eJournals unsere jugend78/3

unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2026.art16d
4_078_2026_3/4_078_2026_3.pdf31
2026
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"... weil ich halt einfach gelernt habe, dass es keine sicheren Orte gibt". - Queere Lebensrealitäten in und um Jugend- und Wohnungsnothilfen

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2026
Eva van Koolwijk
Julia Oertelt
In dem Beitrag wird diskutiert, welche spezifischen Umstände sich für Menschen ergeben, bei denen die Vielfaltsdimensionen jung, queer und wohnungslosigkeitserfahren miteinander verwoben sind. Welche Hilfesysteme kommen (nicht) infrage? Welche Veränderungen hin zu queer-freundlicheren Hilfesystemen für junge Menschen sind notwendig?
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108 unsere jugend, 78. Jg., S. 108 - 119 (2026) DOI 10.2378/ uj2026.art16d © Ernst Reinhardt Verlag „…weil ich halt einfach gelernt habe, dass es keine sicheren Orte gibt“. - Queere Lebensrealitäten in und um Jugend- und Wohnungsnothilfen In dem Beitrag wird diskutiert, welche spezifischen Umstände sich für Menschen ergeben, bei denen die Vielfaltsdimensionen jung, queer und wohnungslosigkeitserfahren miteinander verwoben sind. Welche Hilfesysteme kommen (nicht) infrage? Welche Veränderungen hin zu queerfreundlicheren Hilfesystemen für junge Menschen sind notwendig? von Eva van Koolwijk Jg. 1997, Erziehungswissenschaft M. A., wissenschaftliches Personal an der Universität Münster, schreibt aus einer queeren Perspektive. Eva van Koolwijk forscht im Rahmen der Dissertation qualitativ zu dem Thema Queers in Wohnungsnot mit einem Schwerpunkt auf biografische Erzählungen. Hierfür wurden elf (Stand November 2025) biografisch-narrative Interviews mit queeren und wohnungslosigkeitserfahrenen Menschen geführt. Die Altersverteilung der befragten Personen liegt aktuell bei 19 - 52 Jahren; davon waren acht Menschen unter 27 Jahre alt. Julia Oertelt (vormals einbenannt Bathaeian) Jg. 1992, Masterstudiengang Soziale Inklusion: Gesundheit und Bildung, wissenschaftliche Hilfskraft im Sozial-Wissenschaftsladen an der EvH Bochum, Erfahrungsexpert: in 1 : schreibt aus einer minderjährig wohnungslosigkeitserfahrenen und queeren Perspektive. Julia Oertelt führte eine eigene qualitative Erhebung im Rahmen der Bachelorthesis in 2024 durch. Schwerpunkt der Thesis war die Herausarbeitung von Konsequenzen für Fachkräfte und Einrichtungen in der ambulanten Wohnungsnothilfe in Bezug auf queere wohnungslose Menschen. Im Rahmen einer explorativen Studie wurden drei Erfahrungsexpert: inneninterviews mit narrativem Anteil geführt. Die Altersverteilung der befragten TIN* 2 -Personen beschränkt sich auf unter 27-jährige. Der Forschungsstand zu den Schnittstellen Queerness, junge Menschen und Wohnungslosigkeit in Deutschland ist überschaubar. Die (laufenden) Forschungsarbeiten der Autor: innen adressieren diese Leerstellen und geben, verknüpft mit (inter-)nationalen Studien, Einblicke in Lebenswelten junger Queers mit Wohnungslosigkeitserfahrung. Im Folgenden werden zunächst die verwendeten Begrifflichkeiten, die für die Bearbeitung des Themenkomplexes jung, queer, wohnungslosigkeitserfahren in diesem Artikel genutzt werden, aufgeführt. Anschließend werden einige Risikofelder, die sich auf die Wohnungslosigkeitssituation von jungen queeren Menschen auswirken, aufgezeigt. Wohnungslos, Wohnungslosigkeitserfahren, Wohnungsnotfall Mit Blick auf die internationalen Studien wird deutlich, dass verschiedene Begrifflichkeiten und Verständnisse in Bezug auf die Wohnsituationen von jungen Queers genutzt werden. Um die Ergebnisse von allen verwendeten Studien miteinzubeziehen, haben wir uns entschieden in Bezug auf die internationalen Studien von Wohnungsnot, Wohnungsnotfall und Menschen mit Wohnungsnotfallerfahrung 3 zu sprechen. 109 uj 3 | 2026 Queer in und um Jugend- und Wohnungsnothilfen Der Begriff Wohnungsnotfall wird als weiter gefasster Begriff verstanden und berücksichtigt neben Menschen, die akut wohnungslos sind, auch Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind oder in unzumutbaren Wohnverhältnissen leben (BAG W e.V. 2025 a). Der Begriff nimmt somit vielfältigere prekäre Erfahrungen in Bezug auf Wohnsituationen in den Blick. In Bezug auf die deutschen Studien und auf unsere eigenen Ergebnisse sprechen wir von jungen Menschen, die wohnungslosigkeitserfahren sind, da in diesen Studien ausschließlich Menschen mit akuten oder vergangenen Erfahrungen mit Wohnungslosigkeit befragt wurden. Unter Wohnungslosigkeitserfahren verstehen wir Menschen, die (teilweise) im öffentlichen Raum und/ oder Einrichtungen leben/ gelebt haben sowie bei Freund: innen und Bekannten unterkommen oder in einem Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln leben/ gelebt haben. Queer - Was meinen wir damit? Auch bezüglich des Begriffs ‚queer‘ gibt es vielfältige Perspektiven. In diesem Text nutzen