Motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mot2025.art29d
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2025
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FORUM PSYCHOMOTORIK: Erfassung motorischer Basiskompetenzen mit den MOBAK-Testinstrumenten
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2025
Christian Herrmann
Motorische Basiskompetenzen sind eine wichtige Voraussetzung für die aktive Teilhabe an der Sport- und Bewegungskultur. Die MOBAK-Testinstrumente wurden für die pädagogische Diagnostik und Evaluation motorischer Basiskompetenzen entwickelt. Mit ihnen kann festgestellt werden, auf welchem Niveau sich die Kompetenzen der Kinder befinden und ob sie sich verbessern. Diese Informationen helfen den Lehrpersonen, ihr didaktisches Handeln den Voraussetzungen der Kinder anzupassen.
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Zusammenfassung / Abstract Motorische Basiskompetenzen sind eine wichtige Voraussetzung für die aktive Teilhabe an der Sport- und Bewegungskultur. Die MOBAK- Testinstrumente wurden für die pädagogische Diagnostik und Evaluation motorischer Basiskompetenzen entwickelt. Mit ihnen kann festgestellt werden, auf welchem Niveau sich die Kompetenzen der Kinder befinden und ob sie sich verbessern. Diese Informationen helfen den Lehrpersonen, ihr didaktisches Handeln den Voraussetzungen der Kinder anzupassen. Keywords: Kompetenztest, Diagnostik, Evaluation, Sportunterricht, Motorik Assessment of basic motor competencies using the MOBAK test instruments Basic motor competencies are an important prerequisite for active participation in the culture of sports and exercise. The MOBAK test instruments were developed for pedagogical diagnostics and the evaluation of basic motor competencies. They can be used to assess the level of the children’s competencies and to see if they are improving. This information helps teachers to adapt their teaching methods to the needs of the children. Keywords: Competence test, diagnostics, evaluation, physical education, motor skills [ 168 ] 4 | 2025 motorik, 48. Jg., 168-175, DOI 10.2378 / mot2025.art29d © Ernst Reinhardt Verlag [ FORUM PSYCHOMOTORIK ] Erfassung motorischer Basiskompetenzen mit den MOBAK-Testinstrumenten Christian Herrmann (z. B. Werfen, Fangen, Prellen, Dribbeln). Das Kind muss also über eine entsprechende motorische Basiskompetenz verfügen, die den Aufbau sportspezifischer Fertigkeiten (z. B. Schlagwurf im Handball, Spannstoß im Fußball) ermöglicht. Die motorischen Basiskompetenzen bilden somit die Grundlage für die Entwicklung höherer Kompetenzniveaus, wie sie in spezifischen, vor allem außerschulischen sportlichen Handlungsfeldern benötigt werden. Motorische Basiskompetenzen werden indirekt bildungsrelevant, indem sie die sport- und bewegungsbezogenen Handlungs- und Erfahrungsmöglichkeiten begrenzen und sie Kindern ermöglichen, Sport und Bewegung als etwas Wertvolles im Leben zu erfahren (Kurz et al. 2024). Was sind motorische Basiskompetenzen? Vor dem Hintergrund kompetenztheoretischer Überlegungen verstehen wir unter motorischen Basiskompetenzen kontextabhängige und funktionale Leistungsdispositionen, die sich aus situationsspezifischen Anforderungen in der Sport- und Bewegungskultur entwickeln. Sie dienen der Bewältigung von motorischen Anforderungen, sind nachhaltig erlernbar und berücksichtigen Vorerfahrungen. Dabei wird nicht das Leistungsverhalten selbst (z. B. Werfen, Fangen) als motorische Basiskompetenz verstanden, Die motorischen Kompetenzen, die mindestens notwendig sind, um Kindern die aktive Teilhabe an der Sport- und Bewegungskultur zu ermöglichen, werden als motorische Basiskompetenzen bezeichnet (Herrmann 2018). Sie stellen eine grundlegende Handlungsfähigkeit im Sport sicher. Beispielsweise kann ein Kind nur dann aktiv an Ballspielen teilnehmen, wenn es ausreichend sicher mit Bällen umgehen kann [ 169 ] Herrmann • Erfassung motorischer Basiskompetenzen mit den MOBAK-Testinstrumenten 4 | 2025 sondern die zugrunde liegende Leistungsdisposition, die notwendig ist, um bestimmte Aufgabentypen lösen zu können. Das Leistungsverhalten selbst als die beobachtbaren Performanzen sportlicher Handlungsvollzüge, werden als motorische Basisqualifikationen bezeichnet. Sie können als Kann-Aussagen (z. B. »kann werfen«, »kann fangen«) formuliert werden und bilden die Grundlage für die nicht direkt beobachtbaren motorischen Basiskompetenzen (Herrmann 2018). Das in Abb. 1 dargestellte Kompetenzstrukturmodell spezifiziert exemplarisch den Zusammenhang zwischen (manifesten) motorischen Basisqualifikationen (MOBAQ) und den (latenten) motorischen Basiskompetenzen (MOBAK). Die kontextgebundenen motorischen Basiskompetenzen unterscheiden sich von den kontextunabhängigen motorischen Fähigkeiten und von den sportartspezifischen Fertigkeiten (im Überblick Scheuer et al. 2019). Motorische Fähigkeiten besitzen einen aufgaben- und situationsübergreifenden Charakter, werden explizit als kontextunabhängige motorische Leitungsdispositionen definiert und gelten als relativ zeitstabil. Sie gliedern sich in energetische (Kraft, Ausdauer) und zentralnervöse (Koordination) Fähigkeiten sowie in Mischformen (Schnelligkeit, Beweglichkeit). Aus sportwissenschaftlicher Sicht stellen sie die körperliche Leistungsfähigkeit dar und werden häufig mit Fitness gleichgesetzt. Dementsprechend gelten motorische Fähigkeiten als trainierbar, aber nicht als erlernbar (Bös 2016). Motorische Fertigkeiten umfassen sichtbare Bewegungsvollzüge, die in Bewegungsmuster kategorisiert werden. Man unterscheidet zwischen großmotorischen Fertigkeiten (z. B. Objektmanipulation, Lokomotion) und kleinmotorischen Fertigkeiten (z. B. Hand- oder Fingerkoordination). In der Sportwissenschaft werden (groß-)motorische Fertigkeiten sportartspezifisch definiert und auf einzelne Bewegungen bezogen (z. B. Schlagwurf, Delphinschwimmen). Im Vordergrund steht dabei zumeist die Bewegungsqualität sportspezifischer Handlungsvollzüge, während die erfolgreiche Bewältigung motorischer Anforderungen bei der Bewertung keine zentrale Rolle spielt (Burton / Miller 1998). Im Vergleich zu den motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten beziehen sich die motorischen Basiskompetenzen (z. B. sicherer Umgang mit dem Ball [Etwas-Bewegen], sichere Bewegung des eigenen Körpers [Sich-Bewegen]) auf die ergebnisorientierte und funktionale Bewältigung motorischer Anforderungen und Aufgaben (z. B. Zielwerfen). Hierbei kommt den motorischen Basiskompetenzen die Steuerungsfunktion des aufgabenadäquaten Einsatzes motorischer Fähigkeiten (Wieviel Kraft hat das Kind? ) und Fertigkeiten (Ist die Wurftechnik des Kindes ausreichend? ) zu. Das Konstrukt der motorischen Basiskompetenzen kann aus theoretischer Perspektive als Ergänzung zu den bislang in den Sportwissenschaften vorherrschenden Konstrukten der motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten eingeordnet werden (Gerlach et al. 2017). Abb. 1: Kompetenzstrukturmodell der motorischen Basiskompetenzen (Herrmann 2018) [ 170 ] 4 | 2025 Forum Psychomotorik Tab. 1 stellt die beschriebenen Ansätze noch einmal vergleichend gegenüber. Aufgrund der Kontext- und Altersspezifität der motorischen Basiskompetenzen sind die MOBAK-Testinstrumente an die jeweiligen Alters- und Jahrgangsstufen angepasst und orientieren sich explizit an den in den schulischen Lehrplänen formulierten Kompetenzzielen. Wie können motorische Basiskompetenzen erfasst werden? Voraussetzung für eine systematische Förderung der Kinder im Sportunterricht ist eine gezielte Diagnostik der motorischen Basiskompetenzen. Durch die Beschreibung des motorischen Leistungsstandes der Kinder können Informationen gewonnen werden, die den Lehrkräften helfen, ihr didaktisches Handeln an den Voraussetzungen der Kinder auszurichten. Für die Erfassung und Messung motorischer Basiskompetenzen werden daher valide und gleichzeitig für die Unterrichtspraxis praktikable Erhebungsinstrumente benötigt. Bei den MOBAK-Instrumenten handelt es sich um psychometrische Tests, bei denen beobachtbare Testaufgaben (im Sinne der motorischen Basisqualifikationen) die zugrunde liegenden nicht beobachtbaren Faktoren (im Sinne der motorischen Basiskompetenzen; Abb. 1) abbilden. Handlungsleitend für die Beschreibung des Konstrukts der motorischen Basiskompetenzen und der konkreten Testaufgaben war die Frage: Was muss ein Kind in einer bestimmten Jahrgangsstufe können, um aktiv am Sportunterricht und an der Sport- und Bewegungskultur teilnehmen zu können? Ziel war es, Testinstrumente für Kindergarten und Grundschule zu entwickeln, die in der Unterrichtspraxis leicht auswertbar, zeitökonomisch einsetzbar und deren Ergebnisse leicht interpretierbar sind. Um die curriculare Validität zu gewährleisten, erfolgte dies in enger Anlehnung an die Zielformulierungen der deutschsprachigen Lehrpläne (u. a. Deutschland, Schweiz, Luxemburg). Die auf die motorischen Basiskompetenzen bezogenen Standards beinhalten solche Grundanforderungen (z. B. Werfen, Balancieren, Rollen), wie sie im Rahmen der in den Lehrplänen enthaltenen Bewegungsfelder bzw. sportlichen Handlungsfelder explizit als elementare Lernziele hervorgehoben werden. Die entwickelten MOBAK-Testinstrumente beziehen sich auf die drei Bewegungsfelder (1) Laufen, Springen, Werfen, (2) Ballspiele sowie (3) Bewegen an Geräten. Die MOBAK-Testinstrumente und -Testitems Die Anbindung an die Lehrpläne und die altersspezifischen Kompetenzniveaus erforderte die Entwicklung von vier altersbzw. jahrgangsspezifischen MOBAK-Testinstrumenten, die den Kindergarten und die Grundschule vollständig abdecken. Tab. 1: Charakteristika verschiedener Ansätze zur Erfassung motorischer Leistungsdispositionen (Gerlach et al. 2017) Motorische Fertigkeiten Motorische Basiskompetenzen Motorische Fähigkeiten Fokus Qualität der Bewegungsausführung Bewältigung motorischer Anforderungen Quantität der Bewegungsausführung Spezifik bewegungsspezifisch kontextspezifisch kontextfrei Instrument z. B. TGMD-3 (Ulrich 2016) MOBAK-Instrumente (u. a. Herrmann 2018) z. B. DMT (Bös 2016) Alter 3-11 Jahre 4-6; 6-8; 8-10; 10-12 Jahre 6-18 Jahre [ 171 ] [ 171 ] Herrmann • Erfassung motorischer Basiskompetenzen mit den MOBAK-Testinstrumenten 4 | 2025 Tab. 2: Beschreibung der