eJournals Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete88/3

Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
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0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/vhn2019.art32d
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2019
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Trend: Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung und ihre Klassenkamerad/innen

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2019
Christoph Michael Müller
Im Themenstrang „Die Klassenkameraden – Freunde, Feinde, Sozialisationsinstanz“ wurde die Frage der Beziehungen und Einflussprozesse innerhalb von Schulklassen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Die Breite der betrachteten Themen und eingesetzten Analysemethoden vermittelt einen Einblick in die Vielfalt der Zugänge und inhaltlichen Aspekte der Thematik. Mit diesem abschließenden Beitrag sollen unter Einbezug der Themenstrangbeiträge zukünftige Forschungsperspektiven bestimmt werden. Im Vordergrund steht dabei die Frage nach der Bedeutsamkeit der Klassenkamerad/innen für die individuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung. Überlegungen zu gewinnbringenden Forschungsperspektiven gründen erstens auf bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen. Bei den hier interessierenden Fragen kann auf ein etabliertes Feld der Peerforschung einerseits und Studien zur Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung andererseits zurückgegriffen werden. Zweitens basieren die folgenden Überlegungen auch auf Einschätzungen zur grundlagenwissenschaftlichen und anwendungsbezogenen Dringlichkeit der Klärung spezifischer Fragen. [...]
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240 240 VHN, 88. Jg., S. 240 -245 (2019) DOI 10.2378/ vhn2019.art32d © Ernst Reinhardt Verlag < RUBRIK > < RUBRIK > Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung und ihre Klassenkamerad/ innen Perspektiven für die zukünftige Forschung Christoph Michael Müller Universität Freiburg/ Schweiz TRE ND TH EME NSTR ANG Die Klassenkameraden - Freunde, Feinde, Sozialisationsinstanz 1 Hintergrund Im Themenstrang „Die Klassenkameraden - Freunde, Feinde, Sozialisationsinstanz“ wurde die Frage der Beziehungen und Einflussprozesse innerhalb von Schulklassen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Die Breite der betrachteten Themen und eingesetzten Analysemethoden vermittelt einen Einblick in die Vielfalt der Zugänge und inhaltlichen Aspekte der Thematik. Mit diesem abschließenden Beitrag sollen unter Einbezug der Themenstrangbeiträge zukünftige Forschungsperspektiven bestimmt werden. Im Vordergrund steht dabei die Frage nach der Bedeutsamkeit der Klassenkamerad/ innen für die individuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung. Überlegungen zu gewinnbringenden Forschungsperspektiven gründen erstens auf bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen. Bei den hier interessierenden Fragen kann auf ein etabliertes Feld der Peerforschung einerseits und Studien zur Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung andererseits zurückgegriffen werden. Zweitens basieren die folgenden Überlegungen auch auf Einschätzungen zur grundlagenwissenschaftlichen und anwendungsbezogenen Dringlichkeit der Klärung spezifischer Fragen. 