Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete
5
0017-9655
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/vhn2025.art25d
5_094_2025_VHN_Plus/5_094_2025_VHN_Plus.pdf11
2025
94VHN Plus
Einsatz der Gebärden-unterstützten Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom – eine Elternbefragung
11
2025
Bernadette Witecy
Marie-Kathrien Derksen
Martina Penke
Zusammenfassung: Um die kommunikativen Möglichkeiten von Kindern mit Down-Syndrom zu erweitern und ihre Sprachentwicklung zu fördern, wird häufig die Gebärden-unterstützte Kommunikation (GuK) eingesetzt. Die vorliegende Studie untersucht die Erfahrungen von Eltern im Einsatz der Gebärden und wie sie die Auswirkungen auf die Kommunikation mit ihrem Kind wahrnehmen.
5_094_2025_VHN_Plus_0003
1 FACH B E ITR AG VHN plus VHN plus , 94. Jg. (2025) DOI 10.2378/ vhn2025.art25d © Ernst Reinhardt Verlag Einsatz der Gebärden-unterstützten Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom - eine Elternbefragung Bernadette Witecy, Marie-Kathrien Derksen, Martina Penke Universität zu Köln Zusammenfassung: Um die kommunikativen Möglichkeiten von Kindern mit Down-Syndrom zu erweitern und ihre Sprachentwicklung zu fördern, wird häufig die Gebärden-unterstützte Kommunikation (GuK) eingesetzt. Die vorliegende Studie untersucht die Erfahrungen von Eltern im Einsatz der Gebärden und wie sie die Auswirkungen auf die Kommunikation mit ihrem Kind wahrnehmen. Die Auswertung der Daten von 70 Teilnehmenden ergab eine hohe Zufriedenheit mit der GuK-Methode. Das Erlernen der Gebärden und der Einsatz im Alltag gelingt den Eltern gut. Sie nehmen eine Zunahme der Kommunikation des Kindes und eine bessere Verständlichkeit der Äußerungen wahr. Gebärden und Lautsprache werden von den Kindern nach ihren Fähigkeiten kombiniert, wobei die Verwendung der Gebärden mit zunehmenden lautsprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten abnimmt. Die Untersuchung bestätigt und ergänzt bisherige Erkenntnisse zu lautsprachunterstützenden Gebärden und empfiehlt deren Anwendung sowohl in Familien als auch durch Fachkräfte. Schlüsselbegriffe: Down-Syndrom, lautsprachunterstützende Gebärden, Sprachentwicklung, Kommunikation, Elternbefragung Use of Key Word Signing (GuK Method) for Children with Down Syndrome - a Parent Survey Summary: To expand the communicative abilities of children with Down syndrome and promote their language development, key word signing, using the GuK method, is often employed. This study examines parents’ experiences with the use of this method and how they perceive the impact on communication with their child. Analysis of data from 70 participants revealed a high level of satisfaction with GuK. Parents find it easy to learn and implement the signs in daily life. They observe an increase in their child’s communication and a better comprehensibility. Children combine signs and spoken language according to their abilities, with the use of signs decreasing as spoken language abilities improve. The study confirms and extends previous findings on key word signing and recommends its application both in families and by professionals. Keywords: Down syndrome, key word signing, language development, communication, parent survey 1 Hintergrund Kinder mit Down-Syndrom, einer durch eine Veränderung im Chromosomensatz verursachten Entwicklungsstörung, die meist mit einer Intelligenzminderung einhergeht, weisen häufig Schwierigkeiten im Spracherwerb auf. Frühe sprachliche Meilensteine, wie die Produktion der ersten Wörter, ein produktiver Wortschatz von 50 Wörtern oder das Auftreten erster Wortkombinationen, werden in der Regel deutlich verzögert erreicht (Berglund, Eriksson & Johansson, 2001; Oliver & Buckley, 1994; Sarimski, 2013) und auch der weitere VHN plus 2 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Aufbau des Wortschatzes sowie die grammatische Entwicklung verlaufen üblicherweise verlangsamt und sind störanfällig (Aktaş, 2004; Næss, Lervåg, Lyster & Hulme, 2015). Betroffen ist oft nicht nur die Produktion von Sprache, sondern auch das Verständnis kann eingeschränkt sein, allerdings meist in geringerem Ausmaß (Laws & Bishop, 2003). Zudem bestehen bei Kindern mit Down-Syndrom häufig orofaziale Schwächen, die sich auf die Artikulation auswirken und die Verständlichkeit beeinträchtigen können (Roberts, Price & Malkin, 2007). Die zum Teil stark verzögerte Sprachentwicklung führt dazu, dass viele Kinder mit Down-Syndrom in den ersten Lebensjahren nur über begrenzte Möglichkeiten verfügen, lautsprachlich zu kommunizieren und so ihre Bedürfnisse und Gedanken mitzuteilen. Ebenso können sie Schwierigkeiten haben, die sprachlichen Äußerungen der Bezugspersonen zu verstehen. Umgekehrt kann es für die Eltern oder Bezugspersonen herausfordernd sein, die Kommunikationsabsichten der Kinder korrekt zu interpretieren und darauf zu reagieren. Kommunikative Misserfolge auf beiden Seiten sind somit die Folge (Dittmann, 2023). Darüber hinaus können sich die sprachlichen Einschränkungen auf das Belastungserleben der Eltern auswirken. So zeigt eine Studie zur Entwicklung von Kindern mit Down-Syndrom, dass sich Mütter von Kindern mit einer langsameren Sprachentwicklung stärker belastet fühlen als Mütter, deren Kinder diesbezüglich einen günstigeren Verlauf aufweisen (Sarimski, 2018). Es ist daher wichtig, Kinder mit Down-Syndrom frühzeitig in ihrer Sprach- und Kommunikationsentwicklung zu fördern. Ziele einer solchen Förderung sind die Erweiterung der Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten zwischen den Kindern und ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen sowie die Anbahnung der Lautsprache. Ein verbreiteter Ansatz, um die genannten Ziele zu erreichen, ist der lautsprachunterstützende Einsatz von Gesten und Gebärden. Im Folgenden werden zunächst Hintergründe zum Erwerb von Gesten sowie zu den Beweggründen für die Nutzung von Gesten und Gebärden in der frühen Sprach- und Kommunikationsförderung bei Kindern mit Down-Syndrom dargelegt und relevante Forschungsergebnisse vorgestellt. Anschließend präsentieren wir eine Studie, die die Erfahrungen der Eltern im Einsatz der Gebärden sowie ihre Einschätzung der Auswirkungen auf die Kommunikation mit ihrem Kind näher beleuchtet. 1.1 Gesten und Gebärden in der frühen Sprach- und Kommunikationsförderung bei Kindern mit Down-Syndrom Gesten sind „Bewegungen von Teilen des Körpers mit dem Ziel der Kommunikation“ (Vogt, 2007, S. 13). Sie werden sowohl ergänzend zur Lautsprache als auch ersetzend verwendet und von sich typisch entwickelnden Kindern ebenso wie von Kindern mit Down- Syndrom im Rahmen der Sprach- und Kommunikationsentwicklung erworben. Verschiedene Studien zum frühen Spracherwerb bei Kindern mit Down-Syndrom beschreiben sogar, dass diese im Vergleich zu Kindern mit einem vergleichbaren Entwicklungsalter vermehrt auf Gesten zurückgreifen (te Kaatvan den Os, Jongmans, Volman & Lauteslager, 2015). Dabei handelt es sich überwiegend um Zeigegesten (deiktische Gesten), die auf einen im Kontext existierenden Referenten verweisen. Aber auch ikonische Gesten, die durch Wiedergabe von physischen oder funktionalen Merkmalen bildhaft einen Referenten symbolisieren (z. B. Personen, Gegenstände oder Ereignisse), und konventionelle Gesten mit kulturabhängig festgelegter Bedeutung (z. B. Kopfschütteln, -nicken) werden verwendet (Maydell, Burmeister & Buschmann, 2020; Zampini & D’Odorico, 2011). VHN plus 3 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Die Vermutung liegt nahe, dass durch den verstärkten Einsatz von Gesten bestehende Schwierigkeiten in der Sprachproduktion kompensiert werden sollen. Die Gesten ermöglichen es den Kindern, Bedürfnisse mitzuteilen, die sie lautsprachlich (noch) nicht ausdrücken können. Tatsächlich geht der Gebrauch von Gesten mit ansteigendem verbalem Wortschatz und somit erweiterten Ausdrucksmöglichkeiten in der Regel zurück (te Kaat-van den Os et al., 2015; Zampini & D’Odorico, 2009; 2011). Sowohl bei sich typisch entwickelnden Kindern als auch bei Kindern mit Down-Syndrom haben sich zudem der Gestengebrauch als Prädiktor für die spätere produktive Wortschatzentwicklung sowie die Verwendung von Geste-Wort-Kombinationen als Prädiktor für die syntaktische Entwicklung gezeigt (typische Entwicklung: Rowe & Goldin-Meadow, 2009; Down-Syndrom: te Kaat-van den Os et al., 2015; Zampini & D’Odorico, 2011). Ähnlich wie symbolische, d. h. ikonische und konventionelle Gesten sind Gebärden körpereigene Zeichen, die Bedeutungen tragen. Sie werden vorwiegend mit den Händen gebildet, können aber auch nicht-manuelle Komponenten, wie Bewegungen des Oberkörpers oder ein Mundbild, beinhalten (Hoffmann, 2013). Gebärden können Laute, Buchstaben, Wörter oder ganze Phrasen repräsentieren (Maydell et al., 2020). Viele Gebärden sind ikonisch, also bildhaft, und geben Eigenschaften des Bezeichneten wieder. Daher lassen sie sich nicht immer eindeutig von ikonischen Gesten differenzieren. Gebärden können nicht nur ein eigenständiges Sprachsystem bilden (z. B. die Deutsche Gebärdensprache (DGS)), sondern auch lautsprachunterstützend zur Sprach- und Kommunikationsförderung eingesetzt werden. Für Personen, die über keine oder nur eine geringe Lautsprache verfügen, sollen die Gebärden eine „Brücke“ zur Lautsprache darstellen. Dies ist auch der Ansatz, der bei Kindern mit Down-Syndrom verfolgt wird. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Gebärdensammlungen im deutschsprachigen Raum, die für den Einsatz von lautsprachunterstützenden Gebärden (LUG) genutzt werden können. Neben den Gebärden der DGS (z. B. „Der Kestner - Das Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache“, Kestner, 2019) zählen dazu unter anderem Schau doch meine Hände an (Bundesverband evangelische Behindertenhilfe, 2017), MAKATON (Makaton-Deutschland e.V., 2011) sowie die Gebärden-unterstützte Kommunikation (GuK) (Wilken, 2000). Letztere ist in der Förderung von Kindern mit Down-Syndrom besonders verbreitet (Rudolph, 2018; Schmidt-Pfister, 2015). GuK hat das Ziel, die Kommunikation mit Kindern, die hören, aber (noch) nicht sprechen, zu erleichtern und den Spracherwerb der Kinder zu unterstützen. Die Unterstützung durch Gebärden soll nur so lange erfolgen, bis die Kinder sich ausreichend verbal verständigen können (Wilken, 2022). Daher ist der Umfang der GuK-Gebärdensammlung begrenzt. Sie umfasst 200 Gebärden: einen Grundwortschatz von 100 Gebärden sowie einen Aufbauwortschatz von weiteren 100 Gebärden. Bei der Auswahl des Grundvokabulars wurden die motorischen Fähigkeiten sowie Bedürfnisse von kleinen Kindern und ihre Lebenswelt berücksichtigt. Falls erforderlich, kann eine Ergänzung durch Gebärden aus anderen Sammlungen oder durch eigene Zeichen erfolgen (Wilken, 2022). Der Einsatz der Gebärden wird ab dem Zeitpunkt als sinnvoll erachtet, ab dem Kinder die Fähigkeit des triangulären Blickkontakts erworben haben, d. h. geteilte Aufmerksamkeit zwischen einer Bezugsperson und einem Ziel, z. B. einem Gegenstand oder einer anderen Person, herstellen können (Wilken, 2022). Einzelne Gebärden werden ausgewählt und von den Bezugspersonen in alltäglichen Situationen, und somit natürlichen Handlungskontexten, begleitend zur verbalen Kommunikation eingesetzt. Dadurch kann das Kind eine Verbindung zwischen der Gebärde, dem Wort und dem Bezeichneten herstellen. Die Erweiterung der Gebärden erfolgt nach und nach. VHN plus 4 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Der Einsatz von LUG wie GuK bei Kindern mit Down-Syndrom baut auf ihrer Stärke im Gestengebrauch auf und bringt darüber hinaus weitere Vorteile mit sich. Menschen mit Down- Syndrom weisen häufig eine Schwäche im verbalen Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis auf (Godfrey & Lee, 2018). Das bedeutet, dass die kurzzeitige Speicherung bzw. Aufrechterhaltung verbaler Informationen eine Herausforderung darstellt. Es wird angenommen, dass diese Fähigkeit eine Rolle im Erwerb und bei der Verarbeitung von Sprache spielt (Baddeley, Gathercole & Papagno, 1998), weshalb die Einschränkungen in diesem Bereich auch mit den sprachlichen Schwierigkeiten von Menschen mit Down-Syndrom in Verbindung gebracht werden. In Relation zur Einschränkung im verbalen Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis gilt die visuellräumliche Verarbeitung als Stärke (Grieco, Pulsifer, Seligsohn, Skotko & Schwartz, 2015). Durch den Einbezug der visuellen Modalität bei der Verwendung von LUG kann die Stärke in der visuell-räumlichen Verarbeitung bei Menschen mit Down-Syndrom genutzt und die Schwäche im auditiven Bereich kompensiert werden. Die Gebärden können eine zusätzliche Wahrnehmungs- und Merkhilfe darstellen und auch die Unterscheidung von ähnlichen Wörtern erleichtern (Wilken, 2022). Da LUG meist ikonisch sind, werden semantische Bezüge geschaffen. Der Einsatz von LUG kann darüber hinaus für eine erhöhte wechselseitige Aufmerksamkeit sorgen und geht häufig auch mit einer Reduktion des Sprechtempos und einer Betonung der gebärdeten Wörter einher (Maydell et al., 2020). Die genannten Aspekte tragen dazu bei, dass LUG eine Unterstützung für das Sprachverständnis darstellen, aber auch den Erwerb von Wörtern erleichtern können. Die Produktion von Gebärden fällt Kindern mit Down-Syndrom häufig zunächst leichter als die Artikulation von Wörtern. Die Gebärden können somit die kommunikativen Möglichkeiten erweitern. Sie können den Kindern helfen, ihre Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen, und den Eltern, diese zu verstehen, und somit auf beiden Seiten für positive Kommunikationserlebnisse sorgen (ebd.). Ungeachtet dieser Vorteile gibt es jedoch mitunter Bedenken, dass der Einsatz von Gebärden die lautsprachliche Entwicklung hemmen und sich negativ auf den Spracherwerb auswirken könnte, indem zum Beispiel der Aufbau eines lautsprachlichen Wortschatzes verhindert wird (Kiesel, Mees & Sarimski, 2009; Krause- Burmester, 2012; Wilken, 2022). 1.2 Forschung zur Förderung mit Gebärden Trotz des verbreiteten Einsatzes von LUG in der Frühförderung von Kindern mit Down-Syndrom ist die Anzahl an Wirksamkeitsstudien begrenzt. Im internationalen Raum wurde eine bemerkenswerte längsschnittliche Untersuchung von Launonen (1996) in Finnland durchgeführt. In dieser wurde die Wirkung eines Elterntrainings zum Gebrauch von LUG untersucht. 24 Familien mit je einem Kind mit Down-Syndrom, aufgeteilt in eine Interventionsgruppe (n = 12) und eine Kontrollgruppe (n = 12), nahmen an der Studie teil. Über einen Zeitraum von 2 ½ Jahren lernten die Eltern der Interventionsgruppe sowohl in individuellen Treffen mit einer sprachtherapeutischen Fachkraft als auch in Gruppensitzungen konkrete Gebärden und erhielten Anregungen, wie sie diese zu Hause einsetzen können. Die Kinder dieser Gruppe waren zu Beginn ca. 6 Monate alt. Nach dem Ende des LUG-Trainingsprogramms mit ca. 3 Jahren folgte bei den meisten von ihnen individuelle Sprachtherapie. Die Familien der Kontrollgruppe nahmen nicht an dem Elterntraining teil. Die Kinder dieser Gruppe erhielten ab dem Alter von 2 ½ bis 5 Jahren ebenfalls individuelle Sprachtherapie. Im Alter von drei und vier Jahren wurden der Gebärden- und der lautsprachliche Wortschatz der Kinder in den beiden Gruppen verglichen. VHN plus 5 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Die Kinder der Interventionsgruppe verfügten zu beiden Zeitpunkten nicht nur über einen erheblich größeren Gebärdenwortschatz, sondern auch über deutlich mehr gesprochene Wörter als die Kontrollgruppe. Auch in der Produktion von Wort-, Wort-Gebärde- oder Gebärdenkombinationen war die Interventionsgruppe der Kontrollgruppe überlegen, wobei der Anteil an reinen lautsprachlichen Kombinationen zwischen dem Alter von drei und fünf Jahren zunahm (Launonen, 1996). Die Kinder der Interventionsgruppe verfügten somit sowohl unmittelbar nach Abschluss des Elterntrainings als auch zwei Jahre später über höhere sprachliche Kompetenzen und mehr Kommunikationsmöglichkeiten. Vergleichbare Interventionsstudien zum Einsatz von GuK oder anderen Gebärdensammlungen in der Sprachförderung von Kindern mit Down-Syndrom im deutschsprachigen Raum liegen nach unserem Kenntnisstand nicht vor. Etta Wilken beschreibt jedoch in ihren Veröffentlichungen ihre Erfahrungen aus ihrer langjährigen Arbeit mit Menschen mit Down- Syndrom und deren Familien. Diese deuten auf positive Effekte des Gebärdeneinsatzes hin (u. a. Wilken, 2022). Weitere Hinweise liefert eine querschnittliche Untersuchung von Wagner und Sarimski (2012 b) mit 108 Eltern, deren Kinder mit Down-Syndrom (Alter: 1; 6 bis 7; 1 Jahre) mit der GuK-Methode gefördert wurden. Die Eltern wurden gebeten, in einem Fragebogen anzugeben, welche Wörter aus dem GuK- Grundwortschatz (GuK 1) ihr Kind als gesprochenes Wort und/ oder als Gebärde verwendet. Die Kinder wurden in vier Altersgruppen eingeteilt: 1; 6 - 3; 0 Jahre, 3; 1 - 4; 0 Jahre, 4; 1 - 5; 0 Jahre, mehr als 5; 0 Jahre. Im Mittel nahmen die gesprochenen Wörter aus dem GuK-Grundwortschatz über die vier Altersgruppen hinweg stetig zu. Auch bei den Gebärden ließ sich, mit Ausnahme der höchsten Altersgruppe, eine Zunahme beobachten. In den ersten drei Gruppen war die durchschnittliche Anzahl an gesprochenen Wörtern dabei jeweils geringer als die der Gebärden. In der höchsten Altersgruppe drehte sich das Verhältnis um. