eJournals Motorik48/2

Motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mot2025.art18d
7_048_2025_2/7_048_2025_2.pdf41
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Impulse für die Praxis: PMT-KOMPAKT - ein Psychomotorisches Spiel- und Bewegungsangebot für Kind und Eltern

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Kimon Blos
Die Projektidee ist das Ergebnis der aktuellen Anforderungen an das Team unserer PsychoMOTORIKtherapie (PMT) in CH-Willisau (Kanton Luzern) sowie unserer fachlichen Überzeugungen. So sind wir (1.) mit einer hohen Nachfrage unserer Angebote konfrontiert und müssen diese (2.) aufgrund des Fachkräftemangels ressourcenschonend bedienen. Zudem gilt es (3.) zur Intensivierung der Teilhabegewährleistung die Umfeldarbeit zu intensivieren.
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[ 93 ] Impulse für die Praxis 2 | 2025 [ Impulse für dIe praxIs ] Ausgangslage Die Projektidee ist das Ergebnis der aktuellen Anforderungen an das Team unserer Psychomotoriktherapie (PMT) in CH-Willisau (Kanton Luzern) sowie unserer fachlichen Überzeugungen. So sind wir (1.) mit einer hohen Nachfrage unserer Angebote konfrontiert und müssen diese (2.) aufgrund des Fachkräftemangels ressourcenschonend bedienen. Zudem gilt es (3.) zur Intensivierung der Teilhabegewährleistung die Umfeldarbeit zu intensivieren. Unsere initialen fachspezifischen Einschätzungen des Entwicklungsstandes ergeben unterschiedliche Indikationsprofile, denen wir mit entsprechenden Empfehlungen begegnen: Einzeltherapie, Klein- oder Großgruppentherapie, Beratung oder Vermittlung an weitere Fachstellen. PMT- KOMPAKT soll unser Beratungssegment stärken und mit einer kurzen, intensiven Impulsphase längere Therapiebegleitungen bei den Kindern vermeiden, deren Eltern / Erziehungsberechtigte selbst in der Lage und willens sind, den aktuellen Problemkonstellationen mit dem nachhaltigen Aufbau günstiger Entwicklungsbedingungen entgegenzuwirken. Theorie- und Effektmodell Wir folgen hier den grundsätzlichen Prämissen, dass Entwicklung sich immer als Selbstentwicklung manifestiert und auf einem gelingenden (konstruktiven) Austausch zwischen dem PMT-KOMPAKT-- ein Psychomotorisches Spiel- und Bewegungsangebot für Kind und Eltern Kimon Blos (Um‐)Welt-initiiert- PMT‐Anmeldung PMT-klärt-Bedarf Ebene-Individuum: -PMT klärt-Voraussetzungen-der- Aktivität-(Bewegung,- Wahrnehmung) Ebene-Welt: -PMT fragt- nach-Unterbrechung-des- konstruktiven-Austauschs Intervention-(Ebene-Individuum): PMT-passt-die-Welt-in-ihrem-Raum- für-das-Individuum-so-an,-dass- Aktivität-(durch-Teilhabe-an-der-PMT‐ Welt)-möglich-ist Transfer-(Ebene-Welt): - PMT berät-die-Welt-bzgl.- den-Aktivitätsbedingungen- des-Individuums-und-wirbt- um-Ausschöpfung-der- weltlichen- Teilhabeoptionen (Wieder‐)Herstellung-des- konstruktiven-Austauschs- zwischen-Individuum-und- Welt PMT‐Rückzug Problem (SELBST‐)ENTWICKLUNG Austausch: gegenseitige-Anpassung Aktivität Teilhabe konstruktiv Wachstum destruktiv Problem Abb. 1: Selbstentwicklung (Ablaufschema) [ 94 ] 2 | 2025 Impulse für die Praxis Individuum (Kind) und seiner (Um-) Welt basiert. Dieser Prozess stützt sich gleichermaßen auf die Aktivitätsbereitschaft des Kindes wie auf die Teilhabegewährleistung seiner Umwelt. Ist dieser Austausch unterbrochen bzw. gelingt er nur destruktiv, so entsteht ein Problem (Blos 2012) (vgl. Abb. 1). Führt ein solches Problem im Anschluss zu einer Anmeldung an unserer Therapiestelle- - zumeist über die Schule oder das Elternhaus- - so folgt unsererseits eine Begutachtung. Dabei versuchen wir, etwaigen Gründen für die Unterbrechung des konstruktiven Austauschs zwischen Individuum