eJournals Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete94/4

Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
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0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/vhn2025.art29d
5_094_2025_4/5_094_2025_4.pdf101
2025
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Fachbeitrag: Kooperation der Hilfesysteme als Qualitätsstandard zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation von Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen und herausforderndem Verhalten

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2025
Meike Wehmeyer
Markus Wolf
Annika Lang
Sophia Arndt
Cordula Preuß
Hannah Rosin
Reinhard Markowetz
Für Erwachsene mit kognitiven Beeinträchtigungen und sog. herausforderndem Verhalten werden spezialisierte, intensivbetreute Wohnformen vorgehalten. Obwohl diese Wohnformen aufgrund reduzierter Teilhabechancen und Gewaltvorfällen in der Kritik stehen, ist deren Nachfrage seitens psychosozialer und rechtlicher Hilfesysteme ungebrochen. Das Forschungsprojekt PINO (Projekt Intensivwohnen Netzwerk Oberbayern) analysierte anhand eines multimethodalen Studiendesigns Gelingensbedingungen für eine verbesserte Teilhabe und Wohnqualität der Personengruppe und verdichtete diese zu zwölf Qualitätsstandards. Einer der Standards adressiert die Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Institutionen sowie mit Angehörigen. Dieser Beitrag illustriert die Studienbefunde hinsichtlich der Bedeutung, Grundsätze, Ziele und Inhalte von Kooperationen in Multi-Hilfesystemen als Beitrag für die Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation der Zielgruppe. Betont wird der Wert einer umfassenden Berücksichtigung unmittelbar und indirekt Beteiligter sowie einer anerkennenden, partizipativen und ko-konstruktiven Arbeitsweise.
5_094_2025_4_0005
286 VHN, 94. Jg., S. 286 -303 (2025) DOI 10.2378/ vhn2025.art29d © Ernst Reinhardt Verlag Kooperation der Hilfesysteme als Qualitätsstandard zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation von Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen und herausforderndem Verhalten: Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt PINO Meike Wehmeyer, Markus Wolf, Annika Lang, Sophia Arndt, Cordula Preuß, Hannah Rosin, Reinhard Markowetz Ludwig-Maximilians-Universität, München Zusammenfassung: Für Erwachsene mit kognitiven Beeinträchtigungen und sog. herausforderndem Verhalten werden spezialisierte, intensivbetreute Wohnformen vorgehalten. Obwohl diese Wohnformen aufgrund reduzierter Teilhabechancen und Gewaltvorfällen in der Kritik stehen, ist deren Nachfrage seitens psychosozialer und rechtlicher Hilfesysteme ungebrochen. Das Forschungsprojekt PINO (Projekt Intensivwohnen Netzwerk Oberbayern) analysierte anhand eines multimethodalen Studiendesigns Gelingensbedingungen für eine verbesserte Teilhabe und Wohnqualität der Personengruppe und verdichtete diese zu zwölf Qualitätsstandards. Einer der Standards adressiert die Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Institutionen sowie mit Angehörigen. Dieser Beitrag illustriert die Studienbefunde hinsichtlich der Bedeutung, Grundsätze, Ziele und Inhalte von Kooperationen in Multi-Hilfesystemen als Beitrag für die Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation der Zielgruppe. Betont wird der Wert einer umfassenden Berücksichtigung unmittelbar und indirekt Beteiligter sowie einer anerkennenden, partizipativen und ko-konstruktiven Arbeitsweise. Schlüsselbegriffe: Intellektuelle Beeinträchtigung, psychische Erkrankung, Verhaltensauffälligkeiten, Multi-Hilfesystem, institutionelles Wohnen Collaboration of Care Systems as a Quality Standard for Improving the Housing and Living Situation of People with Intellectual Disabilities and Challenging Behaviour: Findings from the PINO Research Project Summary: Specialised forms of housing are provided for adults with disorders of intellectual development and behaviour that challenges. Although such residential concepts are criticised in terms of restricted participation and incidents of violence, specialised accommodation is in high demand. The research project PINO (Network for Intensive Residential Care in Upper Bavaria) used a multi-method design to analyse factors to improve participation and quality of life for the target group. Those factors were condensed into twelve quality standards. One of the standards deals with cooperation within and between institutions and with relatives. The article illustrates the outcomes concerning the importance, principles, objectives and content of cooperation in multi-carer-systems as a significant contribution to improving the housing and living situation. It emphasises the value of comprehensive consideration of those directly and indirectly involved as well as an appreciative, co-constructive and participatory form of collaboration. Keywords: Intellectual and developmental disabilities, learning disabilities, challenging behaviour, multi-carer-system, residential living FACH B E ITR AG VHN 4 | 2025 287 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG 1 Ausgangslage Mit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) im Jahr 2008 haben sich die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, die Leitgedanken der Selbstbestimmung und der gleichberechtigten Teilhabe in allen Lebensbereichen für Menschen mit Behinderung umzusetzen. Dazu gehört das Recht von Menschen mit Beeinträchtigungen auf eine bedarfsgerechte und gemeindenahe Unterstützung, unabhängig von der Art der (vorgehaltenen bzw. gewünschten) Wohnform (Art. 19). Allerdings profitieren Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und Verhaltensweisen, die von ihrem Umfeld als herausfordernd bezeichnet werden (kurz: „herausforderndes Verhalten“, hV), weiterhin noch deutlich zu wenig von inklusiven Entwicklungen im Bereich Wohnen (Seifert & Metzler, 2024). Gemäß einer gängigen Definition werden Verhaltensweisen dann als herausfordernd bezeichnet, wenn sie von einer solchen Intensität, Häufigkeit oder Dauer sind, dass die Lebensqualität bzw. die körperliche Sicherheit der Person oder anderer gefährdet ist und restriktive oder aversive Reaktionen bzw. Isolation wahrscheinlich sind (Royal College of Psychiatrists, 2007, in Sappok, Hermann & Schanze, 2024, S. 417). Deren Prävalenz von 20 - 25 % (ebd.) spricht für eine hohe praktische Relevanz. 