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Kinder mit zunehmender Anzahl gesprochener Wörter weniger auf Gebärden für die Kommunikation zurückgreifen. Eine Teilgruppe von 18 Kindern konnte durch eine zweite Erhebung des lautsprachlichen und Gebärdenwortschatzes aus GuK 1, welche nach 20 Monaten stattfand, auch längsschnittlich untersucht werden (Wagner & Sarimski, 2012 a). Bei der ersten Datenerhebung waren die Kinder im Durchschnitt 3; 7 Jahre alt und zum zweiten Zeitpunkt 5; 4 Jahre. Im Gruppenmittel zeigte sich ebenfalls eine Zunahme der gesprochenen Wörter und eine Abnahme der aktiv verwendeten Gebärden über den Untersuchungszeitraum. Eine signifikante negative Korrelation zwischen der Anzahl der Gebärden und der Anzahl der gesprochenen Wörter deutet ebenso wie die Querschnittsdaten darauf hin, dass die Kinder umso weniger Gebärden einsetzen, je mehr gesprochene Wörter sie verwenden (ebd.). Die Ergebnisse legen eine positive Auswirkung der Gebärden auf die Sprachentwicklung nahe. Wie Wagner und Sarimski (2012 a) selbst anmerken, lässt sich dies jedoch nicht eindeutig schließen, da es sich nicht um eine kontrollierte Studie handelt und die Kinder abgesehen von der Förderung mit Gebärden überwiegend auch eine logopädische Behandlung erhielten. Jedoch lässt sich aus den beiden Studien von Wagner und Sarimski schlussfolgern, dass durch die Gebärdenverwendung der Aufbau eines lautsprachlichen Wortschatzes nicht verhindert wird (Wagner & Sarimski, 2012 a; 2012 b). Neben einer förderlichen Wirkung von LUG auf die produktive Sprachentwicklung wird auch eine Unterstützung des Sprachverständnisses durch die Gebärdenverwendung angenommen. Eine querschnittliche Untersuchung von Rudolph (2018) widmet sich dieser Annahme. An der Studie nahmen 41 Kinder mit Intelligenzminderung im Alter von 4 bis 10 Jahren teil, darunter 12 Kinder mit Down-Syndrom. Im Abstand von vier Wochen wurde mit den VHN plus 6 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Kindern jeweils eine Sprachverständnisüberprüfung mit Items aus standardisierten Sprachverständnistests, die auf dem Bildauswahlverfahren beruhen, durchgeführt - einmal mit und einmal ohne LUG, wobei die Reihenfolge randomisiert variiert wurde. Die Gebärden wurden aus der GuK-Sammlung und der DGS entnommen. Sowohl im Wortals auch im Satzverständnis profitierten die Kinder von dem Gebärdeneinsatz, unabhängig von der Ursache der Intelligenzminderung, dem Alter sowie den sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten (ebd.). Die bisherigen Studien zeigen, dass Kinder, die mit LUG gefördert werden, in der Regel sowohl einen Gebärdenals auch einen lautsprachlichen Wortschatz aufbauen und beides zur Kommunikation nutzen, wobei die Auswertung der Wortschatzlisten nahelegt, dass der Gebärdengebrauch mit zunehmenden lautsprachlichen Fähigkeiten abnimmt (Wagner & Sarimski, 2012 a; 2012 b). Entgegen der oben erwähnten, häufig bestehenden Bedenken liefern die Ergebnisse somit keinerlei Anhaltspunkte für eine hemmende Wirkung der Gebärden auf den Lautspracherwerb. Aus den bisherigen Daten geht allerdings nicht direkt hervor, ob die Kinder im Alltag primär mit Gebärden oder mit Lautsprache kommunizieren bzw. ob sie beides miteinander kombinieren. Einer Elternbefragung von Krause-Burmester (2012) mit 18 Teilnehmenden lässt sich diesbezüglich lediglich entnehmen, dass etwa die Hälfte der Kinder Gebärden im Alltag ohne Lautbegleitung einsetzte und die andere Hälfte Gebärden zusammen mit lautsprachlichen Äußerungen verwendete. Außerdem gaben die Eltern an, dass den meisten Kindern das Erlernen der Gebärden leichtfiel, und ein Großteil der Befragten war der Ansicht, dass die Gebärden einen positiven Einfluss auf die Sprachproduktion und/ oder das Sprachverstehen ihrer Kinder hatten (Krause-Burmester, 2012). Wie die Eltern selbst das Erlernen der Gebärden sowie den Einsatz im Alltag empfinden, geht aus dieser und den zuvor beschriebenen Studien nicht hervor. Ebenso fehlen weitere Informationen dazu, wie sie die Auswirkungen auf die Kommunikation mit ihrem Kind wahrnehmen. Damit die verschiedenen Vorteile von Gebärden bestmöglich zum Tragen kommen, sollten Eltern die Gebärden im Alltag möglichst konsequent einsetzen und ggf. auch andere Bezugspersonen dazu motivieren. Wird der Aufwand des Gebärdeneinsatzes als hoch und/ oder der Nutzen als gering empfunden bzw. besteht vorab eine derartige Sorge, so kann sich dies negativ auf die Motivation und den Gebrauch auswirken. 1.3 Fragestellungen Die vorliegende Studie nimmt daher die Perspektive der Eltern stärker in den Fokus. Neben ihren Erfahrungen im Einsatz der Gebärden und den wahrgenommenen Auswirkungen auf die Kommunikation mit ihrem Kind wird der Kommunikationsmodus der Kinder erhoben. Um diesen besser einordnen zu können, erfolgt auch eine Einschätzung des Gebärden- und lautsprachlichen Wortschatzumfangs. Die Erhebung konzentriert sich auf die GuK-Gebärdensammlung, da diese bei Kindern mit geistiger Behinderung besonders häufig eingesetzt wird (Rudolph, 2018; Schmidt-Pfister, 2015). Die Zufriedenheit mit dieser Methode bzw. Gebärdensammlung wird ebenfalls erfragt. Die Fragestellungen lauten somit wie folgt: 1. Wie gelingt es den Eltern und ihren Kindern mit Down-Syndrom, die Gebärden zu erlernen und im Alltag einzusetzen? 2. Wie groß ist der Gebärden- und lautsprachliche Wortschatz der Kinder und in welchem Kommunikationsmodus (Lautsprache, Gebärden, gemischt) kommunizieren sie? 3. Wie schätzen die Eltern die Auswirkungen des Einsatzes von GuK auf die Kommunikation mit ihrem Kind ein? 4. Wie zufrieden sind die Eltern mit GuK? VHN plus 7 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Die Ergebnisse können dazu beitragen, bestehende Vorbehalte gegen den Einsatz von lautsprachunterstützenden Gebärden abzubauen, und Fachpersonen dabei helfen, Eltern fundiert zu beraten. 2 Methode 2.1 Erhebungsinstrument Die Erhebung der Daten erfolgte durch eine Online-Befragung. Dafür wurde die Plattform „Qualtrics“ verwendet. Um die zuvor genannten Forschungsfragen zu beantworten, wurden insgesamt 29 Fragen zu den folgenden Themenbereichen entwickelt: (i) Aneignung der Gebärden und Einsatz von GuK im Alltag der Befragten, (ii) Wortschatz- und Gebärdenumfang sowie Kommunikationsmodus des Kindes (rein lautsprachlich, eine Kombination aus Lautsprache und Gebärden oder ausschließlich mit Gebärden), (iii) Qualität der Kommunikation mit dem Kind vor und nach der Einführung von GuK sowie (iv) Bewertung der GuK-Methode. Weitere Fragen dienten der Stichprobenbeschreibung (Verhältnis der befragten Person zum Kind, Alter des Kindes mit Down-Syndrom zum Zeitpunkt der Befragung und bei der Einführung von GuK, Quelle für GuK, sonstige Förderung oder Therapie). Zur Beantwortung der Fragen wurde überwiegend ein geschlossenes Antwortformat vorgegeben. Zum Teil folgte je nach Antwort eine weiterführende Frage oder es konnten ergänzende Freitextantworten gegeben werden. Dies sollte vertiefende Einblicke in die persönlichen Erfahrungen, Wahrnehmungen und Bewertungen der Befragten ermöglichen. Der Fragebogen kann unter https: / / www.hf.uni-koeln.de/ 36193 eingesehen und heruntergeladen werden. Die Erhebung der Daten erfolgte vollständig anonym. 