eJournals motorik38/2

motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mot2015.art10d
7_038_2015_2/7_038_2015_2.pdf41
2015
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Raus aus der Leseecke - rein in die Bewegung

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2015
Ricarda Menke
Mareike Braun
Neben dem sprachförderlichen Potenzial von Bilderbüchern und Geschichten bieten diese eine Vielzahl an Anregungen, um Kindern eine ganzheitliche Entwicklungsförderung durch die Integration von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Literacyerfahrungen zu ermöglichen. In diesem Beitrag werden, neben einer methodischen Herangehensweise, Praxisideen anhand eines Bilderbuchs vorgestellt, um die Bedeutung von Bewegung als sinnvolle Ergänzung zu konventionellen Vorlese- und Erzählsituationen hervorzuheben.
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[ FORUM PSYCHOMOTORIK ] Raus aus der Leseecke-- rein in die Bewegung Eine bewegungs- und handlungsorientierte Umsetzung von Bilderbüchern Ricarda Menke, Mareike Braun Zusammenfassung / Abstract Neben dem sprachförderlichen Potenzial von Bilderbüchern und Geschichten bieten diese eine Vielzahl an Anregungen, um Kindern eine ganzheitliche Entwicklungsförderung durch die Integration von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Literacyerfahrungen zu ermöglichen. In diesem Beitrag werden, neben einer methodischen Herangehensweise, Praxisideen anhand eines Bilderbuchs vorgestellt, um die Bedeutung von Bewegung als sinnvolle Ergänzung zu konventionellen Vorlese- und Erzählsituationen hervorzuheben. Schlüsselbegriffe: Bilderbücher, Literacy, Sprachförderung, Psychomotorik Away from the reading corner and on to movement. An activityoriented way to work with picture books Supplementary to picture books and stories’ potential for overall language development these offer a lot of suggestions for children to enable an holistic support of development through experiences in movement, perception and literacy. This article contains the methodological approach and practical examples based on a picture book to underline the importance of movement as a useful addition to conventional reading and storytelling situations. Key words: picture books, literacy, language support, psychomotricity Geschichten erzählen, Bücher vorlesen und Bilderbücher betrachten mit Bewegung verbinden-- diese Idee löst bei vielen pädagogischen Fachkräften wahrscheinlich zunächst Irritationen aus. Es fällt vielleicht schwer sich vorzustellen, wie eine eigentlich intime, kuschelige Vorlesesituation durch Bewegung sinnvoll ergänzt werden kann, ohne dass Unruhe und Chaos ausbrechen. Bilderbücher eignen sich jedoch auch für eine ganzheitliche und übergreifende Entwicklungsförderung von Kindern, wenn nicht ausschließlich Sprachbildung und -förderung im Vordergrund stehen, sondern aus Geschichteninhalten handlungsorientierte Bewegungs- und Spielthemen entwickelt und methodisch sinnvoll in und mit Bewegung umgesetzt werden. Für die Entwicklung von Sprache wird dem Vorlesen, dem Erzählen von Geschichten und der dialogischen Bilderbuchbetrachtung ein großer Einfluss zugesprochen (Ehmig / Reuter 2013). So beschreibt Nickel (2005, 86) »Bilderbuchbetrachten und Vorlesen als effektivste Spracherwerbssituation überhaupt«. Neben der Erweiterung des Wortschatzes und dem Lernen von Wortbedeutungen werden weitere Facetten der Sprache angeregt: So unterstützt das dialogische Vorlesen u. a. den Aufbau kommunikativer Fähigkeiten und sprachlicher Strukturen, macht die Kinder vertraut mit geschriebener Sprache und Bildern und regt sie auf vielfältige Art und Weise an, Freude an Sprache, Buch- und Schriftkultur zu erlangen. Dieser Erwerb von Sprach- und