wir ‚queer‘ als Schirmbegriff für alle Menschen, die sich in ihren (a)sexuellen, (a)geschlechtlichen, körperlichen oder (a)romantischen Identitäten und Beziehungsformen von heteronormativen 4 Lebensweisen unterscheiden. An einigen Stellen greifen wir dennoch auf Akronyme zurück, wenn sich die Literatur auf eine spezifische Gruppe queerer Communitys bezieht. Aufgrund der geringen Datenlage und dem Ziel, einen Überblick zu geben, scheint uns die Arbeit mit dem umfassenden Begriff ‚queer‘ eine gute Möglichkeit, um Erkenntnisse für queere Communitys im Allgemeinen zu erarbeiten. Junge Menschen In den verschiedenen internationalen Studien wurde entweder der Fokus auf junge Menschen gelegt oder deutlich, dass insbesondere junge queere wohnungslosigkeitserfahrene Menschen erreicht wurden. Hierbei wurden in den internationalen Studien unterschiedliche Altersgrenzen gesetzt, um‚junge Menschen‘ zu beschreiben. Zumeist wurden junge Menschen als unter 30-jährige bezeichnet. Die Ergebnisse aus unseren Studien beziehen sich auf junge Menschen die jünger als 27 Jahre alt sind, womit wir uns an der deutschen gesetzlichen Begriffsbestimmung (§ 7 Abs. 1 Nr. 4 SGB VIII) orientieren. Junge Queers mit Wohnungslosigkeitserfahrung - (k)eine Ausnahme? ! Mit Blick auf internationale Studien aus dem englischsprachigen Raum fällt auf, dass junge Queers in Wohnungsnot im Vergleich zu nicht queeren jungen Menschen in Wohnungsnot überrepräsentiert sind (The Albert Kennedy Trust 2015, 13; Abramovich 2012, 29; DeChants et al. 2021, 12). In Zahlen zeigt sich diese Überrepräsentation in einer kanadischen Studie in einem Verhältnis von 25 - 40 % von jungen Wohnungslosen LGBTQ 5 -Personen im Vergleich zu 5 -10 % von LGBTQ-Personen auf die Gesamtbevölkerung berechnet (Abramovich 2012, 30). In einer US-amerikanischen Studie, die 2021 vom Trevor Project veröffentlicht wurde, sind 29 % der LGB-Jugendlichen von Wohnungslosigkeit betroffen, wobei LGB-Jugendliche in Bezug auf die Gesamtpopulation nur 7 - 9 % ausmachen (DeChants et al. 2021, 6). Zudem sind 23 % der trans* Personen im Alter von 18 - 25 Jahren wohnungsnotfallerfahren (ebd.). Diese Erkenntnisse decken sich mit Ergebnissen einer EU-Studie, in der ebenfalls 23 % der 15 - 24-jährigen trans* Personen angab, Erfahrungen mit Wohnungsnot zu haben (TGEU 2021, 9). Laut einer aktuellen Studie von Ipsos (2025) identifizieren sich etwa 12 % der Menschen in Deutschland als LGBTQIA+ (ebd., o. S.), was bei einer Bevölkerungszahl von ca. 83,5 Millionen (Stand 30. 6. 2025) ca. 10 Millionen queere Men- 110 uj 3 | 2026 Queer in und um Jugend- und Wohnungsnothilfen schen ausmacht. Führt man die Hochrechnung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAG W) zu Wohnungsnotfällen in Deutschland im Laufe des Jahres 2024 (1.029.000) (BAG W 2025 b, 1) mit den 12 % an queer identifizierten Menschen in Deutschland aus der Ipsos-Studie (2025) zusammen, so ergibt sich mindestens ein Anteil von 123.480 queeren Menschen in Wohnungsnot. Wobei in dieser Rechnung die Überrepräsentationen von queeren Menschen in Wohnungslosigkeit, die sich in den internationalen Studien (Kanada; USA) gezeigt haben, nicht berücksichtigt wurden. Man könnte daraus schließen, dass die Zahl junger wohnungslosigkeitserfahrener Queers in Deutschland dementsprechend noch deutlich höher ausfallen müsste. Unter Einbezug unseres eigenen Datenmaterials und dem wissenschaftlichen Forschungsstand werden wir nun exemplarisch zeigen, welche Erfahrungen von jungen queeren wohnungslosigkeitserfahrenen Menschen hinter den Zahlen stehen können. Coming-out in der (Herkunfts-) Familie als eine zentrale Bruchstelle Die eigene(n) queere(n) Identität(en) stellen für queere Menschen selbst zunächst kein Problem dar. Es ist das heteronormative Umfeld auf verschiedenen Ebenen, welches irritiert reagiert und Diskriminierungen ausübt. „Meine […] damalige Freundin meinte halt, wenn ich es denen erzähl, ähm und dann halt irgendwas passiert, dann komm ich bei ihr unter, das ist kein Film, das ist mit ihren Eltern schon abgesprochen. Die wissen da auch Bescheid […] denen ist das eigentlich, ganz egal wie ich mich identifizier. Und ja dann hab‘ ich es halt am nächsten Tag meiner Mutter erzählt, […] die hat es natürlich nicht so gut aufgenommen, also, wie gesagt diese Ansichten, die da halt sind, ähm ja und dann wurde ich rausgeschmissen […]“ (JQP 3). In der Erzählung wird deutlich, dass die junge Person vor dem Coming-out bei den Eltern mit einer negativen Reaktion gerechnet und sich auf mögliche Konsequenzen vorbereitet hat. Das Planen eines Coming-outs ist eine Strategie, die viele junge queere Menschen nutzen, um handlungsfähig zu bleiben (Oldemeier 2018, 15f ). Hier wurden für den Fall, dass „irgendwas passiert“ bereits Vorkehrungen und Absprachen mit der damaligen Freundin und deren Eltern getroffen. Instabile und konfliktgeladene (Herkunfts-)Familienverhältnisse 6 werden unabhängig von einer