Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
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0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/vhn2018.art40d
5_087_2018_4/5_087_2018_4.pdf101
2018
874
Rezension: Pitsch, Hans-Jürgen / Thümmel, Ingeborg (2017): Lebenschancen für Menschen mit geistiger Behinderung im Alter. Konzepte und Methoden zur Bewältigung neuer Herausforderung im Alter
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2018
Holger Schäfer
Pitsch, Hans-Jürgen; Thümmel, Ingeborg (2017): Lebenschancen für Menschen mit geistiger Behinderung im Alter. Konzepte und Methoden zur Bewältigung neuer Herausforderung im Alter Oberhausen: Athena. 316 S., € 29,50 Mit den Lebenschancen legen die Autoren eine wohlstrukturierte und aus den praktischen Erfahrungen im Handlungsfeld der Behindertenhilfe heraus umfassende Sammlung im geragogischen Kontext geistiger Behinderung vor. […]
5_087_2018_4_0010
VHN 4 | 2018 343 REZE NSION E N Pitsch, Hans-Jürgen; Thümmel, Ingeborg (2017): Lebenschancen für Menschen mit geistiger Behinderung im Alter. Konzepte und Methoden zur Bewältigung neuer Herausforderung im Alter Oberhausen: Athena. 316 S., € 29,50 Mit den Lebenschancen legen die Autoren eine wohlstrukturierte und aus den praktischen Erfahrungen im Handlungsfeld der Behindertenhilfe heraus umfassende Sammlung im geragogischen Kontext geistiger Behinderung vor. Hans-Jürgen Pitsch und Inge Thümmel leiten damit einen wichtigen Diskurs ein im Spannungsfeld zwischen großen gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen und pädagogischer Verantwortung, denn sowohl die Erfordernisse von Unterstützung und Hilfebedarf als auch das Aufwerfen von Erziehungs- und Bildungsfragen (und damit auch Bildungsgerechtigkeit) und schließlich das Bemühen um Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe ziehen sich wie ein roter Faden durch die Biografien von Menschen mit geistiger Behinderung. Folgerichtig stellen sie nach den grundsätzlichen geragogischen Überlegungen (alt werden - alt sein; Ordnungsprinzipien für die Altersphase; Übergang in den Ruhestand) und deren Bezug zur Lebenswirklichkeit von Menschen mit geistiger Behinderung die Themenfelder Wohnen, Soziale Beziehungen, Information und Kommunikation, Gesundheit und Prävention im Alter, Mobilität, Freizeit, Bildung und Kultur sowie Religiosität und Spiritualität kompakt dar. Sehr erfreulich ist zu diesen Bausteinen (die alle für sich stehend konkrete Empfehlungen für ehrenamtlich, familiär oder professionell Tätige in der Behindertenhilfe geben können) anzumerken, dass Hans-Jürgen Pitsch und Inge Thümmel eine Balance finden konnten zwischen den wichtigen (mehr formalen) Fragen der Versorgung, der Gesundheit, der Mobilität, des Wohnens und der Pflege auf der einen Seite und den ebenso (mehr materialen) Gehalten des Lebens wie den (zu erhaltenden und zu entwickelnden) sozialen Beziehungen, den rezeptiven und produktiven Fragen von Information und Kommunikation, der aktiven (ggf. assistierten) Gestaltung von Freizeit, der Teilhabe an Bildung und Kultur sowie Religiosität und Spiritualität als weitere „Orientierungsmöglichkeiten für menschliches Leben“ (S. 286) im Sinne einer positiven Beeinflussung von Lebensqualität und Lebenssinn. Ohne hier einen intentionalen Schwerpunkt gelegt (oder im Wesentlichen betont) zu haben, gelingt es den Autoren auf sehr eindrucksvolle (und im deutschsprachigen Raum bisher einmalige) Weise, das kategoriale Denken der bildungstheoretischen Didaktik auch für ältere, alternde und alte Menschen mit geistiger Behinderung zu entfalten. Sie zeigen konkrete und zentrale (sowohl funktionsals auch inhaltsbezogene) Lebenschancen auf und tragen so ganz wesentlich dazu bei, auch für Menschen mit geistiger Behinderung ein zufriedenes und erfülltes, aktives und mitwirkendes Leben im Alter ermöglichen zu können. Eine wichtige Publikation für die ehrenamtliche wie für die professionelle Behindertenhilfe. Dr. phil. Holger Schäfer D-54470 Bernkastel-Kues DOI 10.2378/ vhn2018.art40d
