eJournals körper tanz bewegung1/1

körper tanz bewegung
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2195-4909
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/ktb2013.art04d
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2013
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Authentische Bewegung

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Susanne Bender
Imke Fiedler
Die tanztherapeutische Methode der Authentischen Bewegung ermöglicht eine kreative, körper- und bewegungsorientierte Suche nach dem Selbst. In diesem Artikel wird der geschützte tanztherapeutische Rahmen beschrieben, der gegeben sein muss, damit sich festgefahrene psychophysische Muster wandeln können und transformiert werden.
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29 körper - tanz - bewegung 1. Jg., S. 29-35 (2013) DOI 10.2378 / ktb2013.art04d © Ernst Reinhardt Verlag Forum: Vorgestellt „Movement, to be experienced, has to be ‚found‘ in the body, not put on like a dress or a coat. There is that in us which has moved from the very beginning. It is that which can liberate us.“ (Mary Whitehouse, Begründerin der Authentischen Bewegung) Authentische Bewegung Die Suche nach dem Selbst Teil 1: Die Methode Susanne Bender, Imke Fiedler Die tanztherapeutische Methode der Authentischen Bewegung ermöglicht eine kreative, körper- und bewegungsorientierte Suche nach dem Selbst. In diesem Artikel wird der geschützte tanztherapeutische Rahmen beschrieben, der gegeben sein muss, damit sich festgefahrene psychophysische Muster wandeln können und transformiert werden. Schlüsselbegriffe Authentische Bewegung, Tanztherapie, Mary Whitehouse, Zeugin, Bewegerin, aktive Imagination Authentic Movement, The Search for the Self - 1st Part: The Method The dance therapy method of Authentic Movement provides a creative, body and movement oriented search for the self. In this article the therapeutic containment will be described, which is necessary to change and transform continued and hardened psycho-physiological patterns. Key words Authentic Movement, dance therapy, Mary Whitehouse, witness, mover, active imagination 30 1 | 2013 Bender, Fiedler Allgemeine Anmerkungen zur Authentischen Bewegung A uthentische Bewegung ist eine tanztherapeutische Technik zur Entdeckung verborgener Bilder, von Bedürfnissen, Gefühlen und Empfindungen. Mary Whitehouse (1911-1979) (Pallaro 1999), eine Pionierin der Tanztherapie in den USA, hatte bei Mary Wigman Ausdruckstanz studiert. Der deutsche Ausdruckstanz entstand als Gegenbewegung zum klassischen Ballett mit dem beginnenden 20.- Jahrhundert. Er dient dem individuellen und künstlerischen Ausdruck von Gefühlen. Anschließend beschäftigte sich Mary Whitehouse mit dem psychotherapeutischen Ansatz C. G.- Jungs. Aus dem Ausdruckstanz und der Jungschen Psychologie entwickelte Mary Whitehouse ihre tanztherapeutische Methode der „Authentischen Bewegung“ (authentic movement) oder „Bewegung in der Tiefe“ (movement in depth). Sie arbeitete hauptsächlich mit „normal neurotischen“ Menschen in ihrer Privatpraxis und dort mit Selbsterfahrungsgruppen. Wichtige neuere Theoretikerinnen dieses Ansatzes sind Joan Chodorow (1991), Janet Adler (1987), Neala Haze und Tina Stromstead (1994) sowie Penny Lewis-Bernstein (Pallaro 1999, 2007). Die Methode der Authentischen Bewegung ist Bestandteil der meisten tanztherapeutischen Ausbildungen und stellt das Kernprinzip der Tanztherapie dar: das Erforschen und Aufspüren der eigenen, authentischen Bewegung. Authentische Bewegung eignet sich für innerlich überstrukturierte Menschen (S. Freud nannte sie „Neurotiker“). In der Kindheit kommt es oft zu einem Abbruch der Sinnlichkeit, wenn die Eltern z. B. zu häufig die Weltexploration unterbinden. Das Kind verlernt, seinen Impulsen zu vertrauen. Später müssen diese „Kinder“ dann wieder lernen, ihren eigenen Impulsen zu folgen und mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Zielgruppen