eJournals motorik36/3

motorik
7
0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mot2013.art12d
7_036_2013_3/7_036_2013_3.pdf71
2013
363

Eltern in Bewegung

71
2013
Jutta Schneider
Die Zusammenarbeit von Eltern und Fachkräften in Kindertageseinrichtungen hat in den letzten Jahren im Kontext aktueller gesellschaftlicher und bildungspolitischer Entwicklungen an Bedeutung gewonnen. In den Begriffen Erziehungs- und Bildungspartnerschaft kommt ein »neues« partnerschaftliches Verständnis als zentrales Element der Zusammenarbeit zum Ausdruck. Der Artikel beschreibt Beispiele aus der psychomotorischen Bewegungspraxis, die sich zum Aufbau und zur Gestaltung einer lebendigen Kooperation in frühpädagogischen Kontexten eignen und exemplarisch Einblick in eine bewegte Zusammenarbeit geben.
7_036_2013_3_0005
[ 145 ] motorik, 36. Jg., 145-152, DOI 10.2378 / motorik2013.art12d © Ernst Reinhardt Verlag 3 | 2013 [ FachForum ] Eltern in Bewegung Praktische Beispiele für eine bewegte Zusammenarbeit von Eltern und Fachkräften Jutta Schneider Die Zusammenarbeit von Eltern und Fachkräften in Kindertageseinrichtungen hat in den letzten Jahren im Kontext aktueller gesellschaftlicher und bildungspolitischer Entwicklungen an Bedeutung gewonnen. In den Begriffen Erziehungs- und Bildungspartnerschaft kommt ein »neues« partnerschaftliches Verständnis als zentrales Element der Zusammenarbeit zum Ausdruck. Der Artikel beschreibt Beispiele aus der psychomotorischen Bewegungspraxis, die sich zum Aufbau und zur Gestaltung einer lebendigen Kooperation in frühpädagogischen Kontexten eignen und exemplarisch Einblick in eine bewegte Zusammenarbeit geben. Schlüsselbegriffe: Zusammenarbeit von Eltern und Fachkräften, Erziehungs- und Bildungspartnerschaft, Bewegung, bewegungsorientierte Zusammenarbeit, Beziehungsgestaltung, Eltern-Kind-Arbeit Moving partnership in early education - how to establish partnership between professionals and parents by means of movement The paper describes how movement can be used to build up relationship and interaction between parents and educators and that psychomotor activity is an appropriate medium to support and encourage partnership. Several examples give an insight into this moved and moving collaboration. Key words: Collaboration between parents and professionals, educational partnership, movement [ 146 ] 3| 2013 Fachforum Einleitung Heute gilt die Zusammenarbeit von Eltern und frühpädagogischen Fachkräften als ein zentrales Bestimmungsmoment moderner Frühpädagogik. Zwar ist der Aspekt der Zusammenarbeit von Fachkräften und Eltern im Kontext der Kindertagesbetreuung kein neuer und bislang nicht berücksichtigter Fokus. Allerdings wurde das alte Konzept der »ElternARBEIT« in den letzten Jahren weitgehend abgelöst von der Vorstellung einer »Erziehungs- und BildungsPARTNERSCHAFT«. Im Fokus der Partnerschaft stehen die GEMEIN- SAME Sorge für das Wohl des Kindes und die GETEILTE Verantwortung für seinen Bildungsprozess. Diese Haltungsänderung geht eng einher mit einer Blickänderung vom Kind zur Familie, einem aktiven Zugehen auf die Eltern und einem Orientieren an den Stärken und Interessen der Eltern. Auch wenn sich sowohl die neuen Begrifflichkeiten als auch das partnerschaftliche Verständnis von Zusammenarbeit in allen Bildungs- und Orientierungsplänen sowie in der einschlägigen Fachliteratur wiederfinden, fehlt es in der Praxis oft an geeigneten Ansätzen und didaktischen Methoden zur Umsetzung. Erst allmählich entstehen konkrete Handlungsvorschläge und Ideen, dieses eher theoretische Konstrukt in der frühpädagogischen Arbeit praktisch auszugestalten und mit Leben zu füllen. In diesem Zusammenhang sollten