eJournals Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete89/2

Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
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0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/vhn2020.art14d
5_089_2020_2/5_089_2020_2.pdf41
2020
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Fachbeitrag: Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung

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2020
Margarita Bilgeri
Christian Lindmeier
Der Beitrag beschäftigt sich aus einer international vergleichenden Perspektive mit Behinderungsmodellen (models of disability). Sein Ziel ist es, ein human-ökonomisches Modell der Behinderung zur Diskussion zu stellen. Dabei orientieren wir uns an Amartya Sens Capability Approach, der es ermöglicht, Behinderung aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
5_089_2020_2_0005
107 VHN, 89. Jg., S. 107 -122 (2020) DOI 10.2378/ vhn2020.art14d © Ernst Reinhardt Verlag Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung Margarita Bilgeri Universität Koblenz Landau Christian Lindmeier Universität Halle-Wittenberg Zusammenfassung: Der Beitrag beschäftigt sich aus einer international vergleichenden Perspektive mit Behinderungsmodellen (models of disability). Sein Ziel ist es, ein humanökonomisches Modell der Behinderung zur Diskussion zu stellen. Dabei orientieren wir uns an Amartya Sens Capability Approach, der es ermöglicht, Behinderung aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Schlüsselbegriffe: Behinderungsmodelle, Capability Approach, human-ökonomisches Modell A Human-Economic Model of Disability Summary: This paper discusses models of disability from an international comparative perspective. The aim of the authors is to develop a human-economic model of disability to contribute to the dialogue about different models. As a basis for developing a new model, Amartya Sen’s Capability Approach has been chosen as it offers to look at disability from a different perspective. Keywords: Models of disability, Capability Approach, human-economic model FACH B E ITR AG 1 Behinderungsmodelle „Oft wird unterschätzt, wie sehr Behinderungen den Mangel und die Not in der Welt mitbestimmen, und das kann eines der wichtigsten Argumente für die Konzentration auf Befähigungen und Chancen sein. Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung gehören nicht nur zu den am meisten Mangel Leidenden in der Welt, sondern sie sind außerdem auch häufig genug die am wenigsten Beachteten.“ (Sen, 2010, S. 286) Modelle der Behinderung sind insbesondere im anglophonen Sprachraum beheimatet. Es zeigt sich sehr schnell, dass es dort insgesamt mehr und z. T. auch andere Modelle gibt als im deutschsprachigen Raum. Einem Überblick von Retief und Letšosa (2018) zufolge lassen sich im englischsprachigen Raum aktuell neun Behinderungsmodelle unterscheiden, die man in Anlehnung an Smart und Smart (2006) in Hauptmodelle (major models) und Nebenmodelle untergliedern kann. Abbildung 1 zeigt eine Übersicht mit insgesamt 13 Modellen und Nebenmodellen. Im deutschsprachigen Raum sind es hingegen nur vier Modelle, die den gegenwärtigen fachlichen Diskurs bestimmen: das medizinische oder individuelle Modell, das soziale Modell, das kulturelle Modell und das menschenrechtliche Modell (z. B. Waldschmidt, 2005; Dederich, 2012; Degener, 2017). Während das individuelle und das soziale als Hauptmodelle gelten, ist der Stellenwert des kulturellen und des menschenrechtlichen Modells umstritten (z. B. Kastl, 2017; Weisser, 2018). VHN 2 | 2020 108 MARGARITA BILGERI, CHRISTIAN LINDMEIER Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung FACH B E ITR AG Abb. 1: Übersicht Hauptmodelle und Nebenmodelle (eigene Darstellung) Hauptmodelle und Nebenmodelle Funktionales/ Ökonom. Modell (Smart 2004; Armstrong, Noble, Rosenbaum 2006) Social constructionist of the US Impairment version (Oliver 2013; Shakespeare 2013) (Pfeiffer 2001) Independent living version Postmodern version Continuum version Social model of the UK Human variation version Discrimination version Oppressed minority model Relationales Modell (Wilson 2003; Reindal 2008) Kulturelles Modell (Waldschmidt 2018; Devlieger, Rusch, Pfeiffer 2003) Identitäts- Modell (Brewer et al. 2012) Universales Modell (Schur, Kruse, Blanck 2013) Moralisches, religiöses Modell (Pardeck, Murphy 2012; Henderson, Bryan 2011; McClure 2007) Medizinisches Modell Soziales Modell ICF: Bio-psychosoziales Modell WHO 2001 Nagi- Modell 1960er GB: Crypto Marxist US: Normal Role Model 1948 Menschen- Rechte 1970 CA (Sen 1979) 2006 BRK Menschenrechte Teilhabeorientiert Fokus auf Mehrwert für Individuum Fokus auf ökonomischen Mehrwert Defizitorientiert Menschenrechtliches Modell (Degener 2017) „Human Development“ Modell (Mitra 2018) Human- Ökonom. Modell (Nagi 1991) (Bilgeri, Lindmeier 2020) VHN 2 | 2020 109 MARGARITA BILGERI, CHRISTIAN LINDMEIER Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung FACH B E ITR AG Diese Übersicht verdeutlicht - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - die Vielfalt an bestehenden Modellen und versucht eine systematische historische Darstellung im Kontext der Menschenrechte, der UN-Behindertenrechtskonvention, des Capability Approach 1 (CA) und der ökonomischen Ausrichtung. Smart (2004) weist darauf hin, dass Behinderungsmodelle eine Reihe von wichtigen Zwecken erfüllen: n „Models of disability provide definitions of disability. n Models of disability provide explanations of causal attribution and responsibility attributions. n Models of disability are based on (perceived) needs. n Models guide the formulation and implementation of policy. n […] 2 n Models of disability determine which academic disciplines study and learn about PWDs (Persons With Disabilities, d. Verf.). n Models of disability shape the self-identity of