eJournals Motorik49/1

Motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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2026
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Berichte: Toris Geschichte

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2026
Zemfira Abasguliyev
Hallo! ICH bin Tori (Abb.1) und ich bin das Maskottchen der MummBambinis­Psychomotorik-Gruppe. Vielleicht habt ihr es schon erraten, mein Name leitet sich vom Begriff Psychomotorik ab. Das Wort Psychomotorik ist aber für die meisten Kinder in meiner Gruppe noch zu schwer. Sie sind ja auch erst 4-6 Jahre alt. Damit wir uns trotzdem verstehen, sagen wir meistens einfach Spielgruppe und dann wissen alle, was gemeint ist. Ich selber kenne schließlich auch noch nicht alle Begriffe. Ich mache das ganze ja auch erst acht Wochen lang. Auch für mich ist das alles noch total neu.
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[ 45 ] [ 45 ] Aktuelles / Kurz berichtet 1| 2026 Toris Geschichte Hallo! ICH bin Tori (Abb. 1) und ich bin das Maskottchen der MummBambinis- Psychomotorik-Gruppe. Vielleicht habt ihr es schon erraten, mein Name leitet sich vom Begriff Psychomotorik ab. Das Wort Psychomotorik ist aber für die meisten Kinder in meiner Gruppe noch zu schwer. Sie sind ja auch erst 4-6 Jahre alt. Damit wir uns trotzdem verstehen, sagen wir meistens einfach Spielgruppe und dann wissen alle, was gemeint ist. Ich selber kenne schließlich auch noch nicht alle Begriffe. Ich mache das ganze ja auch erst acht Wochen lang. Auch für mich ist das alles noch total neu. Am Anfang war ich sehr nervös. Und als ob das noch nicht genug wäre, lief dann auch NICHTS so, wie ich es mir gedacht hatte. Die Kinder, müsst ihr wissen, sind nämlich ein offenes Konzept gewohnt und damit hatte ICH keine Erfahrung. Obwohl ich lustige Spiele vorbereitet und mir wirklich Mühe gegeben habe, sind manche Kinder einfach während der Einheit raus gegangen. Ich habe echt lange gebraucht, um zu verstehen, dass das gar nicht an mir liegt, sondern am Konzept der Einrichtung! Um genau zu sein, brauchte ich sogar Frau Kopics Hilfe, das ist unsere Dozentin in unserem Psychomotorik-Kurs, um das zu verstehen. Ich war ein bisschen überfordert, aber mittlerweile läuft alles echt super! Mein Ziel und Auftrag bei der Psychomotorik ist es, den Kindern auf spielerische Weise die Bewegung näher zu bringen. Vielleicht kommt euch dieser Satz bekannt vor: Ich und mein Team, Zemfira, Eda und Kyra, nutzen Bewegung als Medium, um mit den Kindern in Kontakt zu kommen und sie auf ihrem Entwicklungsweg zu begleiten, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und ihnen zu helfen, sich gut mit anderen zu verstehen. Wir spielen ganz tolle Spiele und verbinden jede Einheit mit einem Thema, denn ich mag es, die Fantasie der Kinder herauszufordern. Ganz gleich, welches Thema wir haben, ist mir aber vor allem wichtig, dass sich alle wohlfühlen. Ich weiß, das klingt komisch, aber niemand muss bei uns in der Spielgruppe mitmachen. Es ist so: Manchmal sind die Kinder müde, manchmal haben sie einfach keine Lust mitzuspielen. Das ist Okay. Immerhin passiert mir das auch manchmal. Deshalb habe ich mir mit meinem Team zusammen die Ruheecke überlegt (Abb. 2). Die Kinder dürfen jederzeit in die Ruheecke oder etwas trinken. Damit es nicht zu unruhig wird, dürfen sie aber nicht mehr einfach kommen und gehen, wann sie wollen. Wenn sie an einem Tag gar nicht mehr möchten, dürfen sie gehen, aber dann müssen sie auch draußen bleiben und sind erst in der nächsten Einheit wieder dabei. Auf die Toilette gehen ist natürlich eine Ausnahme. Seit wir die Regel haben, habe ich aber bemerkt, dass kein einziges Kind mehr den Raum verlassen wollte. Das hat mich wirklich gefreut! Nun möchte ich euch aber noch von meinem Lieblingsteil