eJournals Motorik49/4

Motorik
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0170-5792
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Qualifikationsarbeit: Gewaltprävention in der Schule. Möglichkeiten der Psychomotorik für die Gewaltprävention bei Grundschulkindern

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Greta Beutel
Die Schule stellt nicht nur einen institutionellen Bildungsort dar, sondern fungiert zugleich als zentraler Lebensraum, in dem Kinder grundlegende soziale Erfahrungen sammeln und emotionale sowie verhaltensbezogene Entwicklungsprozesse durchlaufen. Besonders in der Grundschule, in der Kinder oft erstmals dauerhaft in größere soziale Gruppen eingebunden sind, entstehen Interaktionsmuster, die sowohl förderlich als auch belastend wirken können.
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[ 210 ] 4| 2026 Aktuelles / Kurz berichtet Qualifikationsarbeit Gewaltprävention in der Schule. Möglichkeiten der Psychomotorik für die Gewaltprävention bei Grundschulkindern Die Schule stellt nicht nur einen institutionellen Bildungsort dar, sondern fungiert zugleich als zentraler Lebensraum, in dem Kinder grundlegende soziale Erfahrungen sammeln und emotionale sowie verhaltensbezogene Entwicklungsprozesse durchlaufen. Besonders in der Grundschule, in der Kinder oft erstmals dauerhaft in größere soziale Gruppen eingebunden sind, entstehen Interaktionsmuster, die sowohl förderlich als auch belastend wirken können. Vor dem Hintergrund veränderter Erscheinungsformen von Mobbing und zunehmender Anforderungen an schulische Präventionskonzepte gewinnt die systematische Förderung sozialemotionaler Kompetenzen an Bedeutung. Ziel ist es, Kinder frühzeitig darin zu unterstützen, Konflikte wahrzunehmen, alternative Handlungsstrategien zu entwickeln und ein respektvolles Miteinander zu gestalten (Scheithauer / Lechner 2025). Mobbing- - unabhängig davon, ob es sich in verbaler Aggression, sozialer Ausgrenzung oder körperlichen Grenzverletzungen äußert- - stellt im Grundschulalltag eine erhebliche Belastung für Kinder und Lehrkräfte dar. Schulen sind daher gefordert, ihren Präventionsauftrag aktiv wahrzunehmen und wirksame Maßnahmen der Gewaltprävention zu implementieren (Brosche 2022). Vor diesem Hintergrund rückt die psychomotorische Förderung als möglicher Ansatzpunkt in den Fokus. Psychomotorik verbindet Bewegung, Spiel, Körpererfahrung und soziale Interaktion und schafft damit Lerngelegenheiten, die über traditionelle Unterrichtssettings hinausgehen. Sie basiert auf theoretischen Erkenntnissen der Psychomotorikforschung und lässt sich zugleich mit schulischen Präventionsansätzen verknüpfen, indem sie körperliche, emotionale und soziale Entwicklungsdimensionen integriert (Zimmer 2025). Psychomotorische Konzepte erscheinen daher als vielversprechender Zugang, um Mobbingphänomene im Grundschulkontext präventiv zu adressieren. Allerdings liegen bislang nur begrenzt systematische Erkenntnisse darüber vor, in welchem Umfang psychomotorische Förderung zur Gewaltprävention beitragen kann, welche Bedingungen ihre Wirksamkeit beeinflussen und wo ihre Grenzen liegen. Im Rahmen einer Masterarbeit an der Universität zu Köln wurde untersucht, welchen Beitrag psychomotorische Ansätze im schulischen Kontext leisten können und welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um ihr Potenzial für die Gewaltprävention wirksam zu entfalten. Fragestellung und methodisches Vorgehen In der vorliegenden Arbeit soll der Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der Psychomotorik bei Mobbing in der Grundschule nachgegangen werden. Im Mittelpunkt steht die Perspektive von Expert: innen der Psychomotorik hinsichtlich der Gewaltthematik, um den aktuellen Stellenwert psychomotorischer Ansätze in der schulischen Gewaltprävention als auch die Ressourcen und Grenzen zu erfassen. Grundlage der Untersuchung bilden drei leitfadengestützte Expert: inneninterviews mit zwei praktizierenden Psychomotorikerinnen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern sowie einem Experten für Gewaltprävention im Grundschulalter. Die Erhebung fand zwischen Juli und September 2025 statt. Die Interviews wurden vollständig transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) ausgewertet. Möglichkeiten psychomotorischer Gewaltprävention bei Mobbing von Grundschulkindern Psychomotorische Angebote als Primärprävention ermöglichen Kindern, soziale Regeln, Grenzen und Rollen im gemeinsamen Handeln zu erleben, auszuhandeln und zu reflektieren. Bewegung fungiert