PWDs“ (ebd., S. 25ff.). Ferner muss festgestellt werden, dass Modelle keine Theorien zu Behinderung darstellen (Waldschmidt, 2005), sondern in erster Linie die Interessen behinderter Menschen verfolgen und somit für die „policy“-Ebene von Bedeutung sind. Gabel und Peters bringen die Unterschiede und Zusammenhänge zwischen Modellen, Paradigmen und Theorien vereinfacht auf den Punkt: „For the purposes of communication, we suggest generally that paradigms construct theories that use models in different ways and these models often lead to new theories that, in turn, can prompt new paradigms“ (Gabel & Peters, 2004, S. 587) 3 . Ergänzend hierzu bemerken Devlieger, Rusch und Pfeiffer (2003), dass Modelle eine Möglichkeit bieten, über die Wirklichkeit zu reflektieren. „[…] [T]hey are the tool of the pragmatist, both the intellectual, professional, and disabled individual use them to make sense and act“ (ebd., S. 14). Sie bezeichnen die Modelle als vereinfachte Repräsentationen unserer Wirklichkeit. Dabei gilt es zu beachten, dass historische Veränderungen und andere Einflussfaktoren das Denken in Modellen beeinflussen, „Nevertheless, it can be assumed that model thinking will remain to be dominant in the near future of disability studies“ (ebd.). Waldschmidt, Karacic, Sturm und Dins (2015) beziehen sich hingegen auf Modelle als „identity frames of disability rights activism“ (S. 103). 2 Die Mehrperspektivität von Behinderungsmodellen Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass ein Behinderungsmodell eine bestimmte Perspektive auf Behinderung darstellt. Die Einnahme der einen oder anderen Perspektive prägt die Auseinandersetzung mit Behinderung grundlegend und hat somit auch jeweils spezifische Konsequenzen. Auch Julie Smart (2009) betont, dass Behinderungsmodelle einen sehr großen Einfluss auf das Leben von Menschen mit Behinderung haben. Aus diesem Grund darf die Bedeutung, die solche Modelle haben, auf keinen Fall unterschätzt werden. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass Modelle immer zeit- und kulturgebunden sind. „[D]ifferent concepts of disability have historically led to different methods of dealing with disability and ways of responding to individuals who experience disabilities“ (Smart, 2009, S. 4). Aus kulturwissenschaftlicher Perspektive weist Dederich (2012, S. 27) darauf hin, „dass unterschiedliche Modelle von Behinderung jeweils unterschiedliche ‚Einbettungen‘ der behinderten Person in die Gesellschaft implizieren […]“. Nimmt man beispielsweise das medizinische (oder individuelle, Oliver, 1996; Waldschmidt et al., 2015, S. 123) und das soziale Modell 4 von VHN 2 | 2020 110 MARGARITA BILGERI, CHRISTIAN LINDMEIER Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung FACH B E ITR AG Behinderung, so unterscheiden sich die Maßnahmen zu Inklusion, Partizipation und generell zur Verbesserung der Lebensumstände von Menschen mit Behinderung extrem. Vertreter/ innen des medizinischen Modells betrachten das Individuum eher aus einer defizitorientierten Perspektive. Sie suchen Möglichkeiten der Verbesserung von Lebensumständen durch Rehabilitationsmaßnahmen oder medizinische Therapien und Eingriffe. Aus der Perspektive des sozialen Modells werden hingegen Verbesserungsansätze im sozialen und gesellschaftlichen Umfeld bzw. der Umwelt von Menschen mit Behinderung relevant. In diesem Spannungsfeld von medizinischem und sozialem Modell merkt Felder (2012) an, dass die Entwicklung eines neuen Modells „nicht nur die Fehler, Grenzen und Einseitigkeiten beider Modelle vermeiden [muss]. Es muss auch die Plausibilitäten beider Modelle einfließen lassen“ (ebd., S. 75). Darunter versteht sie aus medizinischer Perspektive einerseits die biologischen Schädigungen und „deren lebensweltliche Auswirkungen (beispielsweise große Schmerzen) [, die] nicht immer ausschließlich sozialer Natur sind“ (ebd.). Aus der Perspektive des sozialen Modells sieht sie die Gewichtung hingegen auf „im weiteren Sinne sozialen Faktoren, welche einen wichtigen Teil der Erfahrung einer Behinderung ausmachten“ (ebd.). Das soziale Modell bildete auch den Ausgangspunkt der kritischen Einwände gegen die ICIDH der WHO, die in den 1990er Jahren zur Entwicklung der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit führte (Lindmeier, 2002, 2003; Waldschmidt, 2005). Wie Judith Hollenweger, die den Revisionsprozess in der Schweiz moderierte, betont, ist die ICF „nicht nur eine Klassifikation, sondern auch ein Modell von ‚Behinderung‘, das international und interdisziplinär breit abgestützt worden ist“ (Hollenweger, 2005, S. 151). Außerdem weist sie darauf hin, dass sich an der Erarbeitung nicht nur Fachpersonen aus verschiedenen Disziplinen, sondern auch Behinderten(selbsthilfe-)organisationen beteiligten. Ihrem Einsatz sei es zu verdanken, dass auch die Perspektive der ‚Insider‘ bzw. ‚Experten aus Erfahrung‘ berücksichtigt wurde. Ihre Mitarbeit habe insbesondere dazu geführt, dass die Umweltfaktoren und ihre Bedeutung für den Prozess der Behinderung in das ICF-Modell integriert wurden (s. auch Hurst, 2003). Doch auch das soziale Modell wird mittlerweile vielfach kritisiert (vgl. z. B. Kastl, 2017; Shakespeare, 2013; Waldschmidt, 2005). Solche Entwicklungen spiegeln die Beweglichkeit, die Diskurse und die Veränderungen in einer Gesellschaft wider. Behinderungsmodelle können also keinesfalls als statisch oder unbeweglich angesehen werden. Wenn weiter von einer „Verbesserung von Lebensumständen“ die Rede war, so bezieht sich dies generell auf die Lebensqualität eines Menschen. Das heißt, es spielt eine Vielzahl an Faktoren eine Rolle. Wenn wir Begriffe wie Lebensqualität, im Englischen „quality of life“, oder auch Wohlbefinden („well-being“) verwenden, liegt die Bezugnahme auf den CA von Amartya Sen (1979; 2009; 2010) nicht weit. Dieser Ansatz geht davon aus, dass jeder