eJournals Motorik49/3

Motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mot2026.art21d
7_049_2026_3/7_049_2026_3.pdf71
2026
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Forum Psychomotorik: »Wir haben viel mit den Händen gelernt«

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2026
Jürgen Kühnis
Martin Greiter
In Waldkindergärten wird dem naturbezogenen und handlungsorientierten Lernen besondere Beachtung geschenkt. Ausgehend vom skandinavischen Vorbild hat sich dieses Bildungsangebot im Freien seit den 1990er Jahren im deutschsprachigen Raum etabliert und erfreut sich seither einer steigenden Nachfrage. Dieser Beitrag ermöglicht einen Einblick in die im Schuljahr 2024/25 evaluierte Praxis des ersten Waldkindergartens der Stadt St. Gallen und des ersten Waldkindergartens in Liechtenstein. Wie die multiperspektivische Analyse (Befragung von 49 Eltern, 43 Kindern und 4 Lehrpersonen) zeigt, konnte an beiden Standorten ein überzeugendes und gut akzeptiertes Bildungsangebot geschaffen werden.
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Zusammenfassung / Abstract In Waldkindergärten wird dem naturbezogenen und handlungsorientierten Lernen besondere Beachtung geschenkt. Ausgehend vom skandinavischen Vorbild hat sich dieses Bildungsangebot im Freien seit den 1990er Jahren im deutschsprachigen Raum etabliert und erfreut sich seither einer steigenden Nachfrage. Dieser Beitrag ermöglicht einen Einblick in die im Schuljahr 2024 / 25 evaluierte Praxis des ersten Waldkindergartens der Stadt St. Gallen und des ersten Waldkindergartens in Liechtenstein. Wie die multiperspektivische Analyse (Befragung von 49 Eltern, 43 Kindern und 4 Lehrpersonen) zeigt, konnte an beiden Standorten ein überzeugendes und gut akzeptiertes Bildungsangebot geschaffen werden. Schlüsselbegriffe: Waldkindergarten, Evaluation, Schweiz, Liechtenstein »We learned a lot with our hands.« Evaluation of two forest kindergartens in Switzerland and Liechtenstein Nature-based and action-oriented learning plays an important role in forest kindergartens. Based on the Scandinavian exemplary, this type of outdoor-based education has been established in Germanspeaking areas since the 1990s and has been growing in popularity since then. This article provides an insight into the evaluation of the first forest kindergarten in the city of St. Gallen and the first forest kindergarten in Liechtenstein, which was carried out in the school year 2024 / 25. As the multi-perspective analysis (based on 49 parents, 43 children, and 4 teachers surveyed) shows, both locations have succeeded in creating a convincing and well-accepted educational profile. Key words: Forest kindergarten, evaluation, Switzerland, Liechtenstein [ 112 ] 3| 2026 motorik, 49. Jg., 112-119, DOI 10.2378 / mot2026.art21d © Ernst Reinhardt Verlag [ FORUM PSYCHOMOTORIK ] »Wir haben viel mit den Händen gelernt« Evaluation zweier Waldkindergärten in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein Jürgen Kühnis, Martin Greiter In kindlichen Entwicklungsprozessen wird dem Lernen in authentischen Erfahrungsräumen in der Natur eine zentrale Rolle zugeschrieben. In Waldkindergärten werden solche erfahrungsbasierten Zugänge ganzjährig im Wechselspiel der Jahreszeiten eröffnet. Als weitläufiger Erfahrungsraum bietet der Wald