eJournals motorik39/1

motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mot2016.art09d
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Rezensionen

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Erkert, Andrea: Ruck-Zuck-Bewegungsspiele. Minimaler Aufwand – maximaler Förderspaß für 3- bis 8- Jährige. Hofmann-Verlag, Schorndorf, 2015, 159 Seiten, € 18,00 (D)
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[ MEDIEN UND MATERIALIEN ] [ 40 ] 1 | 2016 Medien & Materialien Rezensionen Erkert, Andrea: Ruck-Zuck-Bewegungsspiele. Minimaler Aufwand - maximaler Förderspaß für 3bis 8- Jährige. Hofmann-Verlag, Schorndorf, 2015, 159-Seiten, €-18,00 (D) Der Titel des Bands wird auch dem Inhalt gerecht. Mit der Zusammenstellung von etwa 140 Spiel- und Bewegungsideen für Kinder im Alter von drei bis acht Jahren erhält der Leser vor allem zahlreiche Varianten an klassischen Kreis-, Start-Stopp- und Partnerspielen, die mit wenig Aufwand in kleinen Bewegungsräumen und in Turnhallen angewendet werden können. Wer kurzweilige Bewegungsspiele zum Aufwärmen, in Kontakt kommen oder auch für eine einfache Bewegungspause (auch abwandelbar für Erwachsene) zwischendurch sucht, wird hier fündig. Zur besseren Übersicht für den Leser sind die Spielideen inhaltlich vier Schwerpunktthemen vom Begrüßen und Aufwärmen, über den Körper- und Bewegungsraum, hin zur Koordination, bis zu Entspannung und Kreativität zugeordnet. Ebenso wird vorab immer das erforderliche Material, die nötige Gruppengröße als auch eine Altersangabe aufgeführt. Grundlegend wiederholen sich sowohl die Spielideen, als auch der Einsatz von klassischen Materialien wie Ball, Seil, Reifen, Stab oder Teppichfliesen immer wieder. Zusammengefasst liegen aber genau in dieser Einfachheit unendliche Möglichkeiten. Gewinnen ist hier nicht das Ziel; es geht um den Spaß am gemeinsamen Bewegen. So ist das Buch für alle empfehlenswert, die mit der Altersgruppe zusammenarbeiten, egal ob im Kindergarten- oder Grundschulalltag, im Sportverein oder der offenen Kinder- und Jugendarbeit, wie auch interessant für Tagesmütter als auch bewegungsfördernde Eltern. Iris Peters DOI 10.2378 / motorik2016.art09d Ulfried Geuter: Körperpsychotherapie - Grundriss einer Theorie für die klinische Praxis. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, 2015, 379-Seiten, 49,99 € (D) Das Buch präsentiert einen wissenschaftlichen, gut leserlichen Überblick über alle relevanten Aspekte des weiten Feldes der Körperpsychotherapie (KPT). Der Autor Dr. Ulfried Geuter verfügt als Diplom-Psychologe, niedergelassener (Körper-)Psychotherapeut, Psychoanalytiker, Lehrtherapeut und Lehranalytiker sowie außerordentlicher Professor im Studienschwerpunkt Körperpsychotherapie des Masterstudiengangs Motologie der Universität Marburg über ein umfangreiches Hintergrundwissen. Auf dieser Basis diskutiert der Autor die verschiedenen Themenbereiche ausführlich und unterstützt seine jeweilige Position sehr anschaulich mit Therapiebeispielen, welche seine jahrzehntelange therapeutische Praxis widerspiegeln. Anders als konsensuelle Nachschlagewerke mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit trägt dieses Buch jedoch unverkennbar die Handschrift eines erfahrenen Psychotherapeuten und Wissenschaftlers, der sich nicht scheut, Stellung zu beziehen zu Thesen, Theorien und Begrifflichkeiten, die im Fachdiskurs kontrovers diskutiert werden. Kernkriterium Geuters ist immer das subjektive Erleben