MOBAK-KG, -1-2, -3-4 und -5-6 Testitems zum »Etwas Bewegen« MOBAK-KG MOBAK-1-2 MOBAK-3-4 MOBAK-5-6 Etwas Bewegen Werfen Aus 1.5 m Distanz eine Zielscheibe (Ø 0.4 m) in 1.1 m Höhe mit einem Wurfball treffen können. Aus 2.0 m Distanz eine Zielscheibe (Ø 0.4 m) in 1.3 m Höhe mit einem Wurfball treffen können. Aus 3.0 m Distanz eine Zielscheibe (Ø 0.4 m) in 1.3 m Höhe mit einem Wurfball treffen können. Aus 3.5 m Distanz eine Zielscheibe (Ø 0.4 m) in 1.3 m Höhe mit einem Wurfball treffen können. Fangen Die testende Person lässt einen Basketball beschleunigt auf den Boden fallen. Den aufspringenden Ball kontrolliert fangen können. Die testende Person lässt einen Tennisball beschleunigt auf den Boden fallen. Den Ball nach dem Umkehrpunkt fangen können. Einen 300 g-Gymnastikball von der Startlinie in die Höhe werfen, dem Ball hinterherlaufen und diesen hinter der 1.5 m entfernten Endlinie fangen können. Einen Tennisball aus 4.0 m Entfernung gegen eine Wand werfen und den Ball direkt aus der Luft fangen können. Dribbeln Einen Futsal in begrenztem Korridor (9.0-x-2.8 m) mit zwei 1.5 m breiten Hindernissen kontrolliert dribbeln können. Mit mindestens fünf Ballkontakten einen Futsal durch einen markierten Korridor (5.0-x-1.0 m) dribbeln können. Mit einem Futsal durch einen markierten Korridor (7.5-x-1.4 m) mit vier 0.7 m breiten Hindernissen hin und zurück dribbeln können. Mit einem Futsal innerhalb von 25-sec durch einen markierten Korridor (8.0 x 1.1 m) mit vier 0.7 m breiten Hindernissen hin und zurück dribbeln können. Prellen Einen Volleyball mindestens fünfmal am Stück beidhändig auf den Boden prellen und fangen können. Einen kleinen Basketball durch einen markierten Korridor (5.0-x-1.0 m) prellen. Einen kleinen Basketball durch einen markierten Korridor (7.5-x-1.4 m) mit vier 0.7 m breiten Hindernissen hin und zurück prellen können. Mit einem Basketball innerhalb von 25-sec durch einen markierten Korridor (8.0-x-1.1 m) mit vier 0.7 m breiten Hindernissen hin und zurück prellen können. Jedes MOBAK-Testinstrument umfasst zwei Jahrgangsstufen mit einer Altersspanne von jeweils drei Jahren (MOBAK-KG: 4-6 Jahre; MOBAK-1-2: 6-8 Jahre, MOBAK-3-4: 8-10 Jahre; MOBAK-5-6: 10-12 Jahre; vgl. www.mobak.info). Alle MOBAK-Testinstrumente decken die Kompetenzbereiche Sich Bewegen mit vier Testitems (Balancieren, Rollen, Seilspringen, Laufen) und Etwas Bewegen mit vier Testitems (Werfen, Fangen, Prellen, Dribbeln) ab. Die MOBAK-Testitems werden durchgängig mit »bestanden« oder »nicht bestanden« bewertet, um eine standardisierte Beurteilung zu erleichtern. Für eine altersspezifische Anpassung wurden die Schwierigkeit und die Komplexität der in den Testitems gestellten Anforderungen sukzessive erhöht (Tab. 2 und 3). Aufgrund der Anbindung an die Lehrpläne kann zunächst nur für den deutschsprachigen Raum von einer curricularen Gültigkeit ausgegangen werden. Die formulierten Standards beinhalten jedoch grundlegende Qualifikationen (z. B. Werfen, Fangen, Balancieren, Rollen), die auch in verschiedenen nicht-deutschsprachigen Lehrplänen verankert sind. So konnte in der europaweiten Studie »Basic motor competencies in Europe« (BMC-EU) gezeigt werden, dass die MOBAK-Testinstrumente auch für die curricularen Gegebenheiten anderer europäischer Länder eine hohe inhaltliche Validität besitzen (u. a. Wälti et al. 2022). Die MOBAK-Testinstrumente sind an den schulischen Lehrplan angebunden. [ 172 ] 4 | 