motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mot2019.art27d
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Medien & Materialien: Richard-Elsner, Christiane: Draußen spielen
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Kerstin Rau-Bertold
Richard-Elsner, Christiane: Draußen spielen. Lehrbuch Beltz Juventa, Weinheim 2017, 216 Seiten, € 19,95 (D) Einleitend wirft die Autorin die Frage auf, ob zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Kindheit, nämlich dem freien Kinderspiel im Freien ohne Anleitung durch Erwachsene, ein Lehrbuch geschrieben werden muss? So führt sie die LeserInnen zunächst in den Bereich der eigenen Erinnerungen: Straßenkreidemalen, Versteckenspielen, Bolzen auf der Wiese usw. Sie betont, dass die in dieser Spielform erworbenen Selbstwirksamkeitserfahrungen des Kindes verloren zu gehen scheinen und der damit einhergehende Bewegungsmangel durch angeleitete Sportangebote kaum aufgefangen werden kann. Die Autorin beschreibt das Draußenspiel »als einen blinden Fleck der Moderne« (13), dem die nötige Aufmerksamkeit durch Eltern, pädagogische Fachkräfte und Wissenschaft fehlt. [...]
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[ MEDIEN UND MATERIALIEN ] [ 151 ] Medien und Materialien 3| 2019 Rezensionen Richard-Elsner, Christiane: Draußen spielen. Lehrbuch Beltz Juventa, Weinheim 2017, 216 Seiten, € 19,95 (D) Einleitend wirft die Autorin die Frage auf, ob zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Kindheit, nämlich dem freien Kinderspiel im Freien ohne Anleitung durch Erwachsene, ein Lehrbuch geschrieben werden muss? So führt sie die LeserInnen zunächst in den Bereich der eigenen Erinnerungen: Straßenkreidemalen, Versteckenspielen, Bolzen auf der Wiese usw. Sie betont, dass die in dieser Spielform erworbenen Selbstwirksamkeitserfahrungen des Kindes verloren zu gehen scheinen und der damit einhergehende Bewegungsmangel durch angeleitete Sportangebote kaum aufgefangen werden kann. Die Autorin beschreibt das Draußenspiel »als einen blinden Fleck der Moderne« (13), dem die nötige Aufmerksamkeit durch Eltern, pädagogische Fachkräfte und Wissenschaft fehlt. Ausgehend von dieser These, führt sie die LeserInnen in die Geschichte des Spiels ein und fasst die wesentlichen Aussagen einschlägiger Spieltheorien verständlich zusammen. Kaum eine andere Domäne kindlicher Entwicklung wird in den pädagogischen Ansätzen so unterschiedlich betrachtet wie das Spiel des Kindes: die Ambivalenz zwischen Spiel und Ernst des Lebens, Lernen im Spiel oder durch Spiel, die Abgrenzung von Spiel und Exploration, Spiel und Bewegung. Die Bedeutung des Spiels in der Entwicklung des Kindes wird in diesen Diskursen jedoch nicht in Frage gestellt. Draußenspiel scheint die wesentlichen Merkmale des reinen Spiels, nämlich den eigenständigen, freiwilligen, bewegungsorientierten, kreativen und zeitvergessenen Umgang mit der Umwelt zu beinhalten und stellt somit die von den Kindern bevorzugte Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt dar. Nach Aussagen der Autorin haben die veränderten Lebenswelten der Familien und die Institutionalisierung der Kindheit das Draußenspiel verändert bzw. in den Hintergrund pädagogischer Betrachtungsweisen gedrängt. Das Draußenspiel sei in der Stadt auf den ersten Blick nicht möglich. In der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Spiels wird im Buch deutlich, dass das Spiel der Kinder in der historischen Betrachtungsweise immer auch ein Spiegelbild der jeweiligen Epoche und Kultur einer Gesellschaft ist. Ausgehend von diesem Gedanken, stellt die Autorin die Frage, wie das Draußenspiel in der heutigen Zeit von den Erwachsenen gefördert werden kann? Das hohe Sicherheitsbedürfnis der Eltern behindere, ebenso wie der Verlust von Freiflächen, ein freies, ohne Begleitung der Erwachsenen stattfindendes Spiel der Kinder. In den Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit seien es oft die Regeln zur Aufsichtspflicht und die pädagogischen Rahmenpläne, die diese Aspekte des Spiels in den Hintergrund drängen. In ihrer Zusammenfassung regt die Autorin an, nicht nur der Vergangenheit nachzutrauern, sondern neben aller Forderungen zur Schaffung von Aktionsräumen und Wertschätzung für kindliches Spiel, auch die schon vorhandenen Spielräume unter den Aspekten des Draußenspiels zu nutzen (197). Das Lehrbuch von Christiane Richard-Elsner regt sehr zum Nachdenken an, beschreibt die Aspekte des Draußenspiels umfänglich und sachlich und kann bei der Entwicklung von Handlungsplänen unterstützen. Es ist verständlich geschrieben und spricht pädagogische Fachkräfte sowie Eltern an. Das Buch über einen selbstverständlichen Bestandteil der Kindheit ist ein Beitrag zur Verkleinerung des »blinden Flecks in der Moderne«. Kerstin Rau-Berthold DOI 10.2378 / mot2019.art27d