2.2 Stichprobe Die Stichprobe bestand aus Eltern oder Erziehungsberechtigten von Kindern mit Down- Syndrom. Voraussetzung für den Einschluss war, dass aktuell GuK-Gebärden in der Kommunikation mit dem Kind genutzt werden und der Einsatz seit mindestens sechs Monaten erfolgt. Das Alter der Kinder sollte mindestens 18 Monate betragen. Zur Gewinnung der Stichprobe wurden sechs Frühförderzentren und zwei Therapieeinrichtungen sowie das deutsche Down-Syndrom InfoCenter angeschrieben und gebeten, den Fragebogenlink zu verbreiten. Außerdem wurde der Link über soziale Netzwerke geteilt, zum einen über das Instagram-Profil einer deutschen Sprachtherapeutin, welche sich auf die Sprachförderung von Kindern mit Down- Syndrom spezialisiert hat, und zum anderen in den Online-Gruppen „Down-Syndrom Netzwerk Deutschland“ und „Down-Syndrom Österreich Gruppe“ des sozialen Netzwerks „Facebook“. Insgesamt nahmen 116 Personen an der Befragung teil. In die Auswertung einbezogen wurden alle Fragebögen, die die Einschlusskriterien erfüllten und bis zum Ende ausgefüllt wurden, wobei einzelne Antworten zwischendurch fehlen konnten. Dadurch verblieben 70 auswertbare Fragebögen. In 65 Fällen war die ausfüllende Person die Mutter, vier Mal füllte der Vater den Bogen aus und einmal eine sonstige erziehungsberechtigte Person. Das Alter der Kinder zum Zeitpunkt der Erhebung variierte zwischen 1; 6 Jahren (Jahre; Monate) und 9; 7 Jahren (M = 4; 5 Jahre). Die Einführung von GuK erfolgte überwiegend bereits sehr früh (im Mittel mit 1; 5 Jahren), bei der Hälfte der Befragten im ersten Lebensjahr der Kinder. In einem Fall wurden in der Familie bereits ab Geburt Gebärden eingesetzt. Das älteste Kind war bei Einführung der Gebärden 6; 2 Jahre alt. VHN plus 8 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Die Dauer der Anwendung von GuK bewegte sich zwischen 6 Monaten und 8; 5 Jahren (M = 3; 0 Jahre). 2.3 Datenanalyse Die Auswertung der Daten erfolgte zum einen deskriptiv. Zum anderen wurden an geeigneten Stellen statistische Analysen mit der Software IBM SPSS Statistics (Version 28) durchgeführt. Da die Daten nicht die Voraussetzungen für parametrische Verfahren erfüllen, wurden folgende nicht-parametrische Varianten gewählt: Wilcoxon-Tests, um zwei abhängige Variablen miteinander zu vergleichen, und Korrelationsanalysen nach Spearman zur Überprüfung von Zusammenhängen. Für die Auswertung des Wortschatzumfangs (siehe 3.2) wurden ebenso wie bei Wagner und Sarimski (2012 b) vier Altersgruppen gebildet (18 - 36 Monate, 37 - 48 Monate, 49 - 60 Monate und > 60 Monate), um Altersunterschiede feststellen zu können und einen Vergleich der Ergebnisse zu erleichtern. 3 Ergebnisse 3.1 Aneigung der Gebärden und Einsatz im Alltag 89 % der befragten Eltern (62 von 70) gaben an, dass ihnen das Erlernen der Gebärden leichtfällt. Lediglich 11 % (8 von 70) empfinden es als Herausforderung. Auch 69 % der Kinder mit Down-Syndrom (48 von 70) lernen aus Sicht der Eltern leicht neue Gebärden. Für 31 % der Kinder (22 von 70) erscheint die Aneignung dagegen als herausfordernd. Der Hälfte der Befragten (35 von 70) ist es auch von Beginn an leichtgefallen, die Gebärden in den Alltag zu integrieren. 37 % (26 von 70) hatten zunächst Schwierigkeiten, inzwischen gelingt es ihnen jedoch gut. 13 % gaben an, dass ihnen die Integration der Gebärden in den Alltag schwerfällt. Die Häufigkeit der Nutzung variiert ebenfalls. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden (64 %, 45 von 70) setzt jeden Tag Gebärden ein, jedoch nicht in jedem Gespräch. Letzteres praktizieren 13 % (9 von 70). Ähnlich hoch ist der Anteil der Personen, die Gebärden jede Woche, jedoch nicht jeden Tag verwenden (16 %, 11 von 70). Lediglich 7 % (5 von 70) gaben an, Gebärden weniger als jede Woche zu nutzen. Die Häufigkeit der Anwendung korreliert dabei nicht damit, wie leicht oder herausfordernd die Befragten das Erlernen der Gebärden oder die Integration in den Alltag empfinden (jeweils p > .05). Bei einem Großteil der Stichprobe (81 %, 57 von 70) werden GuK-Gebärden nicht nur in der Kernfamilie, sondern auch darüber hinaus eingesetzt. Zu den weiteren Nutzenden gehören Großeltern, weitere Verwandte und Freunde der Familien, pädagogische Fachkräfte in Kindertagesstätten oder Schulen, Tageseltern sowie Fachkräfte der Frühförderung, Logopädie, Ergo- oder Physiotherapie. Die Quellen, durch die die Eltern auf GuK aufmerksam wurden, waren unterschiedlich. Teilweise handelte es sich um eine Kombination aus mehreren. 61 % der Teilnehmenden (43 von 70) nannten Sprachförderung, -therapie oder Frühförderung als Quelle. 41 % (29 von 70) informierten sich selbst im Internet oder auf anderen Wegen und 20 % (14 von 70) wurden durch Freunde oder Bekannte auf die Gebärden aufmerksam gemacht. Down-Syndrom-Vereine, -netzwerke oder Beratungszentren wurden von 16 % (11 von 70) als Ressource angegeben, und Einzelne nannten andere therapeutische Einrichtungen (Physiotherapie, SPZ) oder die Kindertagesstätte als Quelle. Drei Personen waren durch Studium oder Beruf bereits mit Gebärden vertraut und zwei besuchten gezielt ein Seminar von Etta Wilken. VHN plus 9 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus 3.2 Umfang des Gebärden- und lautsprachlichen Wortschatzes Der Umfang des produktiven lautsprachlichen sowie des rezeptiven und produktiven Gebärdenwortschatzes der Kinder wurde von den Befragten anhand von vier Kategorien eingeschätzt: (1) weniger als 10 Wörter/ Gebärden (2) 10 bis 50 Wörter/ Gebärden (3) 50 bis 100 Wörter/ Gebärden (4) mehr als 100 Wörter/ Gebärden Neben dem Wortschatzumfang zum Zeitpunkt der Erhebung sollten die Eltern auch angeben, ob ihr Kind vor der Einführung von GuK bereits über gesprochene Wörter verfügte, und ggf. die Anzahl anhand der genannten Kategorien nennen. 56 von 70 Kindern (80 %) verwendeten zum Zeitpunkt der Einführung der Gebärden noch keine Lautsprache. Von den anderen 14 Kindern verfügten 12 laut Eltern über einen produktiven Wortschatz von weniger als 10 Wörtern und 2 Kinder produzierten 10 bis 50 gesprochene Wörter. Abbildungen 1 bis 3 zeigen die Einschätzungen der Eltern für den Zeitpunkt der Erhebung. Wie unter 2.3 beschrieben, wurde die Stichprobe dazu in vier Altersgruppen eingeteilt. Bei den rezeptiven und produktiven Gebärden ist die Verteilung auf die vier verschiedenen Kategorien ähnlich, auch über die Altersgruppen hinweg. Der größte Anteil (49 % bzw. 53 % der Gesamtstichprobe) entfällt jeweils auf die Kategorie „10 bis 50 Gebärden“. Betrachtet man den produktiven lautsprachlichen Wortschatz, so beträgt der Umfang bei 40 % der Kinder (28 von 70) weniger als 10 Wörter. 23 % bzw. 29 % der Gesamtstichprobe fallen in die Kategorien „10 bis 50 Wörter“ und „mehr als 100 Wörter“, wobei Letzteres mehrheitlich Kinder mit einem Alter von mehr als 60 Monaten sind. Abb. 1 Umfang der rezeptiv beherrschten Gebärden in den vier Altersgruppen (Alter in Monaten) 100 % 90 % 80 % 70 % 60 % 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0 % 18 -36 M. 37 -48 M. 49 -60 M. > 60 M. (n =20) (n =14) (n =13) (n =23) n < 10 Gebärden n 10 -50 Gebärden n 50 -100 Gebärden n > 100 Gebärden 65 % 36 % 54 % 39 % 10 % 15 % 10 % 21 % 43 % 23 % 23 % 26 % 26 % 9 % VHN plus 10 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Abb. 2 Umfang der produktiv beherrschten Gebärden in den vier Altersgruppen (Alter in Monaten) 100 % 90 % 80 % 70 % 60 % 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0 % 18 -36 M. 37 -48 M. 49 -60 M. > 60 M. (n =20) (n =14) (n =13) (n =23) n < 10 Gebärden n 10 -50 Gebärden n 50 -100 Gebärden n > 100 Gebärden 60 % 50 % 62 % 43 % 5 % 10 % 25 % 21 % 29 % 15 % 23 % 4 % 35 % 17 % Abb. 3 Umfang des produktiven lautsprachlichen Wortschatzes in den vier Altersgruppen (Alter in Monaten) 100 % 90 % 80 % 70 % 60 % 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0 % 18 -36 M. 37 -48 M. 49 -60 M. > 60 M. (n =20) (n =14) (n =13) (n =23) n < 10 Wörter n 10 -50 Wörter n 50 -100 Wörter n > 100 Wörter 29 % 31 % 26 % 5 % 10 % 85 % 29 % 14 % 23 % 15 % 52 % 9 % 13 % 31 % 29 % VHN plus 11 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Entsprechend dieser deskriptiven Beobachtungen gibt es eine hohe Korrelation zwischen den rezeptiv und produktiv beherrschten Gebärden (r s (68) = .817, p < .001). Der rezeptive und der produktive Gebärdenwortschatz korrelieren ebenfalls jeweils signifikant mit der Anzahl der gesprochenen Wörter, wenn auch weniger stark als die rezeptiven und produktiven Gebärden untereinander (rezeptive Gebärden - gesprochene Wörter: r s (68) = .362, p = .002; produktive Gebärden - gesprochene Wörter: r s (68) = .409, p < .001). Das heißt, ein höherer Gebärdenumfang (rezeptiv und produktiv) geht auch mit einem höheren lautsprachlichen Wortschatz einher. Keinen signifikanten Zusammenhang gibt es zwischen den Gebärdenmaßen und dem Alter der Kinder oder der Häufigkeit, mit der die Eltern die Gebärden verwenden (p jeweils > .05). Dagegen fällt die Korrelation zwischen dem produktiven lautsprachlichen Wortschatz und dem Alter signifikant aus (r s (68) = .537, p < .001). Mit ansteigendem Alter nimmt der Anteil an Kindern mit einem Wortschatzumfang von über 100 gesprochenen Wörtern zu. Die Dauer der Anwendung von GuK korreliert signifikant mit allen drei Wortschatzmaßen (rezeptive Gebärden: r s (68) = .332, p = .005; produktive Gebärden: r s (68) = .255, p = .033; gesprochene Wörter: r s (68) = .576, p = .001). Je länger GuK bereits verwendet wird, desto größer fallen sowohl der Gebärdenals auch der lautsprachliche Wortschatz aus. Betrachtet man das Verhältnis von produktiven Gebärden und gesprochenen Wörtern, so wird deutlich, dass sich dieses Verhältnis mit zunehmendem Alter umkehrt (Tab. 1). Während in den beiden jüngeren Altersgruppen der größte Anteil jeweils über mehr Gebärden als gesprochene Wörter verfügt, ist in der dritten Altersgruppe die Verteilung über die drei Möglichkeiten relativ ausgeglichen. Bei den über 5-Jährigen hingegen ist bei einem Großteil der produktive lautsprachliche Wortschatz größer als der produktive Gebärdenumfang. 