht hab, weil ich immer wieder tolle neue Leute kennenlerne. L: Ich muss Amina definitiv Recht geben! Es motiviert unfassbar doll, wenn man wirklich Leute kennenlernt, die einen verstehen und mit denen man sich anders austauschen kann, als mit seinen eigenen Freunden. Mein Umfeld weiß zwar, dass ich ein Pflegekind bin, aber die können nicht relaten, die können es nicht nachempfinden, was ich manchmal für Probleme habe. Aber Sarah und Amina können das zum Beispiel. Wir sind einfach durch das Projekt ultra eng zusammengewachsen und gute Freundinnen geworden. Das ist einfach super schön, weil man weiß, man kann sich jederzeit melden und wir sind einfach füreinander da, weil man sich versteht, weil man das nachempfinden kann, was die andere durchgemacht hat. M: Wow, danke für eure Antworten. Das ist total vielschichtig; so viele Aspekte, die euch dazu motivieren. Gibt es vielleicht auch was, wo ihr sagt: ‚Da habe ich was Spannendes gelernt! ‘ oder ‚Das hat mir besonders gut gefallen an dieser bisherigen Projektzeit.‘? L: Ich fand spannend, dass jede Ombudschaft einfach anders gestaltet ist. Zum Beispiel war die in Bremen innen drin einfach ganz anders als zum Beispiel die in Berlin. Jede hat irgendwie so ihren individuellen Touch, würde ich jetzt mal behaupten. S: Ja, die Ombudsstellen zu besuchen war einfach richtig interessant. Ich fand es zum Beispiel total gut, dass einige Ombudsstellen juristische Personen vor Ort haben, die einen beraten können. A: Also ich habe auch noch sehr, sehr viel gelernt über die Rechte von Pflegekindern. Zum Beispiel, dass man tatsächlich eine Person mitnehmen kann zum Hilfeplangespräch. Dass man das tatsächlich darf, eine Vertrauensperson einfach so mitbringen, und dass das eigentlich auch jede Person im Leben sein kann, das wusste ich vorher nicht. Ich finde es richtig wichtig, solche Dinge zu wissen. Mir hat das auf jeden Fall schon geholfen. 76 uj 2 | 2026 Stimmen aus dem Projekt OMBUD-WAS? ? ! ? des Kompetenzzentrums Pflegekinder e.V. M: Kanntet ihr denn vor dem Projekt Ombudsstellen aus eigener Erfahrung? Oder hattet ihr andere Erfahrungen mit Beschwerden in der Jugendhilfe? S: Das ist tatsächlich ganz witzig. Mir ist erst im Projekt klar geworden, dass ich schonmal bei einer gewesen bin. Das war mir selber vorher gar nicht bewusst, weil ich den Begriff nicht so auf dem Schirm hatte. Aber die meisten anderen kannten Ombudsstellen vorher gar nicht. L: Ich zum Beispiel hätte gerne damals gewusst, dass man sich irgendwo beschweren kann über das Jugendamt. Nicht, weil es bei mir krass Probleme gab, sondern bei mir gab es super viele Wechsel immer wieder von den Zuständigkeiten oder zuständigen Personen. Das hat mich dann einfach irgendwann super abgenervt und da hätte ich gerne nochmal eine Außenperson gehabt, die darauf ein Auge hat. Das Schlagwort Ombudsstelle ist irgendwie nie gefallen. Also das hat mir so ein bisschen gefehlt. S: Ja, das hat mir auch gefehlt. Also innerhalb der Pflegefamilie würde ich sagen, habe ich mich schon beschwert. Aber das Jugendamt hat das Wort Ombudschaft ziemlich klein gehalten oder vielleicht nur nebenbei kurz angeschnitten, aber nie gesagt: ‚Hey, das ist eine Möglichkeit, wo du dich beschweren darfst.‘ oder ‚Wir geben dir den Raum dafür.‘. Das war schon ein schwieriges Thema. M: Ihr habt ja vorhin auch schon gesagt, ein Ziel des Projektes ist es, dass Ombudsstellen bekannter werden sollen. Wie würdet ihr jetzt mit den Erfahrungen von eurem Projekt sagen, sollte ein perfektes Beschwerdesystem aussehen für Pflegekinder? Oder was bräuchte es dafür, damit das richtig, richtig gut läuft? S: Also ich würde sagen, dass man zum Beispiel Ombudsstellen einheitlich betiteln sollte. Viele wissen ja gar nicht, dass das überhaupt eine Beratungsstelle ist, wo man hingehen kann. M: Was wäre zum Beispiel ein guter Name? L: Schwierig, vielleicht haben die anderen eine Idee. Am besten was mit ‚Beratungsstelle‘, damit klar wird, dass man sich beraten lassen