2025 Forum Psychomotorik Organisationsform, Testdurchführung und Bewertung Für die standardisierte Erfassung der motorischen Basiskompetenzen für wissenschaftliche Zwecke wird als Organisationsform ein Stationsbetrieb empfohlen, bei dem eine Testleiter: in mit einer Kleingruppe von drei bis vier Kindern jede der acht Aufgaben einzeln nacheinander durchläuft. Eine Reihenfolge der Aufgaben ist nicht vorgegeben. Zur Gewährleistung der Vergleichbarkeit der erhobenen Daten sollte, neben den in der Turnhalle zur Verfügung stehenden Großgeräten, die standardisierten MOBAK-Testmaterialien verwendet werden. Der vollständige Durchlauf durch alle acht Aufgaben dauert dabei ca. 35 Minuten und lässt sich in dieser Organisationsform innerhalb einer 45-minütigen Schulstunde gut umsetzen. Mit der entsprechenden Anzahl an Testleitenden können gesamte Schulklassen ökonomisch und zeitsparend erfasst werden. Alternativ können auch die Testleitenden fest an den Stationen bleiben, was den Vorteil bietet, dass diese jeweils nur in die Durchführung und Bewertung einer Aufgabe eingewiesen sein müssen. Für die Unterrichtspraxis sind diese Organisationsformen aufgrund der fehlenden Testleitenden kaum umsetzbar. Hier empfiehlt es sich, die Aufgaben auf verschiedene, möglichst aufeinander folgende Sportstunden zu verteilen und einzeln zu bewerten. Durch diese Vorgehensweise ist der Einsatz der MOBAK-Testinstrumente auch für einzelne Lehrkräfte praktikabel. Hierbei können auch die in der Turnhalle vorhandenen Bälle als Testmaterialen genutzt werden. Tab. 3: Beschreibung der MOBAK-KG, -1-2, -3-4 und -5-6 Testitems zum »Sich Bewegen« MOBAK-KG MOBAK-1-2 MOBAK-3-4 MOBAK-5-6 Sich Bewegen Balancieren Über eine umgedrehte Langbank vor- und rückwärts balancieren können. Über eine auf einem Sprungbrett liegende, umgedrehte Langbank vor- und rückwärts balancieren können. Über eine umgedrehte Langbank mit zwei aufgeklebten Hindernissen vor- und rückwärts balancieren können. Über eine auf einem Sprungbrett liegende, umgedrehte Langbank mit zwei aufgeklebten Hindernissen vor- und rückwärts balancieren können. Rollen Von einer schiefen Ebene eine Rolle vorwärts in den Stand ausführen können. Eine Rolle vorwärts auf einer Mattenbahn ausführen können. Aus dem Absprung eine Rolle vorwärts auf ein längs gestelltes Kastenpaar turnen können. Aus dem Absprung eine Sprungrolle vorwärts über eine auf der Längsseite aufgestellte Bananenkiste turnen können. Springen Einbeinig eine Distanz von 3 m springen, umdrehen und auf dem anderen Bein zurückspringen können. Über vier Teppichfliesen (0.35-x 0.35 m) im Abstand von 0.4 m springen können. Zwischen den Fliesen einbeinig. Neben den Fliesen gegrätscht. 20-sec am Ort Seilspringen können. 20-sec am Ort Seilspringen können, wobei nach 10-sec der Rhythmus gewechselt wird. Laufen In einem begrenzten Korridor (4.0-x-0.6 m) flüssig zweimal vor- und rückwärts laufen können. Zweimal an einer 3.0 m langen Bodenmarkierung mittels Seitschritten hin und her laufen können. Vor- und seitwärts eine am Boden markierte »Acht« (2.0-x-4.0 m) entlanglaufen können. Vor- und seitwärts eine am Boden markierte »Acht« (4.0-x-4.0 m) entlanglaufen können, wobei zwischen Vorwärtsschritten, schnellen Vorwärtsschritten und Sidesteps gewechselt wird. [ 173 ] [ 173 ] Herrmann • Erfassung motorischer Basiskompetenzen mit den MOBAK-Testinstrumenten 4 | 2025 Nach einer kurzen Erklärung und einmaliger