eJournals Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete94/4

Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
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0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/vhn2025.art27d
5_094_2025_4/5_094_2025_4.pdf101
2025
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Fachbeitrag: Verratenes Vertrauen - vertrauter Verrat

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2025
Thomas Müller
Mirella Klein
Mit einem Verrat durch eine Bezugsperson geht ein Vertrauensbruch einher, der besonders im Kontext der Pädagogik bei Verhaltensstörungen eine Vielzahl an Herausforderungen an die professionellen Beziehungen mit Kindern und Jugendlichen stellt. Die Betroffenen erleben durch den Verrat einen Verlust ihres Vertrauens in eine Bezugsperson, während die Beziehung durch das Angewiesensein auf Fürsorge aufrechterhalten werden muss. Die Theorie des Verratstraumas geht davon aus, dass schwerwiegende Verratserfahrungen traumatisch wirken und eine Bandbreite negativer Auswirkungen zur Folge haben, insbesondere die sogenannte Verratsblindheit. Die traumabedingten Auswirkungen, die den Aufbau pädagogisch förderlicher Beziehungen erschweren, und die gleichzeitig noch nicht hinreichende Forschung zur pädagogischen Arbeit in diesem Bereich verweisen auf die Dringlichkeit einer gesonderten Betrachtung von Verratserfahrungen, Vertrauensverlust und den Bedarf an fundierten Ansätzen für die Gestaltung pädagogischer Beziehungen.
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258 VHN, 94. Jg., S. 258 -266 (2025) DOI 10.2378/ vhn2025.art27d © Ernst Reinhardt Verlag Verratenes Vertrauen - vertrauter Verrat Verratstraumata als Herausforderung für pädagogische Beziehungen Thomas Müller & Mirella Klein Universität Würzburg Zusammenfassung: Mit einem Verrat durch eine Bezugsperson geht ein Vertrauensbruch einher, der besonders im Kontext der Pädagogik bei Verhaltensstörungen eine Vielzahl an Herausforderungen an die professionellen Beziehungen mit Kindern und Jugendlichen stellt. Die Betroffenen erleben durch den Verrat einen Verlust ihres Vertrauens in eine Bezugsperson, während die Beziehung durch das Angewiesensein auf Fürsorge aufrechterhalten werden muss. Die Theorie des Verratstraumas geht davon aus, dass schwerwiegende Verratserfahrungen traumatisch wirken und eine Bandbreite negativer Auswirkungen zur Folge haben, insbesondere die sogenannte Verratsblindheit. Die traumabedingten Auswirkungen, die den Aufbau pädagogisch förderlicher Beziehungen erschweren, und die gleichzeitig noch nicht hinreichende Forschung zur pädagogischen Arbeit in diesem Bereich verweisen auf die Dringlichkeit einer gesonderten Betrachtung von Verratserfahrungen, Vertrauensverlust und den Bedarf an fundierten Ansätzen für die Gestaltung pädagogischer Beziehungen. Schlüsselbegriffe: Verrat, Vertrauen, Trauma, pädagogische Beziehung Betrayed Trust - Trusted Betrayal. Betrayal Trauma as a Challenge for Pedagogical Relationships Summary: Betrayal by a caregiver is accompanied by a breach of trust, which poses a number of challenges for professional relationships with children and adolescents, particularly in the context of education for behavioral disorders. Those affected experience a loss of trust in a caregiver as a result of the betrayal, while the relationship must be maintained by relying on care. The theory of betrayal trauma assumes that serious betrayal experiences have a traumatic effect and result in a range of negative effects, in particular so-called betrayal blindness. The trauma-related effects, which make it difficult to build pedagogically beneficial relationships, and the lack of research on pedagogical work in this area, point