Motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Amara R. Eckert
Als der Aktionskreis Psychomotorik 1976 in Hamm registriert wurde, hätte man vermuten können, dass ein neuer westfälischer Turnverein ins Leben gerufen worden sei. Das Gegenteil war der Fall: Es handelte sich weder um einen Turnverein noch war der Verein auf lokale Aktivitäten beschränkt. Die Vereinsgründung war möglich, weil die psychomotorische Idee bereits damals internationale Wurzeln hatte.
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[ 196 ] 4| 2026 motorik, 49. Jg., 196-198, DOI 10.2378 / mot2026.art32d © Ernst Reinhardt Verlag [ AUF DEN PUNKT GEBRACHT ] Aktuelles Stichwort: dakp international Amara R. Eckert Als der Aktionskreis Psychomotorik 1976 in Hamm registriert wurde, hätte man vermuten können, dass ein neuer westfälischer Turnverein ins Leben gerufen worden sei. Das Gegenteil war der Fall: Es handelte sich weder um einen Turnverein noch war der Verein auf lokale Aktivitäten beschränkt. Die Vereinsgründung war möglich, weil die psychomotorische Idee bereits damals internationale Wurzeln hatte. J. Kiphard hatte in den 1950er Jahren praktische Anregungen und theoretische Bezugspunkte in den Arbeiten von M. Montessori (Italien) sowie J. Itard und E. Séguin (Frankreich) gefunden (Fischer 2019, 12). Er begegnete den Schweizer Rhythmikerinnen C. Pfeffer und M. Scheiblauer, die ihn in seinen Anfangsjahren ebenso inspirierten wie später seine Kolleg: innen aus den Niederlanden und Luxemburg anlässlich der ersten internationalen Symposien in Hamm (1968), Frankfurt (1971) und Luxemburg (1973). Die Zusammenarbeit mit P. H. Wiegersma (NL), R. Decker (LU) und S. Naville (CH) ist im ersten Band der Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft dokumentiert: Motorik im Vorschulalter erschien 1975 dreisprachig (Müller 2001, 18). Die internationale Zusammenarbeit setzte sich in den folgenden Jahren u. a. auf Kongressen 1979 in Groningen (NL) und 1983 in Hannover fort (Burggraf 1979, 74; AKP 1983, 34). Wann J. Kiphards internationale Tätigkeit endete, ist nach meinem aktuellen Kenntnisstand nicht dokumentiert. Eher stellt sich die Frage, welches Land er nicht mit psychomotorischem Auftrag bereist hat-- denn an dieser Stelle kann nur ein Ausschnitt seines Wirkens wiedergegeben werden. Bereits vor der Gründung des Aktionskreises war er als Gastdozent in den USA tätig und arbeitete dort mit Pionieren der amerikanischen Bewegungserziehung und Sensomotorik zusammen, darunter B. J. Cratty, J. Keogh, N. Kephart und M. Frostig (Kiphard 1998, 90). Von Letzterer gab es einen Gegenbesuch anlässlich einer Psychomotorik-Tagung 1982 in Würzburg, u. a. mit J. Kiphard und S. Naville. Neben seinen europäischen Aktivitäten, die nie abrissen, existieren Fernsehaufnahmen von J. Kiphard als Clown in gemeinsamen Sequenzen mit Kindern mit Behinderungen in Tiflis (Georgien) und in Moskau aus dem Jahr 1991. Auf Java leitete er 1991 Fortbildungen und ein Symposium mit 300 Teilnehmer: innen. Gemeinsam mit M. Passolt war er 1991 in Finnland und initiierte dort die Gründung des Aktionskreises Psychomotorik Finnland (Kiphard 1991, 196 ff; Passolt 1991, 199 ff ). Seit Anfang der 1990er Jahre legte die südkoreanische Ordensschwester Pietas als Leiterin des Community Rehabilitation Center in Seoul in Zusammenarbeit mit dem Aktionskreis die ersten psychomotorischen Grundlagen in der koreanischen Therapieszene. Dies gilt als Ausgangspunkt der langjährigen deutsch-koreanischen Zusammenarbeit auf diesem Gebiet. Ein Kooperationsvertrag wurde unterzeichnet, der ab 2001- - beginnend mit R. Hammer- - bis 2020 zahlreiche Dozent: innen der dakp zu Kursen, Tagungen und Universitätsveranstaltungen in dieses Land führte. Im Gegenzug kamen südkoreanische Delegationen (u. a. 2012 und 2016), einzelne Wissenschaftler: innen sowie Fachleute nach Deutschland. Ab den 1980er Jahren begannen etliche Kolleg: innen der dakp von ersten Erfahrungen [ 197 ] Eckert • Aktuelles Stichwort: dakp international 4| 2026 mit internationalen Vernetzungen zu berichten-- parallel zu und unabhängig von J. Kiphards Aktivitäten. 