eJournals Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete94/3

Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
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0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/vhn2025.art23d
5_094_2025_3/5_094_2025_3.pdf71
2025
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Rezension: Schildmann, Ulrike (2024): Arbeiterkind und Professorin. Eine Biographie

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2025
Barbara Jeltsch-Schudel
Wer sich mit sonderpädagogischen Fragestellungen beschäftigt, kennt den Namen Ulrike Schildmann, setzt sie sich doch schon lange mit Themen zu „Frau und Behinderung“ auseinander und hatte viele Jahre den Lehrstuhl „Frauenforschung in der Behindertenpädagogik“ an der Universität Dortmund inne. Nun hat sie eine Biographie geschrieben. Dieser Untertitel ihres Buches ist ebenso interessant wie der Haupttitel: es geht um eine Lebensgeschichte, ihre Lebensgeschichte, jedoch nicht als Autobiographie (oder gar Autofiktion) bezeichnet, sondern eben als Biographie. Eine Lebensbeschreibung also, gewissermaßen aus mehreren Perspektiven. Sie schreibt von sich, aber eine Distanznahme, eine Betrachtung von außen, schwingt stets mit. Thema ist nicht die Beschreibung der Entwicklung eines Arbeiterkindes zur Professorin, das wird schon aus dem Titel deutlich. Vielmehr geht es um einen Werdegang, den die Schreiberin in verschiedenen Umgebungen erlebt, deren Zugang sie sich erkämpft und der ihr auch zufällt. Und immer bleibt sie sich selber, nimmt ihre Erfahrungen mit, integriert sie in ihre Identität. Daher ist der Titel sehr schlüssig: Arbeiterkind und Professorin.
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VHN 3 | 2025 250 REZE NSION E N Weltwahrnehmung beitragen. Wer sich für einen Blick in eine andere Zeit interessiert, die nicht anders als heute ambivalente Herausforderungen bereithielt, kann mit diesem handlichen Buch in einen Spiegel blicken und sich von Wort und Bild anregen lassen. Prof. tit. em. Dr. Barbara Jeltsch-Schudel CH-8400 Winterthur DOI 10.2378/ vhn2025.art22d Schildmann, Ulrike (2024): Arbeiterkind und Professorin. Eine Biographie Bochum: Projekt-Verlag. 222 S., € 17,80 Wer sich mit sonderpädagogischen Fragestellungen beschäftigt, kennt den Namen Ulrike Schildmann, setzt sie sich doch schon lange mit Themen zu „Frau und Behinderung“ auseinander und hatte viele Jahre den Lehrstuhl „Frauenforschung in der Behindertenpädagogik“ an der Universität Dortmund inne. Nun hat sie eine Biographie geschrieben. Dieser Untertitel ihres Buches ist ebenso interessant wie der Haupttitel: es geht um eine Lebensgeschichte, ihre Lebensgeschichte, jedoch nicht als Autobiographie (oder garAutofiktion) bezeichnet, sondern eben als Biographie. Eine Lebensbeschreibung also, gewissermaßen aus mehreren Perspektiven. Sie schreibt von sich, aber eine Distanznahme, eine Betrachtung von außen, schwingt stets mit. Thema ist nicht die Beschreibung der Entwicklung eines Arbeiterkindes zur Professorin, das wird schon aus dem Titel deutlich. Vielmehr geht es um einen Werdegang, den die Schreiberin in verschiedenen Umgebungen erlebt, deren Zugang sie sich erkämpft und der ihr auch zufällt. Und immer bleibt sie sich selber, nimmt ihre Erfahrungen mit, integriert sie in ihre Identität. Daher ist der Titel sehr schlüssig: Arbeiterkind und Professorin. Das Buch ist dreiteilig: Der erste Teil nimmt den Titel auf. „Arbeiterkind und Professorin: Wie ich zu der Person geworden bin, als die ich mich heute verstehe“. Über jedes Lebensjahrzehnt, beginnend im Geburtsjahr 1950, hält sie fest, was sie erlebt hat. Es ist eine Schilderung von sich folgenden Ereignissen, zurückhaltend kommentiert, darüber, wie es ihr dabei erging. Mit „Beziehungsmuster in Familie, Freundschaft, Nachbarschaft: Drei Briefe“ ist der zweite Teil überschrieben. Adressatinnen von drei längeren Briefen sind ihre Schwester Veronika, ihre Kindheitsfreundin und eine außergewöhnliche Nachbarin. Es sind dies drei Frauen, die in ihrem und für ihr Leben eine Bedeutung haben. Ulrike Schildmann schreibt ihnen, wie sie ihre langdauernde Beziehung erlebt. Diese Briefe wurden den drei Empfängerinnen bei einer angemessenen Gelegenheit übergeben und sind für das Buch etwas überarbeitet worden. Ein wichtiges Thema im Leben von Ulrike Schildmann ist es, die Welt in vielerlei Bereichen kennenlernen zu wollen. Der dritte Teil beinhaltet dies: „Die Welt erfahren und erleben: Meine Reisen“. Die Strukturierung hat die Autorin vom ersten Teil übernommen, angefangen mit ihren ersten Ausflügen in der Kindheit bis hin zu Reisen, in sehr verschiedenen Ländern, auch verbunden mit längerdauernden Aufenthalten. Nicht nur hält Ulrike Schildmann verschiedenste Eindrücke fest, sie beschreibt auch immer wieder konkrete Erfahrungen, die Lesende als Anregungen für eigene Reisen nutzen könnten. Die drei Teile der Biographie erscheinen wie ein Prisma, das verschiedene Dimensionen einer Lebensgeschichte ausleuchtet; die Autorin stellt immer wieder Bezüge her, verweist auf andere Textstellen, sodass die drei so unterschiedlichen Teile nicht auseinanderfallen, sondern als Ganzes zu erlesen sind. Ich habe das Buch mit Interesse gelesen. Bei verschiedenen Gelegenheiten bin ich Ulrike Schildmann begegnet, habe viele ihrer Publikationen gelesen, wusste aber kaum etwas über ihr Leben. Die Phase ihres Lebens als Professorin ist mir vertrauter, vieles bekannt und vieles auch interessant zu erfahren. Von ihren Reisen und ihren Begegnungen mit anderen Kulturen wusste ich kaum, lernte ganz neue Seiten der Autorin kennen und zugleich Eindrücke einer Sonderpädagogin von fremden Kontexten, die mir unbekannt sind. VHN 3 | 2025 251 REZE NSION E N Dieses Buch liegt nicht im Trend der autofiktionalen Nabelschauen, sondern ist - zurecht als Biographie bezeichnet - eine Lebensbeschreibung. Eine Beschreibung, die dem roten Faden der sich folgenden Ereignisse des Lebenslaufs folgt. Eine Beschreibung, die verschiedene Blickrichtungen einnehmen kann, von innen und von außen, nach innen und nach außen, rückwärts und vorwärts, hin und her. Und eine Beschreibung, die zurückhaltend ist in Kommentaren und damit dem Lesenden Raum lässt, über die eigene Lebensgeschichte nachzudenken, vielleicht auch Berührungsaspekte zu finden. Prof. tit. em. Dr. Barbara Jeltsch-Schudel CH-8400 Winterthur DOI 10.2378/ vhn2025.art23d VORSCHAU Vorschau auf die kommenden Hefte Verratenes Vertrauen - vertrauter Verrat Verratstraumata als Herausforderung für pädagogische Beziehungen Thomas Müller, Mirella Klein Kooperation der Hilfesysteme als Qualitätsstandard zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation von Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen und herausforderndem Verhalten: Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt PINO Meike Wehmeyer, Markus Wolf, Annika Lang, Sophia Arndt, Cordula Preuß, Hannah Rosin, Reinhard Markowetz Und demnächst online in VHN plus : „Perfekt Deutsch“ - Die Zuschreibung deutschsprachlicher (In)Kompetenz als Förderkriterium in der betrieblichen Ausbildungsvorbereitung Lara-Joy Rensen Wirkmechanismen im schulbasierten Coaching bei Kindern mit externalisierendem Problemverhalten (SCEP): Eine qualitative Interviewstudie mit gecoachten Lehrkräften Katrin Eiben, Thomas Hennemann, Hanna Rauterkus, Johanna Krull, Tobias Hagen, Jannik Nitz, Charlotte Hanisch VHN plus des Berufs- und Fachverbands Heilpädagogik e. 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