3.3 Kommunikationsmodus Zur Einschätzung des Kommunikationsmodus der Kinder zum Zeitpunkt der Erhebung standen den Befragten fünf Möglichkeiten zur Auswahl: (1) ausschließlich mit Gebärden (2) primär mit Gebärden, aber vereinzelt gesprochene Wörter (3) weitgehend ausgewogene Kombination aus Lautsprache und Gebärden (4) primär lautsprachlich, aber vereinzelt Verwendung von Gebärden (5) ausschließlich lautsprachlich Wenn das Kind zu einem früheren Zeitpunkt einen anderen Kommunikationsmodus verwendet hat, sollte dieser auch angegeben werden. Abbildung 4 zeigt die Ergebnisse. Ein Kind fehlt in der Darstellung, da im Fragebogen zwar ausgewählt wurde, dass es eine Veränderung des Kommunikationsmodus gab, aber keine Angabe zum vorherigen gemacht wurde. Zum Zeitpunkt der Erhebung kommunizierte das Kind primär mit Gebärden. Anzahl Kinder, bei denen Alter (in Monaten) ➞ Gebärden > Wörter Gebärden = ^ Wörter Gebärden < Wörter 18 -36 37 -48 49 -60 > 60 12 8 5 5 8 3 5 2 0 3 3 16 Tab. 1 Vergleich des Umfangs an produktiven Gebärden und gesprochenen Wörtern VHN plus 12 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Insgesamt verwendete ein Großteil der Kinder (81 %, 56 von 69) zum Zeitpunkt der Erhebung sowohl Gebärden als auch Lautsprache zur Kommunikation, allerdings in unterschiedlichem Verhältnis. Die Hälfte der Kinder (35 von 69) kommunizierte primär oder ausschließlich lautsprachlich, etwa ein Drittel (22 von 69) nutzte vorwiegend oder ausschließlich Gebärden. Zu einem früheren Zeitpunkt traf Letzteres dagegen auf etwa zwei Drittel der Kinder zu (45 von 69) und nur 13 von 69 Kindern (19 %) verwendeten primär oder ausschließlich die Lautsprache. Entsprechend zeigen 43 % der Kinder (30 von 69) eine Veränderung hin zu mehr lautsprachlicher Kommunikation. Bei fünf Kindern (7 %) nimmt der Gebärdengebrauch zu und 34 Kinder (49 %) weisen keine Veränderung auf. Schaut man sich den Kommunikationsmodus in Abhängigkeit von der Größe des produktiven lautsprachlichen Wortschatzes an (Abb. 5), so lässt sich feststellen, dass mit zunehmendem Umfang an gesprochenen Wörtern auch der Anteil der lautsprachlichen Kommunikation zunimmt. Während bei etwa zwei Dritteln der Kinder mit einem produktiven Wortschatz von weniger als zehn Wörtern zum Zeitpunkt der Erhebung (19 von 28) die Kommunikation ausschließlich oder primär über Gebärden erfolgte, nutzten 90 % der Kinder mit mehr als 100 Wörtern (18 von 20) primär oder ausschließlich Lautsprache. Auch bei einem produktiven lautsprachlichen Wortschatz von 50 bis 100 Wörtern machten lautsprachliche Äußerungen mindestens die Hälfte der Kommunikation aus. Dieser Zusammenhang zwischen Kommunikationsmodus und produktivem lautsprachlichem Wortschatz zeigt sich auch in einer signifikanten Korrelation der beiden Variablen (r s (68) = .583, p < .001). Abb. 4 Kommunikationsmodus der Kinder (n = 69) 100 % 90 % 80 % 70 % 60 % 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0 % früherer Zeitpunkt zum Zeitpunkt der Erhebung n nur Gebärden n primär Gebärden n ausgewogen n primär lautsprachlich n nur lautsprachlich 10 % 9 % 16 % 48 % 17 % 10 % 41 % 17 % 23 % 9 % 17 % VHN plus 13 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus 3.4 Auswirkungen des Einsatzes von GuK auf die Kommunikation Die Teilnehmenden sollten bewerten, wie gut sie ihr Kind vor und nach der Einführung von GuK verstanden haben. Ebenso sollten sie einschätzen, wie gut sich ihr Kind vorher und nachher verstanden gefühlt hat. Die Ergebnisse sind in den Tabellen 2 und 3 dargestellt. Durch das Aufbzw. Abrunden der Prozentwerte auf ganze Zahlen addieren sich diese nicht immer exakt auf 100 %. Es liegen jeweils nicht von allen Befragten Daten vor, da zum Teil bei einzelnen Fragen keine Angabe gemacht wurde. 83 % der Befragten (54 von 65) sind der Meinung, dass die Gebärden ihnen geholfen haben, die Mitteilungen des Kindes besser zu verstehen (Tab. 2, hellgrau hinterlegte Zellen, linke Spalte). Allerdings gaben davon 19 Personen an, dass sie auch vorher schon fast immer verstanden haben, was ihr Kind ihnen mitteilen wollte. Etwa die Hälfte der Befragten (54 %, 32 von 65) nimmt auch bei den Kindern eine positive Veränderung wahr und meint, dass sich das Kind nach der Einführung von GuK besser verstanden fühlt (Tab. 3, hellgrau hinterlegte Zellen). 45 % (29 von 65) sehen diesbezüglich keine Veränderung (dunkelgrau hinterlegte Zellen). Hinsichtlich der Menge der Kommunikation haben 85 % der Befragten (58 von 70) den Eindruck, dass ihr Kind nach der Einführung von GuK mehr mit ihnen kommuniziert. 15 % (12 von 70) haben in dieser Hinsicht keine Veränderung wahrgenommen. Fast alle (94 %, 66 von 70) sind der Ansicht, dass die Einführung von GuK einen positiven Einfluss auf die Qualität der Kommunikation zwischen ihnen und ihrem Kind hatte. Und 93 % (65 von 70) glauben, dass die Gebärden auch außerhalb der Familie hilfreich sind, ggf. auch in der Kommunikation mit Menschen, die nicht mit den Gebärden vertraut sind. 100 % 90 % 80 % 70 % 60 % 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0 % < 10 Wörter 10 -50 Wörter 50 -100 Wörter < 100 Wörter (n = 28) (n = 16) (n = 6) (n = 20) n nur Gebärden n primär Gebärden n ausgewogen n primär lautsprachlich n nur lautsprachlich 7 % 18 % 7 % 46 % 21 % 6 % 31 % 38 % 25 % 17 % 50 % 33 % 15 % 75 % 10 % Abb. 5 Kommunikationsmodus der Kinder in Abhängigkeit vom Umfang an gesprochenen Wörtern VHN plus 14 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus nach Einführung von GuK Die Gebärden haben dazu beigetragen, dass ich besser verstehe, was mein Kind mir mitteilen möchte. Ich habe weiterhin häufig Schwierigkeiten zu verstehen, was mein Kind mir mitteilen möchte. Keine Veränderung. Ich habe bereits vorher meist verstanden, was mein Kind mir mitteilen will. v o r E i n f ü h r u n g v o n G u K Ich hatte große Schwierigkeiten zu verstehen, was mein Kind mir mitteilen wollte. 15 2 0 Ich habe mindestens genauso oft verstanden, was mein Kind mir mitteilen wollte, wie ich es nicht verstanden habe. 20 1 0 Ich habe fast immer verstanden, was mein Kind mir mitteilen wollte. 19 0 7 Tab. 2 Bewertung des Kommunikationserfolgs - Seite der Eltern (Absolute Anzahl Befragte) nach Einführung von GuK Es ist oft frustriert und fühlt sich nicht verstanden. Es fühlt sich mindestens genauso oft verstanden, wie es sich nicht verstanden fühlt. Es fühlt sich meistens verstanden. v o r E i n f ü h r u n g v o n G u K Es war oft frustriert und hat sich nicht verstanden gefühlt. 0 4 12 Es hat sich mindestens genauso oft verstanden gefühlt, wie es sich nicht verstanden gefühlt hat. 1 11 16 Es hat sich meistens verstanden gefühlt. 0 5 18 Tab. 3 Bewertung des Kommunikationserfolgs - Seite der Kinder (nach Einschätzung der Eltern) (Absolute Anzahl Kinder) VHN plus 15 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus 3.5 Zufriedenheit mit GuK Die Gesamtzufriedenheit mit der GuK-Methode bzw. der Gebärdensammlung sollte auf einer Skala von 1 = gar nicht zufrieden bis 10 = sehr zufrieden angegeben werden. In Abbildung 6 ist zu sehen, dass die Zufriedenheit insgesamt sehr hoch ausfällt. Auch die Frage, ob sie GuK weiterempfehlen würden, wurde von allen bis auf zwei Personen bejaht. Die Zufriedenheit mit dem Umfang der GuK- Gebärden fällt etwas geringer aus. 59 % der Teilnehmenden (41 von 70) halten den Umfang für ausreichend. 