1.1 Institutionalisiertes Wohnen bei intensivem Unterstützungsbedarf als Teilhabebarriere Das System der Behindertenhilfe steht - bedingt durch einen sich verschärfenden Fachkräftemangel, den zunehmenden Einsatz von Hilfskräften und die zahlreichen unbesetzten Stellen in den Reihen des pädagogischen und therapeutischen Personals - vor der großen Herausforderung, eine qualitativ hochwertige Versorgung für Menschen mit intensivem Unterstützungsbedarf zu gewährleisten. Diesbezügliche Unterstützungsbedarfe resultieren oftmals aus einer Wechselwirkung sozio-emotionaler, kognitiver, kommunikativer sowie psychiatrisch relevanter Beeinträchtigungen und erfordern geeignete pädagogisch-therapeutische Konzepte (Došen, 2018; NICE, 2015). Gleichzeitig mangelt es im Teilhabebereich Wohnen weithin an passgenauen, den individuellen Bedarfen der Personengruppe entsprechenden evidenzbasierten Unterstützungskonzepten und qualifiziertem Personal (Theunissen & Kulig, 2019). Vor diesem Hintergrund steigt das Risiko, dass sich krisenhafte Dynamiken mit hV manifestieren (Griffith, Hutchinson & Hastings, 2013; Calabrese & Büschi, 2016). Dann nehmen Überlastungsreaktionen und negative Einstellungen aufseiten des Personals zu (Calabrese & Kasper, 2019; Olivier-Pijpers, Cramm & Nieboer, 2019), werden restriktive Maßnahmen wie Zimmereinschluss, Timeout oder Festhaltetechniken häufiger eingesetzt (Griffith & Hastings, 2014) und es werden Einweisungen in die stationäre Psychiatrie wahrscheinlicher (Wehmeyer, Schweitzer, Nagy, Gaese & Nicolai, 2020). Kommt es aufgrund wiederholter, massiver Eskalationen mit hV zu einer Kündigung des Wohnplatzes, gestaltet sich die Suche nach einem neuen Lebensmittelpunkt umso schwieriger. Die Überforderung seitens Leistungsträgern und -erbringern der Eingliederungshilfe (EGH) in Deutschland sowie von Angehörigen bzw. rechtlichen Betreuungspersonen spiegelt sich im Ruf nach intensivbetreuten Wohnformen wider. Mit einem Mehr an personellen, räumlichen und strukturellen Ressourcen verfolgen Intensivwohnformate den Anspruch, genügend Sicherheit und Schutz für alle Beteiligten und eine bedarfsgerechte Unterstützung für die betreffende Klientel zu bieten. Gleichzeitig stehen derart spezialisierte Wohnformen mit Blick auf die UN-BRK stark in der Kritik (MAGS, 2021; Wolf, Lang, Arndt & Markowetz, 2023). Bemängelt wird der vermehrte Einsatz restriktiver Maßnahmen (z. B. freiheitsentziehende Maß- VHN 4 | 2025 288 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG nahmen, Anwendung von Zwang), das hohe Ausmaß an Fremdbestimmung und Formalisierung bei reduzierten Teilhabemöglichkeiten (Wunder, 2016) sowie ein oftmals wenig wohnliches, reizarmes Ambiente, das in bestimmten Wohntypen mit einer eingeschränkten Teilhabe an Arbeit und Beschäftigung einhergeht (Theunissen & Kulig, 2019). Mit derartigen Barrieren und „Sonderwelten“ würden entgegen rechtlichen Ansprüchen eine personenzentrierte, entwicklungsförderliche Herangehensweise behindert und Formen von Diskriminierung und Exklusion verstärkt (Schädler & Reichstein, 2018; Griffith et al., 2013). Calabrese und Georgi-Tscherry (2018) kritisieren, dass eine Rückführung von intensivbetreuten in reguläre bzw. gemeindenahe Wohnsettings entgegen einem originär als temporär konzipierten Wohnformat kaum stattfindet. 1.2 Kontextualisierung von Verhalten, das herausfordert Verhalten, das vom Umfeld als herausfordernd bewertet wird, kann auf vielfältige Weise imponieren, häufig handelt es sich um fremd-, selbst-, verbal- oder sachaggressives Verhalten (Emerson & Einfeld, 2011; Wehmeyer, Hermann & Sappok, 2023). Die verschiedenen Formen aggressiven Verhaltens werden als leistungsrechtliche Grundlage für die Aufnahme in eine intensivbetreute Wohnform herangezogen. Ebenso können Verhaltensweisen wie sozialer Rückzug, massiv anhängliches, stereotypes oder zwanghaftes Verhalten das Zusammenleben erschweren und als hV imponieren (NICE, 2015). Bedacht werden sollte, dass in institutionalisierten Wohnformen auch Verhaltensweisen und Kommunikationsformen seitens der Mitarbeiter: innen derart herausfordernd auf Bewohner: innen wirken können, dass interaktionelle Eskalationsspiralen begünstigt werden (Van den Bogaard, Lugtenberg, Nijs & Embregts, 2019). Mit Blick auf die Wechselwirksamkeit von sozial unangepasstem, störendem bzw. unerwünschtem Verhalten spricht Calabrese (2017) statt von herausforderndem Verhalten von herausfordernden Situationen. Jorgensen, Nankervis und Chan (2023) merken kritisch an, dass einige Verhaltensweisen, die als herausfordernd angesehen werden, besser als ‚adaptive Verhaltensweisen in einer maladaptiven Umgebung‘ oder als legitime Reaktionen auf schwierige Umgebungen und Situationen verstanden werden sollten (ebd., S. 95). Dem Ursprung nach und in Übereinstimmung mit der UN-BRK solle der Terminus herausforderndes Verhalten nicht die Annahme einer individuellen Pathologie manifestieren, sondern vielmehr die Herausforderung für das psychosoziale Umfeld im Erbringen personenzentrierter Dienstleistungen unterstreichen (ebd.). Passend dazu betrachten diverse pädagogische, psychologische bzw. psychiatrische Ansätze Verhaltensauffälligkeiten von Personen mit kognitiven Einschränkungen aus einem systemökologischen Blickwinkel (Zambrino, Calabrese & Büschi, 2022; Wehmeyer et al., 2020; Hennicke, 2021; Olivier-Pijpers et al., 2019). Demnach erklärt sich hV nicht allein durch Personenmerkmale, sondern durch eine ungenügende Passung zwischen dem Individuum (Einschränkungen, Fähigkeiten, Ressourcen, Bedürfnisse, Handlungsmotive) und dessen Umfeld (z. B. Verfügbarkeit raum-zeitlicher, materieller, sozialer oder institutioneller Ressourcen, strukturelle Wohnaspekte, Qualität der Beziehungsgestaltung) (Emerson & Bromley, 1995; Hastings et al., 2013). Das systemökologische Modell (nach Bronfenbrenner, 1979) unterscheidet Mikrosysteme, die durch direkte Interaktion mit einer Zielperson gekennzeichnet sind (z. B. Interaktionen innerhalb von Familie, Wohngruppe oder Förderstätte), von übergeordneten Meso-, Exo- und Makrosystemen, die zusätzlich - unmittelbar oder indirekt - Einfluss auf das Verhalten der betreffenden Person nehmen. Die in diesem Beitrag fokussierten Kooperationen zwischen einzelnen Hilfebzw. Mikrosystemen bilden VHN 4 | 2025 289 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG sich vornehmlich auf den Ebenen Mesosystem und Exosystem ab, werden aber gleichwohl beeinflusst von makrosystemischen Strukturen wie Gesellschaft, Bundesteilhabegesetz, EGH oder Gesundheitssystem (vgl. Olivier- Pijpers et al., 2019). Das systemökologische Modell bietet eine erkenntnistheoretische Rahmung für die Berücksichtigung komplexer Wechselwirkungen zwischen Individuum und Umwelt