motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Rezensionen: Kuhlenkamp, Stefanie: Lehrbuch Psychomotorik. Ernst Reinhardt Verlag, München, 2017.
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Astrid Krus
Kuhlenkamp, Stefanie: Lehrbuch Psychomotorik. Ernst Reinhardt Verlag, München, 2017, 237 Seiten, € 29,99 (D)
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[ 36 ] 1| 2018 Medien & Materialien [ MeDieN uND MATeRiAlieN ] Rezensionen Kuhlenkamp, Stefanie: Lehrbuch Psychomotorik. Ernst Reinhardt Verlag, München, 2017, 237 Seiten, € 29,99 (D) Einleitend stellt die Autorin die interessante Frage, ob die auf leiblichen Erfahrungsprozessen basierende Psychomotorik überhaupt in einem Lehrbuch vermittelt werden kann. Die Antwort darauf erhalten die LeserInnen im Verlauf des Buches. Im ersten Teil wird »Psychomotorik« als Terminus und Konzept mehrperspektivisch betrachtet und die zentralen Begrifflichkeiten (Bewegung, Wahrnehmung, Handeln, Erleben) definiert und in ihrer Wechselwirkung beschrieben. Die Übersicht zur Entwicklung der Psychomotorik in Deutschland verdeutlicht, dass die Ausdifferenzierung und Weiterentwicklung unter Einfluss unterschiedlichster Bezugstheorien (Handlungstheorien, Systemische Theorien, Hermeneutik) zu einer Vielzahl an aktuell bestehenden Ansätzen und Konzepten geführt hat, die überblicksartig skizziert werden. Der nachfolgende Diskurs zu den verschiedenen Paradigmen der Psychomotorik zwischen Pädagogik, Therapie, Entwicklungs- und Gesundheitsförderung bildet die Hintergrundfolie, um die praktische psychomotorische Handlungsweise einordnen zu können. Die theoretische Fundierung der Bedeutung von Bewegung verdeutlicht deren hohe Relevanz für das Individuum und die pädagogische / therapeutische Arbeit. Die Bezugnahme auf die Konzepte der Resilienz und Ressourcenförderung liefert Begründungszusammenhänge für die Wirkung der Psychomotorik und fokussiert dabei auf die Beziehungsgestaltung als moderierende Variable. Auf der Basis der theoretischen Grundlagen wird im zweiten Teil des Buches die Praxis psychomotorischen Handelns thematisiert. Da es nicht die Psychomotorik gibt, sondern mehrperspektivische Ansätze und Paradigmen die Psychomotorik kennzeichnen, erfordert dies von den PraktikerInnen eine aktive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen theoretischen Hintergrund, dem Handlungsfeld und der Zielgruppe, die erst adressatengerechtes psychomotorisches Arbeiten ermöglicht. Als wesentliche Variable pädagogischen Handelns gilt dabei die eigene professionelle Haltung, die als »Zusammenwirken von Orientierungsmustern, Normen, Deutungsmustern und Einstellungen« (115) definiert ist und durch die Verbindung von impliziten (Bewegungs-)Erfahrungen und Wissen mit Fachwissen und Reflexion herausgebildet wird. Für die Ausgestaltung der psychomotorischen Praxis werden erforderliche Handlungsschritte wie Auftragsklärung, diagnostisches Arbeiten, Dokumentation und Kooperation mit Bezugspersonen und Netzwerken fachlich dargelegt. Zudem werden die grundlegenden Handlungsprinzipien psychomotorischer Praxis, die Beziehungs- und Dialogorientierung, Spiel- und Gruppenorientierung, Ressourcenorientierung / Resilienzförderung und Entwicklungsorientierung theoretisch eingeordnet und in ihrer Bedeutung für das eigene Handeln erläutert. Für die konkrete Angebotsplanung finden Aspekte des Raumes, der Materialauswahl wie der zeitlichen Dimension Berücksichtigung. Die Umsetzung der zuvor ausgeführten Grundlagen psychomotorischer Handlungspraxis wird anhand ausgewählter Angebote aus dem Kindes- und Erwachsenenalter sowie dem hohen Alter aufgezeigt, welche die Relevanz der Psychomotorik über die Lebensspanne mit je unterschiedlichen Intentionen und Zugangsweisen verdeutlichen. Die verständliche Präsentation der Inhalte sowie der Aufbau der einzelnen Kapitel mit den intendierten Lernzielen, Reflexionsfragen sowie einer kurzen Zusammenfassung am Ende unterstützen den Selbstlernprozess und die eigenständige und