Motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mot2026.art28d
7_049_2026_4/7_049_2026_4.pdf101
2026
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Forum Psychomotorik: 60 Jahre Movere e. V.: Geschichte eines Psychomotorikvereins - Haltung, Methode und Lebensphilosophie
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Horst Göbel
Jennifer Levin
Dieser Artikel gibt einen Einblick in die Geschichte des Vereins von seiner Gründung im Jahr 1965 bis heute: von einem klinischen Förderverein zu einer regional etablierten, fachlich fundierten und gut vernetzten Einrichtung zur Förderung der psychomotorischen Entwicklung für verschiedene Zielgruppen und Institutionen. Er beschreibt sowohl strukturelle Meilensteine, von der ersten nicht-klinischen Fördergruppe für Kinder über Angebote für Menschen mit Demenz bis hin zur Trägerschaft zweier Kindertagesstätten.
7_049_2026_4_0003
Zusammenfassung / Abstract Dieser Artikel gibt einen Einblick in die Geschichte des Vereins von seiner Gründung im Jahr 1965 bis heute: von einem klinischen Förderverein zu einer regional etablierten, fachlich fundierten und gut vernetzten Einrichtung zur Förderung der psychomotorischen Entwicklung für verschiedene Zielgruppen und Institutionen. Er beschreibt sowohl strukturelle Meilensteine, von der ersten nicht-klinischen Fördergruppe für Kinder über Angebote für Menschen mit Demenz bis hin zur Trägerschaft zweier Kindertagesstätten. Schlüsselbegriffe: Psychomotorische Entwicklung, Vereinsgeschichte, Entwicklungsförderung, psychomotorische Kita, Movere 60 Years of Movere e. V.: The History of a Psychomotor Association-- Approach, Method and Philosophy of Life This article provides an insight into the history of the association from its foundation in 1965 to the present day: from a clinical support group to a regionally established, professionally sound and well-connected organisation dedicated to promoting psychomotor development for various target groups and institutions. It describes both structural milestones, from the first non-clinical support group for children through to services for people with dementia, right up to the running of two children daycare centers. Keywords: psychomotor development, history of the association, developmental support, psychomotor daycare centre, Movere [ 168 ] 4| 2026 motorik, 49. Jg., 168-173, DOI 10.2378 / mot2026.art28d © Ernst Reinhardt Verlag [ FORUM PSYCHOMOTORIK ] 60 Jahre Movere e. V.: Geschichte eines Psychomotorikvereins-- Haltung, Methode und Lebensphilosophie Horst Göbel, Jennifer Levin einem gut asphaltierten Weg. Es war eher ein Parcours- - mit Hindernissen, Umwegen, Rückschlägen, unerwarteten Abzweigungen und immer wieder neuen Zielen am Horizont, bewältigt von Menschen, die sich in ihrem beispielhaften Engagement nie entmutigen ließen. Und das ist, wenn man so will, ziemlich psychomotorisch. Denn genau das ist das Wesen der Psychomotorik: Sie begegnet dem Menschen dort, wo er gerade steht. Sie fragt nicht, warum jemand stolpert, sondern wie er wieder in Bewegung kommt. Sie glaubt an die Ressourcen des Einzelnen-- und an die Kraft der Gemeinschaft. Diese Haltung hat Movere e. V. von Beginn an geprägt und durch alle Jahrzehnte getragen. Der vorliegende Beitrag möchte diese Geschichte erzählen: Was hat Movere bewegt? Wer hat Movere bewegt? Und wohin bewegt sich Movere in Zukunft? Die Anfänge: Psychomotorik als Pionieridee (1965-1978) Im Jahr 1965 wurde in Hamm die neue