Motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mot2026.art04d
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Forum Psychomotorik: Bewegung spielerisch testen: Motorische Entwicklungsdiagnostik mit dem LoMo 3-6
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Julia Jašcenoka
Die motorische Entwicklungsstörung stellt mit einer Prävalenz von etwa 5 % eine häufige Entwicklungsstörung des Vorschulalters dar. Zur Diagnosestellung sollte stets ein standardisiertes und validiertes Testverfahren eingesetzt werden. Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter sind oftmals nicht leicht zu motivieren, an einer standardisierten Testung teilzunehmen. Mit dem LoMo 3-6 steht ein Testverfahren zur Verfügung, welches aufgrund der Einbettung des Testgeschehens in eine Rahmenhandlung (»Zirkusgeschichte«) den spielerischen Interessen der Kinder gerecht wird, die Testgütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität erfüllt und den diagnostischen Leitlinien der AWMF folgt.
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Zusammenfassung / Abstract Die motorische Entwicklungsstörung stellt mit einer Prävalenz von etwa 5 % eine häufige Entwicklungsstörung des Vorschulalters dar. Zur Diagnosestellung sollte stets ein standardisiertes und validiertes Testverfahren eingesetzt werden. Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter sind oftmals nicht leicht zu motivieren, an einer standardisierten Testung teilzunehmen. Mit dem LoMo 3-6 steht ein Testverfahren zur Verfügung, welches aufgrund der Einbettung des Testgeschehens in eine Rahmenhandlung (»Zirkusgeschichte«) den spielerischen Interessen der Kinder gerecht wird, die Testgütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität erfüllt und den diagnostischen Leitlinien der AWMF folgt. Schlüsselbegriffe: Motorische Entwicklungsstörung, LoMo 3-6, Entwicklungsdiagnostik, Vorschulalter Testing movement through play: Motor development diagnostics with the LoMo 3-6 With a prevalence of around 5 %, motor development disorder is a common developmental disorder of pre-school age. A standardized and validated test procedure should always be used for diagnosis. Children of kindergarten and pre-school age are often not easy to motivate to take part in standardized testing. The LoMo 3-6 is a test that fulfils the test quality criteria of objectivity, reliability and validity due to the embedding of the test procedure in a framework story (›circus story‹) and follows the diagnostic guidelines of the AWMF. Keywords: Motor development disorder, LoMo 3-6, development diagnostics, pre-school age [ 18 ] 1| 2026 motorik, 49. Jg., 18-23, DOI 10.2378 / mot2026.art04d © Ernst Reinhardt Verlag [ FORUM PSYCHOMOTORIK ] Bewegung spielerisch testen: Motorische Entwicklungsdiagnostik mit dem LoMo 3-6 Julia Jašč ščenoka die er doch sowieso nicht könne. Aus dem Anamnesegespräch mit der Mutter weiß die Therapeutin bereits, dass Noah während der Schuleingangsuntersuchung in den Bereichen Visuomotorik und Körperkoordination auffällig gewesen sei, weshalb die Schulärztin eine differenzierte Abklärung des motorischen Entwicklungsstandes durch den behandelnden Kinderarzt empfahl. Dieser diagnostizierte eine Entwicklungsstörung der motorischen Koordination (ICD-11: 6A04) und verordnete eine ergotherapeutische Behandlung. Die Mutter berichtete der Therapeutin im Erstgespräch, dass Noah nach der Schuleingangsuntersuchung äußerst frustriert und enttäuscht darüber war, dass er die verschiedenen Testaufgaben nicht gut bewältigen konnte. Um Noahs motorische Stärken und Schwächen