Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
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0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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2006
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Elterliches Belastungserleben, elterliche Ressourcen und psychische Entwicklung hörgeschädigter Kinder
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2006
Manfred Hintermair
Zur Erklärung der erhöhten Prävalenz von Verhaltensauffälligkeiten bei hörgeschädigten Kindern werden in der Literatur zahlreiche Faktoren diskutiert. Dabei kommt der psychosozialen Situation der Eltern eine besonders zentrale Rolle zu. In einer Studie mit 213 Müttern und 213 Vätern hörgeschädigter Kinder wird der Zusammenhang von elterlichen Ressourcen, elterlichem Belastungserleben und der sozial-emotionalen Entwicklung der Kinder mit einem pfadanalytischen Modell überprüft. Es zeigt sich, dass Eltern mit guten personalen und sozialen Ressourcen sich deutlich weniger belastet erleben und dass diese geringere elterliche Belastung gleichzeitig mit einer positiven sozial-emotionalen Entwicklung des hörgeschädigten Kindes assoziiert ist. Weiter zeigt sich unter behinderungsspezifischen Aspekten insbesondere, dass der Umfang der kommunikativen Kompetenz des Kindes vorhersagekräftiger ist als die sprachliche Form, in der diese realisiert wird (Lautoder Gebärdensprache). Es wird damit insgesamt ein ressourcenorientierter und nicht methodenorientierter Ansatz in der Beratung und Entwicklungsbegleitung von Familien hörgeschädigter Kinder nachhaltig unterstützt.
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25 25 1 Zur Bedeutung familiärer Prozesse für die Entwicklung hörgeschädigter Kinder Studien zur psychosozialen Entwicklung hörgeschädigter Kinder zeigen in ihrer Mehrzahl, dass die Prävalenzrate für Auffälligkeiten im Bereich des sozial-emotionalen Verhaltens bei dieser Gruppe deutlich erhöht ist (vgl. zusammenfassend Hintermair 2005 a, 2005 b). Die Ergebnisse zweier aktueller Studien bestätigen dies: Van Eldik u. a. (2004) befragten 238 Eltern von hörgeschädigten Kindern an niederländischen Hörgeschädigtenschulen mit der Child Behavior Checklist und kamen dabei auf eine Prävalenzrate von 41 %. Dies stellt eine 25 Elterliches Belastungserleben, elterliche Ressourcen und psychische Entwicklung hörgeschädigter Kinder Manfred Hintermair Pädagogische Hochschule Heidelberg ■ Zusammenfassung: Zur Erklärung der erhöhten Prävalenz von Verhaltensauffälligkeiten bei hörgeschädigten Kindern werden in der Literatur zahlreiche Faktoren diskutiert. Dabei kommt der psychosozialen Situation der Eltern eine besonders zentrale Rolle zu. In einer Studie mit 213 Müttern und 213 Vätern hörgeschädigter Kinder wird der Zusammenhang von elterlichen Ressourcen, elterlichem Belastungserleben und der sozial-emotionalen Entwicklung der Kinder mit einem pfadanalytischen Modell überprüft. Es zeigt sich, dass Eltern mit guten personalen und sozialen Ressourcen sich deutlich weniger belastet erleben und dass diese geringere elterliche Belastung gleichzeitig mit einer positiven sozial-emotionalen Entwicklung des hörgeschädigten Kindes assoziiert ist. Weiter zeigt sich unter behinderungsspezifischen Aspekten insbesondere, dass der Umfang der kommunikativen Kompetenz des Kindes vorhersagekräftiger ist als die sprachliche Form, in der diese realisiert wird (Laut- oder Gebärdensprache). Es wird damit insgesamt ein ressourcenorientierter und nicht methodenorientierter Ansatz in der Beratung und Entwicklungsbegleitung von Familien hörgeschädigter Kinder nachhaltig unterstützt. Schlüsselbegriffe: Ressourcen, elterliches Belastungserleben, kindliche Entwicklung, Hörschädigung ■ Parental Stress Experience, Parental Resources and Psychological Development of Hearing Impaired Children Summary: To explain the increased prevalence of behaviour disturbances in hearing impaired children, professionals and researchers discuss various factors. In these debates, the psycho-social situation of the parents is of vital importance. In a study with 213 mothers and 213 fathers of hearing impaired children, the author scrutinises the relation between parental resources, parental stress experiences and the socio-emotional development of the children by means of a path-analytic model. The results provide evidence that parents with sound personal and social resources feel clearly less stressed and that this low parental stress is associated with a positive social-emotional development of the hearing impaired child. With regard to the child’s disability the outcomes show that the degree of the child’s communicative competences has a more predictive value for his psychological development than the linguistic mode, in which the child and his environment communicate (sound or sign language). Consequently the author suggests a resource oriented rather than a method oriented approach for the counselling and support of families with hearing impaired children. Keywords: Resources, parental stress experiences, child development, hearing impairment Fachbeitrag VHN, 75. Jg., S. 25 -39 (2006) © Ernst Reinhardt Verlag München Basel 2,6fache Erhöhung im Vergleich zu den 16 % einer niederländischen Normstichprobe dar. Hintermair (2005 b) kommt in einer deutschen Studie mit 426 Eltern hörgeschädigter Kinder, die ebenfalls eine Hörgeschädigteneinrichtung besuchen, mittels der deutschen Version des Strengths and Difficulties Questionnaire zu nahezu identischen Ergebnissen. Auch hier zeigt sich im Gesamtproblemwert (emotionale Probleme, Verhaltensauffälligkeiten, Hyperaktivität, Probleme mit Gleichaltrigen) eine 2,5fache Erhöhung im Vergleich zu den Werten der deutschen Repräsentativstichprobe. Berücksichtigt man nur die Kinder mit besonders gravierenden Auffälligkeiten, dann erhöht sich dieser Wert sogar auf das Dreifache. Es ist also der Auffassung von van Eldik u. a. zuzustimmen, dass trotz einiger Ausnahmen „deaf children… show …in most studies a higher level of such problems, regardless of who is acting as the informant“ (2004, 391). 1.1 Faktoren für eine erhöhte Prävalenz von Verhaltensauffälligkeiten Zur Klärung der Frage, welche Faktoren für diese erhöhte Prävalenz verantwortlich zeichnen, wurden in der Vergangenheit eine Vielzahl von Variablen herangezogen, von denen einige mittlerweile recht konsistente Zusammenhänge zu kindlichen Verhaltensweisen aufzeigen, einige andere jedoch inkonsistente Befunde hervorgebracht haben. Eine eher inkonsistente Befundlage findet man z. B. bezüglich des Hörstatus des Kindes, der sprachlichen Modalität, in der mit dem Kind kommuniziert wird (Laut- oder Gebärdensprache), sowie auch hinsichtlich des Alters der Kinder vor. Exemplarisch sei an dieser Stelle der im Zusammenhang mit dieser Zielgruppe besonders relevante Aspekt erwähnt, welches kommunikative Mittel (Lautsprache oder Gebärdensprache) für die Entwicklung hörgeschädigter Kinder angemessen ist. Vernon und Andrews (1993) haben die Ergebnisse von 41 Studien zu dieser Thematik zusammengefasst und halten fest, dass in 13 Studien eine lautsprachliche Erziehung gleich gute oder bessere Ergebnisse erzielte als eine gebärdensprachliche Erziehung, während sich in den anderen 28 Studien ein gebärdensprachliches Vorgehen als vorteilhaft erwies. In neueren Studien (Deselle 1994; Polat 2003; van Gurp 2001; Vostanis u. a. 1997) setzt sich der Trend fort, dass die Ergebnisse bezüglich der verwendeten Kommunikationsform mit dem Kind uneindeutig bleiben. Es scheint demnach eher so zu sein, dass die Kommunikationsmodalität keinen prädiktiven Faktor für die psychische Entwicklung hörgeschädigter Kinder darstellt. Das deckt sich mit aktuellen Befunden von Knoors u. a. (2003) und Yoshinaga-Itano u. a. (1998), wonach „the method of communication (signs or speech) on its own is not a decisive factor in the development of language, cognition and social skills“ (Knoors u. a. 2003, 294). Insgesamt recht einheitliche Befunde zeigen sich bei den Variablen kindliches Geschlecht, Mehrfachbehinderung, kommunikative Kompetenz des Kindes sowie Hörstatus der Eltern: • Hörgeschädigte Jungen weisen demnach zumeist eine höhere Auffälligkeitsrate auf als hörgeschädigte Mädchen, wobei vor allem Störungen im Verhaltensbereich (Aggressionen usw.) vermehrt genannt werden (z. B. Kunz 1988; Schnittjer/ Hirshoren 1981; Sinkkonen 1994). • Mehrfachbehinderte hörgeschädigte Kinder zeigen ebenfalls deutlich höhere Auffälligkeitswerte als Kinder mit „nur“ einer Hörschädigung (Aplin 1985; Sinkkonen 1994). • Die kommunikative Kompetenz des Kindes, egal, in welcher Form sich diese äußert (Laut- oder Gebärdensprache), erweist sich ebenfalls als prädiktiv für eine gute kindliche Entwicklung. Vaccari und Marschark (1997) halten nach Durchsicht einer Reihe von Studien fest, „[that] it appears that good early communication is an important ingredient for social-emotional development in deaf children“ (797; vgl. auch Greenberg Manfred Hintermair 26 VHN 1/ 2006 u. a. 1991; Knoors u. a. 2003; Mitchell/ Quittner 1996; Vostanis u. a. 1997). Besonders wichtig und prädiktiv für psychische Gesundheit scheint dabei zu sein, dass Eltern sich sehr früh an die Sprachform und Sprachbedürfnisse ihres hörgeschädigten Kindes anpassen („matching“; vgl. Brubaker/ Szakowski 2000; Wallis u. a. 2004). • Was den Hörstatus der Eltern betrifft, so wird immer wieder berichtet, dass gehörlose Eltern mit gehörlosen Kindern in ihrem Interaktionsverhalten vergleichbare interaktive Qualitäten aufweisen wie hörende Eltern mit hörenden Kindern (Jamieson 1994) und somit in der Folge gehörlose Kinder gehörloser Eltern auf Grund der von Anfang an gesicherten kommunikativen Situation eine bessere sozial-emotionale wie auch altersgemäße kognitive Entwicklung durchlaufen; sie haben deshalb auch kein durch die Hörschädigung bedingtes erhöhtes Risiko für Verhaltensauffälligkeiten (Hilburn u. a. 1997; Vostanis u. a. 1997; Weisel 1988). Polat (2003, 331) verweist jedoch darauf, dass die meisten Studien zu dieser Frage älteren Datums sind und somit aus einer Zeit datieren, in der die Gruppe der gehörlosen Kinder mit gehörlosen Eltern die einzige war, die mit Gebärdensprache in Kontakt kam, da die Schulen sich dafür noch nicht geöffnet hatten. Montgomery und Napier (2001) sind deshalb der Auffassung, dass der Unterschied zwischen gehörlosen Kindern gehörloser Eltern und gehörlosen Kindern hörender Eltern dann zunehmend verwischt, wenn die Schulen in ihrem Angebot auch Gebärdensprache enthalten haben. • Eine besonders bedeutsame