Mensch bestimmte Fähigkeiten oder Verwirklichungschancen (capabilities) hat, die unter gewissen Umständen in Funktionsweisen (functionings) umgesetzt werden können. Das zentrale Moment des CA ist es, ein Leben zu leben, welches selbst wertgeschätzt wird. Dies erfordert unter anderem die Möglichkeit zu wählen und somit gewisse Optionen zu haben. Im Zusammenhang mit dem CA wird meist danach gefragt, welche Verwirklichungschancen (capabilities) ein Mensch hat, also Möglichkeiten/ Befähigungen, bestimmte Funktionsweisen zu verwirklichen, oder welche wertgeschätzten „beings“ und „doings“ ein Mensch erreichen kann. Meist stehen Armut, Exklusion und Marginalisierung im Zentrum, ebenso VHN 2 | 2020 111 MARGARITA BILGERI, CHRISTIAN LINDMEIER Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung FACH B E ITR AG wie die Betrachtung vorhandener Ressourcen. Sen spricht sich - im Gegensatz zu Nussbaum (2011) - grundsätzlich gegen eine generelle Liste von Verwirklichungschancen aus, da es für ihn eine Frage der Verhandlung ist. Mit anderen Worten: Verschiedene Kulturen oder Gemeinschaften werden unterschiedlich darüber verhandeln, welche Verwirklichungschancen sie als die wichtigsten und grundlegendsten betrachten (Sen, 1992). In diesem Kontext müssen auch Kultur und eine kulturwissenschaftliche Perspektive auf Behinderung in die Diskussion mit aufgenommen werden. So konstatiert Waldschmidt (2005, S. 24): „Aus kulturwissenschaftlicher Sicht genügt es nicht, Behinderung als individuelles Schicksal oder diskriminierte Randgruppenposition zu kennzeichnen. Vielmehr geht es um ein vertieftes Verständnis der Kategorisierungsprozesse selbst, um die Dekonstruktion der ausgrenzenden Systematik und der mit ihr verbundenen Realität. Nicht nur Behinderung, sondern auch ihr Gegenteil, die gemeinhin nicht hinterfragte ‚Normalität‘ soll in den Blickpunkt der Analyse rücken.“ Nun stellt sich hier die Frage, inwieweit Kultur als eine wichtige theoretische Perspektive aufgefasst werden soll und ein „in Betracht ziehen“ eines kulturellen Modells von Behinderung Sinn macht. Eine kulturwissenschaftliche Perspektive einzunehmen ist dann essenziell, wenn festgehalten werden soll, dass jegliche Betrachtungsweise von Behinderung immer historisch und kulturell geprägt ist. „Die kulturwissenschaftliche Sichtweise unterstellt nicht - wie das soziale Modell - die Universalität des Behinderungsproblems, sondern lässt die Relativität und Historizität von Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsprozessen zum Vorschein kommen. Sie führt vor Augen, dass die Identität (nicht)behinderter Menschen kulturell geprägt ist und von Deutungsmustern des Eigenen und des Fremden bestimmt wird“ (Waldschmidt, 2005, S. 24). Auf derselben Argumentationslinie kritisiert Waldschmidt das soziale Modell, indem sie anmerkt, dass auch die medizinische Sichtweise nicht einfach auf biologischen Tatsachen basiert. Vielmehr sind auch Medizin und Diagnosen historisch gewachsen und kulturell geprägt (Waldschmidt, 2005, S. 22). Die Bedeutung des kulturellen Kontexts wird auch von Retief und Letšosa (2018) hervorgehoben. Sie argumentieren, dass ein kulturelles Modell auf eine Bandbreite an kulturellen Aspekten zugreift. Dies können sowohl medizinische als auch soziale Faktoren sein. Das kulturelle Modell ist aber nicht nur auf diese Aspekte beschränkt. „[…] [T]he cultural approach does not seek to define disability in any specific way but rather focuses on how different notions of disability and non-disability operate in the context of a specific culture“ (ebd., S. 6). Waldschmidt et al. (2015) merken an, dass das kulturelle Modell bisher wenig Beachtung fand. Sie weisen auch auf die Entwicklung eines „universellen Modells von Behinderung“ mit Bezug auf Schur, Kruse und Blanck (2013) hin. Im Mittelpunkt steht dabei die universelle menschliche Erfahrung von Behinderung und somit eine Abkehr von der Perspektive einer Minderheit. Ein anderer kritischer Ansatz, nämlich derjenige einer Weiterentwicklung des sozialen Modells, wird von Degener (2009) verfolgt. Als Vorsitzende des UN-Ausschusses hat sie ein menschenrechtliches Modell als Weiterführung des sozialen Modells ins Gespräch gebracht, das auf die UN-BRK zugeschnitten und eng an die ICF angelehnt ist. Degener spricht also von einem menschenrechtlichen Modell, das in Folge der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (BRK) verstärkt an Bedeutung gewonnen habe. „Sie [die BRK] manifestiert behindertenpolitisch den Paradigmenwechsel vom medizinischen zum menschenrechtlichen Modell von Behinderung“ (Degener, 2009, S. 219). VHN 2 | 2020 112 MARGARITA BILGERI, CHRISTIAN LINDMEIER Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung FACH B E ITR AG Im Kontext der Menschenrechte kommt es häufig auch zur Diskussion um Chancengleichheit. Dederich moniert, dass eben diese Diskussion - wie auch die über Bildungsgerechtigkeit - oft Behinderung nicht mit einschließe. Er konstatiert weiter, dass selbst auf dem Gebiet der Heil- und Sonderpädagogik eine tiefgreifende Debatte zum Thema Gerechtigkeit noch Entwicklungsbedarf hat (Dederich, 2012, S. 25). Diese Diskussion wurde mittlerweile von Felder (2012) und Lindmeier (2018 a, b) weitergeführt. Im Kontext von Degeners menschenrechtlichem Modell unterstreicht dies die Notwendigkeit eines stärkeren Fokus auf Gerechtigkeit und Menschenrechte (wie z. B. ein Recht auf Bildung) im wissenschaftlichen Diskurs. Die Realisierung des Rechts auf Bildung führt jedoch nicht automatisch zu Bildungsgerechtigkeit. Im Rahmen des CA kann hier der etwas umständlich klingende Begriff einer „Umwandlungs- oder Konversionsgerechtigkeit“ (oder auch Verwirklichungsgerechtigkeit) als relevant hinzugefügt werden. Die Komponenten, die hier eine entscheidende Rolle spielen, sind Umwandlungs- oder Konversionsfaktoren (conversion factors). Diese