objektiv herausarbeiten und passgenaue Förder- und Therapiepläne erstellen zu können, möchte die Therapeutin Noah dennoch mit einem standardisierten und validierten Testverfahren untersuchen. Nach kurzer Überlegung entscheidet sie sich für das Leistungsinventar zur objektiven Überprüfung der Motorik bei 3bis 6-Jährigen (LoMo 3-6, Jaščenoka / Petermann, 2018), weil das Verfahren auf sehr spielerische Weise altersspezifische motorische Kompetenzen überprüft. Das Kind ist dabei Teil einer Zirkusvorstellung. Untersucher: in und Kind bereiten zunächst gemeinsam an- Kasten 1: Fallbeispiel Noah Der 6-jährige Noah verschränkt die Arme vor dem Körper und schüttelt demonstrativ mit dem Kopf. Er habe keine Lust, wieder »irgendwelche blöden« Übungen zu machen, [ 19 ] Jaščenoka • Bewegung spielerisch testen 1| 2026 hand verschiedener handmotorischer Testaufgaben die Vorstellung vor, bevor die Kinder anschließend als »Artisten« aktiv werden (Körpermotorikaufgaben). Die Einbettung des Testgeschehens in eine Rahmenhandlung sowie der abschließende Erhalt eines »Zirkusdiploms« sorgt auch bei motorisch auffälligen Kindern für einen besonderen motivationalen Anreiz. Zu Beginn der diagnostischen Einheit legt die Therapeutin deshalb alle Materialien gut sichtbar vor Noah auf den Tisch. Dieser reagiert anfangs erwartungsgemäß zurückhaltend und ablehnend. Die Therapeutin nimmt dann das Testmanual zur Hand und verwickelt Noah mithilfe der darin enthaltenen Zirkusbilder in ein Gespräch. Noah zeigt zunehmend mehr Interesse an den Testmaterialien und lässt sich schließlich auf die Durchführung ein. Am Ende hält er stolz ein Zirkusdiplom in den Händen und berichtet seiner Mutter aufgeregt von der schönen Spielzeit, die er gemeinsam mit der Therapeutin erlebt hat. Die Therapeutin konnte die Diagnose des Kindesarztes einer Entwicklungsstörung der motorischen Koordination mit den Testergebnissen des LoMo 3-6 untermauern (Gesamtergebnis: Prozentrang = 9) und Anknüpfungspunkte für ihre Therapieplanung herausarbeiten. Ähnlich wie bereits in der Schuleingangsuntersuchung zeigte Noah besondere Schwierigkeiten in den Testaufgaben Abzeichnen sowie Straße entlangzeichnen. Auch das Schneiden auf der Linie fiel ihm schwer. Im Bereich der Körpermotorik fiel Noah insbesondere in den Aufgaben zum Gleichgewicht (Balancieren vorwärts und rückwärts, Einbeinstand rechts und links, Drehen mit geschlossenen Augen) sowie in den verschiedenen Ballaufgaben (großen und kleinen Ball fangen, Zielscheibe) auf. Theoretischer Hintergrund Noah leidet an einer Entwicklungsstörung der motorischen Koordination (ICD-11, 6A04). Diese tritt bei ca. 5 bis 6 % aller Kinder auf und stellt ein häufiges Entwicklungsdefizit dar (Li et al. 2024). Die Störung zeichnet sich durch eine abweichende Entwicklung und Ausführung von koordinierten motorischen Bewegungsabläufen aus, die das alltägliche Leben des Kindes (wie z. B. Anziehen, Spielen, Rennen, Schaukeln, Essen) deutlich beeinträchtigt und primär nicht auf andere körperliche Erkrankungen zurückführbar ist. Der Erwerb altersspezifischer hand- und körpermotorischer Kompetenzen ist eine wichtige Entwicklungsaufgabe des Kindergarten- und Vorschulalters. Verläuft der motorische Entwicklungsprozess in dieser Lebensphase (wie im einleitenden Fallbeispiel beschrieben) nicht optimal, besteht das Risiko, dass sich betroffene Kinder auch in anderen Entwicklungsdimensionen nicht altersgerecht entfalten und im Grundschulalter sogar schulische Beeinträchtigungen im Lesen und Rechnen entwickeln (Michel et al. 2018). Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) legt deshalb alle fünf Jahre eine aktuelle, evidenzbasierte Versorgungsleitlinie vor (Blank et al. 2020), um betroffene Kinder nach neuesten wissenschaftlichen Standards frühzeitig und bedarfsgerecht diagnostizieren und behandeln zu können. Danach sollte der diagnostische Prozess neben einer differenzierten Anamnese und Exploration stets eine testdiagnostische Untersuchung umfassen und zusätzlich die Beeinträchtigungen des Kindes in seinem alltäglichen Erleben berücksichtigen (Blank et al. 2019). Leistungsinventar zur objektiven Überprüfung der Motorik bei 3bis 6-Jährigen (LoMo 3-6) Mit dem LoMo 3-6 (Jaščenoka / Petermann 2018) liegt ein standardisiertes Testverfahren vor, um die hand- und körpermotorischen Leistungen von 3bis 6-jährigen Kindern spielerisch in ca. 25 bis 40 Minuten zu überprüfen. Das Verfahren unterstützt Therapeuten und Therapeutinnen bei der Einschätzung des motorischen Entwicklungsstandes und kommt insbesondere dann zur Anwendung, wenn der Verdacht auf eine Entwicklungsstörung der motorischen Koordination besteht (ICD-11, 6A04). In enger Anlehnung an die Empfehlungen der Versorgungsleitline der [ 20 ] 1| 2026 Forum Psychomotorik AWMF (Blank et al. 2020) kann sowohl eine standardisierte Beurteilung des motorischen Entwicklungsniveaus als auch eine Einschätzung möglicher motorischer Defizite auf das alltägliche Leben vorgenommen werden. Dafür steht ein spezifischer Elternfragebogen zur Verfügung, der in deutscher Sprache und ergänzend auch in Russisch, Türkisch und Arabisch angeboten wird. Der standardisierte Test überprüft altersrelevante hand- und körpermotorische Leistungen, die zusammenfassend einen Gesamtwert für den motorischen Entwicklungsstand bilden und es ermöglichen, spezifische Förderaspekte herauszuarbeiten. Abhängig vom Alter des Kindes stehen entweder 22 (Version A: 3; 0 bis 4; 5 Jahre) oder 32 Testaufgaben (Version B: 4; 6 bis 6; 11 Jahre) zur Verfügung. Eine wesentliche handmotorische Entwicklungsaufgabe des Kindergarten- und Vorschulalters ist die Differenzierung der In-Hand-Manipulation, weshalb der LoMo 3-6 mittels verschiedener Items die Prinzipien der Translation, Rotation und Schiebebewegungen (Shift) erfasst. Weitere Testaufgaben ermöglichen es, die Entwicklung der Augen- Hand-Koordination sowie Stifthaltung zu beurteilen. Für den Bereich der Körpermotorik liegt der Fokus auf der Erfassung des Gleichgewichts (in Ruhe und Bewegung), der beidseitigen Koordination (rechte und linke Körperhälfte bzw. obere und untere Extremitäten), der Schnelligkeit und Geschicklichkeit, Ballfertigkeiten sowie Kraft und Ausdauer (siehe Tab. 1). Einfach Auswertung und Interpretation der Testwerte Die Auswertung der Testergebnisse ist einfach und ökonomisch: Rohwertpunkte werden zu einem Gesamtwert addiert und abschließend mithilfe von Umrechnungstabellen in Prozentränge (PR) oder T-Werte umgewandelt. Die Interpretation erfolgt angelehnt an die Empfehlungen der AWMF altersabhängig: Aufgrund der größeren Entwicklungsvariabilität sind jüngere Kinder (3 bis 4; 5 Jahre) erst dann auffällig, wenn sie einen Prozentrang ≤ 5 erzielen. Kinder ab viereinhalb Jahren werden leitlinienkonform bereits ab einem Prozentrang von ≤ 15 als auffällig klassifiziert. Repräsentative Testnormen und hinreichende Testgüte sind wichtig! Ziel testdiagnostischer Untersuchungen ist es, subjektive Eindrücke und Beobachtungen mittels einer wissenschaftlich überprüften Methode zu objektivieren und zuverlässige Daten über den motorischen Entwicklungsstand eines Kindes zu gewinnen (Renner 2009). Da Testergebnisse in der