2 Forschungsdesiderata 2.1 Erforschung der Bedeutung behinderungsspezifischer Merkmale bei Peerprozessen Wie akzeptiert und populär Kinder und Jugendliche bei ihren Klassenkamerad/ innen sind, hängt unter anderem mit ihren individuellen Eigenschaften zusammen (z. B. Krull, Wilbert & Hennemann, 2014; Prinstein et al., 2018). Zu dieser Frage liegen mittlerweile auch viele Arbeiten mit Blick auf Schüler/ innen mit einer Behinderung vor (z. B. Übersicht bei Huber, 2019). Dabei erweisen sich insbesondere Studien als hilfreich, die über die breite Kategorie von sonderpädagogischem Förderbedarf hinaus Einblicke in die Bedeutung behinderungsspezifischer Merkmale erlauben. Aufgrund des häufig gemeinsamen Auftretens verschiedener Problemlagen (z. B. geistige Behinderung und Verhaltensprobleme) wäre es an dieser Stelle hilfreich, vermehrt das Zusammenspiel solcher Merkmale in Bezug auf die soziale Situation unter den Klassenkamerad/ innen in den Blick zu nehmen. Ansonsten bleibt beispielsweise unklar, ob ein geringer sozialer Status von Jugendlichen mit einer geistigen Behinderung mit ihren kognitiven Schwierigkeiten, Problemen im Sozialverhalten oder dem Zusammenwirken beider Faktoren zusammenhängt. Diese Berücksichtigung gleichzeitig VHN 3 | 2019 241 CHRISTOPH MICHAEL MÜLLER Behinderte Kinder und ihre Klassenkameraden: Forschungsperspektiven TRE ND auftretender Merkmale ist auch in Bezug auf Effektivitätsvergleiche zwischen verschiedenen Schulsettings entscheidend. So deutet beispielsweise vieles darauf hin, dass zusätzliche Verhaltensprobleme von Schüler/ innen mit einer geistigen Behinderung die Wahrscheinlichkeit einer separierenden statt integrierenden Beschulung erhöhen (Klauss, 2014) und gleichzeitig bedeutsam für den sozialen Status sind (Prinstein et al., 2018). In Studien zur sozialen Integration in verschiedenen Schulformen ist es daher wichtig sicherzustellen, dass die untersuchten Schülergruppen in Bezug auf die für die soziale Integration relevantesten Merkmale vergleichbar sind (z. B. durch Matching oder die statistische Kontrolle dieser Faktoren). Zur Frage der Beeinflussbarkeit von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung durch die Klassenkamerad/ innen ist bisher noch sehr wenig bekannt. Grundsätzlich finden sich Hinweise, dass Merkmale wie Impulsivität oder eine geringe Sozialkompetenz, die sich bei manchen Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung in ausgeprägter Form zeigen, Peereffekte moderieren können (z. B. Gardner, Dishion & Cornell, 2008). Bisher liegen spezifisch für Schüler/ innen mit einer Behinderung aber nur vereinzelt Studien zur Beeinflussbarkeit durch die Peers vor (z. B. Bexkens et al., early online; Yafai, Verrier & Reidy, 2014). Diese Studien legen nahe, dass je nach Behinderungsform ein verstärkter oder verringerter Peereinfluss bestehen könnte. Aufgrund des Risikos, dass einerseits weniger positive Gelegenheiten zum Lernen von den Peers (z. B. infolge von Problemen beim genauen Beobachten) und andererseits eine erhöhte Vulnerabilität für negativen Peereinfluss (z. B. wegen des Nichterkennens bewusster Manipulation) vorliegen könnte, besteht hier dringender Forschungsbedarf. Dieser gilt gerade auch für die Situation schwer behinderter Menschen, die aufgrund fehlender verbaler Sprache und weiterer Problemlagen oft schwierig in Forschungsarbeiten einzubeziehen sind. Hier können sehr spezifische Studienanlagen notwendig sein. Beispielhaft sei auf eine strukturierte Einzelfallanalyse zu Peereinfluss bei drei schwer mehrfach behinderten Jugendlichen verwiesen. Unter Nutzung eines ABABAB-Designs zeigte sich, dass in standardisierten Situationen bei Anwesenheit der Klassenkamerad/ innen die untersuchten Jugendlichen eine höhere Herzfrequenzrate hatten als in Phasen ohne Präsenz der Peers (Scherler & Müller, 2018). Das Potenzial verschiedener Messmethoden zur Erfassung der Situation von Schüler/ innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf scheint mit Blick auf den Themenstrangbeitrag von Zurbriggen (2018) dabei noch lange nicht ausgereizt. So zeigt die Autorin in ihrem Beitrag auf, dass neben eher klassischen Methoden, wie der Soziometrie, durch die Verbreitung neuer Technologien auch zunehmend alternative Messverfahren zur Verfügung stehen. Beispielsweise könnte das von Zurbriggen beschriebene Social Sensing, aufgrund der Unabhängigkeit dieser Methode von Sprache, interessante neue Forschungszugänge zur sozialen Situation von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung bieten. 