Demonstration der einzelnen Testitems haben die Kinder je zwei Versuche (kein Probeversuch), um die Testitems zu absolvieren. Die einzelnen Versuche müssen im erholten Zustand durchgeführt werden. Entsprechend sollen die beiden Versuche in separaten Durchgängen durchlaufen werden, d. h. alle Kinder sollen nacheinander zunächst den ersten Versuch absolvieren und dann in gleicher Reihenfolge den zweiten Versuch. Bei einem Fehler während der Aufgabe (z. B. Übertreten der Begrenzungslinien) darf das Kind den Versuch fortsetzen oder beenden. Jeder einzelne Versuch wird anhand standardisierter Kriterien dichotom bewertet (0 = nicht bestanden, 1 = bestanden). Anschließend wird die Anzahl der bestandenen Versuche pro Testitem aufsummiert (0 Punkte = kein Versuch bestanden, 1 Punkt = ein Versuch bestanden, 2 Punkte = zwei Versuche bestanden). Eine Ausnahme bilden die Testaufgaben Werfen und Fangen. Hier haben die Kinder jeweils sechs Versuche und die Anzahl der erfolgreichen Versuche wird notiert. Dabei werden null bis zwei erfolgreiche Versuche mit null Punkten, drei bis vier erfolgreiche Versuche mit einem Punkt und fünf bis sechs erfolgreiche Versuche mit zwei Punkten bewertet (Herrmann 2018). Eine Rückmeldung, ob die Aufgabe bestanden wurde oder nicht, wird dem Kind bei allen Aufgaben nicht gegeben. Die Kinder dürfen während der Durchführung nicht positiv verstärkt werden oder auf die korrekte Ausführung hingewiesen werden. Validierung und Korrelate der MOBAK-Instrumente Die Zuordnung der MOBAK-Testitems zu übergeordneten latenten Faktoren der motorischen Basiskompetenzen (Abb. 1) wurde in mehreren nationalen und internationalen Validierungsstudien überprüft, wobei die psychometrische Qualität und die faktorielle Struktur der einzelnen MOBAK-Testinstrumente durchgängig bestätigt werden konnten (u. a. Herrmann 2018). Der Erwerb und die Entwicklung motorischer Basiskompetenzen stehen in engem Zusammenhang mit außerschulischen Sozialisationsprozessen (u. a. Familie, Freundeskreis, Sportverein). In verschiedenen Studien konnten sowohl endogene (u. a. physische, psychische und kognitive Merkmale) als auch exogene Faktoren (u. a. familiäres und soziales Umfeld, Sportengagement) als bedeutsam für die motorische Entwicklung identifiziert werden. Dementsprechend verläuft der motorische Kompetenzerwerb sehr unterschiedlich, so dass nicht alle Kinder über ein motorisches Kompetenzniveau verfügen, um Sport und Bewegung funktional ausüben zu können (im Überblick Herrmann et al. 2024). In verschiedenen querschnittlichen und längsschnittlichen Studien konnte konsistent gezeigt werden, dass die individuellen Faktoren Geschlecht, Alter und BMI mit den jahrgangsspezifisch erhobenen motorischen Basiskompetenzen zusammenhängen (im Überblick Herrmann et al. 2024). Diese Studien umfassen das Kindergartenalter (ab 4 Jahren) bis zum Ende der sechsjährigen Grundschulzeit (bis 12 Jahre): Während die Jungen über alle Jahrgangsstufen hinweg deutlich bessere Leistungen im Etwas Bewegen zeigten, schnitten die Mädchen im Sich Bewegen etwas besser ab. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede zeigten sich auch in der längsschnittlichen Entwicklung der motorischen Kompetenz. Nicht alle Kinder verfügen über ausreichend motorische Basiskompetenzen. Abb. 2: MOBAK-KG Testitem »Rollen« (Christian Herrmann) [ 174 ] 4 | 2025 Forum Psychomotorik Bedeutende Zusammenhänge zwischen dem Alter und den motorischen Basiskompetenzen zeigten sich vor allem im Kindergartenalter. Hier schnitten ältere Kinder in beiden Kompetenzbereichen deutlich besser ab. Im Grundschulalter verringerten sich diese Altersunterschiede im Zeitverlauf zunehmend. Zwischen dem BMI und dem Kompetenzbereich Etwas Bewegen zeigten sich schwache negative Zusammenhänge, zum Bereich Sich Bewegen mittlere bis starke negative Zusammenhänge. Kinder mit niedrigem BMI erreichten zudem über die Zeit größere Kompetenzzuwächse als Kinder mit hohem BMI. Diese Zusammenhänge konnten ebenfalls in der europaweiten BMC-EU-Studie mit ca. 3800 Erst- und Zweitklässlern aus zehn europäischen Ländern (u. a. Belgien, Griechenland, Niederlande, Portugal, Slowakei) sowie mit ca. 1700 Dritt- und Viertklässlern aus neun europäischen Ländern (u. a. Italien, Litauen, Österreich, Schweiz) repliziert werden. Während sich das Niveau der motorischen Basiskompetenzen zwischen den länderspezifischen, nicht repräsentativen Stichproben mit mittleren bis großen Effektstärken signifikant unterschied, entsprachen die Zusammenhänge der motorischen Basiskompetenzen mit Geschlecht, Alter und BMI vollständig den oben dargestellten Befunden und unterschieden sich nicht signifikant zwischen den länderspezifischen Stichproben (u. a. Wälti et al. 2022). Wieso sollten motorische Basiskompetenzen erfasst werden? Die MOBAK-Testinstrumente wurden für eine pädagogische Diagnostik und Evaluation motorischer Basiskompetenzen im Sport und Sportunterricht entwickelt. Mit ihnen kann ermittelt werden, welches Kompetenzniveau Kinder zu Beginn einer bestimmten Jahrgangsstufe aufweisen, ob sie sich im Laufe eines Schuljahres verbessern und ob sie das curricular vorgegebene Kompetenzniveau der jeweiligen Jahrgangsstufe erreichen. Durch die Beschreibung des motorischen Leistungsstandes der Kinder werden weiterhin Informationen gewonnen, die den Lehrenden helfen, ihr methodisch-didaktisches Handeln an die Voraussetzungen der Kinder anzupassen. Folgende Fragestellungen können mit den MOBAK-Testinstrumenten bearbeitet werden (Herrmann 2018): ■ Screening: Wie ist der aktuelle Stand der motorischen Basiskompetenzen? ■ Monitoring: Werden die motorischen Basiskompetenzen von den Kindern erreicht und wie kann der Sportunterricht dahingehend optimiert werden? ■ Diagnostik von Förderbedarf: Welche motorischen Basiskompetenzen sollten (bei Schwächeren) gezielt gefördert werden? ■ Beschreibung der Entwicklungsverläufe: Wie verändern sich die motorischen Basiskompetenzen im Verlauf der Grundschulzeit? ■ Evaluation von Interventionen: Verändern sich die motorischen Basiskompetenzen nach einer gezielten Förderung? Die Durchführung der unterrichtsnahen MOBAK- Aufgaben ist in einer Sporthalle schnell und einfach möglich. Die Bewertung der Aufgaben kann aufgrund des dichotomen Skalenniveaus (bestanden vs. nicht bestanden) und der klaren Standardisierungskriterien leicht und nachvollziehbar vorgenommen werden und die Auswertung wird über die Bildung von Summenwerten deutlich erleichtert (Herrmann 2018). Neben wissenschaftlichen Testungen liegt der Einsatzzweck der MOBAK-Testinstrumente in der sportunterrichtlichen Praxis. Durch die Abb. 3: MOBAK-KG Testitem »Werfen« (Christian Herrmann) [ 175 ] [ 175 ] Herrmann • Erfassung motorischer Basiskompetenzen mit den MOBAK-Testinstrumenten 4 | 2025 Erfassung motorischer Basiskompetenzen bekommen Lehrpersonen Informationen darüber, welches