bei der Analyse und Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität von Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen und hV. In der Praxis spiegelt sich eine systemökologische Perspektive im Umgang mit hV bislang nur bedingt wider. Allzu oft werden Problemlagen und Lösungsansätze vorrangig aufseiten der Person mit Beeinträchtigung verortet, wenn beispielsweise individuelle Defizite seziert, psychiatrische Diagnosen gleich einem überdauernden Wesensmerkmal gewichtet, individuumbezogene Fördermaßnahmen (samt dem Einsatz von Verstärkern oder Sanktionen) priorisiert oder Psychopharmaka und restriktive Maßnahmen als „business as usual“ eingesetzt werden. Demgegenüber berücksichtigen ökosystemisch ausgerichtete Ansätze die Analyse und Anpassung von Umgebungsfaktoren (Ali, Blickwedel & Hassiotis, 2014), z. B. in Form von Positiver Verhaltensunterstützung (Theunissen, 2020), Interventionen nach dem Ansatz der Emotionalen Entwicklung (Sappok & Zepperitz, 2019) oder spezifischen Trainings für das Personal (z. B. Willems, Embregts, Hendriks & Bosman, 2016; Singh et al., 2020; Nicolai & Gaese, 2022). Kontextbezogene Maßnahmen zielen darauf ab, auslösende oder aufrechterhaltende Bedingungen für hV im Umfeld zu analysieren, Lern- und Entwicklungsräume durch eine strategische Umgebungsgestaltung zu erweitern, positive Beziehungserfahrungen zu ermöglichen und das Erleben von Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit innerhalb eines „entwicklungslogischen“ Lebensumfelds zu befördern (Calabrese & Georgi- Tscherry, 2018; Schanze & Sappok, 2024). 1.3 Herausforderungen für Unterstützer: innen Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und hV benötigen meist umfangreiche pflegerische, psychosoziale, medizinische, pädagogische, sozialrechtliche sowie bildungs- und berufsbezogene Hilfen (Schanze & Sappok, 2024). Die große Vielfalt an (Ausbildungs-)Biografien in Hilfesystemen geht mit einer breiten Heterogenität an fachlichem Know-how, Erfahrungen, Arbeitsschwerpunkten, Bedürfnissen und Zielsetzungen, Werten und Handlungskompetenzen einher. Wenngleich Multiprofessionalität und Interdisziplinarität als gewinnbringender Standard in der Behindertenhilfe gelten, besteht die Gefahr, dass sich multiprofessionelle Teams gerade bei krisenhaften Zuspitzungen aufgrund divergierender Ansichten und Erwartungen im Hinblick auf Förderziele, Zuständigkeiten und Handlungsbedarfe in berufshierarchischen Abgrenzungskämpfen und Verantwortungsdiffusion verlieren (Olivier-Pijpers et al., 2019). Wiederholte oder andauernde Krisen mit hV vermögen Teamdynamiken derart zu belasten, dass die Zusammenarbeit von Mitarbeitenden durch wechselseitige Schuldzuweisungen, Abwertungen, Rechtfertigungen, Rückzugstendenzen, Schweigen oder eingeschliffene, unreflektierte Handlungsroutinen beeinträchtigt wird (Michalek, 2000). Erfahrungen aus Klinik und Supervision seitens der Autor: innen zeigen, dass sich manche Teams in ihren Ansichten und Bewertungen von Krisensituationen mit hV derart gespalten erleben, dass sich verschiedene Gruppierungen in Bezug auf die Auswahl angemessener Maßnahmen scheinbar unversöhnlich gegenüberstehen und versuchen, die jeweils eigenen Vorstellungen auch gegen Widerstände „durchzudrücken“. Nicht zuletzt leiden Kooperationen zunehmend darunter, dass sich Klient: innen und Mitarbeitende in der Behindertenhilfe aufgrund der hohen Personalfluktuation immer wieder auf wechselnde Bezugspersonen bzw. Kolleg: innen und damit auf sich ständig ändernde VHN 4 | 2025 290 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG Teamkonstellationen einstellen müssen (Olivier-Pijpers, Cramm & Nieboer, 2020). Dass sich das Arbeitsklima, sprich: die Qualität des Zusammenwirkens von Beschäftigten in Wohneinrichtungen der EGH, nicht nur auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Mitarbeitenden, sondern ebenso auf das Wohlbefinden von Bewohner: innen auswirkt, belegen Habermann-Horstmeier und Limbeck (2016) eindrücklich. Die Zusammenarbeit zwischen Wohninstitution und Familie kann ebenso herausfordernd sein: Zambrino und Hedderich (2021) bündeln in einem Literatur-Review diverse Kritikpunkte wie mangelnden Informationsfluss, fehlende Einladung zu Besprechungen, Sichnicht-verstanden-Fühlen oder Erwartungsenttäuschungen. In manchen Fällen wird ein Aufeinandertreffen der Hilfesysteme aus Sorge vor Konflikten gemieden (Wehmeyer, 2020). So werden Hilfekonferenzen oft mehr exklusiv denn partizipativ ausgerichtet und auch die direkte Beteiligung der Zielperson am Austausch der Unterstützer: innen stellt - zumindest in Deutschland - bislang keine Selbstverständlichkeit dar (ebd.). Dieser Beitrag unterstreicht die Bedeutung des psychosozialen Umfelds und schärft das Bewusstsein dafür, wie wichtig eine konstruktive Zusammenarbeit der informellen und professionellen Hilfesysteme für die Wohn- und Lebenssituation von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und hV ist. Anhand der Ergebnisse aus dem PINO-Forschungsprojekt wird dargestellt, wie Kooperationen im Hinblick auf Ziele, Inhalte und Beziehungsaspekte auszugestalten sind. 2 Das Forschungsprojekt PINO Das dreijährige Forschungsprojekt PINO (Projekt Intensivwohnen Netzwerk Oberbayern) zielte darauf ab, die Wohn- und Lebenssituation von erwachsenen Personen mit kognitiver Beeinträchtigung und hV in institutionellen Wohnangeboten in Bayern empirisch zu beschreiben. Darüber hinaus wurde der Frage nachgegangen, welche Bedingungen ein Wohn- und Betreuungskonzept erfüllen muss, um die Teilhabesituation der Zielgruppe zu verbessern. Aus diesen Erkenntnissen sollten Qualitätsstandards samt Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. 2.1 Einschlusskriterien Die PINO-Studie adressierte volljährige Personen, die in besonderen Wohnformen der EGH in Bayern leben und neben kognitiven Beeinträchtigungen unterschiedlichen Schweregrades (mit oder ohne Verbalsprache) Verhaltensweisen zeigen, die vom Umfeld als herausfordernd bezeichnet werden. Berücksichtigt wurden ebenso Personen, bei denen neben der kognitiven Beeinträchtigung eine diagnostizierte psychische Erkrankung vorlag, sowie Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen im Autismus-Spektrum. 2.2 Methodik Das multimethodale Forschungsdesign war untergliedert in vier umfangreiche Teilstudien, die an dieser Stelle zur Nachvollziehbarkeit der Studienerkenntnisse bezüglich der wesentlichen methodischen Bausteine skizziert werden: (1) Internationale Literaturrecherche, (2) Status-Quo-Studie, (3) Kompassstudie und (4) E3QB-MK-Studie. 