2.2 Erforschung von Peerprozessen in vielfältigen Klassenkontexten Untersuchungen zu den Beziehungen und Einflussprozessen zwischen Kindern und Jugendlichen beziehen sich bisher schwerpunktmäßig auf die Situation in Regelschul- oder integrativen Klassen. Diese Befunde sind sehr hilfreich, geben aber nur einen bestimmten Ausschnitt der schulischen Realität von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung wieder. Ein großer Teil der Schüler/ innen mit einer Behinderung, insbesondere jene mit einer schweren Beeinträchtigung und mit Verhaltensproblemen, besucht im deutschsprachigen Raum spezialisierte Förderschulen (z. B. 88 % der Schüler/ innen im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung in Deutschland, s. Kultusminis- VHN 3 | 2019 242 CHRISTOPH MICHAEL MÜLLER Behinderte Kinder und ihre Klassenkameraden: Forschungsperspektiven TRE ND terkonferenz, 2016). Um die soziale Situation von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung in ihrer Klasse umfassend zu beleuchten, sollten für Forschungsarbeiten deshalb systematisch alle Schulkontexte aufgesucht werden, in denen diese Schüler/ innen beschult werden. Dies erscheint dringend notwendig, wenn man bedenkt, wie wenig beispielsweise zu den Beziehungsnetzwerken innerhalb von Förderschulen für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung bekannt ist (s. a. systematisches Review von Schoop-Kasteler & Müller, eingereicht). Da viele Studien darauf hindeuten, dass soziale Positionen nicht nur von individuellen Schülereigenschaften, sondern auch vom Klassenpeerkontext abhängen (z. B. Klassennormen, Klassenklima; s. Chang, 2004), lassen sich an dieser Stelle noch viele Erkenntnisse erwarten, die Wege zur Verbesserung der sozialen Situation von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung in ihrer Klasse aufzeigen könnten. 2.3 Erforschung des Zusammenspiels zwischen individuellen, schulischen, außerschulischen und Klassen- Faktoren Die soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in der Schule wird durch Faktoren und Akteure auf mehreren Ebenen beeinflusst (Farmer et al., 2016). Die Erforschung des Zusammenspiels individueller Schülereigenschaften mit den Charakteristika der Klassenkamerad/ innen, der Lehrpersonen, der Schule als Ganzes, aber auch mit Merkmalen außerschulischer Instanzen (z. B. Eltern, Nachbarschaft usw.) steht selbst in Bezug auf typisch entwickelte Kinder und Jugendliche noch am Anfang. Noch mehr gilt dies für die Situation von behinderten Schüler/ innen, die individuell oft sehr unterschiedliche Besonderheiten aufweist. So vollzieht sich die soziale Entwicklung oftmals unter der Bedingung herausfordernder individueller Problemlagen (z. B. kognitive, motorische, soziale oder Sinnesprobleme), teilweise sehr spezifischer schulischer Peerkontexte (z. B. Spezialklassen), besonders geschulter Lehrpersonen und angepasster Curricula. Auch die Rolle weiterer Fachpersonen (z. B. Ärzt/ innen, Therapeut/ innen) ist in der Regel viel bedeutsamer als bei Kindern und Jugendlichen ohne Behinderung. Ein Ziel sonderpädagogischer Forschung sollte es deshalb sein, ausgehend von sozialökologischen Modellen und empirischen Befunden, besser zu verstehen, wie die verschiedenen genannten Faktoren zusammenspielen und die soziale Situation von Schüler/ innen mit einer Behinderung in ihrer Klasse prägen. Dieses anspruchsvolle Vorhaben verlangt es, kleinschrittig vorzugehen, um sich langsam ein umfassenderes Bild zu verschaffen. Beispielhaft für ein solches Vorgehen ist der Themenstrangbeitrag von Scharenberg, Rollett und Bos (2018), welche systematisch die moderierenden Effekte verschiedener Klassenkompositionsmerkmale auf den Zusammenhang zwischen sonderpädagogischem Förderbedarf und der Mathematikleistung untersuchten. Die Ergebnisse weisen dabei auf die Bedeutung verschiedener Hintergrundmerkmale der Schülerschaft (z. B. mittlerer sozioökonomischer Status in der Klasse) hin. In die Zukunft gerichtet gibt die Autorenschaft die wichtige Anregung, zusätzlich zu Hintergrundfaktoren auch Effekte sozialer, motivationaler oder emotionaler Merkmale auf der Klassenaggregatsebene zu betrachten. 