Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
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0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/vhn2015.art39d
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Rezension: Luder, Reto / Kunz, André / Müller Bösch, Cornelia (Hrsg.) (2014): Inklusive Pädagogik und Didaktik.
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Ulrich Heimlich
Im Gefolge der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ist die inklusive Schule zum allgemein akzeptierten bildungspolitischen Leitbild geworden. Allerdings erscheint das Spannungsverhältnis zwischen dieser Zukunftsvision und dem schulischen Alltag ebenso unübersehbar. Diese Kluft zu überbrücken, setzen sich die Autoren des Studienbuches Inklusive Pädagogik und Didaktik zum Ziel, wobei sie anstreben, Handlungswissen zur Verfügung zu stellen.
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VHN 4 | 2015 356 REZE NSION E N Rezensionen Luder, Reto; Kunz, André; Müller Bösch, Cornelia (Hrsg.) (2014): Inklusive Pädagogik und Didaktik Zürich: Publikationsstelle der PH Zürich. 392 S., € 30,- Im Gefolge der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ist die inklusive Schule zum allgemein akzeptierten bildungspolitischen Leitbild geworden. Allerdings erscheint das Spannungsverhältnis zwischen dieser Zukunftsvision und dem schulischen Alltag ebenso unübersehbar. Diese Kluft zu überbrücken, setzen sich die Autoren des Studienbuches „Inklusive Pädagogik und Didaktik“ zum Ziel, wobei sie anstreben, Handlungswissen zur Verfügung zu stellen. Aus einer Kooperation der Lehrenden an der PH Zürich hervorgegangen, gliedert sich die Publikation in drei Teile. Zunächst wird das Grundverständnis einer inklusiv ausgerichteten Sonderpädagogik vorgestellt. Neben dem schulsystemischen Aspekt und Hinweisen auf die Förderplanung ist dabei besonders die „International Classification of Functionality (ICF)“ hervorgehoben, die mit ihrem neuen Verständnis von Behinderung als Ausdruck einer erschwerten Lernsituation die aktuelle Kind-Umfeld-Orientierung einer modernen Heil- und Sonderpädagogik noch einmal in differenzierter Weise bestätigt. Teil 2 des Studienbuches enthält ein ausführliches Kapitel zu den didaktischen Grundlagen des inklusiven Unterrichts, wobei besonders das gemeinsame Lernen am gemeinsamen Gegenstand betont wird. Der umfangreiche Teil 3 des Studienbuches ist schließlich durch ausgewählte Unterrichtssituationen und darauf bezogene Handlungsmöglichkeiten geprägt. Hier erweist es sich als besonders fruchtbar, dass das Klassifikationssystem der ICF zur Grundlage der Arbeit der Autorinnen und Autoren herangezogen wurde. Sowohl die Bereiche Lernen und Wissensanwendung als auch der Spracherwerb und die Begriffsbildung sowie die Bereiche Kommunikation, Mobilität, Aufgaben und Anforderungen, interpersonelle Interaktionen und Beziehungen, Selbstversorgung und Gemeinschaft einschließlich soziales und staatsbürgerliches Leben werden jeweils nicht nur alltagsnah aufbereitet, sondern ebenso unter Vermeidung einseitiger Defizitperspektiven und ausschließlich individueller Zuschreibungen ressourcen- und kompetenzorientiert dargestellt. Für die zahlreichen Entwicklungsfelder einer inklusiven Schule und des inklusiven Unterrichts bietet das Studienbuch wichtige Grundlagen und praxisnahes Handlungswissen. Ein Glossar am Ende des Bandes fasst die wichtigsten begrifflichen Inhalte noch einmal zusammen. Die zentralen Begriffe werden leserfreundlich in einer Randspalte hervorgehoben, ebenso die Hinweise auf die ICF. Allen pädagogischen Fachkräften, die sich auf die Arbeit in inklusiven Schulen und im inklusiven Unterricht vorbereiten oder bereits in der inklusiven Praxis tätig sind, ist das Studienbuch uneingeschränkt zu empfehlen. Prof. Dr. Ulrich Heimlich D-80802 München DOI 10.2378/ vhn2015.art39d