2.2.1 Internationale Literaturrecherche Die Literaturrecherche zielte darauf ab, Barrieren und Ressourcen für die Wohn- und Lebensqualität der Personengruppe gemäß dem publizierten empirischen Datenmaterial zu erfassen, um diese als erste Strukturhilfe zur VHN 4 | 2025 291 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG Beschreibung von Bedingungen für ein teilhabeorientiertes Wohn- und Betreuungskonzept heranzuziehen. Mithilfe von 29 Stich- und Schlagwörtern (deutsch/ englisch) und diversen Datenbanken wurden sowohl quantitative als auch qualitative Studien und Reviews sowie projektbezogene Forschungs- und Ergebnisberichte der letzten 10 Jahre ausgewertet (N = 108 Datensätze; vgl. Markowetz, Wolf, Lang, Arndt & Scherer, 2021 a). 2.2.2 Status-Quo-Studie Die Status-Quo-Studie sollte in Form von Online-Fragebögen zum einen Erkenntnisse zur bestehenden Bedarfslage und Versorgungssituation der Personengruppe liefern. Zum anderen wurden Verbesserungswünsche im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Intensivwohnens und eine angemessenere Versorgung der Zielgruppe erfragt. Angeschrieben wurden 557 gelistete Ansprechpartner: innen von Wohneinrichtungen für volljährige Menschen mit Behinderung aus dem Adressverzeichnis des Bayerischen Landesamtes für Statistik. 53 bayerische Wohneinrichtungsträger der Behindertenhilfe nahmen an der Befragung teil (vgl. Markowetz, Lang, Wolf & Arndt, 2021 b). Je nach Antwortformat wurden die erhobenen Daten quantitativ (mittels SPSS Version 29.0) bzw. qualitativ-inhaltsanalytisch nach Kuckartz (2018) ausgewertet. 2.2.3 Kompassstudie Die Kompassstudie zielte darauf ab, aus dem unmittelbaren Praxisfeld des Intensivwohnens Gelingensbedingungen zu identifizieren, die zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation der Zielgruppe beitragen. Unter Einbezug von multiperspektivischem Expert: innenwissen sollten konzeptionelle Voraussetzungen für zukunftsfähige, nachhaltige Wohn-Konzepte erforscht werden. An der Studie nahmen Interviewpartner: innen von neun Einrichtungsträgern der EGH im Bezirk Oberbayern teil (N = 64). Die Datenerhebung erfolgte mittels leitfadengestützter Fokusgruppeninterviews mit Mitarbeitenden aus dem Wohnbereich sowie in Form semistrukturierter Interviews mit Leitungskräften. Die audiografierten Interviews wurden wörtlich transkribiert und im Rahmen einer qualitativen, strukturierenden Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018) mithilfe der Software MAXQDA 2020 ausgewertet. Die Kategorienbildung erfolgte induktiv. Durch das Kodieren im vierköpfigen Forschungsteam wurde die Validität gesichert. 2.2.4 E 3 QB+MK-Studie Im Rahmen der E 3 QB+MK-Studie (Entwicklung, Erprobung, Evaluation von Qualitätsbausteinen und Methodenkoffer) wurde zunächst eine Synthese aus den Befunden der Kompassstudie und den aus Literaturanalyse und Status-Quo-Studie abgeleiteten Kriterien bzw. Kategorien vorgenommen. Hier flossen auch die Ergebnisprotokolle aus zwei sog. Zukunfts- Konferenzen ein, an denen der eigens für die Studie zusammengestellte Expert: innenrat (aus den Bereichen Medizin, Pädagogik, Recht, Expert: innen aus Erfahrung) sowie Vertreter: innen des Bezirks Oberbayern als Leistungsträger teilnahmen. An dem Analyseprozess (Codierung des Datenmaterials, Kategorienbildung) waren fünf Forschende in enger Abstimmung beteiligt. Die ermittelten Hauptkategorien (Qualitätsbausteine) wurden unter Bezugnahme auf die gesamte in die Datenanalysen eingeschlossene Forschungsliteratur inhaltlich ausdifferenziert. Diese explizierende Kontextanalyse (nach Mayring, 2015) stellte eine Grundlage für die Ausformulierung der Handlungsempfehlungen dar. Inkludiert wurden ebenso Erkenntnisse aus vier Pilotprojekten, die von PINO-Praxiseinrichtungen an verschiedenen Standorten durchgeführt wurden und auf Verbesserungen in Bezug auf jeweils einen trägerseits ausgewählten Qualitätsbaustein abzielten. VHN 4 | 2025 292 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG 2.3 Ergebnisse in der Zusammenschau Die Befunde aus Literaturrecherche (1), Status- Quo-Studie (2), Kompassstudie (3) und E 3 QB+ MK-Studie (4) ließen sich verdichten zu einem Kategoriensystem mit insgesamt 12 Haupt- und 56 Subkategorien (s. Tab. 1). Sämtliche Kategorien wurden als Gelingensbedingungen für eine Verbesserung der Wohn- und Teilhabesituation von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und hV identifiziert. Einen dieser Qualitätsstandards stellt die Institutionelle Kooperation und Zusammenarbeit mit Angehörigen dar. Der Standard umfasst fünf Subkategorien (s. Tab. 2), welche in der folgenden Ergebnisdarstellung zu drei Unterkapiteln gebündelt sind. Eine profunde Einordnung der Ergebnisse in die Forschungslandschaft anhand von Abschlussberichten diverser Expert: innengremien sowie (inter-)nationaler Leitlinien sicherte die Validität. Die Gültigkeit der Ergebnisse wurde zudem gestützt durch den engen Austausch mit Studienteilnehmer: innen (Fach- und Leitungskräfte im Bereich Intensivwohnen) im Kontext mehrerer PINO-Netzwerktreffen sowie durch Rückmeldungen von Selbstvertreter: innen und ausgewiesenen Expert: innen im Bereich der EGH, die in ihrer Funktion als PINO-Expert: innenrat den Studienverlauf kritisch verfolgten. Nr. Qualitätsstandards für den Wohn- und Lebensbereich von Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen und herausforderndem Verhalten 1 Kontextuelles Verständnis von herausforderndem Verhalten 2 Professionelle Haltung 3 Professionelle Beziehungsgestaltung 4 Bedarfsermittlung & Evaluation von Maßnahmen 5 Entwicklungsorientierte Unterstützung, Förderung & Umfeldanpassung 6 Zugang zu medizinischer & (psycho-)therapeutischer Versorgung 7 Krisenmanagement & Gewaltschutz 8 Durchlässige, flexible & integrative Wohnkonzepte 9 Personenzentrierte Teilhabe an Arbeit & Beschäftigung 10 Unterstützung persönlich bedeutsamer Aktivitäten & Kontakte im Sozialraum 11 Unterstützung und Qualifizierung des Personals 12 Intra- und interinstitutionelle Kooperationen sowie Zusammenarbeit mit Angehörigen Tab. 1 PINO-Qualitätsstandards für den Wohn- und Lebensbereich von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und herausforderndem Verhalten 12 Intra- und interinstitutionelle Kooperationen sowie Zusammenarbeit mit Angehörigen ◾ Sämtliche Unterstützerkreise integrieren und spezifische Charakteristika von Hilfesystemen respektieren ◾ Intersektoraler Zusammenschluss ◾ Professionelle Haltung in Multi-Hilfesystemen ◾ Wechselseitige Transparenz, gemeinsames Fallverständnis und abgestimmte Maßnahmenplanung ◾ Inklusive Gesprächsformen