handlungs- und bewegungsorientierte Methoden unbedingt Berücksichtigung finden und in den Fokus des fachlichen Interesses rücken. Psychomotorische Bewegungsangebote stellen ein geeignetes, beliebtes und effektives Medium zur Unterstützung von Familien, zum Aufbau tragfähiger Beziehungen und zur Gestaltung sozialer Interaktionen dar. Eine bewegte, psychomotorische Zusammenarbeit von Eltern und Fachkräften kann somit die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Erziehungs- und Bildungspartnerschaft schaffen und die Qualität der Zusammenarbeit nachhaltig bereichern und verbessern (vgl. Schneider 2013, 38 ff ). Die folgenden Ausführungen sollen Anregung geben, wie Erziehungs- und Bildungspartnerschaft in der Kitapraxis bewegt realisiert werden kann und Fachkräften Lust machen, Eltern in und mit Bewegung zu begegnen. Anfang gut, alles gut - Bewegung in der Kennenlern- und Eingewöhnungsphase In der Anfangsphase ist nicht nur für die Kinder alles neu. Auch die Eltern müssen sich neuen emotionalen Herausforderungen stellen und ihr Kind in fremde Hände geben. An diesen Schritt sind in der Regel bestimmte Erwartungen an die neue Situation und die Fachkräfte gebunden. Umgekehrt haben auch die Fachkräfte Erwartungen an die Eltern bezüglich ihres Verhaltens und der Zusammenarbeit. Es ist daher ratsam, wichtige Aspekte der pädagogischen Konzeption mit den Eltern zu thematisieren, Beziehungen aktiv zu initiieren und gemeinsame Vorstellungen und Absprachen zu entwickeln. Beispiel 1: Eltern lernen die Kita kennen Zielsetzung: Gewährleisten von Kontinuität von Bildung, Erziehung und Betreuung: Kennenlernen der Spiel- und Lernwelt Kita; Verstehen der pädagogischen Arbeitsweise mit den Kindern (Transparenz); In Kontakt kommen mit anderen Eltern und den Fachkräften; Erwartungen des Erziehungspartners kennenlernen und gemeinsame Vorstellungen entwickeln. Zielgruppe: neue Eltern (vor oder zu Beginn der Kitazeit) Praktische Einheit: Die Eltern finden sich in Paaren zusammen. Die Fachkräfte können sich unter die Eltern mischen oder die Aktion beobachten. Jedes Paar bekommt ein Rollbrett und erkundet damit die verschiedenen Räume der Kita. Die Eltern können sich abwechselnd schieben oder mit Hilfsmitteln wie Seilen oder Reifen ziehen. In Fluren, auf Freiflächen und im Bewegungsraum (falls vorhanden) können Hindernisse und Parcours aufgestellt werden, die zusätzliche Herausforderungen [ 147 ] Schneider • Eltern in Bewegung 3 | 2013 Beispiel 2: Zusammenarbeit zum Thema machen Zielsetzung: Gewährleisten von Kontinuität von Bildung, Erziehung und Betreuung: In Kontakt kommen mit Eltern und den Fachkräften; Verständnis von Zusammenarbeit und Erziehungspartnerschaft der Kita darstellen und gemeinsames Vorgehen absprechen; Sensibilisieren für Anforderungen an Zusammenarbeit. Zielgruppe: alle Eltern, insbesondere neue Eltern Anregungen für den Elternabend / Elternnachmittag o. ä.: Spiele für Eltern und Fachkräfte Kooperationsspiel 1: Alle in einem Boot: Alle Erwachsenen stehen auf einer Decke (je nach Anzahl der Erwachsenen auch mehrere Decken). Aufgabe der Gruppe ist es, die Decke einmal umzuwenden, ohne dass ein Erwachsener die Decke verlässt oder den Boden berührt. Passiert dies, wird die Decke wieder ausgebreitet und das Spiel startet von vorne. Um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, können die Erwachsenen mit zusätzlichen Handicaps ausgestattet werden (z. B. einbeinig stehen, einen Gegenstand balancieren). Kooperationsspiel 2: Jeder ist wichtig: Alle Erwachsenen stehen sich in zwei Reihen versetzt gegenüber (Reißverschlussprinzip) und strecken jeweils den Zeigefinger einer Hand in die Mitte (die Zeigefinger müssen