to the urgency of a separate consideration of betrayal experiences, loss of trust and the need for well-founded approaches to shaping pedagogical relationships. Keywords: Betrayal, trust, trauma, pedagogical relationship FACH B E ITR AG 1 Aspekte einer Theorie des Verrats in bedeutsamen Beziehungen 1.1 Grundlegendes Verrat ist ein facettenreicher Begriff, der stets mit Geheimnissen oder bedeutsamen Sachverhalten verbunden ist. Verrat und Verräter lösen unterschiedliche, zumeist moralisch aufgeladene Assoziationen aus: infam, verrucht, geheimnisvoll, heroisch, mutig usw. Wer etwas verrät, gibt Informationen preis, zu deren Offenlegung keine Berechtigung bestand, und begeht dadurch einen Treue- und Vertrauensbruch (vgl. Wahrig, 1997, S. 1309f.). VHN 4 | 2025 259 THOMAS MÜLLER, MIRELLA KLEIN Verratstraumata als Herausforderung für pädagogische Beziehungen FACH B E ITR AG Wie komplex es sein kann, (moralisch) zu klären, ob ein Verrat gerechtfertigt war oder nicht, zeigt sich beispielsweise am Diskurs um Whistleblower. Verrat wird hier mit Freyd (1996) als schwerwiegender Vertrauensbruch definiert, der die angenommene Loyalität in einer Beziehung oder einem sozialen System tief verletzt. Es geht dabei um das Vollziehen oder Unterlassen von Handlungen, die ein bestehendes Vertrauensverhältnis zerstören und emotionalsoziale Auswirkungen auf die betroffenen Personen nach sich ziehen, welche die psychische Gesundheit erheblich beeinträchtigen. So zeigen Goldsmith, Freyd und DePrince (2012) in ihrer Studie, dass Traumata, die mit einem hohen Ausmaß an Verrat verbunden sind, eine Vorhersage über das Auftreten von Angstzuständen, Depressionen, Dissoziationen, physischen Beschwerden, gemeldeten Krankheitstagen sowie Alexithymie ermöglichen. Verratshandlungen führen zu einer erheblichen Differenz zwischen der Schutzpflicht und dem tatsächlichen Verhalten des Verräters sowie der Abhängigkeit des Opfers vom Täter oder einer Institution. Wenn Erwachsene durch missbräuchliches oder vernachlässigendes Verhalten das Vertrauen von Kindern verletzen oder brechen, schädigen sie das Ideal einer Verantwortung, die auf Fürsorge, Unversehrtheit und förderlicher Entwicklung basiert. Opfer von Verrat können daher nur Menschen werden, „die aufgrund einer bestehenden Vertrauensbeziehung kategorisch damit rechnen dürfen, dass die Treue - koste es, was es wolle - gehalten werde“ (Pollmann, 2010, S. 221). Verrat in diesem Sinne führt zur Verletzung von implizitem oder explizitem Vertrauen: Je enger und ‚notwendiger‘ (im Sinne des Angewiesenseins auf Fürsorge oder im Sinne gegebener Abhängigkeit) eine Beziehung ist, desto größer das Ausmaß des potenziellen Verrats. Starke, anhaltende Verratserfahrungen wirken daher traumatisch (Freyd, 1996, S. 9). In sozialen Situationen auf die Möglichkeit eines Verrats eingestellt zu sein, ohne dabei grundsätzlich zu misstrauen, stellt zugleich einen überlebenswichtigen Vorteil dar. Diese Fähigkeit eröffnet die Möglichkeit, künftige soziale Interaktionen gezielt auszuwählen, indem man Personen meidet, die potenziell Verrat begehen könnten - insbesondere nach bereits erlebtem Verrat. Menschen verfügen über evolutionär entwickelte Mechanismen, um Verrat intuitiv erkennen zu können (Cosmides, 1989; Cosmides, Tooby & Barkow, 1992). Allerdings gibt es notwendige Ausnahmen, und diesen widmet sich die Verratstrauma-Theorie. Handelt es sich um „abusive betrayals“ (Freyd, 1994, S. 308), in denen keine Möglichkeit zu einer dauerhaften Distanzierung von einer bedeutsamen Bezugsperson besteht, wird die sonst nützliche Funktion, Verrat erkennen zu können, zurückgestellt, um ein höheres Ziel zu sichern: das eigene Überleben (vgl. ebd.). Unter gewissen Umständen ist für spezifische Verratssituationen demnach eine „betrayal blindness“ (Freyd, 1996, S. 9) erforderlich: Dabei hat die verratene Person keine bewusste Wahrnehmung oder Erinnerung daran, dass sie verraten wurde. Diese Blindheit dient gerade bei Kindern, die von der Fürsorge ihrer Eltern abhängig sind, dazu, das eigene Überleben zu sichern: „A child who distrusts his or her parents risks alienating the parents further, and thus becomes subject to more abuse and less love or care. In situations like these, it may be more advantageous to be blind to the betrayal.