Kinder- und Jugendpsychiatrie eröffnet-- heute bekannt als LWL-Universitätsklinik Hamm der Ruhr-Universität Bochum. In dieser Klinik setzte Diplomsportlehrer Ernst J. Kiphard seine ersten Versuche fort, die er in der Psychiatrie in Gütersloh begonnen hatte: Kindern und Jugendlichen im Einleitung: Was bedeutet es, 60 Jahre in Bewegung zu sein? Sechzig Jahre. Das klingt nach einer langen Zeit- - und das ist es auch. Aber wer die Geschichte von Movere e. V. kennt, weiß: Diese sechs Jahrzehnte waren keine ruhige Reise auf [ 169 ] Göbel, Levin • 60 Jahre Movere e. V.: Geschichte eines Psychomotorikvereins 4| 2026 Rahmen ihres Klinikaufenthaltes in der Kinder- und Jugendpsychiatrie über Bewegung und Spiel weiter zu helfen, mit der »psychomotorischen Übungsbehandlung« (Hünnekens / Kiphard 1960), wie die Bezeichnung zunächst lautete. Kiphard verstand Bewegung nicht als bloßes Training motorischer Funktionen, sondern als ganzheitliches, multidimensionales Medium der Persönlichkeitsentwicklung. Körper, Seele und Geist- - in der Psychomotorik sind sie untrennbar miteinander verbunden. Diese Überzeugung war für die damalige Zeit revolutionär und ist es in gewisser Weise bis heute (Fischer 2009). Noch im selben Jahr, 1965, gründeten engagierte Fachleute unterschiedlicher Provenienz, den ›Verein zur Förderung entwicklungsgestörter Kinder e. V.‹- - mit dem erklärten Ziel, »das entwicklungsgestörte Kind durch geeignete Maßnahmen zu fördern und ihm bei der Entfaltung seiner Persönlichkeit zu helfen« (Amtsgericht Hamm 1965). Dem ersten Vorstand gehörten Oberlandesgerichtsrat Hermann Schröer, Dr. med. Werner Weber und Diplomsportlehrer Ernst J. Kiphard an. Ein Jurist, ein Mediziner und ein Sportpädagoge- - eine Konstellation, die zeigt, wie interdisziplinär die Psychomotorik von Beginn an gedacht wurde. In den ersten zwei Jahrzehnten war der Verein eng mit der Klinik verbunden. Als Förderverein der Klinik unterstützte er bedürftige Patient: innen und half bei der Ausstattung der Fachabteilungen für Heilpädagogik und für Psychomotorik. Eine Anschubfinanzierung für Öffentlichkeitsarbeit an den ›Arbeitskreis Psychomotorik‹, der sich 1976 in den ›Aktionskreis Psychomotorik e. V.‹ wandelte, machte ihn quasi zum ›Vater‹ des Aktionskreises Psychomotorik; ein Klinikmitarbeiter (Brandt S. von Renteln) wurde erster Geschäftsführer. Im gleichen Jahr übernahmen Mitarbeitende der Klinik den Vereinsvorstand des Fördervereins: Brandt S. von Renteln wurde Vorsitzender, Helga Sinnhuber zweite Vorsitzende, Ernst J. Kiphard blieb Kassenwart. Drei Jahre später löste ihn Horst Göbel als neuer Kassen- und Geschäftsführer ab-- eine Personalie, die sich als wegweisend erweisen sollte. Zeit des Aufbruchs: von den klinischen Wurzeln zur Psychomotorik für alle (1979-1999) In der Klinik etablierte sich die zweite ›Psychomotoriker-Generation‹: Horst Göbel, Diplompädagoge und Sportpädagoge, hatte die Grundlagen der noch weithin unbekannten Psychomotorik an der Universität Marburg bei Friedhelm Schilling kennengelernt, dem später die Gründung des Studiengangs Motologie gelang. Seit Anfang 1979 mit der Leitung der Klinischen Psychomotorik beauftragt, konnte er noch ein Jahr lang bei und mit Kiphard arbeiten (der dann auf einen Lehrstuhl an die Universität in Frankfurt wechselte). Er erreichte 1980, dass erstmals im Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit Birgit Jarosch eine Motopädin eingestellt wurde, eine Absolventin des erst dritten Ausbildungsgangs des neuen Berufsbilds. Ein Jahr später konnte die Fachabteilung für Psychomotorik mit dem Diplompädagogen Detlef Panten verstärkt werden, der seine psychomotorischen Erfahrungen bei Prof. Dr. Meinhart Volkamer an der Universität Osnabrück und in der Clemens-August- Jugendklinik in Neuenkirchen / Vörden bei Georg ›Auki‹ Kesselmann sammeln konnte, einem früheren engen Mitarbeiter Kiphards. Beide Mitarbeitenden traten 1981 in den ›Verein zur Förderung entwicklungsgestörter Kinder e. V.