könnte man gleichsetzen mit Rahmenbedingungen, die benötigt werden, um Ressourcen in Verwirklichungschancen und diese dann in Funktionsfähigkeiten umzusetzen. „All conversion factors influence how a person can be or is free to convert the characteristics of the resources into a functioning, yet the sources of these factors may differ“ (Robeyns, 2017, S. 46). Generell können die Umwandlungsfaktoren in drei Gruppen aufgeteilt werden: persönliche, soziale und umweltbedingte Faktoren (ebd.). Dies führt uns zu dem Problem des Erwerbs- und Umwandlungs-Handicaps. Sen erklärt dies folgendermaßen: „Die stark eingeschränkten Verdienstmöglichkeiten - man kann sie ‚Erwerbs-Handicap‘ nennen - werden häufig noch weiter eingeschränkt durch das ‚Umwandlungs-Handicap‘, also die Schwierigkeit, Einkommen und Ressourcen in ein gutes Leben trotz Behinderung 5 umzuwandeln“ (Sen, 2010, S. 286). Wenn eine Beeinträchtigung der Grund dafür ist, dass gewisse Ressourcen nicht dafür genutzt werden können, zum Wohlbefinden des Individuums beizutragen, ist dies äußerst problematisch. Es kommt dann zu dem Fall, dass dieselben Ressourcen nicht zu denselben Möglichkeiten führen. Dies ist selbstverständlich nicht nur im Zusammenhang mit Beeinträchtigung im engeren Sinne der Fall, sondern in Kontext mit sämtlichen Lebenssituationen und Behinderungen, die zu schlechteren Konversionsbedingungen führen (persönlichen, sozialen und umweltbedingten). Um jedoch konkret beim Einkommens- und Umwandlungs-Handicap zu bleiben, soll dieses im Detail dargestellt werden. In Bezug auf das Einkommen werden behinderte Menschen oftmals eingeschränkt (earninghandicap) - sei es durch das Nicht-Anpassen von Arbeitsplätzen an spezifische Bedingungen, durch Diskriminierung und negative Einstellungen oder durch die Unwissenheit der Arbeitgeber. Dazu kommt die oft schwierige Ausgangssituation durch die Bildungsbiografie von Menschen mit Behinderung, da Möglichkeiten der gleichberechtigten Partizipation an inklusiver Bildung meist nicht und noch weniger konstant durch den gesamten Bildungsweg hindurch gegeben sind 6 (s. auch Mitra, Posarac & Vick, 2011, S. 8). Der zweite Aspekt neben dem Einkommens- Handicap betrifft das Umwandlungs-Handicap (conversion handicap). Eine Beeinträchtigung kann dazu führen, dass die Konversion von Einkommen in Wohlbefinden erschwert wird und im Vergleich zu Menschen, die keine Behinderung erleben, zu anderen/ schlechteren Bedingungen stattfinden muss (Sen, 2004, 2010; Mitra et al., 2011). Hieraus kann gefolgert werden, dass es essenziell ist, eine ‚Verwirklichungsgerechtigkeit‘ anzustreben. VHN 2 | 2020 113 MARGARITA BILGERI, CHRISTIAN LINDMEIER Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung FACH B E ITR AG In diesem Kontext ist die Untersuchung von Kuklys (2005 a, 2005 b) relevant, auf die auch Sen (2010) Bezug nimmt. Kuklys stellte fest, dass in Großbritannien im Jahr 1999 23,1 % der Familien mit einem behinderten Angehörigen mit einem Einkommen, das unter der Armutsgrenze von 60 % des Einkommensmedians liegt, auskommen mussten. Bei Familien ohne behinderte Angehörige lag dieser Prozentsatz bei 17,9 %. Das ist ein Unterschied von ca. 5 Prozentpunkten, der die Schwierigkeiten widerspiegelt, „die ein Behinderter oder seine Verwandten haben, ein vernünftiges Einkommen zu verdienen“ (Kuklys, 2005 b, S. 201). Wie die Autorin feststellt, ist das größere Problem, unter dem behinderte Menschen leiden, nicht dieses ‚Einkommens-Handicap‘, sondern das ‚Umwandlungs-Handicap‘ bzw. „die Unfähigkeit, ein Leben zu leben, wie es die Nichtbehinderten mit exakt demselben Einkommen tun können […]“ (ebd.). „Wenn dieses Umwandlungshandicap durch das Einkommen gemessen wird, das zusätzlich benötigt wird, dieses zu beseitigen (durch Prothesen, Pflegehilfe oder andere Methoden), ergibt sich eine Erhöhung des Anteils an Individuen, die unter diese Armutsgrenze fallen. Bis zu 47,7 % der Familien mit behinderten Angehörigen lebten 1999 unterhalb der 60 %- Armutsgrenze“ (ebd.). Diese ökonometrischen Berechnungen zeigen die weitreichenden Einschränkungen, die sich auch auf behinderte Menschen und ihr Umfeld auswirken. Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung bildet die genannten Aspekte und Problembereiche ab und führt zu einer neuen Perspektive auf Behinderung, die ebendiese im Blick hat. Vor allem in Bezug auf die limitierte Aussagekraft von einkommensbezogener Armut wird dies relevant. Armut kann auch durch die unzureichenden grundlegenden Verwirklichungschancen (basic capabilities) einer Person bestimmt werden. Im Kontext von Einkommen heißt dies, dass eine Person mit demselben Einkommen weniger damit anfangen kann als eine andere Person. Eine Beeinträchtigung kann zusätzliche Kosten in vielen Lebensbereichen verursachen. Dies führt zu geringeren Umwandlungsmöglichkeiten von Einkommen in Wohlbefinden und somit auch zu eingeschränkter Freiheit, so zu leben, wie man es selbst wertschätzt (Mitra et al., 2011). Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass es eine Vielzahl an anderen Einflussfaktoren gibt, die die tatsächliche Situation bestimmen. Zudem ist das Haushaltseinkommen nicht aussagekräftig hinsichtlich der Situation der einzelnen Mitglieder dieses Haushaltes. Ist es doch mitnichten klar, dass das Einkommen auch gerecht unter den Mitgliedern aufgeteilt wird bzw. gerecht für diese eingesetzt wird. Eine zentrale Frage, die sich an dieser Stelle auftut, ist folgende: Bezieht sich das human-ökonomische Modell von Behinderung grundsätzlich auf das Individuum oder auf Lebensgemeinschaften (Familien, Paare, Wohngemeinschaften usw.)