queeren Lebensweise als Auslöser für Wohnungsnotfälle genannt (Abramovich 2012, 30; Spollen 2023, 15). Allerdings lässt sich ausmachen, dass familiäre Konfliktlagen bei queeren Menschen häufig mit ihren queeren Identitäten, beispielsweise mit einem Coming-out, zusammenhängen (The Albert Kennedy Trust 2015, 2, 9; Abramovich 2012, 30; Project Outside 2022, 86). Queerfeindliche 7 Haltungen in (Herkunfts-)Familien und kulturell bedingte Normen sowie religiöse Einstellungen in Bezug auf queere Identitäten wirken sich auf die Wohnsituationen junger Menschen aus (Project Outside 2022, 84; Giménez Rodríguez et al. 2019, 51; Schmitz/ Tyler 2018, 1196). Bei Nicht- Akzeptanz der Familie führt dies häufig zu einem Rausschmiss und dem Wegfall von familiären Ressourcen (Štefanec/ Morić 2021, 72f ). Das Verlassenmüssen der aktuellen Wohnsituation aufgrund von Queerfeindlichkeit führt somit zu einer Wohnungsnotfallsituation. Auch die wenigen nationalen Studien, in denen Erfahrungsexpert: innen zu der Schnittstelle Queerness und Wohnungslosigkeit befragt wurden (Ohms 2019; Steckelberg/ Eiffler 2023), weisen auf risikobehaftete Zusammenhänge hin. Ohms (2019) zeigt ein „Coming-out als LSBT*I*Q als Risikofaktor für Wohnungslosigkeit“ auf (ebd., 15). Das Risikopotenzial eines Coming-outs wird auch anhand der Ergebnisse der„Coming-out - und dann …? ! “-Studie von Krell und Oldemeier (2017) deutlich: Von 111 uj 3 | 2026 Queer in und um Jugend- und Wohnungsnothilfen den insgesamt 5.037 befragten jungen Queers 8 gaben 2.065 (44 %) an, in der (Herkunfts-)Familie Diskriminierungen erfahren zu haben (ebd., 102). Von diesen 2.065 Teilnehmer: innen gaben 2,9 % an, körperliche Gewalt erfahren zu haben (ebd., 103). Weiter wurden 4,3 % Gewalt und 8,7 % andere Strafen angedroht (ebd.). Zudem gaben 11,2 % an, von ihren (Herkunfts-)Familien ausgeschlossen oder ausgegrenzt worden zu sein (ebd.). Es wird deutlich, dass insbesondere Coming-outs oder (Fremd) Outings 9 zu gewaltvollen und gefährlichen (Wohn-)Situationen für queere Menschen führen können. Schulen als (un)sichere Orte Neben der (Herkunfts-)Familie verbringen junge Menschen insbesondere in Schulen einen Großteil des Alltags. Hierbei kann Schule als sicherer Ort, der soziale Beziehungen und Abstand von problembehafteten Herkunftskontexten ermöglicht, erlebt werden (Annen/ Kliche 2024, 164f ). Schulen als sichere Orte können somit gerade für junge Menschen in konfliktreichen Wohnkontexten Ausweich- und Alternativorte darstellen. Gleichzeitig sind Schulen für junge queere Menschen oftmals weitere Orte, an denen sie verschiedenen Gewaltgefahren ausgesetzt sind. In der laufenden Studie von van Koolwijk wird Schule von den jungen Queers oft als (weiterer) unsicherer Ort benannt. So erzählen sechs der acht jungen Menschen von Mobbingerfahrungen durch Mitschüler: innen im Schulkontext: „Ich wurde von der ersten bis zur achten Klasse durchgehend gemobbt. […] Aber gerade, weil ich schon in jungen Jahren mit zehn oder so oder sogar noch früher, acht angefangen habe, meine Haare auswachsen zu lassen, wurde ich immer als Mädchen gehänselt, weil ich da noch als Junge gelesen wurde.“ (JQP 8). Die junge Person erzählt von einer Schulerfahrung, die durch jahrelanges Mobbing geprägt ist. In unterschiedlichen schulischen Bildungseinrichtungen erleben junge Menschen eine Bewertung ihrer Person, wobei unter anderem spezifische Geschlechtererwartungen an sie herangetragen werden. Abweichungen, wie hier die langen Haare, werden durch verbale und körperliche Gewalt sowie Mobbing sanktioniert, wodurch Schulen für junge Queers ein großes Diskriminierungspotenzial aufweisen (Krell/ Oldemeier 2017, 105f ). So geben 60,2 % der von Krell und Oldemeier (2017) befragten 4.347 jungen Menschen an, vor einem ersten Coming-out Probleme in Schule/ Ausbildung/ Uni/ Arbeitsplatz zu befürchten (ebd., 79). Diese Befürchtungen haben sich für 2.049 (42 %) der befragten 4.347 jungen Menschen in Form von Diskriminierungserfahrungen bestätigt. Besonders häufig erfuhren sie Diskriminierung in Form von verbalen Äußerungen (ebd.,108). Mehr als ein Viertel (26,1 %) der jungen Menschen mit Diskriminierungserfahrung wurden fremdgeoutet. Körperliche Gewalt haben 9,2 % erfahren (ebd., 109). Wenn junge Queers in ihrer Bildungsbiografie Brüche erleben, hängt dies vor allem damit zusammen, dass sie in einer heteronormativen Struktur heranwachsen, die nicht auf individuelle Diskriminierungserfahrungen zu reduzieren ist (Krell/ Gaupp 2023, 270). Diese Umwege oder Brüche in der Bildungsbiografie zeigen sich beispielsweise an psychischen Belastungen aufgrund von Mobbingerfahrungen im Schulbzw. Ausbildungskontext, die als Reaktionen auf gesellschaftliche Umstände zu verstehen sind (ebd., 257f ). Auch wenn Schule von Queers häufig als unsicherer Ort erfahren wird, erzählen die von uns befragten jungen Menschen teilweise von positiven Schulerfahrungen, die sich mit den Erkenntnissen aus