Lesekompetenzen im weiteren Sinne wird auch mit dem Begriff »Literacy« bezeichnet (Ehmig / Reuter 2013, 3). Die Vermittlung von Literacy-Kompetenzen findet einerseits in der Familie statt (siehe auch Ansätze zur Family Literacy, Ni- 2 | 2015 motorik, 38. Jg., 56-61, DOI 10.2378 / motorik2015.art10d © Ernst Reinhardt Verlag [ 56 ] [ 57 ] Menke, Braun • Raus aus der Leseecke-- rein in die Bewegung 2 | 2015 ckel 2007), ist aber auch elementare Aufgabe pädagogischer Fachkräfte. Weiterhin spielt das Vorlesen auch eine wesentliche Rolle bei der kindlichen Entwicklung von Fantasie und Empathievermögen. Es hat nachhaltig positive Auswirkungen auf die ganzheitliche Entwicklung von Kindern sowie auf deren Einstellung zum Lesen und das spätere Leseverhalten (Ehmig / Reuter 2013). Eine Vielzahl an Projektinitiativen und Veröffentlichungen greift aktuell die Thematik von Sprach-, Kommunikations- und Literacyförderung auch im Kontext von Bewegung und Psychomotorik auf (z. B. Kuhlenkamp 2011; Zimmer 2009; Madeira Firmino et al. 2014). Bereits in den 1980er Jahren entwickelte Ingrid Olbrich einen umfassenden psychomotorischen Ansatz einer integrierten Entwicklungsförderung von Sprache und Kommunikation (Olbrich 2011). Seitdem sind viele weitere Konzepte bewegungs- und psychomotorisch orientierter Sprachförderung entstanden (Stelzmann 2011). So legte Renate Zimmer (2013) ein praxisorientiertes Konzept zur integrierten Förderung von Sprache, Bewegung und Literacy vor. Sie zeigt darin auf, welches Bildungspotenzial im Hinblick auf eine ganzheitliche Anregung kindlicher Entwicklung die Verknüpfung der Bereiche bietet. Auch Erkenntnisse aus neurowissenschaftlicher Perspektive (Spitzer 2012) im Sinn eines »bewegten Lernens« sprechen für eine bewegungsorientierte Umsetzung und das Erleben von Geschichten mit vielen Sinnen: Je mehr Sinneskanäle beteiligt sind und somit unterschiedliche Areale im Hirn angeregt werden, desto intensiver ist die Vernetzung einzelner Neuronen. Aktives Handeln und positive emotionale Beteiligung, die durch einen motivierenden und sinnhaften Kontext gefördert werden können, machen das Lernen nachhaltiger (Rögener / Voss 2012). Bilderbücher und Geschichten bieten somit für die Verknüpfung der Bereiche Bewegung und Wahrnehmung, Sprache und Literacy großes Potenzial: Einerseits lassen sich sprachförderliche Themen identifizieren. Andererseits kann der Fokus auch auf Bewegungsanlässe gelenkt werden, die in der Geschichte vorkommen oder in Erweiterung dazu entwickelt werden können. In und durch Bewegung kann das Verständnis des Handlungsstrangs erleichtert, die Identifizierung mit den Rollen in der Geschichte sowie das Geschichtenerleben insgesamt intensiviert werden (Brandt et al. 2012). Bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Entwicklung von Angeboten können folgende Leitfragen hilfreich sein: ■ Welche zentralen Themen, insbesondere Bewegungs- und Spielthemen stecken in der Geschichte? ■ Eignet sich die Geschichte für eine bewegungs- und handlungsorientierte Umsetzung vor dem Hintergrund psychomotorischer Prinzipien wie Ganzheitlichkeit und Erlebnisorientierung (Keßel 2014)? ■ Wie kann diese Umsetzung aussehen? Welche handlungsorientierten Elemente lassen sich beim Vorlesen integrieren, welche Bewegungsangebote könnten als Einstieg oder im Anschluss an die Geschichte sinnvoll sein? Die praktische Gestaltung lässt sich methodisch unterschiedlich umsetzen: Soll der Schwerpunkt eher auf dem Erleben der Geschichte liegen, ist es wichtig, dass die Bewegungselemente entsprechend kleinräumig sind, damit der Erzählfluss der Geschichte nicht verloren geht. Beispielsweise können wiederkehrende Gestik und Mimik, die typisch sind für die Hauptcharaktere