eJournals motorik43/1

motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mot2020.art02d
7_043_2020_1/7_043_2020_1.pdf11
2020
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Forum Psychomotorik: Die psychomotorische Schule

11
2020
Astrid Krus
Kerstin Schmidt-Gutmann
Wie gelingt Kindern mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der erfolgreiche Übergang in die Schule, wie erschließen sich Kinder eigenständig den Lernstoff, wie können weitere, lernstützende Kompetenzen aufgebaut werden? Diesen Herausforderungen begegnet die Brüder Grimm Schule in Krefeld mit einem Modell psychomotorischer Interventionen auf verschiedenen Ebenen. Das Angebotsspektrum umfasst das bewegte Lernen im inklusiven Unterricht sowie zusätzliche psychomotorische Förderstunden. Ein gemeinsames psychomotorisches Bewegungsangebot für Vorschul- und Schulkinder schafft die Möglichkeit, neue Kompetenzen zu erwerben und sich mit dem Kontext Schule vertraut zu machen.
7_043_2020_1_0003
Zusammenfassung / Abstract Wie gelingt Kindern mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der erfolgreiche Übergang in die Schule, wie erschließen sich Kinder eigenständig den Lernstoff, wie können weitere, lernstützende Kompetenzen aufgebaut werden? Diesen Herausforderungen begegnet die Brüder Grimm Schule in Krefeld mit einem Modell psychomotorischer Interventionen auf verschiedenen Ebenen. Das Angebotsspektrum umfasst das bewegte Lernen im inklusiven Unterricht sowie zusätzliche psychomotorische Förderstunden. Ein gemeinsames psychomotorisches Bewegungsangebot für Vorschul- und Schulkinder schafft die Möglichkeit, neue Kompetenzen zu erwerben und sich mit dem Kontext Schule vertraut zu machen. Schlüsselbegriffe: Schule, bewegtes Lernen, bewegter Übergang, psychomotorische Förderung Psychomotricity in primary school How do children with different learning conditions achieve a successful transition to school, how do children develop their own learning contents and how can further skills, important for learning, be developed? The Brüder Grimm School in Krefeld meets these challenges with a model of psychomotor interventions at various levels. The range of services includes movement based learning in inclusive lessons as well as additional psychomotor assisted lessons. A shared psychomotor exercise program for pre-school and school children offers the opportunity to acquire new skills and familiarise themselves with the context of school. Key words: school, physical activity based learning, physical activity based transition, psychomotor intervention [ 4 ] [ FORUM PSYCHOMOTORIK ] 1 | 2020 motorik, 43. Jg., 4-9, DOI 10.2378 / mot2020.art02d © Ernst Reinhardt Verlag Die psychomotorische Schule Bewegter Übergang-- Bewegtes Lernen-- Bewegte Förderung Astrid Krus, Kerstin Schmidt-Gutmann Die Gemeinschaftsgrundschule Brüder-Grimm in Krefeld (D) ist eine Schwerpunktschule für das Gemeinsame Lernen. Die sonderpädagogischen Förderbereiche sind hierbei insbesondere »Lernen«, »Emotionale und soziale Entwicklung«, »Sprache und Kommunikation« und »Geistige Entwicklung«. Seit dem Schuljahr 2013 / 14 ist sie zusätzlich Schwerpunktschule für SeiteneinsteigerInnen. Etwa 220 SchülerInnen besuchen die Schule (Stand Schuljahr 2018 / 19), von denen ca. 20 % einen sonderpädagogischen Förderbedarf aufweisen. Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund liegt zwischen 60 und 70 %, die SeiteneinsteigerInnen machen etwa 10 % aus. Der regelmäßige Schulbesuch ist nicht bei jedem Kind gegeben, viele Eltern sprechen und verstehen die deutsche Sprache nicht oder nur sehr eingeschränkt. Die sozialen Hintergründe vieler SchülerInnen sind instabil und nicht lernunterstützend. Gleichermaßen besuchen Kinder die Schule, deren Eltern viel Wert auf eine gute Schulbildung legen und ihre Kinder entsprechend unterstützen und fördern. Abb.-1: Drei Säulen Modell der psychomotorischen Schule [ 5 ] Krus, Schmidt-Gutmann • Die psychomotorische Schule 1 | 2020 Aufgrund der beschriebenen Diversität und Heterogenität besteht ein hoher Bedarf an individueller Förderung und Zuwendung. Die Notwendigkeit eines inklusiven Lernortes-- einer Schule für alle Kinder-- ergibt sich von selbst und wird von den PädagogInnen zunehmend realisiert. Seit dem Schuljahr 2013 / 14 wird in der so genannten »Psychomotorik-Klasse« ein Unterrichtsmodell umgesetzt, das durch die Trias Bewegung, Lernen und Inklusion charakterisiert ist. Das Konzept der Psychomotorik bietet dabei einen Ansatz, den vielfältigen Herausforderungen des schulischen Alltags zum Wohle der Kinder zu begegnen. Drei Säulen psychomotorischer Arbeit Aus einer Kooperation zwischen dem Studiengang »Kindheitspädagogik- - Bildung durch Bewegung« der Hochschule Niederrhein und der Brüder Grimm Schule entstanden in der Anfangsphase zwei psychomotorische Angebote: das psychomotorisch geprägte Lehren und Lernen im Unterricht sowie die psychomotorischen Förderstunden, die von den Studierenden für ausgewählte Kinder aus den ersten Grundschulklassen angeboten wurden. Durch den intensiven fachlichen Austausch zwischen allen Prozessbeteiligten (Schulleitung, Lehrerin, Hochschullehrerin, Studierende) erwuchs die konzeptionelle Überlegung, Kindern und ihren Familien den Übergang in die Schule zu erleichtern bzw. ihnen bereits vor Schulbeginn die Entwicklung von Basiskompetenzen zu ermöglichen. Dies mündete in einem Bewegungsangebot für angehende Schulkinder aus drei umliegenden Kindertagesstätten sowie Grundschulkindern der ersten Klasse, welches die drei Säulen psychomotorischer Arbeit in der Schule vervollständigt (Abb.-1). Aus der chronologischen Perspektive der Kinder heraus werden nachfolgend die drei Säulen psychomotorischer Arbeit in ihrer fachlichen Einordnung, inhaltlichen Ausrichtung, organisatorischen Struktur und ihren Rahmenbedingungen vorgestellt. Psychomotorik in der Übergangsgestaltung Der Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule nimmt für die Kinder und ihre Eltern eine Schlüsselrolle ein, die als »Signatur der Biografie« (Rath 2011, 10) maßgeblich die weitere Bildungsbiografie prägen kann. Der Übergang ist für sie mit erheblichen Veränderungen auf der individuellen, interaktiven und kontextuellen Ebene verbunden (Abb.- 2), für die sie neue Handlungs- und Verhaltensmuster benötigen. Auf der individuellen Ebene müssen sich die Kinder mit der neuen Rolle als Schulkind auseinandersetzen, die von ihnen spezifische Kompetenzen des Lernens, der Selbstorganisation sowie der psychisch-emotionalen Selbstregulation erfordert. Auf der interaktiven Ebene prägen der Abschied von vertrauten SpielkameradInnen und Fachkräften sowie der Aufbau neuer Beziehungen zu KlassenkameradInnen und LehrerInnnen das Übergangsgeschehen. Die neuen Räumlichkeiten und die Regeln des schulischen Alltags sind Herausforderungen auf der kontextuellen Ebene. Um Kinder und ihre Eltern