Rolle kommt den familiären Beziehungen des hörgeschädigten Kindes zu. Hier zeigen eine Reihe von Studien, dass Eltern hörgeschädigter Kinder, die eine hohe emotionale Belastung sowie eine hohe Belastung in der Interaktion mit dem hörgeschädigten Kind aufweisen, in aller Regel Kinder haben, deren Entwicklung problematisch verläuft, und dass somit das Ausmaß der elterlichen Belastung einen entscheidenden Faktor für die Entwicklung des Kindes darstellt. Ein hohes Belastungsniveau - meist erfasst über Stressfragebögen - stellt einen Indikator für eine schwierige familiäre Beziehungssituation dar. Studien vor allem im Bereich der frühkindlichen Entwicklung machen hierbei deutlich, dass es vornehmlich mit der erhöhten Belastung verknüpfte elterliche Verhaltensweisen sind, die Bedeutung für die kindliche Entwicklung haben, und dass dieser Zusammenhang nicht, wie man theoretisch durchaus auch argumentieren könnte, umgekehrt formuliert werden müsste. Es zeigt sich z. B., dass Eltern mit hohen Belastungswerten weniger sensibel und responsiv für das Verhalten ihres Kindes sind (vgl. Crnic u. a. 1983; Pressman u.a. 1999; Pressman u. a. 2000; Warren/ Hasenstab 1986; Weinraub/ Wolf 1987) und dies in der Folge zu kindlichen Verhaltensauffälligkeiten führt (Pipp-Siegel u.a. 2002). Pressman u. a. (2000) konnten in einer Längsschnittstudie zeigen, dass Sensitivität und Responsivität der Eltern besonders in der Interaktion mit hörgeschädigten Kindern von hoher Relevanz für die Erklärung kindlicher Entwicklungsfortschritte sind. Dieser Zusammenhang zeigt sich nicht nur in jungen Jahren, sondern zieht sich durch den gesamten Entwicklungsprozess des Kindes (Warren/ Hasenstab 1986; Watson u. a. 1990; Webster-Stratton 1990). Das Ausmaß des Stresserlebens von Eltern hörgeschädigter Kinder zu kennen, ist deshalb wesentlich für die Beratung und Förderung von Familien mit Risikokindern (Meadow-Orlans u. a. 2004). Mittels eines Stressfragebogens konnten Calderon und Greenberg (1993) sowie Calderon, Greenberg und Kusche (1991) ebenfalls zeigen, dass erfolgreiches mütterliches Coping einen signifikanten Einfluss auf die kindliche Entwicklung hat. Je erfolgreicher die Mütter hilfreiche Strategien im Umgang mit ihrem hörgeschädigten Kind erwerben konnten, desto besser waren die Psychische Entwicklung hörgeschädigter Kinder 27 VHN 1/ 2006 emotionale Einfühlungsfähigkeit, die Lesekompetenz und das Problemlösungsverhalten der Kinder entwickelt. Ebenso zeigten diese Kinder weniger impulsives Verhalten, eine höhere kognitive Flexibilität sowie bessere soziale Kompetenzen. Auch andere Untersuchungen bestätigen den besonderen Stellenwert des familiären Zusammenhalts bzw. der Bewältigung der Hörbehinderung durch die Familie für die psychische Entwicklung des hörgeschädigten Kindes (Arnold/ Atkins 1991; Powers u. a. 1995). 1.2 Hilfen für die Bewältigung elterlicher Belastung Wenn sich der Grad der elterlichen Belastung als wesentlicher Faktor für die kindliche Entwicklung erweist, dann stellt sich unweigerlich die Frage, was Eltern hilft, diese Belastung möglichst gering zu halten. Auch hierzu liegen zahlreiche empirische Studien vor, die zeigen, welche Faktoren für die Eltern von Bedeutung sind, damit sie ihre Situation nach der Diagnose des kritischen Lebensereignisses „Hörschädigung“ (oder einer anderen Behinderung) neu ordnen können. Metaanalysen von Untersuchungen zur Situation von Familien mit behinderten Kindern haben eine Bündelung verschiedener Aspekte ermöglicht (vgl. z. B. Scorgie u. a. 1998; Yau/ Li-Tsang 1999). Fasst man die wesentlichen Faktoren zusammen, dann sind es insbesondere die Verfügbarkeit personaler und sozialer Ressourcen sowie Merkmale des behinderten Kindes (z. B. eine Mehrfachbehinderung usw.), die den Verarbeitungsprozess beeinflussen (vgl. zusammenfassend Hintermair 2002, 26ff). Soziale Ressourcen umfassen im Wesentlichen die Unterstützung, die Eltern hörgeschädigter Kinder aus ihren natürlichen Netzwerken (Partner, Kinder, eigene Eltern, Verwandte, Freunde, Bekannte usw.) und den sog. künstlichen Netzwerken (neue Kontakte zu anderen betroffenen Eltern, erwachsenen Hörgeschädigten sowie mit den Fachleuten) erhalten. Mit personalen Ressourcen sind die innerpsychischen Merkmale und Kräfte von Personen gemeint, die helfen, mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen (z. B. Optimismus, Kohärenzsinn, Selbstwirksamkeit, Selbstwertgefühl). Die Wirksamkeit beider Ressourcenquellen ist in vielen Studien nachhaltig aufgezeigt worden (vgl. in Bezug auf die Situation hörgeschädigter Kinder und ihrer Familien zusammenfassend Hintermair u. a. 2000 und Hintermair 2002). Bei anderen herangezogenen Variablen zeigen sich vergleichbare Ergebnisse, wie sie weiter oben für die Entwicklungssituation der Kinder beschrieben wurden, lediglich das Geschlecht des Kindes scheint keinen bedeutsamen Zusammenhang mit dem elterlichen Belastungserleben zu haben. Was den Bildungsstatus und die Einkommenssituation betrifft, zeigt die allgemeine Literatur einen deutlichen Zusammenhang zum Stresserleben von Eltern auf (Deater-Deckard/ Scarr 1996; Pianta/ Egeland 1990). Die Befunde für Familien mit hörgeschädigten Kindern hingegen sind nicht eindeutig. Während Brand und Coetzer (1994) feststellten, dass Eltern mit einem höheren