Regel einen wichtigen Baustein im Prozess der Diagnosestellung und Therapieplanung ausmachen, ist es wichtig, dass das eingesetzte Testverfahren verschiedene wissenschaftliche Standards erfüllt. Zu den wichtigsten Qualitätsmerkmalen zählen aktuelle und repräsentative Testnormen sowie der Nachweis der drei Hauptgütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität. Testnormen des LoMo 3-6 Die Normdaten basieren auf insgesamt 963 untersuchten Kindern (479 Mädchen, 484 Jungen). Neben einer Gesamtnorm liegen auch geschlechtsspezifische Normen in Intervallen von je sechs Monaten vor. Die Datenerhebungen konnten in sieben verschiedenen Bundesländern durchgeführt werden (Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg), so dass eine gute Annäherung an eine regionale Repräsentativität für den deutschen Raum erzielt wurde. 23,5 % der untersuchten Kinder wiesen einen Migrationshintergrund auf (basierend auf dem Geburtsland der Kinder, dem Geburtsland der Eltern und der im Haushalt gesprochenen Sprachen). Testgüte Die Testgüte des Verfahrens (Objektivität, Reliabilität und Validität) wurde in verschiedenen Studien überprüft und bestätigt. Objektivität Ein Test gilt dann als objektiv, wenn Durchführung, Auswertung sowie Interpretation unabhängig von der durchführenden Person sind (Renner 2009). Von einer zufriedenstellenden Objekti- [ 21 ] [ 21 ] Jaščenoka • Bewegung spielerisch testen 1| 2026 vität kann aufgrund umfassender Hinweise zur standardisierten Durchführung, Auswertung und Interpretation im Testhandbuch des LoMo 3-6 ausgegangen werden. Insbesondere die Vorgabe wörtlicher Durchführungsinstruktionen im Testsetting unterstützt einen standardisierten Untersuchungsablauf. Die bebilderten Fallbeispiele zur Bewertung der Testaufgaben Straße entlang zeichnen, Schneiden und Abzeichnen sorgen für eine zusätzliche Auswertesicherheit. Interpretationshilfen auf den Auswertebögen sowie das umfangreich dokumentierte Fallbeispiel gewähren ein hohes Maß an Interpretationsobjektivität. Reliabilität Die Reliabilität beschreibt die Zuverlässigkeit der erhobenen Testwerte (Renner 2009). Die Tab. 1: Übersicht über die Testaufgaben des LoMo 3-6 nach Altersbereich Handmotorik Körpermotorik Testversion A (3; 0-4; 5 Jahre) Straße entlang zeichnen Taler aufnehmen Perlen fädeln Abzeichnen Reife Stifthaltung Tippen Stampfen Wasserbecher tragen Standweitsprung Seitliches Hin- und Herspringen Balancieren vorwärts Einbeinstand-- rechts und links Drehen mit geschlossenen Augen Einbeinig Hüpfen-- rechts und links Seitlicher Grätschstand Großen Ball fangen-- Hände Wirft einhändig Treppe steigen-- aufwärts Hindernislauf Durch Torbogen kriechen Promptes Anhalten Rennen Testversion B (4; 6-6; 11 Jahre) Straße entlang zeichnen Schneiden Taler aufnehmen Taler ablegen Perlen fädeln Mutter und Schraube Scharfer Knick Abzeichnen Reife Stifthaltung Männchen rotieren Tippen Stampfen Tippen und Stampfen-- rechts und links Wasserbecher tragen Standweitsprung Seitliches Hin- und Herspringen Balancieren vorwärts Balancieren rückwärts Einbeinstand-- rechts und links Drehen mit geschlossenen Augen Einbeinig Hüpfen-- rechts und links Seitlicher Grätschstand Großen Ball fangen-- Hände Kleinen Ball fangen-- Hände Wirft einhändig Zielscheibe Treppe steigen-- aufwärts Treppe steigen-- abwärts Hindernislauf Durch Torbogen kriechen Promptes Anhalten Rennen [ 22 ] 1| 2026 Forum Psychomotorik Testwiederholungs-Reliabilität wurde in einer Studie mit 46 5bis 6-jährigen Kindern überprüft und kann für Gesamtwert mit r = 0.844 als stabil beurteilt werden. Die 22 Jungen