gestalten Tab. 2 Subkategorien zum PINO-Qualitätsstandard „Intra- und interinstitutionelle Kooperationen sowie Zusammenarbeit mit Angehörigen“ VHN 4 | 2025 293 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG 3 Zur Bedeutung von Vernetzung und Kooperation Nachfolgend werden die Erkenntnisse, die im Hinblick auf den Qualitätsstandard 12: Institutionelle Kooperationen und Zusammenarbeit mit Angehörigen erforscht wurden, entsprechend den ausformulierten PINO-Handlungsempfehlungen zusammenfassend dargestellt. Die Auswahl liegt darin begründet, dass das Thema Vernetzung und Zusammenarbeit im Vergleich zu den anderen Qualitätsstandards eher wenig Aufmerksamkeit im fachlichen Diskurs erfährt (vgl. Zambrino et al., 2022). Eine Erklärung hierfür ist, dass der Aufgabenbereich deutlich über die unmittelbare Versorgung, Begleitung oder Förderung einer Person mit kognitiver Beeinträchtigung hinausgeht und bei der Priorisierung von Zielen und Maßnahmen womöglich eher als „nice-to-have“ statt als „must-have“ eingestuft wird. Dennoch: die gelingende Zusammenarbeit der Hilfesysteme stellt gemäß PINO gleichermaßen eines der Schlüsselelemente für mehr Teilhabe im Bereich Intensivwohnen dar und gewinnt in Zeiten knapper werdender personeller Ressourcen umso mehr an Bedeutsamkeit. 3.1 Grundsätze und Haltung in Multi-Hilfesystemen Zunächst gilt es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass in die Versorgung und Begleitung von Erwachsenen mit kognitiven Beeinträchtigungen und hV in der Regel zahlreiche Akteur: innen aus den Bereichen Pädagogik, Gesundheits-, Sozial- und Rechtswesen einbezogen sind (s. Tab. 3), die sowohl intra-institutionell (verschiedene Unterstützungssysteme beim selben Leistungserbringer) als auch interinstitutionell (Unterstützungsangebote durch externe Dienste) zusammenwirken. Mit dem Anspruch einer ganzheitlichen, interdisziplinären Versorgung müssen sämtliche Hilfesysteme bei der Planung und Durchführung von Hilfemaßnahmen berücksichtigt werden. Auch Familienmitglieder spielen - unabhängig von der Quantität und Qualität der Kontakte oder der Zuordnung der rechtlichen Betreuung - aufgrund ihrer reichhaltigen Erfahrung und Expertise sowie ihrer langjährigen Verbundenheit überdauernd eine einflussreiche Rolle und dürfen nicht missachtet werden. Erforderlich ist ein akzeptierendes Bewusstsein, dass sämtliche Akteur: innen entsprechend ihrer Systemlogik über unterschiedliche Zugänge und Expertisen verfügen, eine unterschiedliche emotionale Verbundenheit zur betreffenden Person aufweisen, unterschiedliche Verantwortungen, Befugnisse und Aufgaben innehaben und dementsprechend unterschiedliche Erwartungen, Anliegen und Zielsetzungen in der Zusammenarbeit verfolgen. Die Zusammenarbeit sollte durch eine wertschätzende Haltung gekennzeichnet sein, welche die Eigenarten, Perspektiven und Expertisen jedes Hilfesystems respektiert. Akteur: innen sollen angehalten werden, das eigene Handeln Partner: innen im Multi-Hilfesystem ◾ An- und Zugehörige (privates Umfeld) ◾ Rechtliche: r Betreuer: in ◾ Personal aus verschiedenen Lebensbereichen (Wohnen, Arbeit, Freizeit) ◾ Medizinische und therapeutische Fachdisziplinen (z. B. Allgemeinmedizin, ambulante und stationäre Psychiatrie, Fachdienste wie Sprach-, Ergo-, Physiotherapie, Psychologie, Heilpädagogik, Krankenpflege) ◾ Institutionen im Bereich Eingliederungshilfe (Leistungsträger und -erbringer) ◾ Regionale psychosoziale Fachstellen, Konsulentendienst ◾ Behörden: Polizei, Heim-, Pflegeaufsicht, Gericht ◾ Weitere Institutionen im Sozialraum (z. B. Vereine, Kulturanbieter, Kirchengemeinde) Tab. 3 Übersicht über Hilfesysteme, die bei der Versorgung und Begleitung von Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen und hV zu bedenken sind VHN 4 | 2025 294 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG anderen gegenüber transparent zu machen. Empfohlen wird eine akzeptierende Haltung gegenüber der Erkenntnis, dass Unterschiede im Denken und Handeln zwischen den verschiedenen Hilfesystemen erwartbar und nachvollziehbar sind, dies umfasst auch die Akzeptanz persönlicher Grenzen. Divergierende Ansichten und Praktiken sollten weder nivelliert noch missachtet, sondern im Sinne von Perspektivenvielfalt für Lösungen zur Überwindung von herausfordernden Situationen nutzbar gemacht werden. In lösungsorientierter Weise gilt es, sich - gerade bei der Bewältigung von hV - auf die individuellen und kollektiven Stärken und Ressourcen zu fokussieren und Entscheidungen vornehmlich an den Nöten, Wünschen und Bedarfen der Zielperson (statt an eigenen Interessen) auszurichten. 3.2 Ziele, Maßnahmen und Methoden der Zusammenarbeit Die PINO-Studienbefunde belegen, dass eine intensive, fallbezogene wie fallübergreifende Zusammenarbeit der Hilfesysteme für eine entwicklungssensible, teilhabeorientierte Unterstützung und Begleitung von Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen und hV unabdingbar ist. 3.2.1 Ziele Übergeordnete Ziele für die Zusammenarbeit sind: ◾ die Herstellung eines Arbeitsbündnisses, das von gegenseitigem Wohlwollen und Respekt getragen ist, ◾ das Entwickeln eines gemeinsamen Fallverständnisses und einer geteilten Vision, die sich an den Bedürfnissen und Zukunftsperspektiven der Zielperson ausrichtet, ◾ die Verbesserung der eigenen Handlungssicherheit und -fähigkeit durch gegenseitige (Er-)Klärungen und Bekräftigungen, ◾ die Abstimmung des Handelns aufeinander und auf das Wohl der Zielperson, ◾ ein systematischer, zielgerichteter Zusammenschluss im Kontext von Krisen, anstehenden Veränderungen bzw. Übergangsprozessen. 3.2.2 Maßnahmen Fallbezogen wird durch intra- und interinstitutionelle Kooperationen und die Zusammenarbeit mit Angehörigen in Form von Hilfekonferenzen eine konzertierte Maßnahmenplanung und -durchführung gewährleistet, bei der auch Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten eindeutig geregelt werden. Empfohlen wird, Hilfekonferenzen regelhaft unter Einbezug von Zielperson, sozialem Umfeld und rechtlicher Vertretung auszurichten. Beispiel: Zur Erstellung eines gemeinsam abgestimmten Krisenstufenplans setzen sich die Mitarbeitenden aus verschiedenen Lebensbereichen (Wohngruppe, WfbM, Freizeit) und trägerinternen Fachdiensten mit dem betreffenden Bewohner und dessen Eltern zusammen. Da eine ambulante Psychiaterin in die medizinische Versorgung involviert ist, wird sie ebenfalls zur Hilfekonferenz eingeladen. Für eine akute Gefahrenabwendung mit kurz- oder langfristigen Weichenstellungen treten im Einzelfall neben psychiatrischen Diensten auch öffentliche Kontrollsysteme