vielfältige Entfaltungsmöglichkeiten, die für eine ganzheitliche Entwicklung wichtig sind. Das multisensorische Wahrnehmen und Erleben der Natur, die eigenständige Raumaneignung und das Ausleben des Spiel- und Bewegungsdranges, die Förderung des sozialen Lernens und der Verbundenheit mit der Natur, das Ausloten der motorischen Grenzen sowie die Stärkung des Selbstvertrauens gelten als wesentliche entwicklungspädagogische Zielsetzungen, die mit diesem Draußenlernen verbunden werden (Miklitz 2021; Röhner 2024). Der Erkenntnisstand zur Bedeutung des Spielens und Bewegens im Freien und von regelmäßigen Naturkontakten hat sich in den letzten Jahren immer mehr verdichtet. Forschungsbefunde zeigen, dass naturbasiertes Lernen verschiedene Entwicklungsaspekte von Kindern fördert und sich u. a. positiv auf die körperliche Aktivität, Motorik, Konzentrationsfähigkeit, das Sozialverhalten und Wohlbefinden sowie die Naturverbundenheit auswirkt (Mann et al. 2022; Becker et al. 2017; Chawla 2020; Sella et al. [ 113 ] Kühnis, Greiter • »Wir haben viel mit den Händen gelernt« 3| 2026 2023; Schäffer 2016; von Au / Jucker 2022; Tremblay et al. 2015). Kinder, die häufig im Freien sind, bewegen sich mehr, spielen vielfältig, sind sozial sehr interaktiv und zeigen eine verbesserte Selbstwahrnehmung und mentale Gesundheit. Aufgrund dieses Entwicklungs- und Bildungspotenzials erfuhren Waldkindergärten in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Aufmerksamkeit im Bildungskontext und immer mehr Eltern fühlen sich von diesem Angebot angesprochen. Ihren Ursprung hat die Natur- und Waldkindergartenbewegung in Skandinavien. In Schweden besitzt die praktizierte Naturpädagogik dank der seit 1892 bestehenden Organisation »Friluftsfrämjandet« (mit ganzjährigen Angeboten für alle Altersstufen) eine lange Tradition (Miklitz 2021). Inspiriert von diesem schwedischen Bildungsprogramm entstand in Dänemark in den 1950er-Jahren der erste Waldkindergarten. Nach und nach verbreitete sich dieses frühpädagogische Konzept in ganz Europa, wobei viele Waldkindergärten auf Initiativen von engagierten Eltern oder Kindergartenlehrpersonen basieren. In Deutschland wurde der erste staatlich anerkannte Waldkindergarten 1993 gegründet. Heute existieren im Bundesgebiet etwa 2000 Waldkindergärten (Röhner 2024). 1998 entstand der erste öffentliche Waldkindergarten der Schweiz (Lettieri 2004) und in Österreich existieren Waldkindergärten seit 2002 (Bancalari 2021). Zwischenzeitlich wird dieses Kindergartenprofil in beiden Ländern landesweit umgesetzt. In der Schweiz und in Liechtenstein bildet der Kindergarten die erste Stufe der Volksschule und ist obligatorisch. Um Waldkindergartenangebote weiterzuentwickeln und langfristig zu sichern, bilden Selbst- und Fremdevaluationen eine wichtige Orientierungsgrundlage für die pädagogische Praxis (Miklitz 2021). Im vorliegenden Beitrag werden Kernbefunde einer Evaluation von zwei neuen öffentlichen Waldkindergärten in der Stadt St. Gallen (Schweiz) und in der Gemeinde Eschen- Nendeln (Liechtenstein) präsentiert. Diese Evaluierung am Ende der Pilotphase war eine Vorgabe der zuständigen Schulbehörden und zielte darauf ab, wesentliche Informationen zu gewinnen, wie diese Angebote aus Sicht der zentralen Akteur: innen (Eltern, Kinder und Lehrpersonen) wahrgenommen