der Geschichte, vom Erzähler / Vorleser eingesetzt und von den Kindern mitgemacht werden Abb. 1: Literacyerfahrungen sind zentraler Bestandteil frühkindlicher Entwicklung [ 58 ] 2 | 2015 Forum Psychomotorik (Brandt et al. 2012; Holmer 2010). Soll hingegen der Fokus auf der Bewegung liegen, eignen sich Geschichten dazu, um in ein Bewegungsspiel einzutauchen und wieder aus der Bewegungssequenz herauszufinden. Die Bewegung ist in diesem Sinn in die Erzählsituation eingebettet. Vielen Kindern erleichtert der Zugang über eine Geschichte den Einstieg in die Bewegung, sie motiviert und bildet einen kindgerechten Rahmen für ein Bewegungsspiel (Sandhaus 2014). Weiterhin können Spiel- und Bewegungsangebote eine Geschichte ergänzen: Die Ideen greifen hierbei die (Bewegungs-)Themen und Handlungsstränge der Geschichte auf, sodass die Kinder die Möglichkeit haben, tiefer bzw. auf einer anderen Ebene in das Thema einzutauchen. Die Umsetzung kann sowohl vor als auch nach dem Erzählen / Vorlesen der Geschichte erfolgen-- dies muss jeweils individuell auf die Geschichte und den Entwicklungsstand der Kinder abgestimmt und in Abhängigkeit der geplanten Angebote entschieden werden. Anregungen für die Praxis-- Ein Umzug mit Fröschen Das Bilderbuch mit dem Titel »999 Froschgeschwister ziehen um« von Kimura und Murakami (2013) eignet sich sehr gut für eine bewegungsorientierte Umsetzung, da viele Themen des Buches für die Kinder durch Spiel- und Bewegungsangebote erleb- und erfahrbar gemacht werden können. Das Buch wird empfohlen für Kinder ab vier Jahren. Die Praxisbeispiele sollten an die Altersgruppe und den Entwicklungsstand der Kinder angepasst werden. In der genannten Geschichte geht es darum, dass 999 Kaulquappen, die in einem Teich wohnen, mehr Platz zum Leben brauchen, als sie sich zu kleinen Fröschen weiterentwickeln. Der Teich wird zu eng für alle. Die Froscheltern beschließen daher, dass ein Umzug in einen größeren Teich sehr sinnvoll wäre, und begeben sich mit den Froschgeschwistern auf die Suche nach einem neuen Zuhause. Hierbei müssen die Frösche allerhand Abenteuer bestehen: Sie begegnen einer gefährlichen Schlange und werden von einem Falken hoch in die Lüfte getragen, bis sie schließlich doch in einem wunderbaren großen Teich landen, der genug Platz für alle bietet. Vor der Geschichte Froschteich Bevor die Geschichte vorgelesen wird, kann spielerisch in die Thematik eingestiegen werden. Die Kinder bekommen die Aufgabe, in Dreiergruppen einen Teich darzustellen, in dem ein Frosch sitzt (zwei Kinder stehen sich in Handfassung gegenüber, ein Kind sitzt oder steht in der Mitte). Dann beginnt das Spiel: Ein Frosch, der keinen Platz mehr im Teich bekommen hat, möchte auch ins Wasser springen. Er kann verschiedene Kommandos rufen, damit sich die Frösche (oder Teiche) in Bewegung setzen. Beim Kommando »Frosch« tauschen alle Frösche die Teiche und jeder versucht, einen neuen Teich zu finden. Beim Kommando »Teich« bleiben die Frösche stehen und die Teiche (also die Außenstehenden) setzen sich in Bewegung: Sie trennen sich und stellen sich um einen neuen Frosch herum. Beim Kommando »Froschteich« entsteht das totale Chaos: Alle dürfen sich von Fröschen in Teiche verwandeln und umgekehrt, damit wieder neue Teiche entstehen, suchen sich alle einen neuen Platz. Immer bleibt ein Kind übrig, das das nächste Kommando ansagen darf. Abb. 2: Ein Frosch im Teich [ 59 ] Menke, Braun • Raus aus der Leseecke-- rein in die Bewegung 2 | 2015 Bilderbuch fotografieren Als ein bewegungsorientierter Zugang zur Geschichte können Bilder aus dem Buch »fotografiert« werden: Einige kopierte Buchseiten werden im Raum aufgehängt oder versteckt. Die Kinder können nun zu zweit eine bestimmte Anzahl an Fotos