eJournals unsere jugend78/2

unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2026.art13d
4_078_2026_2/4_078_2026_2.pdf21
2026
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Rezension: Ferdinand Klein (2024): Neue Herausforderungen der pädagogischen Fachkraft. Aus der Idee des Guten die Praxis in Kindertageseinrichtungen gestalten

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2026
Götz Kaschubowski
In sieben Kapiteln bringt uns der Erzieher, Heilpädagoge, Lehrer und Hochschullehrer die Erfahrungen und Reflektionen eines langen Lebens näher. Gleich im ersten Kapitel stellt er die Sinnfrage in Zeiten, die durch radikale weltweite Veränderungen gezeichnet sind. Darf die Liebe zum Leben dennoch gelebt werden? Leistungssteigerung und Konkurrenzdenken erzeugen Selektion, verdrängen die Schwächeren. Diese Praxis der Starken ist mit Eile verbunden. Geht Pädagogik aber nicht mit Feinfühligkeit einher? Feinfühligkeit braucht dagegen Zeit.
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90 uj 2 | 2026 Rezension Rezensent: Dr. päd. Götz Kaschubowski Schulleiter einer Förderschule und Dozent in heilpädagogischen Studien- und Ausbildungsgängen In sieben Kapiteln bringt uns der Erzieher, Heilpädagoge, Lehrer und Hochschullehrer die Erfahrungen und Reflektionen eines langen Lebens näher. Gleich im ersten Kapitel stellt er die Sinnfrage in Zeiten, die durch radikale weltweite Veränderungen gezeichnet sind. Darf die Liebe zum Leben dennoch gelebt werden? Leistungssteigerung und Konkurrenzdenken erzeugen Selektion, verdrängen die Schwächeren. Diese Praxis der Starken ist mit Eile verbunden. Geht Pädagogik aber nicht mit Feinfühligkeit einher? Feinfühligkeit braucht dagegen Zeit. Diesen Fragestellungen folgt ein zweites Kapitel zum „Situationsorientierten Ansatz“ - ein methodischer Aufsatz. Klein sieht in der Situationsorientierung eine ganzheitliche und damit heilende Erziehung. In diesem Kapitel verdichten sich Inhalte der kompletten Erzieher: innenausbildung. Im dritten Kapitel „Die Liebe zum Leben achtet die Würde des Kindes“ differenziert Klein nicht mehr zwischen Pädagogik und Heilpädagogik. Er meint vielmehr, dass die pädagogische Fachkraft den von Hartmut Rosa sogenannten Resonanzraum herstellt, der das Kind Selbstwirksamkeit erleben lässt. Wer so denkt, darf den „pädagogischen Takt“ Herbarts nicht vergessen. Im vierten Kapitel zu Klassikern der Pädagogik fragt Klein nach der Entstehung des Erziehungsgedankens. Legt ein theoretisches Konzept pädagogisches Handeln fest oder orientieren Erzieher: innen jeweils individuell ihr Konzept am guten Handeln und können so ihr professionelles Handeln weiter ausbilden? In den Kapiteln fünf und sieben reflektiert Ferdinand Klein seine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit dem international renommierten Neuropädiater Gerhard Neuhäuser. Aus der guten Zusammenarbeit von Arzt und (Heil-)pädagog: innen erwuchs das Konzept der Therapeutischen Erziehung. Am Beispiel des Autismus macht Klein deutlich, wie beide Professionen im Sich-Einlassen auf Phänomene ihre jeweiligen Handlungskompetenzen erweitern können. Und schließlich wird das Tabuthema Tod bearbeitet. Es gehört spätestens mit Korczaks Einsatz für jüdische Waisenkinder historisch in unsere Arbeitsfelder. Es gehört aber auch in den (heil-)pädagogischen Alltag mit mehrfach schwerstbehinderten oder todkranken Kindern im Hospizalltag. „Das Kind ist bis zum Lebensende in seiner Würde zu achten“, so die Auffassung des Autors. Fazit: Einer der großen alten Erziehungswissenschaftler legt ein Büchlein vor, voll mit guten Gedanken, über die man sich freuen, staunen und nachdenken kann. Ferdinand Klein untermauert gerade in den letzten Kapiteln seine Erfahrungen und Ideen mit kleinen Fallgeschichten. Das macht das Werk sehr lebendig. Der Rezensent hofft, dass nicht nur Studierende, sondern auch gestandene Fachkräfte - wie er selbst - dieses Büchlein genießen werden. Dr. päd. Götz Kaschubowski DOI 10.2378/ uj2026.art13d Ferdinand Klein (2024): Neue Herausforderungen der pädagogischen Fachkraft Aus der Idee des Guten die Praxis in Kindertageseinrichtungen gestalten Kartoniert: 145 Seiten, € 14,95, ISBN: 978-3-8029-8445-7