dabei als Medium sozialen Lernens und eröffnet auch Kindern mit sprachlichen oder emotionalen Barrieren einen Zugang zu Konfliktbearbeitung und Selbstregulation- - so die Expert: innen. Psychomotorik dient der vorbeugenden Stärkung sozialer, emotionaler und motorischer Kompetenzen, bevor Konflikte entstehen oder eskalieren. Die Expert: innen betonen vor allem gruppenorientierte Maßnahmen, die Selbstwirksamkeit, Selbstwahrnehmung, emotionale Regulation, Frustrationstoleranz, [ 211 ] [ 211 ] Aktuelles / Kurz berichtet 4| 2026 Empathie und Kooperationsfähigkeit fördern. Diese gelten als bedeutsame Schutzfaktoren gegenüber aggressivem Verhalten, Ausgrenzung und belasteten Gruppendynamiken (Theil/ Welsche 2019). Die Aussagen der Expert: innen verdeutlichen zudem, dass Psychomotorik auch im sekundärpräventiven Bereich vor allem bei bereits erkennbaren Konflikten oder aggressiven Impulsen sowie belasteten sozialen Beziehungen ansetzt. Psychomotorische Angebote werden in diesem Zusammenhang als Möglichkeit beschrieben, emotionale Anspannung abzubauen, Konflikte erfahrbar zu machen und Kindern alternative Handlungs- und Bewältigungsstrategien zu eröffnen. Damit liegen die Möglichkeiten psychomotorischer Gewaltprävention vor allem in ihrem ganzheitlichen, körper- / leiborientierten und gruppenbezogenen Zugang (Jessel 2026; Olweus 2011), um Eskalationen vorzubeugen und soziale Teilhabe wieder zu ermöglichen. Diskussion und Konsequenzen für die Praxis Psychomotorik besitzt ein bedeutsames, bislang jedoch nicht ausreichend genutztes Potenzial für die schulische Gewaltprävention. Ihre besondere Stärke liegt in der Förderung zentraler sozial-emotionaler Kompetenzen, die im Umgang mit Mobbingprozessen relevant sind. Für die Praxis ergibt sich daraus die Konsequenz, psychomotorische Ansätze stärker in schulische Präventionskonzepte zu integrieren und nicht nur als ergänzendes Zusatzangebot zu verstehen. Zudem zeigt sich ein Bedarf an Fortbildungen, damit Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte die Ressourcen psychomotorischer Arbeit besser erkennen und nutzen können. Notwendig sind darüber hinaus verlässliche personelle, zeitliche und räumliche Rahmenbedingungen sowie eine enge Kooperation aller Beteiligten. Literatur Brosche, H. (2022): Vereint gegen Mobbing in der Schule- - Vorbeugen, erkennen, handeln-- die 360 °-Perspektive. Cornelsen Pädagogik, Berlin Jessel, H. (2026): Psychomotorische Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen. Ernst Reinhardt, München / Basel Mayring, P. (2015): Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. 12. Aufl. Beltz, Weinheim Olweus, D. (2011): Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten-- und tun können. 4. Aufl. Hans Huber, Bern Scheithauer, H., Lechner, V. (2025): Demokratiebildung und Prävention von Mobbing an Schulen. In: Achour, S., Sieberkrob, M., Pech, D., Zelck, J., Eberhard, P. (Hrsg.): Handbuch Demokratiebildung und Fachdidaktik. Band 1: Grundlagen und Querschnittsaufgaben. Wochenschau Verlag, Frankfurt a. M., 271-280, https: / / doi. org/ 10.46499/ 2154.3317 Theil, F., Welsche, M. (2019): Förderung des Selbstkonzepts bei Grundschulkindern mit sozial-emotionalem Unterstützungsbedarf nach dem Konzept der Beziehungsorientierten Bewegungspädagogik. Praxis der Psychomotorik 44 (4), 213-222 Zimmer, R. (2025): Handbuch Psychomotorik: Theorie und Praxis der psychomotorischen Förderung von Kindern. 1. Aufl. Herder, Freiburg Die Autorinnen Greta Beutel B. A. Erziehungswissenschaftlerin und M. A. Rehabilitationswissenschaftlerin Fachkraft für Spieltherapie und Psychomotorik Mobiles heilpädagogisches Team-- Zentrum für Frühbehandlung und Frühförderung gGmbH Dr. Stephanie Bahr M. A. Sportwissenschaftlerin und Motologin Akademische Rätin am Arbeitsbereich Bewegungsentwicklung und Psychomotorik an der Universität zu Köln Kontakt Greta Beutel gretabeutel@web.de Liebe Abonnentinnen und Abonnenten, der Bezugspreis der Zeitschrift motorik für private Direktkunden erhöht sich ab 2027 minimal um einen Euro auf € 63,-. Für Nicht-Private/ Institutionen wird der Preis für das Jahres- Einzelabonnement auf € 85,- angehoben, jeweils zuzüglich Versandkosten. Wenn Universitäten mit bisherigem Einzelabo auf eine Campuslizenz aufstocken wollen, bitten wir um Nachricht an vertrieb@reinhardt-verlag.de. Als besonderen Service bieten wir eine kostenlose Online-Recherche in den Volltexten aller Fachbeiträge der motorik an, die seit Heft 1/ 2013 erschienen sind. 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