von den »Geschichtenbildern« machen: Ein Kind ist die Digitalkamera, das andere Kind der Fotograf: Die Kamera hat die Linse zu (Augen geschlossen) und wird von dem Fotografen herumgeführt. Ist die Kamera dann richtig vor einem Bildmotiv ausgerichtet, wird ein Foto gemacht: Der Fotograf drückt einmal leicht auf den Auslöser (Kopf der Kamera), die Linse öffnet sich für einen kurzen Moment und nimmt das Foto auf »der Speicherkarte« auf. Sind drei oder vier Fotos gemacht, wird der Speicher ausgelesen: Der Fotograf fragt seine Kamera, was für Bilder aufgenommen wurden und in welcher Reihenfolge. Hierüber gelangen die Kinder bereits ins Spekulieren über das Gesehene: Die Geschichte wird so zum Anlass für einen Dialog, schon bevor das Buch als solches überhaupt vorgelesen wurde. Anschließend können die einzelnen Bilder gemeinsam mit der Gruppe noch einmal betrachtet werden: »Was glaubt ihr, passiert in der Geschichte? Kann man eine Reihenfolge erkennen? « Je nach Alter und Entwicklungsstand der Kinder können hier mehr sprachliche Vorgaben erfolgen oder durch offene Fragen Sprachanregungen geschaffen werden. Auch die Anzahl der Fotos und die Herangehensweise sollten an den Entwicklungsstand der Kinder angepasst werden: Jüngere Kinder könnten die Bilder beispielsweise auch einfach nur suchen oder beim Spiel mit offenen Augen durch den Raum geführt werden. Während der Geschichte Nachdem die Kinder neugierig auf die Geschichte geworden sind, wird diese lebendig vorgelesen oder erzählt, wobei aktive Elemente einbezogen werden können: Die Kinder können die immer wiederkehrende Bezeichnung »999 Froschgeschwister« laut mitsprechen, auf ein Signal hin wie Frösche quaken oder Szenen der Geschichte nach vorheriger Rollenverteilung mitspielen. Für kurze Mitmachelemente kann das Buch auch zur Seite gelegt werden. Dabei ist es jedoch wichtig, dass der rote Faden der Geschichte nicht verloren geht und die Bewegung auch wieder zurück zur Erzählung führt bzw. pädagogisch sinnvoll eingebettet wird. Nach der Geschichte Enge spüren Ein zentrales Thema in der Geschichte ist die Enge im Teich: Es ist zu wenig Platz für alle Frösche! Wie es sich am eigenen Leib anfühlt, wenn es zu eng wird, lässt sich auf spielerische Weise im Anschluss an die Geschichte mit den Kindern erleben: Einige Kinder stellen sich in einen Kreis. Hierbei sind sie über Seile in den Händen, die einen Zaun darstellen, miteinander verbunden. Der Rest der Gruppe stellt sich nun in den Kreis (die Frösche »sitzen« also im Teich), wobei am Anfang noch genug Platz für alle ist. Jetzt wird der Zaun jedoch enger und der Teich dadurch kleiner: Durch Verkürzen der Seile regulieren die Kinder, die im Kreis stehen, die Teichgröße und lassen es im Teich immer enger werden. Wenn es einem Frosch zu eng wird, ruft er »Stopp! « Dann kann dieser über den Zaun nach draußen hüpfen. Wann ist es den Fröschen zu eng? Gibt es vielleicht auch Frösche, die es mögen, wenn es sehr eng ist? Hier wird im Tun verdeutlicht, dass das Empfinden von Nähe / Enge und Distanz bei jedem sehr unterschiedlich sein kann. Wichtig ist, dass jeder Frosch, dem es zu eng ist, sofort heraus hüpfen darf. Auch in anderen psychomotorischen Spielideen kann dieses Thema leiblich erfahren werden. Beispielsweise kann eine Variante von der »Reise nach Jerusalem« gespielt werden. Hierbei liegen einige Reifen passend zur Geschichte als »Teiche« auf dem Boden, und nach jeder Runde wird ein Reifen weggenommen: Es herrscht Dürre, die Teiche trocknen aus. Hierbei gilt jedoch die Regel, dass auch mehrere Frösche einen Teich besetzen dürfen und keiner ausscheidet-- bis es vielleicht letztendlich wirklich zu eng für alle ist. Gejagt werden Ein weiteres zentrales Thema des Buches ist