des Menschen. Bei aller wissenschaftlichen Tiefe geht im vorliegenden Buch der wichtigste [ 41 ] Medien & Materialien 1 | 2016 Aspekt der Körperpsychotherapie - der Klient - dadurch nicht verloren. Auch aktuelle und die Grundannahmen der Körperpsychotherapie potenziell stützende Forschungen, wie die Neurowissenschaften, werden mehrperspektivisch betrachtet und vom Autor mit Blick auf das lebendige Subjekt kritisch bewertet: »In der Körperpsychotherapie aber arbeiten wir nicht mit Energien und Hirnprozessen, sondern mit dem Leben, Erleben und Verhalten von Subjekten« (Geuter 2015, 133). Ebenso werden die Ergebnisse der Embodimentforschung, die in der Kognitionswissenschaft einen Perspektivenwechsel darstellten (vom Kopf in den Körper), als nachträglich validierend, aber ohne neuen Erkenntnisgewinn für den therapeutischen Prozess eingeordnet. Was der Titel bereits impliziert - eine Theorie unter mehreren - findet der Leser demnach im Buch genau so wieder und fühlt sich inspiriert und eingeladen, in eine Diskussion einzutreten. Wenn Geuter an Grundkonzepten der KPT rüttelt und postuliert »Ich finde, dass vieles dafür spricht, vom Energiemodell abzurücken« (Geuter 2015, 123), so mögen dem Vertreter der neo-reichianischen Schulen vielleicht nicht zustimmen. Auch sein Vorschlag, »die Körperpsychotherapie von einer zu engen Anbindung an die Psychoanalyse zu lösen« (Geuter 2015, 337) wird einigen Körperpsychotherapeuten im ersten Moment wie eine Forderung erscheinen, konzeptionell und handlungstheoretisch den Boden unter den Füßen aufzugeben. Das Buch hat jedoch nicht den Anspruch, die Körperpsychotherapie so darzustellen, dass alle zustimmen. Geuters ausführliche Begründungen bieten eine fundierte und konstruktive Arbeitsvorlage. In wissenschaftlicher Tradition lässt der Autor aus der Beschäftigung mit verschiedenen Denkansätzen und Perspektiven eine eigene Position entstehen, welche - unabhängig von individuellen oder politischen Interessen - eine genuine Suche nach Wahrheit reflektiert und zur weiteren Diskussion bereitgestellt wird. Sehr wertvoll ist der umfangreiche Beitrag zum körperlichen Geschehen in der therapeutischen Beziehung (Kapitel 14 und 15). Was implizit von jedem Therapeuten als zentrales Handwerkszeug eingesetzt wird, wird hier reflektiert und kategorisiert. Diese Kapitel setzen den Impuls zu einer (erneuten) bewussten Auseinandersetzung des Therapeuten mit seinem den therapeutischen Prozess maßgeblich bestimmenden impliziten Wissen und spontanen Handeln. Das Buch erfüllt alle Erwartungen, die man im universitären Kontext an ein wissenschaftliches Überblickswerk hat, und bietet eine potenzielle Bereicherung vor allem der akademischen Psychologie im Sinne einer Erweiterung um das Körpererleben. Im Falle der Motologie hätte man sich allerdings eine Darstellung gewünscht, die der psychischen Dimension dieser Wissenschaft gerecht wird und damit auch den fließenden Übergang zur Körperpsychotherapie deutlich werden lässt. Insgesamt leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion um Grundlagenkonzepte der Körperpsychotherapie auf dem Weg zu einer gemeinsamen Verortung und konzeptionellen Identität. Indem dieses Grundlagenwerk die zentrale Bedeutung des Körpers in der Psychotherapie auf hohem wissenschaftlichem Niveau darstellt, verleiht es der Körperpsychotherapie ein spürbares Gewicht als eigene Wissenschaft im psychotherapeutischen Diskurs. Benajir Wolf DOI 10.2378 / motorik2016.art10d