eJournals Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete94/2

Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
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0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/vhn2025.art09d
5_094_2025_2/5_094_2025_2.pdf41
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Fachbeitrag: Sprachliche Fähigkeiten, psychische Auffälligkeiten und kognitive Fähigkeiten bei Förderschüler:innen: Eine Untersuchung der Zusammenhänge

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2025
Clara Schramm
Johanna Krull
Thomas Hennemann
Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten sind gut belegt. Die Bedeutung von Subkomponenten und weiteren entwicklungsrelevanten Aspekten ist unzureichend geklärt. Im Beitrag werden Ausprägungen sprachlicher und kognitiver Fähigkeiten (fluide Intelligenz) sowie externalisierender und internalisierender Auffälligkeiten und Zusammenhänge zwischen den Entwicklungsbereichen bei N=111 Förderschüler:innen mit psychischen Auffälligkeiten untersucht. Diese zeigen überproportional häufig sprachliche Auffälligkeiten, besonders in den Bereichen Pragmatik, produktiver Wortschatz sowie rezeptive Grammatik. Unter den untersuchten psychischen Auffälligkeiten sind die Ausprägungen im Bereich Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen am stärksten. Abhängig von den kognitiven Fähigkeiten unterscheiden sich nur Wortschatz- und Grammatikleistungen statistisch signifikant. Partialkorrelationsanalysen zeigen heterogene Zusammenhänge. Implikationen betonen die Notwendigkeit interdisziplinärer Vernetzung.
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121 VHN, 94. Jg., S. 121 -143 (2025) DOI 10.2378/ vhn2025.art09d © Ernst Reinhardt Verlag FACH B E ITR AG Sprachliche Fähigkeiten, psychische Auffälligkeiten und kognitive Fähigkeiten bei Förderschüler: innen: Eine Untersuchung der Zusammenhänge Clara Schramm, Johanna Krull, Thomas Hennemann* Universität zu Köln Tanja Ulrich* Universität Duisburg-Essen * Geteilte Letztautor: innenschaft Zusammenfassung: Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten sind gut belegt. Die Bedeutung von Subkomponenten und weiteren entwicklungsrelevanten Aspekten ist unzureichend geklärt. Im Beitrag werden Ausprägungen sprachlicher und kognitiver Fähigkeiten (fluide Intelligenz) sowie externalisierender und internalisierender Auffälligkeiten und Zusammenhänge zwischen den Entwicklungsbereichen bei N = 111 Förderschüler: innen mit psychischen Auffälligkeiten untersucht. Diese zeigen überproportional häufig sprachliche Auffälligkeiten, besonders in den Bereichen Pragmatik, produktiver Wortschatz sowie rezeptive Grammatik. Unter den untersuchten psychischen Auffälligkeiten sind die Ausprägungen im Bereich Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen am stärksten. Abhängig von den kognitiven Fähigkeiten unterscheiden sich nur Wortschatz- und Grammatikleistungen statistisch signifikant. Partialkorrelationsanalysen zeigen heterogene Zusammenhänge. Implikationen betonen die Notwendigkeit interdisziplinärer Vernetzung. Schlüsselbegriffe: Sprachliche Fähigkeiten, externalisierende Auffälligkeiten, internalisierende Auffälligkeiten, kognitive Fähigkeiten, Förderschule Language Skills, Externalizing and Internalizing Problems and Cognitive Skills in Students at Special Needs Schools: An Investigation of Associations Summary: Associations between language skills and externalizing and internalizing problems are well documented. The relevance of subcomponents and other developmental aspects is not sufficiently clear. The article examines the characteristics of language and cognitive skills (fluid intelligence) as well as externalizing and internalizing problems and associations between the developmental areas in N = 111 students at special needs schools with externalizing and/ or internalizing problems. The students showed a disproportionately high incidence of language deficits, particularly in pragmatics, productive vocabulary and receptive grammar. Among the externalizing and internalizing problems examined, the manifestations in the area of attention deficit/ hyperactivity disorder are the strongest. Depending on cognitive skills, only vocabulary and grammar performance differed statistically significantly. Partial correlation analyses show heterogeneous results. Implications emphasize the need for interdisciplinary collaboration. Keywords: Language skills, externalizing problems, internalizing problems, cognitive skills, special needs schools VHN 2 | 2025 122 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG 1 Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten Viele Kinder weisen kombinierte Auffälligkeiten in ihrer sprachlichen und emotionalsozialen Entwicklung auf (Curtis, Frey, Watson, Hampton & Roberts, 2018; Hollo, Wehby & Oliver, 2014). Der vorliegende Beitrag untersucht die Verbindungen zwischen sprachlichen Fähigkeiten und externalisierenden und/ oder internalisierenden Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen mit psychischen Auffälligkeiten. Vertiefend wird dabei auch geprüft, inwiefern Unterschiede in kognitiven Fähigkeiten relevant sind. Sprachstrukturelle Fähigkeiten umfassen unter anderem semantisch-lexikalische und grammatische Fähigkeiten (Crystal, 2015). Zudem werden erweitert auch pragmatische Fähigkeiten im Sinne der kontextangemessenen Sprachverwendung zu sprachlichen Fähigkeiten gezählt (Achhammer & Spreer, 2015). Psychische Auffälligkeiten sind abzugrenzen von klinisch diagnostizierten psychischen Störungen, können sich jedoch zu diesen entwickeln und sind pädagogisch relevant (Casale & Hennemann, 2016). Wesentlich unterschieden werden einerseits externalisierende Auffälligkeiten, wie Symptome von Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), bspw. Unaufmerksamkeit, und Symptome von Störungen des Sozialverhaltens (SSV), bspw. dissoziale Verhaltensweisen. Andererseits werden damit internalisierende Auffälligkeiten wie Symptome von Depressionen und Angststörungen zusammengefasst (Myschker & Stein, 2018). Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten werden vielfältig erklärt und können zu einer Zuspitzung kombinierter Problematiken für Betroffene führen (Schramm & Ulrich, angenommen; Zwirnmann, Lüke & Stein, 2022), wie in Abbildung 1 deutlich wird. Sprachliche Fähigkeiten wirken auf die Entstehung, Ausprägung und Aufrechterhaltung externalisierender und internalisierender Auffälligkeiten Externalisierende und internalisierende Auffälligkeiten beeinträchtigen die Sprachentwicklung Zusammenhang entsteht unter dem Einfluss von Faktoren, die mit beiden Entwicklungsbereichen zusammenhängen (z. B. kognitive Fähigkeiten) Indirekte Wirkmechanismen Externalisierende und internalisierende Auffälligkeiten Sprachliche Fähigkeiten Teufelskreis ? Abb. 1 Erklärungshypothesen zum Zusammenhang zwischen sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten (adaptiert aus Schramm & Ulrich, angenommen) VHN 2 | 2025 123 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG Psychische Auffälligkeiten entstehen in einem komplexen Zusammenspiel von Risiko- und Schutzfaktoren (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau- Böse, 2022). Kinder mit sprachlichen Auffälligkeiten sind im weiteren Entwicklungsverlauf deutlich häufiger betroffen als sprachlich unauffällige Kinder (Yew & O’Kearney, 2013). Daher wird angenommen, dass sprachliche Fähigkeiten die Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Auffälligkeiten beeinflussen könnten (Curtis et al., 2018). Sprachliche Auffälligkeiten gelten als bedeutsam, wenn normierte Tests T-Werte unter 35 zeigen. Leistungen mit T-Werten ≤ 40 liegen im unterdurchschnittlichen Grenzbereich (Kauschke et al., 2023). Insbesondere Kinder, die sprachliche Auffälligkeiten auf mehreren Ebenen zeigen, die sowohl im Verstehen als auch der Produktion betroffen sind, sowie Kinder, deren pragmatische Fähigkeiten eingeschränkt sind, weisen ein hohes Risiko auf (Rißling, Melzer, Menke, Petermann & Daseking, 2015; Yew & O’Kearney, 2013). Theoretisch erklärt werden diese