für die Authentische Bewegung sind insbesondere all diejenigen, die ihr Körpergefühl wiedergewinnen wollen und ihren inneren Impulsen vertrauen möchten. Authentische Bewegung eröffnet für das Selbst des Menschen und seine transpersonalen Aspekte nicht nur auf der ichstrukturellen Ebene Explorationen, sondern im Sinne C. G. Jungs auch auf der Ebene des kollektiven Unbewussten. Die Methode der freien Assoziation aus der Psychoanalyse oder der aktiven Imagination aus der Jungschen Analyse können als Äquivalent zum Prozess der Authentischen Bewegung betrachtet werden. Die Bewegenden beeinflussen sich, die Zeugin (meist die Therapeutin) wird von diesen Bewegern beeinflusst und beeinflusst mit ihrer inneren Haltung wiederum die Beweger. Mit der Authentischen Bewegung gehen wir dorthin, wo der Körper uns hinführt: in die Vergangenheit, in Konflikte, in Freude, in Lust. Es kann sein, dass eine Bewegung immer wieder kommt und der persönlichen Aufarbeitung eines bestimmten Themas dient. Der Körper weiß, wann er dieses Thema integriert hat. Die Bewegung drängt nicht mehr auf Veräußerlichung. Dieselbe Bewegung kann später in einem anderen Zusammenhang auftauchen und stellt dann vielleicht ein Symbol dar. Manche Bewegung kann zu einem Erlebnis in Verbindung stehen, manche auch nicht. Es gilt, das Vertrauen aufzubauen, dass der Körper weiß, welche Bewegung auf Ausdruck drängt. Die TeilnehmerInnen gehen in einen Dialog mit ihrem Unbewussten (z. B. in Form von Traumsymbolen, Körperempfindungen, inneren Bildern, Emotionen oder Erinnerungen). Wichtig ist, dass das Ich weiß, dass es in einen inneren Dialog geht und eigenständig diesen Dialog beenden kann. Deshalb ist diese Methode nur für Menschen mit einem stabilen Ich geeignet (Pallaro 1999). In der Authentischen Bewegung begegnen wir häufig unseren Schatten, Phänomene von uns, die wir nicht mögen oder wahrnehmen, aber in der Gesellschaft sehen oder auf an- 1 | 2013 31 Authentische Bewegung - Die Methode dere projizieren. In diesem Schatten liegt eine kreative Quelle, und der Schatten hat das Potenzial, „sich in Gold zu verwandeln“. Authentische Bewegung bringt den Menschen mit seiner kreativen Quelle in Kontakt. Menschen bewegen sich frei, und die Tanztherapeutin übernimmt als Zeugin das emotionale Containment. Die Tanztherapeutin hat ein hohes Vertrauen in das Eigenpotenzial und die inneren Wachstumskräfte des Menschen. Janet Adler beispielsweise spricht vom „personal growth“. Dieser Begriff betont die Eigenverantwortung der Teilnehmer. Methode In der Authentischen Bewegung gibt es immer eine ganz klare Unterscheidung zwischen der Person, die sich bewegt (mover), und dem Zeugen (witness). Als Zeuge steht immer der Tanztherapeut zur Verfügung und in manchen Formen der Authentischen Bewegung auch die anderen Teilnehmer. Die verschiedenen Formen der Authentischen Bewegung sind: 1 Zeugin - 1 Bewegerin (wie die Mutter- Kind-Beziehung) 1 Zeugin - 2 Bewegerinnen (wie in einer Geschwistersituation) 2 Zeuginnen - 1 Bewegerin (Familie - Mutter- Vater-Kind-Beziehung) 1 Zeugin - 1 Gruppe von Bewegern mehrere - 1 Gruppe von Bewegern im Zeugen ständigen Wechsel Grundform In der am häufigsten verwendeten Grundform bewegt sich eine Person oder eine Gruppe, und die Tanztherapeutin ist die Zeugin. Damit innere Impulse und Bilder entstehen können, ist der äußere Rahmen, das Containment, festgelegt und bietet den notwendigen Schutz: ● Eine tanztherapeutische Stunde beginnt häufig mit einem kurzen, verbalen Austausch über die momentane Befindlichkeit (Was haben die Teilnehmer heute an Stimmungen, Gefühlen und Themen mit in die Stunde gebracht? ). ● Darauf folgt eine Phase des körperlichen Aufwärmens, die dem Einzelnen Zeit und Raum gewährt, die Befindlichkeit des eigenen Körpers genauer zu erspüren und zu erkunden. Es handelt sich hier also nicht um spezielle Übungen und Bewegungsfolgen, sondern das Hauptaugenmerk richtet sich z. B. beim Gehen