41 % (29 von 70) empfinden die Anzahl der Gebärden hingegen als unzureichend. Nicht nur Letztere ergänzen die GuK- Gebärden durch weitere. Insgesamt 73 % der Teilnehmenden (51 von 70) gaben an, auch andere Gebärden zu verwenden. Dabei handelt es sich um Gebärden der Deutschen Gebärdensprache (DGS), oberösterreichische oder deutschschweizerische Gebärden sowie selbst erdachte Gebärden. 4 Diskussion Die vorliegende Studie untersucht den Einsatz von GuK-Gebärden zur Förderung der Sprach- und Kommunikationsentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom sowie die Auswirkungen auf die Kommunikationsmöglichkeiten der Kinder und nimmt dabei die Perspektive der Eltern in den Blick. Befragt wurden 70 Personen, die überwiegend bereits über mehrjährige Erfahrung in der Verwendung von GuK verfügen. 4.1 Erfahrungen mit dem Erlernen der Gebärden und dem Einsatz im Alltag Das Erlernen der Gebärden fällt den Eltern und, nach ihrer Einschätzung, auch ihren Kindern mit Down-Syndrom mehrheitlich leicht. Dabei wurde allerdings nicht erfragt, ob die Aneignung der Gebärden eigenständig oder unter Anleitung erfolgt. Da 60 % der Befragten jedoch angegeben haben, dass sie durch Sprachförderung, -therapie oder Frühförderung auf GuK aufmerksam geworden sind, ist anzunehmen, dass sie durch diese auch zumindest in einem gewissen Ausmaß professionell angeleitet wurden. Dies gilt ebenso für die beiden Personen, die ein Seminar von Etta Wilken besuchten. Der Einsatz der Gebärden im Alltag erfolgt ebenfalls überwiegend ohne Schwierigkeiten bzw. es bestanden solche lediglich zu Beginn. 40 % 35 % 30 % 25 % 20 % 15 % 10 % 5 % 0 % 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 1 % 0 % 1 % 1 % 1 % 7 % 16 % 21 % 16 % 34 % 5 11 15 11 24 Abb. 6 Zufriedenheit mit GuK (1 = gar nicht zufrieden, 10 = sehr zufrieden) VHN plus 16 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Die Gebärden werden meist täglich verwendet, wenn auch nicht in jedem Gespräch. Dies ist im Einklang mit Angaben zur Regelmäßigkeit der Gebärdennutzung in unterschiedlichen Alltagssituationen in einer Elternbefragung von Kiesel, Mees und Sarimski (2009), die zeigten, dass die Eltern nicht in allen Situationen Gebärden konsequent einsetzen. Dies scheint für den Erwerb der Gebärden durch die Kinder auch nicht primär entscheidend zu sein. Die Häufigkeit der Verwendung durch die Eltern stand in der vorliegenden Untersuchung nicht im Zusammenhang mit dem Umfang des Gebärdenwortschatzes der Kinder. Ebenso wenig konnte Krause-Burmester (2012) eine Beziehung zwischen der Anzahl der Gebärdenkommunikationspartner: innen im Umfeld der Kinder, welche sich ebenfalls auf die Häufigkeit des Gebärdeneinsatzes gegenüber dem Kind auswirken könnte, und dem rezeptiven oder produktiven Gebärdenwortschatz feststellen. Entscheidender sind vermutlich die Frequenz, mit der einzelne Gebärden sprachbegleitend eingesetzt werden, und die Qualität des Gebärden- und Lautsprachangebots sowie des Interaktionsverhaltens der Bezugspersonen. Diverse Studien deuten darauf hin, dass das Interaktionsverhalten von Eltern einen bedeutenden Einfluss auf die sprachliche Entwicklung von Kindern mit und ohne Verzögerung oder Störung derselben ausübt (Levickis, Reilly, Girolametto, Ukoumunne & Wake, 2014; Madigan et al., 2019). Dabei hat sich ein responsiver Interaktionsstil als günstig erwiesen. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass die Eltern die Initiativen und (non)verbalen Äußerungen ihrer Kinder sensibel wahrnehmen und prompt sowie angemessen darauf reagieren. Zudem wenden sie sprachlernunterstützende Strategien wie etwa Fragen oder Erweiterungen der kindlichen Äußerungen an (Buschmann, 2020). Um die Auswirkungen des Einsatzes von lautsprachunterstützenden Gebärden noch genauer zu erforschen, wäre es daher hilfreich, in zukünftigen Studien sowohl die Quantität als auch die Qualität des Lautsprach- und Gebärdenangebots zu erheben und zusätzlich das Interaktionsverhalten zu erfassen. 4.2 Wortschatzumfang und Kommunikationsmodus Vor der Einführung der GuK-Gebärden verwendeten die meisten Kinder noch keine lautsprachlichen Äußerungen oder verfügten nur über einen geringen produktiven Wortschatz. Zum Zeitpunkt der Befragung produzierten 40 % der Kinder weiterhin weniger als zehn Wörter. Etwa 30 % verfügten dagegen über einen lautsprachlichen Wortschatz von über 100 Wörtern. Die Spannbreite ist somit relativ groß. Dies entspricht einerseits der allgemein beobachteten großen Variabilität der sprachlichen Fähigkeiten von Menschen mit Down- Syndrom (Martin, Klusek, Estigarribia & Roberts, 2009) und kann andererseits durch die breite Altersspanne der Kinder erklärt werden, die von eineinhalb bis fast zehn Jahren reicht. Es besteht eine positive Korrelation zwischen der Anzahl an gesprochenen Wörtern und dem Alter. Die Mehrheit der Kinder mit einem produktiven Wortschatz von weniger als 10 Wörtern gehörte der jüngsten Altersgruppe zwischen 18 und 36 Monaten an, während die Kinder mit dem größten Umfang an gesprochenen Wörtern mehrheitlich über fünf Jahre alt waren. Unterschiede in Abhängigkeit vom Alter gab es auch im Verhältnis von produktiven Gebärden und gesprochenen Wörtern. Es konnte beobachtet werden, dass sich dieses mit dem Alter der Kinder ändert. Während die unter Dreijährigen in der vorliegenden Untersuchung mehrheitlich über mehr Gebärden als gesprochene Wörter verfügten, verhielt es sich bei den über Fünfjährigen umgekehrt. Dies stimmt mit der Studie von Wagner und Sarimski (2012 b) überein, in der die Kinder VHN plus 17 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus ebenfalls ab dem Alter von fünf Jahren mehr gesprochene Wörter als Gebärden verwendeten, während vorher die Gebärden überwogen. Anders als der lautsprachliche Wortschatz steigt der Gebärdenwortschatz somit nicht mit zunehmendem Alter kontinuierlich weiter an. Ein möglicher Grund hierfür wird deutlich, wenn man betrachtet, womit die Kinder im Alltag primär kommunizieren. Dies wurde von den Eltern gesondert erfragt. Etwa 80 % der Kinder nutzten zum Zeitpunkt der Erhebung sowohl Gebärden als auch Lautsprache zur Kommunikation. Dabei variierte jedoch der jeweilige Anteil. Es zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen dem geschätzten Umfang des gesprochenen Wortschatzes und dem Anteil an Lautsprache an der Kommunikation. Dazu passt auch, dass 43 % der Befragten angegeben haben, dass sich der Kommunikationsmodus der Kinder mit der Zeit verändert und der Anteil an Lautsprache zugenommen hat. Umgekehrt bedeutet das, dass mit zunehmenden lautsprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten der Gebärdengebrauch abnimmt - und damit auch die Notwendigkeit, neue Gebärden zu erlernen. Möglicherweise reagieren die Eltern zudem auf die fortschreitenden lautsprachlichen Kompetenzen mit einer Reduktion des Gebärdenangebots, was ebenfalls dazu beitragen könnte, dass der Gebärdenwortschatz nicht weiter zunimmt. Auch in der Studie von Krause-Burmester (2012) berichteten die Eltern von einem Rückgang des Lernens und Einsatzes von Gebärden bei ihren Kindern mit fortschreitender Sprachentwicklung und zunehmender Sprachproduktion. Darmer (2020) schreibt mit Verweis auf eine Fortbildung bei Etta Wilken, dass der kompensatorische Einsatz von Gebärden in der Regel bis zu einem produktiven Wortschatz von 100 Wörtern erfolgt. Die vorliegende Untersuchung zeigt zwar, dass einige Kinder auch bereits bei einem geringeren Wortschatz eine Präferenz für die Lautsprache zeigen. Ab einem Umfang von 100 gesprochenen Wörtern kommt es jedoch in Übereinstimmung mit der obenstehenden Aussage nicht mehr zu einer Bevorzugung von Gebärden. Im Einklang mit vorherigen Studien (Krause-Burmester, 2012; Wagner & Sarimski, 2012 a; 2012 b) zeigen die vorliegenden Ergebnisse somit, dass die Sorge, die Nutzung von Gebärden könnte negative Folgen für den Lautspracherwerb haben, unbegründet ist. 4.3 Auswirkungen auf die Kommunikation und Zufriedenheit mit GuK Da viele Kinder in der vorliegenden Untersuchung vor Einführung der Gebärden über keine oder nur sehr wenig Lautsprache verfügten, ist zu vermuten, dass sie sich primär über Mimik und Gestik