1982 reisten 24 Kolleg: innen-- darunter neun Referent: innen-- zum internationalen Kongress mit 1.300 Teilnehmer: innen und dem Titel »Psychomotorik und Identität« nach Florenz (Mertens 1982, 114). Der internationale Kongress 1984 in Den Haag unter dem Titel »Der Körper und sein Gedächtnis« erreichte ein noch größeres Publikum. Das Referat von G. Hölter »Balancieren ist nicht immer genug«, das ein psychoanalytisches Entwicklungsmodell zugrunde legte, markierte den Beginn eines Perspektivwechsels in der deutschen Psychomotorik hin zu einer differenzierteren Betrachtung der Psyche. Der Austausch, besonders mit französischen und italienischen Kolleg: innen, beförderte diese Entwicklung (Hölter 1984, 167 ff; Zimmer 1984, 172 f ). Seitdem fanden regelmäßig internationale Kongresse statt. Ein kollegialer Austausch mit Vertreter: innen aus 15 europäischen Ländern, zu dem Tilo Irmischer 1995 eingeladen hatte, erwies sich als wegweisend: Er führte 1996 sowohl zur ersten Europäischen Tagung in Marburg unter dem Titel »Psychomotorik in der Entwicklung« als auch zur Gründung des Europäischen Forums für Psychomotorik (EFP). Das EFP wurde 2007 von der Europäischen Kommission offiziell als Vertretung der Psychomotorik in Europa anerkannt. Es organisiert eine europäische Vernetzung, die u. a. Kongresse im Vier-Jahres-Rhythmus sowie überwiegend jährlich stattfindende Akademien für Studierende umfasst. Letztere fanden 2007 und 2017 an der Hochschule Darmstadt statt (Fischer 2019, 31 ff ). Das European Psychomotricity Journal ist das offizielle Open- Access-Peer-Review-Journal des EFP, das einmal jährlich erscheint; seit 2024 liegt die Herausgeberschaft beim EFP. In enger Zusammenarbeit mit deutschen Kolleg: innen wurde 1993 der Aktionskreis Motopädagogik Österreich gegründet sowie im selben Jahr die »Scientific Psychomotor Association Hellas« (SPA Hellas) von A. Kambas (Universität Thrakien) in Kooperation mit R. Zimmer. 2008 gaben R. Zimmer und A. Kambas gemeinsam das Online-Journal Psychomotricity Journal heraus. 1994 wurde in Finnland die Psychomotorikvereinigung Helsinki gegründet, initiiert von R. Zimmer in Kooperation mit L. Palve und M. Koljonen. 2020 erfolgte die Gründung der Bulgarian Association for Development of Psychomotricity (BAPMT) in Sofia, initiiert von A. Eckert und V. Dunkova. Die Kooperation zwischen deutschen und österreichischen Kolleg: innen (R. Zimmer, K. Fischer, T. Irmischer, S. Kuntz u. v. a.) führte u. a. zur Einrichtung eines interdisziplinären und internationalen Modellstudiengangs an der Donau- Universität Krems, der 2001 / 2002 an die Universität Wien wechselte (Weiß 2018) und 2025 an die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems. In mehreren Ländern wirkten Kolleg: innen der dakp an der Verankerung der Psychomotorik in sonderpädagogischen, bildungstheoretischen und anderen Studiengängen mit. Als Beispiele seien Finnland (1994), Italien (2000), China (2003) und Polen in Kooperation mit R. Zimmer sowie Südkorea (F. Nickel, J. Kiphard, R. Zimmer, H. Afflerbach, F. Martzy, H. Jessel u. a.), England und die Türkei (A. Eckert) genannt (Röhricht et al. 2024). Der Umfang der weiteren psychomotorischen Aktivitäten von dakp-Kolleg: innen weltweit lässt sich an dieser Stelle nicht annähernd erfassen. Allein die Tätigkeitsliste von G. Hölter (Kuba 2003; Taiwan 2009; Schweiz 2009, 2010, 2012; Norwegen 2010, 2011; Rumänien 1990, 1998, 2013; Portugal 2002; Israel 1997; Tschechische Republik 2013; Ecuador 2014) veranschaulicht den Umfang seines internationalen Wirkens. Ergänzend zu nennen sind die nachhaltigen Lehr- Aktivitäten von K. Miedzinski und K. Fischer in südamerikanischen Ländern (Ecuador, Chile, Peru, Kolumbien) (Miedzinski 