eJournals unsere jugend78/9

unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2026.art48d
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2026
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Editorial: Soziale Ungleichheit im Jungsein - ungleiche Bedingungen des Aufwachsens

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2026
Anna Bea Burghard
Soziale Ungleichheitsverhältnisse markieren die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen junge Menschen ihre Lebensentwürfe entwickeln und die ihre Handlungsmöglichkeiten sowie Zugänge zu gesellschaftlichen Möglichkeiten in spezifischer Weise präformieren. Verhältnisse sozialer Ungleichheit zeigen sich dabei nicht nur in (Un-)Möglichkeiten des Zugangs zu sozial relevanten Ressourcen und gesellschaftlichen Bereichen, sondern sie prägen auch Erfahrungen junger Menschen von Anerkennung und Zugehörigkeit. Sie haben überdies Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden. Der 17. Kinder- und Jugendbericht verdeutlicht zwar in eindrücklicher Weise, dass junge Menschen heute in einer von großer Vielfalt geprägten Gesellschaft aufwachsen, diese Vielfalt jedoch mit erheblichen sozialen Ungleichheiten verbunden ist (vgl. BMFSFJ 2025). Damit rücken Fragen von Diversität und Ungleichheit in den Mittelpunkt. Darüber hinaus lässt sich eine Verfestigung bestehender Ungleichheitsverhältnisse feststellen.
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373 Editorial unsere jugend, 78. Jg., S. 373 - 374 (2026) DOI 10.2378/ uj2026.art48d © Ernst Reinhardt Verlag Soziale Ungleichheit im Jungsein - ungleiche Bedingungen des Aufwachsens Soziale Ungleichheitsverhältnisse markieren die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen junge Menschen ihre Lebensentwürfe entwickeln und die ihre Handlungsmöglichkeiten sowie Zugänge zu gesellschaftlichen Möglichkeiten in spezifischer Weise präformieren. Verhältnisse sozialer Ungleichheit zeigen sich dabei nicht nur in (Un-)Möglichkeiten des Zugangs zu sozial relevanten Ressourcen und gesellschaftlichen Bereichen, sondern sie prägen auch Erfahrungen junger Menschen von Anerkennung und Zugehörigkeit. Sie haben überdies Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden. Der 17. Kinder- und Jugendbericht verdeutlicht zwar in eindrücklicher Weise, dass junge Menschen heute in einer von großer Vielfalt geprägten Gesellschaft aufwachsen, diese Vielfalt jedoch mit erheblichen sozialen Ungleichheiten verbunden ist (vgl. BMFSFJ 2025). Damit rücken Fragen von Diversität und Ungleichheit in den Mittelpunkt. Darüber hinaus lässt sich eine Verfestigung bestehender Ungleichheitsverhältnisse feststellen. Einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge ist etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen heute von Armut bedroht (Funcke/ Menne 2023). Besonders armutserfahrene Menschen erleben Klassismus-Diskriminierungen aufgrund von Klassenherkunft oder Klassenzugehörigkeit (Seeck/ Theißl 2023). Dabei ist Armut auch Gegenstand medialer sowie besonders von politischen Debatten, innerhalb derer Bilder über Armut (normativ) verhandelt werden. Mit § 1 (3) SGB VIII verpflichtet sich die Kinder- und Jugendhilfe dem Auftrag, Teilhabe zu ermöglichen und Benachteiligungen nicht nur abzubauen, sondern auch, diese zu bearbeiten. Und nicht zuletzt aus diesem Grund ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Komplexität sozialer Ungleichheits- und Ausschließungsverhältnisse unabdingbar. Hierbei geht es indessen nicht nur um eine ungleichheitstheoretisch informierte Betrachtung der lebensweltlichen Bezüge von Adressat*innen und Nutzer*innen der Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, sondern auch um eine ungleichheitsreflexive Ausgestaltung sozialpädagogischer Praxis. Mit dem Themenschwerpunkt dieser Ausgabe rückt die Zeitschrift „unsere jugend“ ungleiche Bedingungen des Aufwachsens junger Menschen in den Mittelpunkt und beleuchtet diese kritisch