empirischen Ergebnisse u. a. damit, dass auf eine sprachliche Überforderung mit aggressivem Verhalten oder Rückzug reagiert wird (Hollo & Chow, 2015; Wadman, Durkin & Conti-Ramsden, 2008). Auf diese Weise könnte eine ungünstige Passung zwischen sprachlichen Anforderungen der Umgebung und sprachlichen Fähigkeiten des Kindes zu externalisierendem und internalisierendem Verhalten beitragen (Redmond & Rice, 1998). Es werden auch indirekte Wirkmechanismen diskutiert, da sprachliche Fähigkeiten z. B. längsschnittlich mit Fähigkeiten zur emotionalen Selbstregulation zusammenhängen (Rose, Ebert & Weinert, 2016). Ebenso könnten psychische Auffälligkeiten direkt oder indirekt Rahmenbedingungen für die Sprachentwicklung beeinflussen, bspw. durch erlebten psychischen Stress (Sirianni, 2004), soziale Exklusion oder problematische Beziehungen (Benner, Nelson & Epstein, 2002), z. B. in Folge externalisierender Verhaltensweisen (Krull, Wilbert & Hennemann, 2018). Bislang wurde jedoch vor allem querschnittlich gezeigt, dass bei psychischen Auffälligkeiten häufig komorbid sprachliche Auffälligkeiten vorliegen. Die Häufigkeiten variieren von 49 % - 91 % je nach Strenge des angelegten Kriteriums (Benner et al., 2002; Hollo et al., 2014; Mayer, Schramm & Ulrich, 2024). Besonders relevant erscheint dabei, dass sprachliche Auffälligkeiten im schulischen Alltag trotz moderater bis starker Ausprägung häufig nicht oder zu spät erkannt werden, wodurch eine gezielte Förderung ausbleibt (Hollo et al., 2014). Als Grund dafür wird die erhöhte Wahrnehmung externalisierender Auffälligkeiten diskutiert (Chow & Hollo, 2018). Dimensional betrachtet belegen internationale Übersichtsarbeiten schwache signifikante Korrelationen zwischen sprachlichen Fähigkeiten und externalisierenden sowie internalisierenden Auffälligkeiten (Hentges, Devereux, Graham & Madigan, 2021). Es wird angenommen, dass weitere Faktoren Einfluss nehmen. So ist das Risiko für sprachliche Auffälligkeiten und externalisierende Auffälligkeiten bei Jungen sowie bei einem niedrigen sozioökonomischen Status erhöht (Husky et al., 2018; Rice & Hoffman, 2015). Darüber hinaus wird bspw. die Rolle kognitiver Aspekte in diesem Zusammenhang als relevant eingeordnet (Gilliam & Mesquita, 2000). 2 Die Relevanz kognitiver Fähigkeiten im Kontext sprachlicher Fähigkeiten und psychischer Auffälligkeiten 2.1 Kognitive Fähigkeiten im Kontext sprachlicher Fähigkeiten Cattell (1963) unterteilt die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit in fluide und kristalline Intelligenz. Fluide Intelligenz umfasst die Verarbeitungsgeschwindigkeit, spontanes und schlussfolgerndes Denken sowie die Fähigkeit zum Problemlösen unabhängig von kulturellen und sprachlichen Kontexten. Kristalline Intelligenz bezieht sich hingegen auf angeeignetes (Fakten-)Wissen. In diesem Beitrag werden kognitive Fähigkeiten im Sinne der fluiden Intelligenz fokussiert. VHN 2 | 2025 124 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG International (Botting, 2005) sowie im deutschsprachigen Raum (Theisel, Spreer & Glück, 2019) ist das Phänomen des absinkenden IQs bei Kindern mit sprachlichen Auffälligkeiten gut belegt. Theisel et al. (2019) zeigten, dass die sprachlichen Fähigkeiten zu Beginn der Grundschulzeit mit 40 % einen höheren Beitrag zur Varianzaufklärung der kognitiven Fähigkeiten am Ende der Grundschulzeit leisteten als die kognitiven Fähigkeiten zum ersten Messzeitpunkt und die Intelligenz in der vierten Klasse demnach besser vorhersagen konnten. Darüber hinaus wurde für Kinder im Vorschulalter gezeigt, dass die nonverbale Intelligenz signifikant mit Fähigkeiten im produktiven Wortschatz sowie mit rezeptiven grammatischen Fähigkeiten zusammenhängt (Melzer, Rißling & Petermann, 2015). Fähigkeiten der fluiden Intelligenz, wie die Mustererkennung, werden als zentral für den Spracherwerb, besonders grammatischer Fähigkeiten, diskutiert (Montgomery, Evans, Fargo, Schwartz & Gillam, 2018). Gut belegt sind auch Zusammenhänge zwischen Aufmerksamkeitsleistungen und sprachlichen Fähigkeiten (Gathercole & Baddeley, 2014). Zusammenfassend sprechen diese Studien für Zusammenhänge zwischen sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten, wobei einerseits verringerte sprachliche Fähigkeiten die Erweiterung kognitiver Fähigkeiten erschweren und andererseits kognitive Fähigkeiten Einfluss auf den Spracherwerb nehmen können. 2.2 Kognitive Fähigkeiten im Kontext psychischer Auffälligkeiten Aktuelle Studien zeigen, dass externalisierende Auffälligkeiten häufig in Verbindung mit geringeren kognitiven Fähigkeiten stehen (Blok et al., 2023). Kinder mit ADHS zeigten im Vergleich zu Kindern ohne ADHS geringere kognitive Fähigkeiten sowie erwartungsgemäß geringere Aufmerksamkeitsleistungen (Frazier, Demaree & Youngstrom, 2004; Hellwig-Brida, Daseking, Petermann & Goldbeck, 2010). Es ist von einem Zusammenhang in der Entwicklung von Aufmerksamkeitsleistungen und höheren kognitiven Funktionen auszugehen (Fry & Hale, 2000). Spezifischer konnten in einer Gruppe mit vorherrschender Unaufmerksamkeit Einschränkungen in der Verarbeitungsgeschwindigkeit belegt werden (Hellwig-Brida et al., 2010). Darüber hinaus ist ein negativer schwacher bis moderater Zusammenhang zwischen Symptomen von SSV wie delinquentem sowie aggressivem Verhalten und kognitiven Fähigkeiten empirisch nachgewiesen (Duran-Bonavila, Morales-Vives, Cosi & Vigil-Colet, 2017; Ellis & Walsh, 2003). In einer repräsentativen Stichprobe von Jugendlichen (N = 10.073) wurden nach der Kontrolle von Störvariablen signifikante Zusammenhänge zwischen reduzierten kognitiven Fähigkeiten und externalisierenden Auffälligkeiten in den Bereichen ADHS und SSV gezeigt (Keyes, Platt, Kaufman & McLaughlin, 2017). Weniger eindeutig fielen in dieser Studie die Zusammenhänge mit Auffälligkeiten in den Bereichen Angststörungen und Depressionen aus, wobei für Letztere sogar ein positiver Zusammenhang gezeigt werden konnte. Insgesamt ist daher von Verbindungen zwischen kognitiven Fähigkeiten und Ausprägungen von Auffälligkeiten in den Bereichen ADHS und Symptomatiken im Kontext von SSV auszugehen, weniger eindeutig fallen die Zusammenhänge im Kontext internalisierender Auffälligkeiten aus. 3 Sprachliche Fähigkeiten, psychische Auffälligkeiten und kognitive Fähigkeiten bei Förderschüler: innen Zur Verteilung sprachlicher Fähigkeiten, psychischer Auffälligkeiten und kognitiver Fähigkeiten in der Zielgruppe liegen bislang nur wenige Ergebnisse aus dem deutschsprachigen Raum vor. Mayer (2021a) untersuchte die sprachlichen Fähigkeiten von N = 113 Schüler: innen mit den Förderschwerpunkten emotionale und soziale Entwicklung, Lernen oder Sprache an sonder- VHN 2 | 2025 125 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG pädagogischen Förderzentren in Bayern. Die Erstklässler: innen zeigten Unterstützungsbedarfe insbesondere im Sprachverstehen und Wortschatz. Die Mittelwerte der T-Werte lagen mehr als zwei Standardabweichungen unter dem Durchschnitt der Normierungsstichproben. In einer anderen Stichprobe zeigten Förderschüler: innen mit psychischen Auffälligkeiten unterdurchschnittliche Leistungen insbesondere im produktiven Wortschatz (81.0 %), im Sprachverständnis (53.7 %) und in pragmatischen Fähigkeiten (57.0 %). Im Mittel ließen sich bedeutsame Auffälligkeiten in der rezeptiven Grammatik, unterdurchschnittliche Leistungen im rezeptiven Wortschatz und in pragmatischen Fähigkeiten sowie durchschnittliche produktive grammatische Fähigkeiten nachweisen. Die Leistungen im produktiven Wortschatz wurden als mindestens bedeutsam auffällig eingeordnet (Mayer et al., 2024). Spezifische Angaben zu psychischen Auffälligkeiten von Schüler: innen an Förderschulen beziehen sich vorrangig auf die Prävalenz bestimmter Auffälligkeiten. Ergebnisse aus Schulen für Erziehungshilfe in Baden-Württemberg zeigten, dass über 80 % der Schüler: innen (N = 573) laut Lehrkraftbeurteilung grenzwertige oder klinisch auffällige Werte aufwiesen (Schmid, Fegert, Schmeck & Kölch, 2007). Am stärksten waren sie durch aggressives Verhalten (44 %), dissoziales Verhalten (40 %) und