in einer Flucht sein). Über die Finger wird ein ausgeklappter Zollstock gelegt. Aufgabe ist es nun, den Zollstock gemeinsam auf dem Boden abzulegen, ohne dass sich ein Zeigefinger vom Zollstock löst. Sobald dies passiert, müssen sich alle wieder in die Ausgangsposition (aufrecht stehend) zurückbegeben und von vorne beginnen. Um das Spiel zu »überwachen«, sollte einer die Rolle des »strengen Kontrolleurs« einnehmen. Mögliche Fragen für den Austausch: ■ Wie wurde vorgegangen? Wie sah die Umsetzung der Aufgabe aus? ■ Was war nötig, um die Aufgabe zu bewältigen? ■ Welche Rollen gab es? Wofür waren diese gut oder notwendig? ■ Wie können wir das alles für uns / unsere Zusammenarbeit nutzen? Wir können wir kooperieren? ■ Welche beidseitigen Erwartungen gibt es an die Zusammenarbeit? an die Rollbrettfahrer darstellen. Durch die Nutzung des Rollbretts bewegen sich die Eltern (und Fachkräfte) automatisch auf Augenhöhe der Kinder durch die Einrichtung und können die Welt besser aus der Perspektive der Kinder wahrnehmen. Dabei ist der Zugang zu den Räumen und Materialien, wie bei Kindern, ein spielerischer. In den einzelnen Räumen sollten die Eltern die verschiedenen Angebote und Schwerpunkte der Bildungsarbeit der Kita vorfinden und ausprobieren dürfen (Vorteile: ungezwungen umsehen dürfen, Transparenz der päd. Arbeit). Nachdem die Eltern alle Angebote erkundet haben, sollte eine Gesprächsrunde zu Reflexion und zum Austausch stattfinden. Mögliche Fragen für den Austausch: ■ Was hat Ihnen Spaß gemacht? Welche Tätigkeiten und Orte gefallen Ihnen? Warum sprechen diese Sie an? ■ Was glauben Sie, wo wird sich Ihr Kind gerne aufhalten? Warum? ■ Was hätten Sie als Kind hier gerne gemacht? Wo hätten oder haben Sie als Kind gespielt? Was hat sich verändert? ■ Welche Erfahrungen kann das Kind machen, in Raum A, Raum B …? Was lernt es hier oder warum sind diese Erfahrungen wichtig? ■ Gibt es etwas, was Sie verwundert oder irritiert hat? Oder etwas, was Sie sich anders oder mehr wünschen würden? [ 148 ] 3| 2013 Fachforum Beispiel 3: Vertrauen aufbauen Zielsetzung: Gewährleisten von Kontinuität von Bildung, Erziehung und Betreuung: In Kontakt kommen mit Eltern und den Fachkräften; Verständnis von Zusammenarbeit und Erziehungspartnerschaft der Kita darstellen und gemeinsames Vorgehen absprechen; Sensibilisieren für Anforderungen an Zusammenarbeit. Zielgruppe: alle Eltern, insbesondere neue Eltern Vertrauensspiele 1: Im Dunkeln tappen: Die Eltern und Fachkräfte gehen in Paaren zusammen und stellen sich einander kurz vor. Eine Person bekommt die Augen verbunden, die andere Person soll nun den »Blinden« durch einen Hindernisparcours bzw. einzelne Stationen zum Umlaufen, Balancieren, Be- oder Drübersteigen und Hindurchwinden führen. Anschließend tauschen die Partner die Rollen, können je nach Situation auch den Partner wechseln. Vertrauensspiel 2: Retter in der Nacht: Ein Erwachsener, der Retter, steht vor einer imaginären Gefahr, z. B. vor einer Wand. Eine Person bekommt die Augen verbunden und steht in ca. 6-10 Metern Entfernung zum Retter. Die übrigen Erwachsenen bilden ein Spalier zwischen den beiden Akteuren. Aufgabe des Blinden ist es, so schnell wie (für ihn! ) möglich auf die Gefahr zuzulaufen. Der Retter trägt die Verantwortung dafür, den Blinden rechtzeitig zu bremsen und vor der Gefahr zu beschützen. Die Art und Weise, wie dies geschieht, bleibt den beiden Akteuren überlassen. Das Menschenspalier gibt darauf acht, dass der Blinde nicht vom Weg abkommt. Auch hier sollten die Rollen getauscht werden. Vertrauensspiel 3: Sich fallen lassen: Die Erwachsenen gehen in Gruppen zu drei Personen zusammen (je nach Anzahl auch größere