Bildungsstatus weniger Stress erlebten, konnten Calderon und Greenberg (1999), Konstantareas und Lampropoulou (1995), Mapp und Hudson (1997) sowie Pipp-Siegel, Sedey und Yoshinaga-Itano (2002) mit multivariaten Vorgehensweisen keinen bedeutsamen Zusammenhang weder für den Bildungsstatus noch für das finanzielle Einkommen aufzeigen. Obwohl - wie gesehen - eine Reihe von Studien zu wichtigen Einzelaspekten von elterlicher Bewältigung und kindlicher Entwicklung vorliegen, wurde bislang der Zusammenhang zwischen elterlichen Ressourcen, elterlichem Belastungserleben und psychischer Entwicklung der Kinder sowie dessen Bedeutung für die Arbeit der Hörgeschädigtenpädagogik nicht als Ganzes einer empirischen Überprüfung unterzogen. Es ist jedoch für die praktische Arbeit mit hörgeschädigten Kindern von wesentlicher Bedeutung, gesichertes Wissen darüber zu besitzen, dass eine gute Unterstützung und Stärkung der Manfred Hintermair 28 VHN 1/ 2006 Eltern nicht nur für diese selbst wichtig, wertvoll und entlastend sind, sondern dass gleichzeitig auch die Kinder von dieser ressourcenorientierten Unterstützung in hohem Maße für ihre eigene Entwicklung profitieren. Desgleichen gilt es zu klären, welcher Anteil anderen - insbesondere auch hörgeschädigtenspezifischen - Variablen (z. B. die Sprache, die mit dem Kind verwendet wird, die kommunikative Kompetenz des Kindes, der Hörstatus der Eltern usw.) zuzuschreiben ist. Dazu wurde die im Folgenden dargestellte Studie durchgeführt 1 . Ihr Ziel ist es, allgemeine belastungsreduzierende und entwicklungsfördernde Faktoren einerseits sowie hörbehinderungsspezifische Faktoren auf Seiten der Eltern wie der Kinder andererseits in einem Modell zusammenzuführen und ihren jeweiligen Anteil für das elterliche Belastungserleben und die kindliche Entwicklung zu klären. In diesem Zusammenhang erweist es sich auch als wichtig, das Erleben von Müttern und Vätern getrennt zu betrachten, um die häufig diskutierte differenzielle Wahrnehmungs- und Verarbeitungssituation von Eltern im Kontext einer Kommunikationsbehinderung zu klären (vgl. Hintermair/ Horsch 1998), um dann - sofern empirisch bestätigt - ebenso differenzielle pädagogisch-psychologische Maßnahmen begründen zu können. 2 Methodisches Vorgehen 2.1 Stichprobe Die vorliegende Studie wurde im Rahmen einer Fragebogenuntersuchung durchgeführt 2 . Angefragt wurden alle Hörgeschädigteneinrichtungen in Bayern, verbunden mit der Bitte, ein Fragebogenpaket an Eltern mit Kindern im Alter zwischen vier und 12 Jahren weiterzugeben. Dabei wurde jeweils je ein identischer Fragebogen für die Mutter und den Vater mitgegeben mit der ausdrücklichen Bitte, dass beide Elternteile den Bogen unabhängig voneinander ausfüllen. Der Rücklauf betrug 35,5 %, in die vorgenommene Analyse gingen schließlich die Bögen von 213 Müttern und 213 Vätern desselben Kindes ein. Damit wird ein realer Vergleich von Erfahrungen der Mütter und Väter möglich, was bislang zumeist an zu kleinen und gleichzeitig sehr selektiven Väterstichproben gescheitert ist. Die Stichprobe ist jedoch nicht repräsentativ für die Population Hörgeschädigter, da Eltern von integriert beschulten Kindern nicht befragt wurden und da zudem auch Eltern mit Kindern aus anderen Kulturkreisen auf Grund der schriftsprachlichen Anforderungen eher weniger vertreten waren. Ein Vergleich des Bildungsstatus der Eltern mit der deutschen Bevölkerung ergab hingegen keine signifikanten Unterschiede ( χ 2 = 2.23; df = 2, p ≤ .328). 2.2 Erhebungsinstrumente und Hypothesen • Das elterliche Stresserleben wurde mit der Kurzform des Parenting Stress Index (PSI- K-36, Abidin 1995) erfasst. Mit dem PSI liegt ein in zahlreichen Studien empirisch bewährtes Verfahren vor, das in Form von 5-stufigen Ratings allgemeine elterliche Belastungen sowie spezifische, in der Beziehung mit dem Kind erlebte Belastungen erfasst und dessen Gesamtbelastungswert einen reliablen Indikator für das elterliche Belastungserleben darstellt (Itembeispiele: „Ich fühle mich durch meine Verantwortung als Mutter/ Vater wie eingefangen“; „Mein Kind stellt mehr Anforderungen an mich als andere Kinder“). Kennwerte: minimaler Wert: 36; maximaler Wert: 180, M Mütter = 81.7, s = 22.7; M Väter = 78.1, s = 20.4; t 424 = 1.71 (p .09); Cronbach’s alpha = .94. • Die psychische Entwicklung der hörgeschädigten Kinder wurde mit der deutschen Elternversion des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ-D, Woerner u. a. 2002) erfasst. Mit dem SDQ-D liegt ein valides und zugleich ökonomisches Screeningverfahren vor, das in ca. fünf Minuten Psychische Entwicklung hörgeschädigter Kinder 29 VHN 1/ 2006 Bearbeitungszeit fünf wesentliche Bereiche der psychischen Entwicklung erfasst. Der Bogen umfasst 25 Items, wobei jeweils fünf Items eine Einzelskala abbilden: Es handelt sich dabei um die Skalen a) „Emotionale Probleme“, b) „Verhaltensauffälligkeiten“ (externalisierend im Sinne von „conduct problems“), c) „Hyperaktivität“ (und Aufmerksamkeit), d) „Probleme mit Gleichaltrigen“ sowie e) „Prosoziales Verhalten“ (diese Skala ist positiv gepolt). Die ersten vier Skalen können zu einem Gesamtproblemwert zusammengefasst werden, der im Rahmen dieser Arbeit ausschließlich Verwendung findet. Die Eltern müssen zu den 25 Aussagen (z. B. „hat viele Sorgen, erscheint häufig