erzählen! Vom Spielen! Mir war es am Anfang wichtig, dass ich die Kinder erst einmal kennenlerne. Deshalb haben wir am Anfang viele Gruppenspiele gespielt. Leider fanden viele Kinder das langweilig oder sagen wir lieber, sie hatten andere Bedürfnisse. Schnell wurde mir klar, was die richtige Entscheidung sein würde: Ein Parcours! Bei unserem Dschungelparcours durften die Kinder sich selbst einen Parcours ausdenken. Sie hatten viele gute Ideen, aber am Ende brauchten sie doch noch etwas Hilfe beim Aufbauen. Zum Glück waren Zemfira, Eda und Kyra da, um einzuspringen. Meine Arme sind nämlich leider viel zu kurz, um eine Matte zu tragen oder das Schienensystem einzustellen. Nachdem alles aufgebaut war, ging es los. Es gab Affen und Tiger und eine Lianenschaukel. Die Kinder konnten so Berichte Abb. 1: Maskottchen Tori (alle Abb.: Lütfiye Eda Gümüsoluk) Abb. 2: Ruheecke [ 46 ] 1| 2026 Aktuelles / Kurz berichtet viele verschiedene Bewegungen ausprobieren und üben: Laufen, Springen, Hüpfen, Klettern und Ducken. Ich habe wirklich gestaunt, was die Kinder schon alles können. Und ich war traurig, als die Einheit zu Ende ging. Schnell stand fest, dass wir nochmal einen Parcours machen. Und damit wir ein richtiges Abenteuer erleben konnten, habe ich meinen Freund Pingu gefragt, ob er mir hilft. Freunde um Hilfe zu bitten, ist nämlich etwas Großartiges. Als wir das nächste Mal in die Turnhalle kamen, war es furchtbar kalt. Um uns herum war ja immerhin nichts als Eis und Schnee. Aber Pingu hatte schon das Pinguinspiel für uns vorbereitet, das sich die Kinder auch in der Einheit davor gewünscht hatten. Durch das Spielen wurde uns allen schnell kuschelig warm. Und dann ging es auch schon mit dem Abenteuer los! Die Kinder durften das Gletscherland (Abb. 3) erkunden, ein Kind hat sich sogar getraut, alles vorzumachen, sogar den Sprung in die Gletscherspalte! Dafür muss man echt mutig sein. Leider hörte der Spaß schnell auf: Pingu hatte seine Eiskristalle verloren. Sie lagen überall in der Landschaft verstreut und sie sind so zerbrechlich, dass sie kaputt gehen, wenn man darauf tritt oder daran zerrt. Also mussten wir sie schnell einsammeln und dabei zusammenarbeiten. Aber da waren furchtbar große Eisbären, die uns fangen und die Kristalle kaputt machen wollten! Keine Sorge, am Ende haben wir es geschafft alle Kristalle zu sammeln. Ich habe sie euch mitgebracht (Abb. 4). Nach jeder Einheit malt Kyra ein Ausmalbild (Abb. 5), das die Kinder mit nach Hause nehmen und ausmalen können. Es hilft ihnen, sich zu erinnern, was wir gemacht haben und mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen. Das nennt man Nachklang, hat mir mein Team erklärt. Und es hilft den Kindern aus der Spielgruppe, wieder zurück in den Alltag zu kommen. Jedes Mal, wenn sie ein Bild bekommen, sehe ich ein kleines Lächeln oder ein großes Strahlen über ihr Gesicht huschen. Darüber freue ich mich sehr. Manchmal erzählen die Kinder dann sogar gleich noch mir und den anderen Kindern, was auf dem Bild drauf ist. Ich höre dann gerne zu, denn Zuhören und Beobachten bedeutet zu erfahren, was die Kinder beschäftigt und was ihnen besonders viel Spaß macht. Manchmal bereite ich ihnen eine Überraschung und setze dann genau das in der nächsten Einheit um. Zum Beispiel habe ich gesehen, dass viele Kinder im Freispiel Höhlen gebaut haben (Abb. 6). Also habe ich mit meinem Team gesprochen und Eda hat Wäscheklammern organisiert. Eine ganze Einheit lang haben wir zusammen Höhlen gebaut. Die Kinder hatten viele Ideen. Sie haben mehrere einzelne Höhlen gebaut. Ich habe ihnen dann geholfen, die einzelnen Höhlen zu einer großen Höhle zu machen. Die Kinder haben mir ihre Höhlen stolz präsentiert und ganze Geschichten dazu erzählt. Was die sich alles merken können! Wir hatten eine Bärenhöhle, ein Haus zum