2.4 Erforschung der Effekte von Unterrichtsmerkmalen und Interventionen auf Peerprozesse Huber (2019) stellte in seinem Themenstrangbeitrag fest, dass die „Förderung von sozialen Integrationsprozessen ein vergleichsweise ungeordnetes und wenig untersuchtes Feld“ (S. 28) ist. Dies trifft auch auf den Bereich des Förderns von positivem und des Reduzierens von negativem Peereinfluss auf die soziale Entwicklung von VHN 3 | 2019 243 CHRISTOPH MICHAEL MÜLLER Behinderte Kinder und ihre Klassenkameraden: Forschungsperspektiven TRE ND Kindern und Jugendlichen zu. Die Entwicklung Erfolg versprechender Maßnahmen kann dabei Rückbezug auf Theorien und grundlagenwissenschaftliche Erkenntnisse nehmen. Beispielsweise wird im Konzept „The Teacher as an Invisible Hand“ (Farmer et al., 2018) auf Ergebnisse rekurriert, die zeigen, dass Lehrpersonen durch die Art, wie sie Unterrichtssituationen (oft unbewusst) gestalten, Einfluss auf die Beziehungen und Einflussprozesse zwischen Schüler/ innen nehmen. So zeigen Studien, dass unter der Bedingung von emotionaler Unterstützung, aber auch bei fachlich interessantem Unterricht, weniger negativer Peereinfluss zwischen Schüler/ innen vorkommt (Müller, Hofmann, Begert & Cillessen, 2018; Shin & Ryan, 2017). Der Themenstrangbeitrag von Begert und Müller (2019) deutet in eine ähnliche Richtung. Die Ergebnisse lassen erwarten, dass ein aktives Unterstützen der positiven Peerbeziehungen in der Klasse zu einer Reduktion von individuellen Unterrichtsstörungen beitragen kann. Alle genannten Studien beziehen sich jedoch nicht explizit auf Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung. Die Anbahnung positiver Peerinteraktionen im Unterricht kann sich für diese Personengruppe noch einmal als speziell herausfordernd darstellen und bedarf weiterer konzeptueller und empirischer Arbeit. Das von Huber (2019) dargestellte Modell zur Förderung sozialer Integration kann hier eine theoriebasierte Perspektive bieten und die Generierung überprüfbarer Hypothesen unterstützen. Anregungen für weitere Forschungsarbeiten kommen auch vonseiten des literaturwissenschaftlichen Themenstrangbeitrags von Ralph Müller (2018). Er kommt zum Schluss, dass in den Darstellungen der Kinder- und Jugendliteratur der Klassenverband die Beziehungen seiner Mitglieder sowohl im Guten als auch im Schlechten beeinflusst und bei den literarischen Figuren oft neue Entwicklungsprozesse anstößt. Diese Beobachtungen könnten Anlass geben, das Potenzial von Kinder- und Jugendliteratur zum Thema „Klassenkameradschaft“ vermehrt auch in den Blick der Interventionsforschung zu nehmen: Wie der Autor darlegt, kann die literarische Auseinandersetzung für Kinder und Jugendliche ein „fiktionales Probehandeln“ (ebd., S. 109) unter den Klassenkamerad/ innen ermöglichen. Neben den sich dadurch ergebenden Optionen für eigenes Verhalten könnte die Arbeit mit Literatur auch Anlass zur gemeinsamen Reflexion von Peerprozessen auf Klassenebene bieten. Es erscheint lohnenswert zu untersuchen, inwiefern eine solche Auseinandersetzung mit Literatur zu tatsächlichen Verhaltensänderungen von Schüler/ innen führt. 