“ (ebd., S. 10). In einer Studie von Freyd, DePrince und Zurbriggen (2001) wurden gut 200 Personen zu ihren Erfahrungen mit körperlichen, sexuellen und emotionalen Misshandlungen befragt. Bei denjenigen, die körperlichen und sexuellen Missbrauch angezeigt hatten, wurde häufiger eine beeinträchtigte Erinnerung festgestellt, wenn der Täter eine VHN 4 | 2025 260 THOMAS MÜLLER, MIRELLA KLEIN Verratstraumata als Herausforderung für pädagogische Beziehungen FACH B E ITR AG Bezugsperson war. Des Weiteren konnte Elliott (1997) zeigen, dass aus den festgelegten Kategorien ‚nicht-interpersonelles Trauma‘, ‚Zeuge eines Traumas‘ und ‚selbst widerfahrenes interpersonelles Trauma‘ besonders bei letzter Gruppe die Erinnerungen an das Erlebnis am schwierigsten abzurufen war. DePrince und Freyd (2002, S. 103f.) schließen daraus, dass Traumata, die ein höheres Potenzial für sozialen Verrat bergen, eher in Verbindung mit Fällen von beeinträchtigter Erinnerung stehen. Aus Sicht der Verratstrauma-Theorie stellt die Amnesie (Blindheit) traumatisierter Personen eine adaptive Reaktion auf Verratshandlungen, bspw. durch Formen der Misshandlung oder Vernachlässigung dar, denen sie nicht entkommen konnten. Die Betroffenen verdrängen ihre traumatischen Erfahrungen, gerade wenn gegen fundamentale ethische Grundsätze menschlicher Beziehungen verstoßen wurde. Die Amnesie zielt infolge nicht auf eine Verringerung des Leidensdrucks, sondern gewährleistet das weitere Überleben (vgl. Freyd, 1994, S. 307). Für die therapeutische und pädagogische Arbeit sowie eine mögliche strafrechtliche Verfolgung führt die Frage, warum traumatisierte Personen sich oft nicht an einschneidende Erlebnisse erinnern können, die häufig über einen längeren Zeitraum wiederholt auftraten, meist ins Leere. Wichtiger ist jedoch die Erkenntnis, wozu eine Amnesie als Reaktion auf Verratserfahrungen dient: das eigene Überleben in signifikanten Beziehungen aufrechtzuerhalten: „[…] in order to survive in cases of core betrayals […] some amount of information blockage is likely to be required. The probability of amnesia is a function of the degree of betrayal, although other factors also contribute to the likelihood of amnesia […]“ (Freyd, 1996, S. 75). Aber: aus der Perspektive einer Pädagogik bei Verhaltensstörungen ist der Verweis ‚nur‘ auf den Mechanismus einer Verratsblindheit zu kurz gegriffen. Hier stellt sich vielmehr die Frage, weshalb Menschen, die ein schweres Verratstrauma erlitten haben, immer wieder in Beziehungen hineingeraten, in denen sie erneut Opfer von Gewalt, Instrumentalisierung oder Missbrauch werden (Cloitre, Tardiff, Marzuk, Leon & Portera, 1996). Darüber hinaus ist zu fragen, warum Kinder mit familiären Verratserfahrung ein so deutlich erhöhtes Risiko aufweisen, auch in institutionellen Kontexten Opfer von Verrat zu werden. Es geht in pädagogischer Lesart demnach um die Beziehungsdimension, in welche die den Verrat auslösende Gewalt in Formen von Misshandlung und Vernachlässigung nicht integriert werden kann. Der erlebte Verrat stellt einen wesentlichen Teil der bedeutsamen Beziehungserfahrungen der Betroffenen dar und wirkt sich negativ auf Selbstbild, Sicherheitsgefühl