Motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mot2026.art18d
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2026
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Rezension: Städtler, H., Grams, H. (2025): Bewegung bringt’s. Erfolgreich lernen in der Ganztagsschule. Herder, Freiburg im Breisgau, 978-3-451-03576-0 (Print), 25,00 €
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2026
Kim Lipinski
Das vorliegende Buch will einen Weg aufzeigen, wie Schule im Allgemeinen und die Ganztagsschule im Besonderen mehr Bewegung in den Schulalltag einbauen kann. Dies jedoch nicht mit den üblichen Tipps von Bewegungspausen und Lerninhalte in Bewegung, sondern nach dem Konzept der ›Bewegten, gesunden Schule Niedersachsen‹. Die Autoren Hermann Städtler und Hermann Grams plädieren dafür, dass »Ganztagsschulen […] zu bewegenden Lebens- und Lernorten werden« müssen (8) und wir Erwachsene »Bewegungschancen als Lebenschancen« (ebd.) begreifen müssen. Schon im Vorwort werden sie hierbei deutlich, indem sie den (bekannten) Bewegungsmangel kritisieren und an die Auswirkungen der Corona-Pandemie erinnern.
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[ 94 ] 2| 2026 Medien & Materialien Städtler, H., Grams, H. (2025): Bewegung bringt’s. Erfolgreich lernen in der Ganztagsschule. Herder, Freiburg im Breisgau; 978-3-451-03576-0 (Print); 25,00 € Das vorliegende Buch will einen Weg aufzeigen, wie Schule im Allgemeinen und die Ganztagsschule im Besonderen mehr Bewegung in den Schulalltag einbauen kann. Dies jedoch nicht mit den üblichen Tipps von Bewegungspausen und Lerninhalte in Bewegung, sondern nach dem Konzept der ›Bewegten, gesunden Schule Niedersachsen‹. Die Autoren Hermann Städtler und Hermann Grams plädieren dafür, dass »Ganztagsschulen […] zu bewegenden Lebens- und Lernorten werden« müssen (8) und wir Erwachsene »Bewegungschancen als Lebenschancen« (ebd.) begreifen müssen. Schon im Vorwort werden sie hierbei deutlich, indem sie den (bekannten) Bewegungsmangel kritisieren und an die Auswirkungen der Corona-Pandemie erinnern. Und dennoch passiere nichts bzw. nicht viel. Daher wollen sie mit ihrem Buch nun helfen, von der Theorie in die Praxis zu kommen und dabei Schulen (und besonders Lehrkräfte) nicht zu überfordern. Sie postulieren, dass Schulen gesunde Lehrkräfte brauchen, um Kindern Ressourcen für die Welt von morgen mitzugeben. Jedoch scheinen Lehrkräfte meist eher den Eindruck zu haben, sich selbst ›schützen‹ zu müssen. Daher setzen sie auf eine Stärkung des Kollegiums und gezielte Entlastungen, sodass Unterricht zur Lernbegleitung werde und aus der Aufsicht die Mitsicht. Sie präsentieren jedoch keinen Plan, welcher von A bis Z abgearbeitet werden muss, sondern stellen einen ressourcenorientierten und systemischen Ansatz vor, welcher einen individuellen Einstieg ermöglicht. Dafür bringen beide Autoren einiges an Erfahrungen mit: Städtler leitet das Kultusministeriumsprogramm ›Bewegte, gesunde Schule Niedersachen‹ und ist nach vielen Jahren Schulleiter einer Grundschule nun beratend zu Bewegungskonzepten im deutschsprachigen Raum tätig. Grams ist als Sportwissenschaftler und Sonderpädagoge nun Lernbegleiter und Trainer in Bildungsfragen. Im ersten Kapitel beginnen sie direkt mit einem Interview mit dem Hirnforscher Prof. Dr. Martin Korte. Hier finden die Lesenden nun einen kurzen theoretischen Input zu den Vorgängen im Gehirn und warum Bewegung wichtig sei. Die Aufbereitung als Interview wirkt dabei auflockernd. Der Vermittlung eines aktiven Lebensstils und der Frage: ›Wie bewegungsnah bzw. bewegungsfern ist eine Schule? ‹ gehen sie dann in Kapitel zwei nach (16). Als signifikant stellen sie hierbei die Rhythmisierung des Schulalltags, die Verwendung ausgewogener Lernformen und eine einladende Lernumgebung heraus. Die Orientierung am Konzept der Salutogenese ermögliche dabei eine Analyse für neue Aufträge an die Schulgemeinschaft. Sie zeigen auf, an welchen Stellen man überall anfangen könne, da alle Aspekte wie ein Räderwerk ineinandergreifen und es somit keinen festgelegten Startpunkt geben könne. Im Räderwerk finden sich die drei Handlungsfelder ›Lern- und Lebensraum Schule‹, ›Lehren und Lernen‹ und ›Schule steuern und organisieren‹. Dieses lässt sich sodann als Schablone für Aktivitäten und Aufgaben nehmen, um immer rückzukoppeln, zu welchem Bereich xy gehöre und ob xy z. B. an den Stärken ansetze. Dadurch ergäben sich machbare Aufgaben. Ab dem dritten Kapitel (26) geht der Blick nun konkret auf das Setting Schule: Doch vor dem eigentlichen Schulbeginn denken die beiden Autoren auch schon