Wohnen und einen gemütlichen Schlafplatz. Natürlich haben die Kinder auch am Nachmittag ein Bild dazu bekommen (Abb. 7). Ins neue Jahr sind wir mit dem Thema Ringen und Raufen eingestiegen. Dazu haben wir gleich zwei Einheiten gemacht. Ich wollte ja am liebsten sofort anfangen, aber mein Team hat mir erklärt, dass wir uns und die Kinder zuerst vorbereiten müssen. Deswegen ging es in der ersten Einheit erstmal um Nähe und Distanz. Um eine Idee zu geben, worum es gehen wird, haben wir den Kindern niedliche Bilder von raufenden Bärenbabys gezeigt (Abb. 8). Dann sind sie mit etwas Abb. 3: Gletscherland Abb. 4: Eiskristalle Abb. 5: Ausmalbild Gletscherland Abb. 6: Höhlenbau [ 47 ] [ 47 ] Aktuelles / Kurz berichtet 1| 2026 Hilfe selbst darauf gekommen, was wir machen. Wir haben das »Stopp-Spiel« gespielt, da muss man sofort stehen bleiben, wenn jemand Stopp sagt und dann haben die Kinder mit Kreide auf den Turnhallenboden gemalt, um zu zeigen, wie nah ihnen andere kommen dürfen. Alle hatten ganz unterschiedliche Grenzen (Abb. 9). In der nächsten Einheit ging es dann endlich mit dem Ringen und Raufen los (Abb. 10). Wir waren alle ganz aufgeregt, weil Frau Kopic in dieser Einheit zugeschaut hat und ICH war auch ein klein bisschen nervös. Zum Glück hat Zemfira mich gaaanz festgehalten. Als es dann losging, war alles gar nicht mehr so schlimm. Beim »Hussa- Spiel« ist uns warm geworden und danach haben wir mit den Raufspielen angefangen. Zuerst haben wir noch Gegenstände benutzt, damit wir uns nicht verletzen. Die Kinder haben Materialerfahrung gesammelt, hat mein Team gesagt. Danach haben sie ihren eigenen Körper benutzt, um andere Kinder festzuhalten oder umzukippen. Besonders das Schildkrötenumkippen hat mir gut gefallen! Damit die Kinder alles verstehen, haben wir Spielsequenz-Karten benutzt. Eigentlich haben wir es ganz anders geplant, aber am Ende dieses Spiels haben fünf Kinder gemeinsam Zemfira umgeschubst. Es war ein so schöner Moment, dass wir ihnen noch etwas mehr Zeit gelassen haben. Irgendwann ging auch diese Einheit zu Ende. Wie am Ende jeder Einheit haben wir uns Zeit genommen, zur Ruhe zu kommen. Gemeinsam mit den Kindern habe ich an die Einheit zurückgedacht. Reflektiert, heißt das. Dafür haben wir die Monsterkarten (Abb. 11). Die Kinder überlegen, wie sie sich fühlen und gefühlt haben und können sich dann auf die eine, die andere oder zwischen beide Karten stellen. ICH stehe meistens zwischen den Karten, weil es immer etwas gibt, das gut war und etwas, das mir nicht so gut gefallen hat. Ich bin ein Vorbild und zeige den Kindern, dass man auch mehrere Gefühle haben kann. Für sie ist es nämlich noch schwer, das zu begreifen. Obwohl ich in der Mitte stehe, stehe ich meistens etwas näher zur Karte mit dem glücklichen Monster. Denn bisher war ich am Ende der Einheiten immer gut gelaunt. Wenn es dann Zeit ist zu gehen, legen sich die Kinder ruhig auf eine Matte. Sie haben Zeit, noch einmal, für sich, über das nachzudenken, was sie erlebt haben. Die Kinder werden dann nach und nach aufgerufen und dürfen sich an der Tür von mir persönlich verabschieden. Sie geben mir einen Check! Und umarmen mich ganz doll, um mir Tschüss zu sagen. Manchen Kindern fällt es aber wirklich schwer, zu gehen. Deshalb dürfen sie, wenn sie sich noch nicht bereit fühlen zu gehen, einfach liegen bleiben und noch etwas bei uns bleiben. Dann sehen sie uns beim Aufräumen zu oder helfen uns dabei, wenn sie möchten und hören, wie wir leise miteinander darüber sprechen, wie uns die Einheit gefallen hat. Nach ein paar Minuten gehen sie dann von alleine oder spätestens dann, wenn das Mittagessen beginnt. Sie verlassen dann die Turnhalle mit der Wertschätzung, die in unserer Gruppe zu jeder Zeit spürbar sein soll. Ich hoffe, ich konnte euch unsere Psychomotorik-Einheiten etwas näher bringen und erklären, worauf wir als Team Wert legen. Hoffentlich können wir die Kinder noch lange begleiten, sie unterstützen, herauszufinden, was sie alles mit ihrem Körper machen können und dass sie auch selbst ein Teil von ihrem Körper sind. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann würde ich mir wünschen, dass die Kinder in meiner Gruppe irgendwann das Potenzial in sich sehen, das ich in ihnen sehen kann. Es wäre Abb. 8: Raufende Bärenbabys Abb. 9: Ausmalbild Raufen & Grenzen Abb. 10: Ausmalbild Ringen & Raufen Abb. 11: Monsterkarten Abb. 7: Ausmalbild Bärenhöhle [ 48 ] 1| 2026 Aktuelles / Kurz berichtet Bewegung ist Begegnung In Mullewapp, der Kita klein, Teiloffen soll das Konzept hier sein. Ein Raum der Möglichkeiten, sanft gelenkt, wo jedes Kind sich selbst neu schenkt. Psychomotorik ist mein Werkzeug fein, Bewegung als Medium, die Brücke zum Sein. Kontakt entsteht, im Spiel, im Tun, im Miteinander kann Vertrauen ruh’n. Umsorgen, fördern, fordern im Tag, einfühlsam, geduldig, was immer es mag. Mit Empathie und Selbstbewusstsein klar, bin ich für die Kinder da-- immerdar. Im Handeln wird das Ziel entdeckt, das Konzept der Freiwilligkeit es weckt. Gemeinsam definieren wir unser Streben, das Ziel ist der Weg, das aktive Erleben. Die Symboltheorie im Fokus steht, wo Bewegung die Lebensthemen versteht. Entwicklung und Handlung im Gleichgewicht, Grundlagen für die Handlungsfähigkeit im Licht. Instruktion, Geschichten, Problemgestalt, Stationen, Räume, das Freispiel halt. Situationen offen oder strukturiert, die Vielfalt der Methoden motiviert. Ich handle deduktiv, anleitend, klar, induktiv, beteiligend, wunderbar. Situativ greif ich auf, was entsteht, kommunikativ, mitspielend, was uns bewegt. Ich beobachte observativ, still und fein, und spiegel reflexiv, was kann es mehr sein? Das Menschenbild ganzheitlich, tief verbunden, Körper, Geist und Seele-- ein Kreis, gerundet. Psychomotorik, wertvoll und frei, verbindet Bewegung mit Sinn dabei. Körper, Umwelt, Seele und Geist, ein Netzwerk, das Wachstum verheißt. Ohne sie fehlte die Selbstwirksamkeit, die Verbindung, die jede Seele befreit. Emotionen, Bewegung, soziale Kraft, das sind die Wurzeln, die Gemeinschaft schafft. Im Setting hier ist sie von Wert, neue Erfahrungen, die das Kind erklärt. Psychomotorik, im Alltag so klar, für jedes Kind ein Geschenk, wunderbar. Alexa Bosch (alexa.bosch@stud.hn.de) und Leann Finken (leann.finken@stud.hn.de), Studierende der Hochschule Niederrhein im Bachelorstudiengang Kindheitspädagogik-- Bildung durch Bewegung schade, wenn es unsere Gruppe nicht gäbe, denn ich glaube, dass sie eine große Hilfe und Orientierung für die Kinder ist. Die Psychomotorik hilft uns, auf jedes Kind persönlich einzugehen, wo es in einer normalen Spielgruppe schwierig wäre. Denn manchmal ist das, was andere als Problem sehen, genau das, was in unserer Gruppe total wertvoll wird. Die Kinder haben alle ihre Stärken, genauso wie wir: Zemfira ist bei allen Kindern total beliebt. Sie ist sehr gut darin mitzuspielen und mit den Kindern auf Augenhöhe zu sprechen. Eda kann sehr gut die Spiele erklären und schafft es, den langen Hauptteil der Einheiten zu meistern. Und Kyra kann ganz spontan sein und wenn es sein muss auch mal schnell umplanen. Und ICH schaffe es, eine Verbindung herzustellen. Manchmal können die Kinder durch mich sprechen oder Dinge viel leichter begreifen, wenn ich sie erkläre. Wir mussten aber auch erst lernen, als Team zusammen zu arbeiten. Und ich glaube, das haben wir jetzt geschafft! Zemfira Abasguliyev (zemfira.abasguliyev@stud.hn.de), Lütfiye Gümüsoluk (luetfiye.guemuesoluk@stud.hn.de) und Kyra Kicker (kyra.kicker@stud. hn.de), Studierende der Hochschule Niederrhein im Bachelorstudiengang Kindheitspädagogik- - Bildung durch Bewegung