Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
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0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Rezension: Laubner, Marian / Lindmeier, Bettina / Lübeck, Anika (Hrsg.) (2017): Schulbegleitung in der inklusiven Schule. Grundlagen und Praxishilfen
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Anna Jerosenko
Laubner, Marian; Lindmeier, Bettina; Lübeck, Anika (Hrsg.) (2017): Schulbegleitung in der inklusiven Schule. Grundlagen und Praxishilfen Weinheim: Beltz. 192 S., € 19,95
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VHN 3 | 2018 264 REZE NSION E N Laubner, Marian; Lindmeier, Bettina; Lübeck, Anika (Hrsg.) (2017): Schulbegleitung in der inklusiven Schule. Grundlagen und Praxishilfen Weinheim: Beltz. 192 S., € 19,95 Es ist eine Publikation, die definitiv hält, was sie verspricht: Ein Sammelwerk, das einerseits einen systematischen Überblick über bisherige Forschungsergebnisse zur Maßnahme Schulbegleitung an Regel- und Förderschulen liefert und andererseits konkrete Empfehlungen ableitet und praktische Tipps und Kopiervorlagen für Eltern und Lehrkräfte an Regel- und Förderschulen anbietet. Eine Hauptthese zieht sich durch alle Beiträge: Schulbegleitung ist wichtig und wertvoll. Die Art und Weise jedoch, wie Schulbegleitung derzeit umgesetzt wird, führt aktuell noch zu Unstimmigkeiten und Unsicherheiten aufseiten aller Beteiligten. In acht verschiedenen Kapiteln, in denen unterschiedlichste Studien vorgestellt werden - von qualitativer Einzelfallanalyse bis zur quantitativen Querschnittsstudie, von der Sicht von Schülerinnen und Schülern bis zur Trägerperspektive - wird eindrucksvoll deutlich, dass die pädagogische Maßnahme Schulbegleitung gut geplant und reflektiert werden muss, um erfolgreich zu sein - wie jede andere pädagogische Maßnahme auch. Und dass Schulbeglei- VHN 3 | 2018 265 REZE NSION E N tung ohne ausreichende Qualifikation und Einbindung in das Schulsystem tatsächlich negative Effekte haben kann. Spätestens hier kommt man nicht umhin zu erkennen, dass Schulbegleitung weder eine „Billiglösung“ noch das „Allheilmittel“ zur Inklusionsförderung darstellen kann. Die Autoren begnügen sich jedoch nicht mit Problembeschreibungen und Empfehlungen, sie gehen noch zwei Schritte weiter. Erstens bieten sie konkrete Reflexionsfragen für diejenigen an, die sich mit Schulbegleitung genauer beschäftigen wollen. Wenn man sich diese Fragen ernsthaft stellt, kommt man schnell zu demselben Ergebnis, das in den genannten Studien berichtet und durch alle Forschungsergebnisse im Bereich Führung und Kooperation bestätigt wird: Wertschätzung ist die wichtigste Grundlage gelingender Zusammenarbeit. Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter können nur sinnvoll eingesetzt werden, wenn sie ein gleichberechtigter Bestandteil des „heterogenen Lehrteams“ sind. Zu Ende gedacht bedeutet das: auch sie haben Bedarfe und Ideen, die ernst genommen werden müssen, ganz unabhängig davon, dass sie in der Regel formal dem System Schule nicht zugehörig sind. Ausführlich werden in diesem Zusammenhang die sogenannten Poolmodelle erläutert, eine strukturelle Maßnahme, mit der Schulen unter anderem bei ihrer eigenen Schulentwicklung in Richtung Partizipation stärker in die Pflicht genommen werden können. Schließlich kommen die Praxishilfen als dritter Bestandteil des Sammelwerks ins Spiel: Schritt für Schritt erläutern die Autoren den Kreislauf, nach dem eine gelingende Kooperation sowohl mit Schulbegleiterinnen und Schulbegleitern als auch mit allen anderen Beteiligten organisiert werden kann: Bedarfe erkennen, Ziele definieren, Vereinbarungen treffen, Evaluation. Hier werden die Grundlagen des Projektmanagements und der Kooperation auf die spezifische Berufsgruppe der Schulbegleitungen transferiert. Ergänzend dazu stellen die Autoren niederschwellige Leitfäden und Kopiervorlagen zur Verfügung, die es ermöglichen, zeitnah mit der eigenen Reflexion und Organisation von Schulbegleitung zu beginnen. Auch sehr nützlich sind die Tipps für die Eltern - eine notwendige Hilfestellung, um sich im Dschungel der Leistungsbewilliger und -erbringer zurechtzufinden. Fazit: Wer dieses Buch liest, ist zum aktuellen Stand der Forschung zu Schulbegleitung bestens informiert und erhält wertvolle Anregungen zur Beantragung von Schulbegleitung, aber auch zur Selbstreflexion und zu Kooperationsprozessen an Schulen. Deutlich wird auch, dass es sich bei Schulbegleitungen zwar um eine neue Berufsgruppe mit einigen Spezifika handelt, viele Unklarheiten sich aber durch bewährte Methoden aus der Arbeits- und Organisationspsychologie sowie der allgemeinen und Schulpädagogik auflösen lassen. Anna Jerosenko M.A. D-80802 München DOI 10.2378/ vhn2018.art29d