bedrückt“; „ständig zappelig“; „rücksichtsvoll“ usw.) bestimmen, ob die jeweilige Aussage auf ihr Kind nicht (0), teilweise (1) oder eindeutig (2) zutrifft. Kennwerte: minimaler Wert: 0; maximaler Wert: 40, M Mütter = 11.7, s = 6.1; M Väter = 12.0, s = 6.0; t 424 = -.49 (p .62); Cronbach’s alpha = .81. • Der Aspekt der personalen Ressourcen wurde in zweifacher Hinsicht erfasst: Zum einen wurde der Grad der allgemein verfügbaren Ressourcen mit der deutschen Kurzform des Kohärenzfragebogens von Antonovsky (SOC-K-13, Antonovsky, 1997) erhoben. Der SOC-K-13 stellt einen Indikator für eine Lebenseinstellung dar, die ein Individuum kognitiv wie emotional-motivational in die Lage versetzt, die Dinge des Lebens von einer positiven und sinnstiftenden Grundhaltung aus anzugehen. Sie ist daher als in hohem Maße bewältigungsrelevant anzusehen. Es werden von den Eltern anhand eines 7-stufigen Ratings Einschätzungen abgefragt (Itembeispiele: „Wie oft haben Sie das Gefühl, dass die Dinge, die Sie tun, wenig Sinn haben? “; „Wie oft sind ihre Gefühle und Gedanken ganz durcheinander? “). Kennwerte: minimaler Wert: 13; maximaler Wert: 91, M Mütter = 62.5, s = 13.5; M Väter = 64.8, s = 11.8; t 424 = -1.90 (p .06); Cronbach’s alpha = .85. Zum anderen wurde mit einer Frage die subjektiv erlebte behinderungsspezifische Kompetenz der Eltern auf einer Ratingskala (1 - 5) erfragt („Ich glaube, ich verfüge über die notwendigen Fähigkeiten als Vater/ Mutter, um mein hörgeschädigtes Kind zu erziehen“). Für das Stresserleben ist es von ebenso entscheidender Bedeutung, dass Eltern sich Kompetenzen im konkreten Umgang mit dem Kind und seiner Behinderung aneignen. • Der Aspekt der sozialen Ressourcen wurde in vergleichbarer Weise erfasst. Zum einen wurde die Kurzform des Fragebogens zur sozialen Unterstützung (F-SozU-K-14, Fydrich/ Sommer 2003) eingesetzt, um einen Indikator für das Maß der erlebten allgemeinen sozialen Unterstützung zu erhalten. Auch hier müssen 5-stufige Ratingurteile abgegeben werden (Itembeispiele: „Ich erfahre von anderen viel Verständnis und Geborgenheit“; „Ich kenne mehrere Menschen, mit denen ich gerne etwas unternehme“). Kennwerte: minimaler Wert: 14; maximaler Wert: 70, M Mütter = 57.4, s = 9.6; M Väter = 55.4, s = 9.5; t 424 = 2.15 (p .03); Cronbach’s alpha = .92. Zum anderen wurde auch im Bereich sozialer Ressourcen die behinderungsspezifisch erfahrene Unterstützung über ein Item (Rating 1 - 5) abgefragt („Ich bin mit der Unterstützung, die ich im Zusammenhang mit der Hörschädigung meines Kindes aus meinem sozialen Umfeld erhalte [Familie, Verwandte, Eltern, Freunde, Bekannte usw.], zufrieden“). • Über einen Fragebogen wurden soziodemographische Merkmale von Eltern und Kind erfasst: Bei den Eltern stehen Daten zum Alter, zum Hörstatus, zum Bildungsstatus und zur Kommunikationsform, die sie mit ihrem Kind verwenden (Lautsprache, Gebärden- und Lautsprache), zur Verfügung. Bezüglich der Kinder liegen Daten zum Alter, Geschlecht und zum Hörstatus vor, des Weiteren sind Informationen vorhanden, ob das Kind ein Cochlea-Implantat trägt, ob es Manfred Hintermair 30 VHN 1/ 2006 eine zusätzliche Behinderung hat, was die Ursache für die Hörschädigung ist und wann die Diagnose gestellt wurde. • Die kommunikative Kompetenz der Kinder wurde über eine eigens für diese Untersuchung entwickelte Skala mit 5-stufigen Ratingurteilen erfasst (Itembeispiele: „Mein Kind ist in der Lage, mir über alle Dinge, die es beschäftigen, etwas zu erzählen“; „Mein Kind ist in der Lage, Dinge, die ich/ man ihm erklären oder erzählen will, zu verstehen“ usw.). Kennwerte: minimaler Wert: 5; maximaler Wert: 20, M Mütter = 15.8, s = 2.98; M Väter = 15.5, s = 2.78; t 424 = 1.09 (p .28); Cronbach’s alpha = .79. Bei hörgeschädigten Kindern ist das Maß an kommunikativen Möglichkeiten, über die sie verfügen, ein entscheidender Indikator, wie sie sich sowohl mit ihrer Umwelt und den darin auftauchenden Anforderungen auseinandersetzen als auch wie sie sich selbst die Welt erklären können. Folgende Hypothesen wurden aufgestellt und mit dem Datenmaterial überprüft: Es wird angenommen, dass Eltern mit einem geringen Belastungsscore im PSI-K-36 Kinder haben, die ebenfalls einen geringen Gesamtproblemwert im SDQ-D aufweisen. Es wird weiter angenommen, dass Eltern mit guten personalen und sozialen Ressourcen (hohe Werte im SOC 13 und F-SozU 14 sowie in den spezifischen Ressourcenfragen) geringeres Belastungserleben zeigen. Unter behinderungsspezifischen Gesichtspunkten wird auf Grund vorliegender Studien angenommen, dass eine Zusatzbehinderung des Kindes sowohl belastungsintensivierend zur Geltung kommt als auch die psychische Entwicklung des Kindes erschwert. Weiter wird angenommen, dass die Form der Kommunikation, die Eltern mit ihrem Kind verwenden, weder für das Belastungserleben noch für die psychische Entwicklung eine Rolle spielt, sehr wohl aber die kommunikative Kompetenz des Kindes, die sowohl für das Erleben der Eltern als auch die Entwicklung des Kindes als bedeutsam vermutet wird. Bezüglich des Hörstatus der Eltern wird angenommen, dass hörgeschädigte Eltern auf Grund ihrer Vertrautheit mit einer Hörschädigung geringeres Belastungserleben zeigen und auch die Kinder sich weniger problematisch entwickeln. Es wird weiter angenommen, dass Jungen höhere Problemwerte im SDQ-D aufweisen als Mädchen. 