Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
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0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/vhn2023.art18d
5_092_2023_2/5_092_2023_2.pdf41
2023
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Rezension: Rexilius, Anna Lena (2022): Pferdegestützt und spielerisch Lesen und Schreiben fördern
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2023
Lea Albrecht
Noelia Salvetti
Das Buch „Pferdegestützt und spielerisch Lesen und Schreiben fördern“ von Anna-Lena Rexilius ist im Mai 2022 im Reinhardt Verlag erschienen. Es handelt sich dabei um ein Praxis-Handbuch im A4-Format, welches sich in erster Linie an Reitpädagoginnen und Reitpädagogen beziehungsweise an Reittherapeutinnen und Reittherapeuten richtet. Die Autorin ist selber als Fachkraft für die heilpädagogische Förderung mit Pferden tätig. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert, wobei im ersten Teil theoretische und fachliche Grundlagen zum Thema Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) und Reittherapie aufgezeigt werden. Im zweiten Teil werden vielfältige Übungen für die Reittherapie vorgestellt, welche Kinder mit einer LRS unterstützend fördern sollen.
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VHN 2 | 2023 169 REZE NSION E N Interessierten und Beteiligten. „Nur dann ist eine unbeeinflusste, sachbezogene Meinungsbildung möglich, die einer Demokratie würdig ist, und nur dann kann die Frage beantwortet werden, wie wir Menschen mit besonderen Bedürfnissen das ihnen zustehende Recht auf Bildung und Gleichberechtigung zugestehen können“ (S. 9). Kurz: ein Buch, das in jeder Schule, in jeder Gemeinde, von interessierten Eltern gelesen und im Interesse aller Kinder und Jugendlichen diskutiert werden sollte. Die Neuerscheinung trägt zu einem differenzierten Verständnis von Lernen bei, wie es dem Thema angemessen ist. Es ist ein Wegweiser bei schulischen Entscheidungen und eine Argumentationshilfe für das Recht jedes Kindes/ Jugendlichen auf die ihm gemäße Bildung. Und obendrein: spannend und gut lesbar! Lic. phil. Martha Buchli CH-7306 Fläsch DOI 10.2378/ vhn2023.art17d Rexilius, Anna Lena (2022): Pferdegestützt und spielerisch Lesen und Schreiben fördern München: Ernst Reinhardt Verlag. 109 S. € 33,-/ CHF 38,80 Das Buch „Pferdegestützt und spielerisch Lesen und Schreiben fördern“ von Anna-Lena Rexilius ist im Mai 2022 im Reinhardt Verlag erschienen. Es handelt sich dabei um ein Praxis-Handbuch im A4-Format, welches sich in erster Linie an Reitpädagoginnen und Reitpädagogen beziehungsweise an Reittherapeutinnen und Reittherapeuten richtet. Die Autorin ist selber als Fachkraft für die heilpädagogische Förderung mit Pferden tätig. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert, wobei im ersten Teil theoretische und fachliche Grundlagen zum Thema Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) und Reittherapie aufgezeigt werden. Im zweiten Teil werden vielfältige Übungen für die Reittherapie vorgestellt, welche Kinder mit einer LRS unterstützend fördern sollen. Nach einer Einleitung wird in Kapitel 2 auf die verschiedenen Fähigkeiten (im Buch auch als Teilleistungen beschrieben) eingegangen, die für einen gelingenden Schriftspracherwerb von großer Wichtigkeit sind. Dabei erhalten die Lesenden einen Einblick in die Vielfalt von grundlegenden Fähigkeiten, die Auswirkungen auf den Erwerb der Schriftsprache haben. Es handelt sich jedoch nur um einen kurzen Überblick, da die Autorin nicht vertiefend auf die verschiedenen Teilleistungen eingeht. Als Beispiel einer solchen Teilleistung kann die Sprachwahrnehmung genannt werden. Die Autorin fasst unter der Sprachwahrnehmung verschiedene Bereiche der rezeptiven und produktiven Sprache zusammen, welche für den Schriftspracherwerb von hoher Wichtigkeit sind. Störungen der Sprachwahrnehmung können sich negativ auf das Lesen- und Schreibenlernen auswirken. So führen expressive Störungen zu einem verspäteten Spracherwerb, was wiederum zu Schwierigkeiten in der Lautsynthese und dem Zählen von Silben führt. Im Anschluss an das zweite Kapitel wird von Rexilius der Bogen zur Reittherapie gespannt. Die Autorin führt aus, wie sich eine Reittherapie unterstützend auf den Erwerb solcher Teilleistungen auswirken kann. So kann das Reiten auf dem Pferderücken Kinder, welche Probleme bei der Silbenverteilung zeigen, unterstützen. So schreibt die Autorin: „Die Gangarten des Pferdes sprechen die Rhythmusfähigkeit eines Kindes an und schulen das Taktgefühl“ (S. 21). Anna-Lena Rexilius geht dabei auf das gesamte Setting der Reittherapie und den Nutzen des Therapiemediums Pferd ein. Somit handelt