‹ ein. In der Klinik entwickelte dieses Trio (Göbel, Jarosch, Panten) das Konzept der Klinischen Psychomotorischen Therapie und passte es den Möglichkeiten für ambulante Psychomotorik für Kinder aus dem Raum Hamm an. Durch Veröffentlichungen in der lokalen Presse und unzählige Vorträge in Kitas, Schulen und bei der Ärzteschaft wurde das Psychomotorikangebot zunehmend bekannt und führte zu einem Ausmaß an Nachfragen, welches in der Klinik nicht mehr zu bewältigen war. Dringende Bitten von Kinderärzten und Kinderärztinnen, untermauert durch persönliche Durch Veröffentlichungen in der lokalen Presse wurde das Psychomotorikangebot zunehmend bekannt. [ 170 ] 4| 2026 Forum Psychomotorik Spenden, führten dann dazu, dass sich der Verein zur Förderung entwicklungsgestörter Kinder für einen neuen, zusätzlichen Weg entschied, ein Paradigmenwechsel, der die Arbeit des Vereins grundlegend veränderte. Familien von Kindern mit Förderbedarf meldeten sich aufgrund der Empfehlung von Ärzt: innen, Therapeut: innen, Kindergärten, Schulen und Erziehungsberatungsstellen. Sie wohnten verstreut in allen Stadtteilen, aber auch in der näheren und weiteren Umgebung von Hamm, waren unterschiedlich mobil. Um sie zu erreichen, sollten die Psychomotorikangebote wohnungsnah, alltagsbezogen, niedrigschwellig angeboten werden, mit regelmäßig zwei Terminen in der Woche. Ab 1986 entstanden in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Hamm die ersten außerklinischen Psychomotorikgruppen. Der Verein trat dem Behinderten- und Rehabilitationssportverband NRW (BRSNW) bei und erweiterte sein Angebot um graphomotorische Förderung. Die Refinanzierung von Materialien und Übungsleiter: innen erfolgte über Rehasport, Elternbeiträge und Spenden. 1987 wurde ein neuer Vorstand gewählt: Horst Göbel, Birgit Jarosch und Detlef Panten. Diese drei Namen stehen für eine Ära, die den Verein zu dem gemacht hat, was er heute ist. Die Begeisterung für die Psychomotorik war weiterhin die Triebfeder für den unermüdlichen Einsatz im Ehrenamt. 1992 gründete der Verein seine ›Geschäftsstelle‹, die Birgit Jarosch zunächst ehrenamtlich führte (im Wohnzimmer von Jarosch). Nach einer Bedarfsermittlung des Motologen Gerd Bröcker beim Kreis Warendorf erklärte Kreisdirektor Heinz Börger die »flächendeckende Versorgung mit Psychomotorik« (Börger 2009) zum politischen Ziel, bis heute bundesweit einmalig. Der Kreis unterstützt seither die Psychomotorik im Rahmen des sogenannten Warendorfer Modells, in dem drei Psychomotorikvereine eng kooperieren: der Verein für Mototherapie e. V. in Münster, der Verein zur Förderung entwicklungsgestörter Kinder e. V. in Hamm und seit 1997 der Verein Beweggründe e. V. in Sendenhorst- - ein Beispiel gelingender Kooperation zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und kommunaler Verantwortung. Der nächste Meilenstein wurde im Jahr 2000 erreicht: als Anpassung an die Entwicklungen erhielt der Verein seinen heutigen Namen: Movere- - Verein für psychomotorische Entwicklungsförderung e. V. Movere kommt aus dem Lateinischen und bedeutet bewegen, antreiben, anregen. Ein Name, der das Selbstverständnis des Vereins bis heute treffend ausdrückt. Erstmals beschritt der Verein den Weg zur Hauptamtlichkeit: Birgit Jarosch übernahm die hauptamtliche Geschäftsführung, nachdem sie ihr Arbeitsverhältnis in der Klinik beendet hatte. Die neue Satzung spiegelte den erweiterten Auftrag wider: »Zweck des Vereins ist es, zur psychomotorischen Entwicklungsförderung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen beizutragen und sie bei der Entfaltung, dem Erhalt oder der Rehabilitation ihrer Persönlichkeit zu unterstützen« (Amtsgericht Hamm; Vereinsarchiv). Zum Bekanntheitsgrad des Vereins trug auch die Ausstattung und Gestaltung der Psychomotorikangebote in den mehr als 30 Turnhallen bei, mit jeweils spezifischen Materialien wie Rollbrettern, Pedalos, Großtrampolinen, Bewegungslandschaften. Auch kamen die positiven Erfahrungen aus der klinischen Arbeit mit einem Airtramp einem großen Kreis von Kindern zu- Abb. 1 und 2: der Vereinsvorstand seit 1987, die Fotos entstanden 1988 und 2023, v.l.n.r.: Horst Göbel, Detlef Panten, Birgit Jarosch [ 171 ] [ 171 ] Göbel, Levin • 60 Jahre Movere e. V.: Geschichte eines Psychomotorikvereins 4| 2026 gute, in bisher mehr als 40 Movere-Projekten mit Schulen und Kitas, meist durch Artikel in der lokalen Presse begleitet, bis hin zu einem Beitrag in der ›Aktuellen Stunde‹ des Westdeutschen Rundfunks (2019). Professionalisierung und Anerkennung: Movere als Institution (2000-2013) Die 2000er-Jahre standen im Zeichen der Professionalisierung. 2005 bezog die Geschäftsstelle des Vereins Räume im Pädagogischen Zentrum Hamm-- ein nicht nur symbolisch bedeutsamer Schritt: Movere war nun Teil eines Hauses, das Bildung, Beratung und Förderung unter einem Dach vereint. Eine erste Verwaltungskraft wurde eingestellt. Die 35 Honorarkräfte wurden nach und nach durch hauptamtliche Fachkräfte (in Teilzeitbeschäftigungen) ergänzt. 2011 wurde Movere als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt- - ein Titel, der nicht nur rechtliche Bedeutung hat, sondern auch das fachliche Profil des Vereins unterstreicht und Türen öffnet für öffentliche Zuschüsse. Movere ist kein Sportverein, der nebenbei Förderung anbietet. Movere ist ein Fachverein, der psychomotorische Entwicklungsförderung als eigenständige, wissenschaftlich fundierte Disziplin versteht und auf dieser Basis praktiziert. Alle Mitarbeitenden sind spezifisch qualifiziert: als Motopäd: innen, Heilpädagog: innen. In dieser Zeit wuchs auch das überregionale Netzwerk: Movere ist heute Mitglied im BRSNW und Träger der Elternschule Hamm e. V., im Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV), in der Deutschen Gesellschaft für Psychomotorik (DGfPM), in der Deutschen Akademie- - Aktionskreis Psychomotorik (dakp). Diese Mitgliedschaften sind mehr als Logos auf dem Briefkopf-- sie stehen für eine aktive Beteiligung an fachlichen Diskursen, für Qualitätssicherung und für die Überzeugung, dass Psychomotorik ein gesellschaftliches Anliegen ist. Neue Zielgruppen, neue Wege: Movere wächst weiter (2014-2026) Psychomotorik ist nicht nur Kinderthema-- auch wenn Kinder nach wie vor die Hauptzielgruppe von Movere sind. 2014 starteten die ersten psychomotorisch orientierten Bewegungsangebote für Menschen mit Demenz. Ein mutiger Schritt, der zeigt: Bewegung als Medium