eJournals motorik39/1

motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mot2016.art02d
7_039_2016_1/7_039_2016_1.pdf11
2016
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Psychomotorische Förderung als Service Learning Projekt

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2016
Astrid Krus
Gil Pla
Service Learning (SL) ist eine Lehr-Lernform, die hochschulisches Lernen mit gesellschaftlichem Engagement verbindet, um Studierenden erfahrungsbasiertes Wissen zu vermitteln und zugleich einen Beitrag zur Verbesserung gesellschaftlicher Problemlagen zu leisten. Psychomotorische Fördergruppen bilden ein geeignetes Handlungsfeld, die Ziele des SL in der Praxis umzusetzen. Der Beitrag verdeutlicht anhand von zwei Modellprojekten einer deutschen und einer spanischen Hochschule die Möglichkeiten, psychomotorische Förderung in die pädagogische Praxis zu implementieren.
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[ FORUM PSyCHOMOTORIK ] Psychomotorische Förderung als Service Learning Projekt Astrid Krus, Gil Pla Zusammenfassung / Abstract Service Learning (SL) ist eine Lehr-Lernform, die hochschulisches Lernen mit gesellschaftlichem Engagement verbindet, um Studierenden erfahrungsbasiertes Wissen zu vermitteln und zugleich einen Beitrag zur Verbesserung gesellschaftlicher Problemlagen zu leisten. Psychomotorische Fördergruppen bilden ein geeignetes Handlungsfeld, die Ziele des SL in der Praxis umzusetzen. Der Beitrag verdeutlicht anhand von zwei Modellprojekten einer deutschen und einer spanischen Hochschule die Möglichkeiten, psychomotorische Förderung in die pädagogische Praxis zu implementieren. Schlüsselbegriffe: Service Learning, psychomotorische Förderung, Hochschule, erfahrungsbasiertes Lernen Psychomotor intervention as a Service Learning Project Service Learning (SL) is an educational approach that combines the process of learning and service to the community in a single project in order to impart experience based knowledge and to make a contribution to the improvement of social disadvantages. Psychomotor intervention seems to be an appropriate field of activity to realize the goals of SL. The article shows with two projects, one at a german and one at a spain University, how to implement psychomotor intervention in educational practice. Key words: service learning, psychomotor intervention, university, experience based learning Der interdisziplinäre Fachdiskurs verdeutlicht den hohen Stellenwert von Bewegung für Bildung, Gesundheit, Lernen und Entwicklung in der Kindheit (Bahr et al. 2012) und unterstreicht damit die Notwendigkeit der Aufnahme dieses Bildungsbereichs in die hochschulische Ausbildung pädagogischer Fach- und Lehrkräfte. Die Implementierung des Bildungsbereiches Bewegung in die Studiengänge ist allerdings noch kein Garant für eine angemessene Umsetzung im pädagogischen Alltag, da die berufspraktische Qualifizierung von Studierenden an den Hochschulen aufgrund der Distanz zum realen Handlungsfeld oftmals nur unzureichend gewährleistet werden kann. Nach Abschluss der hochschulintegrierten Praxisphase konstatieren Studierende mitunter, dass an der Hochschule die Theorie stattfindet und sie erst in der Praxis lernen, was wirklich wichtig ist. Professionelle Kompetenz resultiert aber aus dem Ineinanderwirken und Zusammenspiel der theoriebasierten, potenziellen Möglichkeit zu handeln (Disposition) und dem tatsächlich realisierten pädagogischen Handlungsvollzug (Performanz). Es gilt daher, den Fokus auf neue Konzepte zu richten, die der Diskrepanz zwischen Theoriewissen und Berufspraxis entgegenwirken. Diesen Ansatz realisiert das Service Learning, das die Prozesse des fachlichen Lernens (learning) mit praktischer Arbeit im Gemeinwesen (service) verbindet. Die Intention dieses Artikels ist nicht, das Theorie-Praxis-Problem als solches zu