und Welt näherzukommen: Welche Aktivitätsvoraussetzungen bestehen auf der Ebene des Kindes und welche Erwartungen und Anforderungen auf der Ebene der Welt (Schule / Elternhaus). Bestätigen wir eine psychomotorische Indikation, so investieren wir mit Angeboten zur Bewegungs- und Wahrnehmungsentwicklung traditionell stark in die Aktivitätsbedingungen des Kindes. Im Wissen um die beidseitigen Bedingungen des ursächlichen Problems dürfen aber die Teilhabeoptionen nicht vernachlässigt werden. Um auch diese zu stärken, bedarf es ebenfalls konsequenter und struktureller Angebote (vgl. Abb. 1). PMT-KOMPAKT berät die Eltern / Erziehungsberechtigten, die hier die heimische, private (Um-)Welt repräsentieren, in gemeinsam erlebter und erfahrener Praxis anhand vorstrukturierter, beispielhafter Spiel- und Bewegungssequenzen, wie sie ihrem Kind alltägliche Teilhabe in selbstwirksamer Aktivität eröffnen können. Zielstellung Das Angebot zielt auf die Stärkung der Eltern-Kind-Interaktionen. Die Erziehungsberechtigten entwickeln einerseits Verständnis für die aktuelle Problematik und andererseits Ideen und Haltungen, wie sie ihr Kind in der Bewältigung unterstützen können. Dabei bildet die Vorstrukturierung von Raum, Zeit und Inhalt einen gemeinsamen Handlungsrahmen, in dem das Kind und seine Eltern über einen Erstimpuls in Bewegung kommen. Sie nehmen sich und den jeweils anderen in seinen Aktivitäten wahr, probieren aus, gestalten und verwerfen. Sie teilen ihren Fokus, das Material, ihre Emotionen und stärken so ihre Beziehung. Durch die angeleiteten Aufmerksamkeitsverschiebungen der Therapeutin erfahren sie sich als selbstwirksam- - in ihren (motorischen) Fertigkeiten wie auch in ihren (erzieherisch) unterstützenden Kompetenzen. Die Sequenzen orientieren sich an den Bedürfnissen und Ressourcen des Kindes und seiner Eltern / Erziehungsberechtigten und wollen so einen sicheren Ausgangspunkt für potenzielle Entwicklungsschritte vorbereiten. Diese profitieren von Vertrauen und Verlässlichkeit, von angemessenen Anforderungen und begleitender Begrenzungen, von wertschätzender Kommunikation und beidseitigem Entgegenkommen. Im gemeinsamen (Ver-) Handeln und Tun von PMT-KOMPAKT können all diese Erfahrungen gesammelt werden. Rahmenbedingungen und Praxiskonzept (5 Spiele-- 5 Bereiche-- 5 Koffer) PMT-KOMPAKT ergänzt die Interventionspalette und umfasst in der Regel 5 Praxis-Einheiten zu jeweils ca. 60 Minuten für das Kind und mindestens einen Elternteil bzw. Erziehungsberechtigten. Im Anschluss dieser fünf Einheiten erfolgt eine gemeinsame Begutachtung der Bedürfnisse und Erwartungen, die zu einem (angestrebten) Abschluss führen sollten, aber auch Optionen einer Verlängerung, einer Einzel- oder Gruppentherapie bzw. einer Überweisung eröffnen. Die Vorstrukturierung erfolgt über das nämliche, bereits erprobte und publizierte Konzept (Buchmann 2014), das anhand von fünf verschiedenen Materialien (Ball, Bilderbuch, Kappla- Bausteine, Würfelspiel, Puzzle) in die fünf Einstiegsaktivitäten führt, die ihrerseits die psychomotorischen Entwicklungsdimensionen Bewegung, Emotion, Kognition und Sozialisation anregen. Die Spiele dienen als Erstimpuls und sollen im gemeinsamen Tun mit eigenen Ideen ergänzt und variiert werden. Sie stehen zur Ausleihe bereit und können so auch als Anknüpfungspunkte für den familiären Alltag dienen. Literatur Blos, K. (2012): Bewegungsverstehen. Die Psychomotorische Prioritäten- und Teleoanalyse. Springer VS, Wiesbaden Buchmann, T. (2014): 5 Spiele- - 5 Bereiche- - 5 Koffer. motorik, 37 (4), 161- 166 DOI 10.2378/ mot2025.art18d Kontakt Kimon Blos Psychomotoriktherapie CH-Willisau / LU kimon.blos@vwil.ch