ängstlich-depressive Symptome (29 %) belastet, während Aufmerksamkeitsprobleme mit 17 % seltener vorkamen. Für NRW liegen Angaben zu psychischen Auffälligkeiten von Kindern an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung aus der PEARL-Studie vor (Hennemann et al., 2020). Zur Erfassung psychischer Auffälligkeiten wurde das Diagnostik-System für psychische Störungen nach ICD-10 und DSM-5 für Kinder und Jugendliche (DISYPS-III, Döpfner & Görtz- Dorten, 2017) verwendet. Von N = 745 Förderschüler: innen wurden im Bereich ADHS 60.5 %, im Bereich SSV 25.9 %, im Bereich Depressionen 15.0 % und im Bereich Angststörungen 6.5 % als auffällig oder sehr auffällig eingeschätzt, wobei sich hohe Komorbiditäten zeigten (Hanisch et al., 2023). Im Rahmen der Feststellung eines sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfs wird häufig eine Intelligenztestung durchgeführt (Heimlich, Hillenbrand & Wember, 2016). Dennoch liegen zu den kognitiven Fähigkeiten von Förderschüler: innen keine spezifischen Forschungsergebnisse vor. 4 Forschungsfragen Abbildung 2 bietet einen Überblick über zentrale Forschungsdesiderate zum Zusammenhang zwischen sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten. Genauere Beachtung von Subkomponenten sprachlicher Fähigkeiten (z. B. rezeptive und produktive Fähigkeiten, sprachebenenspezifische Fähigkeiten) und psychischer Auffälligkeiten (z. B. externalisierender und internalisierender Auffälligkeiten sowie störungsspezifischer Symptome) bei der Untersuchung von Zusammenhängen (Hentges et al., 2021; Hollo et al., 2014) Berücksichtigung von ◾ Schulisch relevanten Personengruppen (Mayer, 2021b; Perschl, 2022) ◾ Betroffenen von psychischen Auffäligkeiten (gegenüber klinischen Diagnosen) (Chow & Wehby, 2018) Untersuchung der Relevanz weiterer entwicklungsrelevanter internaler und externaler Faktoren (wie z. B. kognitiver Fähigkeiten) (Hentges et al., 2021) Abb. 2 Zentrale Desiderate zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten VHN 2 | 2025 126 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG Es besteht ein international anerkanntes Forschungsdesiderat in der differenzierteren Analyse der Zusammenhänge zwischen Subkomponenten, also zwischen einzelnen Störungsbereichen psychischer Auffälligkeiten und sprachlichen Fähigkeiten (Hollo et al., 2014). Zudem stellten Chow und Wehby (2018) das Forschungsdesiderat der Untersuchung der Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten in verschiedenen Personengruppen dar. Im deutschsprachigen Raum liegt bislang neben der Beschreibung von Komorbiditäten sprachlicher und psychischer Auffälligkeiten (Mayer et al., 2024) keine differenzierte Beschreibung der fokussierten Zusammenhänge bei Förderschüler: innen vor (Perschl, 2022). Schulisch orientierte Forschung sollte verstärkt auch Kinder mit Symptomen externalisierender und internalisierender Auffälligkeiten, unabhängig von klinischen Diagnosen, einbeziehen (Chow & Wehby, 2018). Schließlich muss die Rolle weiterer entwicklungsrelevanter Faktoren wie der kognitiven Fähigkeiten fokussiert werden (Hentges et al., 2021). Basierend auf den bisherigen Untersuchungsergebnissen und den dargestellten Forschungsdesiderata stehen vier Forschungsfragen im Mittelpunkt des Forschungsinteresses: 1) Wie lassen sich die Verteilungen sprachlicher Fähigkeiten sowie psychischer Auffälligkeiten und kognitiver Fähigkeiten bei Förderschüler: innen mit psychischen Auffälligkeiten beschreiben? 2) Inwiefern hängen die sprachlichen Fähigkeiten, psychischen Auffälligkeiten und kognitivenFähigkeitenbeiFörderschüler: innen mit psychischen Auffälligkeiten miteinander zusammen? 3) Inwiefern unterscheiden sich die zentralen Tendenzen in den Verteilungen sprachlicher Fähigkeiten und psychischer Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen mit psychischen Auffälligkeiten und unterdurchschnittlichen, durchschnittlichen und überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten? 4) Inwiefern ergeben sich Tendenzen für unterschiedlich starke Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten, psychischen Auffälligkeiten und kognitiven Fähigkeiten bei Förderschüler: innen mit psychischen Auffälligkeiten und unterdurchschnittlichen, durchschnittlichen und überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten? Es handelt sich aufgrund der hohen Spezifität der Fragestellungen in Bezug auf die untersuchten Subkomponenten und aufgrund der speziellen Zielgruppe um eine weitestgehend explorative Untersuchung. 5 Methode 5.1 Stichprobe Es wurden N = 111 Förderschüler: innen mit psychischen Auffälligkeiten (80 % männlich) in Nordrhein-Westfalen untersucht. Dabei wurden nur Kinder berücksichtigt, die im Screening des Diagnostik-Systems für Kinder und Jugendliche (DISYPS-III; Döpfner & Görtz- Dorten, 2017) auf einer der vier untersuchten Skalen als psychisch auffällig oder sehr auf- Kumulation n % nur ADHS nur SSV nur ANG nur DEP ADHS, SSV ADHS, ANG ADHS, DEP SSV, DEP ANG, DEP ADHS, ANG, DEP ADHS, SSV, DEP ADHS, SSV, ANG, DEP 35 1 1 3 32 5 7 1 1 6 10 9 31.5 0.9 0.9 2.7 28.8 4.5 6.3 0.9 0.9 5.4 9.0 8.1 Tab. 1 Kumulation psychischer Auffälligkeiten Anmerkungen: ADHS = Auffälligkeit Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung; SSV=Auffälligkeit Störungen des Sozialverhaltens; DEP= Auffälligkeit Depressionen; ANG=Auffälligkeit Angststörungen VHN 2 | 2025 127 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG fällig eingestuft wurden. Die Kumulation psychischer Auffälligkeiten in der Stichprobe ist Tabelle 1 zu entnehmen. Das Alter lag zwischen 8 und 10 Jahren (M= 9.41; SD = 0.67). Rund 63 % der Schüler: innen besuchten eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung und 37 % ein sonderpädagogisches Förderzentrum. Letztere Schulform besuchen in Nordrhein-Westfalen Kinder mit verschiedenen Kombinationen der Förderschwerpunkte emotionale und soziale Entwicklung, Lernen und Sprache. Weitere Merkmale der Stichprobe sind in Tabelle 2 beschrieben. 5.2 Erhebungsinstrumente Zur Erfassung der sprachstrukturellen und kognitiven Fähigkeiten wurden normierte Testverfahren eingesetzt. Pragmatische Fähigkeiten sowie psychische Auffälligkeiten wurden mit Fragebögen erhoben. Eine genauere Beschreibung der Instrumente ist Tabelle 3 zu entnehmen. Die Tabelle zeigt darüber hinaus Cronbach’s α zur Einordnung der Reliabilität, die für die Testinstrumente und den Fragebogen zur Erfassung pragmatischer Fähigkeiten in einem zufriedenstellenden bis sehr guten Bereich liegen. Aufgrund der Standardisierung der meisten Verfahren wird darüber hinaus eine hohe Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität gewährleistet. Zur Erfassung pragmatischer Fähigkeiten stellt der Einsatz von Fragebögen wie der CCC (Spreen-Rauscher, 2003) ein verbreitetes Vorgehen dar (Achhammer & Spreer, 2015). Der Screening-Bogen des DISYPS-III (FBB- Screen; Döpfner & Görtz-Dorten, 2017) eignet sich als Breitbandverfahren zur Erfassung der Ausprägungen von Symptomen der Störungsbereiche ADHS, SSV, Depressionen und Angststörungen entlang international gültiger Klassifikationssysteme. Bislang liegen für diese Version keine Repräsentativnormen für das Lehrkrafturteil vor, im Elternurteil zeigen sich akzeptable interne Konsistenzen (Cronbach’s α = .71 - .81) und die Konstruktvalidität sowie die Trennschärfe der einzelnen Skalen konnten nachgewiesen werden (Döpfner & Görtz-Dorten, 2017). N = 111 n 1 = 29 n 2 = 69 n 3 = 13 n % n % n % n % Kontaktzeit Deutsch Seit der Geburt Deutsch als L2 Keine Angabe 97 13 1 87 12 1 23 6 0 79 21 0 61 13 1 88 10 2 13 0 0 100 0 0 Mehrsprachigkeit Deutsch als einzige Sprache Weitere Sprache(n) 79 32 71 29 17 12 59 41 53 16 77 23 12 1 92 8 Schulabschluss Erziehungsberechtigte Kein Abschluss Geringe Schulbildung Mittlere Schulbildung Hohe Schulbildung Keine Angabe 6 18 24 35 28 5 16 22 32 25 3 5 4 9 8 10 17 14 31 28 3 12 15 22 17 4 17 22 32 25 0 1 5 4 3 0 8 38 31 23 Vorrangiger FSP EsE Lernen Sprache 77 23 11 69 21 10 14 13 2 48 45 7 51 10 8 74 14 12 12 0 1 92 0 8 Tab. 2 Stichprobenbeschreibung Anmerkungen: n 1 = Gruppe mit unterdurchschnittlichem IQ; n 2 = Gruppe mit durchschnittlichem IQ; n 3 = Gruppe mit überdurchschnittlichem IQ; L2 = Zweitsprache; FSP = Förderschwerpunkt; EsE = emotionale und soziale Entwicklung. VHN 2 | 2025 128 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG Konstrukt Instrument Kommentar Itemanzahl α Rezeptiver Wortschatz PPVT-4 ◾ Bildauswahl (vier Alternativen) zu vorgesprochenem Wort ◾ Adaptives Testen ◾ Gute bis sehr gute Split-Half, Retestreliabilität (r = .97; r = .74) 228 .87 Produktiver Wortschatz WWT 6 -10 Kurzform expressiv ◾ Bildbenennung Nomen, Verben und Adjektive (ein Wort je Bild) ◾ Hohe Aussagenübereinstimmung Lang- und Kurzform (96%) (hohe Aussagekraft der Kurzform) 40 .86 Rezeptive Grammatik TROG-D ◾ Bildauswahl (vier Alternativen) zu vorgesprochenem Satz ◾ Adaptives Testen ◾ Maximaler Rohwert: 21 ◾ Sehr gute Split-Half-Reliabilität (r = .91) 84 .90 Produktive Grammatik SET 5 -10 Untertest Korrektur inkorrekter Sätze ◾ Mündliches Korrigieren grammatikalisch fehlerhaft vorgesprochener Sätze 12 .71 Pragmatik CCC ◾ Dreistufige Skala, zusätzliche Option „weiß nicht“ ◾ Orientierende Einordnung nach Gilmour, Hill, Place & Skuse (2004) ◾ Einordnung Rohwerte: > 140 unauffällig, 133 -139 > 1 SD, 123 -132 > 2 SD, 122 und weniger > 3 SD Abweichung ◾ Sehr gute Interrater-Reliabilität (r = .80) 38 .83 Psychische Auffälligkeiten DISYPS-III FBB Screen ◾ Einschätzung von Auffälligkeiten ADHS (3 Items), SSV (6 Items), Depressionen (9 Items), Angststörungen (12 Items) durch Lehrkräfte ◾ Vierstufige Skala ◾ Einordnung anhand inhaltlicher Kriterien, bisherigen Normen 30 - Kognitive Fähigkeiten CFT 20-R ◾ Zwei Testteile, je vier Subtests zur Erfassung der allgemeinen kognitiven Leistungsfähigkeit (fluide Intelligenz) ◾ Bereiche: Reihenfortsetzen, Klassifizieren, Matrizen, Topologische Schlussfolgerungen 101 .96 Tab. 3 Beschreibung der Erhebungsinstrumente Anmerkungen: PPVT-4 = Peabody Picture Vocabulary Test (Lenhard, Lenhard, Segerer & Suggate, 2015); WWT 6 -10 = Wortschatz- und Wortfindungstest für 6 -10-Jährige (Glück, 2011); TROG-D = Test zur Überprüfung des Grammatikverständnisses (Fox-Boyer, 2020); SET 5 -10 = Sprachstandserhebungstest für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren (Petermann, 2018); CCC = Children’s Communication Checklist (Spreen-Rauscher, 2003); DISYPS-III FBB Screen = Diagnostik-System für Psychische Störungen Fremdbeurteilungsbogen Screening (Döpfner & Görtz-Dorten, 2017); CFT 20-R = Culture Fair Test Grundintelligenztest Skala 2 (Weiß, 2019). VHN 2 | 2025 129 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG 5.3 Vorgehensweise 5.3.1 Datenerhebung Die Datenerhebungen fanden von 2022 bis 2023 statt. Nach erteiltem Einverständnis machten die Erziehungs- / Sorgeberechtigten Angaben zu allgemeinen personenbezogenen Daten. Die Klassenlehrkräfte füllten für jedes Kind das DISYPS-III Screening (Döpfner & Görtz- Dorten, 2017) sowie die deutsche Version der CCC (Spreen-Rauscher, 2003) aus. Die Testungen wurden durch Projektmitarbeitende im Einzelsetting in einem separaten Raum während des Unterrichts durchgeführt. Die Erhebung der kognitiven Fähigkeiten erfolgte teils in Kleingruppen. Insgesamt dauerten die Testungen etwa zwei Stunden je Schüler: in und wurden auf drei Einheiten aufgeteilt. 5.3.2 Auswertung Um Forschungsfrage 1 zu beantworten, werden Mittelwerte, Mediane sowie die Schiefe der Verteilungen berichtet. Die Kennwerte zu psychischen Auffälligkeiten lassen sich in die Kategorien unauffällig (0 bis 0.49), leicht auffällig (0.50 bis 0.99), auffällig (1.00 bis 1.49) und sehr auffällig (1.5 bis 3) einordnen. Um Forschungsfrage 2 zu beantworten, werden die dimensionalen Zusammenhänge anhand von Partialkorrelationen (95 % KI) mit den Rohwerten zu sprachlichen Fähigkeiten und den Kennwerten zu psychischen Auffälligkeiten sowie dem IQ unter Kontrolle des Alters analysiert. Zur Beantwortung von Forschungsfrage 3 ist der Vergleich der sprachlichen Fähigkeiten und Ausprägungen psychischer Auffälligkeiten bei Kindern mit unterdurchschnittlichen, durchschnittlichen und überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten notwendig. Aufgrund von Verletzungen der Varianzhomogenität und der Normalverteilung wird nicht-parametrisch ausgewertet und zunächst ein Kruskal-Wallis-Test zur Prüfung der Unterschiede in den zentralen Tendenzen durchgeführt. Dabei werden Kinder mit unterdurchschnittlichen (IQ < 85), durchschnittlichen (IQ 85 - 115) und überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten (IQ > 115) unterschieden. Anschließende Mann-Whitney-U-Tests ermitteln, welche Subkomponenten zwischen den Subgruppen signifikante Unterschiede aufweisen. Die Effektstärken werden nach Cohen (1988) eingeordnet. Um Forschungsfrage 4 zu beantworten, werden die Partialkorrelationen separat für die Teilstichproben berechnet. Diese Analysen erfolgen mit dem Statistik- Programm R. 6 Ergebnisse 6.1 Verteilung der sprachlichen Fähigkeiten, psychischen Auffälligkeiten und kognitiven Fähigkeiten (Forschungsfrage 1) Die Fähigkeiten in Wortschatz und Grammatik der Gesamtstichprobe sind Tabelle 4 zu entnehmen. Rezeptiver Wortschatz Produktiver Wortschatz Rezeptive Grammatik Produktive Grammatik RW T RW T RW T RW T M (SD) Median Schiefe 142.90 (30.99) 150.00 -1.13 40.72 (8.67) 41.00 0.40 12.47 (8.42) 11.00 0.35 10.48 (19.16) 0.00 1.5 12.96 (3.92) 14.00 -0.72 32.81 (17.54) 37.00 -0.72 7.86 (3.53) 8.00 -0.79 41.06 (17.28) 36.00 -0.67 Tab. 4 Fähigkeiten in Wortschatz und Grammatik in der Gesamtstichprobe Anmerkungen: RW = Rohwert; T = T-Wert. VHN 2 | 2025 130 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG Die Mittelwerte der T-Werte im produktiven Wortschatz und in den rezeptiven grammatischen Fähigkeiten liegen im bedeutsam auffälligen Bereich (T-Werte < 35). Der rezeptive Wortschatz sowie die produktiven grammatischen Fähigkeiten entsprechen im Mittelwert Leistungen im unterdurchschnittlichen Grenzbereich (T-Werte ≤ 40). Die Hälfte der Stichprobe weist Leistungen im unterdurchschnittlichen Grenzbereich auf, mit der Ausnahme rezeptiver Wortschatzleistungen (Median T-Wert = 41). Für den Wortschatz zeigt sich eine positive Schiefe der Verteilung der T-Werte, die stärker für die produktiven Wortschatzleistungen ausgeprägt ist. Für die grammatischen Fähigkeiten zeigt sich eine negative Schiefe der Verteilung, die ähnlich stark für produktive und rezeptive Fähigkeiten ausgeprägt ist. Während sich demnach in Relation zur Stichprobe geringer ausgeprägte Wortschatzleistungen stärker häufen, häufen sich tendenziell besser ausgeprägte grammatische Leistungen. Die Ausprägung pragmatischer Fähigkeiten, psychischer Auffälligkeiten sowie kognitiver Fähigkeiten ist Tabelle 5 zu entnehmen. Der Mittelwert pragmatischer Fähigkeiten liegt mehr als zwei Standardabweichungen unter den durchschnittlichen Leistungen der Vergleichsgruppe von Gilmour, Hill, Place und Skuse (2004). Die Hälfte der Kinder erzielte ebenfalls Leistungen, die mehr als zwei Standardabweichungen unter diesem Mittelwert liegen. Unter den psychischen Auffälligkeiten sind Auffälligkeiten im Bereich ADHS sehr stark und in absteigender Reihenfolge Auffälligkeiten in den Bereichen SSV, Depressionen und Angst leicht ausgeprägt. Dabei zeigt sich eine positive Schiefe der Verteilung nur für Auffälligkeiten im Bereich ADHS. Es häufen sich folglich insbesondere hohe Ausprägungen im Bereich ADHS. Die kognitiven Fähigkeiten liegen in der Gesamtstichprobe mit einem mittleren IQ von 94.91 im durchschnittlichen Bereich. 