durch den Raum auf eine sensibilisierte Wahrnehmung, welches Tempo genutzt wird, welche Körperteile als schwerfällig erlebt werden, wo Unbehagen oder Verspannungen verspürt werden etc. In dieser Phase können z. B. spezielle Antriebsdynamiken der Laban Bewegungsanalyse genutzt werden (Zeit, Raum, Kraft und Fluss) (Bender 2010), um durch ein differenziertes Körperempfinden die eigenen Bewegungsmuster leichter erspüren zu können. Die Therapeutin bietet dem Einzelnen eine tiefere Konzentration auf das momentane Empfinden seiner körperlichen Erfahrungen an. Diese Phase des körperlichen Anwärmens geht einher mit einem „psychischen Warm-Werden.“ Sie ist eine Vorbereitung des Körpers für eine nach innen gerichtete Achtsamkeit. Die Tanztherapeutin nimmt meist aktiv am Anwärmen teil, sie beobachtet, welche Reaktionen und körperlichen Befindlichkeiten sich zeigen und herauskristallisieren. ● Nach dieser kurzen Aufwärmidee beginnt die eigentliche Authentische Bewegung, indem die Teilnehmer die Augen schließen, so dass mit so wenig Außeneinfluss wie möglich die eigene innere Bewegung, Musik oder Stimme gefunden werden kann. Während die Therapeutin sich in der Hauptphase 32 1 | 2013 Bender, Fiedler der Stunde von der aktiven Teilnahme zurückzieht und sich im Raum an einem festgelegten Platz (home base) niedersetzt, werden die Teilnehmerinnen durch einen entsprechenden Satz der Therapeutin wie: „Sei bereit, nun die Augen zu schließen“ oder durch einen Gongschlag aufgefordert, mit geschlossenen Augen langsam jene Bewegungen und Körperempfindungen zu verfolgen, die ihre Aufmerksamkeit fordern und von Bedeutung scheinen. Zur Unterstützung der inneren Bewegtheit wird auch keine Musik eingesetzt, weil dies eine äußere Beeinflussung wäre. Es gilt: „Dancing to your own drum.“ Lediglich bei schnellen und heftigen Bewegungen öffnen die Teilnehmerinnen die Augen, um sich und andere nicht zu gefährden. Wenn es jemandem zu viel wird, kann er sich jederzeit an den Rand setzen, hält aber die Augen geschlossen. Eine Einheit dauert 30 bis 45 Minuten, manchmal auch kürzer, und wird durch einen Satz der Therapeutin oder einen Gongschlag beendet. Im Prozess kann eine Bewegung, ein Medium oder ein Ort wichtig werden. Wenn in der Bewegungseinheit Kontakt entsteht, können die Teilnehmer versuchen, sich in Unwissenheit zu lassen, wer das ist, um dadurch genauer die eigenen Gefühle wahrnehmen zu können und sich für die sensorischen Wahrnehmungen und die eigene Geschichte zu öffnen. Dann kann das Gegenüber als Projektion genutzt werden, und jeder hat die Möglichkeit, diesen Kontakt in die eigene Geschichte einzubinden. Das Spüren nach innen ist eine Verlagerung der ansonsten nach außen gerichteten Aufmerksamkeit und Orientierung auf ein Warten-Können und Empfänglich-Sein für innere Impulse. Die Herabsetzung von bewusster Ichkontrolle und -planung lässt Erfahrungen von emotionaler Bewegtheit erst zu. Die geschlossenen Augen begünstigen zum einen die nach innen gerichtete Wahrnehmung, zum anderen fühlen wir uns von anderen, von der Therapeutin und von unserem eigenen „beobachtenden Auge“ nicht mehr so stark bewertet. Die Minderung dieser uns einengenden und hemmenden Faktoren erlaubt somit, dass unbewusstere Impulse und Bilder aufsteigen. Viele Beweger vertiefen die Exploration ihres Bewegungsthemas durch Wiederholung und Intensivierung. Hier werden Repetition und Intensivierung genutzt, um zu dieser Bewegung eine emotionale Verbindung und einen persönlichen Bezug herzustellen. Aus dieser einen Bewegung kann sich dann langsam ein Bewegungsprozess entwickeln. Die beteiligten Gefühle werden deutlicher erlebt und fügen sich in der rhythmischen Bewegung zu einer außen sichtbaren Form. In dieser Phase hat sich ein gegenwärtiger Ist-Zustand der Seele deutlich erlebbar formiert- - ein Konflikt ist in Bewegung und Bildern erfahrbar geworden, konkret und konfrontativ. Das Experimentieren mit ungewohnten---manchmal