es sich bei Kapitel 3 um einen Überblick in Bezug auf das Pferd als Motivator beim Lesen- und Schreibenlernen. Im Unterkapitel 3.6 wird außerdem aufgegriffen, inwiefern der „Lernort draußen“ motivierend für Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Störung sein kann. Bevor die Autorin konkrete Vorschläge für die Praxis gibt, erhalten die Lesenden noch einige Hinweise zur Umsetzung der verschiedenen Spiele. Wie bereits erwähnt, handelt es sich beim zweiten Teil um eine Sammlung aus vielfältigen Übungen, die von Reittherapeutinnen und -therapeuten angewendet werden können, um das Kind zu fördern. VHN 2 | 2023 170 REZE NSION E N Die Übungen werden dabei in die folgenden Bereiche unterteilt: n Basale Wahrnehmungsfähigkeit n Visuelle/ auditive Wahrnehmung n Grob- und Feinmotorik n Symptomtraining: Phonologische Bewusstheit, Silbenlesen, Lesen auf Wortebene, Lesen auf Satzebene, Lesen auf Textebene, Schreiben Im Buch werden zu jeder Übung die benötigten Materialien genannt, es wird eine Aufgabenstellung in Textform geliefert, und weiter enthält jede Übung eine Zeichnung des jeweiligen Parcours, welcher mit dem Pferd bestritten wird. Die Übungen werden zudem sehr anschaulich mit Fotomaterial ergänzt. Auf S. 72 findet sich beispielsweise die folgende Übung: „Welches Wort ist länger? “ Diese Übung gehört zum Bereich Symptomtraining (phonologische Bewusstheit), wobei das Kind herausfinden soll, welcher Tiername aus mehr Silben besteht, und somit das längere Wort darstellt. Aus logopädischer Sicht lässt sich festhalten, dass die reittherapeutischen Übungen als Ergänzung zu einer fachspezifischen Therapie (durch Fachpersonen wie Logopädinnen und Logopäden oder Heilpädagoginnen und Heilpädagogen) gelten können. Durch eine alleinige Pferdetherapie kann kaum von eindeutigen Fortschritten beim Lese- und Schreibprozess ausgegangen werden. Die Autorin schreibt selber: „Das Buch erhebt nicht den Anspruch, die LRS therapeutisch behandeln zu wollen“ (S.11). Es kann zusammengefasst werden, dass es im Buch gelungen ist, einen kurzen Überblick über verschiedene Teilleistungen (Grundvoraussetzungen) zu geben, welche für einen erfolgreichen Erwerb der Schriftsprache nötig sind. Außerdem wird praktisch, anhand von vielen Übungen, aufgezeigt, wie das Pferd als Medium eingesetzt werden kann. Allerdings lassen sich momentan nicht ausreichend viele Studien finden, welche die Wirksamkeit der Pferdetherapie im Bereich der Schriftsprachförderung belegen, und es wäre mehr Forschung nötig, um zu genaueren Aussagen zu kommen. Dipl. Logopädinnen Lea Albrecht & Noelia Salvetti CH-1700 Fribourg DOI 10.2378/ vhn2023.art18d Schriber, Susanne (2022): Welch ein Glücksfall! Gelebtes und Gedachtes. Geschichten eines Kindes mit motorischen Beeinträchtigungen Nidau: Verlag Das Archiv. 32 S., € 12,- „Erzählungen brauchen eine Bühne“, schreibt Susanne Schriber (S. 5). Vorhang auf. Erste Szene: Die Professorin sitzt im Rollstuhl an einem Tisch auf der Bühne. Das sonst dazu benutzte Stehpult, das offenbar nicht absenkbar ist, würde sie verdecken. Sie hält ihre Abschiedsvorlesung Ende 2021 an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich - einst das altehrwürdige Heilpädagogische Seminar. Der Titel der Vorlesung lautet: „Erzählte Be- und Enthinderung: Zur Doppelrolle von Fachperson und Expertin in eigener Sache - sieben biografische Vignetten“. Zweite Szene: Das Kind wird 1957 in Zürich geboren. Es sollte wegen „schwieriger sozialer Verhältnisse gleich nach der Geburt zur Adoption freigegeben werden“ (S. 3). Doch es war behindert, es wurde zum Waisenkind. Das Kind kam ins Heim. Es verbrachte bis zum dreizehnten Lebensjahr in ähnlichen Einrichtungen, besuchte die Sonderschule und konnte dann in die öffentliche Schule wechseln durch die Initiative ihrer Patin und Pflegemutter. Dritte Szene: Zwischen den Szenen gibt es eine große Lücke oder unerfüllte Erwartung. Worin besteht die Verbindung zwischen erster und zweiter Szene? Es handelt sich um ein- und dieselbe Person: Susanne Schriber. „Vorhang zu und alle Fragen offen“ (Bertolt Brecht, Der gute Mensch von Sezuan, 1941). Susanne Schriber leitete an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich den Fachbereich Schwerpunkt „Pädagogik Körper- und Mehrfachbehinderungen“. Eine „Abschiedsvorlesung“ an einer Fachhochschule ist eine gute Möglichkeit für eine durchleuchtende Erzählung. Sie zieht den „Abschied“ hin, erhöht im Publikum die Neugier und setzt auf Beteiligung. Wichtig wird dabei die Beachtung der Perspektiven. In Bezug auf Markus Dederich („Philosophie in der Heil- und Sonderpädagogik“, 2013) referiert Schriber die Perspektive der dritten Person, ein