? In diesem Kontext macht es Sinn, das Individuum im Kontext seiner Lebensumgebung zu betrachten. Das heißt, dass das human-ökonomische Modell sehr wohl die Auswirkungen von Erwerbs- und Umwandlungs- Handicap in einem weiteren Bezugsrahmen betrachten muss. 3 Warum ein weiteres Behinderungsmodell? - Definition einer Lücke Wenn wir davon ausgehen, dass es sich bei der Formulierung von Behinderungsmodellen um Diskurse zum Thema Behinderung (disability) handelt, dann lässt sich daraus schlussfolgern, dass diese Diskurse das Leben von behinderten Menschen beeinflussen und verändern können. VHN 2 | 2020 114 MARGARITA BILGERI, CHRISTIAN LINDMEIER Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung FACH B E ITR AG Im Artikel „Reading Rosie“ (Goodley & Runswick-Cole, 2012) wird verdeutlicht, welchen Unterschied verschiedene Lesarten oder Perspektiven auf Behinderung ausmachen. Dabei wird auf das medizinische (im Artikel der Autismus-Kanon genannt), das soziale, das nordisch-relationale und das sozio-kulturelle Modell von Behinderung Bezug genommen. Die Autor/ innen stellen in ihrem Fazit die Auswirkungen der unterschiedlichen Perspektiven eindrücklich dar: „We struggle with the pathologising tendencies of the autism canon; feel unnerved by the structurally deterministic possibilities offered by the social model reading; wonder about the difficulties associated with normalisation so adored by the Nordic relational model; and feel confused by the ,disabilitylite‘ nature of the socio-cultural narrative“ (Goodley & Runswick-Cole, 2012, S. 63). In diesem kurzen Zitat wird ersichtlich, wie unterschiedlich verschiedene Behinderungsmodelle auf unsere Auffassung und Sichtweisen von Behinderung wirken. Die Konsequenzen dieses Wirkens sind nachvollziehbar. Auch wenn sich der Artikel von Goodley und Runswick- Cole dezidiert auf Kinder bezieht, sind diese Erkenntnisse auch allgemein anwendbar. Die Konsequenzen verschiedener Modelle - bisher wurden das medizinische, das soziale, das relationale, das kulturelle bzw. sozio-kulturelle, das universale, das menschenrechtliche Modell und das „human development Model“ erwähnt - wurden eingangs schon kurz angeschnitten. In jedem dieser Modelle liegen Potenziale, aber auch blinde Bereiche. Goodley und Runswick- Cole konstatieren selbst, dass sie sich nur auf eine Auswahl von Perspektiven bezogen haben. Die von ihnen beschriebenen Lesarten von Behinderung haben unterschiedliche Perspektiven und legen somit auch den Fokus auf verschiedene Bereiche des Lebens. Innerhalb dieser geht es um behindernde und/ oder ermöglichende Faktoren. Und so verhält es sich auch mit hier nicht erwähnten Lesarten bzw. Modellen von Behinderung. Dies führt uns zurück zu Julie Smart (2009) und der Tatsache, dass kein Modell allein ausreicht, um alle Bedürfnisse und Möglichkeiten von Menschen mit Behinderung im Blick zu haben. Während bei Rosie die unterschiedlichsten Bezugspunkte zwischen Behinderung und den verschiedenen - nennen wir es „Umwelt-Ebenen“ - hergestellt wurden, scheint es einen wichtigen Punkt zu geben, der bei all diesen Aspekten eine gewisse Rolle spielt: Die ökonomische Situation im Zusammenhang mit dem Umwandlungs-Handicap. Sei es aus der Perspektive eines pathologisierenden medizinischen Modells, eines umweltbezogenen sozialen Modells oder eines auf Beziehungen und Situationen bezogenen relationalen Modells, der Aspekt eines Erwerbs- und Umwandlungs-Handicaps spielt immer eine gewisse Rolle. Der monetäre Hintergrund einer Person beeinflusst die tatsächlichen Möglichkeiten - besonders mit Blick auf das Umwandlungs-Handicap - zu einem entscheidenden Teil. Beziehen wir uns auf ein menschenrechtliches Modell, wird deutlich, dass auch hier die Aspekte des Umwandlungs- Handicaps zum Tragen kommen. Konsequenterweise muss an dieser Stelle der Zusammenhang von Armut und Behinderung angesprochen werden. Dieser wurde bereits vielfach behandelt (Palmer, 2011; Barnes & Sheldon, 2010; Braithwait & Mont, 2008, Lustig & Strauser, 2007; Elwan, 1999; u. v. a.). In seinem Artikel zu Behinderung und Armut bezieht sich Palmer (2011) auf drei konzeptionelle und empirische Ansätze zur Betrachtung der Zusammenhänge von Armut und Behinderung: den Ansatz über Grundbedürfnisse, den CA und einen Ansatz im Kontext der ökonomischen Ressourcen. Der CA ist in diesem Zusammenhang noch einmal hervorzuheben, da er mittlerweile u. a. in die Messung des Index der menschlichen Entwicklung (HDI) und den Index der mehrdimensionalen Armut (MPI) der Vereinten Nationen mit einbezogen wird (UNDP, o. J.). VHN 2 | 2020 115 MARGARITA BILGERI, CHRISTIAN LINDMEIER Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung FACH B E ITR AG Egal, auf welchen Ansatz man sich bezieht, es wird deutlich, dass Behinderung und Armut in engem Zusammenhang stehen. Ein humanökonomisches Behinderungsmodell rückt eben diesen Zusammenhang ins Zentrum. In dieser Hinsicht ist es interessant, das bereits bestehende funktionale/ ökonomische Modell ins Spiel zu bringen. Julie Smart (2009) definiert es als ein Modell, das den Fokus auf den ökonomischen Beitrag eines Individuums zur Gesellschaft legt. In diesem Modell gilt Behinderung als Rollen- Verfehlung, da eine Beeinträchtigung es verhindert, sozial wertgeschätzte Beiträge zur Gesellschaft zu liefern. Der Unterschied zu einem human-ökonomischen Modell wird also deutlich. Während das funktionale Modell die Funktionsfähigkeit im Sinne von Leistung und ökonomischem Mehrwert eines Individuums ins Zentrum stellt, bezieht sich das human-ökonomische Modell gewissermaßen auf das Gegenteil; nämlich auf den Mehrwert bzw. auf den tatsächlichen Wert von Einkünften für das Individuum. Durch den Begriff „human“ wird in diesem Kontext vor allem auf die Bedeutung im Sinne von „die Würde des Menschen achtend“ Bezug genommen bzw. auch das Wohlbefinden und das wertgeschätzte Leben eines jeden Menschen ins Zentrum gestellt. Dies weist auf Attribute wie Gleichberechtigung, Gleichwertigkeit und Gerechtigkeit hin. In diesem Sinne weist es durchaus auch Parallelen zum menschenrechtlichen Modell von Degener auf. Die Vielzahl an Modellen, auf die im Laufe der Behandlung dieses Themas bereits hingewiesen wurde, lässt vermuten, dass ein Hinzufügen eines weiteren Modells vielleicht nicht zielführend ist. Wie viele Modelle braucht es, um alle Perspektiven auf die Lebenswirklichkeit von Menschen mit Behinderung abzudecken und Missstände zu beleuchten, um diese ändern zu können? Ist es zielführend, viele differenzierte Modelle zu haben oder wenige komplexe? Um diese Fragen in Bezug auf das human-ökonomische Modell beantworten zu können, versuchen wir es im Folgenden zu konkretisieren. 