und eingeschätzt werden. Methode Im Auftrag der Schulbehörden wurden die Evaluationen im Schuljahr 2024 / 25 an beiden Untersuchungsstandorten von Dezember bis Juni durchgeführt. Die Erfahrungen und Einschätzungen der fokussierten Zielgruppen (Tab. 1) wurden mittels Online-Befragung der Eltern, moderierten Gruppengesprächen mit den Kindern sowie einer schriftlichen Befragung der Lehrpersonen erfasst. Im Rahmen der Evaluierung wurde eine Nachbefragung der Kinder und Eltern der Kindergartenklasse des Vorjahres (Abschluss Juli 2024) sowie eine Befragung der aktuellen Klasse (Abschluss Juli 2025) und ihrer Eltern vorgenommen. Die Information der Kindergärtnerinnen und Eltern erfolgte in Kooperation mit den lokalen Schulleitungen. Vor der Erhebung wurden die Eltern mit einem Infoschreiben über die Ziele, den Ablauf und die anonymisierte Auswertung der Evaluation informiert. Gleichzeitig wurden sie um eine schriftliche Einverständniserklärung zur Befragung ihrer Kinder gebeten. Aufgrund der kleinen Grundgesamtheit war die Studie als Vollerhebung konzipiert. Wie Tabelle 1 zeigt, gaben von den angeschriebenen Eltern im Schuljahr 2024 / 25 zwei keine Rückmeldung. Zudem waren einzelne Kinder am Befragungstag krank oder es lag keine elterliche Einwilligung vor. Insgesamt wurden in der Stadt St. Gallen (SG) 22 Eltern, 21 Kinder und 2 Lehrpersonen befragt; in Liechtenstein (FL) 27 Eltern, 22 Kinder und 2 Lehrpersonen. Die zugrundliegenden Befragungsinstrumente wurden durch die PH Schwyz ausgearbeitet und im Jahre 2024 in einer vergleichbaren Evaluation des ersten Tierparkkindergarten der Schweiz eingesetzt. Für die aktuellen Erhebungen wurden diese Instrumente durch die PH Schwyz und das Schulamt in Liechtenstein kooperativ weiterentwickelt und teils ergänzt. Eine Dokumentation der Instrumente findet sich bei Kühnis und Greiter (2026). Der Eltern-Fragebogen umfasste vier Bereiche mit geschlossenen Fragen und nominal- oder [ 114 ] 3| 2026 Forum Psychomotorik ordinalskalierten Variablen (1 = trifft gar nicht zu, 2 = trifft eher nicht zu, 3 = trifft eher zu, 4 = trifft genau zu). Die Bereiche beinhalteten Fragen zu den Entscheidungsgründen für die Wahl dieses Bildungsangebots, zu dessen Umsetzung sowie zur Gesamtzufriedenheit. In der offenen Schlussfrage konnten Kommentare platziert werden. Das Ausfüllen benötigte ca. 5-10 Minuten. Der Lehrpersonen-Fragebogen umfasste neun offene Fragen (u. a. zur Planung, Umsetzung, Zusammenarbeit und Akzeptanz des Kindergartenprofils im Schulkollegium), eine geschlossene Frage zur Gesamtzufriedenheit und eine Schlussfrage für offene Kommentare. Die Interviews mit den Kindern in Kleingruppen (3-4 Kinder) beinhalteten offene Fragen sowie abschließende Einschätzungsfragen. Der Einstieg erfolgte mit einem Erzählstimulus. Die aufgezeichneten Gespräche dauerten durchschnittlich 12 Minuten. Für die Beantwortung der Schlussfragen (z. B. »Wie gefällt dir die Umgebung eures Waldkindergartens? «) erhielt jedes Kind einen vorgefertigten Kartonstreifen mit drei aufgedruckten Smileys sowie eine Holzklammer. Nachdem die jeweilige Frage gestellt wurde, hielt jedes Kind seine persönliche Einschätzung mit der Klammer auf dem Streifen fest. In der nachfolgenden Ergebnisdeskription werden die Einschätzungen der befragten Zielgruppen jeweils zusammenfassend