frühzeitig in die- Individuelle Ebene •   Bewältigung von Emotionen •   Neues Selbstbild als kompetentes Schulkind •   Aufbau von Basiskompetenzen •   Erwerb unterrichtsnaher sowie schulischer Kompetenzen •   Selbständigkeit Interaktive Ebene •   Abbruch bestehender Beziehungen •   Neuaufbau von Beziehungen zu LehrerInnen und MitschülerInnen •   Eigenständigkeit, Übernahme von Verantwortung •   Neue Rolle, Umgang mit Rollenunsicherheit Kontextuelle Ebene •   Auseinandersetzung mit neuer Umgebung •   Aufbau kognitiver Raumkarten •   Neue Regeln und Anforderungen •   Organisation des Tages- und Wochenablaufes Abb.-2: Veränderungen beim Übergang von der Kita in die Grundschule (in Anlehnung an Krus 2017, 279) [ 6 ] 1 | 2020 Forum Psychomotorik sem Prozess zu unterstützen, wurde ein Angebot psychomotorischer Förderung installiert, bei dem Vorschulkinder aus drei kooperierenden Kitas und Schulkinder der ersten Klasse einmal wöchentlich eine Psychomotorikgruppe in der Grundschule besuchen. Die Teilnahme ist für die Kinder kostenfrei. Geleitet werden die Fördergruppen von angehenden KindheitspädagogInnen, die über die abgeschlossene Berufsqualifikation Psychomotorik (dakp) verfügen. Handlungsleitend für die Projektentwicklung waren die folgenden Prämissen: ■ die Kinder sollen Explorations- und Erfahrungsräume erleben, die ihre Kompetenzen fördern, ■ die Aktivitäten der Vorschulkinder in einer Gruppe bestärken ihre Möglichkeiten den Statuswechsel zum Schulkind gemeinsam zu erleben, ■ die Gruppenzusammensetzung mit Kindern der ersten Klasse ermöglicht eine Orientierung an älteren Peers, die ihnen Zugänge zum neuen, unbekannten Handlungsfeld eröffnen, ■ die Verortung in der Sporthalle der Schule macht die angehenden Schulkinder mit dem neuen Lebensraum vertraut. Das psychomotorische Angebot intendiert die Unterstützung der Kinder in der Bewältigung des Übergangs durch spielerische Bewegungssettings, die ihnen Handlungsstrategien auf allen drei Ebenen vermitteln (Tab.-1). Durch die wohnortnahe Anbindung des Angebotes konnten zudem die Eltern involviert werden, um auch ihre Potenziale als Akteure und Moderatoren im Übergangsprozess zu stärken. Im Vordergrund standen dabei: ■ ein Austauschforum für Eltern von Vorschulkindern zu schaffen, ■ ihnen die Bedeutung von Bewegung für die kindliche Entwicklung nahe zu bringen und ■ Berührungsängste mit dem Kontext Schule abzubauen (Tab.-2). Zur Absicherung der rechtlichen und finanziellen Fragen war der Aufbau eines Netzwerkes erforderlich, in das die einzelnen Partner mit jeweils spezifischen Aufgaben integriert sind. Die Vorschulkinder kommen aus drei kooperierenden Kindertagesstätten, der Förderverein BGS e.V. der Individuelle Ebene Interaktive Ebene Kontextuelle Ebene Quantitative und qualitative Erweiterung des Bewegungsrepertoires Unterstützung sozialer Kompetenzen im kooperativen Handeln Kennenlernen neuer Regeln in anderen Kontexten Spielerischer Erwerb von Problemlöse- und Handlungsstrategien Veränderungen werden in Gemeinschaft erlebt Schule und Sporthalle als neues Handlungsfeld Schaffung schulrelevanter Lernvoraussetzungen: Ausdauer, Konzentration, Frustrationstoleranz, Aufgabenfokussierung Erleben von sozialen Regeln und Umgangsformen im spielerischen Kontext (Abb.