der Vorstudie„Formale Bildung und Wohnungslosigkeit“ von Annen und Kliche (2024, 160) decken: „Die Lehrkräfte waren halt locker drauf. […] Wir hatten auch verschiedene Events, Klassenfahrten […]“ (JQP9) 112 uj 3 | 2026 Queer in und um Jugend- und Wohnungsnothilfen Es zeigt sich, dass Schule für junge Queers teilweise auch als ein Ausweichort, der soziale Beziehungen und Abstand zu Herkunftskontexten ermöglicht, erlebt wird 10 . Unterstützende Lehrkräfte können eine besondere Rolle für Schulen als sicherere Orte spielen und sich auch auf die Wohnsicherheit der jungen Menschen auswirken: „Und in dem Kontext bin ich dann zu ihr [der Vertrauenslehrkraft] gegangen, weil ich sie als erstes zu fassen gekriegt habe. Und sie war dann diejenige, die das dann letztendlich mit dem Jugendamt mit mir zusammen durchgeführt hat.“ (JQP7) Die Lehrkraft wird hier als Ansprechperson und Vermittlungsinstanz zu Hilfesystemen beschrieben: Mithilfe der Lehrkraft wurde sich an das Jugendamt gewendet, um die (Herkunfts-) Familie verlassen und Wohnungslosigkeit verhindern zu können. Bei diesem Vorgehen zeigt sich, dass ähnlich wie ein Coming-out, auch das Verlassenmüssen der aktuellen Wohnsituation teilweise geplant wird. „. . . und dann bin ich obdachlos geworden, weil das Jugendamt nicht mehr zahlen wollte“. - Kinder- und Jugendhilfe als Bewältigungsstrategie und Auslöser In dem zuvor aufgeführten Zitat (JQP7) wird eine Selbstmeldung beim Jugendamt als ein Ausweg aus der (Herkunfts-)Familiensituation 11 und als eine Bewältigungsstrategie zur Abwendung einer Wohnungsnotfallsituation erkennbar. Aber auch das Verlassenmüssen der Kinder- und Jugendhilfe selbst, aufgrund des Alters oder wiederholtem „Regelbrechen“, kann zu einer Wohnungsnotfallsituation junger queerer Menschen führen: „[…] es war auch schon sehr, also es war schon so, dass sie mich gedrängt haben und gesagt haben, ,du musst jetzt was finden, weil du bist 21‘ und das Jugendamt sagt: ,Okay, wir wollen nicht mehr länger zahlen‘ “. (JQP6) Die junge Person schildert, dass ihre Hilfe für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII beendet wurde, als sie 21 Jahre alt war. Dies führte zu der Drucksituation, eine neue Wohnmöglichkeit abseits der Jugendhilfe finden zu müssen. Besonders die Altersspanne vom 18. bis zum 21. Lebensjahr kann als risikoreich für Wohnungsnotfallsituationen junger Menschen gesehen werden, da in diesem Zeitraum Jugendhilfen oftmals beendet werden. Seit 2021 sind die Jugendämter zu einer Übergangsplanung (§ 41 Abs. 3 SGB VIII) und Nachbetreuung (§ 41a SGB VIII) verpflichtet, um eine bessere Begleitung des Übergangs aus den Jugendhilfen zu gewährleisten. Abgrenzungsfragen zu anderen Hilfen (Wiatr 2011, 374) und ungeklärte Zuständigkeiten von Wohnungsnot- und Jugendhilfe wirk(t)en sich jedoch immer wieder auf die Wohn(ungslosigkeits)situation junger Menschen aus 12 . Zudem beeinflussen Konflikte im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe ebenfalls die Wohnsicherheit der jungen Menschen: „[…] Es kam aber daher so, dass im betreuten Wohnen genau dasselbe wie im Heim, die ganzen Regeln und dann genau dasselbe wiederkam. Und die haben mich halt nicht so wirklich behandelt wie so eine Erwachsene dort, sondern wirklich wie so ein Kind immer noch. Und dann hab ich halt auch nicht mehr auf die gehört, dann haben die mich rausgeschmissen. Und dann hat es angefangen, als ich dann obdachlos wurde.“ (JQP5) Es wird von einer Situation erzählt, in der die junge Person im betreuten Wohnen mit vielen Regeln konfrontiert worden ist und sich nicht ernst genommen gefühlt hat. Zudem wird deutlich, dass sich daraufhin abweichend verhalten wurde, indem „nicht mehr auf die gehört“ wurde. Die Konsequenz, aus der Jugendhilfe rausgeschmissen zu werden, wird als Anfang der Obdachlosigkeit markiert. Es lässt sich 113 uj 3 | 2026 Queer in und um Jugend- und Wohnungsnothilfen ein genereller Zusammenhang von Jugendhilfeerfahrungen und Wohnungslosigkeitserfahrungen erkennen (Daigler 2023, 28ff ). In einer US-Studie fällt auf, dass unter Queers in Wohnungsnot junge Menschen mit Wohnerfahrungen im Kinder- und Jugendhilfesystem überrepräsentiert sind (DeChants et al. 2021, 17). Die Wahrscheinlichkeit, wohnungslosigkeitserfahren zu sein, war bei jungen Menschen aus dem Jugendhilfesystem im Vergleich zu queeren Jugendlichen ohne Heimerfahrung fast sechsmal höher (ebd.). Die Kinder- und Jugendhilfe dient zwar unter anderem der Bewältigung des Verlassens der (Herkunfts-)Familie, kann durch eine frühzeitige Beendigung jedoch selbst erneut zu einem Verlassenmüssen und damit häufig zu Wohnungslosigkeit führen. Psychische Belastungen & Gewalterfahrungen Queere Menschen werden nicht nur in ihren (Herkunfts-)Familien, sondern auch in Hilfeeinrichtungen und auf den Straßen mit Queerfeindlichkeit konfrontiert (Project Outside 2022, 86). Wiederkehrende Diskriminierungserfahrungen erhöhen das Risiko der Entwicklung von „generalisierte[m] Misstrauen oder generellem Unterstellen feindlicher Intentionen bei interpersonellen Differenzen“ (Günther et al. 2021, 76f ). Sie können die Bereitschaft verringern, die eigene Identität sichtbar zu machen und Konflikte auf kommunikativer Ebene zu klären (ebd.). Dies kann dazu führen, dass queere Personen aufgrund ihrer Identität Ablehnung befürchten: „Ja da habe ich negative Vorstellungen gehabt ich hatte halt gedacht dass die [Mitarbeitenden] mich […] bisschen diskriminieren dass sie halt Probleme mit mir haben so wie ich bin weil ich das schon draußen früher hatte.