6.2 Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten, psychischen Auffälligkeiten und kognitiven Fähigkeiten (Forschungsfrage 2) Tabelle 6 zeigt die Partialkorrelationen kontrolliert für das Alter. In der Gesamtstichprobe werden zwischen den meisten sprachlichen Fähigkeiten und den psychischen Auffälligkeiten sehr schwache (r < .10) oder schwache Korrelationen (.10 < r < .30) deutlich, die auf einem Niveau von p < .05 nicht signifikant sind. Lediglich die positive Korrelation zwischen produktiven grammatischen Fähigkeiten und Auffälligkeiten im Bereich ADHS ist als signifikant einzuordnen (r = .22; p < .05). Dies bedeutet, dass höher ausgeprägte sprachliche Fähigkeiten mit stärkeren Auffälligkeiten im Bereich ADHS korrelieren. Negative sehr schwache bis schwache Zusammenhänge PRA ADHS SSV DEP ANG IQ M (SD) Median Schiefe 128.66 (12.24) 129.00 -0.23 1.94 (0.78) 2.00 -0.30 0.91 (0.59) 0.83 0.59 0.68 (0.51) 0.56 0.61 0.56 (0.45) 0.50 0.81 94.91 (15.53) 94.00 0.50 Tab. 5 Pragmatische Fähigkeiten, psychische Auffälligkeiten und kognitive Fähigkeiten in der Gesamtstichprobe Anmerkungen: PRA=Pragmatik; ADHS=Auffälligkeit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung; SSV=Auffälligkeit Störungen des Sozialverhaltens; DEP=Auffälligkeit Depressionen; ANG=Auffälligkeit Angststörungen. VHN 2 | 2025 131 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG zeigen sich zwischen pragmatischen Fähigkeiten und allen vier psychischen Auffälligkeiten, wobei nur der Zusammenhang mit Auffälligkeiten im Bereich SSV signifikant ist (r = -.18; p < .05). Höher ausgeprägte pragmatische Fähigkeiten korrelieren also mit einer geringeren Ausprägung von Auffälligkeiten im Bereich SSV. Die Korrelationsanalysen zeigen signifikante, moderate bis starke positive Zusammenhänge zwischen kognitiven Fähigkeiten und allen sprachstrukturellen Fähigkeiten. Bessere sprachstrukturelle Fähigkeiten stehen also in Zusammenhang mit besseren kognitiven Fähigkeiten. Hingegen zeigen sich keine signifikanten Korrelationen kognitiver Fähigkeiten mit pragmatischen Fähigkeiten, ebenso wie zwischen den Auffälligkeiten in den Bereichen ADHS sowie SSV und kognitiven Fähigkeiten. Die internalisierenden Auffälligkeiten korrelieren ebenfalls nicht signifikant mit den kognitiven Fähigkeiten, wobei sich innerhalb der Konfidenzintervalle eine Tendenz für negative Zusammenhänge im Sinne höher ausgeprägter internalisierender Auffälligkeiten bei geringeren kognitiven Fähigkeiten zeigt. 6.3 Unterschiede in sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten bei unterdurchschnittlichen, durchschnittlichen und überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten (Forschungsfrage 3) Die sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten in den Subgruppen mit unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten sind den Tabellen 7 und 8 zu entnehmen. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 RW 1 2 PW .77** [.63, .83] 1 3 RG .78** [.70, .84] .74** [.66, .81] 1 4 PG .84** [.78, .88] .77** [.69, .83] .72** [.62, .79] 1 5 PRA -.01 [-.15, .19] .07 [-.10, .24] -.08 [-.24, .09] -.05 [-.21, .12] 1 6 ADHS .07 [-.09, .25] .16 [-.01, .32] .15 [-.02, .31] .22* [.06, .38] -.08 [-.25, .09] 1 7 SSV .11 [-.05, .28] .12 [-.05, .28] .16 [-.01, .32] .18 [.01, .34] -.18* [-.34, -.01] .47** [.33, .59] 1 8 DEP .11 [-.07, .26] .09 [-.08, .26] .08 [-.09, .24] .14 [-.03, .30] -.15 [-.31, -.15] .01 [-.16, .17] .19* [.02, .35] 1 9 ANG .04 [-.13, .20] .12 [-.05, .28] .06 [-.11, 22] .14 [-.03, .30] -.17 [-.33, .00] .06 [-.11, .23] .09 [-.08, .26] .62** [.51, .72] 1 10 IQ .48** [.34, .60] .50** [.37, .62] .51** [.38, .63] .45** [.31, .58] .02 [-.15, .18] .00 [-.17, .17] .01 [-.16, .18] -.05 [-.21, .12] -.13 [-.30, .04] Tab. 6 Korrelationen kontrolliert für das Alter mit Konfidenzintervallen (95 % KI) in der Gesamtstichprobe Anmerkungen: RW = Rezeptiver Wortschatz; PW = Produktiver Wortschatz; RG = Rezeptive Grammatik; PG = Produktive Grammatik; PRA = Pragmatik; ADHS = Auffälligkeit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung; SSV = Auffälligkeit Störungen des Sozialverhaltens; DEP = Auffälligkeit Depressionen; ANG = Auffälligkeit Angststörungen; ** = p < .001; * = p < .05. VHN 2 | 2025 132 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG Rezeptiver Wortschatz Produktiver Wortschatz Rezeptive Grammatik Produktive Grammatik RW T RW T RW T RW T n 1 = 29 M (SD) Median Schiefe 128.90 (37.21) 140.00 -0.62 36.97 (8.06) 38.00 0.30 7.90 (7.26) 6.00 0.67 2.24 (9.02) 0.00 4.36 10.69 (3.93) 12.00 -0.68 23.72 (17.15) 0.00 -0.52 5.72 (3.88) 6.00 -0.13 32.48 (14.07) 30.00 1.30 n 2 = 69 M (SD) Median Schiefe 145.10 (27.74) 150.00 -1.26 40.78 (7.94) 41.00 0.21 12.93 (7.80) 13.00 0.37 9.30 (18.22) 0.00 1.73 13.43 (3.69) 14.00 -0.77 34.19 (17.08) 37.00 -0.93 8.48 (3.16) 9.00 -0.68 43.35 (17.53) 41.00 1.10 n 3 = 13 M (SD) Median Schiefe 162.46 (17.19) 155.00 -1.26 48.77 (8.69) 46.00 0.21 20.23 (8.07) 22.00 0.37 35.08 (21.60) 43.00 1.73 15.53 (2.57) 15.00 -0.77 45.77 (9.50) 44.00 -0.93 9.38 (2.60) 10.00 -0.68 48.08 (16.49) 46.00 1.10 Tab. 7 Fähigkeiten in Wortschatz und Grammatik in den Teilstichproben Anmerkungen: RW = Rohwert; T = T-Wert; n 1 = Gruppe mit unterdurchschnittlichem IQ; n 2 = Gruppe mit durchschnittlichem IQ; n 3 = Gruppe mit überdurchschnittlichem IQ. PRA ADHS SSV DEP ANG IQ n 1 = 29 M (SD) Median Schiefe 130.55 (13.85) 132.00 -0.27 2.00 (0.74) 2.00 -0.17 0.98 (0.58) 1.00 0.50 0.70 (0.52) 0.56 0.35 0.64 (0.49) 0.58 0.73 76.72 (4.91) 77.00 -0.26 n 2 = 69 M (SD) Median Schiefe 127.55 (11.92) 128.00 -0.23 1.95 (0.80) 2.00 -0.30 0.88 (0.62) 0.83 0.67 0.69 (0.52) 0.56 0.68 0.56 (0.44) 0.50 0.74 96.93 (7.69) 97.00 0.33 n 3 = 13 M (SD) Median Schiefe 130.31 (10.11) 133.00 -0.23 1.74 (0.78) 2.00 -0.30 0.92 (0.49) 0.83 0.67 0.55 (0.47) 0.33 0.68 0.40 (0.29) 0.33 0.74 124.77 (5.60) 124.00 0.33 Tab. 8 Pragmatische Fähigkeiten, psychische Auffälligkeiten und kognitive Fähigkeiten in den Teilstichproben Anmerkungen: PRA = Pragmatik; ADHS = Auffälligkeit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung; SSV = Auffälligkeit Störungen des Sozialverhaltens; DEP = Auffälligkeit Depressionen; ANG = Auffälligkeit Angststörungen; n 1 = Gruppe mit unterdurchschnittlichem IQ; n 2 = Gruppe mit durchschnittlichem IQ; n 3 = Gruppe mit überdurchschnittlichem IQ. VHN 2 | 2025 133 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG Der Kruskal-Wallis-Test ergibt für alle sprachstrukturellen Fähigkeiten signifikante Unterschiede zwischen den drei Gruppen (p < .001), bei je zwei Freiheitsgraden. Die Ergebnisse der Mann-Whitney-U-Tests zu sprachstrukturellen Fähigkeiten sind in Tabelle 9 dargestellt. Es ergeben sich keine signifikanten Unterschiede auf nach Bonferroni-Korrektur angepasstem Signifikanzniveau für pragmatische Fähigkeiten sowie psychische Auffälligkeiten (p > .017). Die durchschnittlichen pragmatischen Fähigkeiten liegen in allen Gruppen mehr als zwei Standardabweichungen unter dem Durchschnitt der Vergleichsgruppe. Unter den psychischen Auffälligkeiten zeigen alle Gruppen die höchsten Ausprägungen im Bereich ADHS mit dem höchsten Mittelwert in der Gruppe mit unterdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten und dem niedrigsten in der Gruppe mit überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten. Wie in der Gesamtgruppe ist auch in allen drei Subgruppen die Verteilung der Auffälligkeiten im Bereich ADHS linksschief mit einer höheren Kumulation höherer als niedriger Ausprägungen und in allen anderen psychischen Auffälligkeiten rechtsschief. 