2.3 Statistische Analysen Um den skizzierten Zusammenhang zwischen elterlichen Ressourcen, Merkmalen der Kinder und Eltern, elterlichem Stresserleben und psychischer Entwicklung hörgeschädigter Kinder zu überprüfen, wurde ein pfadanalytisches Vorgehen gewählt. Mit der Pfadanalyse steht ein statistisches Verfahren zur Verfügung, das es ermöglicht, den relativen Stellenwert einzelner Variablen im Rahmen eines theoretisch begründeten Modells zu bestimmen. Per definitionem erlaubt eine konfirmatorische Pfadanalyse die Prüfung kausaler Beziehungen zwischen direkt beobachtbaren Variablen, sofern vorab das Hypothesennetz theoretisch stichhaltig begründet worden ist 3 . Diese theoretische Begründung wurde zu Beginn dieses Beitrags in gebotener Kürze aufgezeigt (vgl. ausführlich Hintermair 2005 b). Im Folgenden soll ausschließlich auf das Ergebnis der konfirmatorischen Pfadanalyse eingegangen werden. Die weiterführenden Ergebnisse verschiedener explorativer Pfadanalysen fließen nur ergänzend ein. 3. Ergebnisse Die Abbildungen 1 a und 1 b zeigen in grafischer Form die Ergebnisse der Modellberechnung auf der empirischen Basis der Stichproben von 213 Müttern und den dazugehörigen 213 Vätern. Die in den beiden Modellen angegebenen Koeffizienten sind standardisierte Pfad- Koeffizienten. Sie sind ein Indiz für die relative Stärke des Zusammenhangs der jeweiligen Variablen. Alle signifikanten Pfade sind fett markiert. Die Kovarianzen der in das Modell Psychische Entwicklung hörgeschädigter Kinder 31 VHN 1/ 2006 Manfred Hintermair 32 VHN 1/ 2006 eingehenden Variablen wurden entsprechend den jeweiligen Korrelationen mit einbezogen, werden jedoch aus Gründen der Anschaulichkeit in der grafischen Darstellung nicht realisiert. Zur Modellqualität lässt sich festhalten, dass das theoretische Modell sowohl für die Stichprobe der Mütter als auch für die Stichprobe der Väter durch die empirischen Daten bestätigt wird (Mütter: χ 2 = 16.4; df = 24; p = 0.87; Väter: χ 2 = 12.6; df = 21; p = 0.92). Auch alle anderen statistischen Gütemaße zur Beurteilung der Gesamtstruktur von Pfadmodellen (vgl. Backhaus u. a. 2003, 372ff) sind sehr gut. Der Stichprobenumfang ist mit jeweils N = 213 als ausreichend zu bezeichnen, um das Risiko falscher Schlussfolgerungen möglichst gering zu halten (a. a. O., 410). Bei den Müttern können insgesamt nahezu die Hälfte (49 %) der Varianz des Gesamtbelastungserlebens sowie 44 % der Varianz der psychischen Entwicklung des Kindes mit den in das Modell einbezogenen Variablen erklärt werden. Bei den Vätern verhält es sich ähnlich: 51 % der Varianz der väterlichen Gesamtbelastung und 40 % der Varianz der psychischen Entwicklung des Kindes lassen sich durch die Variablen erklären. Damit wird ein nicht unerheblicher Anteil der elterlichen Belastung wie auch der psychischen Entwicklung der Kinder durch die Modellvariablen erklärt bzw. verstehbar. 1. Was den Stellenwert der Eltern für ihr Kind betrifft, ist festzuhalten, dass das Gesamtbelastungserleben der Eltern sowohl für Mütter (.63) wie für Väter (.55) in einem hoch signifikanten Zusammenhang steht mit der psychischen Entwicklung des hörgeschädigten Kindes. Eltern, die sich in hohem Maße belastet erleben, haben vermehrt Kinder mit einem hohen Gesamtproblemwert, der sich konstituiert aus emotionalen Problemen (Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, häufig bedrückt, Abb. 1 a: Konfirmatorisches Pfadmodell für die Mütterstichprobe (N = 213) Psychische Entwicklung hörgeschädigter Kinder 33 VHN 1/ 2006 oft unglücklich/ niedergeschlagen, vermehrt Ängste usw.), Verhaltensauffälligkeiten (häufig Wutanfälle, lügen, stehlen, weniger folgsam, oft Streit mit anderen Kindern usw.), hyperaktivem Verhalten (unruhig, zappelig, nicht lange stillsitzen, leicht ablenkbar, unkonzentriert, impulsiv usw.) sowie Problemen mit Gleichaltrigen (bei anderen Kindern unbeliebt, eher Einzelgänger, spielen meist alleine, werden gehänselt oder schikaniert usw.). 2. Bei der Überprüfung der Faktoren, die Bedeutung für das Verstehen des Belastungserlebens der Eltern haben, bestätigt sich der Stellenwert eines ressourcenorientierten und am Empowermentkonzept orientierten Ansatzes, wie er in der Literatur seit geraumer Zeit bereits diskutiert wird und auch in der Hörgeschädigtenpädagogik mehr und mehr Anwendung findet (vgl. Bodner-Johnson/ Sass-Lehrer 2003; Hintermair 2004; Hintermair/ Tsirigotis 2004; Meadow-Orlans u. a. 2004). • Vor allem der Stellenwert der personalen Ressourcen der Eltern, insbesondere die Bedeutung eines hohen Kohärenzgefühls für die Behinderungsverarbeitung, wird besonders sichtbar: Ein hohes Kohärenzgefühl stellt einen Indikator für eine Lebenseinstellung dar, die ein Individuum in die Lage versetzt, die Dinge des Lebens von einer positiven und sinnstiftenden Grundhaltung aus anzugehen. Eine solche Lebenseinstellung ist als in hohem Maße bewältigungsrelevant zu betrachten. Eltern, die diese Kompetenz besitzen sowie zudem sicher sind, über die notwendigen spezifischen Kompetenzen zu verfügen, um ihr hörgeschädigtes Kind zu erziehen, zeigen signifikant geringere Belastungswerte (vgl. Calderon/ Greenberg 1999; Hintermair 2002; Konstantareas/ Lampropoulou 1995). • Bezüglich der sozialen Ressourcen, die