-3) Entwicklung erweiterter kognitiver Raumkarten, welche die Orientierung erleichtern Selbstwirksamkeitserfahrungen und Stärkung des Selbstwertgefühls, der psychisch-emotionalen Entwicklung Aufbau neuer sozialer Bezüge Bewegte Sprachförderung - Bildungssprache Orientierung an älteren Kindern, Peers als Handlungsmodell Spiel- und Erholungsphasen Tab.1: Ziele des-psychomotorischen Angebotes zur-Übergangsgestaltung Abb.-3: Erleben von sozialen Regeln und Umgangsformen im spielerischen Kontext [ 7 ] Krus • Die psychomotorische Schule 1 | 2020 [ 7 ] Krus, Schmidt-Gutmann • Die psychomotorische Schule 1 | 2020 Schule fungiert als Träger des Projektes und hat die Finanzierung der Studierenden übernommen. In jedem Jahr wird durch Flyer (Abb.-4) in den Kitas auf das Angebot aufmerksam gemacht. Für die LehrerInnen der Grundschule besteht zudem die Möglichkeit, ein angemessenes Förderangebot für die Kinder zu bieten, die im Einschulungsparcours Unterstützungsbedarf erkennen lassen. Abb.-4: Flyer Bewegtes Lernen-- Psychomotorik im Unterricht Im Rahmen der Grundschule arbeitet die Psychomotorik-Klasse als Erprobungsmodell, in der jahrgangsübergreifend in einer vielfältigen Lerngruppe inklusiv unterrichtet wird. Die Umsetzung des pädagogischen Konzeptes findet sich insbesondere in der Strukturierung des Tagesablaufes wieder. An vier Tagen der Woche beginnt der Tag mit Freier Arbeit nach Maria Montessori (Stein 2012; Allmann / Stein 2019), möglichst im Teamteaching (Grundschullehrerin und Sonderpädagogin). Die Freie Arbeit umfasst die Fächer Deutsch, Mathematik, Sachunterricht und Kunst. Die Kinder kommen in den Klassenraum, werden von den anwesenden Lehrkräften persönlich begrüßt und beginnen sofort mit der Arbeit. Entlang des Montessori Materials arbeiten die Kinder selbstständig und selbstverantwortlich. Das Team ist durch die Doppelbesetzung in der Lage, individuell auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Aber auch wenn eine Lehrkraft alleine anwesend ist, gelingt es, durch die zur Selbstständigkeit anregende Struktur, in die individuelle Förderung der Kinder einzusteigen und sie in ihren Lernprozessen zu unterstützen. Die Freie Arbeit nach Maria Montessori hat sich zum Kernstück des Unterrichtes entwickelt. Wichtig ist hierbei, dass der Grundsatz der Psychomotorik, dass jeder Mensch sich über die Bewegung erfährt und Bewegung eine grundlegende Kommunikationsform ist, mit in den Fo- Individuelle Ebene Interaktive Ebene Kontextuelle Ebene Unterstützungspotenziale für das Kind erfahren Neue soziale Bezüge zu anderen Vorschul- und Schuleltern aufbauen Berührungsängste mit der Institution Schule abbauen Bedeutung von Aktivitäts- und Entspannungsphasen erkennen Eltern von Schulkindern können als Bildungslotsen, Bildungspaten fungieren Kennenlernen der neuen Kontextbedingungen im Austausch mit anderen Eltern unterstützen Im informellen Austausch Informationen über die Einschulung und die Anforderungen der Grundschule erhalten Möglichkeiten der Kooperation mit anderen Institutionen schaffen Austausch über die Schulelternrolle anregen Nachhaltige Beteiligungskultur der Eltern durch Miteinander initiieren Tab.-2: Ziele der psychomotorischen Förderung zur Unterstützung der Eltern im Übergangsprozess [ 8 ] 1 | 2020 Forum Psychomotorik kus rückt. Im Unterricht bedeutet dies, dass den Kindern die Möglichkeit zum Lernen durch Bewegung gegeben ist, dass es während der Freien Arbeit keine »festen« Sitzplätze gibt, dass der Fußboden mit Teppich als Arbeitsfläche dienen kann, dass der vorhandene Nebenraum genutzt wird, um großflächige Materialien aufzubauen und in kleinen Projektgruppen daran zu arbeiten und dass alle SchülerInnen für die Beschaffung des Arbeitsmaterials selbstverantwortlich sind. Abb.