über beide Schuljahre (Tab. 1) dargestellt. Ergebnisse Perspektive der Eltern Wie die Analyse der Elternbefragung (n = 49) zeigt, erhielt die Mehrheit der abgefragten Gründe für die Wahl dieses Bildungsangebots eine Zustimmung (trifft genau zu) von über 60 % (Abb. 1). Die höchsten Werte mit jeweils über 83 % ließen sich bei den drei Aspekten »Draußenlernen in einer naturnahen Umgebung«, »Gelegenheiten zum Entdecken und Kontakte mit der belebten Natur« und der »Stärkung der Beziehung zur Natur« feststellen. Das Eröffnen von multisensorischen Lerngelegenheiten (79,6 %) und die Möglichkeit den kindlichen Spiel-, Bewegungs- und Entdeckungsdrang ausleben zu können (77,6 %), waren weitere häufig genannte Entscheidungsgründe. Die Umsetzung wurde insgesamt sehr positiv bewertet. 89,8 % aller Eltern (SG 95,4 %; FL 85,1 %) gaben an, dass die zuständigen Lehrpersonen einen fachlich sicheren Eindruck hinterließen, im Umgang mit den Kindern freundlich und aufgeschlossen waren und die Zusammenarbeit funktionierte. Auch in den offenen Kommentaren wurde das Engagement der Lehrpersonen hervorgehoben: »Die Lehrpersonen waren leidenschaftliche Waldkindergärtnerinnen, was man täglich spürte.« »Die Kindergartenlehrerinnen waren super, mein Kind schwärmt heute noch davon.« Tab. 1: Anzahl Rückmeldungen in den befragten Zielgruppen a Total Stadt St. Gallen (SG) Liechtenstein (FL) SJ 2023 / 24 SJ 2024 / 25 SJ 2023 / 24 SJ 2024 / 25 Zielgruppe Eltern / Erziehungsberechtigte 49 8 (8) 14 (15) 15 (13) b 12 (13) Kinder 43 6 (8) 15 (15) 10 (13) 12 (13) Lehrpersonen 4 2 (2) 2 (2) a In Klammer ist die Grundgesamtheit der jeweiligen Personengruppe aufgeführt. b Von mindestens zwei Familien gab es mehr als eine Rückmeldung. [ 115 ] [ 115 ] Kühnis, Greiter • »Wir haben viel mit den Händen gelernt« 3| 2026 Der Bustransport zum Waldstandort hat für 85,5 % der Befragten (SG 86,3 %; FL 85,2 %) gut funktioniert. Weitere 75,5 % waren der Meinung, dass die Waldkindergärten über angemessene räumliche Rahmenbedingungen (SG 81,8 %; FL 70,3 %) verfügten. Zwei Drittel gaben zudem an, dass ihre Kinder den Kindergarten gerne besuchten (SG 63,6 %; FL 70,3 %) und 69,4 % (SG 81,8 %; FL 55,5 %) hatten den Eindruck, dass sich das Draußenlernen positiv auf die Entwicklung ihres Kindes auswirkt. Als wahrgenommene Wirkungen wurden in einzelnen offenen Kommentaren v. a. die Förderung des Naturwissens (Abb. 2), der Selbständigkeit und des Gemeinschaftsgefühls genannt. »Was mich besonders freut, ist das Wissen, das mein Kind über die Pflanzen und Tiere des Waldes mit nach Hause bringt. Bei gemeinsamen Spaziergängen erklärt es mir, welche Pflanzen essbar und welche giftig sind- - das zeigt mir, wie viel es lernt und wie nachhaltig die Erfahrungen im Wald wirken.« Das Wetter und die Bereitstellung passender Bekleidung stellten für 42, 8 % der Eltern (SG 36,6 %; FL 48,1 %) teils eine gewisse Herausforderung dar. »Der einzige Nachteil sind die hohen Kosten an Kleidung und Schuhe, da man qualitativ hochwertige Kleidung kaufen muss, damit sich die Kinder wohlfühlen bei jeder Temperatur.« Die Wintermonate waren für ihre Kinder meist gut bewältigbar (SG 50 %; FL 77,8 %). Insgesamt äußerten sich 85,1 % (SG 95,4 %; FL 77,8 %) sehr zufrieden mit dem neu geschaffenen Angebot. »Wir finden es toll, dass die Stadt dieses Angebot geschaffen hat, und schätzen das Konzept des Waldkindergartens sehr.