“ (JQP1) Die bisherigen Diskriminierungserfahrungen 13 , die die befragte Person auf den Straßen erlebte, prägten sie insoweit, dass sie bei einer Inanspruchnahme von Hilfsangeboten zunächst skeptisch gegenüber den Mitarbeitenden auftrat. „Als ich halt noch nicht so weiblich aussah, war halt das Problem gewesen, dass ich mit Vogelfutter abgeschmissen wurde oder mich Leute ausgelacht haben oder mir sogar Schläge angedroht haben.“ (JQP1) Die befragte Person schildert gewaltvolle Erfahrungen, die sie in Obdachlosigkeit („draußen früher“) während ihrer Transition 14 erlebt hat. Sie wurde in der Öffentlichkeit zu Beginn ihrer äußerlichen binären Transition zur Frau vermehrt als männlich gelesen, was zu diskriminierenden Reaktionen in ihrer Umgebung führte. „Männerübernachtungsstellen sind da glaube ich schlimmer ich glaube wäre ich da hingekommen wäre ich am Arsch gewesen […] ich will gar nicht wissen was […] passiert wäre (.) ich wäre Fleisch geworden“. (JQP2) Die befragte Person beschreibt an dieser Stelle eindringlich, dass sie sexualisierte Gewalterfahrungen („Fleisch“ werden) in einer Notunterkunft für Männer durch andere Nutzende und/ oder Mitarbeitende befürchtete. Die Wohnungsnotfallsituation wirkt sich, egal ob queer oder nicht, auf das Wohlbefinden der Menschen aus (Abramovich 2012, 36). Dennoch weisen die verschiedenen internationalen Studien darauf hin, dass aufgrund bestehender Queerfeindlichkeit spezifische Risiken und Vulnerabilitäten für queere Menschen in Wohnungsnot wahrscheinlicher werden. Dies zeigt sich in negativen Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit, wobei unter anderem höhere Risiken für Selbstmordversuche, Drogengebrauch, Survival-Sex 15 und HIV durch ungeschützten Sex benannt werden (Schmitz/ Tyler 2018, 1196; The Albert Kennedy Trust 2015, 2; Spollen 2023, 15). Auffällig ist, dass Belastungen der mentalen Gesundheit und psychische Probleme bei queeren Men- 114 uj 3 | 2026 Queer in und um Jugend- und Wohnungsnothilfen schen mit Wohnungsnotfallerfahrung häufiger vorliegen als bei Queers in stabilen Wohnverhältnissen (DeChants et al. 2021, 4; The Albert Kennedy Trust 2015, 2; Štefanec/ Morić 2021, 72f ). Aus den Ergebnissen der Studie des Trevor Projects geht hervor, dass queere junge Menschen in Wohnungsnot zwei bis vier Mal wahrscheinlicher Depressionen, Angstzustände, selbstverletzendes Verhalten, Suizidgedanken und Suizidversuche erleben (DeChants et al. 2021, 4). In einer slowenischen Studie zu Wohn(ungsnotfall)situationen queerer Menschen wird ebenfalls deutlich, dass instabile Wohnverhältnisse bei 79 % der Befragten zu langfristigen psychischen Belastungen führen (Štefanec/ Morić 2021, 72f ). Der Zugang zu therapeutischen und beraterischen Hilfen bleibt für viele aufgrund hoher Kosten verwehrt (ebd., 74). Auch andere Studien berichten über Schwierigkeiten im Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, welche sich in Angst vor Diskriminierung und Unsicherheiten bezüglich der Queerfreundlichkeit der Einrichtungen, zeigen (Abramovich 2012, 37f.). Besonders für wohnungslose junge trans* Personen ist der Zugang zu medizinischen Einrichtungen und Fachkräften, welche sich mit trans*-Themen auskennen, von besonderer Bedeutung für Transitionsprozesse (ebd.). Heteronormative Hürden in den Hilfesystemen „Ich habe mich nie an irgendwelche Hilfestellen gerichtet. […] Also ich habe mal versucht, in Kliniken zu gehen, so wegen meiner psychischen Erkrankung. Und da habe ich halt die Erfahrung gemacht, dass die mich alle nicht wollten, weil ich ihnen zu komplex war […]. Oder weil sie halt queerfeindlich waren. Also gerade so sehr, nicht-binärfeindlich. Das halt so pathologisieren und irgendwie so meinen: ,Ja, wenn wir Sie jetzt nicht mit Frau oder Herr ansprechen können, dann können wir Sie hier auch nicht behandeln, tschüs’ “. (JQP4) Die junge Person erzählt von einer Situation mit einer Klinik in der Nichtbinärfeindlichkeit erfahren wurde. Die Aussage von der Klinik, dass eine Ansprache innerhalb des binären Systems stattfinden muss, zeigt die tiefgreifende Verankerung heteronormativer Strukturen und deren weitreichende Wirkmächtigkeit. Queerfeindliche Erfahrungen in einzelnen Hilfeeinrichtungen können zu einem Nicht-Nutzen von Hilfesystemen im Allgemeinen beitragen. Junge wohnungslose Menschen teilen die Erfahrung von biografischen Vertrauensverlusten. Sie erleben diese in ihren (Herkunfts-)familien, im Kontakt mit verschiedenen Hilfesystemen, (staatlichen) Institutionen, in ihren informellen Netzwerken sowie auf den Straßen (Heinzelmann 2023, 164f ). Die verschiedenen Hilfesysteme, die von jungen Queers in Wohnungsnot aufgesucht werden, u. a. Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Sucht- und Gesundheitshilfe, werden (oft) nicht den Bedürfnissen queerer junger Menschen gerecht (Meijsen/ Timmerman 2020, 21; Giménez Rodríguez et al. 2019, 50). Dies zeigt sich beispielsweise an einer fehlenden queersensiblen Einrichtungsstruktur (Project Outside 2022, 86). Diese Ergebnisse der internationalen Studien decken sich auch mit Eindrücken in Bezug auf deutsche Hilfesysteme, die (junge) queere Menschen in Wohnungslosigkeitssituationen (nicht) nutzen. Steckelberg und Eifler (2025) betonen, dass durch fehlende Privatsphäre in den Unterkünften die tägliche Körperpflege unter der Gefahr von psychischer und physischer Gewalt stattfinden muss (ebd., 105). Insbesondere für trans* und inter* Personen sind Gemeinschaftseinrichtungen mit dem Risiko eines ungewollten Outings verbunden. Die ständige Abwägung und Einstufung von Alltagssituationen als potenziell gefährlich stellt sich als belastend dar (ebd., 105f ). In vielen Ländern sind (Not-)Unterkünfte nach dem bei der Geburt eingetragenen Geschlecht getrennt (Abramovich 2012, 43). Die binäre Gestaltung der Einrichtungen führt dazu, dass 115 uj 3 | 2026 Queer in und um Jugend- und Wohnungsnothilfen Zugänge verwehrt bleiben und/ oder Hilfen nicht genutzt werden (Project Outside 2022, 86; Spollen 2023, 15; Schmitz/ Tyler 2018, 1196). „ … [die] [sozialpädagogische Fachkraft] vom [Übernachtungsstelle für Jugendliche] hat halt gesagt ich darf denen auf jeden Fall nicht sagen dass ich trans bin […] sonst komme ich da nicht hin weil es ja eine [binäre] Übernachtungsstelle ist (.) dann […] habe ich mich […] erniedrigen lassen an den Gedanken aber als ich dann ähm da war und das auch schon so gesagt habe [Deadname der befragten Person] dass die gemerkt haben so eigentlich fühle ich mich doch schon sehr unwohl die haben so gesagt , ja wollen wir Sie [Personalpronomen und Nachname] einfach nennen so wenn Ihnen das besser ist‘ “. (JQP2) Die befragte Person schildert ihr Unwohlsein in dem Gedanken, ihre Identität in der binären Notunterkunft zu verschweigen. Sie fühlte sich „erniedrigt“, ihren Deadname 16 zu benutzen, was von den sie empfangenden sozialen Fachkräften in der Notunterkunft wahrgenommen wurde. Daraufhin wurde der Person angeboten, sie mit ihrem selbstgewählten Namen anzusprechen, unabhängig davon, dass dieser noch nicht behördlich geändert wurde. Fachkräfte sollten die Verantwortung für professionelles Handeln nicht an ihre Adressat: innen weitergeben und bereit sein, Handlungsspielräume zum Wohle ihrer Adressat: innen zu nutzen. In dem Fall wäre es die Verantwortung der Fachkraft aus der Übernachtungsstelle für Jugendliche gewesen, den Aufnahmeprozess in der Notunterkunft zu unterstützen und weitere belastende Situationen für die befragte Person zu vermeiden. „Einmal war ich bei einer anderen Notschlafstelle, die war tatsächlich eine der Notschlafstellen nur für Frauen. Und die Person am Telefon dort war unprofessionell und hat auch wirklich Fragen gestellt, die sie gar nichts angeht, was meinen OP-Status angeht, was das angeht, was ich in der Hose habe.“ (JQP8) Insbesondere trans* Personen berichten von Diskriminierungserfahrungen aufgrund der binären Zuweisungspraxis, die sich auch auf das weitere (Nicht)Ankommen in dem Hilfesystem auswirkt. In den Zitaten wird deutlich, dass die fehlenden Kompetenzen der Fachkräfte im Umgang mit queeren Lebensrealitäten zu Diskriminierungen führen, beispielsweise wenn grenzüberschreitende Fragen zum Körper gestellt werden oder aufgefordert wird, die eigene Identität zu verheimlichen. In beiden Fällen haben die Fachkräfte unprofessionell gehandelt. Schulungen und Haltungsarbeit von Fachkräften zu queeren Lebensrealitäten haben Potenzial, dem entgegenzuwirken. In einer Studie der Landeshauptstadt München (2020) haben 43,7 % der befragten Fachkräfte angegeben, dass es in ihren Einrichtungen bereits fachliche Fortbildungen zu queeren Themen gibt. 90,6 % der Fachkräfte gaben an, dass solche Fortbildungen hilfreich sind/ wären (Koordinierungsstelle zur Gleichberechtigung von LGBTI* 2020, 24). In solchen Fortbildungen kann den Unsicherheiten der Fachkräfte begegnet werden, um sicherere Ort für queere Menschen in Wohnungslosigkeit zu schaffen. Häufig zeigen die internationalen Studien auf, dass es keinerlei queerspezifische Einrichtungen für (junge) Menschen in Wohnungsnot gibt (Giménez Rodríguez et al. 2019, 50). Teilweise wird argumentiert, dass queerspezifische Einrichtungen für (junge) Menschen in Wohnungsnot zu einer weiteren Verbesonderung 17 dieser führen würden. Demgegenüber