4 Das human-ökonomische Modell von Behinderung - Versuch einer Konkretisierung In diesem Kapitel wird das human-ökonomische Modell klarer umrissen, die Bedeutung und Wichtigkeit des Modells wird diskutiert und es wird einmal mehr in den Kontext der anderen Behinderungsmodelle gestellt. Von besonderer Wichtigkeit ist in diesem Zusammenhang der Vergleich mit dem Human-Development-Modell von Mitra (2018), da es auf derselben Basis, dem CA, aufbaut. Zentrales Kennzeichen des human-ökonomischen Modells der Behinderung ist der konkrete Bezug auf Wirtschaft und Wirtschaftlichkeit, denn es handelt sich um die Umwandlung von Verwirklichungschancen in bedeutungsvolle Aktivitäten oder Seinszustände im Kontext von Arbeit und Einkommen. Dabei geht es sowohl um Fragen der Gerechtigkeit und Fairness als auch um Fragen des Wohlergehens und der Lebensqualität. Wie eingangs erwähnt, bietet sich der CA sehr gut an, ein solches Modell zu stützen. Mitra (2006) konstatiert, dass Sens Ansatz sehr nützlich für eine Auseinandersetzung mit Behinderung ist, um die ökonomischen Ursachen und Konsequenzen zu verstehen, die mit ihr verbunden sind. Des Weiteren betont sie die ökonomische Dimension von Behinderung, die der CA hinzufügt. Diese Dimension sieht sie lediglich im sozialen Modell von Behinderung ausreichend vertreten (Mitra, 2006, S. 242). In ihrem Artikel zu den Überschneidungen zwischen einem sozialen Modell und dem CA stellt Burchardt fest, dass beide darauf hinweisen, dass die Messung von Armut oder Wohlbefinden durch Einkommen zu falschen Schlussfolgerungen führt. „At the very least, incomes must be adjusted to take account of the extra costs imposed by a combination of personal characteristics (including impair- VHN 2 | 2020 116 MARGARITA BILGERI, CHRISTIAN LINDMEIER Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung FACH B E ITR AG ment) and the social, physical and economic environment (including disability)“ (Burchardt, 2004, S. 740). Diese Feststellung beschreibt die wichtigsten Aspekte eines human-ökonomischen Modells von Behinderung und unterstreicht noch einmal die Notwendigkeit eines solchen. Die Nachteile, die durch eine Vernachlässigung bzw. Nicht-Berücksichtigung des Aspekts des Umwandlungs-Handicaps entstehen, können gravierend sein. Sen bringt diese Problematik bereits 1992 auf den Punkt: „Sometimes the same handicaps, such as age or disability or illness, that reduce one’s ability to earn an income, can also make it harder to convert income into capability. Often, a high proportion of the poor in the advanced countries have such handicaps, and the extent of poverty in such countries is substantially underestimated, since it overlooks the ,coupling‘ of income-earning handicap and income-using handicap in generating capability“ (Sen, 1992, S. 113). In diesem Zitat wird u. a. deutlich, dass auch andere Personengruppen vom Einkommens- und Umwandlungs-Handicap betroffen sind. Die Wichtigkeit einer solchen Perspektive im Kontext von Gerechtigkeit und Lebensqualität scheint eindeutig gegeben zu sein. Das human-ökonomische Modell von Behinderung ermöglicht mit anderen Worten eine Perspektive auf Behinderung, die die Behinderungen ins Zentrum stellt, welche im Kontext von Arbeit/ Einkommen und Lebensqualität entstehen (können). Auf der anderen Seite erlaubt eine solche Perspektive auch eine Annäherung an Kompensationsfaktoren, die das Einkommens- und Umwandlungs-Handicap ausgleichen könnten. Diese sind mit den Umwandlungsfaktoren (conversion factors) des CA gleichzustellen. Es kann in diesem Kontext generell von einer Kluft gesprochen werden, die sich bei behinderten Menschen, aber auch bei alten oder kranken Menschen in Bezug auf Arbeit, Einkommen und Wohlergehen auftun und zu großen Benachteiligungen führen kann. Eingangs wurde erwähnt, dass ein human-ökonomisches Modell das weitere Umfeld eines behinderten Menschen im Blick haben sollte. Einerseits gilt es dabei zu beachten, dass Haushaltseinkommen im Kontext des Umwandlungs-Handicaps keine aussagekräftigen Schlussfolgerungen zulassen, da dabei nicht ersichtlich wird, welchen Mitgliedern eines Haushaltes welche Mittel zur Verfügung stehen. „Houshold inequality is the idea that there are domestic power imbalances that need to be accounted for in assessing economic well-being“ (Pyles, 2008, S. 31). Pyles geht im Weiteren darauf ein, dass Personen eines Haushalts ihr Leben anders gestalten, wenn sie in der Haushaltshierarchie weiter unten sind, da sie weniger Möglichkeiten haben, Fähigkeiten zu erlangen. Dies resultiert daraus, dass sie sich anpassen müssen, da eine „equality of opportunity“ nicht gegeben ist (ebd., S. 31). Andererseits müssen aus der entgegengesetzten Perspektive die Auswirkungen einer Behinderung auf den gesamten Haushalt betrachtet werden. Die bereits erwähnte Untersuchung von Kuklys (2005 a, 2005 b) bildet die Problematik, die damit angesprochen wird, deutlich ab. Meist sind Familienangehörige ebenso von finanziellen Einschränkungen durch ein Einkommens- und Umwandlungs-Handicap betroffen wie Menschen mit einer Behinderung. Die Mittel, die aufgewendet werden müssen, um eine gewisse Lebensqualität aufrechtzuerhalten, werden oft von Angehörigen und Familienmitgliedern bereitgestellt. Im Folgenden findet eine Abgrenzung von Mitras