6.4 Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten bei unterdurchschnittlichen, durchschnittlichen und überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten (Forschungsfrage 4) Die Partialkorrelationen in den Subgruppen sind den Tabellen 10 - 12 zu entnehmen. In der Gruppe mit unterdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten liegen keine signifikanten Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten vor, jedoch deutet sich in den Konfidenzintervallen eine negative Tendenz an. Negative Zusammenhänge bedeuten, dass bessere sprachliche Fähigkeiten mit geringer ausgeprägten psychischen Auffälligkeiten einhergehen. In der Gruppe mit durchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten zeigen sich tendenziell positive Zusammenhänge, jedoch sind die Korrelationen zwischen sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten meist nicht signifikant, mit Ausnahme der signifikanten positiven Korrelationen zwischen rezeptiven und produktiven grammatischen Fähigkeiten und Auffälligkeiten im Bereich ADHS. Bei durchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten korrelieren besser ausgeprägte grammatische n 1 vs. n 3 n 1 vs. n 2 n 2 vs. n 3 U Z p r U Z p r U Z p r RW PW RG PG 54.00 51.00 46.00 74.50 -3.67 -4.69 -3.90 -3.11 < .001 < .001 < .001 .001 -.57 -.72 -.60 -.41 630.50 594.00 -.90 -3.17 n. s. n. s. .004 .002 -.29 -.34 228.50 186.50 -2.80 -4.01 .005 < .001 n. s. n. s. -.31 -.44 Tab. 9 Ergebnisse der Gruppenvergleiche zwischen den Gruppen mit unterdurchschnittlichen, durchschnittlichen und überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten Anmerkungen: n 1 = Gruppe mit unterdurchschnittlichem IQ; n 2 = Gruppe mit durchschnittlichem IQ; n 3 = Gruppe mit überdurchschnittlichem IQ; RW = Rezeptiver Wortschatz; PW = Produktiver Wortschatz; RG = Rezeptive Grammatik; PG = Produktive Grammatik; n. s. = nicht signifikant. VHN 2 | 2025 134 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG Fähigkeiten also mit stärkeren Auffälligkeiten im Bereich ADHS. In der Gruppe mit überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten zeigt sich eine starke und signifikante positive Korrelation zwischen rezeptiven grammatischen Fähigkeiten und Auffälligkeiten im Bereich ADHS. Dies bedeutet, dass bessere rezeptive grammatische Fähigkeiten mit ausgeprägteren Auffälligkeiten in diesem Bereich einhergehen. Aus den Konfidenzintervallen ergeben sich Tendenzen für negative Zusammenhänge in dieser Gruppe zwischen Wortschatz sowie Grammatik und Auffälligkeiten im Bereich Angst und zwischen Pragmatik und den externalisierenden Auffälligkeiten. In diesen Teilbereichen korrelieren bessere sprachliche Fähigkeiten also mit weniger ausgeprägten psychischen Auffälligkeiten. Der einzige signifikante, negative Zusammenhang (p < .05) besteht zwischen produktiven grammatischen Fähigkeiten und Auffälligkeiten im Bereich Angst. Höher ausgeprägte sprachliche Fähigkeiten hängen dementsprechend mit geringer ausgeprägten Auffälligkeiten im Bereich Angst zusammen. In den Gruppen mit unterdurchschnittlichen und durchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten zeigen sich überwiegend moderate, positive und signifikante Korrelationen zwischen sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten. Bessere sprachliche Fähigkeiten korrelieren mit besseren kognitiven Fähigkeiten. In der Gruppe mit überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten sind hingegen keine signifikanten Zusammenhänge erkennbar. Weder in den Subgruppen noch in der Gesamtstichprobe bestehen signifikante Korrelationen zwischen kognitiven Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 RW 1 2 PW .77** [.56, .89] 1 3 RG .81** [.64, .91] .72** [.47, .86] 1 4 PG .88** [.75, .94] .86** [.72, .93] .71** [.47, .86] 1 5 PRA -.12 [-.46, .26] .04 [-.33, .40] -.08 [-.44, .29] -.05 [-.41, .32] 1 6 ADHS -.07 [-.42, .31] .01 [-.35, .38] -.21 [-.53, .17] .07 [-.30, .43] .04 [-.33, .40] 1 7 SSV .05 [-.32, .41] .10 [-.28, .45] .00 [-.37, .37] .24 [-.14, .56] -.32 [-.62, .05] .45* [.10, .70] 1 8 DEP -.01 [-.37, .36] .02 [-.35, .38] -.24 [-.56, .14] .16 [-.22, .50] -.18 [-.51, .20] .21 [-.17, .54] .46* [.11, .70] 1 9 ANG .17 [-.21, .50] .27 [-.11, .58] .00 [-.37, .36] .27 [-.10, .58] -.25 [-.57, .13] .35 [-.02, .63] .30 [-.07, .60] .67** [.40, .83] 1 10 IQ .42* [.07, .68] .40* [.04, .67] .25 [-.12, .57] .36* [.00, .64] .02 [-.38, .35] .10 [-.28, .45] .03 [-.34, .39] .00 [-.37, .37] .33 [-.05, .62] Tab. 10 Korrelationen kontrolliert für das Alter mit Konfidenzintervallen (95 % KI) in der Gruppe mit unterdurchschnittlichem IQ Anmerkungen: RW = Rezeptiver Wortschatz; PW = Produktiver Wortschatz; RG = Rezeptive Grammatik; PG = Produktive Grammatik; PRA = Pragmatik; ADHS = Auffälligkeit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung; SSV = Auffälligkeit Störungen des Sozialverhaltens; DEP = Auffälligkeit Depressionen; ANG = Auffälligkeit Angststörungen; ** = p < .001; * = p < .05. VHN 2 | 2025 135 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG 1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 RW 1 2 PW .74** [.32, .92] 1 3 RG .55 [-.01, .84] .70* [.25, .90] 1 4 PG .36 [-.23, .76] .65* [.16, .88] .32 [-.28, .74] 1 5 PRA .35 [-.25, .75] .09 [-.48, .61] -.46 [-.80, .13] .08 [-.50, .60] 1 6 ADHS .26 [-.34, .71] .55 [.00, .85] .59* [.06, .86] .62 [.10, .87] -.22 [-.69, .38] 1 7 SSV -.35 [-.76, .25] .02 [-.54, .56] .12 [-.46, .63] .33 [-.27, .75] -.43 [-.79, .16] .62* [.11, .87] 1 8 DEP .29 [-.31, .72] .11 [-.47, .62] .35 [-.25, .76] -.51 [-.83, .05] -.07 [-.60, .50] -.23 [-.70, .36] -.36 [-.76, .24] 1 9 ANG -.41 [-.78, .19] -.19 [-.67, .40] -.29 [-.72, .31] -.57* [-.85, -.02] .13 [-.45, .64] -.33 [-.74, .27] -.19 [-.67, .40] .44 [-.15, .80] 1 10 IQ .07 [-.50, .60] -.03 [-.57, .53] -.01 [-.56, .55] .20 [-.40, .67] -.07 [-.60, .50] -.16 [-.66, .42] -.30 [-.73, .30] -.07 [-.60, .50] -.25 [-.70, .35] Tab. 12 Korrelationen kontrolliert für das Alter mit Konfidenzintervallen (95 % KI) in der Gruppe mit überdurchschnittlichem IQ Anmerkungen Tab. 11 und Tab. 12: RW = Rezeptiver Wortschatz; PW = Produktiver Wortschatz; RG = Rezeptive Grammatik; PG = Produktive Grammatik; PRA = Pragmatik; ADHS = Auffälligkeit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung; SSV = Auffälligkeit Störungen des Sozialverhaltens; DEP = Auffälligkeit Depressionen; ANG = Auffälligkeit Angststörungen; ** = p < .001; * = p < .05. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 RW 1 2 PW .75** [.63, .84] 1 3 RG .73** [.59, .82] .70** [.55, .80] 1 4 PG .82** [.73, .89] .72** [.58, .81] .68** [.53, .79] 1 5 PRA .08 [-.16, .31] .10 [-.14, .33] -.04 [-.27, .20] -.03 [-.26, .21] 1 6 ADHS .22 [.02, .43] .21 [-.02, .43] .33* [.10, .53] .32* [.09, .52] -.13 [-.35, .11] 1 7 SSV .21 [-.03, .42] .16 [-.08, .38] .27* [.04, .48] .19 [-.05, .41] -.11 [-.34, .13] .47** [.26, .64] 1 8 DEP .22 [-.02, .43] .19 [-.05, .41] .26* [.02, .46] .27* [.03, .47] -.13 [-.35, .11] -.06 [-.30, .17] .15 [-.09, .38] 1 9 ANG .12 [-.13, .34] .24 [.00, .45] .24 [.00, .45] .25* [.02, .46] -.13 [-.35, .11] -.05 [-.28, .19] .02 [-.22, .26] .62** [.44, .74] 1 10 IQ .40** [.18, .58] .28* [.05, .49] .43* [.22, .61] .32* [.09, .52] .09 [-.15, .32] .21 [-.03, .42] .08 [-.16, .31] .05 [-.19, .28] -.08 [-.31, .16] Tab. 11 Korrelationen kontrolliert für das Alter mit Konfidenzintervallen (95 % KI) in der Gruppe mit durchschnittlichem IQ VHN 2 | 2025 136 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG 7 Diskussion Die Studie untersuchte die Verteilungen sprachlicher Fähigkeiten, psychischer Auffälligkeiten und kognitiver Fähigkeiten bei Förderschüler: innen mit psychischen Auffälligkeiten sowie Zusammenhänge zwischen den drei Bereichen. Überdies wurde geprüft, inwiefern sich Unterschiede in zentralen Tendenzen und Zusammenhängen sprachlicher Fähigkeiten und psychischer Auffälligkeiten unter Berücksichtigung der kognitiven Fähigkeiten zeigen. 7.1 Verteilung der sprachlichen Fähigkeiten, psychischen Auffälligkeiten und kognitiven Fähigkeiten (Forschungsfrage 1) Ein überproportional hoher Anteil an Kindern weist unterdurchschnittliche Leistungen in sprachstrukturellen Fähigkeiten auf, insbesondere im produktiven Wortschatz und der rezeptiven Grammatik. Lediglich im rezeptiven Wortschatz erreicht die Hälfte der Kinder knapp durchschnittliche Ergebnisse. Dies unterstützt die Annahme auffälliger sprachlicher Fähigkeiten bei Förderschüler: innen (Mayer, 2021a) sowie spezifischer unter Förderschüler: innen mit psychischen Auffälligkeiten (Mayer et al., 2024). Der Großteil der Stichprobe (71 %) erwirbt Deutsch als einzige Sprache, 87 % haben seit der Geburt Kontakt zur deutschen Sprache. Somit sind sprachliche Auffälligkeiten im Zusammenhang mit dem Erwerb von Deutsch als Zweitsprache zwar möglich, für die Gesamtstichprobe jedoch als eher gering einzuordnen. Auf der Grundlage der gezeigten Ergebnisse sind keine Schlüsse über die Wirkrichtungen zwischen beiden Entwicklungsbereichen möglich. Entlang der dargestellten Erklärungshypothesen wäre es möglich, dass Schwierigkeiten im produktiven Wortschatz und in rezeptiver Grammatik zu Kompensation durch aggressives Verhalten oder zu Rückzug führen (Hollo & Chow, 2015). Es wäre ebenfalls möglich, dass der Abruf von Wortschatz aus dem mentalen