steht, dass die Befragten ausdrücklich den Bedarf an einem queerspezifischen Schutzraum formulieren (Abramovich 2012, 46; Giménez Rodríguez et al. 2019, 50). Heteronormative Hürden in den Einrichtungen tragen unter anderem dazu bei, dass queere Jugendliche nicht im Hilfesystem ankommen können/ wollen und auf den Straßen leben, wo sie wiederum anderen Gefahren ausgesetzt sind. Die Nicht-Inanspruchnahme von Hilfsangeboten führt häufig zum Phänomen verdeckter Jugendwohnungslosigkeit. In der Studie von Beierle und Hoch (2021) wurde 116 uj 3 | 2026 Queer in und um Jugend- und Wohnungsnothilfen deutlich, dass junge wohnungslose Menschen als Hauptaufenthaltspunkte Freund: innen (27,2 %) benennen (ebd., 322). Das temporäre Unterkommen im Wohnraum von Freund: innen, Verwandten oder Bekannten wird als Leben in verdeckter Wohnungslosigkeit 18 bezeichnet. Um verdeckter Wohnungslosigkeit von jungen queeren Menschen zu begegnen, bedarf es Hilfeeinrichtungen, die Hürden abbauen und sicherere Orte ermöglichen. Das Angebot für queerspezifische Wohnhilfen in Deutschland ist derzeit marginal. Als eines der wenigen nationalen Angebote, die mit und für queere Wohnungslosigkeitserfahrene arbeiten, kann queerhome* in Berlin genannt werden 19 . In Berlin gibt es zudem auch andere queerspezifische und -freundliche Angebote, wie zum Beispiel Housing First Queer (SenASGIVA, o. S.). Ein weiteres queerspezifisches Angebot stellt das Queere Wohnen vom Fliederlich e.V. in Nürnberg dar (Fliederlich e.V. 2025, o. S.). Trotz der Etablierung dieser Hilfen besteht weiterhin Ausbaubedarf, um queerfreundlichere Angebote, die sich durch konzeptionelle Erweiterung und hilfesystemübergreifende Vernetzung auszeichnen, zu schaffen. Fazit: Sicherere Orte schaffen! Es bestehen deutliche Handlungsbedarfe, heteronormative Hürden abzubauen, um Hilfesysteme zu sichereren Orten für junge queere Menschen in Wohnungsnotfallsituationen zu gestalten. Es hat sich herausgestellt, dass sich ausgewählte Ergebnisse 20 von Oertelt mit Befunden aus (inter-)nationalen Studien decken: Die Sensibilisierung von Fachkräften und Mitarbeitenden der Wohnungslosenhilfe ist nötig, um Zugänge für Queers zu verbessern, hierbei stellen Schulungen zu queeren Themen einen zentralen Ansatzpunkt dar (Spollen 2023, 15; Meijsen/ Timmerman 2020, 22). Dabei ist es sinnvoll queere junge Menschen mit Wohnungsnoterfahrung bei der Konzeption von Verbesserungsideen mit einzubeziehen (Abramovich/ Shelton 2017, XI). Es besteht nicht nur Bedarf beim Abbau heteronormativer Hürden der Wohnungsnothilfen, sondern auch bei Schulen, Kinder- und Jugendhilfen sowie Gesundheitseinrichtungen. Die Aufklärung zu sexueller, geschlechtlicher und körperlicher Vielfalt im Bildungswesen stellt einen wichtigen Faktor dar, um queerfeindlicher Diskriminierung präventiv zu begegnen (Giménez Rodríguez et al. 2019, 50). Auch Krell und Oldemeier (2017) zeigen auf, dass durch die Sichtbarkeit von Themen der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt in Bildungs- und Arbeitskontexten sowie die Weiterbildung von Vorgesetzten und Lehr- und Fachkräften sensiblere Orte für Queers geschaffen werden können (ebd., 217). Diese Sichtbarkeit braucht es in den verschiedenen Hilfeeinrichtungen, die junge Queers in Wohnungsnotfällen aufsuchen, und kann bereits durch Symbole, wie einer Regenbogenflagge, oder durch queersensible Sprache im Flyer/ Onlineauftritt, geschaffen werden. Wobei Queerfreundlichkeit nicht nur auf symbolischer Ebene, sondern vorallem auch auf struktureller und politischer Ebene verankert sein muss. Schlussendlich zeigen die (inter-)nationalen Studien und unsere eigenen Forschungen, dass queere Lebensrealitäten in und um Jugend- und Wohnungsnothilfen mehr Berücksichtigung und Sichtbarkeit brauchen, damit sicherere Orte geschaffen werden können. Anmerkungen 1 Als Erfahrungsexpert: innen bezeichnen wir in diesem Kontext Menschen, die sich selbst als queer identifizieren und wohnungslosigkeitserfahren sind. Sie sind nicht schlicht„Betroffene“, sondern Expert: innen in eigener Sache. 2 Das Akronym TIN* steht für trans, inter und nichtbinäre Menschen, der Asterisk zeigt auf, dass es noch weitere queere Identitäten gibt. 3 Auch in den internationalen Studien wird sich teilweise bewusst für das Sprechen von Erfahrungen entschieden. Hierbei konstatieren Abramovich und 117 uj 3 | 2026 Queer in und um Jugend- und Wohnungsnothilfen Shelton (2017), dass diese Umformulierung dazu beitragen kann, Stereotype abzubauen, indem Wohnungslosigkeit als eine Problemlage und kein dauerhafter Zustand betrachtet wird (Abramovich/ Shelton 2017, XII). 