wie Polizei, Heimaufsicht oder Amtsgericht auf den Plan. Um im Krisenfall vertrauensvoll zusammenzuarbeiten, kann eine präventive, fallübergreifende Vernetzung wirkungsvoll dazu beitragen, systemimmanente Strukturen und Prozesse besser nachzuvollziehen sowie Expertisen zum förderlichen Umgang mit Menschen mit kognitiven Einschränkungen auszutauschen. Die enge Zusammenarbeit mit Betreuungsgerichten dient dazu, gereifte und juristisch abgesicherte Entscheidungen hinsichtlich der Anwendung von freiheitsentziehenden Maßnahmen im Dialog mit allen Beteiligten zu treffen. VHN 4 | 2025 295 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG Fallübergreifend werden durch die (über-)regionale bzw. intersektionale Vernetzung der Teilhabebereiche Wohnen, Arbeit, Freizeit, Gesundheitssystem (hier v. a. Psychiatrie) und Sozialwesen person- und systemspezifische Kompetenzen synergistisch nutzbar gemacht sowie Chancen eröffnet, miteinander und voneinander zu lernen. Dazu dienen z. B. informelle Austauschforen, Gremienarbeit in Form Runder Tische, gegenseitige Hospitationen oder gemeinsame Fortbildungen. 3.2.3 Methoden Nachfolgend werden diverse Empfehlungen für die Gesprächsführung skizziert. Der fachliche Austausch sollte darauf ausgerichtet sein, Ideen und Expertisen zusammenzutragen und dabei bewusst unterschiedliche Perspektiven für ein gegenseitiges Verständnis und ein gemeinsames Fallverstehen einzunehmen. Beispiel: „Zu Hause versuchen Sie, Ihre Tochter abzulenken, wenn sie fahrig hin- und herläuft, und sprechen sie bewusst nicht auf ihre Unruhe an. In der Wohngruppe gehen Sie einen anderen Weg und versuchen, mit der Bewohnerin im Gespräch zu klären, was sie gerade so unruhig macht. Beides scheint sich bewährt zu haben. Können Sie etwas über Ihre Absichten erzählen, über die guten Erfahrungen, die Sie jeweils gemacht haben - und auch die Risiken und Nebenwirkungen, die mit dem jeweiligen Vorgehen verbunden sind? “ Eine Erweiterung individueller Denk- und Handlungsweisen soll dazu beitragen, dysfunktional verfestigte Interaktionsmuster zu durchbrechen. Beispiel: „Wie verändert die Überlegung, dass das Verhalten der Bewohnerin womöglich gar nicht absichtsvoll erfolgt, sondern eher körperliche Bedürfnisse widerspiegelt, die Bedeutung von Sanktionen als Konsequenz auf das schwierige Verhalten? “ Ziele, Methoden und Aufgaben sollten - unter Nutzung aller verfügbaren Ressourcen und Expertisen im Multi-Hilfesystem - aufeinander und miteinander abgestimmt werden, die Orientierung an den Bedürfnissen der Zielperson gilt als Handlungsmaxime. Beispiel: „Tom, du wünschst dir am Wochenende mehr Abwechslung. Was hast du denn früher gerne gemacht? Okay, lasst uns prüfen: wer aus dem Team könnte mit dir Basketball spielen? Und wo kriegen wir einen Korb her, hast du vielleicht noch einen daheim? Du könntest auch bei der Trommelgruppe in der Nachbar-WG mitmachen, wenn du magst? “ Nicht nur, aber gerade dann, wenn eine Krise auftritt, sollte die gegenseitige Bestärkung und Ermutigung im Vordergrund kooperativer Bemühungen stehen. Schließlich erhöhen Krisensituationen die Gefahr, dass die Zusammenarbeit durch den wachsenden Stress, verbunden mit Tunnelblick, Perspektivlosigkeit, gegenseitige Schuldzuweisungen oder Distanzierungstendenzen, belastet und das Wohlbefinden der betreffenden Person weiter beeinträchtigt wird. Beispiel: Statt: „Jetzt ist es nach drei Tagen doch wieder eskaliert - was haben wir bloß falsch gemacht? ! “ besser gemeinsam explorieren: „Wie ist es uns eigentlich gelungen, dass es drei Tage lang gut lief ? Wer hat was genau dazu beigetragen? Was hat die betreffende Person zwischendurch geschafft bzw. gut hinbekommen? “ In Krisen und ebenso bei der professionellen Gestaltung von Übergängen wird eine (zeitlich begrenzte) Erweiterung der Hilfen (z. B. durch Fachdienste, Konsulentendienst, psychiatrische Institutionen) empfohlen. Steht die Reintegration in eine reguläre Wohnform an, sollte der Übergangsprozess durch einen systematischen Zusammenschluss aller bisherigen und zukünftigen Unterstützungssysteme sorgfältig vorbereitet und begleitet werden. VHN 4 | 2025 296 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG 3.3 Inklusive Gesprächsformen gestalten Anzustreben ist eine weitestgehende Integration der Zielperson in den fachlichen Austausch der Kooperationspartner: innen - gemäß dem Grundsatz der UN-BRK „Nichts über uns ohne uns“. Dafür müssen Gespräche zeitlich, sprachlich, inhaltlich und strukturell an die individuellen Bedürfnisse der Zielperson angepasst werden, so dass es dieser möglich gemacht wird, aktiv daran mitzuwirken. Dies erfordert den strategischen Einsatz kommunikativer Techniken und Methoden für eine inklusive Gesprächsführung, wie sie in den Handlungsempfehlungen zu den PINO-Qualitätsstandards 3: Beziehungsgestaltung und 5: Entwicklungsorientierte Unterstützung ausgeführt werden (für eine Zusammenfassung s. Tab. 4). Teilhabeorientierte Gesprächsführung Echtes Interesse am Gegenüber ◾ Zeit nehmen, Ruhe ausstrahlen, Ablenkungen vermeiden ◾ Präsenz: volle Aufmerksamkeit schenken ◾ Personenzentriertes Erkunden von Befindlichkeiten und Bedürfnissen ◾ Begegnung auf Augenhöhe Achtsame, personenzentrierte Kommunikation ◾ Wahrnehmen von Kommunikationssignalen der Zielperson, Verbalisieren von beobachteten (nicht-sprachlichen) Ausdrucksweisen ◾ aufmerksames Zuhören, offene Fragen stellen ◾ Transparente Informationsvermittlung und Erklärungen ◾ Wertschätzendes Feedback geben ◾ Sprechtempo an kommunikative Kompetenzen anpassen ◾ Personenorientierter Einsatz von Methoden der Unterstützten Kommunikation ◾ Verwendung von Leichter Sprache ◾ Sämtliche Gesprächsteilnehmer: innen integrieren (über Ansprache, Blickkontakt) ◾ nicht über den Kopf der Zielperson hinweg sprechen persönliche Zukunftsplanung ◾ Orientierung an Interessen und Ressourcen der Zielperson ◾ Partizipative Entwicklung und Umsetzung mit selbstgewähltem Unterstützerkreis ◾ Prozessuale Orientierung: regelmäßige Evaluierung Höchstmaß an Selbstbestimmung ◾ Auflockerung von übergreifenden, institutionellen Strukturen und Regeln hin zu personenzentrierten Entscheidungsprozessen ◾ Kooperative Entscheidungsfindung ◾ Kompetenzerweiterung unterstützen Entwicklungsförderliches Assistenzverständnis ◾ Unterstützungsleistungen personenzentriert auswählen ◾ Begegnung auf partnerschaftlicher Ebene: Beachtung des kognitiven, emotional-sozialen Entwicklungsalters, ohne dass dies zu einer Infantilisierung führen darf ◾ Förderung von Selbstbestimmung und Autonomie (Empowerment) ◾ Assistenz im Sinne von: So