Lexikon sowie das präzise Entschlüsseln grammatischer Strukturen durch psychischen Stress (Sirianni, 2004) oder geringe Aufmerksamkeitsleistungen (Gathercole & Baddeley, 2014) erschwert wird. Es wird deutlich, dass die pragmatischen Fähigkeiten den massivsten Problembereich in der Gesamtstichprobe darstellen, da 50 % der Kinder sogar Leistungen zeigen, die mehr als zwei Standardabweichungen unterhalb des Mittelwerts der Vergleichsgruppe liegen. Dass sich am häufigsten Auffälligkeiten im Bereich ADHS und in absteigender Reihenfolge in den Bereichen SSV, Depressionen und Angststörungen zeigen, stimmt mit der in der PEARL-Studie festgestellten Reihenfolge überein (Hanisch et al., 2023; Hennemann et al., 2020). Die positive Schiefe der Verteilungen an Ausprägungen aller psychischen Auffälligkeiten außer ADHS spricht, über die geringeren Mittelwerte hinaus, für insgesamt betrachtet geringere Auffälligkeiten in der Stichprobe in diesen Bereichen gegenüber den Ausprägungen im Bereich ADHS. 7.2 Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten, psychischen Auffälligkeiten und kognitiven Fähigkeiten (Forschungsfrage 2) Lediglich für den Zusammenhang mit pragmatischen Fähigkeiten lassen sich in der Gesamtgruppe anhand der schwachen negativen Zusammenhänge und unter Berücksichtigung der Konfidenzintervalle negative Tendenzen feststellen. Die Ergebnisse sprechen damit tendenziell für einen Zusammenhang zwischen besseren pragmatischen Fähigkeiten und geringer ausgeprägten psychischen Auffälligkeiten, auch wenn dieser überwiegend nicht statistisch signifikant ist. Der einzige signifikante VHN 2 | 2025 137 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG negative Zusammenhang zwischen sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten besteht in der Gesamtgruppe zwischen pragmatischen Fähigkeiten und Auffälligkeiten im Bereich SSV. Dass besser ausgeprägte pragmatische Fähigkeiten mit geringer ausgeprägten psychischen Auffälligkeiten zusammenhängen, wird durch den Forschungsstand zum Kindergartenalter unterstützt (Rißling et al., 2015). Insgesamt ist die Streuung der Verteilung psychischer Auffälligkeiten gering. Dies kann dazu führen, dass ggf. vorhandene Zusammenhänge schwieriger nachzuweisen sind und könnte somit die überwiegend sehr geringen Zusammenhänge erklären. Während sich Zusammenhänge zwischen besseren sprachlichen Fähigkeiten und höher ausgeprägten kognitiven Fähigkeiten zeigen lassen (Melzer et al., 2015), können entgegen vorherigen Ergebnissen (Keyes et al., 2017) keine signifikanten Zusammenhänge zwischen kognitiven Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten gezeigt werden. Dies spricht dafür, dass engere Verbindungen zwischen der kognitiven Entwicklung und der sprachlichen Entwicklung als zwischen kognitiven Fähigkeiten und der Ausprägung psychischer Auffälligkeiten bestehen. 7.3 Unterschiede in sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten bei unterdurchschnittlichen, durchschnittlichen und überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten (Forschungsfrage 3) Die signifikanten Unterschiede in sprachstrukturellen Fähigkeiten zwischen den Teilstichproben gehen mit den Befunden von Melzer et al. (2015) einher. Der Vergleich zeigt hingegen keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf die psychischen Auffälligkeiten. Dies spricht für eine deutlichere Verbindung kognitiver Fähigkeiten mit sprachlichen Fähigkeiten als mit psychischen Auffälligkeiten. Bei Schüler: innen mit unterdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten ergibt sich neben sehr stark ausgeprägten Auffälligkeiten im Bereich ADHS (M = 2.00) eine geringe Streuung (SD = 0.74) in Bezug auf diese Auffälligkeiten. Dies deutet auf eine recht zuverlässige Verbindung dieses Störungsbereichs mit unterdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten hin. Die größte Mittelwertdifferenz zwischen den Teilstichproben mit unterdurchschnittlichen und überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten zeigt sich im Bereich ADHS. Diese beiden Ergebnisse sind konform mit der hohen Relevanz von Aufmerksamkeitsleistungen für höhere kognitive Funktionen (Gilliam & Mesquita, 2000; Hellwig-Brida et al., 2010). Die signifikanten Unterschiede der sprachstrukturellen Fähigkeiten zwischen der Gruppe mit unterdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten und der Gruppe mit überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten zeigen moderate bis starke Effekte. Diese Ergebnisse unterstützen die Relevanz kognitiver Fähigkeiten für die Ausprägung sprachlicher Fähigkeiten bei Kindern mit psychischen Auffälligkeiten. Dass sich darüber hinaus abhängig von der betrachteten sprachlichen Fähigkeit und den verglichenen Gruppen unterschiedliche Muster abzeichnen, spricht für eine differente Bedeutung der Ausprägung kognitiver Fähigkeiten in der Überschneidung psychischer Auffälligkeiten mit den Bereichen Wortschatz und Grammatik. Zwischen der Gruppe mit unterdurchschnittlichen und der Gruppe mit durchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten ergibt sich ausschließlich für Grammatikleistungen ein signifikanter Unterschied mit schwacher bis moderater Effektstärke. Daher liegt mit Bezug auf den Forschungsstand (Montgomery et al., 2018) nahe, dass unterdurchschnittliche kognitive Fähigkeiten insbesondere den Erwerb grammatischen Regelwissens negativ beeinflussen könnten. Hingegen könnten höhere kognitive Fähigkeiten vor dem Hintergrund der Unterschiede zwischen Wortschatzleistungen in der Gruppe mit durchschnittlichen vs. VHN 2 | 2025 138 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten einen großen Wortschatzumfang begünstigen. Zudem könnten weitere Variablen gemeinsam auf kognitive Fähigkeiten und Grammatikbzw. Wortschatzleistungen einwirken, wie der sozioökonomische Status (Rice & Hoffman, 2015). So wird in der Gruppe mit unterdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten tendenziell ein geringeres Bildungsniveau der Erziehungsberechtigten gegenüber der Gruppe mit überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten deutlich, was die Erwerbsbedingungen für sprachliche Fähigkeiten beeinflussen könnte. Ordnet man die Ergebnisse im Kontext der psychischen Auffälligkeiten in den Gruppen, so könnten die in der Gruppe mit unterdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten signifikant schwächeren grammatischen Fähigkeiten auch mit der höher ausgeprägten ADHS-Symptomatik in dieser Gruppe in Verbindung stehen. Auch wenn der Unterschied nicht signifikant ist, wird deutlich, dass Letztere in dieser Teilstichprobe etwas stärker ausgeprägt ist als in den anderen Gruppen. Im Grammatikerwerb spielt das Erkennen von Analogien und Mustern eine wichtige Rolle (Montgomery et al., 2018), was bei schwächeren kognitiven Fähigkeiten und ausgeprägteren ADHS-Symptomen erschwert sein könnte. 7.4 Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und psychischen Auffälligkeiten bei unterdurchschnittlichen, durchschnittlichen und überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten (Forschungsfrage 4) Insgesamt zeigen sich auch in den Subgruppen sehr heterogene Zusammenhänge. Berücksichtigt man die Konfidenzintervalle, lassen sich im unteren Leistungsspektrum kognitiver Fähigkeiten bessere sprachliche Fähigkeiten eher mit geringeren psychischen Auffälligkeiten in Verbindung bringen. Ein anderes Muster zeigt sich für die Zusammenhänge in der Gruppe mit durchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten. Diese sind für rezeptive und produktive grammatische Fähigkeiten und jeweils drei der vier psychischen Auffälligkeiten sogar positiv und signifikant, was einer Verbindung besser ausgeprägter sprachlicher Fähigkeiten mit höher ausgeprägten psychischen Auffälligkeiten entspricht. Diese positiven Zusammenhänge könnten durch die insgesamt geringe Streuung der Ausprägung der psychischen Auffälligkeiten in den Subgruppen bedingt sein. Bspw. sind in der Gruppe mit durchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten Auffälligkeiten im Bereich ADHS anhand des Mittelwerts und der negativen