« »Es ist beeindruckend, was die Initiatoren da auf die Beine gestellt haben. Es ist eine super Alternative zum Raumkindergarten.« 89,8 % der Eltern (SG 95,4 %; FL 85,1 %) würden sich wieder für dieses besondere Kindergartenprofil entscheiden und es auch anderen Eltern weiterempfehlen. Abb. 1: Entscheidungsgründe der Eltern (n = 49) für den Waldkindergarten Abb. 2: Aufbau von Naturwissen: Beispiel heimische Laub- und Nadelbäume (Foto: Nicole Frommelt / Barbara Batliner) [ 116 ] 3| 2026 Forum Psychomotorik Perspektive der Kinder Die Aussagen der Kinder (n=43) eröffneten einen lebendigen Einblick in ihre Erfahrungswelt und verdeutlichten, was für sie im Waldkindergarten besonders bedeutungsvoll war. Die häufig genannten Lieblingsorte und Aktivitäten bezogen sich auf Örtlichkeiten (z. B. Dreckrutschbahn, Asthütte, Steilhang), welche die Kinder zum gemeinsamen Spielen, Bauen oder für die Anwendung praktischer Fertigkeiten (z. B. Schaufeln, Sägen, Spannen von Seilen, Abb. 3) genutzt haben. Einzelne Kinder erwähnten auch persönliche Rückzugsorte, »wo man Ruhe haben kann«. Mehrere Kinder bezeichneten das Draußensein (selbst bei Regen) als etwas, das Spaß macht und zum Spielen einlädt. Die Kinder beschrieben, dass sie oft frei entscheiden durften, womit sie sich beschäftigen wollten, und dass sie stolz seien, bestimmte Dinge bereits selbst zu können-- etwa sich im Gelände zu orientieren oder mit Werkzeugen umzugehen. Der gemeinschaftliche Weg zum Waldkindergarten mit dem Bus und einem kurzen Fußmarsch stellte für viele Kinder ein soziales Erlebnis dar und wurde von den Lehrpersonen mit Lernaktivitäten (z. B. Singen, Beobachtungs- und Sammelaufträge) angereichert. Auf die Frage »Was ist denn besonders in eurem Waldkindergarten? « wurden das häufige Draußensein und die naturnahe Umgebung mit vielen Bäumen und Tieren hervorgehoben. Zudem wiesen einzelne Kinder darauf hin, dass es hier kein Spielzeug gibt. Der Mehrheit der Kinder (SG 85,7 %; FL 59 %) gefiel es in ihrem Waldkindergarten sehr gut (Abb. 4). Während viele den Waldkindergarten mit seinem umliegenden Aktionsraum uneingeschränkt positiv beurteilten, äußerten andere gemischte Eindrücke- - etwa in Bezug auf Wetter, Ausstattung oder Spielmaterialien. So wünschten sich einzelne Kinder ergänzendes Spielmaterial; andere wiederum vermissten bestimmte Raumangebote- - wie eine Abb. 3: Der Lernort Wald eröffnet Kindern kreative Freiräume. (Foto: Stefanie Fink) Abb. 4: Bewertung ausgewählter Aspekte durch die Kinder (n = 43) [ 117 ] [ 117 ] Kühnis, Greiter • »Wir haben viel mit den Händen gelernt« 3| 2026 klassische Puppenecke oder ein Spielhäuschen. Zudem berichteten einzelne Kinder im Interview von Zecken und Mücken. Diese erwähnten Wünsche und gemischten Gefühle hatten womöglich einen Einfluss auf ihre abschließende Gesamteinschätzung der Umgebung (Abb. 4). Perspektive der Lehrpersonen Wichtige Auskunftspersonen zur Beurteilung der bisherigen Umsetzung waren auch die beteiligten Lehrpersonen (n=4). Die Zusammenarbeit in den lokalen Teams wurde von allen als sehr gut beschrieben und die Unterstützung durch die Schulleitung als wertschätzend und lösungsorientiert hervorgehoben. »Die Schulleitung war jederzeit bereit uns ein Zeitfenster einzuräumen.