und habituelles Wohlbefinden aus. Das Kind erlebt die widersprüchliche Präsenz der Person, die Sicherheit und Vernichtung zur gleichen Zeit signalisiert. Das Ausmaß der psychischen Gefährdung und des Verrats potenziert sich insbesondere für jene Kinder, die noch vollständig auf ihre primären Beziehungspersonen angewiesen sind (vgl. König, 2020, S. 107f.). Die Folgen können vielfältig sein - auch für die Möglichkeit, spätere Beziehung zu gestalten, aufrechtzuerhalten oder zu beenden: So initiiert ein betroffenes Kind in Stresssituationen zwar eine Annäherung zu seiner Bezugsperson und nimmt Schutz- und Hilfsangebote an, hat aber zugleich Angst vor potenziellen Übergriffen und empfindet möglicherweise Scham und Schuldgefühle, wenn unterstellt wurde, dass das Kind die ausgeführte Gewalt oder die unterlassene Fürsorge verdient und selbst zu verantworten habe. Dies führt in der Folge zu Beziehungskonflikten, in denen das Kind Hemmungen hat, seine Bedürfnisse mit Blick auf die Beziehung zu äußern. VHN 4 | 2025 261 THOMAS MÜLLER, MIRELLA KLEIN Verratstraumata als Herausforderung für pädagogische Beziehungen FACH B E ITR AG Zudem neigen Menschen, die durch Gewalterfahrungen in der Kindheit Verrat erlebt haben, dazu, ähnliche Muster in späteren Beziehungen zu wiederholen. Sie internalisieren aufgrund der emotionalen Bindung sowohl die Rolle des Opfers als auch die des Täters, was dazu führen kann, dass sie unbewusst gewaltträchtige Situationen aufsuchen oder tolerieren. Dies macht es schwierig bzw. verunmöglicht es, sich aus einer Beziehung zu lösen, selbst oder gerade, wenn Gewalt vorliegt. Besonders schwerwiegend wird die Situation, wenn das Kind der Bedrohung allein gegenübersteht. Dies geschieht häufig dann, wenn der eine Elternteil das Kind durch gewaltsame Handlungen verrät und der andere Elternteil davon weiß, dem Kind möglicherweise sogar signalisiert, diese Handlungen nicht für gut zu heißen, aber nichts dagegen unternimmt. Dieser passive Verrat durch fehlende Schutzhandlungen oder einseitiges Erdulden ist für das Erleben des Kindes traumavergrößernd und führt dazu, beiden Elternteilen nicht vertrauen zu können (Borst & Lanfranchi, 2011; Brisch, 2017). 1.2 Beziehungsverhalten und Reviktimisierung Entsteht als Ergebnis früher Verratserfahrungen ein unsicherer oder desorganisierter Bindungsstil, so führt dieser auch im Erwachsenenalter nicht selten zu (neuen) Verratstraumata (Hocking, Simons & Surette, 2016). Im Ergebnis erhöht sich das Risiko für Defizite im Bereich der sozio-emotionalen Kompetenzen und Gewalterfahrungen in Partnerschaften. Auch wenn Verratshandlungen nicht als Synonym für Kindesmisshandlung gelten können, bilden sie einen Rahmen, um potenziell traumatische Erlebnisse zu betrachten. Das Traumatisierende am Verrat ist, dass der mit ihm einhergehende Vertrauensbruch und -verlust die Folgen einer Misshandlung intensivieren kann. So besteht erwiesenermaßen (ebd.) ein Zusammenhang zwischen frühen Erfahrungen, die ein hohes Maß an Verrat beinhalten, und später in der Biografie hinzukommenden Verratserfahrungen. In der Folge werden jene kognitiven Mechanismen beeinträchtigt, welche normalerweise für das Erkennen von Verstößen gegen soziale Vereinbarungen oder Anzeichen von Verrat in zwischenmenschlichen Beziehungen sorgen. Dementsprechend werden weniger Maßnahmen zum Selbstschutz, wie beispielsweise das Verlassen eines gewalttätigen Partners, ergriffen (ebd., S. 94ff.). Zudem lässt sich ein Zusammenhang zwischen Kindesmisshandlung, dem daraus folgenden unsicheren Bindungsmuster und einem möglichen interpersonellen Trauma im Erwachsenenalter belegen (ebd.). Die Angst vor Zurückweisung und das intensive Streben nach Nähe können dazu führen, dass Betroffene