beängstigenden, manchmal lustvollen- -- neuen Handlungsmustern wird hier möglich. Es verlangt aber auch Mut zu Neuem. Oft stellt sich zunächst die Frage, wie innere Blockaden und Hemmungen überwunden werden können, oder ob zum jetzigen Zeitpunkt ein unbefriedigender Stillstand akzeptiert werden muss. Körper und Psyche 1 | 2013 33 Authentische Bewegung - Die Methode wählen den Weg, um für heute das Thema zu Ende zu bringen und langsam das Bild und den Bewegungsprozess wieder loszulassen, in die Präsenz und den Raum zurückzukehren und die Augen zu öffnen. Die Suche nach den authentischen Impulsen kann ein steiniger Weg sein. So erleben viele zunächst einmal, dass sie das machen, was sie glauben machen zu müssen, um den Tanztherapeuten zufriedenzustellen, oder dass sie zunächst aus Ratlosigkeit „nichts“ machen. ● Es hat sich als hilfreich erwiesen, wenn am Ende der Bewegungseinheit jeder (sowohl Beweger als auch Zeuge) noch 15 Minuten Silentium-Zeit bekommt, um für sich selbst das zu tun, was hilft, den inneren Prozess abzurunden. Man kann in ein Buch schreiben, malen, aus dem Fenster schauen, aber all dies geschieht im Schweigen, weil nur so die Energie der Authentischen Bewegung gehalten werden kann. Die Tanztherapeutin kann sich aber auch entscheiden, direkt nach der Bewegungseinheit in die Gesprächsrunde zu gehen. ● Nach jeder Authentischen-Bewegungs-Einheit gibt es eine Gesprächsrunde, die besonderen Regeln unterliegt. Das abschließende Gespräch zu zweit oder im Kreis in der Gruppe bietet Möglichkeiten, Erlebtes zu reflektieren und die eigenen Beziehungsmuster auf sich zu übertragen und zu verstehen. Durch die Verbalisierung werden die Erfahrungen kognitiv verarbeitet und bewusst gemacht. Gefühle, Konflikte, Schwierigkeiten und Lösungen können nun aus dem stark emotionalen Erleben als Anteile der Persönlichkeit integriert werden. Auch diese Form ist ganz frei. Die Tanztherapeutin stellt keine Fragen (jede Frage gibt eine Richtung vor), sondern ist mit ihrer inneren Achtsamkeit bei den Klienten. Die Einzelne ist völlig frei, das zu erzählen, was für sie wichtig war. In der Gesprächsrunde sollen die Teilnehmer versuchen, nicht über die Person direkt zu reden, mit der sie in der Bewegungseinheit in Kontakt waren, sondern über „einen Rücken, eine Hand, die mich berührte,“ sprechen. Für die inneren Bilder ist es meist unerheblich, mit wem die Person sie erlebt hat. Diese Bilder sind aus ihrem Inneren entstanden und haben weniger mit der äußeren Realität zu tun. Wenn die Teilnehmerinnen sich bewegt fühlen, zeigt sich dies meist durch eine veränderte Sprache in der Gesprächsrunde: „Mein Bein will sich bewegen.“ oder „Ich musste einfach durch den Raum gehen.“ Circle of Witness Da Janet Adler nach Jahren der Ausformung der Authentischen Bewegung die organische Verbindung zwischen dem Individuum und der Gruppe besser verstehen wollte und das Gefühl bekam, dass sie die vielen Emotionen der Teilnehmer nicht mehr alleine halten wollte, entwickelte sie den Circle of Witness (Adler in Pallaro 1999; Bender 1995). In dieser Form sitzen die ganze Gruppe und die Tanztherapeutin im Kreis, und es wird die Dauer der Bewegungseinheit vereinbart. Jede Person (außer der Tanztherapeutin) kann sowohl Bewegende als auch Zeugin sein. Es gilt lediglich die Regel, dass mindestens ein Viertel der Gruppe einen Kreis als Containment bildet. Wenn eine Person den Impuls verspürt, sich zu bewegen, geht sie in die Kreismitte hinein, schließt die Augen und wird zur Bewegerin. Wenn sie damit „fertig“ ist, geht sie zurück in den Kreis und wird wieder Zeugin. Grundsätzlich bezeugen alle Zeugen alle Beweger. Es ist jedoch möglich, sich als Zeugin zeitweise auf eine Bewegerin zu konzentrieren. Der Zeugenkreis stellt den „Container“ für all das dar, was in der Mitte des Kreises passiert. „Within this newer format, whether moving or witnessing, people are invited to remember that they are not participating alone“ (Adler in Pallaro, 1999, 195). 