-5: Arbeitsplatz Bewegtes Lernen ist erwünscht und wird von den SchülerInnen kreativ, freudig und jederzeit gerne umgesetzt. Die Wahlmöglichkeit des Arbeitsplatzes (Abb.-5) entsprechend der Tätigkeiten wird von den SchülerInnen sehr begrüßt und impliziert Bewegung während des Lernens. Des Weiteren kommt es automatisch zu unterschiedlichsten Zusammensetzungen der Arbeitsteams. Gleichstarke Kinder verabreden sich zu Aufgaben, die neue Herausforderungen an sie stellen; Kinder, die Hilfe brauchen, bitten andere Kinder darum. Wiederum bieten sich leistungsstärkere Kinder an, anderen ein Material zu zeigen, und festigen so ihr eigenes Wissen und Können. Im sozial-emotionalen Bereich ermöglicht die Vielfalt der Arbeitsweisen den SchülerInnen, sich in sicheren Bereichen zu bewegen bzw. sich selbstgewählt vor neue Herausforderungen zu stellen. Auch hier ermöglicht die Freie Arbeit den Lehrkräften eine Begleitung und Stärkung der sozialen Kompetenzen. Inklusion findet ganz selbstverständlich statt. Für die SchülerInnen ist in dieser Lernumgebung Vielfalt kein Thema. Getragen wird der pädagogische Ansatz dieses Modells durch die ganzheitliche, psychomotorische Ausrichtung der Arbeit. Das ständige Streben danach, jedes Kind für sich als selbstwirksam und in seinem Tun und Handeln wertgeschätzt und unterstützt zu empfinden, ist der zentrale Aspekt in diesem Modell. Psychomotorische Förderstunden Die Freude der Kinder an der Bewegung und die Möglichkeit, ihnen vielfältige Bewegungs- und Handlungserfahrungen zu bieten, in denen sie ihre motorischen und sozialen Kompetenzen stärken, ihre Problemlösefähigkeit erweitern sowie in ihrer psychisch-emotionalen Entwicklung unterstützt werden, sind das Ziel der psychomotorischen Förderstunden. Erhielten zu Beginn nur die Kinder der ersten Klassen einmal wöchentlich eine psychomotorische Förderstunde, konnte das Angebot mittlerweile auf alle vier Grundschulklassen ausgeweitet werden. In Absprache mit den zuständigen KlassenlehrerInnen werden Kinder, die einen spezifischen Förderbedarf haben, für die Psychomotorikgruppe vorgeschlagen. Um den Zugang möglichst niederschwellig zu halten, werden diese Förderstunden im Rahmen des schulischen Vormittags angeboten. Bis zu zehn Kinder aus verschiedenen Klassen einer Jahrgangsstufe nehmen an dem Angebot teil, das von zwei oder drei Studierenden geleitet wird. Die Studierenden befinden sich in der letzten Ausbildungsphase der Weiterbildung der Berufsqualifikation Psychomotorik (dakp) und werden in ihrem praktischen Handeln durch Lehrende der Hochschule supervidiert. Die angehenden PsychomotorikerInnen gestalten Bewegungsangebote, die sich an den spezifischen Interessen, Themen und Stärken der Kinder orientieren und ihnen die Möglichkeit bieten, sich im sozialen Miteinander, in Gestaltungsaufgaben und im eigenen Handeln als selbstwirksam zu erleben. Sich und andere in der Bewegung wahrzunehmen, Möglichkeiten und Grenzen zu erfahren, mit Erfolg und Frustrationen umzugehen, sind nur einige der Kernthemen dieser Stunden. Bewegungsaktivitäten als Sprachanlässe zu generieren, sind für diese Zielgruppe ebenfalls von zentraler Bedeutung. [ 9 ] Krus • Die psychomotorische Schule 1 | 2020 [ 9 ] Krus, Schmidt-Gutmann • Die psychomotorische Schule 1 | 2020 Resümee Das