körper tanz bewegung
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2195-4909
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Maren Iman Imran
Liebe Leserinnen und Leser, ‚Viele Wege führen nach Rom …‘ Historisch gesehen stammt der Ausspruch noch aus der Antike. Hier führten zunächst ‚alle Wege nach Athen‘, das sowohl über den Land- als auch über den Seeweg zu erreichen war. Mit der Vormachtstellung des Imperium Romanum wurde die Redewendung einfach auf die neue Situation übertragen. Der Spruch ist alt und vielleicht auch etwas abgedroschen. Aber für unsere Arbeit und die vielfältigen Methoden, die bei körper- und bewegungsorientierten Therapeuten eine Rolle spielen, passt diese Redewendung.
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89 körper-- tanz-- bewegung 3. Jg., S. 89-90 (2015) DOI 10.2378 / ktb2015.art15d © Ernst Reinhardt Verlag Editorial „Viele Wege führen nach Rom …“ Historisch gesehen stammt der Ausspruch noch aus der Antike. Hier führten zunächst „alle Wege nach Athen“, das sowohl über den Landals auch über den Seeweg zu erreichen war. Mit der Vormachtstellung des Imperium Romanum wurde die Redewendung einfach auf die neue Situation übertragen. Der Spruch ist alt und vielleicht auch etwas abgedroschen. Aber für unsere Arbeit und die vielfältigen Methoden, die bei körper- und bewegungsorientierten Therapeuten eine Rolle spielen, passt diese Redewendung. Es gibt viele Methoden, die sich in der Therapie als hilfreich erwiesen haben. Manche Techniken sind mit wissenschaftlichen Studien untermauert, doch eine Wirksamkeitsgarantie gibt es nicht. Denn hier geht es nicht um eine Stadt, sondern um einzelne Menschen, unsere Klienten, mit unvorhersehbaren Reaktionen, komplexen Erfahrungen und Prägungen, Widerständen, sich verändernden Lebenswelten. Es steht außer Frage, dass es durchaus sinnvoll ist, sich auf bestimmte Praktiken zu konzentrieren. Insbesondere berufspolitische Zwänge erfordern eine Abgrenzung der Methoden, und dass eine wissenschaftliche Fundierung sinnvoll für alle Techniken ist, steht außer Frage. Dennoch lohnt sich der Blick über den Tellerrand. Denn in unserer praktischen Tätigkeit stehen die Methoden nicht in Konkurrenz zueinander. Sie zeigen verschiedene Ansätze auf, die sich als hilf- Liebe Leserinnen und Leser, reich erweisen können, oder eben nicht. Vielfalt schafft schließlich auch viele Möglichkeiten, die unsere Arbeit bereichern. Keine Methode ist universell, jeder Mensch ist speziell. Viele Wege führen nach Rom, doch jeder Klient braucht eine spezielle Route. Lassen wir uns bei der Suche nach dem richtigen Weg von der Vielfalt inspirieren! In dieser Zeitschrift bieten sich verschiedene Artikel für den Blick über den Tellerrand an: Susanne Bender bindet ihr Wachstumsmodell in die Therapie komplexer Posttraumatischer Belastungsstörungen ein und macht mit den Phasen Zugehörigkeit, Verantwortung, Offenheit und Trennung auf andere Perspektiven in der Therapie aufmerksam. Ulrich Sollmann berichtet von seinen Erfahrungen mit Körperpsychotherapie in China. Er zeigt das Spannungsfeld zwischen „Independent Self“ und „Interdependent Self“ und diskutiert die Verbindung von westlichen Psychotherapiemethoden und chinesischer Tradition. Ulrike Brandl bedient sich der Metapher des „inneren Schweinehundes“, um Klienten neue Wege aufzuzeigen. Sie verbindet dabei 90 3 | 2015 Editorial biodynamische Methoden und körperorientierte Selbsterfahrung mit systemischem Coaching und dem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM). Ich wünsche Ihnen durch die Lektüre Inspirationen für neue Wege! Maren Iman Imran Schriftleitung