« Die Lehrpersonen schätzten diesen regelmäßigen Austausch, das persönliche Feedback und das entgegengebrachte Vertrauen sehr. Dies erleichterten ihre Planung und Umsetzungspraxis vor Ort. Auch die enge Kooperation mit dem zuständigen Förster wurde als große Unterstützung wahrgenommen. Als weitere wichtige Gelingensbedingung wurde der enge Austausch mit den Eltern erwähnt. »Wir schätzen den nahen Kontakt zu den Eltern, was wir auch als Voraussetzung sehen für unsere Arbeit im Waldkindergarten, da es an dem Ort eine höhere Vertrauensbasis benötigt.« Das pädagogische Konzept wurde als kindgerecht und mit den bisherigen Kinderzahlen als gut umsetzbar eingestuft. Bei einer größeren Gruppe könnte jedoch ein zusätzlicher Personalbedarf entstehen. Beim Waldkindergarten in St. Gallen wurde zudem das Anliegen geäußert, die heutigen, limitierten Lagerungsmöglichkeiten von Lernmaterialien zu optimieren. Die Kinder zeigten laut Aussagen der Lehrpersonen eine hohe Selbstständigkeit, Offenheit und Ausdauer. »Die Waldkinder zeichnen sich durch eine große Selbstwirksamkeit aus, können sich lange konzentrieren, sich gegenseitig bei Schwierigkeiten unterstützen und Lösungen suchen. Sie sind in ihrem ganzen Handeln sehr flexibel und anpassungsfähig.« »Sie haben ein starkes Durchhaltevermögen entwickelt in den zwei Jahren.« Um ihre Lehrtätigkeit zu professionalisieren haben alle Lehrpersonen eine naturpädagogische Ausbildung abgeschlossen. Um den spezifischen Anforderungen in diesem besonderen Lernsetting gerecht zu werden, ist aus Sicht der Lehrpersonen eine regelmäßige Weiterbildung grundlegend. Zudem erachten alle Befragten auch die Hospitation in vergleichbaren Kindergartenprofilen und die Vernetzung als sehr wertvoll. Insgesamt äußerten sich alle Lehrpersonen sehr zufrieden mit der bisherigen Umsetzung und die Akzeptanz des Waldkindergartens im Schulkollegium wurde als hoch eingeschätzt. Diskussion Waldkindergärten bieten Kindern eine Lernumgebung mit vielfältigen Sinnesreizen und Raum für tiefergehende Naturerfahrungen sowie exploratives und kooperatives Handeln (Miklitz 2021). Wie Befunde einer Studie in Südhessen zeigen, werden das Sammeln von Naturerfahrungen (Erleben und Entdecken der Natur) und die Förderung der Naturverbundenheit (Beziehung zur Natur) von Eltern (n=47) als Hauptgründe für die Anmeldung ihrer Kinder in einem Waldkindergarten genannt (Weisenstein 2021). Auch in der Untersuchung von Neumann (2021) wurden von Eltern in Waldkindergärten (n=11) »(…) das tägliche Draußen Sein bei Wind und Wetter und die damit verbundenen unmittelbaren Naturerfahrungen« als entscheidender Grund für die Anmeldung angegeben. Wenngleich in unserer Untersuchung im Gegensatz zu diesen beiden deutschen Referenzstudien den Eltern (n=43) im Online-Fragebogen mögliche Entscheidungsgründe zur Bewertung vorgegeben wurden, zeigt sich ein ähnlicher Befund (Abb. 1). Auch hier erhielten Aspekte der Naturerfahrung (Lernen in einer naturnahen Umgebung, Gelegenheiten zum Entdecken und Kontakte mit der belebten Waldkindergärten ermöglichen erfahrungsbasiertes Lernen in einem attraktiven Aktionsraum. [ 118 ] 3| 2026 Forum Psychomotorik Natur) sowie die Stärkung der Beziehung zur Natur die höchsten Zustimmungswerte. Zusammenfassend lässt sich aufgrund der positiven Rückmeldungen