eJournals Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete83/4

Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
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0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/vhn2014.art35d
5_083_2014_4/5_083_2014_4.pdf101
2014
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Rezension: Sarimski, K. / Hintermair, M. / Lang, M. (2013): Familienorientierte Frühförderung von Kindern mit Behinderung

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2014
Andrea Lanfranchi
Das vorliegende Buch basiert auf empirischem Material, ist lesefreundlich und praxistauglich. Eingangs findet sich eine Skizzierung des Gegenstands: „Der Begriff der Frühförderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder bezeichnet ein komplexes System früher Hilfen von der Geburt bis zum Schuleintritt. Es umfasst Diagnostik, Therapie und pädagogische Förderung der Kinder ebenso wie Beratung, Anleitung und Unterstützung der Eltern.“ (S. 7) Im Zentrum der Ausführungen stehen die zuletzt genannten Aspekte einer Eltern- bzw. Familienorientierung. Günstige Entwicklungsverläufe seien von der Qualität der Interaktion Eltern - Kind und nicht von systematischen Förderprogrammen geprägt (S. 11).
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VHN 4 | 2014 364 REZE NSION E N Sarimski, K.; Hintermair, M.; Lang, M. (2013): Familienorientierte Frühförderung von Kindern mit Behinderung München: Ernst Reinhardt. 156 S., € 24,90 Das vorliegende Buch basiert auf empirischem Material, ist lesefreundlich und praxistauglich. Eingangs findet sich eine Skizzierung des Gegenstands: „Der Begriff der Frühförderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder bezeichnet ein komplexes System früher Hilfen von der Geburt bis zum Schuleintritt. Es umfasst Diagnostik, Therapie und pädagogische Förderung der Kinder ebenso wie Beratung, Anleitung und Unterstützung der Eltern.“ (S. 7) Im Zentrum der Ausführungen stehen die zuletzt genannten Aspekte einer Elternbzw. Familienorientierung. Günstige Entwicklungsverläufe seien von der Qualität der Interaktion Eltern -Kind und nicht von systematischen Förderprogrammen geprägt (S. 11). Darin besteht aber auch die Krux der hohen Ansprüche einer Stärkung von Familien, die durch die Behinderung eines Kindes und eventuell weiterer psychosozialer Risikosituationen belastet sind. Trotz Vielfalt von Ansätzen und Angeboten konnten bis heute handlungsleitende Konzepte der Familienorientierung nicht überall konsequent in der alltäglichen Förderarbeit umgesetzt werden. Ohne speziell auf die Gründe dieser Malaise einzugehen, zeigt die schlanke Publikation ziemlich konkret, wie es trotz verschiedener Herausforderungen gelingen kann, elternunterstützende Prinzipien in die Praxis zu übertragen. Obwohl von den Autoren erst am Schluss (S. 142) nebenbei erwähnt, kann punkto Familienorientierung die (heilpädagogische) Frühförderung von den heute stark propagierten „Frühen Hilfen“ profitieren. Die Stärke von vielen vor allem aus den USA übernommenen und nun auch in deutschsprachigen Ländern eingesetzten Hausbesuchsprogrammen liegt insbesondere in der Befähigung der Eltern, ihren eigenen Bewältigungskompetenzen zu trauen und die wesentlichen Elemente der Bindung und Beziehung zum Kind ins Zentrum zu stellen. Am Beispiel von Kapitel 6 „Zusammenarbeit mit Familien mit Migrationshintergrund“ zeigt sich die Aktualität, Relevanz und Ausgewogenheit dieses Buches. Die fundierten Informationen und Anleitungen werden mit prägnanten, passenden Fallvignetten veranschaulicht. Die gut gelungene Checkliste am Schluss des Kapitels bringt es schon im Titel auf den Punkt: „Familien mit Migrationshintergrund sensibel begegnen“. Doch trotz Relativierungen und dem Hinweis auf die Heterogenität von Migrantenfamilien bekräftigt die Aneinanderreihung aller möglichen „Barrieren“ und die ausführliche Darstellung von „Fallstricken“ (S. 125 -128) das Bild der Arbeit mit Migrantenfamilien als etwas Schwerfälliges. Zugegeben: Herausfordernd ist sie alleweil; das nützliche Unterkapitel über die Verständigung mithilfe von Übersetzerinnen und Übersetzern dürfte aber auch wenig erfahrenen Fachkräften Mut machen, sich dieser Herausforderung zu stellen. Fazit: Diese auch didaktisch gelungene Publikation wird zum Kauf empfohlen, weil sie die Praktikerinnen und Praktiker der Frühförderung motiviert, vermehrt mit den Eltern statt vorwiegend mit dem Kind zu arbeiten. Prof. Dr. Andrea Lanfranchi CH-8050 Zürich DOI 10.2378/ vhn2014.art35d