die Gefahr, die von dem Falken ausgeht, der die Frö- [ 60 ] 2 | 2015 Forum Psychomotorik sche fangen und gerne als Festessen verspeisen möchte. Hieraus lässt sich ein Fangspiel entwickeln: Es gibt einen (oder je nach Gruppengröße mehrere) Falken, der die vielen Froschgeschwister fangen möchte. Wurde ein Froschkind gefangen, setzt sich dieses quakend auf den Boden. Eine Rettung kann durch Mama oder Papa Frosch erfolgen, die- - wie im Bilderbuch- - ihre Kinder beschützen möchten. Sie können ihre gefangenen Kinder durch Berührung wieder befreien. Mama und Papa Frosch werden zu Beginn des Spiels ohne das Wissen des Falken bestimmt- - damit der Falke sich nicht sofort auf die beiden stürzt und so die Befreiung der Kinder verhindert. Mit dem Falken fliegen Im Bilderbuch nimmt der Falke die Frösche mit auf eine Reise hoch in die Luft. Die Froschgeschwister hängen aneinander wie an einer Kette und fliegen mit dem Falken mit. Die Frösche dürfen sich auf keinen Fall loslassen-- sonst stürzen die anderen in die Tiefe. Auch diese Szene lässt sich sehr gut in Bewegung nacherleben: Wie die Frösche hängen alle Kinder in Handfassung aneinander und fliegen mit einem Falken, der die Reihe anführt, durch den Raum. Wie müssen wir uns festhalten, damit keiner verloren geht? Können wir auch gemeinsam über und durch Hindernisse fliegen, die im Raum verteilt sind? Im Raum kann eine Bewegungslandschaft gestaltet werden, die »durchflogen« wird. Nach einer Experimentier- und »Flug«-Phase kann auch hieraus ein Spiel entwickelt werden: Der Falke hat plötzlich Hunger bekommen und versucht nun, den letzten Frosch in der Schlange zu fangen- - ob ihm das gelingt? Neben diesen Ideen lassen sich weitere Themen aus dem Bilderbuch aufgreifen, die in Bewegung erlebt werden können. Zum Beispiel kann das Leben am Teich näher beleuchtet, weitere Tiere einbezogen oder die Geschichte kreativ in Bewegung weitergesponnen werden. Darüber hinaus bietet sich auch das Thema »Umzug« als Kommunikationsanlass an, das wiederum handlungsorientiert umgesetzt werden kann. Auch der Einbezug von Instrumenten beim Vorlesen oder die musikalische Ergänzung durch passende Bewegungslieder sind möglich. So sind diese Anregungen keinesfalls als vollständig zu betrachten, sondern sollen zum kreativen und bewegungsorientierten Umgang mit Bilderbüchern anregen. Fazit Zusammenfassend sollte eine Perspektive auf Bilderbücher und Geschichten aufgezeigt werden, die das klassische Vorlesen erweitert und eine integrierende Förderung von Sprache, Bewegung, Wahrnehmung und Literacy anstrebt (Zimmer 2013). Sinnvolle Bewegungsangebote in Anlehnung an die Geschichte können die Neu- Abb. 3: Bloß nicht vom Falken erwischt werden! Abb. 4: Die Frösche fliegen mit dem Falken durch die Luft [ 61 ] Menke, Braun • Raus aus der Leseecke-- rein in die Bewegung 2 | 2015 gier und die Motivation der Kinder, sich mit Geschichten und Büchern auseinanderzusetzen, steigern und deren Freude am Spiel mit Körperausdruck, Sprache und Lauten einbeziehen. Werden Inhalte über Bewegung und Wahrnehmung erlebbar gemacht, können diese besser verinnerlicht und nachvollzogen werden. Sie tragen somit zu einem nachhaltigen Lernen bei. Auch für Schulkinder kann ein bewegungsorientierter Zugang zu Büchern und Geschichten daher eine sinnvolle Ergänzung im Unterricht darstellen. Literatur Brandt, S., Sandhaus, M., Menke, R. (2012): Geschichten bewegen. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit führt zu neuen Wegen in der Vorlese- und Erzählkultur. BuB Forum Bibliothek und Information 9, 626-630 Ehmig, S., Reuter, T. (2013): Vorlesen im Kinderalltag. Bedeutung des Vorlesens für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und Vorlesepraxis in den Familien. Zusammenfassung und Einordnung zentraler Befunde der Vorlesestudien von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn 2007-2012. In: www.stiftunglesen.de/ download. php? type=documentpdf & id=951, 17.12.2014 Holmer, M. (2010): Professionelles Erzählen. Free Musketeers, Zoetermeer Keßel, P. (2014): Prinzipien psychomotorischer Entwicklungsförderung. Überlegungen für die fachschulische Erzieherausbildung. motorik 37 (1), 23- 27, http: / / dx.doi.org/ 10.2378/ motorik2014.art05d Kimura, K., Murakami, Y. (2013): 999 Froschgeschwister ziehen um. 5. Aufl. NordSüd Verlag, Zürich Kuhlenkamp, S. (Hrsg.) (2011): Sprache in Bewegung. Psychomotorische Perspektiven in Förderung, Therapie, Bildung. Verlag Aktionskreis Psychomotorik, Lemgo Madeira Firmino, N., Menke, R., Ruploh, B., Zimmer, R. (2014): »Bewegte Sprache« im Kindergarten. Überprüfung der Effektivität einer alltagsorientierten Sprachförderung. Forschung Sprache E-journal für Sprachheilpädagogik, Sprachtherapie und Sprachförderung 2 (1), 34-47 Nickel, S. (2007): Family Literacy in Deutschland. Stand der Entwicklung und Gedanken zur konzeptionellen Weiterentwicklung. In: Elfert, M., Rabkin, G. (Hrsg.): Gemeinsam in der Sprache baden-- Family Literacy. Internationale Konzepte zur familienorientierten Schriftsprachförderung. Klett, Stuttgart, 65-84 Nickel, S. (2005): Family Literacy-- Sprach- und Literalitätsförderung in der Familie. In Fachforum »Orte der Bildung im Stadtteil«. Dokumentation der Veranstaltung am 16. / 17. Juni 2005 in Berlin. Regiestelle E & C der Stiftung SPI, 85-90. In: www.ewi-psy.fuberlin.de/ einrichtungen/ arbeitsbereiche/ grund schulpaed/ 2_deutsch/ publikationen/ snickel/ media/ nickel_fl_fachforum_orte_bildung_stadtteil .pdf? 1286349002, 17.12.2014 Olbrich, I. (2011): »Quo vadis Sprachförderung? «: Grundstrukturen einer psychomotorisch orientierten Entwicklungsförderung von Sprache und Kommunikation. In: Kuhlenkamp, S. (Hrsg.): Sprache in Bewegung. Psychomotorische Perspektiven in Förderung, Therapie, Bildung. Verlag Aktionskreis Psychomotorik, Lemgo, 54-81 Rögener, A., Voss, S. (2012): Bewegung und Musik im Schriftspracherwerb. In: Hunger, I., Zimmer, R. (Hrsg.): Frühe Kindheit in Bewegung. Entwicklungspotenziale nutzen. Hofmann, Schorndorf, 121-124 Sandhaus, M. (2014): Mit Geschichten in Bewegung kommen. In: Hunger I., Zimmer, R. (Hrsg.): Inklusion bewegt. Herausforderungen für die frühkindliche Bildung. Hofmann, Schorndorf, 270-275 Spitzer, M. (2012): Geist in Bewegung- - Gehirnforschung zur ganzheitlichen Entwicklung von Körper und Geist. In: Hunger I., Zimmer, R. (Hrsg.): Frühe Kindheit in Bewegung. Entwicklungspotenziale nutzen. Hofmann, Schorndorf, 18-41 Stelzmann, S. (2011): Konzepte psychomotorischer Sprachförderung-- ein Überblick. In: Kuhlenkamp, S. (Hrsg.): Sprache in Bewegung. Psychomotorische Perspektiven in Förderung, Therapie, Bildung. Verlag Aktionskreis Psychomotorik, Lemgo, 169- 199 Zimmer, R. (2013): Konrad Känguru und Rita Rennmaus. Integrierte Förderung von Bewegung, Sprache und Literacy. Finken Verlag, Oberursel Zimmer, R. (2009): Handbuch Sprachförderung durch Bewegung. Herder Verlag, Freiburg Die Autorinnen Ricarda Menke Dipl.-Reha.-Päd., seit 2013 Therapeutin im Bereich Psychomotorik im Zentrum für Kindesentwicklung, Hamburg, vorher langjährige Tätigkeit in Projekten zur frühkindlichen Bildung an der Universität Osnabrück, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften Mareike Braun Sportwissenschaftlerin, M. A., Weiterbildung Psychomotorikerin dakp, seit 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Osnabrück, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften Anschrift Ricarda Menke Kegelhofstr. 81 D-20251 Hamburg ricarda_menke@web.de