diskutieren, sondern die Bedingungen und Vorgehensweisen eines Service Learning Projekts »Psychomotorische Förderung« an einer deutschen und einer spanischen Hochschule vorzustellen. Service Learning Service Learning ist eine Lehr-Lernform, die hochschulisches Lernen mit zivilgesellschaftlichem Engagement in einem Projekt verbindet. An der Hochschule erwerben die Studierenden Wissen, 1 | 2016 motorik, 39. Jg., 4-10, DOI 10.2378 / motorik2016.art02d © Ernst Reinhardt Verlag [ 4 ] [ 5 ] Krus, Pla • Psychomotorische Förderung als Service Learning Projekt 1 | 2016 das zur Umsetzung des Projektes erforderlich ist und werden in der begleitenden Praxis darauf vorbereitet, die vorhandenen gesellschaftlichen Bedürfnisse zu erkennen und in ihr Handeln einzubinden (Puig / Palos 2006, 61). Service Learning Projekte (SLP) zeichnen sich durch folgende Charakteristika aus (Seifert/ Zentner 2013, 5): ■ sie sind curricular in die Studiengänge eingebunden ■ sie unterstützen Prozesse der Aneignung von Wissen, des Wissenstransfers und des Erwerbs von Schlüsselkompetenzen ■ sie erfordern eine Partnerschaft zwischen Bildungseinrichtungen und sozialen Organisationen, die Dienstleistungen für die Gemeinschaft anbieten ■ sie finden außerhalb des hochschulischen Kontextes statt und beide Institutionen arbeiten gleichberechtigt zusammen ■ sie reagieren auf einen realen Bedarf, d. h. die Studierenden übernehmen Aufgaben, die von den beteiligten Institutionen als notwendig und sinnvoll angesehen werden Die Effekte von Service Learning Projekten sind auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt (Tab. 1). Als Lehr-Lernform, die auf einer interinstitutionellen Kooperation beruht und Akteure unterschiedlicher Professionen involviert, erfordert ein erfolgreiches Service Learning Projekt ein systematisches Vorgehen, das sich in vier Phasen untergliedert (Jaeger et al. 2009) (Abb. 1): ■ Planung Partner nden, Ziele/ Aufgaben formulieren, Kooperationen au auen Phase I ■ Entwicklung Analyse der Zielgruppen, sozialräumliche Analyse, Einbindung in das Gesamtkonzept der Einrichtung, pädagogische Planung Phase II ■ Umsetzung Vorbereitung und Durchführung der psychomotorischen Fördereinheiten Phase III ■ Präsentation Darstellung des Projektes an der Hochschule und/ oder bei den Projektpartnern Phase IV Reflexion und Bewertung Evaluation Abb. 1: Phasen eines Service Learning Projektes (in Anlehnung an Jaeger et al. 2009, 34 f) Tab. 1: Effekte von Service Learning Projekten Studierende Lehrende Hochschule Einsatzstellen ■ Entwicklung personaler Kompetenzen ■ Entwicklung fachlicher Kompetenzen ■ Eigeninitiatives und eigenständiges Arbeiten ■ Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragestellungen ■ Gesteigerte Problemlösefähigkeit ■ Wissenstransfer in das pädagogische Handeln ■ Kompetenzen in Projektarbeit ■ Förderung der Teamfähigkeit ■ Kontakt zu Institutionen mit Personalbedarf ■ Veränderte Rollen ■ Lehrende (HS) ■ Berater ■ Modell ■ Auseinandersetzung mit geeigneten Reflexionsmethoden ■ Bezug zum Handlungsfeld ■ Anregung zu anwendungsbezogener Forschung ■ Gesellschaftliche Öffnung ■ Kooperation HS und Zivilgesellschaft ■ Verbesserte Profilbildung ■ Steigerung öffentlichen Ansehens ■ Fachliche Unterstützung und Anregung ■ Umsetzung von Projekten, die mit eigenen Ressourcen nicht umzusetzen sind ■ Kooperation mit Hochschule [ 6 ] 1 | 2016 Forum Psychomotorik Planungsphase In dieser Phase geht es nicht darum, pädagogische Projekte zu konstruieren, sondern »die globalen Themen dort aufzugreifen, wo sie im lokalen Leben ihren Niederschlag finden« (Sliwka / Frank 2004, 13). Die Umsetzung des inklusiven Bildungsauftrages wie auch Resilienzförderung von Kindern in Armutslagen kann durch psychomotorische Förderangebote nachhaltig unterstützt werden (Höhne 2011; Kuhlenkamp 2014). Für das SLP »Psychomotorische Förderung« bieten sich Praxiseinrichtungen an, in denen Bildungs- und Erziehungsprozesse durch Bewegung eine besondere Bedeutung haben. Dies sind Kindertagesstätten, Grundschulen und die offene Kinder- und Jugendarbeit. Die Projektgestaltung erfordert eine enge Kooperation der beteiligten Institutionen, die durch folgende Aufgaben gekennzeichnet ist: ■ Die Hochschullehrenden sind für das gesamte Projekt verantwortlich. Sie sind KoordinatorInnen und zugleich Lehrende an der Hochschule. ■ Die Studierenden sind Lernende und mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen aktiv in die psychomotorische Förderung involviert. ■ Die Kinder sind die zentralen Akteure, da sie aktiv an den psychomotorischen Einheiten teilnehmen und gezielt in ihrer Entwicklung gefördert werden. ■ Die Einbindung in den pädagogischen Alltag der Einrichtung impliziert die unterstützende Mitarbeit der pädagogischen Fachbzw. Lehrkräfte. Die Kooperation erfordert eine enge Kommunikation zwischen den Beteiligten, die in der Planungsphase beginnt und über das gesamte Projekt hinweg fortgesetzt wird. ■ Zu Beginn werden die Rahmenbedingungen und die spezifischen Ziele des aktuellen Angebotes geklärt sowie die Kinder ausgewählt. ■ Neben den kontinuierlichen »Tür- und Angelgesprächen« zu den Kindern bzw. zum Projekt werden nach der Hälfte des Projektes die Interventionsaktionen kritisch bewertet und falls erforderlich Änderungen vorgenommen. ■ Ein abschließendes gemeinsames Reflexionsgespräch dient der Bewertung der erreichten Ziele, einer Verlaufsbeobachtung der Kinder sowie der Entscheidung über mögliche Änderungen für weitere Projekte. ■ Mitunter sind auch die Eltern der beteiligten Kinder involviert, die als BeobachterInnen die Entwicklung ihrer Kinder verfolgen oder als aktiv Beteiligte die Relevanz von Bewegung erfahren. Im Rahmen des katalonischen SLP wurde der Terminus »Psicomotricitat a quatre mans« (Pla et al. 2015) »Psychomotorik-mit-vier-Händen« geprägt, der die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen verdeutlichen soll: Es sind zwei Hände der Hochschule und zwei Hände der Einrichtung erforderlich, um reale pädagogische Fragestellungen in einem gemeinschaftlichen Kontext bearbeiten zu können. In Bezug auf die Fördergruppe steht die Metapher für die zwei Hände der Studierenden, welche die zwei Hände der SchülerInnen halten. Entwicklungsphase Ausgehend von einer Analyse des Handlungsfeldes und der Zielgruppe planen die Studierenden gemeinsam mit den Hochschullehrenden das psychomotorische Projekt und bringen ihr bereits erworbenes theoretisches Wissen ein. Aufseiten der Hochschullehrenden erfordert die Projektarbeit eine dreifache Professionalität: kompetenzorientierte Lehrtätigkeit im Rahmen des Studiums, kontinuierliche Begleitung und Beratung der Studierenden und pädagogischen Fachkräfte, die das SLP unterstützen, sowie Kompetenzen in der psychomotorischen Arbeit mit Kindern. Umsetzungsphase Diese Phase umfasst die konkreten psychomotorischen Angebote im jeweiligen Handlungsfeld. Die Art und der Umfang der Praxistätigkeit differiert in beiden Ländern, wie das Praxisbeispiel verdeutlichen wird. Exemplarisch werden zwei Modelle vorgestellt, die sinnstiftendes, erfah- [ 7 ] Krus, Pla • Psychomotorische Förderung als Service Learning Projekt 1 | 2016 rungsbezogenes Lernen und die Entwicklung von Handlungskompetenzen für alle am Prozess Beteiligten fördern, indem die Praxis an der Hochschule verankert und die akademische Lehre in die pädagogische Praxis implementiert wird. Service Learning an der Universität Vic - Psicomotricitat a quatre mans Das SLP »Psicomotricitat a quatre mans« wird im Bachelorstudiengang Erziehung in der frühen Kindheit bereits seit über fünfzehn Jahren mit dem Ziel angeboten, die Theorie-Praxis-Differenz zu reduzieren und die pädagogischen