Gruppen möglich). Eine(r) steht in der Mitte (das Pendel), eine(r) direkt vor, einer direkt hinter dem Pendel. Die Außenstehenden legen ihre Hände an die Schultern des Pendels. Dieses muss nun zu einem »Brett erstarren« und sich langsam in die Arme einer außenstehenden Person fallen lassen. Diese fängt das Pendel auf und drückt es wieder zurück in die Ausgangsposition bzw. zu seinem Gegenüber. Nach und nach kann die Intensität, mit der das Pendel bewegt wird, gesteigert werden und das Pendel kann die Augen schließen. Anschließend können die Rollen getauscht werden. Bei größeren Gruppen kann das Spiel auch in Kreisform gespielt werden. Mögliche Fragen für den Austausch: ■ Wie war es, in der Rolle des Blinden / des Pendels zu sein? Wie haben Sie sich in der Rolle gefühlt? ■ Welche Bedeutung hatten die anderen Rollen? Worauf haben die Blindenführer bzw. der Retter oder die Pendelfänger geachtet? ■ Was war wichtig für Sie? Was machte es einfacher, sich auf den anderen zu verlassen? Wovon war Ihr Vertrauen abhängig? ■ Was sind wichtige Aspekte für unsere Zusammenarbeit? Wie können wir diese umsetzen? Abb. 1: Eine kleine Vertrauensübung zwischen Mutter und Kind [ 149 ] Schneider • Eltern in Bewegung 3 | 2013 Beispiel 4: Eltern und Kinder gewöhnen sich gemeinsam ein Zielsetzung: Gewährleisten von Kontinuität von Bildung, Erziehung und Betreuung: ■ Fokus 1: Beobachten und Kennenlernen des Bindungs- und Beziehungsverhaltens des Kindes und der Eltern (die Fachkraft bleibt in der Beobachterrolle und hält sich weitgehend aus Interaktionen zwischen Kind und Elternteil heraus); ■ Fokus 2: Kontaktaufnahme und Beziehungsaufbau, Kennenlernen der Kita (die Fachkraft nutzt die Bewegungsangebote, um zu den Eltern und dem Kind Kontakte zu knüpfen und gemeinsam zu spielen). Zielgruppe: neue Eltern mit ihrem Kind Bewegungsstunde für Eltern und Kind: Kinder bringen ihr Lieblingskuscheltier mit. Einstieg & Begrüßung im Sitzkreis: Die Fachkraft begrüßt alle Anwesenden und stellt sich kurz namentlich vor. Sie zeigt eine Handpuppe, die im Folgenden die Kinder und Eltern anspricht, sie nach ihrem Namen und dem mitgebrachten Kuscheltier befragt. Mögliche Beobachtungsaspekte: ■ Wie kommen Eltern und Kinder in der Kita an? Welche Gefühlsregungen zeigen sie? ■ Wie sitzen Eltern und Kind zusammen? Gibt es Kontakt? Nähe? ■ Wie unterstützt die Mutter / der Vater das Kind? ■ Können die Eltern das Kind bei der Sache halten? Motivieren? Grenzen setzen? Musik-Stopp-Spiel: Eltern und Kind bauen gemeinsam aus Kleinmaterialien ein »Haus«, in dem sie gemeinsam Platz finden können. Das Kuscheltier wird zur Kennzeichnung ins Haus gesetzt. Anschließend wird Musik gespielt. Läuft die Musik, können sich Eltern und Kind durch den Raum bewegen (unterschiedliche Fortbewegungen möglich). Stoppt die Musik, müssen alle schnellstmöglich in ihr Haus zurückfinden. Mögliche Beobachtungsaspekte: ■ Wie entsteht das Haus? Wer hat die Ideen / Initiative? Wie werden diese umgesetzt? Wie unterstützen die Eltern das Kind? ■ Wie bewegen Eltern und Kind sich durch den Raum? Alleine? Gemeinsam? Gibt es Blickkontakt? Gegebenenfalls: Wer löst sich? Wer sucht Kontakt? ■ Welches Verhalten zeigen Eltern und Kind, wenn sie in ihrem Haus ankommen? Freispiel: alters- und entwicklungsgemäße Bewegungslandschaft mit Angeboten zu den grundlegenden Bewegungstätigkeiten (z. B. Balancieren, Hüpfen & Springen, Purzeln und Rollen, Klettern, Schwingen und Schaukeln): ■ gemeinsames Angucken und Besprechen der Landschaft; das Kind setzt das Kuscheltier auf einen »Zuschauerplatz«; ■ Kind und Eltern erkunden und »bespielen« Bewegungslandschaft selbstständig. Angeleitetes Spiel: Transportspiel: Das