der Persönlichkeitsentwicklung und des Wohlbefindens ist nicht an ein Lebensalter gebunden. Auch Menschen, deren kognitive und motorische Fähigkeiten nachlassen, profitieren von einem Ansatz, der den ganzen Menschen in den Blick nimmt-- und der Würde, Selbstwirksamkeit und Freude in den Mittelpunkt stellt. Auf Initiative der Stadt Hamm erreichte Movere einen weiteren Meilenstein, indem er 2020 die Trägerschaft für eine neue Kindertagesstätte Abb. 3: Blick in den Bewegungsraum der Kita Löwenzahn mit dem eigenen Airtramp (Foto: Grit Schmeltekopf) [ 172 ] 4| 2026 Forum Psychomotorik übernahm: die Movere-Kita Löwenzahn, eine Kita, die von Beginn an psychomotorisch konzipiert ist, in der Psychomotorik gelebt wird, etwa in einem beispielhaften Bewegungsraum, durch psychomotorische Nutzungsvielfalt in den Fluren, in den Gruppenräumen, in einem großartigen Außengelände. 2023 wurde diese Kita als erste Psychomotorik-Kita in NRW durch die Deutsche Akademie-- Aktionskreis Psychomotorik e. V. (dakp) zertifiziert und wenig später auch durch die DGfPM e. V. bundesweit anerkannt. Das komplette Team war mit Begeisterung beteiligt, unter ihnen vier Motopäd: innen. Ende 2023 wurde Birgit Jarosch nach mehr als zwei Jahrzehnten überaus engagierter Arbeit aus der Hauptamtlichkeit verabschiedet, mit rund 150 Gästen aus Politik, Verwaltung und Netzwerkpartner: innen, darunter der Ärztliche Direktor der LWL-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann und der Oberbürgermeister der Stadt Hamm, Marc Herter. Es war ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, welchen Stellenwert Movere in der Region genießt (Wolters 2024). Mit Beginn des Kitajahres 2026 / 27 übernahm Movere die Kita einer Elterninitiative in einem großzügigen Neubau. Auch dieses Team freut sich auf die Erweiterung ihrer Bildungsbereiche um das Konzept der Psychomotorik. Die Etablierung und die Ausweitung des Kitabereiches wurden als wichtiger Schritt zur Zukunftssicherung des Vereins angesehen: sie eröffneten neue Möglichkeiten für Erweiterungen der psychomotorischen Förderangebote in nunmehr eigenen Bewegungsräumen. Dadurch soll die seit Jahren kontinuierliche Warteliste von deutlich über zweihundert Kindern verringert werden. Auch für Fortbildungsangebote stehen damit erweiterte Möglichkeiten zur Verfügung. Heute: Movere in Zahlen und in Haltung Heute werden rund 700 Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren in psychomotorischen und graphomotorischen Fördergruppen von neun hauptamtlichen sowie dreizehn freien Mitarbeitenden, überwiegend Motopäd: innen, gefördert. Die Psychomotorik Gruppen für Senior: innen werden von 45 Personen besucht. Darüber hinaus führt Movere Projekte in Kitas und Schulen durch, bietet Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte an und engagiert sich in der Elternbildung. In den Movere-Kitas werden derzeit 167 Kinder in zehn Gruppen von 40 hauptamtlichen pädagogischen Fachkräften in ihrer Entwicklung mit psychomotorischen Schwerpunkten begleitet. Aber Movere ist mehr als eine Summe von Zahlen. Movere lebt eine Haltung. Die Überzeugung, dass jedes Kind-- unabhängig von seinen Abb. 4: v.l.n.r.: Eva Arrenberg, Jonas Jarosch, Jennifer Levin (Foto: Grit Schmeltekopf) [ 173 ] Göbel, Levin • 60 Jahre Movere e. V.: Geschichte eines Psychomotorikvereins 4| 2026 Voraussetzungen-- das Recht auf eine Förderung hat, die es als ganzen Menschen ernst nimmt. Die Überzeugung, dass Bewegung nicht einfach Mittel zum Zweck ist, sondern Ausdruck von Lebendigkeit, Neugier und Selbstwirksamkeitserleben, als Basis gelingender Persönlichkeitsentwicklung und Bildung. Und die Überzeugung, dass gute Förderung immer auch Beziehungsarbeit und gelingende Kommunikation ist- - zwischen Fachkraft und Kind, zwischen Verein und Familie, zwischen den Kolleg: innen, zwischen Institution und Gemeinwesen. Ausblick: Was kommt nach 60 Jahren? 