Einrichtungen darin zu unterstützen, die psychomotorische Intervention zu etablieren. Am SLP sind die Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität Vic - die Zentrale Universität von Katalonien - und die Escola Andersen (Andersen Grundschule) der Stadt Vic beteiligt. Das SLP ist ein verpflichtender Universitätskurs, bei dem die Studierenden über ein Studienjahr hinweg regelmäßig Seminarstunden an der Hochschule wie auch die psychomotorischen Förderstunden in der Schule haben. Lehrinhalte an der Universität Vic: Die zentralen Themen der begleitenden Lehrveranstaltungen wie des Praxisangebotes sind die psychomotorische Entwicklung der Kinder wie auch die psychomotorische Intervention als solche. Die Studierenden erwerben methodisch-didaktische Grundlagen für die Psychomotorikstunden und diskutieren anhand der Fallstudien (Stake 2005) die Entwicklung jedes einzelnen Kindes. Der praxisnahe Kontext steigert das Interesse und die Beteiligung der Studierenden an der psychomotorischen Intervention und erweitert ihre Kompetenzen in der Diagnostik. Zum Abschluss des Projektes schreibt jede/ r Studierende einen Interventionsbericht für das Kind, das sie bzw. er beobachtet hat. Dieser Bericht ist Bestandteil der Prüfungsleistung und hilft den Fachkräften der Einrichtungen zugleich, ihre Entwicklungsberichte zu verfassen bzw. Elterngespräche zu führen. Psychomotorische Förderstunden in der katalonischen Schule: Die psychomotorische Förderung findet jede Woche in der Schulturnhalle statt. Der/ die Hochschullehrende plant die psychomotorischen Einheiten und stimmt diese mit der zuständigen KlassenlehrerIn sowie den Studierenden ab. Sobald der Raum entsprechend der Stundenziele vorbereitet ist (Abb. 2), kommen die SchülerInnen mit ihrer Lehrkraft. In der Förderstunde übernimmt der Hochschullehrende die Rolle des leitenden Psychomotorikers, während die Lehrkraft assistiert. Von den ca. 25 anwesenden Studierenden beteiligen sich jeweils vier bis fünf Studierende an den gemeinsamen Spiel- und Bewegungssituationen mit den Kindern. Über das gesamte Studienjahr hinweg sind die Studierenden somit zwei Abb. 2: Vorbereiteter Raum [ 8 ] 1 | 2016 Forum Psychomotorik bis drei Mal aktiv in die psychomotorische Intervention involviert, während sie die übrige Zeit beobachten. Die Psychomotorikstunde endet mit einer Reflexion der Stunde, in der die Kinder angeregt werden, ihre Erfahrungen gestalterisch zu präsentieren (Abb. 3 und 4). Die abschließende Reflexion innerhalb der Lerngruppe unterstützt die Studierenden, ihr Wissen über die kindliche Entwicklung mit den Beobachtungen der Kinder in der realen Situation abzugleichen. Service Learning an der Hochschule Niederrhein Das SLP Psychomotorik ist als Wahlpflichtfach in den Bachelorstudiengang »Kindheitspädagogik - Bildung durch Bewegung« integriert und verläuft kontinuierlich über drei Semester. Vonseiten der Hochschule sind zwei Lehrkräfte mit insgesamt vier Studienmodulen in das Projekt involviert und zum aktuellen Zeitpunkt werden fünf pädagogische Einrichtungen psychomotorisch betreut: zwei Kindertagesstätten, eine Grundschule, zwei Familienzentren, eine Jugendfreizeiteinrichtung und ein offener Ganztag. Die psychomotorischen Fördergruppen sind für ein Studienjahr (September bis Juni) konzipiert, um den Kindern und den Einrichtungen ein verlässliches Angebot zu offerieren und die Studierenden längerfristig in ihrer Professionalisierung begleiten zu können. Lehrveranstaltungen an der Hochschule Niederrhein: Alle Studierenden der Kindheitspädagogik absolvieren das Modul »Bewegung und Bildung«, bei dem die eigene praktische wie theoretische Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und Bewegung als wesentliche Motoren der menschlichen Entwicklung im Vordergrund steht. Die Studierenden, die am Wahlpflichtfach SLP Psychomotorik