vorliegende Projekt zeigt eine idealtypische Möglichkeit mehrdimensionaler psychomotorischer Arbeit an einer Grundschule auf, die von Kindern und Eltern sehr positiv aufbzw. angenommen wird und sich in den Bildungsbiografien der Kinder widerspiegelt. Die innere Vernetzung der einzelnen Angebotsformen ermöglicht die Implementierung des psychomotorischen Gedankens (der psychomotorischen Arbeitsweise) auf allen Ebenen des schulischen Kontextes und gewährleistet damit eine gezielte, individuelle Bildungsbegleitung und -förderung der Kinder, die der Bewegung als Medium der Entwicklungsförderung und des Lernens (Bahr et al. 2012) gerecht wird. Dieser vielschichtigen Angebotsstruktur liegen jedoch Bedingungen und Netzwerkstrukturen zugrunde, die nicht an allen Standorten umgesetzt werden können. Eine zentrale Moderatorvariable ist das Engagement der Grundschullehrerin, geeignete Netzwerkpartner (Kitas, Förderverein) anzusprechen, für das Projekt zu gewinnen und die Kontinuität des Netzwerks aufrechtzuerhalten. Da die Finanzierung des psychomotorischen Übergangsprojekts auf der freiwilligen Unterstützung des schulischen Fördervereins beruht, ist eine dauerhafte Verstetigung leider nicht gesichert. Die Kooperation mit der Hochschule Niederrhein und den Studierenden des Bachelorstudiengangs Kindheitspädagogik setzt das Interesse der Studierenden voraus, die sich in diesem Service Learning Projekt (Krus / Pla 2016) engagieren und eine begleitende psychomotorische Qualifikation erwerben möchten. Der Mehrwert dieser Kooperation kommt dabei nicht nur den Kindern und ihren Familien zugute, auch die Studierenden profitieren von den vielfältigen Praxiserfahrungen, die sie in ihrer pädagogischen und psychomotorischen Kompetenz stärken. Literatur Allmann, S., Stein, E. (2019): Freiarbeit und Leistung: in der Montessori-Pädagogik. Herder, Freiburg Bahr, S., Kallinich, K., Beudels, W., Fischer, K., Hölter, G., Jasmund, C., Krus, A., Kuhlenkamp, S. (2012): Bedeutungsfelder der Bewegung für Bildungs- und Entwicklungsprozesse im Kindesalter. motorik 35 (3), 98-109 Krus, A. (2017): Bewegung im Bildungsdreieck Kita- - Verein-- Schule. In: Zimmer, R., Hunger, I. (Hrsg.): Gut starten. Bewegung- - Entwicklung- - Diversität. Kongressband Bewegte Kindheit. Hofmann, Schorndorf, 278-286 Krus, A., Pla, G. (2016): Psychomotorische Förderung als Service Learning Projekt. motorik 39 (1), 4-10, https: / / doi.org/ 10.2378/ mot2016.art02d Rath, M. (2011): Übergänge sind immer. Anthropologische Überlegungen zu einem pädagogischen Thema. In: Bellenberg, G., Höhmann, K., Röbe, E. (Hrsg.): Übergänge. Friedrich Jahresheft. Friedrich, Seelze, 10-13 Stein, B. (2012): Die Montessori-Grundschule: in Theorie und Praxis. Herder, Freiburg Die Autorinnen Prof.in Dr. Astrid Krus Diplom Motologin, Professorin für das Lehrgebiet Kindheitspädagogik an der Hochschule Niederrhein (HSNR), Leiterin des Kompetenzzentrums Kindheitspädagogik in Bewegung (HSNR), stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Akademie-- Aktionskreis Psychomotorik e.V. Kerstin Schmidt-Gutmann Diplom-Motologin, Konrektorin der Gemeinschaftsgrundschule Brüder-Grimm Krefeld, Montessori-Pädagogin Anschriften Prof.in Dr. Astrid Krus Hochschule Niederrhein Fachbereich Sozialwesen Richard-Wagner-Str. 101 D-41065 Mönchengladbach astrid.krus@hs-niederrhein.de Kerstin Schmidt-Gutmann GGS Brüder-Grimm Freiligrathstraße 47 D-47799 Krefeld kerstin_s_gutmann@yahoo.de