unter verschiedenen Perspektiven. Auf soziale Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen im Jugendalter fokussiert der Beitrag von Lisa Hasenbein, Shih-cheng Lien und Katrina Julia Blindow. Basierend auf der bundesweiten, bevölkerungsrepräsentativen Befragung „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID: A) des Deutschen Jugendinstituts (DJI) wird nicht nur ein differenzierter Einblick in das Ausmaß sowie die Zusammenhänge von Diskriminierung, Gewalt und Mobbing im Jugendalter gegeben, sondern auch die Bedeutung dieser Erfahrungen für das subjektive Wohlbefinden und die Zufriedenheit Jugendlicher in zentralen Lebensbereichen wie Schule, Ausbildung und Beruf thematisiert. Fragen nach der Bedeutung des Bildungssystems 374 uj 9 | 2026 Editorial bei der Reproduktion sozialer Ungleichheit sowie der Rolle der Kinder- und Jugendhilfe stehen im Mittelpunkt des Artikels von Markus Gamper und Annett Kupfer. Anhand des vom BMBF geförderten Verbundprojekts „gelB - Unwahrscheinliche Bildungskarrieren: Der Beitrag der Kinder- und Jugendhilfe zu gelingender Bildung unter Bedingung von besonderer Benachteiligung“ wird zunächst beleuchtet, wie Bildungsaufstieg trotz widriger Voraussetzungen gelingen kann - und weiterführend diskutiert, wie die Kinder- und Jugendhilfe in dem Spannungsfeld zwischen Förderung und Reproduktion von Benachteiligung agieren kann. Einen gesellschaftskritischen Blick auf die gegenwärtig verhandelte Reform des SGB II werfen Roland Merten und Lukas Tran in dem Beitrag „Vom Kampf gegen Armut zum Kampf gegen Arme - Zur ideologischen Reform des SGB II und ihre schwerwiegenden Nebenfolgen auf die aktuelle Reform des SGB II“. Der Artikel zeigt, welche problematischen Grundannahmen diese Reform tragen und welche unbedachten, schwerwiegenden Nebenfolgen sie produziert. Dabei zeigen sie kritisch auf, welche Folgen eine stärkere Betonung von Aktivierung und Sanktionierung insbesondere für von Armut betroffene Menschen und Familien - besonders Kinder - haben kann. In einem weiteren Beitrag beleuchtet Roland Merten aus einer (gerechtigkeitstheoretisch informierten) kritischen Perspektive den „Kinderreport Deutschland 2026“ des Deutschen Kinderhilfswerkes, der mit dem Titel „Chancengerechte Bildung“ einmal mehr deutlich unterstreicht, dass und in welcher Weise die soziale Herkunft von Kindern maßgeblich Einfluss auf ihren weiteren Bildungsverlauf hat. Die Beiträge dieses Heftes verbinden unterschiedliche Perspektiven auf soziale Ungleichheiten im Jungsein. Sie machen deutlich: Junge Menschen gestalten ihre Lebensentwürfe nicht unabhängig von gesellschaftlichen Bedingungen und nicht alle jungen Menschen haben die gleichen Möglichkeiten dazu. Eine Kinder- und Jugendhilfe, die ihrem Auftrag zur Förderung von Teilhabe Sorge tragen möchte, sieht sich nach wie vor und mehr denn je herausgefordert, soziale Ungleichheit sichtbar zu machen und kritisch zu bearbeiten. Ombudschaft ist heute in der Kinder- und Jugendhilfe rechtlich verankert - doch was bedeutet das für Praxis und Selbstverständnis? Der Beitrag von Melissa Manzel und Onno Husen analysiert die Folgen der Verrechtlichung und zeigt, welche neuen Spannungen und Herausforderungen sich durch die geplante SGB VIII-Reform ergeben. Eine anregende Lektüre wünschen Ihnen Anna Bea Burghard als Heftverantwortliche & das Redaktionsteam Literatur BMFSFJ (2025): 17. Deutscher Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. In: https: / / www.bmbfsfj.bund.de/ resource/ blob/ 244626/ b3ed585b0cab1ce86b3c711d1297db7c/ 17-kinder-und-jugendbericht-data.pdf Funcke, A., Menne, S. (2023): Factsheet Kinder- und Jugendarmut in Deutschland. In: https: / / www.bertelsmannstiftung.de/ fileadmin/ files/ Projekte/ Familie_und_Bildung/ Factsheet_BNG_Kinder-_und_Jugendarmut_2023.pdf Seeck, F., Theißl, B. (2023): Solidarisch gegen Klassismus. organisieren, intervenieren, umverteilen, organisieren, intervenieren, umverteilen. Unrast, Münster