viel wie nötig, so wenig wie möglich ◾ Assistenz im advokatorischen Sinne: Vermeidung einer auferlegten, eigenmotivierten Fürsorge ◾ regelmäßige Evaluierung des Unterstützungsbedarfs, damit Assistenzleistungen nicht zur unreflektierten Alltagsroutine geraten Tab. 4 Ansätze für eine inklusive, teilhabeorientierte Gesprächsführung gemäß den PINO-Qualitätsstandards Beziehungsgestaltung und Entwicklungsförderung VHN 4 | 2025 297 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG 4 Diskussion Das PINO-Forschungsprojekt legt erstmalig die Bedarfs- und Versorgungslage von Nutzer: innen institutioneller Wohnangebote mit kognitiven Beeinträchtigungen und hV in Bayern offen. Die Studienergebnisse zeigen in Analogie zum internationalen Forschungsstand die hochanspruchsvollen Bedarfe einer heterogenen Personengruppe auf, deren Versorgung noch immer deutlich von den Leitorientierungen der Behindertenhilfe nach Selbstbestimmung, Inklusion und der gleichberechtigten Teilhabe in allen Lebensbereichen abweicht. Die multimethodische Ausrichtung in Form mehrerer Teilstudien liefert eine breite Datenbasis für die Identifikation von Gelingensbedingungen, die zu einer Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation für die Zielgruppe beitragen. Im Ergebnis steht mit PINO ein umfassender Kanon an Standards und Handlungsempfehlungen für die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität für Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen und hV zur Verfügung. Die ermittelten Standards dienen als verbindlicher, strukturierender Orientierungsrahmen und sorgen dafür, dass ein Wohn- und Betreuungskonzept nicht der Beliebigkeit und Subjektivität einzelner Akteure überlassen bleibt. Die Befunde dürfen jedoch nicht als Standardformat im Sinne einer „On-size-fits-all- Lösung“ missverstanden werden. Unabdingbar bleibt eine am Einzelfall orientierte, flexible Anpassung und Priorisierung der dargelegten Standards und Empfehlungen. Die Zusammenarbeit mit den Eltern eines Erwachsenen mit kognitiver Beeinträchtigung setzt beispielsweise dessen Einverständnis voraus und kann nicht gegen seinen Willen erzwungen werden. Ein Großteil der ermittelten Qualitätsstandards bezieht sich auf strukturelle, räumliche, pädagogisch-therapeutische sowie personelle Strategien, mit denen die Wohn- und Lebenssituation der Zielgruppe verbessert werden kann. In Ergänzung dazu eröffnet der Qualitätsstandard Kooperation und Vernetzung verschiedene Zugänge, wie die Umsetzung von Strategien durch die Integration und Koordination von Sichtweisen, Expertisen und Handlungsmotiven seitens der involvierten Hilfesysteme unterstützt werden kann. Sowohl innerhalb der Literaturrecherche als auch im Rahmen zahlreicher Interviews auf Mitarbeitenden- und Leitungsebene wurde der Wert der Zusammenarbeit mit Angehörigen sowie die Bedeutung der Kooperation zwischen fachlichen Disziplinen und mit psychiatrischen bzw. psychosozialen Einrichtungen für die Versorgung von Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen und hV hervorgehoben. Die Ergebnisse werden gestützt durch Befunde weiterer, aktueller Studien: Eine britische Studie, mit der der Einfluss spezialisierter Unterstützungsteams bei hV analysiert wurde, identifiziert gleichermaßen die Zusammenarbeit aller informellen (privaten) wie professionellen Akteur: innen bei der Erstellung und Evaluation von Maßnahmenplänen als einen wesentlichen Gelingensfaktor im Umgang mit hV (Kouroupa et al., 2023). Auch hier wird der Nutzen von Kooperationen mit Fachstellen und Behörden hervorgehoben. Eine Schweizer Studie, in der Leitungskräfte von Wohneinrichtungen bezüglich vollzogener personeller und struktureller Anpassungen als Reaktion auf hV befragt wurden, unterstreicht einmal mehr die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit internen und externen Fachpersonen und -stellen (Zambrino, Büschi & Calabrese, 2023). Aufschlussreich ist ebenfalls die Kosten-Nutzen- Analyse, die im Rahmen einer australischen Studie vorgenommen wurde (Carberry, Hutchinson, Wardale, Demir & Vassos, 2024). Die Autor: innen kommen zu dem Schluss, dass bei massiv herausforderndem Verhalten eine multisystemische Zusammenarbeit (hier: monatliches Forum mit Führungskräften aus den Bereichen Betrieb, Sicherheit, Personalwesen VHN 4 | 2025 298 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG und klinischen Diensten) zwar mit erhöhten Personalkosten einhergeht, sich der Unterstützungsaufwand aber durch eine signifikante Reduktion von hV und eine verbesserte Mitarbeitergesundheit im Vergleich zur Kontrollgruppe „auszahlt“. Eingeschränkt aussagekräftig bleiben die PINO-Befunde insofern, dass weder die Zielklientel noch Angehörige systematisch in die Datenerhebung eingeschlossen waren. Eine Schweizer Interviewstudie (Zambrino et al., 2022) liefert Gelingensfaktoren für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Fachpersonen aus Sicht von Angehörigen. Diese untermauern die PINO-Befunde dadurch, dass die Befragten Wert sowohl auf intrainstitutionelle Kooperationen als auch auf die Vernetzung mit externen Fachstellen legen und hierfür eine Haltung schätzen, die von Transparenz, Offenheit, Respekt und gleichberechtigter Partizipation geprägt ist und eine ressourcenorientierte Arbeitsweise befördert (ebd.). Weiterführende Gelingensfaktoren aus Angehörigensicht stellen das Zutrauen in die fachliche Kompetenz des Personals sowie das Erleben von Selbstwirksamkeit in der Zusammenarbeit dar. Auch Olivier-Pijpers et al. (2020) untersuchten Einflussfaktoren auf hV aus Sicht von Selbstvertreter: innen und Familienmitgliedern. Dabei wurden unter anderem die Zusammenarbeit mit professionellen Akteur: innen sowie die Unterstützung durch das Personal beim Auftreten von Krisen als relevant identifiziert. Die Angehörigen gaben indes zu bedenken, dass sie sich im Umgang mit hV von den professionellen Akteur: innen abhängig fühlten. Noch umfassender trugen Nijs, Taminiau, Frielink und Embregts (2022) die Perspektiven verschiedener Akteur: innen (Expert: innen aus Erfahrung, Angehörige, Begleitpersonen, Psycholog: innen) im Hinblick auf eine hochwertige Unterstützung von Personen mit hV zusammen. Die Ergebnisse bekräftigen die PINO-Befunde insofern, als dass sowohl pädagogisches als auch psychologisches Fachpersonal Aspekte der Kooperation (kollegiale Unterstützung und Wertschätzung, gegenseitige Einblicke in Ansichten und Bedürfnisse, Reflektieren und Abstimmen) für ein gemeinsames Fallverstehen und eine personenzentrierte Versorgung mit hoher Wertigkeit versahen. Auf die Auswertung