motorik
7
0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mot2022.art19d
7_045_2022_2/7_045_2022_2.pdf41
2022
452
Rezension: Thimme, T./Deimel, H./Hölter, G. (2021): Bewegung und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Grundlagen - Störungsbilder - Therapie
41
2022
Stefanie Kuhlenkamp
Mit diesem Buch legen die Autoren eine umfangreiche Sammlung und Diskussion des aktuellen Stands der Bewegungstherapie (BWT) für Kinder und Jugendliche in Deutschland vor. Die Inhalte werden hierfür in vier große Hauptkapitel gegliedert: 1. Grundlagen und theoretische Überlegungen, 2. Ziele, Inhalte und Settings, 3. Störungsbilder, 4. Praktische Handreichungen und Hilfen.
7_045_2022_2_0011
[ 98 ] 2 | 2022 Medien & Materialien [ MEDIEN & MATERIALIEN ] Rezension Thimme, T./ Deimel, H./ Hölter, G. (2021): Bewegung und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Grundlagen-- Störungsbilder-- Therapie. Schattauer, Stuttgart ISBN 978-3-608-40014-4 (Print); 58,00 € Mit diesem Buch legen die Autoren eine umfangreiche Sammlung und Diskussion des aktuellen Stands der Bewegungstherapie (BWT) für Kinder und Jugendliche in Deutschland vor. Die Inhalte werden hierfür in vier große Hauptkapitel gegliedert: 1. Grundlagen und theoretische Überlegungen, 2. Ziele, Inhalte und Settings, 3. Störungsbilder, 4. Praktische Handreichungen und Hilfen. Als zentrales Anliegen des Buches formulieren die Autoren: »theorieorientierte bewegungstherapeutische Behandlungsmöglichkeiten bei psychisch kranken Kindern und Jugendlichen aufzuzeigen« (32). Dabei plädieren sie dafür, eine »sportwissenschaftlich orientierte Bewegungstherapie« (71) als eigenständiges Verfahren anzuerkennen. Die Autoren definieren hierfür die BWT als »ein Verfahren, das mit geeigneten Mitteln von Bewegung, Spiel und Sport auf die Linderung von Störungen mit Krankheitswert und auf die Wiederherstellung und Verbesserung der Gesundheit abzielt. Sie beruht dabei auf biologischen Gesetzmäßigkeiten, Erkenntnissen der Bewegungs- und Sportwissenschaft und orientiert sich zusätzlich an Theorien und Praxen der Pädagogik, Psychologie und Soziologie. In der Regel besteht sie aus Diagnostik, Indikation, Intervention und Evaluation. Sie wird von einem/ r ausgebildeten Bewegungstherapeuten/ in geplant und durchgeführt. Neben der Akutbehandlung umfasst sie auch Maßnahmen der Prävention, der Gesundheits- und Entwicklungsförderung und der Nachsorge« (71). Die in der Definition benannten Merkmale und Theoriebezüge der BWT werden im Werk aufgegriffen und in Beziehung zueinander gesetzt. Aufgezeigt wird auch, dass die BWT in der Kinder- und Jugendpsychiatrie historisch gewachsen ist und sich dies auch darin äußert, dass in der Praxis eine Vielfalt hinsichtlich der Vorgehensweisen, deren Begründungen sowie der Ausbildungen / Qualifikationen der TherapeutInnen vorliegt. Dies erschwert unter anderem die Entwicklung eines eigenständigen Profils und erfordert auch die Abgrenzung zu nahestehenden therapeutischen Ansätzen (z. B. von der Spieltherapie). Die durchgehende Argumentation der Autoren zielt darauf, die BWT als eine Fachtherapie mit eigenständiger Zielsetzung in der multimodalen Therapie psychischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter anzuerkennen sowie sie in verschiedenen Settings als Teil der Versorgungskette für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche zu etablieren. Am Beispiel verschiedener klinischer Störungsbilder wird dies für die- LeserInnen konkret nachvollziehbar. Die Autoren zeichnen insgesamt ein umfangreiches und sehr gut nachvollziehbares Bild der BWT und ihrer Bezugstheorien. Der klinische Rahmen wird detailliert hinsichtlich seiner Rahmenbedingungen und Herausforderungen beschrieben und sinnvolle Hilfestellung für die Gestaltung der BWT im klinischen Kontext abgeleitet. Das Buch verdeutlicht auch, welcher Weg eingeschlagen werden muss, um vom aktuellen Status Quo der BWT in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zum Ziel, einer Anerkennung als eigenständige Fachtherapie, zu gelangen, in deren »Mittelpunkt mehr das leibhaftige Handeln steht und nicht das Reden oder eine medikamentöse Beeinflussung« (424). Das Buch stellt insgesamt eine fachwissenschaftliche Fundgrube für alle dar, die sich mit dem Thema BWT im Kontext psychischer Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters in Ausbildung, Praxis und Theorie beschäftigen. Stefanie Kuhlenkamp DOI 10.2378 / mot2022.art19d