aller Befragten aufzeigen, dass es den Verantwortlichen dieser beiden neugeschaffenen Waldkindergärten sowohl in der pädagogischen Konzeption wie auch deren Umsetzung gelungen ist, ein überzeugendes und gut akzeptiertes Bildungsangebot zu schaffen. Das erfreuliche Gesamtbild lässt auf eine starke Identifikation aller Involvierten schließen. Bei den Eltern zeigt sich standortübergreifend eine hohe Zufriedenheit mit dem umgesetzten Kindergartenprofil und die Lehrpersonen haben ihre pädagogische Arbeit im Wald als bereichernd und entwicklungsfördernd erlebt. Die Aussagen der Kinder deuten auf eine enge emotionale Bindung an den Waldkindergarten hin. Sie erlebten den Ort als inspirierend, gemeinschaftlich und lebendig- - aber auch herausfordernd in Bezug auf Wetter, Ausrüstung oder individuelle Spielbedürfnisse. Die Bandbreite der Rückmeldungen machte deutlich, dass das Angebot viele Kinder stark anspricht, aber nicht für alle gleichermaßen ideal ist. Unsere Evaluationsstudie basiert auf einer lokalen Bestandsaufnahme, die entsprechend von den standortspezifischen Gegebenheiten gerahmt wird. Die Befunde können deshalb nicht verallgemeinert werden, sie bieten aber eine mögliche Vergleichs- und Orientierungsbasis. Wir hoffen, dass von den vorliegenden Evaluationsbefunden eine positive Signalwirkung ausgeht, um noch mehr Schulbehörden, Schulleitende, Lehrpersonen und Eltern vom Mehrwert des Draußenlernens zu überzeugen und die Verankerung von regelmäßigen Lernanlässen in der Natur in allen frühkindlichen Bildungseinrichtungen weiter voranzutreiben. Literatur Bancalari, K. (2021): Waldkindergärten in Österreich. Elementare Bildung im Wald. In: https: / / www.bfw. gv.at / wp-content / uploads / gcw_waldkindergarten_2021_2.pdf, 05.02.2026 Becker, C., Lauterbach, G., Spengler, S., Dettweiler, U., Mess, F. (2017): Effects of regular classes in outdoor education settings: A systematic review on students’ learning, social and health dimensions. International Journal of Environmental Research and Public Health, 14(485), https: / / doi. org / 10.3390 / ijerph14050485 Chawla, L. (2020): Childhood nature connection and constructive hope: A review of research on connecting with nature and coping with environmental loss. People and Nature, 2, 619-642 Kühnis, J., Greiter, M. (2026): Dokumentation der Befragungsinstrumente. Waldkindergarten der Stadt St. Gallen (CH) und in Eschen-Nendeln (FL). Pädagogische Hochschule Schwyz, Goldau, https: / / doi. org/ 10.5281/ zenodo.18890844 Lettieri, R. (2004): Evaluationsbericht des ersten öffentlichen Waldkindergartens in der Schweiz. In: Gugerli-Dolder, B., Hüttenmoser, M., Lindemann- Matthies, P. (Hrsg.): Was Kinder beweglich macht. Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung im Kindergarten. Verlag Pestalozzianum, Zürich, 76-83 Mann, J., Gray, T., Truong, S., Brymer, E., Passy, R., Ho, S., Sahlberg, P., Ward, K., Bentsten, P., Curry, C., Cowper, R. (2022): Getting Out of the Classroom and Into Nature: A Systematic Review of Nature-Specific Die Autoren Prof. Dr. Dr. Jürgen Kühnis Dozent an der Pädagogischen Hochschule Schwyz (PHSZ). Arbeitsschwerpunkte: Umweltbildung, Draußenlernen, Bewegungs- und Gesundheitsförderung im Kindesalter, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung Dipl.