34 1 | 2013 Bender, Fiedler Wie bei der Grundform eröffnet ein Gong oder ein einleitender Satz der Therapeutin die Einheit und schließt sie wieder. Für die anschließende Reflektion setzen sich alle wieder in einem Kreis zusammen. Die Teilnehmer, die sich bewegt haben, äußern sich immer zuerst. Die Zeugen äußern sich in der anschließenden Reflektion in Form eines Angebotes, in dem sie ihre Bilder, Gefühle, Assoziationen dem Bewegenden mitteilen. Hierbei kommt es auf die Art und Weise der Mitteilung an. Die Zeugin Die Zeugin wird deshalb Zeugin genannt, weil sie keine Beobachterin ist, sondern sehr wachsam und offen ist für das, was bei den Teilnehmern passiert, aber auch bei ihr selbst. Sie muss ganz da, mit allen Sinnen präsent sein, um das, was sie sieht, körperlich-sinnlich, kinästhetisch und gefühlsmäßig erfassen zu können. Die Bewegenden wissen, wo die Zeugin sitzt (home base), sodass sie sie stets aufsuchen können, wenn sie die Nähe brauchen. Dabei achtet sie auf die eigenen aufkommenden Bilder, Assoziationen, Körpergefühle usw. (innerer Zeuge). Das Gesehene wird nicht gewertet und interpretiert, es wird auch nicht forciert oder beeinflusst. Sie ist in ihrer Präsenz unterstützende Zeugin. Zusätzlich kann sie in der anschließenden Gesprächsrunde dazu einladen, auftauchende Bilder und bildhafte Assoziationen mit zu integrieren. Spontane Imaginationen sind von Bedeutung, auch wenn das Bewusstsein diese noch gar nicht einordnen oder verstehen kann. Durch bewegte Verkörperungen dieser Bilder oder durch einen Bewegungsdialog mit den Objekten / Personen wird das Thema jedes Einzelnen mit Lebendigkeit erfüllt. Dieser geschützte Rahmen und die kollektive Verbindung zwischen den Bewegenden untereinander und des Zeugen ergibt die einmalige Kraft dieser Arbeit. Das Aufspüren verborgener Ressourcen und das Durcharbeiten schmerzhafter Erfahrungen werden durch das Containment des Settings und die Gemeinschaft gehalten und getragen. In der nächsten Ausgabe: Authentische Bewegung - Teil 2: Die Prinzipien Literatur Adler, J. (1987): Who is the Witness? A Description of Authentic Movement. Contact Quarterly, Winter, 20-29 Bender, S. (1995): Persönliches Gespräch mit Janet Adler. 1 | 2013 35 Authentische Bewegung - Die Methode Bender, S. (2010): Die psychophysische Bedeutung der Bewegung. Ein Handbuch der Laban Bewegungsanalyse und des Movement Kestenberg Profiles. Logos Verlag, Berlin Chodorow, J. (1991): Dance Therapy & Depth Psychology. The Moving Imagination. Routledge, London, New York Haze, N., Stromstead, T. (1994): An Interview with Janet Adler. American Journal of Dance Therapy, 76 (2), 81-90 Pallaro, P. (Ed.) (1999): Authentic Movement - Essays by Mary Starks Whitehouse, Janet Adler and Joan Chodorow. Jessica Kingsley, Philadelphia Pallaro, P. (Ed.) (2007): Authentic Movement: Moving the Body, Moving the Self, Being Moved A Collection of Essays - Volume Two. Jessica Kingsley, Philadelphia Whitehouse, M. (1979): C. G.-Jung and Dance Therapy. In: Bernstein, P. (Ed.): Eight Theoretical Approaches in Dance Movement Therapy. Kendall / Hunt, Iowa Die Autorinnen Susanne Bender Tanztherapeutin, M. A., Ausbilderin, Lehrtherapeutin, Supervisorin BTD, ECP, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Sonderpädagogin, Paar- und Familientherapeutin, leitet seit fast 30 Jahren das EZETTHERA, Europäisches Zentrum für Tanztherapie, ist Direktorin des Deutsch-Chinesischen Tanztherapieprogramms PDTT in Peking und zurzeit 1. Vorsitzende des BTD. ✉ Susanne Bender Geyerspergerstr. 25 | D-80689 München www.tanztherapie-zentrum.eu Imke Fiedler Tanztherapeutin, M. A., anerkannte Ausbilderin vom BTD und vom amerikanischen Verband ADTA, approbierte Psycholog. Psychotherapeutin, Dipl. Supervisorin, DGSv, leitet seit über 20 Jahren das „tanztherapie zentrum berlin.“ ✉ Imke Fiedler Am Tempelhofer Berg 7d | D-10965 Berlin www.tanztherapie-zentrum-berlin.de