den Tagesbeginn und den Weg zur Schule mit. Hieraus resultiert u. a. auch noch einmal die konkrete Arbeit mit Eltern und Bezugspersonen. In Kapitel vier (29) steht dann der Schulbeginn im Fokus. Ankommenszeit solle als Qualitätszeit verstanden werden, sodass zum Nachschlagen haben möchten. Der eine oder der andere spielversiertere Mensch wird durch die vorgestellten Variationen sogar noch eine neue Idee zu einem längs bekannten Spiel mitnehmen (z. B. Zepp und Zopp bei ZippZapp) und Berufsanfänger: innen finden hier die kleine (unauffällige) Unterstützung, um in der praktischen Arbeit Handlungskompetenz zu entwickeln und bei der Stundenplanung nicht vor dem leeren Blatt zu sitzen. Und genau hier liegt der Mehrwert des Buches! Kim Lipinski DOI 10.2378/ mot2026.art17d [ 95 ] Medien & Materialien 2| 2026 Schüler: innen (und Lehrkräfte) schon dort denken können: »Das ist meine Schule« (ebd.). Hier geben die Autoren dann auch direkt einige Tipps fürs gute Ankommen wie z. B. sogenannte »Bewegungsverführungen« in Form einer Boulderwand. Kapitel fünf (32) eröffnet dann den kritischen Blick auf das Sitzen in der Schule, indem die Gesundheitsempfehlungen für Bürojobs rechnerisch auf Schule übertragen werden und eine Mischung aus Sitzen, Stehen und Bewegen streng genommen sinnvoll wäre. Auch hier finden sich wieder Tipps, wie Sitzroutinen durchbrochen werden können. Im Anschluss (Kap. 5.2) steht das hirngerechte Lernen durch Rhythmisierung (38) im Vordergrund. Der gesamte Schulalltag solle als Lernszenario verstanden werden, wo Bewegung dann eben nicht nur als Ausgleich, sondern als eine bedeutsame Ressource verstanden werde. Denn Bewegungsimpulse seien mehr als »kompensatorischer Einsatz von körperlicher Aktivität« (41). Städtler und Grams zeigen dann Phasen und unterschiedliche Ziele inkl. dem Nutzen für Lehrkräfte und Schüler: innen auf und gestalten das ›Bewegungsmischpult‹ als eine anschauliche Gedankenstütze. Wenn ich den Kern von Bewegungsimpulsen kenne, so könne ich am Bewegungsmischpult die Anforderungen verändern. Wichtig dabei nicht zu vergessen sei die Authentizität bei der Anleitung von Bewegungsimpulsen, was wiederum an den Stärken und auch der Komfortzone der einzelnen Lehrkräfte ansetzt. Für die Bewegungsimpulse folgen 10 Ideen und der Verweis, dass auf der Homepage dazu auch noch Filme zu finden seien. Im sechsten Kapitel (70) wird dann die Pause als ein bedeutsamer Lern- und Bildungsraum dargestellt. Diese brauche genügend Zeit für die Bedürfnisse der Schüler: innen und auch der Lehrkräfte. Gerade für Letztere plädieren die Autoren für schöne Rückzugsorte und auch eigene Außenbereiche, um Pausen als Ruhe- und Erholungszeiten genießen zu können. Im Vordergrund steht auch dabei die Frage: ›Lädt der Raum zur Bewegung ein? ‹. Räume sollen immer mit Bewegung gedacht werden. Es schließen sich auch hier wieder Tipps an, dieses Mal für das Außengelände. Kapitel sieben (78) beschreibt dann die Mittagszeit eben nicht nur als reine Sättigungszeit, sondern als ›Selbst- Zeit‹, in welcher ein Angebot von vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten sinnvoll wäre. Die Vernetzung im Sozialraum und mögliche Kooperationen sind Thema des achten Kapitels (80). Und wie geht es jetzt los? Das erfahren die Lesenden in Kapitel neun (82), denn ein passender Beginn erhöhe die Chancen zur erfolgreichen Umsetzung. Das Buch schließt mit dem zehnten Kapitel (86) und zeigt hier auf insgesamt sieben Seiten Tipps und weiterführende Hinweise inkl. Literaturangaben auf. Im Anschluss werden noch die Module des Konzeptes ›Bewegte, gesunde Schule Niedersachsen‹ vorgestellt. Den Abschluss bilden Vorher- Nachher-Bilder von Schulhöfen, Bilder zur Methode des Schulmemory (102) und Bewegungsimpulsen (110). Insgesamt ist das Buch grafisch schön aufbereitet und bietet eine sehr ansprechende Mischung zwischen Texten, Abbildungen und wirklich vielen, Lust auf Bewegung-machenden Fotos. Dadurch werden die Lesenden an die Hand genommen und es entsteht der Eindruck, dass es wirklich nicht so schwer ist, aus einer Schule eine bewegte und gesunde Schule zu machen. Selbstverständlich ist dies mit (konzeptioneller) Arbeit verbunden und mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die einen oder anderen an der eigenen Schule auch Widerstände erfahren. Dennoch haben die Autoren mit ihrem Buch ein praxisnahes und direkt einzusetzendes Handwerkszeug erschaffen. Kim Lipinski DOI 10.2378/ mot2026.art18d • Handlungsprinzipien der PMT • Psychomotorik im Wasser • Therapieprotokolle in der PMT • 50 Jahre dakp Vorschau auf die nächsten Hefte