-Ing. Martin Greiter Leitung des Fachbereichs Bildungscontrolling und Qualitätssicherung am Schulamt Fürstentum Liechtenstein. Arbeitsschwerpunkte: Evaluationen und Monitoring im Bildungsbereich Anschrift Prof. Dr. Dr. Jürgen Kühnis Pädagogische Hochschule Schwyz Zaystrasse 42 CH-6410 Goldau juergen.kuehnis@phsz.ch An beiden Standorten zeigt sich eine hohe Zufriedenheit mit der bisherigen Umsetzung. [ 119 ] [ 119 ] Kühnis, Greiter • »Wir haben viel mit den Händen gelernt« 3| 2026 Outdoor Learning on School Children’s Learning and Development. Frontiers in Public Health, 10, https: / / doi.org/ 10.3389/ fpubh.2022.877058 Miklitz, I. (2021): Der Waldkindergarten. Grundlagen und Praxisbeispiele der Naturraumpädagogik. Cornelsen, Berlin Neumann, S. (2021): Kulturelles Naturverständnis und Bildungswahl im Elementarbereich. [Dissertation]. Freie Universität Berlin. In: https: / / refubium. fu-berlin.de/ bitstream/ handle/ fub188/ 31659/ Dissertation_Stefanie%20Neumann.pdf? sequence =3&isAllowed=y, 05.02.2026 Röhner, C. (2024): Natur- und Waldkindergärten. In: Braches-Chyrek, R., Röhner, C., Moran-Ellis, J., Sünker, H., (Hrsg.): Handbuch Kindheit, Ökologie und Nachhaltigkeit. Budrich, Opladen / Toronto, 486- 499, https: / / doi.org/ 10.3224/ 84742649 Schäffer, S. (2016): Naturerfahrung und Gesundheit: Motorische Fähigkeiten, subjektive Gesundheitseinschätzungen und Einblicke in den Alltag von Waldkindergartenkindern [Dissertation]. Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. In: https: / / bonndoc.ulb.uni-bonn.de/ xmlui/ handle / 20.500.11811/ 6937, 05.02.2026 Sella, E., Bolognesi, M., Bergamini, E., Mason, L., Pazzaglia, F. (2023): Psychological Benefits of Attending Forest School for Preschool Children: a Systematic Review. Educational Psychology Review, 35 (29), https: / / doi.org/ 10.1007/ s10648-023- 09750-4 Tremblay, M. S., Gray, C., Babcock, S., Barnes, J., Bradstreet C. C., Carr, D., Chabot, G., Choquette, L., Chorney, D., Collyer, C., Herrington, S., Janson, K., Janssen, I., Larouche, R., Pickett, W., Power, M., Sandseter, E. B. H., Simon, B., Brussoni, M. (2015): Position Statement on Active Outdoor Play. International Journal of Environmental Research and Public Health 12, 6475-6505, https: / / doi.org/ 10.3390/ ijerph120606475 von Au, J., Jucker, R. (Hrsg.) (2022): Draussenlernen. hep Verlag, Bern Weisenstein, H. (2021): Die Natur als Bildungsraum in Waldkindergärten. Die Bedeutung von Naturerfahrungen aus der Kindheit für die Entwicklung von Naturverbundenheit. Masterthesis im Studienfachbereich Green Care. Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik Wien 2021. 126 Seiten. 87 Abb. Innenteil farbig. (978-3-497-03029-3) kt Wo haben Sie als Kind gerne gespielt? Wer gerne Zeit in der Natur verbringt, hat keinen Zweifel daran, dass wir diese für eine gute Entwicklung und zum Glücklichsein brauchen. Aber regt die Natur die psychische und auch die physische Entwicklung an? Dieses Buch bietet viele Spielideen, welche die Natur als Lebensraum für Kinder erfahrbar machen. Der Praxisteil umfasst zahlreiche Bewegungs- und Wahrnehmungsspiele, die in und mit der Natur stattfinden. Viele altbekannte Spiele aus der Turnhalle lassen sich draußen perfekt durchführen. Fotos zur Veranschaulichung und die Nennung der Förderschwerpunkte zu jedem Spiel runden das Werk ab. a w