der Angehörigen-Daten musste indes aufgrund der zu geringen Stichprobe verzichtet werden. Die Aussagen der Zielklientel konzentrierten sich allein auf die unmittelbare Interaktion mit Assistenzpersonen; Hinweise auf den Wert oder die Gestaltung partizipativer Gesprächsformen bei der Ausrichtung von Hilfekonferenzen ergaben sich hierbei nicht. Die Mängel durch fehlende Integration der Betroffenen-Stimmen adressierend, wurde aus den PINO-Studien heraus noch während der Projektlaufzeit eine Photovoice-Studie abgeleitet, mit der die Wohn- und Lebenssituation aus der Perspektive der Zielklientel in den Blick genommen wurde (Lang, 2025). Die Befunde unterstreichen unter anderem den Wert von verantwortungsvollen Aufgaben und freudvollen bzw. sinnstiftenden Aktivitäten für das Erleben von Selbstverwirklichung und Selbstwirksamkeit als Dimensionen von Lebensqualität (Lang, 2024). Es kann geschlussfolgert werden, dass die Auswahl, Ausgestaltung und Koordination von Aufgaben und Beschäftigungen durch die Qualität der Zusammenarbeit innerhalb und zwischen informellen (privaten) und professionellen Hilfesystemen beeinflusst werden. Die Erkenntnis, dass der zweite Lebensbereich einen nennenswerten Stellenwert für die Zielgruppe einnimmt (ebd.), lässt zudem Rückschlüsse auf die Relevanz der Vernetzung der Teilhabebereiche Wohnen und Arbeiten zu. Weitere Studien sind nötig, um die Bedeutung und Wirksamkeit der Zusammenarbeit in Multi-Hilfesystemen im Hinblick auf die Wohn- und Teilhabesituation aus Sicht von Nutzer: in- VHN 4 | 2025 299 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG nen institutioneller Wohnangebote zu erfassen. Angesichts der überdauernd wichtigen Rolle der Familien im Leben von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen sollte die Gruppe der Angehörigen im Forschungsdesign systematisch verankert werden. Die hier dargestellten PINO-Befunde laden ebenso dazu ein, die Relevanz inklusiv gestalteter Kooperations- Settings weiter zu beforschen. Als maßgebliche Motivation ist die Aufforderung der UN-BRK zu betrachten, Personen mit Beeinträchtigungen nicht nur fachlich zu unterstützen oder zu beraten, sondern mit ihnen gemeinsam Lösungen und Perspektiven in ko-konstruktiver Weise und mit einem Höchstmaß an Selbstbestimmung zu entwickeln. 5 Fazit Die Ergebnisse aus dem PINO-Forschungsprojekt legen nahe, intra- und interinstitutionelle Kooperationen sowie die Zusammenarbeit mit Familienangehörigen als eines der Schlüsselelemente für mehr Lebensqualität und Teilhabe für den betreffenden Personenkreis im Bereich Wohnen zu würdigen. Dabei liegt es in der Professionalität des pädagogischen und therapeutischen Personals und ebenso in der Verantwortung von Leitungskräften, sich im Sinne der Bewohnerschaft für eine konstruktive Zusammenarbeit aller Akteur: innen zu engagieren und die Bereitschaft aufzubringen, diesbezügliche Hürden und Widerstände zu überwinden. Dies erfordert ein proaktives Handeln, eine wohlwollende, respektvolle Kontaktaufnahme und ein freundlich offenes Interesse auch an divergierenden Denk- und Handlungsweisen des Gegenübers (vgl. Fredman, 2014). Die in der UN-BRK verankerte und im deutschen Bundesteilhabegesetz festgeschriebene Personenzentrierung wird einmal mehr untermauert durch die Forderung im PINO- Qualitätsstandard Institutionelle Kooperationen und Zusammenarbeit mit Angehörigen, dass die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Zielperson bei jeglicher Form der Zusammenarbeit als Kompass der Auseinandersetzung und konzertierten Hilfeplanung heranzuziehen sind. Die Veränderung gewohnter Kommunikations- und Interaktionsmuster in Multi-Hilfesystemen, die einhergeht mit einer (selbst-)kritischen Reflexion der Qualität der Zusammenarbeit, kann anstrengend und (zeit-)aufwendig sein. Sie zahlt sich jedoch dadurch aus, dass die Etablierung von Maßnahmen zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation, sofern sie auf gegenseitigem Wohlwollen und breitem Konsens beruht, weniger bedroht ist, von anderer Seite - bewusst oder unbewusst - unterlaufen zu werden. Zu bedenken ist, dass für die Planung, Durchführung und Dokumentation einer qualitativ hochwertigen Zusammenarbeit mit Angehörigen und anderen Fachpersonen ein nicht unerhebliches Maß an zeitlichen und fachlichen Ressourcen bereitgestellt werden muss. Gleichzeitig besteht im Spiegel von Personalmangel, -belastung und -fluktuation eine anhaltende Herausforderung für Institutionen darin, sich an den verfügbaren personellen und zeitlichen Ressourcen auszurichten. Sind diese begrenzt, treten Gespräche zwischen Hilfesystemen (Mesosystem-Ebene) erfahrungsgemäß nicht selten hinter die täglichen Aufgaben und Pflichten in der unmittelbaren Versorgung (Mikrosystem-Ebene) zurück. Dabei vermag gerade ein kooperativ-vernetztes Arbeiten dazu beizutragen, Synergien innerhalb der bestehenden Hilfesysteme zu identifizieren und diese gewinnbringend in der Planung und Umsetzung von Maßnahmen nutzbar zu machen. Diesbezüglich kann der Qualitätsstandard Institutionelle Kooperationen und Zusammenarbeit mit Angehörigen als bedeutsamer Dreh- und Angelpunkt für eine nachhaltige und letztlich ressourcenschonende Wirksamkeit von Unterstützungsangeboten angesehen werden. VHN 4 | 2025 300 MEIKE WEHMEYER ET AL. Kooperation der Hilfesysteme zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation FACH B E ITR AG Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen und hV navigieren in der Regel täglich zwischen verschiedenen Lebenswelten und Beziehungssystemen. Eine supportive, ressourcen- und lösungsorientierte Kooperation mit und zwischen den beteiligten Unterstützungs-Systemen kommt ihnen unmittelbar zugute. Leistungsträger und -erbringer sind aufgefordert, Eingliederungsleistungen so auszuhandeln, dass Maßnahmen zur Kooperation nicht dem ehrenamtlichen Engagement Einzelner überlassen bleiben, sondern auf institutioneller Ebene konzeptionell verankert und von Leitungsseite ausdrücklich gefordert und unterstützt werden. Literatur Ali, A., Blickwedel, J. & Hassiotis, A. (2014). Interventions for challenging behaviour in intellectual disability. Advances in Psychiatric Treatment, 20 (3), 184-192. https: / / doi.org/ 10.1192/ apt.bp.113. 011577 Bronfenbrenner, U. (1979). The Ecology of Human Development. Experiments by Nature and Design. Cambridge, MA: Harvard University Press. https: / / doi.org/ 10.4159/ 9780674028845 Calabrese, S. (2017). Herausfordernde Verhaltensweisen-herausfordernde Situationen: Ein Perspektivenwechsel. 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