toxische Beziehungen aufrechterhalten, obwohl diese ein erhöhtes Risiko für erneute Verratstraumata bergen. Erlebte Kindesmisshandlung in Verbindung mit unsicherem Bindungsverhalten stellen demnach signifikante Prädiktoren für ein erhöhtes Risiko einer Reviktimisierung im Erwachsenenalter (vgl. ebd. S. 94ff.) dar. 1.3 Verrat und Vertrauen Die Fähigkeit zu differenzieren, wem Vertrauen geschenkt werden kann und wem nicht, wird vor allem durch die adaptive Blindheit gegenüber Verratshandlungen eingeschränkt (vgl. Gobin & Freyd, 2014). Infolge steigt das Risiko für eine erneute Traumatisierung. Wird ein Kind bereits in frühen Entwicklungsphasen wiederholt einer Verratserfahrung ausgesetzt, besteht die Möglichkeit, dass die Fähigkeit, fundierte Entscheidungen in Bezug auf Vertrauen zu treffen, beeinträchtigt wird, was wiederum zu einer erhöhten Anfälligkeit für Reviktimisierungsprozesse führt. Es geht daher nicht um eine allgemeine Voreingenom- VHN 4 | 2025 262 THOMAS MÜLLER, MIRELLA KLEIN Verratstraumata als Herausforderung für pädagogische Beziehungen FACH B E ITR AG menheit anderen gegenüber, sondern um eine Ungenauigkeit in den Entscheidungen, wem man vertrauen kann. Dementsprechend gibt es sowohl Personen, die ‚zu schnell‘ vertrauen, als auch solche, die nur schwer vertrauen können (vgl. Gobin & Freyd, 2014, S. 505). In diesem Zusammenhang zeigen Zurbriggen und Freyd (2004), dass ein frühes Verratstrauma die angeborene Fähigkeit unterdrückt, Unehrlichkeit und Ungerechtigkeit zu erkennen. Durch Dissoziationen, die das angeborene Radar (Cosmides, 1989) für Verrat unterdrücken, kann die Fähigkeit beeinträchtigt werden, genau einschätzen zu können, inwieweit andere vertrauenswürdig sind. Die Untersuchung von Gobin und Freyd (2014) zielte darauf ab, ein genaues Verständnis des Einflusses von Verratstraumata auf die allgemeine Vertrauensfähigkeit sowie auf das Vertrauen in Partnerschaften zu gewinnen. Die Autor: innen konnten zeigen, dass das Vertrauen zu Personen im Allgemeinen, aber auch konkret in der Partnerschaft bei verratstraumatisierten Personen deutlich eingeschränkt ist. Daher nehmen sie an, dass die Fähigkeit, angemessene Entscheidungen bezüglich des Vertrauens zu treffen, nur unzureichend ausgebildet wird. Hartmann (2011, S. 257ff.) hinterfragt jedoch, ob Vertrauen tatsächlich eine bewusste Entscheidung sein kann. Vielmehr scheint es möglich, dass Betroffene den Glauben in ihre Fähigkeit verloren haben, die Vertrauenswürdigkeit anderer verlässlich zu beurteilen, oder dies tatsächlich nicht können. Dadurch vertrauen sie niemandem, selbst wenn sie es wollen, was insbesondere für Kinder und Jugendliche im Gegenstandsbereich der Pädagogik bei Verhaltensstörungen zutrifft(Müller, 2017). Wo Vertrautheit herrscht, auch in negativer Hinsicht (bspw. vertraut sein mit Gewalterfahrungen, mit Vernachlässigung, mit Isolation), kann Vertrauen als Vorschussleistung in eine Beziehung nicht aufkommen oder aber ist nicht nötig. Wo vertrauter Verrat herrscht, kann sich Vertrauen demnach nicht einstellen. 2 Verratstrauma - eine eigene Kategorie? Das Verratstrauma weist Parallelen zum Bindungstrauma auf, da es Misshandlungen betrifft, die von bedeutsamen Bezugspersonen ausgehen, welche Schutz und Sicherheit bieten sollten. Durch die Verletzung der fundamentalen ethischen Grundsätze dieser zwischenmenschlichen Beziehung entsteht eine Vielzahl negativer Auswirkungen, die durch die im Kontext der Bindung notwendige Verratsblindheit bedingt sind. Ein zentraler Unterschied zwischen dem Verratstrauma und dem Bindungstrauma liegt daher in der spezifischen psychischen Abwehrstrategie, die sich als Verratsblindheit manifestiert. Das Fehlen spezifischer Forschung zur pädagogischen Arbeit mit Verratstraumatisierten unterstreicht die Dringlichkeit, diesen Traumatyp gesondert zu betrachten. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse aus der Arbeit mit Bindungstraumata bieten eine wertvolle Grundlage, da hier eine enge Verbindung zwischen Trauma und Beziehung besteht. Die bisherige Forschung legt nahe, dass das Verratstrauma durch die tiefere Verletzung des Vertrauens in nahestehende Personen, die damit verbundene Amnesie und die für das Überleben notwendige Verratsblindheit erweiterte Herausforderungen an die pädagogische Praxis stellt. Ein Vergleich mit der Forschung zu Bindungstraumata (vgl. Brisch, 2017, S. 12ff.; Streeck- Fischer, 2010, S. 162ff.) verdeutlicht, dass beim Verratstrauma neben der Bindungssicherheit zusätzlich nicht nur die Fähigkeit zur sozialen Kognition und zur Einschätzung von Vertrauenswürdigkeit massiv beeinträchtigt ist, sondern auch die Fähigkeit zur Vertrauensdifferenzierung. Darüber hinaus besteht eine Blindheit gegenüber den eigenen Beziehungserfahrungen, was auf Bindungstraumatisierungen nicht zwingend zutrifft. Diese Unterschiede erfordern demnach in manchen Fällen eine Anpassung der traumapädagogischen Methoden, um die VHN 4 | 2025 263 THOMAS MÜLLER, MIRELLA KLEIN Verratstraumata als Herausforderung für pädagogische Beziehungen FACH B E ITR AG spezifischen Bedürfnisse von Verratstraumatisierten angemessen adressieren zu können. Eine intensivere Forschung auf diesem Gebiet ist daher essenziell, um fundierte Ansätze zu entwickeln, die sowohl die Wiederherstellung des Vertrauens als auch die Bearbeitung der traumatischen Amnesie unterstützen. Eine auf die Praxis bezogene Herausforderung ist, dass erlebter Verrat oft übersehen wird, weil die Betroffenen niemandem davon erzählen. Foynes, Freyd und DePrince (2009) untersuchten den Zusammenhang zwischen der Nähe der Beziehung von Opfer und Täter und der Dauer bis zur Offenlegung des Missbrauchs. Im Ergebnis führt der Missbrauch durch enge Bezugspersonen oft zu einer signifikant längeren Verzögerung oder gar zu einer ausbleibenden Offenlegung, insbesondere bei emotionalem und physischem Missbrauch. In Anlehnung an die Verratstrauma-Theorie hebt die Studie hervor, dass enge Opfer-Täter- Beziehungen oft zu einer Bewältigungsstrategie führen, die das Bewusstsein für den Verrat unterdrückt, um die Bindung zum Täter aufrechtzuerhalten, was die Offenlegung weiter verzögert. Die Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit, die Nähe der Opfer-Täter-Beziehung in Forschung und Praxis stärker zu berücksichtigen, da sie maßgeblich die Wahrscheinlichkeit einer Offenlegung beeinflusst und somit den Zugang zu notwendiger Unterstützung erschwert (ebd., S. 210ff.). Verratsblindheit erschwert es Betroffenen, vertrauenswürdige Beziehungen aufzubauen, was das Risiko für Reviktimisierung und die transgenerationale Weitergabe psychischer Auffälligkeiten erhöht. Diese Faktoren stellen eine Herausforderung für den Aufbau pädagogisch förderlicher Beziehungen zu Menschen mit hochgradigem Verratstrauma (HBT) dar. Gobin und Freyd (2014, S. 510) betonen, dass die zugrunde liegenden Mechanismen und die relevanten Risiko- und Schutzfaktoren noch nicht ausreichend erforscht sind. 3 Verratstraumata als Herausforderung für pädagogische Beziehungen Die Erfahrungen des Verrats in primären Beziehungen und der damit einhergehende Vertrauensbruch haben starke Folgen für pädagogische Beziehungen: 1. Kinder erfahren durch Verrat einen existenziellen Verlust oder Bruch des Vertrauens in ihre primären Bezugspersonen als äußere und innere Objekte und müssen die Beziehung zu ihnen zugleich aufrechterhalten. Massive innere Konflikte sind die Folge und treten über das Verhalten der Betroffenen nach