eJournals Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete85/3

Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
5
0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/vhn2016.art32d
5_085_2016_3/5_085_2016_3.pdf71
2016
853

Rezension: Hintermair, Manfred / Knoors, Harry / Marschark, Marc (2014): Gehörlose und schwerhörige Schüler unterrichten. Psychologische und Entwicklungsbezogene Grundlagen Heidelberg: Median.

71
2016
Annette Leonhardt
Das vorliegende Werk beruht weitgehend auf dem Buch „Teaching deaf learners: Psychological and developmental outcomes“ von Knoors und Marschark, 2014 bei Oxford University Press erschienen. Manfred Hintermair hat es durch Ergebnisse aus der deutschen Fachliteratur ergänzt und aufbereitet. Leitend sind die Fragen „Wie lernen gehörlose und schwerhörige Schüler? […]
5_085_2016_3_0012
VHN 3 | 2016 272 REZE NSION E N Hintermair, Manfred; Knoors, Harry; Marschark, Marc (2014): Gehörlose und schwerhörige Schüler unterrichten. Psychologische und entwicklungsbezogene Grundlagen Heidelberg: Median. 364 S., € 79,- Das vorliegende Werk beruht weitgehend auf dem Buch „Teaching deaf learners: Psychological and developmental outcomes“ von Knoors und Marschark, 2014 bei Oxford University Press erschienen. Manfred Hintermair hat es durch Ergebnisse aus der deutschen Fachliteratur ergänzt und aufbereitet. Leitend sind die Fragen „Wie lernen gehörlose und schwerhörige Schüler? Was brauchen sie an Unterstützung? “ Kennzeichnend für dieses Buch ist, dass darin die psychologischen und entwicklungsbezogenen Grundlagen der Unterrichtung gehörloser und schwerhöriger Schüler erörtert werden. Der Inhalt gliedert sich in zwölf Kapitel. „Grundlagen des Lernens und Unterrichtens“ und „Gehörlose und schwerhörige Schüler - eine Einfüh- VHN 3 | 2016 273 REZE NSION E N rung“ bilden die Basis, gehen aber inhaltlich über allgemein formulierte einleitende Bemerkungen hinaus. Leider ist die Auswahl der in Kapitel 2 behandelten Themen nicht ganz schlüssig. Kapitel 3 thematisiert die Rolle der Eltern und die von ihnen ausgehenden sozialen Angebote für die Entwicklung des Kindes. Unverständlich ist dabei, weshalb die Autoren ein unglücklich gewähltes, ja unbrauchbares Beispiel, da heute so nicht mehr aktuell, an den Anfang stellen. Die folgenden Kapitel behandeln die Sprachentwicklung und den Spracherwerb, die Sprachkompetenz und die kognitiven Entwicklungsprofile gehörloser und schwerhöriger Schüler. Ein Kapitel ist dem Lernen und der sozial-emotionalen Entwicklung gewidmet, drei weitere setzen sich mit fachbezogenen Fragen zur Unterrichtung gehörloser und schwerhöriger Schüler auseinander. Hochaktuell ist die Thematik des 11. Kapitels, in dem es um die Wahl des Lernorts geht (Förderschule oder Allgemeine Schule). Zum Schluss wird auf das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis eingegangen und dazu aufgerufen, die bestehende Kluft zwischen den beiden Polen zu schließen. Das Buch vermittelt zahlreiche neue Anregungen und Denkimpulse. Es ist eine Bereicherung nicht nur für jede Lehrkraft an Förderzentren, Förderschwerpunkt Hören, sondern für alle Personen, die mit Kindern und Jugendlichen mit Hörschädigung arbeiten. Es ergänzt die inzwischen nicht mehr so enge Marktlage der Fachliteratur im Bereich der Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik. Dadurch, dass der Hauptanteil des Buches von nichtdeutschen Autoren stammt, finden sich nicht wenige Aspekte im Fokus der Ausführungen, die bisher im deutschsprachigen Raum nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt worden sind. Die für ein gedrucktes Buch unübliche Abkürzung „gl/ sh“ statt „gehörlos/ schwerhörig“ irritiert und dient keineswegs der besseren Lesbarkeit wie von den Autoren ausgeführt. Ebenso verwundert die Verwendung des Begriffs „Population“, der in einschlägigen Wissenschaftlerkreisen seit vielen Jahren umgangen wird. Prof. Dr. Annette Leonhardt D-80802 München DOI 10.2378/ vhn2016.art32d