für Eltern hilfreich und notwendig sind, ist es die Abb. 1 b: Konfirmatorisches Pfadmodell für die Väterstichprobe (N = 213) spezifische, auf die Situation der Familie zugeschnittene Unterstützung durch Freunde, Bekannte, die eigenen Eltern, andere betroffene Familien und Fachleute, die sich als bedeutsam erweist, und nicht so sehr die allgemeine soziale Unterstützung. In weiterführenden Analysen hat sich gezeigt, dass solche situationsspezifischen Hilfeleistungen besonders zur Entlastung im Bereich der Eltern-Kind-Interaktion beitragen. Es bestätigt sich damit ein weiteres Mal die in zahlreichen Studien belegte Bedeutung gut funktionierender sozialer Netzwerke für die Verarbeitung kritischer Lebensereignisse (vgl. Calderon/ Greenberg 1993, 1999; Hintermair u. a. 2000; Lederberg/ Golbach 2001; Meadow-Orlans u. a. 2004; Morgan-Redshaw u. a. 1990; Pipp-Siegel u. a. 2002; Webster-Stratton 1990). • Die vorliegenden Befunde bestätigen ein weiteres Mal, dass die Situation von Familien mit mehrfach behinderten hörgeschädigten Kindern besonderer Beachtung bedarf. Wenn sich auch - wie zum Teil in anderen Studien - kein direkter Effekt vom Tatbestand der Mehrfachbehinderung auf die psychische Entwicklung des Kindes ableiten lässt, so zeigt sich doch ein signifikanter Einfluss auf das Belastungserleben der Eltern (vgl. Hintermair 2000; Hintermair 2002; Meadow-Orlans u. a. 1997; Pipp-Siegel u. a. 2002). • Es bestätigt sich auch, dass die kommunikative Kompetenz des Kindes, unabhängig davon, in welcher sprachlichen Modalität sich diese realisiert (Lautsprache, Gebärdensprache, lautsprachbegleitende Gebärden usw.), sowohl entscheidend ist für das Belastungserleben der Eltern wie auch - zumindest in der Wahrnehmung der Väter - für die psychische Entwicklung der Kinder. In Familien, in denen ein kommunikativ kompetentes Kind lebt, findet sich demnach weniger Erziehungs- und Beziehungsstress, und die kindliche Entwicklung zeigt einen besseren Verlauf als in Familien, in denen diese Voraussetzungen nicht gegeben sind (Greenberg u. a. 1991; Hintermair 2002; Morgan-Redshaw u. a. 1990; Pipp-Siegel u. a. 2002). • Der Hörstatus der Eltern zeigt wider Erwarten keinen Zusammenhang mit dem Belastungserleben der Eltern und der kindlichen Entwicklung. Hier ergaben erst die weiterführenden Analysen einen Effekt: Hörgeschädigte Mütter zeigen geringere Belastungswerte, wenn es um den „Beziehungsstress“ mit dem hörgeschädigten Kind geht, jedoch vergleichbare Werte, wenn es sich um allgemeine Belastungsaspekte handelt (die hörende wie hörgeschädigte Eltern gleichermaßen betreffen). 3. Bei den durchgeführten Analysen, die konsequent getrennt für die Gruppe der Mütter und der Väter erfolgten, zeigten sich an einigen wenigen Stellen Unterschiede, die jedoch angesichts der hohen Übereinstimmung in den zentralen Variablen der Studie marginal und im Hinblick auf die zu leistenden Aufgaben in der pädagogischen Praxis nicht zentral sind. 4. Diskussion Die vorgelegten Ergebnisse bestätigen den angenommenen Zusammenhang zwischen elterlicher Belastung und kindlicher Entwicklung. Wenngleich im Rahmen einer Querschnittsuntersuchung die Frage nach Ursache und Wirkung nicht abschließend geklärt werden kann, so liegen dennoch zahlreiche theoretische wie empirische Befunde vor, welche der hier zu Grunde gelegten Hypothese, wonach es insbesondere das elterliche Belastungserleben ist, das kausal verantwortlich zeichnet, Rechnung tragen (vgl. Abschnitt 1). Gerade die Forschungsergebnisse im Bereich der frühen Interaktion zeigen, dass es vor allem elterliche Variablen sind, die entscheidend zum Gelingen der kindlichen Entwicklung beitragen (vgl. Pipp-Siegel u. a. 2002; Pressman u. a. 1999). Der Stellenwert elterlichen Erlebens und Verhaltens für die kindliche Entwicklung wird somit bestätigt. Manfred Hintermair 34 VHN 1/ 2006 Für die diagnostische Praxis ergibt sich aus diesem deutlichen Zusammenhang von elterlicher Belastung und kindlicher Entwicklung die Aufgabe, verschiedene potenzielle Quellen familiärer Belastung (psychische Belastung, Alltagsstress, kommunikative Probleme usw.) möglichst früh differenziert zu erfassen und die Entwicklung bzw. Veränderung des Belastungserlebens nach erfolgter Intervention im Sinne einer Prozessdiagnostik fortlaufend zu evaluieren. Ebenso deutlich bestätigt sich der Stellenwert der Verfügbarkeit elterlicher Ressourcen für die Entwicklung der emotionalen Befindlichkeit und der interaktiven Kompetenz der Eltern. Für die Pädagogik stellt sich auf Grund dieser Befunde vor allem die Aufgabe, durch ihre Beratung und Förderung einerseits zur psychischen Stärkung der Eltern im Kontext der vorhandenen sowie der als notwendig erachteten Ressourcen beizutragen und andererseits ebenso zum Erwerb spezifischer Kompetenzen im Umgang mit dem hörgeschädigten Kind zu befähigen. Des Weiteren ergibt sich die Aufgabe, die natürlichen Netzwerke von Familien mit (hör)behinderten Kindern zu stärken bzw. Eltern beim Umbau bzw. der Erweiterung ihrer Netzwerkkontakte (andere Eltern hörgeschädigter Kinder, erwachsene Hörgeschädigte usw.) zu unterstützen und auf diesem Wege die sozialen Ressourcen der Familien zu optimieren. Unter behinderungsspezifischer Perspektive besonders relevant erweist sich der Befund, dass die kommunikative