Human-Development-Modell statt. Unumgänglich ist dabei der Bezug auf die Diskussion Mitras zu Behinderungsmodellen generell, da dieser u. a. auch die Entwicklung des human-ökonomischen Modells unterstützt VHN 2 | 2020 117 MARGARITA BILGERI, CHRISTIAN LINDMEIER Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung FACH B E ITR AG hat, wie bereits im Laufe des Beitrags deutlich wurde. Dies zeigt auch die Nähe der beiden Modelle, da für beide der CA als Ausgangsbasis dient. Mitra (2006) diskutiert eingehend die Rolle des CA im Kontext von unterschiedlichen Behinderungsmodellen (das soziale, das medizinische, das Nagi 7 und das bio-psycho-soziale Modell von Behinderung). Sie stellt sich die Frage, ob die Behinderungsmodelle nicht einfach eine Interpretation des CA darstellen. Ihre Schlussfolgerung ist, dass der CA deutlich mehr Gewicht auf die gelebte Wirklichkeit eines Menschen, seine Leistungen oder Bestrebungen legt. Lediglich das bio-psycho-soziale Modell der ICF hält die Autorin für differenziert genug, um als eine spezielle Anwendung des CA gelten zu können (Mitra, 2006, S. 242f.). Auch sehr nahe an der ICF befindet sich, zumindest auf deskriptiver Ebene, das Wohlergehensmodell, welches u. a. auch von Felder (2012) diskutiert wird. Dieses Modell entwickelt sich laut Felder vor allem als Konsequenz der Kritik am medizinischen, sozialen und dem bisher noch nicht erwähnten Wohlbefindensmodell von Kahane und Savulescu (2009) (Felder, 2012, S. 81). An dieser Stelle soll jedoch nicht konkreter auf diese beiden zusätzlichen Modelle (Wohlergehensmodell und Wohlbefindensmodell) eingegangen werden. Da Mitra (2018) das Human-Development- Modell auf der Basis des CA entwickelt hat, gilt es zu argumentieren, weshalb zusätzlich zu einem solchen Modell ein human-ökonomisches, das auf derselben Grundlage aufbaut, überhaupt Sinn macht. Ein Modell wird nämlich überflüssig, wenn die Themen, die es adressiert, ausreichend in bereits bestehenden Modellen abgebildet werden. Die Notwendigkeit der Betonung spezifischer Aspekte ergibt sich aus dem Umfang des Einflusses, den diese auf das Leben von Menschen mit Behinderung haben. Wie bereits dargestellt, hat das Einkommens- und Umwandlungs-Handicap große Auswirkungen auf die tatsächliche Lebensqualität eines Menschen (und dessen Familie). Während Mitra mit ihrem Human-Development-Modell besonders auf Länder des globalen Südens mit Fokus auf Entwicklung und Armut abzielt, konzentriert sich der Ansatz des human-ökonomischen Modells auf ökonomische Nachteile, die durch Behinderung im westlichen Kontext bzw. im globalen Norden entstehen. Der Unterschied liegt im Wesentlichen darin, dass die Perspektive auf Entwicklung und Armut auf einer anderen Ebene und mit einem viel kleineren Fokus erfolgt. Die Fragen, mit denen sich Mitra in ihrem Buch „Disability, Health and Human Development“ beschäftigt, sind: „1. How should disability be defined to analyze and inform policies related to wellbeing? 2. What is the prevalence of functional difficulties? 3. What inequalities are associated with functional difficulties? 4. What are the economic consequences of functional difficulties? “ (Mitra, 2018, S. 4). Das human-ökonomische Modell fokussiert auf den vierten Punkt und deckt somit einen wesentlich kleineren Bereich ab. Dies ermöglicht es in Folge auch, auf eben diesen Bereich etwas genauer einzugehen. Shakespeare (2013) nennt als Kritik des sozialen Modells, dass es besser entwickelter und komplexerer Ansätze bedarf. Er weist darauf hin, dass Behinderung ein komplexes Phänomen sei und deswegen auch unterschiedliche Level der Analyse erfordere (ebd., S. 220f.). In diesem Zusammenhang lässt sich argumentieren, dass gerade neben einem so komplexen Modell wie dem Human- Development-Modell von Mitra ein Modell gerechtfertigt ist, das an konkreten Punkten ansetzt, wie z. B. dem Umwandlungs-Handi- VHN 2 | 2020 118 MARGARITA BILGERI, CHRISTIAN LINDMEIER Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung FACH B E ITR AG cap. Dies ermöglicht es, das spezifische Zusammenspiel von Umweltfaktoren und individuellen Faktoren auf ganz konkrete Aspekte hin zu beleuchten. „The human development model provides a conceptual framework for organizing the links between health conditions, impairments, and wellbeing. […] The human development model highlights in relation to wellbeing the roles of resources, conversion functions, agency, and it uses capabilities and/ or functionings as metric for wellbeing. It does not consider impairments/ health conditions as individual attributes; […] The human development model is limited to defining, and explaining links between disability, health deprivations, and wellbeing. It can be combined with justice claims from the capability approach […]“ (Mitra, 2018, S. 27). Mit dieser Aussage unterstreicht Mitra klar die Potenziale und Grenzen des Human-Development-Modells. Unterschiedliche Modelle von Behinderung haben verschiedene Problembereiche im Blick. Es ist bekannt, dass der CA sehr gut geeignet ist, die Beziehung zwischen Behinderung und Armut, deren Ursachen und Konsequenzen zu analysieren und darzustellen (UNDP, o. J.). Obwohl die ökonomische Dimension von Behinderung vielfach und auf unterschiedliche Art und Weise immer wieder angesprochen wird, findet sich nirgends eine tiefere und dezidierte Auseinandersetzung mit der Problematik des Einkommens- und Umwandlungs-Handicaps. 