und 24 Mädchen waren im Durchschnitt 72.43 Monate alt (SD = 6.98). Zwischen den beiden Erhebungszeitpunkten lagen 14 Tage. Die interne Konsistenz der Skala Gesamtmotorik ist mit α = .80 (Altersgruppe 3; 0 bis 4; 5 Jahre) bzw. α = .85 (Altersgruppe 4; 6 bis 6; 11 Jahre) zufriedenstellend. Validität Die Validität gibt an, ob ein Test das Merkmal (im Falle des LoMo 3-6 also die Motorik) tatsächlich misst (Renner 2009). Zur Überprüfung der differenziellen Validität wurden Unterschiede für die Merkmale Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund und Wohnortlage analysiert. Erwartungskonform wurden für das Alter und Geschlecht signifikante Unterschiede in den Rohwerten des LoMo 3-6 festgestellt, weshalb alters- und geschlechtsspezifische Normen berechnet wurden. Für den Einsatz des LoMo 3-6 im klinischen Setting ist es von besonderer Bedeutung zu überprüfen, ob Kinder mit einer diagnostizierten Entwicklungsstörung der motorischen Koordination tatsächlich mit dem Verfahren identifiziert werden können. Zur Überprüfung der sogenannten klinischen Validität wurde der LoMo 3-6 deshalb mit 15 Kindern, die eine diagnostizierten Entwicklungsstörung der motorischen Koordination aufwiesen, durchgeführt. Zur Analyse der klinischen Gültigkeit des LoMo 3-6 wurden die Testergebnisse der motorisch auffälligen Kinder mit einer nach Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund und Wohnlage ähnlichen Kontrollgruppe verglichen. Es zeigte sich, dass die beiden Gruppen sich sowohl in der Gesamtmotorik als auch im Elternfragebogen zu den Auswirkungen im alltäglichen Leben signifikant voneinander unterschieden. Die motorisch unauffälligen Kinder konnten durchschnittlich 15 T- Wertpunkte mehr erzielen als die motorisch auffälligen Kinder. Korrelationsanalysen mit dem Motoriktest M-ABC-2 (Petermann 2015) weisen statistisch bedeutsame Zusammenhänge auf. Die Korrelation der Gesamtwerte des LoMo 3-6 sowie der M-ABC-2 liegen bei r = 0.511 ; p < .05 (Altersgruppe 3; 0 bis 4; 5 Jahre) bzw. r = 0.607; p < .01 (Altersgruppe 4; 6 bis 6; 11 Jahre). Schlussfolgerungen für die Praxis Mit dem LoMo 3-6 steht ein Testverfahren zur Verfügung, dass ein strukturiertes diagnostisches Vorgehen nach AWMF-Leitlinie für das Kindergarten- und Vorschulalter ermöglicht und eine zuverlässige Einschätzung des motorischen Entwicklungsstandes sowie der Beeinträchtigungen im alltäglichen Erleben gewährleistet. Das Testverfahren verfügt über repräsentative Normen. Studien zur Testgüte bestätigen die Messgenauigkeit sowie die Validität des Verfahrens. Weitere Einschätzungen der Eltern mittels Fragebogen erlauben es, Anhaltspunkte für das Vorliegen komorbider Störungen zu ermitteln und gegebenenfalls eine weitere diagnostische Abklärung in die Wege zu leiten. Ein abschließender Überblick verschiedener Pro- und Kontra-Argumente für die Anwendung des LoMo 3-6 liefert Kasten 2. Kasten 2: Pro- und Kontra-Argumente für die Anwendung des LoMo 3-6 Pro - Spielerischer Zugang auch zu Kindern mit geringer Testmotivation aufgrund der Einbettung in eine Rahmenhandlung (»Zirkusvorstellung«) - Ökonomische Testdurchführung aufgrund der Verfügbarkeit zweier Altersversionen Version A: 3; 0-4; 5 Jahre, 20 Minuten Version B: 4; 6-6; 11 Jahre; 30 bis 40 Minuten - Gezielte Abklärung einer Entwicklungsstörung der motorischen Koordination, da enge Anlehnung an AWMF-Leitlinie - Elternfragebögen zur Erfassung motorischer Beeinträchtigungen im alltäglichen Erleben (plus Sprachversionen in Arabisch, Türkisch und Russisch) - Screening auf komorbide Entwicklungsauffälligkeiten durch gezielte