teilnehmen, belegen ein weiteres Modul zur Methodik/ Didaktik der Psychomotorik, das sie gezielt auf die anstehende psychomotorische Intervention vorbereitet. Im dritten und vierten Semester führen die Studierenden dann eigenständig die psychomotorischen Förderstunden durch, die im Rahmen von je einem Seminar vorbereitet und reflektiert werden. Die Reflexion erfolgt auf der Basis von Hospitationsbesuchen der Lehrkraft sowie mit Videoanalysen, die im Gesamtteam besprochen werden. Des Weiteren erarbeiten die Studierenden für ein Kind ihrer Fördergruppe ein diagnostisches Konzept, das mit einem pädagogischen Gutachten abschließt und Teil der Prüfungsleistung ist. Psychomotorische Förderung in den pädagogischen Einrichtungen am Niederrhein: Die Studierenden wählen nach eigenem Interesse die jeweilige Einrichtung aus, die Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren oder sechs und Abb.-3 und 4: Stundeninhalte aus der Sicht der Kinder [ 9 ] Krus, Pla • Psychomotorische Förderung als Service Learning Projekt 1 | 2016 zehn Jahren betreuen. Die Kindergruppen setzen sich aus sechs bis zehn Kindern zusammen, die gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften ausgewählt werden. Pro Fördergruppe sind zwei bis vier Studierende involviert, wobei zumeist zwei Studierende die Stunde leiten, während die anderen beobachten bzw. die Stunde per Video aufzeichnen. Die inhaltliche Ausgestaltung und die Förderschwerpunkte werden gemeinsam mit den Fachkräften besprochen und im Verlauf der Förderung von den Studierenden nach Rücksprache mit der supervidierenden Lehrkraft angepasst. Neben den Seminarleistungen haben die Studierenden die Möglichkeit, die Berufsqualifikation Psychomotorik dakp zu erwerben. Die Inhalte des Moduls »Bildung und Bewegung« werden den Studierenden als Kurs 1 anerkannt, studienbegleitend können sie die Kurse 2 und 3 der Berufsqualifikation bei der Deutschen Akademie für Psychomotorik (dakp) absolvieren. Nach Abschluss des einjährigen SLP erhalten die Studierenden neben den Kreditpunkten für die erbrachte Seminarleistung das Zertifikat der Berufsqualifikation Psychomotorik dakp . Präsentation Die Präsentation der psychomotorischen Intervention erfolgt auf drei Ebenen: ■ innerhalb der Seminargruppe ■ in der pädagogischen Einrichtung ■ auf Fachtagungen In der seminaristischen Abschlussreflexion stellen die Studierenden ihre Praxisprojekte vor und diskutieren die psychomotorische Arbeitsweise bzw. die persönlichen Lerneffekte. In den Einrichtungen präsentieren die Studierenden den pädagogischen Fach- und Lehrkräften die Intention und Vorgehensweise der psychomotorischen Intervention und verdeutlichen mit Bild- und Videomaterial die Entwicklung der Kinder. Die Vorstellung des Projektes auf hochschulischen Fachtagungen verfolgt das Ziel, die Psychomotorik weiter zu verbreiten, die Praxisorientierung des Studiengangs zu verdeutlichen und bietet den Studierenden die Chance, sich als potenzielle ArbeitnehmerInnen der Fachpraxis vorzustellen und damit den Berufseinstieg zu erleichtern. Reflexion und Auswertung Einen zentralen Bestandteil des SLP bildet die kontinuierliche Reflexion und Auswertung der Praxis innerhalb der Studierendengruppe, die eine vertiefende Auseinandersetzung mit den fachlichen Inhalten und der Rolle als PsychomotorikerIn ermöglicht und das Bindeglied zwischen praktischer Erfahrung und theoretischem Wissen darstellt (Abb. 5). Die Reflexion regt die Auseinandersetzung der Studierenden mit den subjektiven Einflüssen auf ihr praktisches Handeln an und initiiert das Bewusstwerden fachlicher wie persönlicher Kompetenzen und Potenziale, die auch nach Abschluss des Projektes für den Berufseinstieg zur Verfügung stehen. Eine grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche Reflexion ist die Auswahl geeigneter Reflexionsmethoden durch die