5 Ausblick Ein Behinderungsmodell eröffnet eine spezifische Perspektive auf Behinderung als gesellschaftliches Phänomen einerseits und als die menschliche Heterogenität unterstreichendes Phänomen andererseits. Modelle sind dabei nie trennscharf voneinander abzugrenzen und beeinflussen sich gegenseitig. Insofern kann das human-ökonomische Modell im Sinne eines menschenrechtlichen Modells gesehen werden, indem es u. a. rechtsbasierte Argumente auf einer menschenrechtlichen Basis vertritt. Dieser Beitrag soll, wie eingangs erwähnt, eine Basis zur Diskussion von Behinderungsmodellen generell und zur Sinnhaftigkeit spezifischer Modelle im Konkreten darstellen. Die mangelnde Wertneutralität der Behinderungsmodelle veranlasst Beaudry (2016) zu der Frage, ob man überhaupt auf Behinderungsmodelle zurückgreifen sollte. Seines Erachtens ist es aus zwei Gründen hochproblematisch, Behinderungsmodelle zu bilden. Einerseits nennt Beaudry die bereits angeführte Normativität und Wertgerichtetheit von Behinderungskonzepten, andererseits problematisiert er das Nichtvorhandensein allgemein gültiger Kriterien, ein Konzept einem anderen vorzuziehen. Auf diesem Hintergrund kritisiert er die Bezeichnung grundlegend unterschiedlicher Probleme mit derselben Begrifflichkeit (Behinderung). Beaudry (2016, S. 225) sieht darin keinen Mehrgewinn, sondern die grundlegende Ursache für theoretische und politische Verwirrung 8 . Abschließend gilt es hinsichtlich der Sinnhaftigkeit von Behinderungsmodellen zu bemerken, dass die Diskussion unterschiedlicher Modelle einerseits den Fokus auf politische Interessen von Menschen mit Behinderung und auf (menschen-)rechtliche Dimensionen generell lenkt. Andererseits können Modelle und die Diskussion derselben - in Anlehnung an Gabel und Peters (2004) - zu neuen Theorien und in weiterer Folge auch zu Veränderungen von Paradigmen führen. Exemplarisch wurde dies mit dem Beispiel der BRK und des Übergangs vom medizinischen zum sozialen Modell angesprochen (Degener, 2009). Dies entspricht der Argumentation von Julie Smart in ihrem Artikel „The Power of Models of Disability“ (2009), in dem ganz explizit von der Macht und dem Einfluss unterschiedlicher Behinderungsmodelle die Rede ist. VHN 2 | 2020 119 MARGARITA BILGERI, CHRISTIAN LINDMEIER Ein human-ökonomisches Modell von Behinderung FACH B E ITR AG Anmerkungen 1 Die Übersetzungen von „Capability Approach“ und „Capabilities“ variieren im deutschsprachigen Raum. So finden sich Übersetzungen mit „Fähigkeitenansatz“ und „Fähigkeiten“ (z. B. Graf & Schweiger, 2017), „Befähigungsansatz“ und „Befähigungen“ (deutsche Übersetzung von Sens „Idee der Gerechtigkeit“, 2010) oder „Verwirklichungschancenansatz“ und „Verwirklichungschancen“ der deutschen Machbarkeitsstudie (Arndt et al., 2006). Wir belassen es hier bei dem - auch in der deutschsprachigen Fachdiskussion vorfindlichen - Originalbegriff „Capability Approach“. Für den Begriff der „Capabilities“ haben wir uns für die Übersetzung „(Fähigkeiten oder) Verwirklichungschancen“ und für den der „Functionings“ für „Funktionsweisen“ entschieden. 2 Ausgelassen wurden hier Aspekte, die nicht unter wichtige Zwecke fallen. 3 Ein früher, viel beachteter Versuch, aus heilpädagogischer Perspektive Modelle der Behinderung zu unterscheiden, stammt von Kobi (zuerst 1977). Kobi zufolge haben sie für die (Theorie-) Geschichte der Heilpädagogik eine erhebliche Bedeutung, „weil diese weder aus einer Theorie hervorgegangen ist, noch sich als Spezifikation einer etablierten Wissenschaft entwickelte“ (Kobi, 1980, S. 70). Die fünf Modelle (caritatives Modell, exorzistisches Modell, Rehabilitations- Modell, medizinisches Modell, Interaktionsmodell) ähneln z. T. in frappierender Weise den Modellen, die in den Disability Studies unterschieden werden. Das rührt daher, dass Kobi bereits sehr früh sozialwissenschaftliche Theorieansätze wie die Stigma-Theorie oder den Labeling Approach für die sonderpädagogische Theoriebildung fruchtbar gemacht hat. 4 Pfeiffer (2001) differenziert mindestens neun unterschiedliche Versionen des sozialen Modells: „(a) the social model of the United Kingdom, (b) the oppressed minority model, (c) the social constructionist version of the United States, (d) the impairment version, (e) the independent living version, (f) the postmodern version, (g) the continuum version, (h) the human variation version, and (i) the discrimination version“ (Pfeiffer, zit. n. Mitra, 2006, S. 237). 5 Es muss angemerkt werden, dass Sen hier von einem veralteten Behinderungsbegriff ausgeht, der nicht zwischen Beeinträchtigung und Behinderung unterscheidet. 6 Im deutschen Armuts- und Reichtumsbericht von 2017 findet sich eine zentrale Stelle, die festhält, dass „eine kontinuierliche Erwerbsbiografie mit leistungsgerechter Entlohnung von zentraler Bedeutung [ist], auch um Armut im Alter zu vermeiden. Langjährig Versicherte sollen von ihren Alterseinkünften angemessen leben können.“ (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2017, S. 6) 7 Bei Nagi wird Beeinträchtigung aufgrund einer physischen Schädigung definiert. Behinderung entsteht, wenn ein Individuum nicht seiner sozialen Rolle (Nagi [1991, S. 316] spricht hier u. a. auch von beruflichen Rollen) entsprechend agieren kann. Dies verdeutlicht die Einbettung von Behinderung in soziale Strukturen und die Abhängigkeit von tatsächlicher Behinderung von geltenden kulturellen und sozialen Erwartungen und Normen (Nagi, 1991). 8 Eine spannende Herausforderung wäre es wohl, um Baudry zu entsprechen, für die jeweiligen Behinderungsmodelle jeweils eine alternative, dem jeweiligen Modell entsprechende Bezeichnung für den Begriff der Behinderung zu suchen, um diesen damit zu ersetzen. Literatur Armstrong, S., Noble, M. & Rosenbaum, P., 2006, Deconstructing barriers: The promise of socioeconomic rights for people with disabilities in Canada. In R. Howard-Hassmann & C. Welch (eds.), Economic Rights in Canada and the United States, 149 -168, Philadelphia: University of Pennsylvania Press. Arndt, C., Dann, S., Kleimann, R., Strotmann, H. & Volkert, J. (2006). Das Konzept der Verwirklichungschancen (A. Sen) - Empirische Operationalisierung im Rahmen der Armuts- und Reichtumsmessung - Machbarkeitsstudie. Bonn: BMAS. 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