verständigten. Die damit zur Verfügung stehenden Ausdrucksmöglichkeiten sind begrenzt. Dementsprechend geben knapp zwei Drittel der Eltern an, dass sie zu dieser Zeit große Schwierigkeiten hatten zu verstehen, was ihr Kind ihnen mitteilen wollte, bzw. dass sie die Mitteilungen ihres Kindes nur in etwa der Hälfte der Fälle verstanden. Auch die Kinder empfanden dies nach Angaben der Eltern häufig so, d. h. sie fühlten sich nicht verstanden, was unter Umständen mit Frustration einherging. Diese Antworten zeigen, dass es in den Familien häufig zu kommunikativen Misserfolgen kam. Fast alle Befragten sind der Ansicht, dass sich die Einführung der Gebärden positiv auf die Kommunikation zwischen ihnen und ihrem Kind ausgewirkt hat. Ein Großteil gibt an, die Äußerungen des Kindes besser verstehen zu können, und viele haben auch den Eindruck, dass sich ihr Kind besser verstanden fühlt. Zudem nehmen die Eltern überwiegend eine Zunahme der Kommunikation des Kindes wahr. Im Einklang mit diesen Beurteilungen ist die Zufriedenheit mit GuK unter den Teilnehmenden sehr hoch und fast alle würden die Methode weiterempfehlen. VHN plus 18 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Folgende Freitext-Antworten illustrieren exemplarisch, was die Befragten an GuK schätzen: „Es macht Freude zu sehen, wie schnell er manche Gebärden annimmt und verwendet und sich dadurch ausdrücken kann. Ich hätte nicht gedacht, dass das so gut und schnell funktioniert.“ „Durch die Gebärden wurde meinem Kind ein Mittel zur Kommunikation in die Hände gelegt, das nicht Lautsprache ist. Es kann mir nun seine Wünsche und Bedürfnisse mitteilen, auch ohne dass ich sie erfragen muss.“ „Es ist wunderbar, ein Mittel zu haben, mit welchem man mit dem Kind kommunizieren kann.“ „Es ist deutlich zu merken, dass unsere Tochter Wörter, die als Gebärden von uns unterstützt werden, schneller in die Lautsprache übernimmt. Außerdem beteiligt sie sich durch die Gebärden an Gesprächen in der Familie. Sie gebärdet bspw. das von uns Gesprochene mit, gebärdet zu Liedern, …GuK macht ihr Spaß.“ „GuK wird mittlerweile fast vollständig von der gesprochenen Sprache ersetzt, hat dafür aber entscheidende Grundlagen gelegt.“ Eine befragte Person merkte allerdings auch an, dass es zwar einen positiven Einfluss gegeben habe, die Hoffnung jedoch größer als die Realität gewesen sei. Nicht ganz zufrieden sind viele der Teilnehmenden mit dem Umfang der GuK-Gebärdensammlung. Ein Großteil nutzt ergänzend andere Gebärden. Hierbei stellt sich jedoch die Frage, ob tatsächlich der Gesamtumfang der Gebärden nicht ausreichend ist oder ob nicht eher bestimmte, für das Kind bzw. die Familie relevante Gebärden fehlen. Für Letzteres spricht, dass nur ein geringerer Anteil der Kinder über einen Wortschatz von mehr als 100 Gebärden verfügt, sodass hinsichtlich der reinen Anzahl bereits GuK 1 ausreichen würde. Da die Bedürfnisse und Interessen der Kinder und Familien jedoch individuell sehr unterschiedlich sein können, ist es gut möglich, dass es mitunter an dazu passenden speziellen Gebärden mangelt. In solchen Fällen ist eine Ergänzung durch andere Gebärden auch vorgesehen (Wilken, 2022). Möchte man eine Kombination aus verschiedenen Sammlungen vermeiden, so kann von vornherein auf eine größere Sammlung bzw. die Gebärden der deutschen oder, je nach Wohnort, einer anderen Gebärdensprache zurückgegriffen werden. Dies ist jedoch nicht pauschal zu empfehlen, da bei der Entscheidung für eine Gebärdensammlung verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Dazu zählt insbesondere, dass eine Verwirrung des Kindes durch unterschiedliche Gebärden vermieden werden sollte. Daher ist es sinnvoll, zunächst zu prüfen, ob im Umfeld des Kindes, z. B. in den Einrichtungen, die das Kind besucht, bereits Gebärdensammlungen verwendet werden, und diese gegebenenfalls ebenfalls zu übernehmen. Darüber hinaus sollen die Gebärden nur eine Brückenfunktion erfüllen und mit der Zeit durch die Lautsprache ersetzt werden. Eine sehr umfangreiche Sammlung erscheint daher nicht zwingend erforderlich. Dies legen auch die Ergebnisse der vorliegenden Studie nahe. 4.4 Limitationen Bei der vorliegenden Erhebung handelt es sich um eine querschnittliche Elternbefragung. Die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder wurden somit nur indirekt und zu einem Zeitpunkt bzw. retrospektiv erfasst. Darüber hinaus ist anzunehmen, dass insbesondere Eltern mit einer positiven Einstellung zur Förderung mit Gebärden, einer hohen Motivation und/ oder bereits positiven Erfahrungen mit Gebärden bereit waren, an der Befragung teilzunehmen. Dies könnte sich auf die Ergebnisse ausgewirkt haben. Relevante Kovariablen, wie z. B. der Bildungshintergrund der Eltern oder mögliche Einflussfaktoren aufseiten der Kinder, VHN plus 19 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus u. a. Intelligenz, Komorbiditäten, Literalität, wurden nicht erfasst. Ein Großteil der Kinder erhält zudem neben der Förderung mit Gebärden auch noch weitere Förderung im sprachlichen Bereich. Unklar ist, inwiefern Gebärden Teil dieser Förderung sind. Ebenso wie in früheren Untersuchungen (Wagner & Sarimski, 2012 a; 2012 b) ist es daher nicht möglich, die genauen Auswirkungen der Verwendung von GuK auf den Lautspracherwerb der Kinder zu bestimmen. Die Ergebnisse sind jedoch mit einer sprachanbahnenden Funktion von LUG vereinbar. Für genauere Aussagen sind kontrollierte Evaluationsstudien notwendig, in denen die sprachlichen Fähigkeiten mit geeigneten Verfahren direkt erfasst werden. Längsschnittliche Studien können genaueren Aufschluss darüber geben, wie sich der Umfang von Gebärden- und lautsprachlichem Wortschatz im Entwicklungsverlauf verändert. Darüber hinaus wurde der Wortschatzumfang in der vorliegenden Studie, anders als bei Wagner und Sarimski (2012 b), nicht anhand einer Wortschatzliste erhoben, sondern die Eltern sollten eine Einschätzung in Kategorien abgeben. Daher ist ein Vergleich der Ergebnisse der Studien sowie auch der Wortschatzmaße untereinander erschwert. Zusätzlich hätte noch erfragt werden können, wie viele Gebärden die Eltern beherrschen und verwenden, um dies in Bezug zum Gebärdenwortschatz der Kinder zu setzen. 5 Fazit Frühe Sprachförderung bei Kindern mit Down- Syndrom ist essenziell und soll der Erweiterung der Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten dienen und somit die Kommunikation zwischen den Kindern und ihren Bezugspersonen erleichtern. Der Einsatz von lautsprachunterstützenden Gebärden wie GuK trägt dazu bei. Die vorliegende Studie bestätigt, dass die Kinder durch die Gebärden ein effektives Kommunikationsmittel erhalten, um sich auszudrücken. Sie kombinieren Gebärden und Lautsprache nach ihren Fähigkeiten und nutzen somit alle verfügbaren Kommunikationswege. Mit fortschreitenden lautsprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten nimmt die Gebärdenverwendung ab. Die Gebärden hemmen somit nicht die lautsprachliche Entwicklung, sondern befördern diese eher, was in zukünftigen Studien noch genauer untersucht werden sollte. Die Eltern nehmen durch die Gebärden positive Veränderungen in der Kommunikation mit ihrem Kind wahr und empfinden diese als Bereicherung. Das Erlernen der Gebärden stellt weder für die Eltern noch für die Kinder eine große Herausforderung dar und auch die Integration in den Alltag gelingt den Eltern überwiegend gut, wenn auch nicht in jeder Situation. Basierend auf diesen Ergebnissen ist die Anleitung der Eltern zum Einsatz von LUG sowie der Einsatz durch Fachpersonen in (heil-)pädagogischen oder therapeutischen Kontexten zu empfehlen. Die GuK-Gebärden stellen hierfür eine geeignete Möglichkeit dar, die von den Eltern in der vorliegenden Untersuchung überwiegend positiv beurteilt wird. Bei der Auswahl einer Gebärdensammlung sind jedoch verschiedene Aspekte abzuwägen. Zukünftig könnte die Entscheidung für eine Sammlung auch durch ein geplantes Datenbankprojekt der Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V. erleichtert werden (für weitere Informationen siehe: https: / / www.gesellschaft-uk.org/ ueberuk/ gebaerden-datenbank.html). Danksagung Die Daten wurden von der Zweitautorin im Rahmen ihrer Bachelorarbeit erhoben. Wir danken allen Teilnehmenden sowie allen, die zur Verbreitung des Fragebogenlinks beigetragen haben. Wir danken auch den beiden anonymen Gutachtenden für ihre wertvollen Kommentare und Anregungen. VHN plus 20 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Literatur Aktas¸, M. (2004). Sprachentwicklungsdiagnostik bei Kindern mit Down-Syndrom: Entwicklung eines diagnostischen Leitfadens zum theoriegeleiteten Einsatz standardisierter Verfahren. Dissertation. Bielefeld: Universität Bielefeld. Abgerufen am 28. 