1993, 108 f ), die Kurse von F. Leger in Saudi-Arabien und Ägypten (Leger 2004) sowie Fortbildungen in Russland (M. Höhne, K. Fischer) und Bulgarien (S. Bender- Joans, A. Eckert, H. Jessel). Erwähnt sei zudem die über 18 Jahre lang gut besuchte Tagung in Bad Orb, zu der regelmäßig internationale Gäste eingeladen wurden und bei der auch eine vertiefte Auseinandersetzung mit der französischen Psychomotorik nach Aucouturier stattfand. Auch auf Tagungen der Internationalen Vereinigung für Adapted Physical Activity (APA) wurde durch die aktive Beteiligung von [ 198 ] 4| 2026 Auf den Punkt gebracht dakp-Kolleg: innen eine fundierte Beschäftigung mit psychomotorischen Inhalten ermöglicht. Um die umfangreichen Erasmus-Aktivitäten der Kolleg: innen vollständig zu erfassen, wäre eine gezielte Erhebung erforderlich, ebenso wie für die Beteiligung an weiteren internationalen Vorhaben. Den größten Anteil an internationalen Beiträgen in der einschlägigen Literatur haben Autor: innen aus der Schweiz sowie aus Österreich. Literatur AKP (Aktionskreis Psychomotorik) (1983): Veranstaltungen. motorik 6 (1), 34 BAPMT (Bulgarian Association for Development of Psychomotricity) (o. J.): History. In: https: / / bapmt. com/ history/ ? lang=en, 12.05.2026 Burggraf, H. (1979): Symposium »Motorische Diagnostik« in Groningen (Holland), 5. / 6. Januar 1979. motorik 2 (2), 74 EFP (European Forum of Psychomotricity) (o. J.). Homepage. In: https: / / european-forum-of-psychomotricity.eu/ , 12.05.2026 Fischer, K. (2019): Einführung in die Psychomotorik. Ernst Reinhardt, München Hölter, G. (1984): »Balancieren ist nicht immer genug! «. motorik 7 (4), 167-171 Hölter, G. (o. J.): Forschung [Datei]. In: https: / / www. gerd-hoelter.com/ downloads/ hoelter_forschung. pdf, 12.05.2026 Kiphard, E. J. (1991): Erstes internationales Jongleur- Festival in Tiflis (Georgien)- - Psychomotorik-Fortbildung in Indonesien. motorik 14 (4), 196-199 Kiphard, E. J. (1998): Psychomotorik als »Meisterlehre«. motorik 21 (3), 87-91 Leger, F. (2004): Psychomotorik und Motopädagogik im Königreich Saudi-Arabien. motorik 27 (2), 116- 120 Mertens, K. (1982): Mitglieder des »Aktionskreises Psychomotorik« auf dem internationalen Kongress in Florenz. motorik 5 (3), 114 Miedzinski, K. (1993): 10 Jahre Bewegungsbaustelle. motorik 16 (3), 108-109 Müller, H.-J. (2001): Aufbruchstimmung im Jahr 1975. In: Irmischer, T., Hammer, R. (Hrsg.): Psychomotorik in Geschichten. Aktionskreis Literatur und Medien, Lemgo, 17-20 Passolt, M. (1991): Yksi, Kaksi, Kolme-- Zur Psychomotorik in Finnland. motorik 14 (4), 199-200 Röhricht, F., Bademci, H. O., Eckert, A., Graßmann, H., Jokić, B., Papadopoulos, N., Sollmann, U., Stupiggia, M. (2024): Body psychotherapy training at university level-- Piloting a novel integrated master’s programme. Body, Movement and Dance in Psychotherapy 19 (1), 35-51, https: / / doi.org/ 10.1080/ 17432979.2023.2260445 Weiß, O. (2018): Effizientes Lernen als inhaltlicher Schwerpunkt des Universitätslehrgangs »Psychomotorik« (MA) an der Universität Wien. motorik 41 (1), 40-42 Zimmer, R. (1984): Internationaler Kongress für Psychomotorik vom 6.-9. Juni in Den Haag: Zusammenfassung deutschsprachiger Beiträge. motorik 7 (4), 172-173 Gespräche zum Thema mit: Klaus Fischer, Stephan Kuntz, Richard Hammer, Fred Leger, Frank Nickel, Renate Zimmer, Gerd Hölter Die Autorin Prof.in Dr. Amara R. Eckert Dipl.-Pädagogin; von 1996- 2017 Leitung der studienintegrierten (Zusatz-)Qualifikation »Psychomotorik und Sport in sozialpädagogischen Arbeitsfeldern« an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Soziale Arbeit; Internationale Lehr- und Supervisionstätigkeit Anschrift Prof.in Dr. Amara R. Eckert Auf dem Leihen 21 72534 Hayingen amara.eckert@h-da.de • Bewegung im Übergang Kita - Schule • Psychomotorik Eltern und Kinder U2 • Die Versorgungslage bei UEMF Vorschau auf die nächsten Hefte