Kuscheltier wird in ein Handtuch gelegt, das von Eltern und Kind gemeinsam gehalten und gespannt wird. Sie haben nun die Aufgabe, das Tier sicher von seinem Zuschauerplatz auf eine Decke in der Mitte des Abschlusskreises zu tragen, z. B. über eine Bank oder eine schiefe Ebene. Mögliche Beobachtungsaspekte: ■ Welche Tätigkeiten sucht sich das Kind? Was interessiert es am meisten? ■ Wie ist das Explorationsverhalten? Kann sich das Kind / der Elternteil lösen? Bleiben Eltern und Kind im Kontakt? Wenn ja, wie? Wie sehr greifen die Eltern ein? ■ Wann zeigt sich Bindungsverhalten? Nutzt das Kind die Mutter / den Vater als sicheren Hafen in unsicheren Situationen? Kann die Mutter / Vater das Bedürfnis des Kindes befriedigen und das Kind adäquat unterstützen? ■ Nimmt das Kind Kontakt zu anderen Per- [ 150 ] 3| 2013 Fachforum Übergänge gemeinsam meistern Nicht nur der Übergang von der Familie in die Kita stellt für alle Beteiligten eine Herausforderung dar. Auch beim Wechsel vom Kindergarten in die Schule stehen sowohl für das Kind als auch für die Eltern große Veränderungen hinsichtlich Rolle, Status, Identität, Beziehungen sowie Tagesstruktur an. Prinzipiell sind Transitionsprozesse mit neu zu bewältigenden Entwicklungsaufgaben und emotionalen Unsicherheiten und Belastungen verbunden. Da der Übergang von der Kita in die Schule weitreichende Konsequenzen für die Bildungsbiografie von Kindern hat, sollte er gut begleitet und vorbereitet sein. Spezielle Angebote können Kindern und Eltern helfen, Ängste und Sorgen abzubauen und Transitionen nicht als Brüche, sondern als Entwicklungsanreiz zu erleben. Beispiel 5: Eltern und Kinder bereiten sich auf die Schule vor Zielsetzung: Stärkung der Erziehungskompetenz, Gewährleisten von Kontinuität von Bildung, Erziehung und Betreuung des Kindes; Sensibilisieren für Bildungsthemen der Schule und Kennenlernen spielerischer Fördermöglichkeiten. Zielgruppe: Eltern und Kinder im letzten Kitajahr Eltern-Kind-Stunde: Zahlen, Zählen und Mengen (Mathematik) Begrüßung und inhaltliche Einführung: ■ Mathematik als Unterrichtsfach in der Schule, aber mit Mathematik setzen sich Kinder schon sehr viel früher auseinander; um später rechnen lernen zu können, brauchen Kinder bestimmte Voraussetzungen; ■ Beispiele, wie Kinder sich die Welt der Zahlen & Mengen erschließen und wie Eltern ihre Kinder spielerisch auf Mathematik und somit die Schule vorbereiten können. Stationen zum selbstständigen Erproben für Eltern und Kind (an den Stationen können sonen auf? Wie? Kann es Hilfe einfordern, sich mit anderen abwechseln? Abschluss: Alle kommen im Kreis um die Kuscheltiere herum zusammen und besprechen, soweit möglich, die Erlebnisse der Stunde. Anschließend verabschiedet sich die Fachkraft (mit Handpuppe) von allen. Abb. 2: Gemeinsames Springen auf dem Trampolin Abb. 3: Mutter und Kind erkunden neue Spielmöglichkeiten [ 151 ] Schneider • Eltern in Bewegung 3 | 2013 Fazit Die Auflistung praktischer Beispiele könnte problemlos fortgeführt werden. Die psychomotorische Bewegungspraxis bietet vielfältige Möglichkeiten, die Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und Eltern zu einer lebendigen und bewegenden Sache für alle Beteiligten werden zu lassen. Es bleibt deshalb zu hoffen, dass 1. in der Kindertagesbetreuung zukünftig Rahmenbedingungen und Strukturen geschaffen werden, die den Anforderungen einer Erziehungspartnerschaft gerecht werden und es Fachkräften erleichtern, Eltern einzubeziehen und zu begeistern; Abb. 4: Station zur Auseinandersetzung mit Mengen und Zahlen Abb. 5: Mutter und Kind holen gemeinsam eine bestimmte Anzahl von Wattebällchen zusätzliche Spielbeschreibungen und Informationen