5. 2025 von http: / / pub.unibielefeld.de/ publication/ 2302157 Baddeley, A., Gathercole, S. & Papagno, C. (1998). The phonological loop as a language learning device. Psychological Review, 105 (1), 158 -173. https: / / doi.org/ 10.1037/ 0033-295x.105.1.158 Berglund, E., Eriksson, M. & Johansson, I. (2001). Parental reports of spoken language skills in children with Down syndrome. Journal of Speech, Language, and Hearing Research, 44 (1), 179-191. https: / / doi.org/ 10.1044/ 1092-4388(2001/ 016) Bundesverband evangelische Behindertenhilfe (2017). Schau doch meine Hände an. Reutlingen: Diakonie. Buschmann, A. (2020). Einbezug der Eltern in die Sprachförderung. In S. Sachse, A.-K. Bockmann & A. Buschmann (Hrsg.), Sprachentwicklung. Entwicklung - Diagnostik - Förderung im Kleinkind- und Vorschulalter, 284-307. Berlin: Springer. Darmer, A. (2020). Die Entwicklung eines Wortschatztrainings für Kinder und Jugendliche mit Down Syndrom in der Schule. Dissertation. Leipzig: Universität Leipzig. Abgerufen am 28. 5. 2025 von https: / / nbn-resolving.org/ urn: nbn: de: bsz: 15-qucosa2-721427 Dittmann, F. (2023). Effektivität einer systematischen Elternanleitung zum frühen Gebärdeneinsatz im Vergleich zu einer eintägigen Schulung bei Kindern mit globaler Entwicklungsstörung. Dissertation. Heidelberg: Pädagogische Hochschule Heidelberg. Abgerufen am 28. 5. 2025 von https: / / opus.ph-heidelberg.de/ files/ 1590/ Man telbogen_Dittmann_DruckexemplareBib.pdf Godfrey, M. & Lee, N. R. (2018). Memory profiles in Down syndrome across development. A review of memory abilities through the lifespan. Journal of Neurodevelopmental Disorders, 10 (1), Article 5. https: / / doi.org/ 10.1186/ s11689-017- 9220-y Grieco, J., Pulsifer, M., Seligsohn, K., Skotko, B. & Schwartz, A. (2015). Down syndrome: Cognitive and behavioral functioning across the lifespan. American Journal of Medical Genetics, 169 (2), 135 -149. https: / / doi.org/ 10.1002/ ajmg.c.31439 Hoffmann, K. (2013). Gebärden. In G. Theunissen, W. Kulig & K. Schirbort (Hrsg.), Handlexikon Geistige Behinderung. Schlüsselbegriffe aus der Heil- und Sonderpädagogik, Sozialen Arbeit, Medizin, Psychologie, Soziologie und Sozialpolitik, 141 -142. Stuttgart: Kohlhammer. Kestner, K. (2019). Das große Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache (Version 3.1.0.3). Schauenburg: Verlag Karin Kestner. Kiesel, J., Mees, K. & Sarimski, K. (2009). Frühe Kommunikationsentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom. Variabilität der Spiel- und Sprachfähigkeiten und Erfahrungen bei der Anbahnung von Gebärden. Frühförderung interdisziplinär, 28 (3), 124 -129. Krause-Burmester, M. (2012). Umgang und Einsatz von Gebärden bei Kindern mit Down Syndrom. uk & forschung, 2, 23 -26. Launonen, K. (1996). Enhancing communication skills of children with Down Syndrome: Early use of manual signs. In S. von Tetzchner & M. H. Jensen (Eds.), Augumentative and Alternative Communication. European Perspectives, 213 -231. London: Whurr. Laws, G. & Bishop, D. V. M. (2003). A comparison of language abilities in adolescents with Down syndrome and children with specific language impairment. Journal of Speech, Language, and Hearing Research, 46 (6), 1324 -1339. https: / / doi. org/ 10.1044/ 1092-4388(2003/ 103) Levickis, P., Reilly, S., Girolametto, L., Ukoumunne, O. C. & Wake, M. (2014). Maternal behaviors promoting language acquisition in slow-to-talk toddlers: prospective community-based study. Journal of Developmental and Behavioral Pediatrics, 35 (4), 274-281. https: / / doi.org/ 10.1097/ DBP.0000000000000056 Madigan, S., Prime, H., Graham, S. A., Rodrigues, M., Anderson, N., Khoury, J. et al. (2019). Parenting behavior and child language: A meta-analysis. Pediatrics, 144 (4). https: / / doi.org/ 10.1542/ peds. 2018-3556 Makaton-Deutschland e.V. (2011). Kernvokabular/ Grundvokabular. MAKATONDeutschland. Martin, G. E., Klusek, J., Estigarribia, B. & Roberts, J. E. (2009). Language characteristics of individuals with Down syndrome. Topics in Language Disorders, 29 (2), 112 -132. https: / / doi.org/ 10.1097/ tld.0b013e3181a71fe1 Maydell, D. v., Burmeister, H. & Buschmann, A. (2020). KUGEL - Kommunikation mit unterstützenden Gebärden auf Basis des Heidelberger Elterntrainings. München: Elsevier. VHN plus 21 BERNADETTE WITECY, MARIE-KATHRIEN DERKSEN, MARTINA PENKE Gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom FACH B E ITR AG VHN plus Næss, K.-A. B., Lervåg, A., Lyster, S.-A. H. & Hulme, C. (2015). Longitudinal relationships between language and verbal short-term memory skills in children with Down syndrome. Journal of Experimental Child Psychology, 135, 43 -55. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.jecp.2015.02.004 Oliver, B. & Buckley, S. (1994). The language development of children with Down’s syndrome: First words to two-word phrases. Down Syndrome Research and Practice, 2 (2), 71 -75. https: / / doi. org/ 10.3104/ reports.33 Roberts, J. E., Price, J. & Malkin, C. (2007). Language and communication development in Down syndrome. Mental Retardation and Developmental Disabilities Research Reviews, 13 (1), 26-35. https: / / doi.org/ 10.1002/ mrdd.20136 Rowe, M. L. & Goldin-Meadow, S. (2009). Early gesture selectively predicts later language learning. Developmental Science, 12 (1), 182-187. https: / / doi.org/ 10.1111/ j.1467-7687.2008.007 64.x Rudolph, A. (2018). Wie Hände helfen, Sprache zu verstehen. Der Einfluss von lautsprachunterstützenden Gebärden auf das Sprachverständnis von Kindern mit Intelligenzminderung - eine explorative Untersuchung. Dissertation. München: LMU. Abgerufen am 28. 5. 2025 von https: / / edoc.ub. uni-muenchen.de/ 21993/ 7/ Rudolph_Alisa.pdf Sarimski, K. (2013). Entwicklung des produktiven Wortschatzes von Kindern mit Down-Syndrom. Logos, 21 (4), 248 -254. Sarimski, K. (2018). Entwicklung von Kindern mit Down-Syndrom im frühen Kindesalter. Ergebnisse der Heidelberger Down-Syndrom-Studie. Heidelberg: Universitätsverlag Winter. Schmidt-Pfister, D. (2015). Gebärden Lehren und Lernen heute. In G. Antener, A. Blechschmidt & K. Ling (Hrsg.), UK wird erwachsen. Initiativen in der Unterstützten Kommunikation, 397 -411. Karlsruhe: von Loeper. te Kaat-van den Os, D., Jongmans, M., Volman, C. & Lauteslager, P. (2015). Do gestures pave the way? : A systematic review of the transitional role of gesture during the acquisition of early lexical and syntactic milestones in young children with Down syndrome. Child Language Teaching and Therapy, 31 (1), 71 -84. https: / / doi. org/ 10.1177/ 0265659014537842 Vogt, S. (2007). Zur Rolle von Gesten im Spracherwerb. In J. Tesak (Hrsg.), An den Grenzen der Logopädie, 13 -21. Idstein: Schulz-Kirchner. Wagner, S. & Sarimski, K. (2012 a). Entwicklung des Wortschatzes für Gebärden und Worte bei Kindern mit Down-Syndrom im Verlauf. uk & forschung, 2, 19 -22. Wagner, S. & Sarimski, K. (2012 b). Früher Gebärden- und Spracherwerb bei Kindern mit Down- Syndrom. Sprachheilarbeit, 4, 184-191. Wilken, E. (2000). Die Gebärdenunterstützte Kommunikation - GuK. Leben mit Down-Syndrom, 35, 6 -9. Wilken, E. (2022). Sprachförderung bei Kindern mit Down-Syndrom. Mit ausführlicher Darstellung des GuK-Systems. Stuttgart: Kohlhammer. Zampini, L. & D’Odorico, L. (2009). Communicative gestures and vocabulary development in 36-month-old children with Down’s syndrome. International Journal of Language & Communication Disorders, 44 (6), 1063 -1073. https: / / doi. org/ 10.1080/ 13682820802398288 Zampini, L. & D’Odorico, L. (2011). Gesture production and language development. A longitudinal study of children with Down syndrome. Gesture, 11 (2), 174 -193. https: / / doi.org/ 10.1075/ gest.11. 2.04zam Anschrift der Autorinnen Dr. Bernadette Witecy Marie-Kathrien Derksen Prof. Dr. Martina Penke Universität zu Köln Humanwissenschaftliche Fakultät Department für Heilpädagogik & Rehabilitation Lehrstuhl für Psycholinguistik und Sprachpsychologie Herbert-Lewin-Str. 10 D-50931 Köln E-Mail: bwitecy@uni-koeln.de