Fragen im Elternfragebogen [ 23 ] [ 23 ] Jaščenoka • Bewegung spielerisch testen 1| 2026 - Ermöglicht eine gezielte Förderplanung aufgrund der Vielfalt erfasster hand- und körpermotorischer Kompetenzen - Gute Normierung und Validierung (auch bei Kindern mit motorischen Entwicklungsstörungen) Kontra - Spezifischer Altersbereich von 3 bis 6 Jahren ermöglicht keine Leistungsevaluation über das Vorschulalter hinaus (zur Langzeitbeobachtung eines Kindes muss dann im Grundschulalter ein anderes Testverfahren eingesetzt werden) - Geringer Bekanntheitsgrad als international anerkannte Verfahren wie beispielsweise die M-ABC-3 oder der BOT-2 - Bei begrenzten monetären Ressourcen (gerade für kleinere therapeutischen Einrichtungen oder Praxen) lohnt sich ggf. eher die Anschaffung eines motorischen Testverfahrens, welches ein weiteres Altersspektrum überprüft und somit für Kinder unterschiedlicher Altersgruppen eingesetzt werden kann Literatur Blank, R., Barnett, A. L., Cairney, J., Green, D., Kirby, A., Polatajko, H., Rosenblum, S., Smits-Engelsman, B., Sugden, D., Wilson, P., Vinçon, S. (2019): International clinical practice recommendations on the definition, diagnosis, assessment, intervention, and psychosocial aspects of developmental coordination disorder, Long version. Developmental Medicine and Child Neurology 61(3), 242-285, https: / / doi.org/ 10.1111/ dmcn.14132 Blank, R., Vinçon, S. (2020): Deutsch-österreichischschweizerische (DACH) Versorgungsleitlinie zu Definition, Diagnostik, Behandlung und psychosozialen Aspekten bei Umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen (UEMF), Langfassung. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF online). In: https: / / register.awmf.org/ assets/ guidelines/ 022-017l_S3_Umschriebene-Entwicklungsstoerungen-motorischer-Funktionen- UEMF_2020-08_01.pdf. html, 26.02.2025 Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. (2024): ICD11 in Deutsch- - Entwurfsfassung. In: https: / / www.bfarm.de/ DE/ Kodiersysteme/ Klassifikationen/ ICD/ ICD-11/ uebersetzung/ _node.html, 26.02.2025 Jaščenoka, J., Petermann, F. (2018): Leistungsinventar zur Objektiven Überprüfung der Motorik von 3bis 6-Jährigen (LoMo3-6). Hogrefe, Göttingen Li, H., Ke, X., Huang, D., Xu, X., Tian, H., Gao, J., Jiang, C., Song, W. (2024): The prevalence of developmental coordination disorder in children: a systematic review and meta-analysis. Frontiers in Pediatric 12, e1387406, https: / / doi: 10.3389/ fped.2024.1387406 Michel, E., Molitor, S., Schneider, W. (2018): Differential changes in the development of motor coordination and executive functions in children with motor coordination impairments. Child Neuropsychology 24 (1), 20-45, https: / / doi.org/ 10.1080/ 09297049. 2016.1223282 Petermann, F. (Hrsg.). (2015): Movement Assessment Battery for Children-2 (M-ABC-2). 4. Aufl. Pearson Assessment, Frankfurt am Main Renner, G. (2009): Testpsychologische Diagnostik bei Kindern. In: Irblich, D., Renner, G. (Hrsg.): Diagnostik in der Klinischen Kinderpsychologie. Hogrefe, Göttingen, 57-69 Die Schriftleitung und der Verlag freuen sich über Ihr Feedback zu diesem Artikel unter journals@reinhardt-verlag.de Die Autorin Dr. Julia Jaščenoka Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin, Promotion zur klinischen Kinderpsychologie, Arbeitsschwerpunkte: Testentwicklung, (motorische) Entwicklungsstörungen, Schuleingangsdiagnostik Anschrift Helmut-Schmidt-Universität/ Universität der Bundeswehr Hamburg Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie Am Stadtrand 50 22047 Hamburg jascenoka@hsu-hh.de