3 Fazit In Bezug auf die Entwicklungsbedingungen von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung dominiert häufig der Blick auf die Bedeutung individueller Faktoren und der Erwachsenenwelt. Das aktive Mitdenken der Peers als Sozialisationsagent/ innen eröffnet insbesondere für Lehrpersonen ein breites Feld an Optionen. Nicht immer muss es hier um hochstrukturierte Interventionsprogramme gehen. Erfolgsversprechend könnte bereits sein, wenn Lehrpersonen bewusst beobachten, wie sich die sozialen Beziehungen und Einflussprozesse im alltäglichen Unterrichts- und Pausengeschehen darstellen. Beginnend beim Festlegen von Sitzpositionen in der Klasse über das Bereitstellen geeigneten Interaktionsmaterials bis hin zur genauen Planung von Schülerzusammensetzungen und verteilten sozialen Rollen in Gruppenarbeiten bietet sich im Unterricht ständig Gelegenheit, solche Beobachtungen in das Lehrerhandeln einfließen zu lassen (z. B. van den Berg & Stoltz, 2018). Der vorliegende Beitrag zeigt jedoch auch, dass in Bezug auf die Bedeutsamkeit der Klassenkamerad/ innen für die individuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung noch viele Fragen offen sind. Die sonderpädagogische Forschung ist an dieser Stelle aufgefordert, das in VHN 3 | 2019 244 CHRISTOPH MICHAEL MÜLLER Behinderte Kinder und ihre Klassenkameraden: Forschungsperspektiven TRE ND der Disziplin vorhandene Spezialwissen zu Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung und den für diese Personengruppe oft notwendigen messmethodischen Anpassungen mit den Erkenntnissen aus der Peerforschung zu verknüpfen (s. a. Zurbriggen, 2018). Diese Kombination verspricht für beide Forschungsfelder gewinnbringende Erkenntnisse und bietet Perspektiven zum besseren Verständnis von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung und ihrer Unterstützung im Schulalltag. Als Gastherausgeber des Themenstrangs „Die Klassenkameraden - Freunde, Feinde, Sozialisationsinstanz“ bedanke ich mich herzlich bei allen Autor/ innen für ihre inspirierenden Beiträge und die gute Zusammenarbeit. Literatur Begert, T. & Müller, C. M. (2019). Zum Einfluss des Klassenzusammenhalts auf Unterrichtsstörungen - eine netzwerkanalytische Längsschnittstudie auf der Sekundarstufe I. Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete, 88 (2), 100 -113. https: / / doi.org/ 10.2378/ vhn2019.art19d Bexkens, A., Huizenga, H. M., Neville, D. A., d’Escury- Koenigs, A. L. C., Bredman, J. C., Wagemaker, E. & Van der Molen, M. W. (early online). Peer influence on risk-taking in male adolescents with mild to borderline intellectual disabilities and/ or behavior disorders. Journal of Abnormal Psychology. https: / / doi.org/ 10.1007/ s10802-018- 0448-0 Chang, L. (2004). The role of classroom norms in contextualizing the relations of children’s social behaviors to peer acceptance. Developmental Psychology, 40 (5), 691 -702. https: / / doi.org/ 10.1037/ 0012-1649.40.5.691 Farmer, T. W., Sutherland, K. S., Talbott, E., Brooks, D. S., Norwalk, K. & Huneke, M. (2016). 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Effekte der Klassenkomposition auf die Mathematikleistung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in inklusiven Schulklassen am Ende der Grundschulzeit. Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete, 87 (4), 289 -304. http: / / dx.doi. org/ 10.2378/ vhn2018.art34d Schoop-Kasteler, N. & Müller, C. M. (eingereicht). Peer relationships of students with intellectual disabilities in special needs classrooms - A systematic review. Scherler, N. & Müller, C. M. (2018). Peer Influence in Adolescents with Severe Multiple Disabilities - Measuring Heart Rate Changes. Poster präsentiert bei der Herbsttagung des Arbeitskreises empirische sonderpädagogische Forschung, Wuppertal, 16. 11. 2018. Abgerufen am 6. 12. 2018 von https: / / www.researchgate.net/ publica tion/ 329044451_Peer_Influence_in_Adoles cents_with_Severe_Multiple_Disabilities-Mea suring_Heart_Rate_Changes Shin, H. & Ryan, A. M. (2017). 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Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete, 87 (3), 205 -217. http: / / dx.doi.org/ 10.2378/ vhn2018.art22d Anschrift des Autors Prof. Dr. Christoph Michael Müller Universität Freiburg/ Schweiz Departement für Sonderpädagogik Petrus-Kanisius-Gasse 21 CH-1700 Freiburg E-Mail: christoph.mueller2@unifr.ch