zu Förderaspekten des Spiels ausgelegt werden). Station 1: Dosen werfen: Auf einem Tisch stehen zehn in Pyramidenform gestapelte Dosen. Jeder hat drei Würfe, um möglichst viele Dosen umzuwerfen (Ähnliches Spiel: Kegeln); Station 2: Rückenmalerei: Die Eltern ziehen eine Karte, auf der eine Würfelzahl zwischen 1 und 10 abgebildet ist. Die Anzahl der Punkte muss nun auf den Rücken des Kindes gemalt/ getippt werden. Das Kind versucht die Menge zu erfassen und darf aus einer Kiste die entsprechende Anzahl an Gegenständen nehmen (dann Rollenwechsel). Station 3: Zahlenkäfer angeln: Material: Marienkäfer mit 1-10 Punkten; Blätter, auf denen Zahlen auf der einen Seite und Würfelaugen auf der anderen Seite abgebildet sind. Das Kind darf einen Marienkäfer suchen, ziehen, angeln o. ä., die Anzahl der Punkte zählen und diesen auf das Blatt mit der entsprechenden Zahl bzw. mit der entsprechenden Anzahl von Punkten setzen (dann Rollenwechsel). Station 4: Murmeltor: Jeder bekommt fünf Murmeln. Abwechselnd rollen Eltern und Kind ihre Murmeln auf ein Murmeltor (z. B. großer Karton mit verschieden großen Löchern, die mit Zahlen und Punkten gekennzeichnet sind). Wird beispielsweise das 3-Punkte-Loch getroffen, darf derjenige / diejenige sich drei Gegenstände (z. B. Säckchen) aus einer Kiste nehmen. Sind alle Murmeln gespielt, kann jeder seine Punkte anhand der Säckchen zusammenzählen. Abschluss und Verabschiedung: Am Ende sollten die Stationen einzeln besprochen und reflektiert werden. Es ist hilfreich, die Kinder schon früher zu verabschieden und in ihre Kitagruppen zurück zu schicken. Beobachtungspunkte ■ Was lernt das Kind bei diesem Spiel? ■ Wie kann ich mein Kind zu Hause auf die Schule vorbereiten? ▸ Gemeinsam Spielideen sammeln. [ 152 ] 3| 2013 Fachforum 2. die Bedeutung und das Potential bewegungsorientierter Angebote darin Berücksichtigung finden und Bewegung zu einem methodischen Handlungsprinzip der Zusammenarbeit von Eltern und Fachkräften wird. Literatur Schneider, J. (2013): Zusammenarbeit, die bewegt. Wie Erziehungs- und Bildungspartnerschaften bewegt gestaltet werden können. motorik 36 (1), 33- 41 Die Autorin Jutta Schneider, Diplom Heilpädagogin, Marte Meo Therapeutin, seit 2003 als Heilpädagogin im Zentrum für Frühbehandlung und Frühförderung in Köln tätig, seit 2006 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu Köln; freiberufliche Fortbildungstätigkeit für frühpädagogische Fachkräfte Anschrift Jutta Schneider Universität zu Köln Lehrstuhl für Bewegungserziehung Gronewaldstr. 2a D-50931 Köln J.Schneider@uni-koeln.de Aus dem Lebenshilfe-Verlag Friedrich Schwanecke Snoezelen Möglichkeiten und Grenzen in verschiedenen Anwendungsbereichen 1. Auflage 2004, DIN A5, broschiert, 19 farbige Abb., 160 Seiten, ISBN: 978-3-88617-310-5; Bestellnummer LBS 310 15,- Euro [D]; 27.50 sFr. Ein ständig neugieriger Beobachter, Anwender und Wissensvermittler gibt aus verschiedenen Perspektiven praktische Erfahrungen und Erkenntnisse in der Auseinandersetzung mit dem Medium Snoezelen im Verlauf von knapp zwei Jahrzehnten wieder. Da momentan inflationär alles mögliche mit »Snoezelen« etikettiert wird, möchte der Autor informieren und Anregungen für Gespräche, Diskussionen und das Sammeln eigener Erfahrungen geben, aber auch auf Schattenseiten, Problembereiche und Grenzen des Snoezelen aufmerksam machen. Anregungen für praktische Anwendungen im Snoezelraum, Literaturhinweise und Musikvorschläge ergänzen diese Überlegungen. Bestellungen an: Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. - Vertrieb Raiffeisenstr. 18, 35043 Marburg Tel.: (0 64 21) 4 91-123; Fax: -623; vertrieb@lebenshilfe.de; www.lebenshilfe.de Anzeigen