4 „Heteronormativität ist ein binäres, zweigeschlechtlich und heterosexuell organisiertes und organisierendes Wahrnehmungs-, Handlungs- und Denkschema, das als grundlegende gesellschaftliche Institution durch eine Naturalisierung von Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit zu deren Verselbstverständlichung und zur Reduktion von Komplexität beiträgt - beziehungsweise beitragen soll“ (Degele 2008, 89) 5 Häufig wird für die Beschreibung queerer Communitys ein Akronym genutzt. LGBTQ steht für Lesbian, Gay, Bi, Trans, Queer. Bei erweiterten Schreibformen wie z.B. LGBTQIA+ steht das I für Inter und das A für A-Communitys (Agender, Asexual…). Das + oder * steht für vielfältige weitere queere Identitäten, die im Akronym nicht durch einen Buchstaben vertreten sind. Im deutschsprachigen Raum wird häufig LSBTIQ (Lesbisch, Schwul, Trans, Inter, Queer) genutzt. 6 Mit der Schreibweise (Herkunfts-)Familie deuten wir auf einen offenen Familienbegriff hin: Manche Menschen bezeichnen ihre Herkunftsfamilie als die, in der sie aufgewachsen sind, und die sie heute aus verschiedenen Gründen nicht (mehr) als ihre Familie bezeichnen. Familie deutet nicht zwangsläufig auf Blutverwandtschaft hin. 7 Als Queerfeindlich werden Diskriminierungen durch Beleidigungen, Gewaltausübungen und Straftaten, die sich gegen Queers richten, verstanden (Ponti 2023, 114). 8 In der Studie von Krell und Oldemeier (2017) wurden junge Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahre befragt (ebd., 41). 9 Coming-Outs verstehen wir hier als das selbstgewählte Preisgeben der queeren Identität(en) in Abgrenzung zu (Fremd)Outings, welche das Preisgeben durch andere Personen oder Institutionen meinen. 10 Weitere Ausführungen zur Bedeutung von Schulen während einer Wohnungslosigkeitssituation und wie sich dies auf den Schulbesuch auswirken kann, sind in den Beiträgen von Matthias Fischer und Sophie Linßner in diesem Heft zu finden. 11 Viele junge wohnungslose Menschen haben in ihren (Herkunfts-)Familien bereits in prekären Verhältnissen gelebt, welche etwa durch Gewalterfahrungen, Alkohol und Drogengebrauch oder Verwahrlosung geprägt sein können. Oftmals wurden sie schon in früher Jugend von Jugendhilfediensten begleitet (Sonnenberg/ Borstel 2021, 188). 12 Siehe hierzu auch das Interview mit Trucy Vo von Careleaver e.V. in diesem Heft. 13 Es ist anzumerken, dass nicht alle trans* Personen gleichermaßen (Diskriminierungs-)Erfahrungen auf individueller Ebene erleben. Dennoch ist zu beachten, dass Gewalterfahrungen internalisierende Auswirkungen haben können und diese sich in einem negativen Selbstbild äußern können (Günther et al. 2021, 76f ). 14 Eine Transition meint individuelle körperliche, rechtliche und soziale Angleichungsprozesse an die gelebte Geschlechtsidentität von trans* Personen (Appenroth/ Castro Varela 2019, 16). 15 Survival-Sex: Übersetzt als„Überlebenssex“, beschreibt im Kontext von Wohnungslosigkeit den Tausch von Sex für eine Unterkunft oder andere materielle Gegenstände (Watson 2011, 644). Forschung zu Survival-Sex zeigt, dass diese Bewältigungsstrategie in Wohnungsnotfallsituationen insbesondere von Frauen und queeren Menschen genutzt wird (DeChants et al. 2021, 6f ). 16 Der Deadname einer TIN* Person bezeichnet den Namen, den die Person bei der Geburt erhalten hat und nicht mit der Identität bzw. dem äußeren Erscheinungsbild übereinstimmt (dgti e.V. 2021, o. S.). 17 Mit Verbesonderung meinen wir hier eine Hervorhebung der Abweichung von heteronormativen Vorstellungen und Lebensweisen und damit einhergehend auch eine Markierung von queeren Lebensrealitäten als ‚besonders‘. 18 Die Lebensumstände von Menschen in verdeckter Wohnungslosigkeit bedeuten„oftmals sehr prekäre[s] Mitwohnen, das nicht selten mit starken Abhängigkeiten, Erpressung von (sexuellen) Gegenleistungen oder gewaltgeprägten Konflikten einhergeht“ (BAG W 2025 a). 19 Für einen tieferen Ein- und Überblick in die Arbeit, die queerhome* leistet, empfehlen wir die Prezi von queerhome* anzuschauen: https: / / prezi.com/ view/ jMvGeWT0EQDXzgvWRGdG/ (zuletzt aufgerufen am 14. 11. 2025). 20 Im Rahmen dieses Artikels zu jungen queeren Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung ist nur eine verkürzte Darstellung der Ergebnisse möglich (Bathaeian 2024). Eva van Koolwijk Universität Münster Institut für Erziehungswissenschaft Georgskommende 33 48143 Münster E-Mail: eva.vankoolwijk@uni-muenster.de Julia Oertelt E-Mail: julia-oertelt@gmx.de 118 uj 3 | 2026 Queer in und um Jugend- und Wohnungsnothilfen Literatur Abramovich, I. A. (2012): No Safe Place to Go - LGBTQ Youth Homelessness in Canada: Reviewing the Literature. CJFY 4 (1), 29 - 51, https: / / doi.org/ 10.29173/ cjfy16579 Annen, P., Kliche, H. (2024): „Ich hab eigentlich die Schule immer positiv im Kopf“. Die Bedeutung des Schulbesuchs für junge Wohnungslose. In: Middendorf, T., Parchow, A. (Hrsg.): Junge Menschen in prekären Lebenslagen. Theorien und Praxisfelder der Sozialen Arbeit. 1. Aufl. Beltz Juventa, Weinheim, 157 - 167 Appenroth, M. N., Castro Varela, M.d.M. (Hrsg.) (2019): Trans & Care. Trans Personen zwischen Selbstsorge, Fürsorge und Versorgung, transcript Verlag, Bielefeld Bathaeian, J. 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