kritisch Auseinandersetzung mit den Lerninhalten. [ 37 ] Medien & Materialien 1| 2018 Der Serviceteil bietet den LeserInnen in Deutschland und Österreich zudem Informationen zu hoch- und fachschulischen Ausbildungsgängen, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Interessenvertretungen in Form von Verbänden, Stiftungen und Psychomotorikvereinen. Die eingangs gestellte Frage kann damit positiv beantwortet werden. Die leibliche Erfahrung bildet zwar das Fundament und den Reflexionsrahmen der eigenen psychomotorischen Arbeit, die Auseinandersetzung mit den theoretischen Grundlagen stellt aber eine unabdingbare Voraussetzung für den fachlichen Diskurs und eine fundierte, reflektierte Praxis dar. Astrid Krus DOI 10.2378 / motorik2018.art08d Beins, Hans Jürgen; Lensing-Conrady, Rudolf; Wolf, Guido: Von Sinnen. Impulse und Interventionen für Meetings, Workshops, Konferenzen. Ein Methodenbuch. Verlag modernes lernen, Dortmund, 2017, 144 Seiten, € 18,80 (D) Erlebnisreiche Events für MitarbeiterInnen sowie Spielgelegenheiten direkt am Arbeitsplatz gewinnen nicht nur in den Kreativabteilungen von Unternehmen, sondern auch in Form von Teambuilding-Aktionen und Bewegungspausen in Meetings von kleinen und großen Teams an Bedeutung. Ihnen werden eine erholsame Aktivierung zugesprochen sowie die Förderung von Motivation, Kreativität und insbesondere von Problemlösefähigkeit - einer Metakompetenz, die für individuelle und teamorientierte Arbeitsprozesse besonders wichtig erscheint. Mit »Von Sinnen« legt das Autorenteam Hans Jürgen Beins, Rudolf Lensing-Conrady und Guido Wolf ein Methodenbuch für eben solche Aktionen vor. In einer kurzen Einleitung wird der Zusammenhang von Organisationsentwicklung und der damit verbundenen Sinn-Suche mit der sinnlichen Wahrnehmung und ihrer Förderung hergestellt, wodurch sich die Titelauswahl erschließen lässt. Die Autoren schildern ihre Erfahrung als Begleiter von Entwicklungsprozessen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter und als Leiter von Fortbildungs- und Beratungsangeboten sowie ihre Motivation, das vielfach erprobte Repertoire zusammenzutragen und für andere TrainerInnen, Coaches, ModeratorInnen oder Faciliator zur Verfügung zu stellen. Eine kurze Gebrauchsanweisung leitet über in den Hauptteil mit einer umfangreichen und bebilderten Zusammenstellung von Spielen, Übungen, Impulsen und Interventionen, deren Begriffe von den Autoren synonym verwendet werden. Nach Materialeinsatz geordnet werden in drei Kapiteln insgesamt 51 bewegungsorientierte Ideen vorgestellt: Mit vollem Einsatz - ohne Material; mit Alltagsmaterialien (z. B. Zollstöcke, Zeitungen und Teppichfliesen) sowie MiniMat - Minimaler Materialaufwand (z. B. Moderationskarten, Stifte, Klebeband und Luftballons). Jede Übung wird auf einer Doppelseite zunächst zusammengefasst nach: Teilnehmerzahl, Organisationsform, Zeitrahmen, Ort, Material, Schwerpunkt, Charakteristik, Positionierung. Die LeserInnen können sich somit einen kurzen Überblick verschaffen und erhalten neben einem Foto der Aktion eine detaillierte Beschreibung sowie Hinweise zum Ziel und zu den Effekten der Übung für die Teilnehmenden. Als solche werden beschrieben: spielerisch in Bewegung kommen, lockere Form der Begegnung, ungewöhnliche Perspektiven einnehmen, das Denken »out of the box«, Risikobereitschaft erfahren, usw. In einem Nachwort geben die Autoren einen Überblick über die Wahrnehmungssysteme und weisen anschließend auf Literatur und Adressen zur Materialbestellung sowie Workshops hin. Die hier zusammengestellten Interventionen wirken abwechslungsreich und sprechen die Experimentierfreude, eine lockere Kontaktaufnahme und das gemeinsame Lösen von ungewöhnlichen Aufgaben in der Gruppe an. Nicht alle Inhalte sind neu, stehen hier jedoch in einem neuen Zusammenhang und verfolgen eine klare Zielsetzung für Fachkräfte, die miteinander arbeiten. Die gut durchdachte Struktur, die Anordnung und farbige Illustration tragen im hohen Maße zur Orientierung