außen. Pädagogische Beziehungen sind daher erheblich herausgefordert. Mit dem Verlusterleben gehen Gefühle der Hilflosigkeit, der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins einher (vgl. Witt- Loers, 2016, S. 47). Professionelle werden daher eher als Bedrohung und weniger als ‚alternative‘ Erwachsene wahrgenommen. „Die Kinder und auch Jugendlichen waren in ihrer Entwicklung oftmals Aktionsmacht und instrumenteller Macht ausgeliefert, die den Bedürfnissen der Machthaber und Schädiger - oft aus dem nahen Umkreis - entsprachen, nicht aber einer förderlichen kindlichen Entwicklung. (…) Sich selbst kompetent und zugehörig, handlungs- und wirkmächtig zu erfahren gehört i. d. R. nicht in ihr Erfahrungsrepertoire, es sei denn, sie kommen an den Punkt eines epiphanischen Ereignisses (…). In diesem kehrt sich die erlebte Ohnmacht in nun andere schädigende Macht um und so wird den betroffenen Jugendlichen Wirkmacht zuteil und Kontrolle (wieder-)erlangt. Die Eskalation von Macht nimmt ihren Lauf. Kinder und Jugendliche unter diesen Bedingungen des Aufwachsens treiben Pädagogen einerseits in die Versuchung - und oftmals auch in die Situation -, im Sinne einer Spirale von Macht und Ohnmacht Gewalt oder Zwang anzuwenden, Repressalien zu evozieren, zu beschämen, VHN 4 | 2025 264 THOMAS MÜLLER, MIRELLA KLEIN Verratstraumata als Herausforderung für pädagogische Beziehungen FACH B E ITR AG schlimmstenfalls zu züchtigen, aber andererseits auch sich selbst als absolut ohnmächtig und handlungsunfähig zu erfahren“ (Dlugosch, 2018, 154f.). 2. Da bei Verrat häufig ein Elternteil den passiven, nicht eingreifenden oder erduldenden Part einnimmt, erwarten betroffene Kinder auch von ihren Peers oft keine Hilfe in einer (scheinbar) bedrohlichen Situation. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung ihrer sozialen Kompetenzen. Alltägliche Beziehungsangebote wirken oft so bedrohlich, dass die Betroffenen sich in Abwehrpositionen begeben (vgl. Wettig, 2009, S. 167) und sich nicht trauen, in sozialen Situationen offen mit anderen zu interagieren. Wird das soziale Umfeld zusätzlich nicht als unterstützend erfahren, hat dies zur Folge, dass sie sich nicht mehr als hilfsbedürftig zeigen. Sie isolieren sich und werden isoliert. Zugleich fordert dies die pädagogische Praxis heraus, vor diesem Hintergrund immer wieder neu über Formen kooperativen Lernens zu reflektieren und solche zu realisieren. 3. Wenn Erwachsene ihre Fürsorge- und Schutzfunktion verraten, hindern sie Kinder daran, ihrem natürlichen Explorationsbedürfnis nachzugehen, da die Betroffenen in einer Welt voller Geheimnisse, Schuldzuweisungen und verzerrter Wahrnehmungen aufwachsen. Ihre Möglichkeiten, im Rahmen pädagogischer Beziehungen zu lernen, sind daher stark eingeschränkt und sie sind nicht in der Lage, aus Versuch und Irrtum zu lernen. Wer sich selbst für einen Fehler hält, lernt nicht aus Fehlern. 4. Kinder mit Verratserfahrungen erkennen den Verrat oft erst in pädagogischen Beziehungen, wenn sie beobachten, wie andere Kinder (ohne Verratserfahrungen) aufwachsen und sie sich ihrer eigenen Verratsblindheit möglicherweise (in Teilen) bewusst werden. Dies führt infolge zu extremen Ambivalenzerfahrungen und zur massiven Ablehnung, aber auch zum Festhalten von und an pädagogischen Beziehungen in Formen der Aggression und Verweigerung, aber auch der Distanzlosigkeit und des Klammerns. Dies fordert pädagogische Beziehungen erheblich heraus. Zugleich bringt es die Notwendigkeit mit sich, die Bedeutung und Notwendigkeit von Vertrauen in pädagogischen Beziehungen beständig professionell zu reflektieren, um zu verhindern, dass sich Verratserfahrungen auf institutioneller Ebene ggfs. fortsetzen (Müller, 2021). Für ein