durchschnittliche Leistungsniveau die Klasse besitzt (Niveauwissen), welche Unterschiedlichkeiten im Leistungsniveau bei den Kindern vorliegen (Heterogenitätswissen) und welches Leistungsprofil einzelne Kinder in Bezug auf unterschiedliche Aufgaben besitzen. Bei wiederholter Erfassung können Aussagen zum Lernverlauf einzelner Kinder, wie auch der gesamten Klasse getroffen werden. Des Weiteren können die Ergebnisse als Feedback an die Kinder genutzt werden, um ihnen aufzuzeigen, ob ihre Lernbemühungen erfolgreich waren. Literatur Bös, K. (2016): Deutscher Motorik-Test 6-18. 2. Aufl. Feldhaus, Hamburg Burton, A. W., Miller, D. E. (1998): Movement skill assessment. Human Kinetics, Champaign Gerlach, E., Herrmann, C., Jekauc, D., Wagner, M. (2017): Diagnostik motorischer Leistungsdispositionen. In: Trautwein, U., Hasselhorn, M. (Hrsg.): Begabungen und Talente. Hogrefe, Göttingen, 145-158 Herrmann, C. (2024): Erfassung motorischer Basiskompetenzen- - Die MOBAK-Testinstrumente. In: Herrmann, C., Seelig, H., Ennigkeit, F. (Hrsg.): Motorische Basiskompetenzen. Springer VS, Heidelberg, 15-32, https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-658- 45759-4_2 Herrmann, C. (2018): MOBAK 1-4: Test zur Erfassung motorischer Basiskompetenzen für die Klassen 1-4. Hogrefe Schultests, Göttingen Herrmann, C., Ennigkeit, F., Seelig, H. (Hrsg.) (2024): Motorische Basiskompetenzen: Konstrukt, Forschungsstand und Anwendung. Springer VS, Heidelberg Herrmann, C., Ferrari, I., Wälti, M., Wacker, S., Kühnis, J. (2020): MOBAK-KG: Motorische Basiskompetenzen im Kindergarten: Testmanual, https: / / doi. org/ 10.5281/ zenodo.3774435 Herrmann, C., Seelig, H. (2020): MOBAK-5-6: Motorische Basiskompetenzen in der 5. und 6. Klasse- - Testmanual, https: / / doi.org/ 10.5281/ ZE- NODO.3774445 Kurz, D., Fritz, T., Tscherpel, R. (2024): Der MOBAQ- Ansatz als Konzept für Mindeststandards für den Sportunterricht? In: Herrmann, C., Seelig, H., Ennigkeit, F. (Hrsg.): Motorische Basiskompetenzen. Springer VS, Heidelberg, 3-14, https: / / doi. org/ 10.1007/ 978-3-658-45759-4_1 Niederkofler, B., Ferrari, I., Kühnis, J., Herrmann, C. (2024): Diagnostische Kompetenz von Lehrpersonen in der Einschätzung der motorischen Basiskompetenzen von Kindern. In: Herrmann, C., Seelig, H., Ennigkeit, F. (Hrsg.): Motorische Basiskompetenzen. Springer VS, Heidelberg, 209-225, https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-658-45759-4_11 Scheuer, C., Herrmann, C., Bund, A. (2019): Motor tests for primary school aged children: A systematic review. Journal of Sport Sciences, 37 (10), 1097-1112, https: / / doi.org/ 10.1080/ 02640414.2018.1544535 Wälti, M., Sallen, J., Adamakis, M., Ennigkeit, F., Gerlach, E., … Herrmann, C. (2022): Basic Motor Competencies of 6to 8-Year-Old Primary School Children in 10 European Countries: A Cross-Sectional Study on Associations With Age, Sex, Body Mass Index, and Physical Activity. Frontiers in Psychology, 13, 804753, https: / / doi.org/ 10.3389/ fpsyg.2022.804753 Die Schriftleitung und der Verlag freuen sich über Ihr Feedback zu diesem Artikel unter journals@reinhardt-verlag.de Der Autor Prof. Dr. Christian Herrmann Professur Didaktik Bewegung und Sport mit dem Schwerpunkt Bewegungs- und Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) Anschrift PH Zürich Forschungsgruppe Didaktik Bewegung und Sport Lagerstrasse 2 CH-8090 Zürich Schweiz christian.herrmann@phzh.ch