Kompetenz des Kindes, nicht aber die Modalität, in der sich diese Kompetenz realisiert, für die Eltern wie für die Entwicklung des Kindes von Bedeutung ist. Für die pädagogische Praxis erwächst aus diesem mittlerweile vielfach reproduzierten Befund die wichtige Aufgabe, die kommunikativen Möglichkeiten und Bedingungen des einzelnen hörgeschädigten Kindes und seiner Familie auszuloten und auf der Basis dieses Wissens die Förderung auszurichten mit dem Ziel, beim Kind bestmögliche kommunikative Kompetenz zu erreichen, unabhängig davon, ob diese in Lautund/ oder Gebärdensprache realisiert wird. Die ebenfalls in zahlreichen Studien nachgewiesene erhöhte Belastungssituation von Familien mit mehrfach behinderten hörgeschädigten Kindern verweist mit Nachdruck auf die besondere Situation dieser Zielgruppe. Die pädagogische Praxis kann mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum auf eine Reihe von Erfahrungen und daraus abgeleitete Empfehlungen zurückgreifen, wie diesen Familien mit ihren besonderen Bedürfnissen begegnet werden kann (Hintermair/ Hülser 2004). Die Tatsache, dass sich die eigene Betroffenheit von Eltern durch eine Hörschädigung nicht generell belastungsmindernd auswirkt, sondern - wie die hier nicht näher ausgeführten weiterführenden Analysen ergaben - speziell interaktionsentlastend zum Tragen kommt, legt nahe, sich Erfahrungen vor allem aus dem anglo-amerikanischen Raum für die pädagogische Arbeit zu Nutze zu machen: Danach verfügen hörgeschädigte Eltern über besondere Kompetenzen, ihre hörgeschädigten Kinder für kommunikative Prozesse zu sensibilisieren und diese kommunikativen Prozesse abzusichern (z. B. durch verstärkte Visualisierung, vgl. Mohay 2000). Die vorliegenden Daten haben in den wesentlichen Aspekten nahezu keine Unterschiede im Erleben von Müttern und Vätern aufgedeckt. Väter brauchen demnach grundsätzlich keine spezifischen Beratungs- und Förderangebote, vielmehr legt ein ressourcenorientiertes pädagogisch-therapeutisches Vorgehen nahe (vgl. Schiepek/ Cremers 2003), im Kontext der jeweiligen Person oder Familie zu prüfen, was jedes Mitglied der Familie in welchem Umfang und in welcher Intensität unter der Perspektive „Lebensqualität“ braucht. Für die Praxis folgt daraus, zu Beginn sowie im weiteren Verlauf des pädagogisch-therapeutischen Prozesses behutsam, sorgfältig und sauber Daten bzw. Informationen unter dieser Zielperspektive zu sammeln und im Anschluss daran Überlegungen anzustellen, mit welchen Mitteln unter den aktuellen Gegebenheiten die spezifische Situation des hörbehinderten Kindes und seiner Fa- Psychische Entwicklung hörgeschädigter Kinder 35 VHN 1/ 2006 milie bestmöglich gemeinsam bearbeitet werden kann (vgl. dazu ausführlich Hintermair 2002, 163ff). Es sei abschließend an dieser Stelle erwähnt, dass in den weiterführenden explorativen Pfadanalysen, über die hier nicht ausführlich berichtet werden kann (vgl. dazu Hintermair 2005 b), zusätzliche Variablen auf Seiten der Eltern wie der Kinder in die Modelle miteinbezogen wurden, um einerseits als Kontrollvariablen zu fungieren, andererseits aber auch, um zur erweiterten Kenntnis von spezifischen Zusammenhängen im Sozialisationsprozess hörgeschädigter Kinder beizutragen. Dabei zeigt u. a. der Bildungsstatus der Eltern weder für das elterliche Belastungsniveau noch für die kindliche Entwicklung erklärende Wirkung, ebenso wie das Alter der Kinder keine Bedeutung für den Gesamtproblemwert im SDQ hat. Sehr wohl aber lassen sich Alterseffekte für die Subskalen „Emotionale Probleme“ und „Probleme mit Gleichaltrigen“ dahingehend erkennen, dass ältere hörgeschädigte Kinder in der Einschätzung ihrer Eltern mehr emotionale Schwierigkeiten und mehr Probleme mit Gleichaltrigen zeigen, ein Befund, der sich in der hörenden repräsentativen Normierungsstichprobe nicht finden lässt und somit Hinweise auf spezifische Entwicklungen in der Sozialisation hörgeschädigter Kinder enthält. Der tiefer gehenden Klärung dieser Befunde ist in weiteren Studien ebenso nachzugehen wie dem Befund, dass hörgeschädigte Kinder mit einem Cochlea-Implantat signifikant geringere Werte im Bereich hyperaktiven Verhaltens aufweisen als Kinder mit Hörgeräten (vgl. hierzu ausführlicher Hintermair 2005 b). Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Studie, dass bei der Erklärung des elterlichen Stresserlebens sowie der kindlichen Entwicklung unter der Bedingung „Hörschädigung“ einerseits Erfahrungen aus allgemeinen Stressmodellen ihre Bestätigung finden, dass andererseits aber auch behinderungsspezifische Aspekte deutlich zum Tragen kommen. Anmerkungen 1 Der Autor dankt der Pädagogischen Hochschule Heidelberg für die finanzielle Förderung der Studie. 2 Ausführliche Hinweise zur Methodik der Studie können über hintermair@ph-heidelberg.de abgefragt werden. 3 Es kann an dieser Stelle nicht ausführlich auf die statistischen Voraussetzungen und Durchführungsbestimmungen einer Pfadanalyse als Teilmodell sog. linearer Strukturgleichungsmodelle (linear structural relationships: LISREL) eingegangen werden (vgl. z. B. Backhaus u. a. 2003). Literatur Abidin, Richard (1995): Parenting Stress Index-Manual. 3. Aufl. Charlottesville: Pediatric Psychology Press Antonovsky, Aaron (1997): Salutogenese. 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