60 Jahre sind für Movere kein Endpunkt. Sie sind ein Anlass innezuhalten, zurückzublicken, durchaus mit Stolz und Genugtuung-- und dann mit neuer Energie nach vorn zu schauen. Movere steht vor Herausforderungen, die die gesamte Branche betreffen: steigende Bedarfe bei gleichzeitig knapper werdenden Ressourcen, ein wachsender Fachkräftemangel, Einschränkungen bei Hallennutzungsmöglichkeiten, eine zunehmend komplexe Förderlandschaft in ökonomischen Zwängen. Aber zugleich vor Chancen: einer wachsenden gesellschaftlichen Anerkennung der Psychomotorik, neuen Kooperationsmöglichkeiten und einem Team, welches mit Leidenschaft, Begeisterung und Kompetenz in die Zukunft geht. Was also kommt nach 60 Jahren? Die nächste Generation. Während der Vorstand 2027 ein wohl einmaliges Jubiläum feiert (40 Jahre gemeinsam im Ehrenamt als Vorstand), schaut er auch optimistisch in die Zukunft: das operative Handeln in der Vereinspraxis und in der Zukunftsgestaltung ist inzwischen auf die nächste Generation übergegangen. Wie die Vorgeneration sind auch sie engagierte ›Überzeugungstäter: innen‹, wie die folgenden Kommentare belegen: »Die Psychomotorik ist so viel mehr als Bewegung! Sie macht nicht nur den Kindern Spaß, sondern begeistert auch die Fachkräfte und die Eltern«, erklärt Eva Arrenberg, Bereichsleiterin Kitas. Geschäftsführer Jonas Jarosch: »Was unsere Vorgeneration erreicht hat, erfüllt uns mit Respekt und großer Dankbarkeit: Movere ist in Hamm und Umgebung in Politik und Gesellschaft eine echte Marke; das erfüllt uns mit Optimismus und Energie für die Zukunft«. »Gelebte Psychomotorik ist der Schlüssel zu Entwicklung und Selbstvertrauen«, ergänzt Jennifer Levin, Bereichsleiterin Psychomotorik. Movere bleibt in Bewegung. Das ist keine Floskel-- das ist ein Versprechen. Literatur Amtsgericht Hamm, Vereinsregister Nr. VR504 Börger, H. (2009): Förderung behinderter Kinder im Kreis Warendorf- - zwei exemplarische Projekte. EILDIENST-- Monatszeitschrift des Landkreistages Nordrhein-Westfalen Nr. 1 / Januar 2009. 50.60.00, 20-22 Hünnekens, H., Kiphard, E. J., (1960): Bewegung heilt: Psychomotorische Übungsbehandlung bei entwicklungsrückständigen Kindern. Flöttmann, Gütersloh Jarosch, B., Göbel, H., Panten, D. (1993): Von der Psychomotorischen Übungsbehandlung zur Klinischen Psychomotorischen Therapie. In: Irmischer, T., Fischer, K. (Hrsg.): Psychomotorik in der Entwicklung. Reihe Motorik, Bd. 8. Hofmann, Münster, 147-162 Westdeutscher Rundfunk (2019): Aktuelle Stunde vom 06.11.2019 Wolters, J. (2024): Volles Haus bei der Verabschiedung von Birgit Jarosch (Movere e. V.)- - Lebenswerk einer »Vollblut-Psychomotorikerin«. motorik 47 (2), 98 Die Autor: innen Horst Göbel Diplompädagoge, Sportpädagoge, 1. Vorsitzender Movere e. V. Jennifer Levin Bereichsleitung Psychomotorik bei Movere e. V., staatl. anerk. Motopädin, staatl. anerk. Heilpädagogin B. A., Heilpädagogin M. A. Anschrift Movere e. V., Jennifer Levin Eschenallee 16 59063 Hamm jennifer.levin@movere.de Foto: Grit Schmeltekopf Foto: Grit Schmeltekopf