Lehrenden. Die Evaluation der Projekte durch die Studierenden und die beteiligten Institutionen sind die Grundlage für Verbesserungen in der hochschulischen Lehre, im Transfer in die Praxis wie auch in der Kooperation zwischen den Institutionen. Praxiserfahrung Hochschulisches- Lernen Reflexion Abb. 5: Die Kernelemente des Service Learning [ 10 ] 1 | 2016 Forum Psychomotorik Fazit Das SLP Psychomotorik bietet für alle Beteiligten eine Vielzahl positiver Effekte, von denen die Kinder im Rahmen der psychomotorischen Förderung am meisten profitieren. Die Studierenden vertiefen ihre Fachkenntnisse und erwerben Schlüsselkompetenzen für die spätere Berufspraxis. Die Kooperation zwischen Hochschullehrenden und pädagogischen Fach- und Lehrkräften ermöglicht Einblicke in beide Systeme, die das jeweilige Handlungsfeld bereichern. Die anwesenden pädagogischen Fach- und Lehrkräfte haben Zeit und Gelegenheit, die Kinder in einem anderen Kontext zu beobachten und Elemente der psychomotorischen Arbeitsweise weiter in die eigene Praxis zu implementieren. In gleichem Maße bleiben die Hochschullehrenden in engem Kontakt zur Berufspraxis, der eine Adaptation von Lehrinhalten nach sich ziehen kann. Dies setzt bei den beteiligten Lehr- und Fachkräften ein hohes Engagement und eine Offenheit für neue Lehrmethoden sowie Einblicke in die pädagogische Praxis voraus. Literatur Bahr, S., Kallinich, K., Beudels, W., Fischer, K., Hölter, G., Jasmund, C., Krus, A., Kuhlenkamp, S. (2012): Bedeutungsfelder der Bewegung für Bildungs- und Entwicklungsprozesse im Kindesalter. motorik 35 (3), 98-109 Höhne, M. (2011): Inklusive Bewegung - Inklusion und Psychomotorik. Eine Stellungnahme mit einem Blick auf die neuen Herausforderungen der (Förder-)Schule. motorik 34 (3), 150-151 Jaeger, M., In der Smitten, S., Grützmacher, J. (2009): Gutes tun und gutes Lernen: Bürgerliches Engagement und Service-Learning an Hochschulen. Evaluation des Projektes UNIAKTIV an der Universität Duisburg-Essen Kuhlenkamp, S. (2014): Psychomotorik als Bestandteil der Stadtteilarbeit in sozial benachteiligten Regionen. In: Krus, A., Jasmund, C. (Hrsg.): Psychomotorik in sozialpädagogischen Arbeitsfeldern. Kohlhammer, Stuttgart, 146-159 Pla, G., Franch, N., Valls, A. (2015): Psicomotricidad a cuatro manos. Revista Intersaberes 10 (20), 9-35 Puig, J. M., Palos, J. (2006): Rasgos pedagógicos del aprendizaje-servicio. Cuadernos de pedagogía, 357, 60-63 Seifert, A., Zentner, S. (2013): Service Learning. »Lernen durch Engagement«. Methode, Qualität, Beispiele und ausgewählte Schwerpunkte. Eine Publikation des Netzwerks Lernen durch Engagement. Freudenberg Stiftung, Weinheim Sliwka, A., Frank, S. (2004): Service Learning. Verantwortung lernen in Schule und Gemeinde. Beltz, Weinheim Stake, R. E. (2005): Qualitative case studies. In: Denzin, N. K., Lincoln, Y. S. (Hrsg.): The Sage handbook of qualitative research. Thousand Oaks, Sage, 443-464 Die AutorInnen Prof. Dr. Astrid Krus Diplom-Motologin, Professorin für das Fachgebiet Kindheitspädagogik an der Hochschule Niederrhein, Leiterin des Kompetenzzentrums Kindheitspädagogik in Bewegung, 1. Vorsitzende des Aktionskreises Psychomotorik, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychomotorik Dr. Gil Pla Bachelor Sportwissenschaft, Master Psychomotorik und Doktor der Erziehungswissenschaft; Hochschullehrer an der Universität Vic, Universität von Katalonien, Lehrer für Psychomotorische Entwicklung in den Studiengängen Frühe Kindheit und Sportwissenschaft, seit 2003 Leiter des SLP Psychomotorik mit vier Händen Anschriften Prof. Dr. Astrid Krus Hochschule Niederrhein Fachbereich Sozialwesen Richard-Wagner-Straße 101 D-41065 Mönchengladbach astrid.krus@hs-niederrhein.de Dr. Gil Pla Facultat d’Educació, Traducció i Ciències Humanes Universitat de Vic Sagrada Família, 7 E-08500 Vic gil.pla@uvic.cat