Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
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0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/vhn2019.art11d
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2019
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Rezension: Klein, Ferdinand (2018): Mit Janusz Korczak Inklusion gestalten
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2019
Thomas Maschke
Klein, Ferdinand (2018): Mit Janusz Korczak Inklusion gestalten Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. 224 S., € 20,– Ferdinand Klein legt mit seinem neuen Buch ein in vielerlei Hinsicht als „persönlich“ zu charakterisierendes Werk vor. Er mutet seinen Leser/innen eine primär gedankliche, in der Folge aber auch umzusetzende handelnde Auseinandersetzung zu, welche je individuell und damit persönlich geleistet werden muss. Daher ist dieses Buch kein Lehrbuch, sondern eine (positiv gemeinte) Herausforderung.
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VHN 1 | 2019 85 REZE NSION E N Klein, Ferdinand (2018): Mit Janusz Korczak Inklusion gestalten Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. 224 S., € 20,- Ferdinand Klein legt mit seinem neuen Buch ein in vielerlei Hinsicht als „persönlich“ zu charakterisierendes Werk vor. Er mutet seinen Leser/ innen eine primär gedankliche, in der Folge aber auch umzusetzende handelnde Auseinandersetzung zu, welche je individuell und damit persönlich geleistet werden muss. Daher ist dieses Buch kein Lehrbuch, sondern eine (positiv gemeinte) Herausforderung. In acht grundlegenden Kapiteln widmet sich Klein seinem (Herzens-)Anliegen: Möglichkeiten und Perspektiven einer Pädagogik zu entwickeln und aufzuzeigen, die in Form einer „Handlungsethik“ (vgl. S. 46 und S. 117ff.) in der unmittelbaren Ich-Du-Begegnung als bewusste Anerkennung der Würde des anderen (S. 81) wirksam werden können. Hier ist der/ die Erzieher/ in gefordert, auch die „eigene Unwissenheit“ zuzulassen (S. 75), sich in den intersubjektiven Dialog zu begeben und dabei Transformationen (nicht nur bei sich selbst) zuzulassen: vom „Haben“ zum „Sein“ (Fromm, vgl. besonders Kap. 1 -3), vom Herrschen zum Dienen (Kap. 4.2) sowie vom Wissen zum Fragen (vgl. hierzu besonders Kap. 8). Die pädagogische Maxime Korczaks und Kleins lautet daher: Das Sein des Erziehers ist das „erste Wirkende“, das Tun steht an zweiter Stelle, und erst dann folgt, was er redet (vgl. S. 83). Erziehung ist daher (primär) eine Haltung (S. 87ff.). Korczaks gelebte „kleine Republik“ im Warschauer Ghetto ist Beleg für die Möglichkeit demokratischen und achtsamen Umgangs im Miteinander (wofür Klein auch aktuelle Beispiele bringt). Mit dem aus Leben und Werk Korczaks abgeleiteten Diktum, dass „Erzieher und Kind […] miteinander auf dem Weg, sich zu bessern“ (S. 83) seien, ist die historische Korczak-Pädagogik „anschlussfähig an heutige Diskurse, wenn von der professionellen Kompetenz als nie endende Selbstentwicklungsaufgabe gesprochen wird“ (ebd.). Klein wählt Korczak als Beispiel und Vorbild für ein Denken und eine Pädagogik, welche nach dem Wie des pädagogischen Handelns fragen und aus der „Idee des Guten“ antworten (S. 208). Damit zeigt er „inklusionspädagogische Perspektiven“ (Kap. 8.5) auf. „Problemlösen“ (S. 174) als zentrale Aufgabe führt zu der „Einsicht, dass Inklusionspädagogik eine subjektorientierte und intersubjektive Disziplin ist“ (S. 175). VHN 1 | 2019 86 REZE NSION E N Klein führt Beispiele gelingender Praxis und besonders vielfältigste Anregungen und Bestärkung in der Suche nach pädagogischen Handlungsmöglichkeiten in einer umfangreichen Weite auf, dass Leser/ innen bestätigt werden, Möglichkeiten einer die Individualität achtenden Pädagogik (welche gelebte „sense of dignity“ und „sense of selfworth“ [UN-BRK] in Gemeinschaft und also einen „sense of belonging“ [ebd.] verwirklichen hilft) zu entwickeln - immer wieder neu. Ferdinand Klein ist durch vielfältige pädagogische Erfahrungen und Reflexionen berührt vom Rätsel des Kindes. Die hieraus entspringende Haltung und Suche wird (nicht nur) mit diesem Buch in eine „Begegnung“ (Buber) gewandelt, die in einer nicht abzuschließenden Weise die Entwicklung und Verteidigung einer „Pädagogik der Achtung“ anregt. Eine weite Verbreitung sei diesem Werk ausdrücklich gewünscht! Dr. päd. Thomas Maschke D-68167 Mannheim DOI 10.2378/ vhn2019.art11d