Schiefe der Verteilung insgesamt als sehr hoch einzuordnen. Die positive Schiefe der Verteilung produktiver grammatischer Fähigkeiten weist auf häufige Problemlagen in diesem sprachlichen Bereich hin. Die moderaten bis starken positiven Korrelationen zwischen psychischen Auffälligkeiten und grammatischen Fähigkeiten bedeuten demnach also nicht, dass gering ausgeprägte grammatische Fähigkeiten mit sehr gering ausgeprägten Auffälligkeiten im Bereich ADHS zusammenhängen. Vielmehr sind gering ausgeprägte grammatische Fähigkeiten innerhalb eines insgesamt hohen Niveaus von ADHS-Symptomen mit etwas geringeren Ausprägungen verbunden. Die Verbindung stärkerer psychischer Auffälligkeiten mit besseren sprachlichen Fähigkeiten stimmt nicht mit den bisherigen Forschungsergebnissen überein (Chow & Wehby, 2018; Hentges et al., 2021) und könnte auch durch internale sowie externale Faktoren beeinflusst werden (Chow & Wehby, 2018), die in dieser Studie nicht berücksichtigt wurden. Die Diskussion der Zusammenhänge in der Teilstichprobe mit überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten muss unter Berücksichtigung der kleinen Stichprobengröße erfolgen. Daher sind auch die negativen Zusammenhänge zwischen sprachstrukturellen Fähigkeiten VHN 2 | 2025 139 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG und Auffälligkeiten im Bereich Angst eingeschränkt einzuordnen. Ein Zusammenhang zwischen stärkeren internalisierenden Auffälligkeiten und höheren kognitiven Fähigkeiten deckt sich mit Forschungsergebnissen, auch wenn dies nicht für Angststörungen, sondern für Depressionen gezeigt wurde (Keyes et al., 2017). Möglicherweise ist entsprechend der Erklärungshypothesen bei hoch ausgeprägten kognitiven Fähigkeiten ängstliches Verhalten eine Folge der wahrgenommenen sprachlichen Überforderung. Darüber hinaus könnte ängstliches Verhalten die Beteiligung an sozialen Kontexten für eine gute sprachliche Weiterentwicklung beeinträchtigen (Yew & O’Kearney, 2013). Pragmatische Fähigkeiten scheinen unabhängig von den kognitiven Fähigkeiten von allen einbezogenen sprachlichen Fähigkeiten am konsistentesten negativ mit der Ausprägung psychischer Auffälligkeiten zusammenzuhängen. Dies entspricht der Relevanz pragmatischer Fähigkeiten für die Entwicklung psychischer Auffälligkeiten, die aus dem Forschungsstand abgeleitet werden kann (Rißling et al., 2015). 8 Limitationen Eine Limitation der Aussagekraft besteht in der geringen Größe der Teilstichproben, die die statistische Power der Analysen beschränkt (Döring, 2023). Ferner ist keine Schlussfolgerung über Wirkrichtungen möglich. Die Einordnung der Ergebnisse in die theoretischen Erklärungsansätze für Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten, psychischen Auffälligkeiten und kognitiven Fähigkeiten muss daher als hypothetisch verstanden werden. Es wurden Förderschüler: innen mit psychischen Auffälligkeiten aus Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung und aus sonderpädagogischen Förderzentren in die Stichprobe einbezogen, wodurch sich schulisch relevante, jedoch keine schulformspezifischen Ergebnisse generieren lassen. Bezüglich der Erhebungsinstrumente ergeben sich weitere Einschränkungen. Bspw. kann der WWT 6 - 10 in der Kurzform expressiv eingeschränkt im unteren Leistungsspektrum differenzieren, was insbesondere zu sehr geringen Mittelwerten der T-Werte führt. Daher sind diese zum produktiven Wortschatz vorsichtig zu interpretieren. Aussagekräftiger für die Verteilungen sind in diesem Fall die Mediane. Die Einordnung pragmatischer Fähigkeiten erfolgte mithilfe eines nicht normierten Fragebogens, was die Validität der Ergebnisse einschränkt. Psychische Auffälligkeiten wurden mit einem Breitbandverfahren und nur aus Lehrkraftperspektive erfasst, was zu Einschränkungen der Verlässlichkeit führen könnte (Bilz, 2014). Des Weiteren muss beachtet werden, dass Entwicklung insgesamt in einem größeren Bedingungsgefüge von Risiko- und Schutzfaktoren stattfindet (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2022) und in diesem analysiert werden müsste. 9 Implikationen Für eine an die Bedarfe angepasste Förderung bedarf es einer präzisen Beschreibung der psychischen Auffälligkeiten von Schüler: innen (Hennemann et al., 2020). Die Ergebnisse verdeutlichen, dass auch sprachliche Fähigkeiten in der Förderdiagnostik verstärkt zu berücksichtigen sind (Mayer et al., 2024). Es lassen sich darüber hinaus abhängig von den kognitiven Fähigkeiten Unterschiede in sprachstrukturellen Fähigkeiten ableiten. Daher ist es anhand der Ergebnisse naheliegend, bei allen Förderschüler: innen mit psychischen Auffälligkeiten, besonders aber bei jenen mit unterdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten, auch sprachliche Fähigkeiten zu erheben. So können sprachliche Beeinträchtigungen frühzeitig erkannt (Hollo et al., 2014) und passgenauere Förderung kann angeboten werden. Dabei sollte den Ergebnissen zufolge insbesondere das Verstehen von Sätzen erfasst werden. Unabhängig von den kognitiven Fähigkeiten stellen VHN 2 | 2025 140 CLARA SCHRAMM, JOHANNA KRULL, THOMAS HENNEMANN, TANJA ULRICH Fähigkeiten und Auffälligkeiten bei Förderschüler: innen FACH B E ITR AG pragmatische Fähigkeiten einen zentralen Förderbereich dar. Diese scheinen besonders im Zusammenhang mit SSV relevant zu sein. Doch auch sprachstrukturelle Fähigkeiten müssen in der Förderung von Kindern mit psychischen Auffälligkeiten berücksichtigt werden. Die unterrichtlichen Anpassungen sollten dabei neben der Reduktion sprachlicher Lernbarrieren auch die Förderung sprachlicher Fähigkeiten adressieren (Mayer et al., 2024), um Folgeproblematiken sprachlicher Auffälligkeiten wie sinkende kognitive Fähigkeiten (Theisel et al., 2019) zu verringern. Angesichts häufiger unterdurchschnittlicher sprachlicher Fähigkeiten bei Förderschüler: innen mit psychischen Auffälligkeiten und der Zusammenhänge zwischen kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten ist es wichtig, in der Förderplanung die Verknüpfung der Entwicklungsbereiche verstärkt zu fokussieren. Schließlich ergeben sich verschiedene Forschungsimplikationen. Es erscheint notwendig, Analysen mit größeren, repräsentativeren Stichproben und größer angelegten statistischen Modellen durchzuführen. Größere schulformspezifische Stichproben würden künftig den Vergleich von Verteilungen und Zusammenhängen nach Schulform ermöglichen. Da negative Zusammenhänge eher bei Kindern mit unterdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten auftreten könnten, sollte die Rolle kognitiver Fähigkeiten in der Verbindung von Sprache und psychischen Auffälligkeiten vertieft untersucht werden. Besondere Berücksichtigung sollten dabei Zusammenhänge zwischen Subkomponenten finden (Hentges et al., 2021). Auch die Kumulation mehrerer sprachlicher und mehrerer psychischer Auffälligkeiten sollte in Zukunft verstärkt beachtet werden, da sich bspw. aus der Kombination mehrerer sprachlicher Auffälligkeiten ein erhöhtes Risiko für psychische Auffälligkeiten ergeben kann (Rißling et al., 2015), was in dieser Untersuchung nicht vertiefend berücksichtigt werden konnte. Des Weiteren sind die Zusammenhänge zwischen den drei Entwicklungsbereichen perspektivisch auch aus einer deutlich breiter angelegten Perspektive auf das Zusammenspiel von Risiko- und Schutzfaktoren einzuordnen (Hentges et al., 2021), um spezifische Einflussfaktoren sowie Wirkzusammenhänge noch besser herauszustellen. Aufschlussreich wären insbesondere längsschnittliche Untersuchungen, um Wirkrichtungen aufzuklären. Literatur Achhammer, B. & Spreer, M. (2015). Pragmatischkommunikative Fähigkeiten - Entwicklung, Störungen und therapeutische Interventionen. Praxis Sprache, 60 (1), 23 -30. Benner, G. J., Nelson, J. R. & Epstein, M. H. (2002). Language skills of children with EBD. A literature review. Journal of Emotional and Behavioral Disorders, 10 (1), 43 -59. https: / / doi.org/ 10.11 77/ 106342660201000105 Bilz, L. (2014). Werden Ängste und depressive Symptome bei Kindern und Jugendlichen in der Schule übersehen? 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