pädagogisches Verständnis von Verrat erscheint insbesondere die reflexive Form bedeutsam: ‚sich verraten‘ - also unbeabsichtigt andere Absichten erkennen zu geben oder anders zu handeln, als es eigentlich gültig oder notwendig wäre. Wenn Eltern ihre Kinder verraten, dann verraten sie diese durch die Handlungen, die sie an ihnen vollziehen oder unterlassen. Da es Elternschaft nicht ohne die eigene Person gibt, verraten sie nicht nur ihre Funktion als Eltern, sondern auch sich selbst. Damit entsteht die Frage, inwieweit Verrat als Phänomen im pädagogischen Kontext auch eine moralische Dimension annehmen kann. Kinder, die auf die Fürsorge, Anerkennung und den Schutz, aber auch die Grenzsetzung und den Bedürfnisaufschub durch ihre Eltern angewiesen sind - und im besten Fall darauf vertrauen -, werden darin verraten, ungeachtet der biografischen Belastungen, die elternseits existieren mögen. Weil die Kinder in ihrer personalen Entwicklung aber in mehrfacher Hinsicht erheblichen Schaden nehmen können, ist ein solcher Verrat auch moralisch zu betrachten. Zugleich greifen jedoch einseitige Schuldzuweisungen aus Sicht einer Pädagogik bei Verhaltensstörungen zu kurz, wenn man das stets subjektlogische Handeln (Zimmermann & Langbehn, 2023) des Menschen berücksichtigt. Dabei ist zu bedenken, dass gerade psychosozial belastete und psychisch erkrankte Eltern oft mit erheblichen Widersprüchen in Verhalten und Erleben kämpfen. Die eigenen Absichten und die ausgeführten Handlungen VHN 4 | 2025 265 THOMAS MÜLLER, MIRELLA KLEIN Verratstraumata als Herausforderung für pädagogische Beziehungen FACH B E ITR AG können weit auseinanderliegen, sodass die innere Notwendigkeit bestehen kann, sich und die eigene Elternschaft zu verraten. Nicht selten sind sie selbst Verratene oder erleben sich als solche: bspw. weil auch sie durch ihre primären Bezugspersonen Verrat in Form von Gewalt erlebt haben, durch von Armut geprägte oder sozial benachteiligende Lebensumstände, aus denen sie stammen oder in die sie hineingeraten sind, oder durch eine gesellschaftlich schwache Position uvm. Das legitimiert den Verrat an den eigenen Kindern nicht, macht ihn aber in einzelnen Fällen als unausweichliches Ergebnis der eigenen subjektlogischen Handlungen verständlicher. In diesem Kontext ist Verrat nur begrenzt ein moralisches Phänomen. In seinen mannigfaltigen Folgen bleibt er jedoch für pädagogische Beziehungen stets herausfordernd. Literatur Borst U. & Lanfranchi A. (2011). Liebe und Gewalt in nahen Beziehungen. Heidelberg: Carl Auer. Brisch, K. H. (2009). Bindungsstörungen - von der Bindungstheorie zur Therapie. Stuttgart: Klett- Cotta. Brisch, K. H. (2017). Bindung und emotionale Gewalt. Stuttgart: Klett-Cotta Cloitre, M., Scarvalone, P. & Difede, J. (1997). Posttraumatic stress disorder, selfand interpersonal dysfunction among sexually retraumatized women. Journal of Traumatic Stress, 10 (3), 437 -452. https: / / doi.org/ 10.1002/ jts.2490100 309 Cloitre, M., Tardiff, K., Marzuk, P., Leon, A. C. & Portera, L. (1996). Childhood abuse and subsequent sexual assault among female inpatients. Journal of Traumatic Stress, 9 (4), 473 -482. https: / / doi.org/ 10.1002/ jts.2490090306 Cosmides, L. (1989). The logic of social exchange: Has natural selection shaped how humans reason? Studies with the Wason selection task. Cognition, 31 (3), 187 -276. https: / / doi.org/ 10. 1016/ 0010-0277(89)90023-1 Cosmides, L., Tooby, J. & Barkow, J. H. (1992). Evolutionary psychology and conceptual integration. In J. H. Barkow, L. Cosmides & J. Tooby (Eds.), The Adapted Mind. Evolutionary Psychology and the Generation of Culture, 3 -15. Oxford: Oxford University Press. DePrince, A. 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