kann. A: Ich finde halt auch, Ombudschaft an sich ist so ein Begriff, da können die meisten Leute nichts mit anfangen, egal für welchen Bereich die Ombudschaft ist. Ich glaube, wenn man einfach mal so Leute auf der Straße fragen würde: ‚Wissen Sie, was eine Ombudschaft ist? ‘, dann hätten die vielleicht so ungefähr eine Ahnung. Aber dass es dann auch noch eine für die Kinder- und Jugendhilfe gibt, ich glaube, das wissen wirklich die Allerallerwenigsten. Warum nennt man es also nicht einfach, wie es eben ist? Es ist eine Beratungsstelle oder, keine Ahnung, ‚Helfer in der Jugendhilfe‘ oder sowas. Man hört vom Namen her einfach nicht, was es ist. Man liest diesen Namen und denkt sich: ‚Was ist das denn? - Habe ich noch nie gehört‘. M: Ja, das verstehe ich gut! Gibt es denn bis auf den Namen noch etwas, was anders sein müsste für ein richtig gutes Beschwerdesystem für Pflegekinder? A: Ich finde die Zugänglichkeit ganz wichtig. Bei einer Ombudsstelle war es so, dass das so versteckt hinter einem anderen Gebäude in irgendeiner Straße war, die aussah wie ein Privatweg. Das ist natürlich nicht so zugänglich. Es gibt ja auch die Idee, dass das im Jugendamt drin ist. Das finde ich aber auch blöd, muss ich sagen. Einfach weil ich meine, es wäre besser, wenn es nochmal ein individueller Ort ist. Man geht ja nicht wirklich in das Jugendamt rein, um dann irgendwie in die Ombudschaft reinzugehen und sich dann erstmal zu beschweren, während neben einem im nächsten Raum die Person sitzt, über die man sich beschwert. Also idealerweise müsste es halt irgendein Ort sein, der auch gut zugänglich ist, aber nicht im Jugendamt. 77 uj 2 | 2026 Stimmen aus dem Projekt OMBUD-WAS? ? ! ? des Kompetenzzentrums Pflegekinder e.V. S: Ja, stimmt. Ansonsten ist eigentlich auch schon vieles sehr gut, wie es ist. Zum Beispiel, dass eigentlich alle Ombudsstellen über Telefon, SMS, E-Mail oder WhatsApp erreichbar sind. M: Wo ihr die Erreichbarkeit schon ansprecht: Ich weiß, dass die Ombudsstellen sich durchaus auch Gedanken machen über Social Media. Also Instagram, TikTok und so. Habt ihr da auch Einblick? Wie würdet ihr das sehen? S: Das ist ganz spannend, weil es überall so unterschiedlich läuft. Social Media war auch Thema, als wir die größere Austauschveranstaltung hatten mit den Ombudspersonen. Dadurch ist tatsächlich auch eine Gruppe entstanden, die sich genau damit beschäftigt. Die Kanäle, wo Ombudsstellen vertreten sind, versuchen wir selber auch weiterzugeben, damit das Angebot bekannter wird. M: Vielen Dank für die vielen Informationen zu eurem Projekt! Ich würde zum Abschluss noch eine letzte Frage stellen, die etwas darüber hinausgeht. Unsere Zeitschrift wird ja vor allem von Fachkräften aus der Jugendhilfe gelesen. Gibt es was, was ihr denen noch mitgeben wollt? Etwas, was ihr wichtig findet, was sich Fachkräfte zu Herzen nehmen sollten aus der Perspektive von Careleaver: innen? S: Ich finde ganz wichtig, dass man immer miteinander redet und nicht übereinander. Und dass man weniger Angst vor Kritik haben sollte. A: Also ich würde Fachkräften gegenüber sagen: Bemüht euch möglichst auf Augenhöhe mit den Leuten zu reden, egal mit wem ihr sprecht, und versucht auch verständnisvoll zu sein. Ich bemühe mich auch umgekehrt, möglichst mit Fachkräften immer verständnisvoll zu sein, wenn die zum Beispiel ein paar Minuten zu spät kommen, zu irgendeinem Termin oder so. Die sind auch nur Menschen und die haben auch Sachen im Leben, die mal passieren. L: Ich finde wichtig, dass die Fachkräfte den Careleaver: innen noch mehr entgegenkommen sollten, dass sie weiter betreut werden und eine Anlaufstelle haben, wo sie wissen: „Da kann ich immer hingehen.“ Und ich finde auch gut, wenn sie offen sind für neue Projekte MIT Careleaver: innen. M: Ganz herzlichen Dank für diese abschließenden Worte und eure Zeit! Kompetenzzentrum Pflegekinder e.V. E-Mail: info@kompetenzzentrum-pflegekinder.de Melissa Manzel E-Mail: melissa.manzel@uni-muenster.de
